Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


Leider aus dem Transferfenster gefallen »

Es hat mich schon beschäftigt in den letzten Wochen: Wird der Club noch jemand abgeben (müssen), oder bleiben die Spieler aus der Vorbereitungsphase, die irgendwann eine Mannschaft ergeben sollen, zusammen? Des schlechten Spiels in Bochum nicht genug, folgte die schlechte Nachricht am Montag: Niklas Stark verläßt Nürnberg und geht zu Hertha. Schlecht ist die Nachricht natürlich nur aus sportlicher Sicht. Dem defensiven Mittelfeldmann wurde in den letzten zwei Jahren nicht die Zeit gegeben, sich zu entwickeln, wie auch sonst keinerlei Geduld vorhanden war. Stark war keine heimatgetränkte Sympathiebombe, keine rotschwarze Ausgabe von Kevin Großkreutz. Er hat niemals mit Tränen in den Augen auf seinem YouTube-Kanal grünweiße Meerschweinchen ertränkt, nur weil er glaubte, es seinen Fans schuldig zu sein. Aber ein Jugend-Europameister, der im zarten Alter von neun Jahren den Weg zum FCN fand, der hätte gerne noch ein bißchen bleiben dürfen.

Finanziell sind die angeblich drei Millionen sicherlich äußerst willkommen, halten sich doch hartnäckige Gerüchte, dass der Club ein bißchen klamm ist. Klammer jedenfalls, als seine öffentlichen Verlautbarungen es behaupten. Apropos Klammer. Quasi zeitgleich wurde der dritte Österreicher verpflichtet. Er heißt Georg Margreitter und kommt von den Wolverhampton Wanderers, die derzeit in der englischen Zweiten Liga spielen. Margreitter könnte in Nürnberg schnell heimisch werden. Auch die Wolves, die 1888 eines von 12 Gründungsmitgliedern der Football League waren, haben eine ruhmreiche Tradition und eine erkleckliche Anzahl von Auf- und Abstiegen vorzuweisen.  Wenn der Schorsch sich so reinhängt wie Guido Burgstaller, können die Fans für ihn singen “Wou iss denn des Gärchla?

Margreitter, man glaubt es kaum, ist ein Abwehrspieler.  Das ist eine echte Überraschung, denn nach vier Spieltagen wird die klare taktische Handschrift von Systemtrainer René Weiler immer deutlicher erkennbar. Weiler will der erste Trainer im deutschen Profifußball werden, der bei den erzielten und den Gegentoren im dreistelligen Bereich landet. Irgendwo muss man anfangen, hat er sich gesagt, also hat der Club nach vier Spieltagen bereits 12 Tore kassiert. Dieser Schnitt bedeutet am Saisonende 102 Gegentore. Jetzt müssen irgendwie nur noch 120  Tore geschossen werden, um den avisierten Platz unter den ersten Sechs zu erreichen. Das ganze nennt man dann am besten eine extrem offensive Grundausrichtung. Der nach zwölf Spieltagen leider völlig überstürzt entlassene Valérien Ismaël hatte nach den ersten vier Spielen der Vorsaison übrigens sechs Gegentore kassiert.  Damit war er für den sofortigen Wiederaufstieg  natürlich untragbar geworden. Wohl dem, der hohe Ansprüche hat.

Meine Saisonprognose – Gladbach Meister, Bayern in der Relegation »

Die Bundesliga geht wieder los, und wir können sagen: Wir sind dabei gewesen. Das ist von Goethe, und auch wenn der FC Empor Weimar 06 nur in der Kreisoberliga Mittelthüringen zugange ist, hat der Dichterfürst vom Frauenplan natürlich auch eine Weisheit für eine erfolgreiche Saisonvorbereitung parat: “Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen.” In diesem Fall von Ausdauer und Technik über Taktik und Spielintelligenz zum modernen Offensivfußball. Sepp Herberger, der große Aphoristiker aus Mannheim hätte es nicht knapper sagen können. Nicht alle haben auf das Wort des Dichters andächtig gelauscht.  Hier meine Prognose für die neue Saison.

1. Borussia Mönchengladbach, weil Fohlenflüsterer Lucien Favre die richtigen Worte findet, und Traoré und Hazard alle an die Wand spielen.

2. Schalke 04, weil sie mit André Breitenreider endlich den Taktikfuchs mit proletarischer Street Credibility haben, den sie brauchen.

3.  Borussia Dortmund, weil Thomas Tuchel ein verflucht guter Trainer ist, und Mikidingsbums die Saison seines Lebens spielt.

4. FSV Mainz 05, weil der Verein exzellent geführt ist, und viele Nobodys manchmal ein Spitzenteam ergeben.

5. VfL Wolfsburg, weil die Mehrbelastung auf dem langen Weg nach Mailand den Sprit knapp werden läßt.

6. Bayer Leverkusen, weil es nach dem guten ersten Jahr unter Roger Schmidt langsamer vorangeht auf dem Weg nach oben.

7. Hertha BSC Berlin, weil Dardai der richtige Mann ist, und Kalou mindestens 20 Tore schießt.

8. VfB Stuttgart, weil Zorniger die neuen jungen Wilden formt, und es diesmal kaum Verletzungssorgen gibt.

9. 1899 Hoffenheim, weil es nach guter Hinrunde in der Rückrunde keinen Totalabsturz gibt.

10. 1. FC Köln, weil sie sich so unauffällig konsolidieren, dass ich sie in der ersten Version glatt vergessen hatte.

11. Eintracht Frankfurt, weil Veh keine gute Fee ist, die einem einfach drei Wünsche erfüllt, auch nicht Platz, 4, Platz 5 oder Platz 6.

12. Werder Bremen, weil die Mannschaft Zeit braucht, um sich zu finden.

13. FC Augusburg, weil in der kommenden Saison andere Vereine das Momentum haben und die Europa League geistig erst verarbeitet werden muss.

14. Hannover 96, weil der Augenblick, einen neuen Sportdirektor einzuarbeiten, ungünstiger nicht gewählt sein könnte.

15. SV Darmstadt 98, weil der Wahnsinn einen Namen hat.

16. Bayern München, weil der Wurm drin ist, und ich in letzter Zeit immer an die Buddenbrooks denken muss, wenn ich Matthias Sammer sehe. In der Relegation geht es dann gegen Nürnberg.

17. HSV, weil ihn diesmal kein Kühne, Schiri, höheres Wesen noch Tribun retten können.

18 FC Ingolstadt, weil er wie Fürth bei seinem Kurzauftritt mit der Bundesliga fremdelt.

Jena leuchtet »

Es war ein prall gefülltes Pokalwochenende mit einigen sehr erfreulichen Ergebnissen. Drei Bundesligisten, die keiner wirklich braucht, der HSV, Ingolstadt und Hoffenheim, sind draußen. Mit Aue, Viktoria Köln und Reutlingen setzten sich außerdem ein Dritt-, ein Regional- und ein Oberligaverein gegen die Zweitligisten Fürth, Union und KSC durch. Die letzten beiden sind nach den hochgesteckten Zielen in einer handfesten Krise, mal sehen, wer von ihnen sich aus dem Kreis der  sechzehn Aufstiegsaspiranten demnächst verabschiedet. Viktoria ist zwar eine Neugründung aus dem Jahr 2010, kann seine Wurzeln aber über mehr als ein Jahrhundert zurückverfolgen. Einer der Vorläufervereine hieß offiziell “VfR Köln 04 rrh.”. Das rrh. stand für rechtsrheinisch, so viel Zeit musste sein. Ich frage mich, wie die Fans damals angefeuert haben, wenn der VfR linksrheinisch angetreten ist: “Hurra, Hurra, der rrh. ist da!” vielleicht. Ein Verein, der “rrh.” heißt, geht jedenfalls niemals ohne Punkt vom Platz.

Auch die faustdicken Überraschungen blieben nicht aus. Wer das Weiterkommen von Hertha und Nürnberg in die Kombiwette genommen hätte, könnte sich jetzt wahrscheinlich die kleine Zehe von Kevin de Bruyne leisten, wenn auch nur mit Ausstiegsklausel. Das Elfmeterschießen in Aalen zeigte, dass es mit Nürnberg nicht langweilig wird. Der Club hat nach wie vor das Zeug zum Depp, aber in Aalen hat er seinen Meister gefunden.

Mein persönlicher Glücksmoment war das 3-2 von Jena gegen den HSV. Wenn der Verein an der Pfeffersackchaussee ein Dino ist, der seine Corporate Identity ernst nimmt, dann sollte er endlich aussterben. Das peinliche Gewürge aus der Relegation setzt sich fort. Es bedurfte auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld zweier Freundlichkeiten des Schiedsrichters, der einen Ball im Aus nicht sah und eine Dino-Sympathie-Nachspielminute obendrauf legte, um den HSV in die Verlängerung zu wuchten. Dort siegte dann zum Glück das Gute, Jena kämpfte nicht nur mit heißem Herzen, es war den einfallslosen Hamburgern auch läuferisch und spielerisch überlegen.

Der FC Carl Zeiss Jena spielt leider nicht in der 3. Liga, sondern nur in der Regionalliga Nordost*. eine Klasse höher tummeln sich acht Vereine aus der letzten Saison der Oberliga der DDR, unter anderem auch die ehemaligen Bundesligisten Dynamo Dresden, Energie Cottbus und Hansa Rostock, der letzte Meister der DDR. Die Süddeutsche und die Berliner Zeitung haben ausführlich darüber berichtet.  Jena war im Pokal schon öfters der Favoritenschreck und hat mit Volkan Uluc seit Ende 2014 einen sehr interessanten Trainer, den ich einmal live erlebt habe, als er noch bei BFC Dynamo Berlin war. Außerdem ist Jena der einzige Verein im deutschen Profifußball, der auf seinen Heimtrikots für eine Heavy Metal Band aus Saalfeld und auf den Auswärtstrikots für eine militante Meeresschutzorganisation aus dem US-Bundesstaat Washington wirbt. Das eine würde man eher im Erzgebirge, das andere eher in Rostock vermuten. Wer so saucool ist und reihenweise Erstligisten nach Hause kegelt, der sollte es doch schaffen, demnächst aufzusteigen. Vielleicht gelingt ja auch der Durchmarsch. Darmstadt hat es vorgemacht.

*Korrigiert nach Hinweis von Oliver Fritsch. Danke!

Sommerfußball vom Feinsten »

Am Freitag war ich im Stadion und sah hocherfreut das 3-2 von Nürnberg gegen Heidenheim. Immerhin so etwas wie ein Angstgegner, gegen den der Club in der letzten Saison sang- und klang- und einfallslos zweimal verloren hatte. Diesmal gab es ein Happy-End. Der Club hat schon viele Spiele gemacht, die viel besser waren, aber selten habe ich die Mannschaft von der ersten Minute an derart wütend-aggressiv erlebt. Allen voran Jan Polak, der als Pokalsieg-Erinnerungsspeicher den wehmütig besungenen Pinola nicht ersetzen konnte,  der aber weiß, was es heißt in Nürnberg und für Nürnberg zu spielen. Der Kampfeswille war weder brutal noch planlos. Mit kühlem Kopf und der Faust in der Tasche hatte man sich vorgenommen, die Schmach von Freiburg, wo die Sonne fast so oft scheint wie in Cordoba, ebenso vergessen zu machen wie die Grundsatzdebatten in und um den Verein. Wie schlecht die Stimmung im Moment ist, zeigt die verhaltene Reaktion im kicker (“Ein Quantum Trost“). Auch die Nürnberger Nachrichten waren vor allem froh, dass die nächste Katastrophe vermieden werden konnte.

Dabei gab es einige erfreuliche Aspekte. Nürnberg war technisch besser als der Gegner, das waren sie in der letzten Saison nicht einmal. Es gab – von Torwart Kirschbaum angefangen bis hin zum fleißigen, aber vollkommen torungefährlichen Gislason, den ich zunächst mit Mlapa verwechselte – das klare Bestreben, jede Spielsituation, auch die defensiven, spielerisch zu lösen. Was des öfteren durch eine anmutige Raumaufteilung und kluge Laufwege gelang. Der von mir schon unter der Woche gelobte Brecko fügte sich nahtlos in den Defensivverbund ein. Am Freitag war die Abwehr wieder eine Abwehr, obwohl der designierte Chef Sepsi noch gar nicht dabei war. Bis auf die beiden verlorenen vor den Gegentoren gewann der Club alle wichtigen Zweikämpfe (Burgstaller vor dem 1-0, Blum vor dem 2-1, Füllkrug vor dem 3-2) und bewies eine unerschütterliche Moral. Das Spiel war auch nicht zerfahren oder durch viele Fouls belastet, wie zu lesen war, Schiedsrichter Dankert pfiff einfach konsequent kleinlich.

Bereichert wurde der Spielbesuch durch meine weibliche Begleitung, die bis dahin lediglich einmal ein 0-0 von Hertha im Berliner Olympiastadion erlebt hatte. Mit anderen Worten, Nürnberg gegen Heidenheim war ihr erstes Fußballspiel. Gefallen haben ihr die “kraftvoll” und unermüdlich singenden Fans in der Nordkurve (wir sitzen meistens im Block 14 mit bester Sicht und Akustik), gefallen hat ihr auch “die Wiese”, die man sieht, wenn man das Stadion betritt. Weniger  gut gefielen ihr die Pfiffe bei jeder Ecke für Heidenheim. Außerdem hätte sie es gut gefunden, wenn man auch die Heidenheimer Ecken per Bierwerbung ausdrücklich angekündigt hätte. Wegen der mangelnden Fairness war sie dann irgendwann für Heidenheim: “Man kann seine Gäste doch nicht so behandeln.” Als die Gäste zweimal den Ausgleich machten, kicherte im Block 14 genau eine Person zweimal in sich hinein. Nach dem 2-2 ließ sie sich dann zu der Prognose hinreißen: Ein Tor fällt noch, und  die Gerechtigkeit wird siegen. Es war an Polak, die schlummernde Fachkenntnis dieses Fußballtalents mit einem sagenhaft schönen Tor zu bestätigen.

Jetzt bin ich gespannt, was der Club in seiner Königsdizplin des Grauens zu leisten vermag. Am Montag ist Pokal.

 

 

 

Das Aufstiegsgespenst verjagt »

Die Leistung war bodenlos, trotzdem ist der Club gleich am ersten Spieltag auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Trainerfuchs Weiler hat mit dem 3-6 in Freiburg die Rahmenbedingungen geschaffen, die es ihm ermöglichen, in Ruhe den Aufstieg im Jahr 2017 2018 2019 anzupeilen. Alle überzogenen Erwartungen wurden eliminiert. Wobei, ich will hier nicht vorschnell die Hoffnungen schüren. So ein Aufstieg, der braucht Zeit. Und das in diesen Fragen erfahrene Management Bader/Wolf gibt Weiler bestimmt die Zeit, die er benötigt. Das war nicht immer so. Vorgänger Ismael war nach fünf, nicht sechs Gegentoren in Fürth am zweiten Spieltag bereits unten durch, als Fehlgriff abgestempelt. Weiler darf bestimmt noch gegen Heidenheim für Spielkultur sorgen, gegen die er zuhause verlor in der Vorsaison, und dann ist ja bald auch Pokal: der Wettbewerb, in dem der Club ein regelmäßig eine Topleistung abruft. Und dann? Dann gibt es vielleicht einen Rechtsverteidiger, der sich nicht so übertölpeln läßt wie Möhwald beim spielentscheidenen 5-3, und einen Offensivspieler, der im eigenen Strafraum nicht zulangt wie ein Möbelpacker auf Tilidin.

Weiler hat vor dem Saisonauftakt laut kicker behauptet, er sei verantwortlich für “eine geschlossene Mannschaft, die sich nie unterkriegen lässt.” Davon war in Freiburg keine Minute etwas zu sehen. Außer dem glücklich krumm gesäbelten 2-4 nach einer Ecke und dem äußerst gästefreundlichen Elfmeter zum 3-4 war der Club einfallslos und planlos, bolzte die Bälle lang in die Mitte und ließ die letzte halbe Stunde nach dem 3-5 kampflos über sich ergehen. Aber immerhin. Vor dem Spiel sagte Weiler: “Man weiß noch nicht genau, wo man steht.” Jetzt sind die Zweifel ausgeräumt. Der Club ist Letzter.  

Zweite Liga rockt »

Nur noch vier Tage, dann beginnt sie: die beste Zweite Liga aller Zeiten seit der besten Liga aller Zeiten vom Sommer 2014. Mit Bielefeld und Duisburg kehren zwei legendäre Ex-Bundesligisten in den Kreis der glorreichen 18 zurück. Mit den Münchner Löwen hat ein Verein mit hohem Unterhaltungswert die Klasse gehalten. Wenn die Roten früher der FC Hollywood war, dann sind die Löwen der TSV Komödienstadl, die Daily Soap in flauschiblau. Das Personal wechselt schneller als bei Game of Thrones und die Ansprüche sind höher als der Olympiaturm.

Ein Lichtblick sind auch die Roten Bullen aus Leipzig. Dieses wüste und wahllose Bashing leuchtet mir nicht ein. Rangnick ist einer der klügsten und innovativsten Köpfe im Fußball, die beiden Leipziger Traditionsvereine hatten 20 Jahre Zeit, um ihre eigene Fußballkultur aufzubauen. Stattdessen gab es eine liebevoll gepflegte Feindschaft ohne nennenswerte sportliche Außenwirkung. Es ist traurig, dass die Ostvereine mit Ausnahme von Union so weit unten stehen. Egal, ob Cottbus, Rostock oder Dresden, alle haben sich ihre Situation durch hausgemachte Fehler selbst eingebrockt, es waren nicht die bösen Großsponsoren, die den Niedergang herbei geführt haben. Leipzig hat eingekauft wie irre, zugegebenermaßen, aber entscheidender ist, dass Rangnick sportlich das Sagen hat. Außerdem schießt Geld tatsächlich keine (entscheidenden) Tore, wie das Mittelmaß der Premier League zeigt. In den nächsten Jahren kann Leipzig für den Fußball im Osten eine Leuchtturmfunktion übernehmen. Das heißt nicht, dass jeder Verein einen exotischen Milliardär in der Hinterhand haben muss, sondern, dass langer Atem und Strategie auch bei Traditionsvereinen funktionieren können. Bielefeld und Duisburg, Braunschweig und Darmstadt sind Beispiele aus den letzten Jahren.

Das Feld ist ausgeglichen wie nie, man muss suchen, um eine Mannschaft zu finden, die nicht zumindest inoffiziellen Aufstiegsambitionen hat. Außer den beiden Aufsteigern fallen mir nur Sandhausen und der FSV Frankfurt ein. Zusammen mit Leipzig und Union sind das die beiden Vereine, die noch nie in der Bundesliga waren.

Zu den unter den Hand gehandelten Aufstiegsanwärtern gehört natürlich auch wie immer der 1. FC Nürnberg. René Weiler, der aktuelle Trainer mit Langzeitperspektive beim Club, hat als Saisonziel einen Platz unter den ersten Sechs ausgegeben. Dafür hätte der Club in der Vorsaison 50 Punkte gebraucht, also einen Schnitt von 1,4705 Punkten. Erreicht hat Weiler in den 21 Spielen der Vorsaison 1,4761 Punkte. Weiler will den Club also um 55 Tausendstel schlechter machen, um besser zu werden. Das klingt nach langfristiger, nach sehr langfristiger Aufstiegsstrategie. Aber besser den Ball flach halten anstatt wieder Dresche kriegen für unerreichbar hohe Ziele. Für Platz zwei (59 Punkte) brauchte man in der Vorsaison 1,74 Punkte pro Spiel.

Valérien Ismaël, Weilers Vorgänger ohne jeglichen Rückhalt, war in den ersten 13 Spielen auf 14 Punkte gekommen. Der Punkteschnitt von 1,08 hätte am Ende 36,7 Punkte ergeben. Mit 37 hätte der Club die Klasse glatt gehalten. Egal, Nürnberg hat in der Vorbereitung den Viertligisten Schweinfurt 05 mit 1-0 förmlich gegen die Wand gespielt, und gegen Celta Vigo ein 2-2- erkämpft. Da kommt der Auftakt in Freiburg gerade recht. Weiler und Ismaël sprechen beide Französisch. In diesem Sinne: Laissez les bons temps rouler!

 

Game of Trainerstühlchen – Die fünfte Staffel »

Was bisher geschah.

Im Reich des Südens: Nachdem Dynastiebegründer Ulus der Untersetzte beim Orakel von Abgabenordnung Buße für vergangene Sünden tun muss, ist sein Thron reichlich verwaist. Seine Diadochen haben nichts zu lochen außer Steuerbelege, als der Schamane des Königshauses, Müwo der Pumperlgsunde, aus heiterem Himmel freiwillig in die Verbannung geht. Er will sich nicht den Zorn des Übungsleiters Peperoni des Affenscharfen zuzuziehen, der glaubt, Müwo der Pumperlgsunde habe die Sprunggelenke vom besten Pferd im Stall behext. Doch auch Peperoni der Affenscharfe sollte sich nicht zu sicher fühlen, denn Haushofmeister Kim Il Mac R, bekannt und beliebt durch die Moderation unzähliger Bankette, sägt schon an seinem Klappstuhl.

Im Reich des Westens:  Der äußerst erfolgreiche Übungsleiter Kloppo Trump  geht nach sieben Jahren freiwillig in die Verbannung, um dort kalten Hackfleisch- und Nierenpudding zu essen. König Aki der Altbierverächter, läßt die Krokodile im Wassergraben seiner Burg Iduna mit einer Extraportion Currywürsten füttern, weil ihm die Tränen ausgegangen sind. Kleinkreutz, der Hofnarr, fällt durch den Schmerz über Kloppos Abgang in geistige Umnachtung und trainiert fortan Außenristpässe. Doch seht, ein fahrender Ritter, in feinstes Tuchel gehüllt, kann vielleicht Abhilfe bringen.

Im Reich des Nordens: Die letzten 13 Übungsleiter wurden alle in die Verbannung geschickt, jetzt hat Uva Seela, die greise Seherin auf Schloß Volkspark, Nummer 14 eine glückliche Zukunft prophezeit. Völlig überraschend wird der juvenil wirkende Barde Bruno La Balladia unter verhaltenem Jubel auf den Schleudersitz gehievt. Sein Vertrag gilt auch für die Unterwelt, weil er weder Hölle, Tod noch Pauli, den kleinen Maulwurf fürchtet. Um seine Mannen nervlich zu entspannen, läßt sie La Balladia als erstes “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” anstimmen. Leider stellt sich die Viererkette im Tenor als eine empfindliche Schwachstelle heraus, was die Götter unfroh stimmt.

Es zeichnen sich unvorstellbare Verwicklungen ab.

Und täglich grüßt die Extrawurst »

17. Mai 2006 Champions League Finale zwischen Arsenal und Barcelona. In der 18. Minute foult Arsenals Torhüter Jens Lehmann den durchgebrochene Eto’o und sieht Rot. Arsenal verliert ein grandioses Endspiel mit 2-1. Knapp zwei Monate später WM-Endspiel in Berlin. Nach einem Kopfstoß gegen den Italiener Materazzi sieht Zinedine Zidane in der 110. Minute Rot. Frankreich verliert im Elfmeterschießen.

Auch wenn es die Vorstellungskraft der meisten Bundesliga-Schiedsrichter überschreitet: Es ist möglich und dem Spiel sogar förderlich, Regelverstöße von allen Spielern zu bestrafen, egal, ob sie in vermeintlich großen oder kleinen Mannschaften spielen. Die Welt geht nicht unter, wenn es Chancengleichheit gibt zwischen Favoriten und Außenseitern. Warum also ist es nicht möglich, Spiele des FC Bayern regelkonform zu leiten und stattdessen das Team aus München in penetranter Weise zu bevorzugen und die gegnerische Mannschaft zu benachteiligen? Und warum wird diese gängige Praxis von den meisten Sportjournalisten devot oder achselzuckend zur Kenntnis genommen?

Jeder im Stadion in Leverkusen hat gestern Abend gesehen, dass Thiago zwingend hätte Rot sehen müssen. Jeder im Stadion hat am vergangenen Samstag in Dortmund gesehen, dass Xabi Alsonso in der 88. Minute ein Foul an Aubameyang beging, indem er ihm auf den Fuß trat. Das hatte er im Spiel vorher schon dreimal gemacht, weil er läuferische Defizite hat. Jeder im Stadion formerly known as Volkspark hat am 4. Spieltag gesehen, dass Neuer einen Konterversuch in der Nachspielzeit per Handspiel an der Mittellinue unterband und Gelb anstatt Rot sah. Jeder im Berliner Olympiastadion hat am 17. Mai 2014 gesehen, dass Mats Hummels in der 65. Minute ein reguläres Tor für Dortmund im Pokalfinale gegen die Bayern erzielte.

Tom Bartels, der Erste Bayern-Schwadroneur der ARD*, wußte gestern zu vermelden, dass noch nie eine Mannschaft dreimal hintereinander Pokalsieger geworden ist. Es gibt auch keine andere Mannschaft, die in engen, in kritischen Spielen in nationalen Wettbewerben von den Schiedsrichtern so zuvorkommend bedient wird wie die Bayern. Das gleicht sich im Lauf der Saison nicht aus, das ist ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil, der die psychologische Ausgangssituation der Bayern gegenüber allen anderen Wettbewerbern drastisch verbessert, will sagen, den Wettbewerb systematisch verzerrt. Im Großen wie im Kleinen. Nehmen wir den 2. Spieltag der Saison 2010/11. Am ersten Spieltag verlieren die Bayern zuhause gegen Gladbach nach Fehler von Neuer. Der Torwart aus Schalke hat einen nennenswerten Teil der Fangemeinde gegen sich, nach seinem Patzer ist der Unmut größer geworden. Auch gegen Wolfsburg patzt er in der 39. Minute. Der reguläre Treffer von Helmes wird aber nicht anerkannt, warum, weiß keiner.  Bayern gewinnt durch ein Tor von Luiz Gustavo in der letzten Minute mit 1-0, und Neuer kriegt die Kurve. Es sind diese kleinen Extras, diese Mischung aus Nachsicht, Servilität und Regelblindheit, die am 27. Spieltag zehn Punkte Vorsprung bedeuten können, oder den erfolgreichen Einbau eines  Schlüsselspielers zu Beginn der Saison. Neuer hätte auch scheiten können, so wie Hildebrand in Valencia oder Özil bei Real Madrid. Das ist sein Berufsrisiko, das ein Schiedsrichter nicht zu mindern braucht. Genau wie es das Risiko der Vereinsführung ist, einen Transfer zu vergeigen.

Luiz Gustavo, der Siegtorschütze gegen Wolfsburg, ist ein schönes Beispiel dafür, wie gut es sich leben läßt im Bayern-Kokon. Der Brasilianer stieg 2008 mit Hoffenheim in die Bundesliga auf. In 82 Spielen für Hoffenheim sah er einmal Rot und viermal Gelb-Rot. Auch für einen defensiven Mittelfeldspieler eine äußerst rustikale Bilanz. Am 1. Januar 2011, in der Winterpause, wechselte Gustavo zu den Bayern. In den 67 Spielen dort sah er weder Rot noch Gelb-Rot. Zur Saison 2013/14 wechselte er nach Wolfsburg und sah in 29 Spielen dreimal Gelb-Rot. In den 26 Spielen der laufenden Saison ist er ohne Rot und Gelb-Rot ausgekommen. Ein Jahr lang hat Dieter Hecking gebraucht, um dem Ex-Bayern-Spieler beizubringen, dass für ihn jetzt Regeln gelten, um die er sich im roten Trikot nicht zu kümmern brauchte. Es ist nicht die superbe Technik, die man im Training an der Säbener Straße beigebracht bekommt, nicht das Bayern-Gen, die Bierruhe, das Mia san Mia, es ist die speziell für die Bayern geschaffene Komfortzone, die es für die anderen Vereine im Profifußball nicht gibt, die aus dem Risikofaktor Luiz Gustavo eine verläßliche Größe machte.

Wer sich sicher sein kann, dass er sich in Zweikämpfen die eine oder andere Grobheit mehr rausnehmen kann, wer weiß, dass für ihn spezielle Privilegien gelten, wer es gewohnt ist, dass ihm regelmäßig kleine Aufmerksamkeiten zuteil werden, der tritt auch entsprechend auf. Es gibt keinen anderen Verein, in dem ein Spieler, der wie Ribéry pünktlich wie ein Quartalssäufer zur Flasche zum Revanchefoul greifen würde, jedesmal ungeschoren davon käme. Der “emotionale Typ”, der wenigstens schon vier mal glatt Rot hätte sehen müssen, weiß, warum es bei den Bayern so schön ist. In keiner anderen großen europäischen Liga würde man ihm diese regelmäßigen Ausraster durchgehen lassen. Ich bin kein Fan von Cristiano Ronaldo, aber zum Fußballer Europas fehlt Ribéry tatsächlich das Format. Dass er ein guter Tempodribbler ist, steht außer Frage, aber wenn man Zidane vom Platz stellen kann, dann auch Ribéry. Und Thiago. Und Neuer. Ohne großes Tamtam einfach mal die Regeln anwenden.

Denn wenn es nach den Regeln geht, tun sich die Bayern schwerer, als es ihnen und ihren Claqueuren lieb sein kann, dann ist von der vermeintlichen Überlegenheit nichts zu sehen. Botaeng sieht Rot, Schalke punktet in München. Tobias Welz liefert keine überragende, aber fehlerfreie Leistung zu Beginn der Rückrunde ab, Bayern verliert 4-1 gegen Wolfsburg. Peter Gagelmann kriegt im kicker die Note 2, Dortmund vernascht Bayern im Pokalendspiel mit 5-2.  Auf internationalem Parkett das gleiche Bild. Der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca beim Finale dahoam war ordentlich, aber nicht überragend, ebenso wie Howard Webb beim 0-1 im Halbfinale gegen Real vor knapp einem Jahr. Man muss keine Sternstunde haben als Schiedsrichter, man muss nicht über sich hinaus wachsen, um ein Spiel der Bayern ohne krasse Fehlentscheidung zu ihren Gunsten zu leiten. Man braucht Courage und den Willen, genau hinzuschauen, mehr nicht. Dann ist man in der Lage, das Undenkbare zu tun, und die Bayern nach den gleichen Regeln zu behandeln, die für den Rest der Liga gelten.

Dass die Bayern verläßlich ihre Extrawurst serviert bekommen, liegt auch am Umgang vieler Journalisten mit dieser Vorzugsbehandlung. Außer Günter Netzer (bei Länderspielen) gibt es keinen relevanten Experten, der nicht ein ehemaliger Bayern-Spieler ist, so sehr ich Stefan Schnoor auch schätze. Kahn, Scholl, Hamann, Matthäus, Beckenbauer, Effenberg, Helmer – für ein Land, das so reich gesegnet ist mit redseligen Ex-Profis, eine erstaunlich einseitige Auswahl. Ich war hocherfreut, als Erik Meijer neulich bei Sky auftauchte. Vielleicht ist es diese geballte Bayern-Präsenz, die es für Tom Bartels (und andere) unmöglich macht, einen einfachen Sachverhalt korrekt wiederzugeben. Bei einem Kopfballduell schlug Dante gestern seinem Gegenspieler, ich glaube, es war Spahic, ins Gesicht. Ob es eine Tätlichkeit war oder eine Versehen, ist unklar, aber es war ein Schlag ins Gesicht. Bartels beschreibt die Szene so: “Da hat sich der Leverkusener im Zweikampf mit Dante weh getan.” Weh getan? Warum so schüchtern? Ist es Majestätsbeleidigung, einen Schlag ins Gesicht als solchen zu bezeichnen? Spieler machen Fehler, pausenlos. Nicht nur das. Spieler – das ist nicht unwesentlich für die Idee der Chancengleichheit – werden von ihren Gegenspielern zu Fehlern gezwungen. Handlungsschnelligkeit, Ballsicherheit und Matchplan führen zu Abspielfehlern, Stellungsfehlern und Fouls. Und diese Fehler nutzt man aus. Weil man gewinnen will. Xabi Alonso kommt zu spät gegen Aubameyang, es gibt Elfmeter für Dortmund. Thiago fehlt in seinem zweiten Spiel nach einem Jahr Pause die Kondition, Bayern muss 40 Minuten in Unterzahl spielen. Diese Fehler sollte man als Kommentator einfach mal benennen und nicht wie Bartels in eine reflexhafte Rechtfertigungslitanei verfallen, wann immer ein Bayern-Spieler einen Fehler macht. Dann spricht sich das eventuell bis zu den Schiedsrichtern herum, und dann, vielleicht, wird das Premiumprodukt Bundesliga kein mehrstimmiges Bayernweihfestspiel mehr, sondern ein sportlicher Wettkampf mit offenem Ausgang.

*nicht des ZDF [korrigiert 2015-04-09, 12.14 Uhr]

Hoffentlich der HSV »

Birger Hamann ist Sportredakteur bei Spiegel-Online. Am 31.3. hat er dort einen Artikel veröffentlicht, in dem er versucht, den HSV als die beste aller Möglichkeiten für Thomas Tuchel darzustellen. Wenn’s ein Aprilscherz war, war er verfrüht, ansonsten ist Humor auf SPON eher etwas für Eingeweide, wie wir in Franken sagen. Meist geschieht er unfreiwillig.

Der Text läßt wirklich nichts aus: Der HSV sei “eines der derzeit spannendsten Projekte der Bundesliga”. Wohl wahr. Kriegen Sie auf die Fresse oder auf den Sack? Spielen sie schlecht oder mies? Und welche Ausrede hat der gerade noch amtierende Trainer für die permanente Sieglosigkeit? Peter Knäbel, den offenbar ein Knäbel-Vertrag auf die Trainerbank zwingt, meinte im kicker, es sei symbolhaft für das Spiel, dass der stabilste Innenverteidiger das 0-1 in Leverkusen eingeleitet habe. Gut, alles ist relativ. Johan Djourou steht mit -26 Punkten im kicker Classic Manager etwa auf Platz 70 von etwa 80 Abwehrspielern und damit deutlich vor seinen Teamkollegen Marcos und Ostrzolek.

Aber keine vorschnellen Schlüsse. Der Kader ist der erste von fünf Gründen, der den HSV laut SPON so attraktiv für Tuchel macht. Die Offensivakteure Holtby, Müller, Beister und Lasogga hätten bereits bewiesen, “dass sie eine Mannschaft verstärken können”. Kommt immer darauf an, wie schwach die Mannschaft vorher war: Wandervogel Holtby bisher noch nirgendwo, Dauerpatient Lasogga schon länger nicht mehr, Nicolai Müller war manchmal gut in Mainz.

Grund zwei sei die professionelle Infrastruktur: Zwar hat Hamann den “manchmal etwas redseligen Aufsichtsratschef Karl Gernandt” ausfindig gemacht, trotzdem ist keine zehn Zeilen später ” die Zeit der Indiskretionen” vorbei. Außerdem sollen zusammen mit dem Bau des HSV-Campus Nachwuchsteams aufgebaut werden. Echt jetzt? Und in nur zehn Jahren werden dann die Götzes und die Lahms, die Rüdigers und die Khediras sich die Klinke in die Hand geben. Viele Vereine leisten hervorragende Nachwuchsarbeit, Stuttgart und Freiburg zum Beispiel, auch wenn sie unten drin hängen. Dass ein noch zu schaffender Nachwuchsbereich dem HSV Zugang zu den Spitzenplätzen der Liga verschaffen wird, ist so realistisch wie ein Wechsel von Messi an die Elbe, weil dieser über Nacht Hans-Albers-Fan geworden ist. Aber trotzdem wird das auf SPON als die neue “Klub-Philosophie” verbraten, drunter geht es nicht.

Argument drei und vier sind die leidensfähigen Fans und der Umstand, dass der HSV bisher noch nicht abgestiegen ist. Außerdem biete Hamburg noch viel mehr Sponsorengelder, die sich planlos verballern lassen. Tuchel wird der Türöffner für die Schatullen der Entrepreneureichen und des hanseatischen Geldadels gleichermaßen, raburick barbatrick, einfach so. Vielleicht baut der neue Trainer nach seiner ersten Meisterschaft sogar ganz allein die Elbphilharmonie fertig. Bestimmt sind die HSV-Fans, gemessen an ihrer eigenen Erwartungshaltung, äußerst leidensfähig, aber die Probe aufs Exempel sind dann doch ein paar Jahre Zweite Liga oder vielleicht sogar Dritte Liga, um sich ungestört vom Medienrummel in der Medienstadt Hamburg neu zu erfinden. Löwen-Fans, Fortuna-Fans, Dynamo-Fans, MSV-Fans, die sind leidensfähig. Ob HSV-Fans leidensfähig sind, oder nur vom Dauerdusel verfolgte Prinzessinnen auf Erbsen, kann nur ein zünftiger Abstieg erweisen.

Als letztes Argument werden die wenig attraktiven Alternativen für Tuchel genannt: Bei Leverkusen, Bayern, Dortmund, Hoffenheim, Schalke, Wolfsburg – alles Mannschaften, mit denen der HSV seit Jahren auf Augenhöhe wetteifert – stünde im Moment kein Trainerwechsel an. Wenn sich Hamann da nicht täuscht. Wer RB Leipzig ernsthaft in Erwägung zieht, der findet vielleicht auch an Bremen Gefallen. Da gibt es übrigens schon einen funktionierenden Nachwuchsbereich, der Spieler hervorbringt, die verkäuflich sind.

Ich denke, Tuchel wartet jetzt noch ein paar Wochen, bis die gefühlsechte Liebe zwischen Klopp und Borussia auf Platz 13 langsam ausgeklungen ist, und geht dann zu einem funktionierenden Verein, der eine schlechte Saison spielt. Also zu Schalke, jetzt, nachdem di Matteo die Champions League vergeigt hat.

Und der HSV macht sich hoffentlich vom Acker, bis er und sein Umfeld wieder realitätstaugliche Situationsbeschreibungen liefern können.

 

 

Bayern wieder taktisch unterlegen »

Es wäre zu leicht, die Niederlage der Bayern gegen Gladbach an Neuers Fehler fest zu machen. In erster Linie war es eine kluge und leidenschaftliche Mannschaftsleistung der Gladbacher, die den Sieg in München brachte. Nach zehn Minuten fiel den Bayern nichts mehr ein, Gladbach war läuferisch besser und handlungsschneller, außerdem nahmen sie die Zweikämpfe an, manchmal etwas ruppig zwar, das brutalste Foul des Spiels aber kam aber von Schweinsteiger und blieb ungeahndet.

Apropos ungeahndetes Foul. Es ist schon merkwürdig, dass die Bayern die beiden  Spiele verloren haben, in denen es keine Fehlentscheidungen zu ihren Gunsten gegeben hat. Natürlich haben sie nicht jedes ihrer Spiele wegen einer Fehlentscheidung gewonnen, aber es gab einige, die auf der Kippe standen (zuletzt Hannover, Bremen), und bei denen Schiedsrichtergeschenke den Ausschlag gaben. Beim 1-4 in Wolfsburg und gestern gab es keine Großzügigkeiten des Referees, und am Ende gewann das taktisch klügere Team. Vermutlich wird Rummenige Guardiola demnächst zurechtweisen: Fußball ist kein Stierkampf.

Die Bilanz der Bayern gegen Wolfsburg, Gladbach und Schalke (Platz 2,3 und 5)  ist mit drei Unentschieden, zwei Niederlagen und einem Sieg äußerst durchwachsen und spricht nicht für ein grandioses Saisonfinale. Die Kantersiege gegen Paderborn und den unsäglichen HSV sind kein Maßstab, auffällig ist die große Abhängigkeit von Robben in dieser Saison. Der spielte tatäschlich häufig Weltklasse, aber sonst halt keiner.

Es kann schon sein, dass sie wieder Meister werden, Wolfsburg und Leverkusen haben zu viele Punkte liegen lassen, aber wer will schon acht Spieltage erleben, bei denen die Verfolger immer näher kommen und die Bayern ins Ziel wanken? Und ob es in der Champions League zu mehr reicht als zum Halbfinale, mals sehen. Auch in Donezk waren sie einfallslos, zuhause half ihnen dann ein Platzverweis nach drei Minuten in die Spur.

Apropos Champions League. Mit Jens Keller qualifizierte sich Schalke zweimal in Serie für diesen Wettbewerb. Dann wurde er entlassen. Unter Di Matteo muss die Mannschaft um die Europa League bangen. Vielleicht sollten Horst Heldt und Martin Bader auf die Fanfreundschaft zwischen dem Club und Schalke noch eine Managerfreundschaft setzen. Sie scheinen bei ihrer Personalpolitik Brüder im Geiste zu sein.

 

 

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