Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Der Tor des Jahres – Rheuma-Kai

Der Bayerische Hofrundfunk teilt über Günther Koch auf seiner Homepage mit: “Unvergleichlich das An- und Abschwellen seiner Stimme, seine Begeisterung und vor allem sein Tor-Riecher. Wenn er sagt “jetzt kracht’s”, dann folgen fast immer ein Treffer und Günther Kochs unnachahmlicher Torschrei.” (Bocksgesang? Haben die Bocksgesang gesagt?)

Wer das Vergnügen hatte, am Samstag Bayern gegen Nürnberg in voller Länge im TV zu sehen, dem konnten große Zweifel kommen, ob Günther Coch ein Fan des 1. FC Nürnberg ist. Er ist es nicht, und wenn, dann auf eine sehr verzwirbelte, leicht masochistische Art und Weise. Oder ein glühender Clubberer hat sich vierzig Jahre lang an eine abweisende Umgebung angepaßt hat. Günther Koch, ein Zelig in der Bundesliga?

Dreimal lobte und schrie Koch den Ball voreilig ins Tor der Nürnberger. Über den Tölpel Rheuma-Kai wußte er vor der 48. Minute mehrfach mitzuteilen: “Wenn er den Ball hat, ist es ein Tor.” Jedoch hatte Club-Torhüter Raphael Schäfer für einen Sekundenbruchteil noch die Hand im Spiel. Danach konnte der Spieler mit der Nummer 10 im Trikot des FC Bayern zurecht den Titel Tor des Jahres für sich beanspruchen. Als Jochen Seitz vom 1. FC Kaisrslautern 2004 eine ähnlich Chance versemmelte, hat ihm die Süddeutsche ziemlich fies eins hinterhergetreten bzw. gescrieben. (War das nicht so gar ein Streiflicht?) Bin gespannt, was sie morgen über den niederländischen Offensivspieler schreiben.

Günther Koch sprach ferner grundsätzlich von “Schweini” und “Poldi”, sprach “Mehemet”, “Roy” und andere Bayern-Spieler mit Vornamen an, lobte Kahn für jeden fehlerfrei aufgenommenen Rückpaß und wurde nicht müde, das Niveau des Spiels in Grund und Boden zu reden, anstatt die vorzügliche Raumaufteilung und kluge Vorwärtsverteidigung der Nürnberger auch nur ansatzweise zu würdigen. Natürlich spielten sie “tapfer”. Wenn in der Ecke des Bildes nicht Arena gestanden hätte, es hätte auch das Closed-Circuit-TV des FC Bayern sein können. Man kann den Punktgewinn der Nürnberger als glücklich bezeichnen, aber man muß in München nicht gewinnen, wenn man Tabellenführer ist. Und man verliert nicht, wenn der Torwart Schäfer und der Sechser Galasek heißt.

Ein anderer ehrenamtlicher FC-Bayern-Claqueur, Marcel Reif, hat lang in seinem bunten Fußball-Lexikon geblättert. Er schreibt in seiner sonntäglichen Kolumne “Live aus dem Stadion“, die im Berliner Tagesspiegel erscheint: “Clubberer, die den Münchnern trotzen, das hat es irgendwann einmal gegeben als Heiner Stuhlfauth noch im Tor stand.” Und Meister werde Nürnberg “ohnehin erst, wenn Heiner Stuhlfauth wieder im Tor steht.” Die letzte Meisterschaft mit Stuhlfauth gab es 1927 mit einem 2:0 gegen Hertha im Grunewaldstadion in Berlin. Danach folgten noch vier weitere Titel, der letzte Meistertorhüter Nürnbergs hieß 1968 Roland Wabra. Zuletzt gewonnen haben die Nürnberger in München gegen die Bayern im März 1992 mit 3:1. Torwart Köpke hielt damals einen Elfmeter von Effenberg, am Ende der Saison war Nürnberg Siebter, die Bayern waren Zehnter. Marcel Reif war damals Kommentator für Eishockey.

Alles halb so wild. Jetzt geht es erst einmal in die Pause für Pokal und EM. Zeit für Mark van Bommel, die Lücke zu schließen, die Michael Ballack auf keinen Fall hinterlassen hat. Das wird eng im Mittelfeld. Wenn die Tabelle am 34. Spieltag so aussieht wie nach 8,82% der Saison, will ich mich nicht beschweren.

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