Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Stuttgart und Wolfsburg – Geheimtipps auf der Lauer

Zehn und neun Punkte Rückstand auf Platz eins, also keine Meisterschaftsfavoriten. Oder doch, in dieser Saison der flachen Hierarchien? Wie viele Punkte lag Stuttgart im Meisterjahr zurück? Beide Vereine haben sowohl die berüchtigte Luft nach oben als auch die Luft für oben. Babbel ist ein Glücksgriff für Stuttgart, ich bin hin- und hergerissen, was seine Lizenzierung angeht. Einerseits verstehe ich, dass der DFB den Fußballlehrer stark machen möchte. Die Zeiten, dass jemand dieses Spiel ausschließlich mit Waldmeister-Charisma bzw. Weltmeister-Brause vermitteln konnte, sind vorbei. Jeder italienische Spieler erzählt von der aufwändigeren Taktikschulung auf dem Appenin, während hierzulande zu oft der alte Stiefel gespielt wird.  Schwächen im räumlichen Denken des Übungsleiters werden mit Appellen an die Ehre der Spieler kompensiert. Andererseits ist Sammer mit seinem ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklungsprogramm für alles, was mit einem DFB-Leibchen durchs Leben geht, extrem nervig. Der deutsche Nationalspieler der Zukunft soll eine Mischung aus Aragorn und Mutter Teresa sein, aber beidfüßig bitteschön. Der deutsche Fußballlehrer  übernimmt laktatkräftig Verantwortung und weiß, dass elf eine Primzahl ist. Also muss der lizenzlose, aber begabte Babbel ein Exempel an sich statuieren lassen. Die Idee von Jens Lehmann, dass fünf Jahre unter Arsène Wenger so gut sind wie eine Ausbildung beim DFB, hat Charme. Aber was macht der arme Wicht, der das Pech hatte, unter Kevin Keegan zu spielen? Wird bei dem die Ausbildungszeit sogleich verdoppelt? Stuttgart hat ein Riesenpotenzial, einen Ausnahmestürmer und den erfahrensten Torwart Europas. Da geht noch was.

Vor ein paar Jahren beschwerte sich Christoph Biermann über die Lieblosigkeit, die Wolfsburg allenthalben entgegenschlägt. Kurz darauf entschieden zwei Tore des Jokers Makiadi den Abstiegskrimi und heute pirschen sich die Wölfe ganz vorsichtig an die Spitze heran. Welch überragende Position Magath im Verein hat, zeigt nicht nur seine Doppelfunktion als Trainer und Manager. Dass die ehrgeizigen VW-Manager nicht mal leise murren über Platz neun ist erstaunlich. Wolfsburg könnte ohne weiteres in den UEFA-Cup kommen, wenn es zweizunulls bei Bayern nicht einfach aus der Hand gäbe. Grafite ist bemerkenswert, ebenso wie Misimovic. Schwachpunkt ist die Angst vor der eigenen Courage, aber das Bayern-Gen hält der aufgeklärte Saarländer Magath wohl eher für alpenländische Folklore. Einen Psycho-Wolpertinger sozusagen. Wolfsburg gebührt schon deshalb ein Fleißbienchen, weil sich kein Spieler entblödet, die eigenen Fans als „die besten der Liga“ zu titulieren.

Und noch ein Geheimtipp: Am 29. Januar um 21 Uhr startet das ZDF den Dreiteiler Die Wölfe. Das Doku-Drama erzählt die Geschichte einer Jugendbande, die sich im Berlin zur Zeit der Luftbrücke findet. Der Mauerbau trennt die Freunde 1961, fast dreißig Jahre später begegnen sie sich wieder. Der hier tätige Chronist für Ballsportart ist Autor des Buchs zum Film. Oben rechts in diesem Blog ist das Gesicht eines Jugendlichen zu sehen (nicht der Pinguin und nicht der Panda), hinter dem sich der Link zum Buch verbirgt. Begründet wird die Freundschaft 1948 mit einem Fußballspiel um fünf Tafeln Schokolade.  Teil 2 und Teil 3 werden am Montag, 2., und Dienstag, 3. Februar 2009, jeweils 20:15 Uhr zu sehen sein.

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3 Kommentare zu “Stuttgart und Wolfsburg – Geheimtipps auf der Lauer”

  • 27. Januar 2009
    karl michalç schrieb

    der aufgeklärte saarländer magath? wo kommt der denn her?

  • 27. Januar 2009
    heinzkamke schrieb

    Was Herrn Sammer anbelangt, bin ich zwar seit seiner Trainerzeit in Stuttgart alles andere als objektiv (vor allem, wenn er über Nachwuchsförderung redet); auch bei abgelegter Vereinsbrille glaube ich indes in seiner Haltung gegenüber Markus Babbel ein starrköpfiges, Macht demonstrierendes Verhalten zu erkennen, das nicht zuletzt auch seinem DFB-internen Marketing dient.

    Dabei hat er meines Erachtens die Situation falsch eingeschätzt: sollte sich der DFB, wovon ich im Moment ausgehe, tatsächlich auf den VfB zu bewegen, wird Sammer weiter geschwächt, während alle anderen Akteure im DFB angesichts ihrer bisherigen (wohlweislichen?) Zurückhaltung relativ leicht den Weg zum Kompromiss finden können.

    (Es würde mich interessieren, ob Jürgen Klinsmann, vor seiner Wortmeldung pro Babbel Kontakt mit Oliver Bierhoff hatte. Wie, keine Verschwörungstheorien?)

    Und danke für diesen Satz:
    „Der deutsche Nationalspieler der Zukunft soll eine Mischung aus Aragorn und Mutter Teresa sein, aber beidfüßig bitteschön“

  • 28. Januar 2009
    admin schrieb

    @ karl: Danke für den Hinweis, der gebürtige Aschaffenburger spielte in der 2. Liga einmal beim FC Saarbrücken.

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