Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Unheimliche Begegnung der Dritten Art

Schade, dass man folgenden Dialog am 1. Juli 2007 nicht auf dem Maifeld hören wird.

Magath: Hallo Mannschaft, ich bin euer neuer Trainer.

Boateng: Hallo Yedi, wo hast du denn Chewbacca gelassen, du Opfer?

Es war zum Glück für alle Beteiligten eine Ente. Magath paßt noch schlechter nach Berlin als Huub Stevens. Sehr gut nach Berlin dagegen paßt der 1. FC Nürnberg, der am Dienstag eine Sternstunde erlebte. Hans Meyer meinte zwar, es sei kein Zauberfußball gewesen, aber kurz davor war es schon, dieses schnucklige 2:0 zum Beispiel. Und dieses Stellungsspiel. Große Mannschaften zeigen eben erst im Halbfinale, was sie draufhaben, zum Beispiel Italien in Dortmund gegen die Ga….die Gaga… die Gastgeber. Und jetzt wartet mit Stuttgart ein würdiger Gegner. Manch vorwitziger Fan in der Noris rechnete heute schon hoch, dass es nach dem 3:0 und 4:1 jetzt zum 5:2 kommt. Ich denke aber, die beiden überzeugenden Siege sind psychologisch eher ein Nachteil für den Club. Irgendwo wird da das schleichende Gift der Überheblichkeit sitzen, das Meyer nach dem Ende der Liga konsequent austreiben muß. Das glückliche 2:2 gegen Frankfurt vor fünf Wochen war umgekehrt die beste Motivation. Von Vorteil könnte der hohe Anspruch sein, mit dem Stuttgart in die Restsaison geht. Die Mannschaft wirkte in Wolfsburg in der zweiten Halbzeit konditionell nicht mehr ganz auf der Höhe und schleppte sich auch gegen Hannover nur ins Ziel. Dabei hat sie Platz zwei und mehr im Auge.

Markus Schroth geht zu 1860 München, nicht zum KSC. Eine echte Überraschung und ein erster Transfererfolg für Reuter/Kurz. Auf den ersten Blick eine Schwächung für Nürnberg. Aber seien wir realistisch. Wenn nächste Saison der 25 Jahre alte ballsichere Stoßstürmer Kennedy bei Nürnberg wieder fit ist, könnte sich der 32 Jahre alte ballsichere Stoßstürmer Schroth schnell dauerhaft auf der Bank wiederfinden. Außerdem wird Mintal wieder dabei sein, auch einer, der gerne über die Mitte kommt und die Bälle verteilt. Der Club kann sich bei Schroth für vieles bedanken, unter anderem für das 2:0 gegen die Bayern. Am 26. Mai noch so ein 2:0 und danach kann ”Schrothi” dann seinen Herzensangelegenheiten nachgehen.

Das 2:0 von Milan gegen Bayern war wie gesagt Abseits, aber hauchdünn, ein Abseits-Carpaccio sozusagen. Das nicht gegebene 1:1 von Wolfsburg war dagegen Abseits-Schwarte, zwei Finger dick. Unübersehbar, sollte man meinen. Schwer verdaulich für den VfL. Schade, dass das Spiel so entschieden wurde.

Kommentare zu “Unheimliche Begegnung der Dritten Art” (4)

Christian
19.04.2007

wobei natürlich aus sportlicher sicht die schroth-entscheidung schon sehr zweifelhaft ist. ich hätte durchaus verständnis für einen wechsel zu seinem ersten profiklub, der nach langen langen jahren endlich wieder in der ersten spielt… aber zu einem mittelmäßigen zweitligisten statt mit dem club in europa zu spielen oder wenigsten in karlsruhes aufstiegseuphorie der leitwolf der ersten liga zu sein? seltsam.

wenn Mintal wieder fit ist, wird der club ja eh ein problem bekommen. denn so er nicht sozusagen den hängenden schroth gibt, wüsste ich nicht wo er eigentlich spielen sollte. galasek, mnari gesetzt – zwei plätze noch frei. engelhardt, misimovic, kluge, polak, gresko… und mintal.

von mintals spielweise her sehe ich ihn sogar am wenigsten auf einem dieser zwei freien plätze. schon mehr misimovic, gresko oder polak auf der einen, engelhardt oder kluge auf der anderen. oder ein dreierriegel (dann wohl am ehesten kluge oder engelhardt) direkt hinter mintal und davor wiederum ein dreiersturm? oder doch die abkehr vom dreiersturm qua schrothwechsel und mintalrückkehr?

Hias
20.04.2007

Zum Schroths Entscheidung:

So gerne ich ihn noch eine Saison lang im Club-Trikot gesehen hätte, so sehr freut mich euch seine Entscheidung, zu den 60er zu gehen. Einer der Hauptgründe dafür dürfte sein, dass er seinem alten Verein helfen will, wieder in die höchste deutsche Spielklasse aufzusteigen. Und bei 60 wird er eine ganz wichtige Rolle spielen. Von diesem erfahrenen Mann kann die junge 60er Truppe einiges lernen. Ich tippe mal, dass er dort eine ähnliche Rolle spielen wird, wie Galasek beim Club.

@Christian: Du machst den Fehler und betrachtest nur die nächste Saison. Langfristig gesehen machen diese Transfers durchaus Sinn: Galasek ist jetzt schon 34, Mnari wird im November 31 und selbst Mintal wird dieses Jahr 30. Kluge dagegen ist noch 26, genauso wie Engelhardt und Misimovic wird 25. In den nächsten beiden Spielzeiten werden diese drei von den drei älteren lernen und immer mehr Spielzeit kriegen. Wenn nichts größere dazwischen kommt (wie eine langfristige Verletzung, wie z.B. bei Mintal), dann hat der Club beim Abgang von Hans Meyer ein ziemlich gutes Mittelfeld, mit dem er sich in der oberen Tabellhälfte etablieren kann.
Rechnet man die momentan beste Abwehr der Liga mit ein und würzt das Ganze dann mit zwei tollen Stürmern, dann kommt ein tolles Menu heraus, dass so manchem Gegner Magenschmerzen bereiten wird.

Rob Alef
20.04.2007

das ist eben typisch schroth, dass er auf den uefa-cup pfeift und lieber zu den löwen geht. mir ist das extrem sympathisch, auch wenn der club dadurch umstellen muß. ich neige mehr dem hias zu als christian. der club hat die nächste generation gleich mitverpflichtet, wobei ich mir eher über verletzungen als das alter gedanken mache. als sechser – siehe soldo – kann man bis 38 noch richtig gut spielen. aber dass galasek praktisch durchgespielt hat, ist bemerkenswert. mintal ist insofern eine taktische herausforderung für den eigenen trainer, weil es diesen spieler eigentlich nur einmal gibt. er ist torgefährlich, nahezu beidfüßig und kopfballstark, aber kein klassischer knipser wie kuranyi oder – mit verlaub – henry, er kann mitspieler einsetzen, aber er ist kein zehner wie diego oder lincoln, er hat einen immensen spielradius, aber nicht die physische präsenz von ballack oder frings. vielleicht nächstes jahr ein 3-2-2-2-1 mit pinola, wolf, reinhardt – galasek, mnari (kluge) – engelhardt, polak (misimovic) – mintal, saenko – vittek ( kennedy, pagenburg). und klewer wird eine reelle chance kriegen. entscheidend ist im tor, wer besser mitspielt, also das modell lehmann/enke. wenn kristiansen, banovic, schroth und sibon gehen, ist das überangebot von feldspielern gar nicht mehr so groß. außerdem gibt es ja evtl. eine dreifachbelastung durch den uefa-cup :-)). mir gefällt die transferarbeit ausgezeichnet. namen spielen keine rolle, es geht nur darum, spielkunst und spielkunst zu verfeinern.

Christian
20.04.2007

Um die Namen geht es mir auch nicht, in der Hinsicht wäre ich sogar mehr als zufrieden mit der Club-Transferpolitik.

Ich bin nur gespannt, wie Meyer das System umbauen wird, denn ein Einsatz Mintals wird sehr am bisherigen, fein austarierten rütteln.

Im Zweifelsfall schätze ich auch Meyer so ein, dass er die Stärke des Systems der eines überragenden Einzelspielers vorzieht.

zu Schroth: ich glaube nicht, dass an der Entscheidung etwas beklatschenswertes ist. Wenn nicht doch die gute Ehefrau allein entscheidend war, dann denke ich mehr, dass Geld Geld Geld Herrn Schroth nach München lockte. Da wird mehr zu verdienen sein als beim Heimatverein in Karlsruhe. Ob Schroth beim Club oder nicht, das ist mir eigentlich relativ egal. Einen Prellbock wird man schon noch woanders finden.

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