Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Wanderer, kommst du nach Cott

bus, so wisse, dass dort die freundlichsten Fans der Liga auf dich warten. Im Stadion der Freundschaft ist der Name Programm und alles ein bißchen anders. Die Haupttribüne ist kleiner als die auf der Gegengeraden. Dort und nicht in der Kurve stehen auch die Treuesten der Heimfans, im Block I. In den Kurven stehen große schattige Bäume mit einladenen Astgabeln, die am Sonntag leider leer blieben, weil es auch gegen Nürnberg nicht ausverkauft war. Auf der Haupttribüne hockt ein gigantischer Ronald McDonald und spontan assoziierte sich die Frage, ob Georg Heyms Zeile aus “Der Gott der Stadt” nicht so zu lesen sei: “Auf einem Häuserblocke sitzt er – breit”. Schließlich wird im Stadion Lübzer Pils ausgeschenkt.

Mag sein, dass man als Clubberer in Cottbus den einen oder anderen Stein im Brett hat. Timo Rost kommt aus Nürnberg. Der Club stieg einmal vorzeitig auf, weil Cottbus den Konkurrenten besiegte. Das hat man den Lausitzern nicht vergessen. Es gibt eine gewisse emotionale Nähe der Kleinen im Schatten der Großkopfeten in München und Berlin, wobei Cottbus mit einem Etat von 10 Millionen kleiner ist als mancher Zweitligist. Und einen Trainer, der Hans Meyer heißt, gibt es auch. Jedenfalls habe ich noch kein entspannteres Auswärtsspiel erlebt. Umgeben von sachkundigen und stimmgewaltigen vorwiegend weiblichen Cottbusfans erlebten wir ein ordentliches, in der zweiten Halbzeit kämpferisch leidenschaftliches Fußballspiel. Das Heimpublikum begleitete jeden von Torwart Piplica halbwegs kontrolliert berührten Ball mit frentischen Beifallsrufen und feuerte den Schlußmann mit dem Kosenamen “Pippi” (oder doch “Pipi”?) unentwegt an. Ergo hielt er fehlerfrei. Der Club verspielte zwar zwei Punkte, aber es gibt Schlimmeres, als die in Cottbus liegen zu lassen, vor allem, wenn der Torschütze Steffen Baumgart heißt. Der große alte Mann ist einer der wenigen Spieler in der Bundesliga, die allein durch ihre Präsenz ein Spiel drehen können, ein unermüdliches, Energie(sic!)bündel, fair vom Scheitel bis zur Sohle, Bernd Schneider nicht unähnlich. Mir völlig unverständlich, warum der nicht immer von Anfang an spielen darf, wenn er alle seine Adduktoren beisammen hat.
Verglichen mit dem Heimspiel gegen Bochum bot der Club eine wesentlich konzentrierte Leistung, vergaß allerdings gegen völlig indisponierte Cottbusser in der ersten Halbzeit das 2:0 zu machen und entschloß sich dann zu früh, nämlich etwa in der 70. Minute, auf Halten zu spielen. Trotzdem darf man sich auf die nächsten 29 Spiele freuen. Mnari, Polak und Pinola und auch Innenverteidiger Wolf werden immer besser. Mintal war deutlich aktiver als gegen Bochum. Seine Eleganz und Spielübersicht sind ein Augenschmaus, auch wenn er torlos blieb und den einen oder anderen Fehlpaß baute. Vittek “hielt insgesamt recht gut mit”. In der zweiten Halbzeit gelang dem Slowaken aber keine einzige saubere Ballannahme mehr, er war platt. Warum Meyer Banovic erst drei Minuten vor Schluß brachte, bleibt sein Geheimnis.

Banovics Glatze war an diesem spätsommerlichen Septembertag übrigens die einzige weit und breit. Nur ein gut gelaunter Redskin sang in der Bummelbahn auf dem Heimweg Lieder auf Ernst Thälmann. Einer von vielen Gründen, dem FC Energie die Daumen für den Klassenerhalt zu drücken. Aber wenn Baumgart durchspielt und Piplica seine Glanzform halten kann, werden nicht mehr viele Mannschaften in der Lausitz einen Punkt entführen.

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