Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Der Saum des Mantels des Bondscoachs

Am meisten hat mich an diesem europäischen Wochenende der Superlative der Bondscoachmantel beeindruckt. Der Bondscoachmantel wird, ähnlich wie der Iffland-Ring unter Schauspielern, im holländischen Fußball von Bondscoach zu Bondscoach weitergereicht, wenn es an der Zeit ist. Mit dem Bondscoachmantel kann man finster dreinblicken, wenn es Nullzunull steht, seinem imbezilen Fußvolk dort draußen auf dem Platz durch wildes Gestikulieren vergeblich seine ingeniöse Taktik nahzubringen versuchen und vor allem ausgewechselte Spieler keines Blickes würdigen, sondern wie die so früh verschiedene Mrs. Bates starr an ihnen vorbeiglotzen. All dies hat Marco van Basten beim Spiel gegen Rumänien in höchster Vollendung vorgeführt, und ich hätte an diesem Abend – so wie an den anderen etwa 15000 Abenden meines Lebens – kein holländischer Nationalspieler sein wollen. In Deutschland wollen Reporter immer listiglistig wissen, ob es laut geworden ist in der Kabine. In Holland war die Halbzeitpause stressig, wenn die Spieler den Saum des Mantels des Bondscoachs küssen mußten. Davor haben sie großen Bommel [sic!], denn sie müssen dafür auf den Knien Robben [sicsic !!].

Ansonsten zeigt sich der Erfolg der europäischen Idee an dem Umstand, dass die deutschen Fans in Prag “Auswärtssieg, Auswärtssieg !!” skandierten. Subtiler und zugleich glaubwürdiger hätte sich nicht zum Ausdruck bringen lassen, dass niemand mehr Anspruch auf die sudetendeutschen Gebiete erhebt. Eine schöne Geste, passend zum EU-Gipfel in Berlin. Jetzt noch ein Sieg bei der Eröffnung von New Wembley und die EM kann kommen.

Sollte die Schweiz dann tatsächlich gegen Holland spielen, machen wir daraus einen Bondscoach-Mantel-und-David-Degen-Film.

Kommentare zu “Der Saum des Mantels des Bondscoachs” (2)

Prager Erklärung // Entgrenzung
26.03.2007

[…] via: Volk ohne Raumdeckung […]

Heinz Wäscher
26.03.2007

Herr Alef, Herr Alef: Hochmut und billige Kalauer über Holländer kommen vor dem Fall. Damit sie ihr inneres Deutschlandfähnchen nicht zu heftig schwenken, hier noch einmal der Link zu den schönsten Videos aus der italienischen Werbung vor dem WM – mit Totti, Cannavaro und Luca Toni:

Rob Alef
26.03.2007

Sehr geehrter Herr Wäscher,

danke für den freundlichen Hinweis, aber ein Fähnchen habe und brauche ich nicht. Meinen Eintrag vom 5. Juli 2006 darf ich freundlich in Erinnerung bringen:

“Bevor die von Bild, Kerner und Konsorten unermüdlich herbeigewichste nationale Dauererektion zu einem 80-Millionen-Orgasmus kulminierte, hatten die Aufklärer um Jürgen Klinsmann ein Einsehen mit dem Rest der Welt und schieden aus. Nicht so früh, dass die Altfußballschranzen etwas gegen den neuen Stil sagen könnten, aber doch früh genug, um den “Über-alles”-Deutschen den Wind aus den Segeln und ihren Autowimpelchen zu nehmen.”

http://volk-ohne-raumdeckung.blogspot.com/2006/07/57-grade-noch-mal-gut-gegangen.html

Italien ist letztes Jahr verdient Weltmeister geworden, Rumänien hat am Samstag verdient einen Punkt geholt, Holland scheitert (mit der Ausnahme 1988) verdientermaßen seit mehr als dreißig Jahren an seiner Selbstüberschätzung.

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