Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


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Und am vergangenen Mittwoch wurden sie Zeugen einer echten Weltsensation. Lothar Matthäus schrieb nämlich in seiner Kolumne über Jan Schlaudraff, dass der zu jung ist und dass der nicht zu den Bayern hätte gehen sollen. Also ungefähr das, was ich auch geschrieben habe. Da sieht man, dass sich 150 Länderspiele und 12000 TippKick-Spiele ungefähr die Waage halten, wenn es um den Erfahrungsschatz bei Transferfragen geht. Aber der Hammer war, als Lothar sein Schweigen brach. Er schrieb:“Mit 20 Jahren habe ich, darüber spreche ich hier zum ersten Mal, Angebote von Juventus Turin und Hellas Verona abgelehnt.” Ich muß ehrlich sagen, dass mein heiles Lothar-Matthäus-Bild in diesem Moment einen tiefen Riß bekommen hat. Und Millionen anderen Fans wird es ebenso gegangen sein. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass Lothar Matthäus beinahe 27 Jahre über etwas schweigen konnte. 27 Sekunden kann er durchaus schweigen, vielleicht auch 30, oder sogar 90. Eine Schweigeminute hat 90 Sekunden, ungefähr jedenfalls. Weiß ja jedes Kind. Aber 27 Jahre. Was für eine ungeheuer bittere Zeit muß das für ihn gewesen sein. Bei jedem Interview hat er sich gedacht: Wenn die wüßten, dass ich mit 20 Jahren Angebote von Feldbusch Turin und Hellas Verona hatte. Kein Wunder, dass er nicht zu jeder Frage so luzide Stellung beziehen konnte wie zum Transfer von Jan Schlaudraff. Lothar Matthäus, den ich eigentlich immer für eine robuste und mit sich und der Welt identische Persönlichkeit gehalten habe, er trug ein schweres, ein düsteres Geheinnis mit sich herum. Aber jetzt ist es raus. Und das ist schön. Danke Sport-Bild.

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