Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Ohne Övrebö habt ihr keine Chance

Der Club hatte eine und machte sie rein, fertig war ein Unentschieden für die engagierten und kompakten Defensivkünstler in rot-schwarz. Und dieser kostbare Punkt wird noch schöner, weil er glücklich war, weil man sich hinterher nicht anhören musste, gegen diese Bayern an diesem Tag wäre mehr drin gewesen. Eine Chancenauswertung von 100%, eine geschlossene Mannschaftsleistung mit einem unermüdlichen Pinola und einem eiskalten Breno, und ein Raphael Schäfer, der die eine, die tausendprozentige Gelegenheit von Mario Gomez perfekt entschärfte. Und kein Schiri, der einfach mal so ein Abseitstor durchgehen ließ, wie gegen Dortmund, wie gegen Florenz.

Ich weiss nicht, was mich bei der Champions League mehr wundert: Dass der Bruchpilot Övrebö tatsächlich noch einmal pfeifen durfte, oder dass die Bayern ernsthaft vom Titel reden. Sie stehen da, wo sie in den Jahren seit 2001 meistens standen, im Achtelfinale mit dem Auswärtsauftritt im Rückspiel. Und nach dieser einfallslosen Offensivleistung vom Mittwoch erscheint es unwahrscheinlicher denn je, dass sie diese Saison auch nur in die Nähe des Endspiels kommen.

Wenn man sich die angeblich so tolle Siegesserie einmal ansieht, stellt man schnell fest, dass die meisten Gegner entweder schwach oder mitten in einer Krise waren. Dass man gegen Haifa, Hannover, Gladbach, Hertha, Mainz und Fürth gewinnt, sollte eigentlich kein Anlass sein, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Hier stehen auch die drei Zu-Null-Spiele der Serie zu Buche. Die grossen Namen Juventus, Hoffenheim, Bremen und Wolfsburg standen zum Zeitpunkt der Begegnung gerade mehr oder weniger neben sich: Juve ist überaltert und der arme Buffon humpelte sichtlich durch seinen Strafraum, Hoffenheim hat zu viele Verletzte, Bremen den bekannt schlechten Start und Wolfsburgs Abwehr ist schlechter als die von Hertha. Drei eher durchschnittliche, gute eingestellte Mannschaften mit aufsteigender Tendenz reichten, um die Bayern ins Straucheln zu bringen: die laufstarken Dortmunder, die taktisch klugen Florentiner Hörnchen und die mutig verteidigenden Clubberer. Bis 10. April heissen die Gegner auswärts Florenz, Leverkusen, Frankfurt und zweimal Schalke, zuhause geht es gegen den Angstgegner HSV und die bestens aufgelegten Stuttgarter.

Der wie immer beflissene Marcel Reif beeilt sich heute im Tagesspiegel zu versichern, die Bayern können sich nur selbst um den Erfolg bringen, und das Spiel in Nürnberg sei der Beweis dafür gewesen. Ich habe das Gefühl, dass van Niestelrooy, Cacau, Gilardino, Köhler, Kuranyi, Kroos und die anderen den Bayern diese Aufgabe nicht konkurrenzlos überlassen werden.

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5 Kommentare zu “Ohne Övrebö habt ihr keine Chance”

  • 22. Februar 2010
    tafelrunde schrieb

    Genau so ein Statement konnte man erwarten. Gnadenlos Salz in die Wunden der Bayern gestreut. Die Häme ist klug durchdacht vorgetragen. Das schmerzt noch mehr. Glubb-Fan hin oder her.

    Es wurde in Nürnberg offenkundig, was die Bundesliga ja eigentlich nicht hören will. Dass sie taktisch hinterherhinkt.

    Denn wie sonst kann es sein, dass einem Team, den Bayern, dass nach langer Anlaufphase endlich zu begreifen imstande war, was modernen, auf taktischem Verständnis basierendem Positionsfußball ausmacht, durch ebenso taktisch dagegen angelegten Fußball die Grenzen aufgezeigt wurden, weil dieses neue Bayernsystem nicht überall greift, greifen kann. Es ist (noch) zu unflexibel!

    Florenz stolperte sich eher zu dieser Überzeugung und war zunehmend begeistert ob dieser überraschenden Selbsterkenntnis. Nürnberg hat es einfach kopiert. So simpel geht das also. Die vermeintlichen Überflieger der Liga zu stoppen, ihnen ungläubiges Staunen zu entlocken und unqualifizierte Äußerungen des spiritus rector (vulgo Trainer) zu provozieren.

    Das Schönste aus diesem Spiel ist die bestätigte Gewissheit, dass Fußball ein Mannschaftsspiel ist, in dem die Vorgaben von außen in manchen Momenten spielentscheidend wirksam werden.

    Edit: Wenn das Ergebnis 3:1 oder 4:1 gelautet hätte (was ja durchaus hätte sein können), wären die Kommentare von @Rob und dieser definitiv so nicht geschrieben worden.

  • 24. Februar 2010
    kunthstücke schrieb

    Das ganze Gerede um das bayerische “mia san mia”-Gefühl, das von Münchener Seite heraufbeschworen wird, ist Blödsinn. Die Zeiten, in denen man davor zitterte, wenn “die Bullen” kamen, sind ebenso vorbei wie der erste Eishockey-Sturm der Sowjets mit Makharov, Krutov, Larionov und Fetisov. Der FC Bayern spielt momentan auf demselben Niveau wie die Fiorentina, der FC Sevilla, Olympique Lyon. Gegen Bordeaux konnte das van Gaal-Team schon nicht gewinnen. Und zu Barca, ManU und Chelsea besteht schon ein beträchtlicher Abstand.
    Leider hat der Angstgegner HSV gerade auch einen ernstzunehmenden Kontrahenten: nämlich sich selbst und die Tatsache, dass bei den Hanseaten nach 60 Minuten die Lichter ausgehen. Dann ist man angesichts der Auflösungserscheinungen um Schadensbegrenzung bemüht oder man hofft auf den ein oder anderen Geniestreich von van Nistelrooy. Ich fürchte, der HSV braucht gegen die Bayern auch einen Övrebö, der das Ergebnis ein bisschen beschönigt.

  • 24. Februar 2010
    Heffer schrieb

    “Das ganze Gerede um das bayerische “mia san mia”-Gefühl, das von Münchener Seite heraufbeschworen wird, ist Blödsinn.”

    Mia sa Mia, bezeugt ja im Grunde nur ein gewisses Selbstvertrauen. Mit der aktuellen Bayernmannschaft sollte das zwar prinzipiell kein Problem sein, aber nach einem schwachen Start schleichen sich halt in jeder Mannschaft Zweifel an Gott und der Welt ein.

    Wenn es den Begriff “Mia san Mia” nicht gäbe, dann würde auch kein Mensch so viel Aufhebens darüber machen.

    Aber zu sagen, dass die “Heraufbeschwörung” von Selbstvertrauen nach einer Siegesserie Blödsinn ist, ist Blödsinn.

  • 24. Februar 2010
    kunthstücke schrieb

    “Mia san mia” ist im Guten Ausdruck eines gesunden Selbstbewusstseins – geschenkt. Im Schlechten hingegen steht es für Selbstzufriedenheit, Selbstgenügsamkeit und Selbstüberschätzung. Mit bayerischer Eigenliebe allein lässt sich aber in der CL nicht einmal ein Blumentopf gewinnen. Dass der FC Bayern einen neuen Input braucht, hat ja auch Philipp Lahm in seinem Interview mit der SZ angemahnt – und hat dabei keinen Blödsinn geredet.
    Ich denke, Louis van Gaal kann dem Team diese neuen Impulse geben, damit der Verein auch international wieder ein größeres Gewicht bekommt. Er wird aber noch ein bis zwei Jahre brauchen.

  • 25. Februar 2010
    Heffer schrieb

    das kann man wohl so unterschreiben

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