Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Nicht ohne meine Alge – live aus Japan (2)

Was fuer eine Ernuechterung. Das mit den Littbarskistatuen hat sich als Ente entpuppt, nichts dergleichen ist hier zu finden, nicht einmal kleine Tonfigurine. Oder eine Handpuppe. Oder ein Tamagotchi. Aber Littbarski war in Japan, zuletzt bei Brummell Sendai, einer jener schrecklichen Werksclubs, so wie Arsenal London zum Beispiel. Seit mehr als hundert Jahren ist Arsenal ein seelenloser Werksclub. Nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn 1997 betrieb Littbarski in Berlin-Wedding kurzzeitig ein Sushi-Restaurant, zehn Jahre zu frueh, wie die brummelige Reaktion der Weddinger Bevoelkerung zeigte. Sie rief die Berliner Drogenbeauftragte auf den Plan und legte Littbarski eine Currywurst ohne Darm auf die Tuerschwelle. Eine Drohung, die Littbarski so ernst nahm, dass er ueber den Umweg Yokohama, Sydney, Teheran den Weg nach Vaduz fand, wo er heute als Trainer arbeitet und der Designerdroge Nigiri abgeschworen hat.

Halluzinogene Drogen sind eine multipolare Angelegenheit. Hartmut Mehdorn nimmt zum Beispiel irgendein Zeug, aufgrund dessen molekularer Zusammensetzung er sich seit einigen Jahren fuer Gott haelt. Toll fuer Mehdorn, bloed fuer Leute, die die Bahn benutzen oder dort arbeiten. Gott andererseits hat im Apothekenschraenkchen die Ampulle verwechselt und etwas erwischt, unter dessen Einfluss er sich fuer Hartmut Mehdorn haelt. Seitdem leidet er an einer Altersdepression.

Heute Morgen war die Welt fuer mich noch in Ordnung. Eine Substanz befluegelte mich darin, einen 2-1 von Hertha ueber Bayern im Internet zu entdecken, und gaukelte mir sogar voellig glaubhaft vor, dass Marcel Reif im Tagesspiegel die Verantwortung fuer diese Niederlage den Bayern gegeben hat. Er ist ein schlechter Verlierer, und die Bayern waehnt er so dermassen eine Klasse fuer sich, dass sie sogar ihre Niederlagen selbst uebernehmen muessen. Niemand kann jemals besser sein als sie. Wahrscheinlich schnupft er Weisswuerste. So wie Mehdorn. Doping bei Spitzenkraeften ist ja ein Massenphaenomen.

Am Abend dann der richtig miese Flash. Nuernberg 2-6 in Aachen. Vermutlich liegt  es an den Algen, die hier staendig im Essen auftauchen. In der Suppe, auf den Spaghetti, im Salat, auch apokryph im Eis und im Caffe Latte. Aber winzige Fehler bei der Zubereitung veraendern den Kugelfisch fuer Vegetarier nachhaltig. 2-6 in Aaaargh….Der Preis fuer legales Doping ist manchmal viel zu hoch.

In Deutschland dopen die wilden, freien Kreativen – Blogger, Taxifahrer, Webdesigner – mit Rucola. Roman Herzogs Forderung nach einem Ruck haben sie mit einer La Ola froehlich aufgegriffen und in die Praxis umgesetzt. Die Berliner Drogenbeauftragte schaetzt, dass in Prenzlauer Berg 60000 Menschen zwischen 17 und 35 regelmaessig  Rucola konsumieren. Und ihre Dependenzstruktur geben sie an ihre Kinder weiter, die am Kollwitzplatz sitzen und nach Glaeschen mit Rucola und Parmesan schreien.

Morgen, wenn der Jetlag ganz weg ist, werde ich einen algenfreien Tag einlegen und noch einmal in Ruhe nachlesen. Bayern in Berlin, knapp aber nicht unverdient, Nuernberg in Aachen, knapp aber nicht unverdient, beide 1-1. Andererseits, so richtig prickelnd ist das auch nicht. Also gibt es morgen zum Fruehstueck doch wieder Algenmarmelade zum Toast. Besser das Depot auffuellen, wenn am Freitag Schalke gegen Dortmund spielt, damit die grauenhafte Wahrheit so lange wie moeglich ausgeblendet werden kann.

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