Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


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Noch acht Spieltage. Zu den Momenten, di der Bundesliga philosophische Tiefe verleihen gehört, dass Hinrunde und Rückrunde siebzehn Spieltage haben. Es gibt zwar eine Winterpause, aber man kann die Saison nicht glatt vierteln, so wie ein Football-Spiel oder einen Apfel. Weshalb vor dem 26. Spieltag mehr als ein Viertel auf dem Spielplan stand, nach seinem Abschluß weniger als 25 % zu spielen sind.

Das 1:0 der Schalker fiel nicht nur in der Schlußviertelstunde, sondern auch bereits im letzten Saisonviertel. Es erinnerte mich spontan an Frankreich gegen Paraguay, WM-Achtelfinale 1998. Irgendwann kommt der Lange aus der Abwehr mit nach vorne (einst Laurent Blanc, eben neulich Mladen Kristajic) und stochert das Ding irgendwie rein. Wobei fairererweise gesagt werden soll, dass Stuttgart im Spiel gegen S04 mehr Torchancen hatte als Paraguay in seiner gesamten Länderspielgeschichte. Er war knapp, dieser Sieg, um eine Hitzlspergersche Pfostenbreite knapp.

Aber dass Schalke nicht mehr blind nach vorne läuft wie gegen Leverkusen und den HSV oder rammdösig rumsteht wie gegen Hannover, war auch zu sehen. Tempowechsel, torgefährliche Spielzüge, Überraschungsmomente. Die Königsblauen haben ihre Coolness wiedergefunden. Schon erstaunlich, wie wichtig Christian Pander ist. Wenn er sich so weiterentwickelt, wird auch das Gazpromgeld nicht verhindern, dass er bald bei Real Madrid spielt. Roberto Carlos hört ja bekanntlich auf. Asamoah hatte am Samstag eher noch die Rolle des Maskottchens, aber es gibt keinen Spieler, der so von seiner Physis lebt wie er, der braucht noch ein paar Wochen. Und das Päuschen kommt jetzt gerade recht, um Lövenkrands wieder fit zu bekommen.

Dann geht es als nächstes gegen den FC Bayern. Der optimale Gegner, um keinen Schlendrian in Gelsenkirchen aufkommen zu lassen. Auch wenn die Münchner am Samstag fade und fahrig zu Werke gingen. Dass Frankfurt ein erbarmungsloses Pressing spielt, hätte nach dem starken Auftritt in Nürnberg doch klar sein müssen.

Dazu gleich das nächste Deja vu. Das Tor auf Schalke und das Tor in Frankfurt fielen nahezu zeitgleich. 2001 bekam Schalke am 33. Spieltag in Stuttgart in der 89. Minute das Gegentor, während ausgerechnet Chancentod Zickler für Bayern das 1:0 gegen Kaiserslautern machte. Und Preuß hat das Ding ja nicht irgendwie reingezaubert, sondern Klaus Fischer zitiert. Das hatte wirklich Stil. Und wird vermutlich Tor des Jahres werden.

Für den ehemaligen Fernsehexperten mit dem schwarzen Mantel werden es lange 15 Monate bis zum 30. Juni 2008 in der Strafkolonie Säberner Straße werden. Das hat man ihm am Samstag angesehen. Eitelkeit oder Geldgier? Ich tippe auf Gutmütigkeit, einen philantropischen Anfall, zu viel Schiller gelesen womöglich. Im Vergleich dazu hat Thomas Doll entspannte Wochen vor sich. Auch wenn es bis auf ein Placebopünktchen nichts zu holen gab gegen den Club, der nicht mehr auf einem UEFA-Cup-Platz steht, sehr zur Freude seines Trainers vermutlich. Das Stadion in Lüdenscheid heißt übrigens gar nicht Signal-Iduna-Arena, wie ich immer dachte, sondern PARK!! Sollen sie halt ein paar Bäume pflanzen, die bewegen sich mehr als die Dortmunder Stürmer mit Ausnahme von Frei.

Doll trifft in zwei Wochen auf Ernst Middendorp, zum Stelldichein der Spätheimkehrer. Dessen Bielefelder – wer weiß, ob er dann noch Trainer ist – spielen am letzten Spieltag gegen Schalke. Das ist schon das dritte Deja vu, denn das war die Begegnung, die im Bundesligaskandal 1971 verschoben worden war. Jemand in der Spielplanabteilung des DFB muß Schwarzen Humor besessen haben. Alles reine Nervensache.

Schalkes härtester Verfolger Bremen kam am Sonntag zu einem Arbeitssieg gegen Mainz. Bremer Arbeitssiege sind immer noch besser anzusehen als die meisten anderen Spiele. Werder spielt am letzten Spieltag gegen Wolfsburg und hat vielleicht das UEFA-Cup-Finale drei Tage zuvor noch in den Knochen. Wolfsburg wird immer stärker. Das Tor von Boakye war ein echtes Sahenstückchen. Marcelinho dirigiert wie zu besten Zeiten. Und Hanke würde nichts lieber tun, als seine Schalker zur Meisterschaft zu schießen. Unglaubliche 720 Minuten stehen uns noch bevor, Nachspielzeit für indirekte Freistöße und Wartezeit für Dopingproben nicht mitgerechnet.

Kommentare zu “23,53%” (3)

Daniel Banzer
19.03.2007

Zum Thema Zickler:
http://www.kicker.de/fussball/bundesliga/spieltag/spielpaarungsbericht/object/520297/saison/2000-01/naviindex/2

Rob Alef
19.03.2007

Und Jancker hat auch noch getroffen. Wahrlich ein schwarzer Tag. Man sollte wirklich alles überprüfen, bevor man’s hinschreibt: Roy Keanes Nationalität, Spielergebnisse, den neuen Sender von Felix Magath, einfach alles. Wohl dem, der aufmersame LeserInnen hat.

Untergiesinger
19.03.2007

Und die “Säberner Straße” heißt in Wirklichkeit “Säbener Straße”. Know your enemy…

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