Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Horror, Furor, Error – Die Mumie kehrt zurück

Herzlich willkommen im WM-Jahr 2010. Während die Welt dem Turnier in Südafrika entgegenzweifelt, bastelt man am Valznerweiher augenscheinlich an einem Remake des Klassikers „Fahrstuhl zum Schafott“.

Wer glaubt, der Autor dieser Zeilen wäre so wortkarg gewesen, weil ihm die Leistungen des 1. FC Nürnberg die Sprache verschlagen haben, täuscht sich. Die Gründe liegen außerhalb des fußballerischen Bereichs. Natürlich hätte ich gerne eine Siegesserie nach dem 3-2 in Wolfsburg gesehen, aber mit und ohne Oenning wird es eine ganz enge Kiste für den Club, das war nach diesem eigentlich verfrühten Aufstieg völlig klar.

Nachdem es der Trainer nicht geschafft hat, trotz guter Voraussetzungen die Mannschaft in den letzten vier Spielen zu wenigstens einem Sieg zu bringen, bin ich ausnahmesweise auch mit der Entlassung einverstanden. Eigentlich finde ich immer, Trainerwechsel in der Saison bringen nichts. Aber wer in der 12. Minute gegen Freiburg 0-1 in Rückstand gerät und danach in 348 Minuten nicht mal ein Tor zustande bringt, der braucht wohl tatsächlich neuen taktisch-motivatorischen Beistand. Nur an Raphael Schäfers Sperre kann es nicht gelegen haben.

Jetzt also Dieter Hecking, nicht gerade ein Trainer, der in Hannover die Stürmer aus dem Ärmel geschüttelt und die Viererkette neu erfunden hat. Und weil das mit Jan Koller – erfahren, gefühlte 200 Länderspiele, ein Ruf wie Donnerhall – beim letzten Abstieg so gut geklappt hat, darf jetzt der nächste Altstar die Nachwuchstalente in rot-schwarz mit seiner Routine führen. Rheuma-Kai ist mit seinem statischem Herumstehen und der geringen Laufbereitschaft die ideale Ergänzung zu Charisteas, der immerzu rennt und immerzu schreckliches Pech hat. Vor meinem geistigen Auge entstehen da Ballstaffetten, die an die Pantomimen am Ende von Antonionis „Blow-Up“ denken lassen. Ein Angriffsspiel, so völlig ohne Ball, dass man nicht einmal das Plopp hören kann.

Für die Defensive kommt Breno, in dem Manager Bader wohl einen verkannten Abwehr-Kroos vermutet, außerdem vermutlich Ottl, der tatsächlich in den Wirren der Bayern-Transfer-Strategie verloren ging, und dort eine Chance verdient gehabt hätte anstelle des irrlichternden Demichelis.

Aber auch der achte Abstieg wird kein Selbstläufer. Wichtig ist es, auf Schalke, in Hannover und gegen Frankfurt gleich einmal für eine gewisse mentale Verunsicherung zu sorgen. Eine rote Karte für den sensiblen Breno, ein verschossener Elfmeter von Rheuma-Kai oder ein schwerer Abspielfehler Ottls, und die Mannschaft bekommt sogleich ein Gesicht. Ein langes Gesicht.

Eigentlich hätte zu dieser Kader-Auffrischung Matthäus viel besser als Trainer gepaßt. Wenn man schon Bayern-Mumien plündert, sollte man die Königspyramide nicht unverschont lassen. Vielleicht geht ja noch was mit Rensing.

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3 Kommentare zu “Horror, Furor, Error – Die Mumie kehrt zurück”

  • 2. Januar 2010
    Block 10 schrieb

    Bayern München III

    Das kann ich mir auch gut vorstellen, der lauffaule Makaay und er zweikampfschwache Mintal, die beide IMMER davon profitieren MÜSSEN, dass es irgendwo eine gute Vorarbeit gegeben hat.
    Beide mit überragender Schusstechnik, wenn sie denn zum Schuss kommen. Aber wer soll eigentlich die Vorarbeit leisten?
    Ottl? Der wird sicher gehasst werden, hat er doch schon mal gezögert, ob er zum Club wechseln soll und jetzt wieder… Das kommt an in der Nordkurve.
    Und ob Breno besser als Maroh oder Wolf ist?
    Naja, wenigstens wird niemand versuchen Makaay mit hohen Bällen anzuspielen wie weiland Koller.
    Es wird wieder mal eine lustige Rückrunde…

  • 2. Januar 2010
    tafelrunde schrieb

    Sehr, sehr schade, dass dieser Blog so selten was Neues bringt. Und das von einem Nicht-Glubb-Anhänger.
    „Mit Fußball kann man die Welt erklären“. Genau unter diesem Motto war dieser Blog was Besonderes. Wenn allerdings andere Verpflichtungen (bewußte Anspielung;-) mehr und mehr Gewicht bekommen, ist dies aus total subjektiver Sicht entmutigend, dennoch verständlich.
    In der Hoffnung auf künftige fundemantale, bedeutungsschwangere, Welt verändernde, radikal polemische, subversive, aneckende, brutale, süffisante, amüsante, provokante, niveauvolle, wortmächtige, fulminante, extraördinäre, etc. Zeilen, ein möglichst Stress freies Jahr 2010;-)
    Die (fast) schönste Nebensache der Welt: Sie möge hoch leben!

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