Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Bielefeld und Hannover – Kleine Brötchen, immer wieder

Heimlich still und leise konsolidiert sich Bielefeld. Das Umfeld stimmt, der Anspruch auch. Frontzeck holt aus dem Kader das raus, was rauszuholen ist. Wichniarek ist die Lebensversicherung, und Katongo (Anlaufzeit) und Munteanu (von Magath nie gewollt) werden das eine oder andere Tor noch beisteuern. Außerdem ist Mijatovic wieder da. 27 Gegentore in der Hinrunde waren auch für einen heißen Abstiegskandidaten zu viel. Bielefeld wird sich weiter entwickeln und zuhause den einen oder anderen Großen rupfen. Rekordabsteiger bleibt das Alleinstellungsmerkmal eines gewissen (quidam) Vereins aus der Noris (Norica).

Hannover ist eines jener ehrgeizigen Fluginsekten, das an der Windschutzscheibe der Realität jäh und grausam zerschellt ist. Bloß, weil man ein Jahr nichts mit dem Abstieg zu tun hatte, sollte man nicht gleich Europa als Ziel ausgeben. Ich vermute, die Fans von Mannschaften wie Hannover, Frankfurt, Köln, Hertha (Nürnberg, 1860, Kaiserlsautern) wären völlig zufrieden, wenn ihr Team 17 ordentliche Heimspiele hinlegt und in den wichtigen Spielen (Derbys, Pokal) unvergeßliche Momente erzeugt. Europa, das ist nicht so sehr fanische Sehnsucht, sondern Politik, Markenpflege, Investitionsfaktor: beim VW-Verein Wolfsburg, beim Hauptstadtverein Hertha, beim Traditionsverein Dortmund. Und für viele Chefs ein Ziel, da scheinbar zwangsläufig ausgegeben werden muss. Wäre es nicht sinnvoller, den Tabellenplatzfetischismus, der einsetzt, wenn man die Saison mal als Neunter oder besser abgeschlossen hat, durch kleinere Zwischenziele zu ersetzen? Sollte man nicht erst einmal kein Heimspiel verlieren oder auswärts mindestens 18 Punkte holen, bevor man von Europa spricht? Oder einfach sechs Punkte mehr als im Vorjahr? Natürlich ist es toll, gegen Milan oder Benfica oder ein englisches Team zu spielen, aber selbst Bremen, ein seit vielen Jahrzehnten hervorragend geführter Verein, hat seine Durchhänger. Was bei Hannover auffällt, ist die eklatante Serie von Fehlgriffen bei den Innenverteidigern. Ob Kleine, Ismael, Fahrenhorst, Eggimann, als ob der lange Schatten Mertesackers jeden Neuling niederdrücken würde. Vielleicht sollte man hier nur noch Leute aus dem eigenen Nachwuchs einbauen, Mini-Mertesackers gewissermaßen. Außerdem sollte Kind mal überlegen, wie er es mit dem Manager hält. Entweder er macht es selbst und dann vermutlich nicht schlecht, oder er holt sich jemanden ins Haus, der so kompetent ist, dass er es im Zweifel besser weiß als der Häuptling. Weder Kaenzig noch Hochstätter hatten dieses Standing. Ob Hecking beides kann? Ich halte Magath in dieser Rolle für ein Ausnahmetalent. Hannover spielt die Relegation. Vielleicht ja gegen St. Pauli.

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3 Kommentare zu “Bielefeld und Hannover – Kleine Brötchen, immer wieder”

  • 24. Januar 2009
    Enno [welt-hertha-linke] schrieb

    Ach, ganz im Gegenteil, würde ich meinen! Jedes Team sollte mit dem Ziel in die Saison starten, die Meisterschaft gewinnen zu wollen. Dass es dann nicht alle schaffen können ist klar, womit sich die Ansprüche soweit relativieren sollten, dass sie in kurzen Krisenzeiten nicht weiter zum Fallstrick für Trainer oder Manager werden sollten. Das wäre für mich viel attraktiver als eine Relativierung nach unten.

  • 24. Januar 2009
    admin schrieb

    Jeder Fan darf vom größtmöglichen Erfolg träumen. Aber wenn Nürnberg Anfang 2006 den Pokalsieg als Saisonziel ausgegeben hätte, hätten sie sich lächerlich gemacht. Genauso wie wenn der FCK nach dem Aufstieg mit Rehhagel offiziell die Meisterschaft angepeilt hätte. Herthas Marotte, sich mehr oder weniger deutlich mit den Bayern zu vergleichen, hat über Jahre hínweg nichts gebracht.
    Es gibt zu viele Vereine, die sich überschätzen und überfordern. Es wäre albern, würde Bremen in der jetzigen Situation von der Meisterschaft reden (was sie nicht machen). Aber jeder SVW-Fan darf heimlich prüfen, ob es denn rechnerisch nicht noch möglich wäre.

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