Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


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Weil die deutsche Fußballpublizistik seit Jahren an einem erblichen Defekt leidet (sogenanntes Bayern-Gen), waren sich nach dem 3-5 gegen die Schweiz am Samstag landauf, landauf so gut wie alle einig, dass die Gewinner dieses Vorbereitungsspiels die nicht anwesenden Bayernspieler gewesen seien. Klar ist ein Jerome Boateng in der Blüte seiner Jahre deutlich besser als ein Mertesacker nach einer mehrmonatigen Verletzungspause, Drogba darf ja nicht mitmachen. Und Philipp Lahm ist – Lederhose hin, treuherziges Bübchengesicht her – ein Weltklassespieler, bei dem es meistens Spaß macht, zuzusehen. Seine Vorbereitung zum 2-1 im Hinspiel gegen Madrid, ein echtes Leckerli. Marcel Schmelzer hingegen hat in Basel gezeigt, dass er beabsichtigt, seine Champions-League-Form notfalls bis nach Donezk mitzunehmen, dito Götze, nur Hummels fremdelt und spielt Fußball.

Der Bayernblock garantierte bisher bei zwei Weltmeisterschaften dritte Plätze mit einem Ausscheiden gegen den späteren Titelträger, bei der letzten EM kam man sogar bis ins Endspiel gegen den späteren Titelträger. Wenn Lahm im Finale 2008 auf dem Platz gestanden hätte, dann wäre Fernando Torres übrigens niemals so zielsicher an jenem Abwehrtölpel vorbeigezogen, diesem…wer war’s doch gleich, ach egal. Insofern ist das muntere Spielchen bei den Eidgenossen nur eine Momentaufnahme. Zu einem 3-3 hätte es mit bajuwarischer Verstärkung locker gereicht.

Abgesehen davon ist es mir immer ganz recht, wenn eine Vorbereitung nicht vollkommen perfekt verläuft. Ein bißchen Improvisieren, ein paar Rückschläge, etwas Unerwartetes können ganz beflügelnd wirken. Ob die Bayern ihre Koan-Titel-Saison tatsächlich alle weggesteckt haben, wer weiß? Bei Lahm, Müller und Neuer denke ich ja, bei Badstuber und Schweinsteiger bin ich mir nicht so sicher. Der eine war schon wegen seiner Gelben Karte gegen Madrid völlig neben sich, und für den anderen ist gegen Chelsea tatsächlich die Welt zusammengebrochen. Eine Startelf gegen Portugal ohne Schweinsteiger? Oder spielt er nur in der Vorrunde? Um im Viertelfinale gegen Tschechien nicht wieder auf Cech zu treffen? Oder erst ab dem Halbfinale? Der Teamchef lächelt, die Wade zwickt, der Rasen schweigt, die Maus kreißt und gebiert einen Berg von offenen Fragen. So ist das in der Vorbereitung.

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