Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« „Beinahe hätte ich drei zu zwei gesagt.“

Das Ärgerliche am 2-2 der Nürnberger ist nicht das späte Ausgleichstor oder das nicht gegegebene Tor von Bunjaku. Mittlerweile war es die dritte krasse Fehlentscheidung gegen Nürnberg, aber was soll’s. Gegen eine der offensivstärksten Mannschaften und einen Angstgegner einen Punkt zu holen, ist nicht richtig schlimm. Es fehlen immer noch die drei Punkte gegen Hannover oder gegen Bochum, spätestens in der Rückrunde sollten sich die Clubberer diese zurückholen.

Extrem nervig war allerdings wie eh und je Wolfgang „die Unke“ Reichmann, der Mensch, der das Spiel gegen Bremen live kommentierte. Es ist schön, dass der Bayerische Rundfunk gescheiterten Beerdigungsrednern eine zweite Chance ermöglicht, aber warum läßt man dieses Fleisch und Stimme gewordene Elend der Welt nicht Staatsbegräbnisse und CSU-Parteitage live kommentieren? Wenn Reichmanns düster-dräuende Stimme über den Äther sorgenvoll dahinplätschert, dann steht der Club stets mit einem Bein in der Zweiten Liga, vor dem finanziellen Aus, am Rande einer Ebola-Pandemie. Alles ist immer ganz, ganz schrecklich.

Der kicker gab dem Spiel gegen Bremen die Note 1,5 und zählte 10-10 Chancen. Nicht mal ein Anflug davon war in Reichmanns Reportage zu finden. Wenn der Club ein Tor schießt, ist es ein Zufallsprodukt oder wird mit einem pflichtschuldig gemurmelten „nicht unverdient“ brav zu den Akten genommen. Wenn der Club führt, ist der Ausgleich nur eine Frage der Zeit. Wenn der Gegner in der Nachspielzeit das 2-2 erzielt, zeigt Reichmann, dass er nicht in der Lage ist, sich einen (Achtungs)-Erfolg der Nürnberger auch nur vorzustellen, und schwadroniert: „Beinahe hätte ich drei zu zwei gesagt.“ Wenn es keine Niederlage ist, dann wenigstens eine gefühlte.

Natürlich wollen wir keine Fröttmaninger Hofschranzen wie das Dreigestirn der Unbedarftheit Edgar Endres, Karl-Heinz Kaas oder Andre Siems, die im Niedergang des FC Bayern  immerzu das Weltklasse-Potenzial leuchten sehen. Aber eine Spielberichterstattung, die sich uzumindest umrisshaft an der Qualität des Spiels und am tatsächlichen Leistungsvermögen der Clubberer orientiert wäre schon schön. Schäfer entschärft in der 87. Minute eine tausendprozentige Torchance von Borowski. Reichmann konnte nicht erklären, warum Borowski den nicht reingemacht hat.

Weil der Club einen sauguten Torhüter hat, ganz einfach. Aber damit der Bayerische Unk-funk wagt, dies lauthals auszusprechen, muss der Club wahrscheinlich einfach mal Deutscher Meister werden, einfach so. Reichmann kommentiert dann vermutlich: „Hängende Köpfe in Nürnberg, denn der große FC Bayern hat mehr als doppelt so viele Titel gesammelt.“ Er ist ein hoffnungsloser Fall.

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2 Kommentare zu “„Beinahe hätte ich drei zu zwei gesagt.“”

  • 4. November 2009
    Peter Gollert schrieb

    Sehr schön geschrieben, auch sehr plastisch dargestellt und zum Teil geb ich Dir auch recht, nur darf man nicht alle Kommentatoren des BR in einen Topf werfen. ich persönlich bin froh, dass nach dem Weggang von Günther Koch, egal, was man von ihm halten mag, einer nachkommt wie Andre Siems, der zwar sehr emotional kommentiert, aber er ist wenigstens ein Typ mit Ecken und Kanten und nicht so ein „Analyst“ wie der Rest in der Bundesliga Konferenz. Wir brauchen solche Typen, damit man nicht einschläft, und damit wir was zu Diskutieren haben :-)). Und auch Endres finde ich nicht schlecht, er trifft mit seinen Analysen oft sehr gut den Punkt! Also, nicht alle sind schlecht!

  • 11. November 2009
    Tobi schrieb

    Mal abgesehen von der teilweise schon erschreckenden Hofberichterstattung vom BR ist die Bayernfixiertheit eigentlich auf allen Sendern und Medien ziemlich unertraeglich – Bayern gewinnt, weil sie weltklasse sind oder Dusel haben, Bayern verliert, weil sie Verletzungspech haben oder in der Krise stecken. Der jeweilige Gegner steht nur als Statist auf dem Platz.

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