Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


« Wenn der Postmann nicht mehr klüngelt

Das zur Zeit interessanteste Umbauprojekt in der Bundesliga findet vermutlich am Rhein statt. Der 1. FC Köln, altbewährte Skandal-, Ulk- und Mediennudel ist dabei, sich neu zu erfinden, Köln 2.0 gewissermaßen, aber keineswegs 2. FC Köln. Von Daum zu Finke, radikaler könnte die Neuausrichtung nicht sein beim obersten sportlichen Repräsentanten des Vereins. Nicht, dass Daum ein schlechter Trainer ist, aber für die stetig moussierende Kölner Seele ist der grundsolide Finke, der auch in Japan längerfristig am Werk war, die bessere Ergänzung als der Brausekopf Daum. Für den ebenfalls bodenständigen Soldo war der ganz normale Wahnsinn in Colonia Mania-Depressiva als Auftakt seiner Trainerkarriere zu schwierig. Finke ist beides, ein guter Außendarsteller und ein grundsolider Arbeiter, der ein Konzept reinbringen kann.

Fußballlehrer Schaefer kommt, wie einige andere, die später sehr erfolgreich wurden, aus dem Verein. Er wirkt nicht unbedingt so, als sei geschmeidiger Umgang mit den Medien sein Alleinstellungsmerkmal gewesen, als er gekürt wurde. Ein wenig erinnert er an Gerland, kein Wort zu viel, knorrig, sachlich, ruhig -  einer von den Typen, bei denen man sich gut vorstellen kann, dass sie in Laufkleidung auf die Welt gekommen sind und die Hebamme sagte: Es ist ein Trainer. Mit Schaefer spielt der EffCee wieder ansehnlicher, strukturierter, offensiver. Unter Soldo sah das manchmal aus wie Energie Cottbus, bevor Wollitz in die Lausitz kam. An der besseren Spielanlage ändert auch der Katastrophenkick gegen Duisburg  im Pokal nichts.

Wenn Overlord Overath es schafft, sich zurückzunehmen, dann werden sich die Kölner sehr bald aus dem Abstiegskampf verabschieden und mittelfristig eine Entwicklung wie Frankfurt (mit Bruchhagen) und Hannover (mit Schmadtke) oder Freiburg nehmen. Wenn Prinz Poldi wirklich Kapitän wird, kann das dem Neuaufbau nur gut tun. Wir sehen wir ihn dann in Zukunft als Führungsspieler in seiner neuer Rolle als Lukas, den Lokomotivführer.

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2 Kommentare zu “Wenn der Postmann nicht mehr klüngelt”

  • 4. Januar 2011
    Johannes schrieb

    Das ist wie immer gut formuliert und ein interessanter Denkansatz – nur stellt sich die Frage, ob Finke/Schaefer einen Abstieg im kommenden Sommer überleben würden. Oder stellt sich eher die Frage, ob “Overlord Overath” den Abstieg überleben würde?

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