Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


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Dinamo Zagreb hat in der Qualifikation zur Champions League zu Hause 0:3 gegen Arsenal London verloren. Wenn ich Dinamo Zagreb wär, würde ich darauf bestehen, dass das Rückspiel aus Sicherheitsgründen an einem neutralen Ort ausgetragen wird, auf den Falklandinseln zum Beispiel. Unter den Bedingungen des Ausnahmezustands, die in London herrschen, ist ein regulärer Spielbetrieb nicht gewährleistet.

Die Manie, die israelischen Mannschaften in den europäischen Wettbewerben regelmäßig um ihren Heimvorteil zu bringen, nervt extrem. Zugegebenermaßen ist Haifa im Moment kein Ort, an dem man Europapokalspiele austragen sollte. Aber in Jerusalem gibt es das sehr schöne Teddy Stadium, Heimat des Qualifikanten Betar Jerusalem und benannt nach Teddy Kollek. (Sollten Fürth und Jerusalem je im UEFA-Cup aufeinandertreffen und ihr Heimrecht wahrnehmen können, hießen die Austragungsorte Teddy Stadium und Playmobil Stadion, das hätte doch was.)

Das Teddy Stadium ist außer Reichweite sämtlicher Hisbollah-Raketen, ebenso wie das Vasermil Stadium von Hapoel Beer Sheva, mitten in der Negev-Wüste. Dass die Sicherheitsbedenken reine Heuchelei sind, zeigt die Reaktion nach Anschlägen in europäischen Städten. Weder mußte Real Madrid seine Spiele nach der Katastrophe in Atocha aus Sicherheitsgründen auf Fuerteventura oder in Kiew austragen, noch mußten Chelsea, Arsenal und die anderen Londoner Vereine nach den Rucksackbombern auf ihren Heimvorteil verzichten. Aber mit den israelischen Mannschaften kann man es ja machen. Anstatt leise über die unattraktiven Gegner zu schimpfen und in Panik zu verfallen, sobald der Tower des Ben Gurion Flughafens am Horizont auftaucht, sollten die europäischen Vereine und die UEFA lieber Zivilcourage zeigen und Israel diesen symbolischen Akt der Unterstützung nicht verweigern. In der Vorbereitung auf die heute Abend beginnende Saison gab es mehr Testspiele gegen israelische Mannschaften als je zuvor. Die würden sich alle freuen, ihre Kollegen daheim begrüßen zu können.

Mainz, Bielefeld, Wolfsburg, Nürnberg und Hannover spielen alle auch noch mit in der Bundesliga und werden sich voraussichtlich irgendwie im mittleren Drittel gruppieren. Allen fünfen ist gemeinsam, dass von ihnen weder Wunderdinge noch eklatante Aussetzer zu erwarten sind. Auf den zweiten Blickallerdings kann es die eine oder andere Überraschung geben.

Am ehesten traue ich dem Club einen Platz unter den ersten sechs zu, auch wenn Hans Meyer das gar nicht gerne hört. Die Mannschaft ist noch längst nicht am Limit und der Verein hat mittlerweile eine vernunftbegabte sportliche Leitung. Nachdem Wolfsburg Kaiserslautern erledigt hat, erheben Augenthalers Jungs legitimen Anspruch auf den Titel “Grüne Teufel”. Es gibt einige tolle Spieler dort, sie müssen nur 34 Spiele lang so mitreißend spielen wie in den letzten 15 Minuten der letzten Saison. Bielefeld hat zwar nicht den hohen Niedlichkeitsfaktor wie Freiburg, aber gepflegte Spielkultur mit wenig Geld wird auch im dritten Jahr für den Klassenerhalt reichen. Bei Hannover und Mainz ist nach oben und unten alles drin, kommt auch darauf an, wie die Spieler mit ihren medial sehr präsenten Trainern zurecht kommen und die Abgänge in letzter Sekunde verkraften (Thurk, Mertesacker).

Die Zweite Liga gibt es auch noch. Dort spielen diese Saison elf ehemalige Bundesligisten. Als Aufsteiger wünsche ich mir Jena, Rostock und Essen, schaffen werden es wahrscheinlich Köln, Freiburg und Duisburg. Oder vielleicht doch Fürth. Teddy Stadium, here we come.

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