Es ist angerichtet »
Für alle, die Lieder über den Zweiten Weltkrieg vor Länderspielen gegen England nicht mehr hören mögen, ist hier noch etwas zum Mitsingen:
Vorsänger Theodore Bikel, geboren in Wien, spricht sechs Sprachen, war Mitbegründer des Newport Jazzfestival, bei dem er 1960 auftrat, veröffentlichte Platten mit hebräischen, jddischen und russischen Liedern und spielte Nebenrollen in “African Queen”, “My Fair Lady” sowie “200 Motels”, aus dem der entzückende Ausschnitt stammt. Außerdem war er Vizepräsident des American Jewish Congress.
Was Bikel da macht, ist eine Frechheit, ist es doch die Hautpaufgabe eines jeden Zionisten, Argumente gegen Deutschland zu produzieren und nicht, sich über Engländer und den Rest der Welt lustig zu machen oder fröhlich zu musizieren. Gebt dem Mann sofort eine Jungle World zu lesen, damit er lernt, was er mit seinem unverantwortlichen Verhalten im Jahr 1971 angerichtet hat.
Per Aspera ad Astra »
Die diesjährige 11Freunde-Location ist wirklich gelungen. Ein bißchen griechisches Amphitheater, ein bißchen postsozialistische Abraumhalde, ein bißchen Mad Max, sonnig und entspannt. Gestern jubelten sich dort ungefähr fünf Chile-Fans die Seele aus dem Leib, während der Kuh-Glocks-Klan wie schon viele andere mit dem Schiedsrichter haderte.
Bisher hat die Gruppe H eindeutig den größten Unterhaltungswert, wobei die Dänen gegen Kamerun auch sehr gut waren, und ich die Holländer bisher noch nicht gesehen habe. Morgen werden wir um 6.30 Uhr unsere Handtücher auf der Astra-Tribüne verteilen, damit wir dann gegen Ghana auch ein hübsches Plätzchen haben.
Das Mutterland des Fußballs… »
…ist England. Aber diese Mutter ist mindestens so tot wie die von Norman Bates. Das war heute eine Bankrotterklärung und es nervt kolossal, dass England jedes Mal zum Mitfavoriten ausgerufen wird und jedesmal erbärmlich schlechten Fußball spielt. Die Erklärung ist ebenso einfach wie naheliegend: Das sogenannte Wembleytor fiel in der 101. Minute. Und 101 Jahre lang werden die Drei Löwen grottigen, hundsmiserablen Fußball spielen müssen, bis dieses Tor getilgt ist. Nimmt man die heutige Leistung als Maßstab, werden die 57 Jahre, die noch kommen, wie im Flug vergehen.
Schland heute +++ verdienter Sieg für Serbien +++ vertretbarer Platzverweis für Klose +++ Wechselfehler von Löw, Podolski hätte nach der ersten Halbzeit raus gemusst +++ Führungsschwäche von Lahm und Schweinsteiger, Podolski hätte nicht schießen dürfen +++ Ohne Özil passiert nach vorne so gut wie nichts +++ Wer behauptet hat, Ballacks Ausfall wäre kein Verlust, der wurde heute eines Besseren belehrt, das Spiel schrie förmlich nach einem 1-0 durch ihn +++ Dieser Rückschlag ist für den weiteren Verlauf von entscheidener Bedeutung: als Schlüsselerlebnis bei der Teamwerdung oder als Anfang vom Ende.
Miroculix wirkt wieder Wunder »
Das war richtig lecker gestern Abend. Und der Große Klose ist zurück. Miroculix wirkt wieder Wunder. Wenn es 4-0 steht, kann auch Gomez keinen Schaden mehr anrichten. Ganz am Anfang hatten die Deutschen ein bißchen Glück, der Platzverweis gegen Australien war extrem hart, aber trotzdem war es das beste deutsche Auftaktspiel seit 1990. Aber Costa Rica… werden jetzt einige wieder sagen, doch vor vier Jahren war der Gegner zu schwach und vieles blieb Stückwerk. Auch die Tore damals waren Ergebnis der allgemeinen Euphorie, nicht der besseren Spielanlage. Und von Rudi, hau die Saudi 2002 wollen wir gar nicht erst reden. Gestern dagegen, vier Tore aus dem Spiel, eins schöner als das Andere. Gut gemacht, Herr Löw.
Hoffentlich führt die gute Frühform nicht zur Überheblichkeit. Im Achtelfinale wartet England, warten gar die USA. Und wie schnell sind die Vorrundendarlings schon zu den K.O.-Runden-Deppen geworden.
Im Internet kursiert tatsächlich eine Antivuvuzelapetition. Mit Petitionen sollten wir uns nicht abgeben, sondern gleich eines dieser liebreizenden Instrumente besorgen und möglichst originell verzieren. Mexiko 86 hat dem Weltfußball La Ola gebracht. Vielleicht ist nach dieser WM die zwangsweise verabreichte Schrottmusikdröhnung aus der Konserve vor fast jedem Bundesligaspiel Geschichte, weil alle fröhlich brummen.
Das ZDF hatte gestern nicht seinen besten Tag. Katrin Müller-Hohenstein beschwört den Reichsparteitag herauf, Béla Réthy merkt an, die Ohrstöpsel, die gegen Vuvuzelas verkauft werden, seien auch geeignet gegen die meckernde Ehefrau. Nur gegen sein Geschwafel ist das geeignete Synthetikwachs noch nicht erfunden worden. Und wo ist eigentlich der vom kicker gekürte Fanexperte? Sollte der nicht der Adlatus von Oliver Kahn werden?
Und so was von verdient – Ghana schlägt Serbien »
Sage jetzt bitte keiner, dass sei kein Handspiel gewesen, so weit oben haben auch beim Flugkopfball die Finger nichts verloren. Und der Elfmeter – es sind schon Mannschaften mit einem einzigen Elfmeter Weltmeister geworden, also nichts zu deuteln am ersten Sieg einer afrikanischen Mannschaft. Wenn man sich den Spielverlauf mit zwei Pfostentreffern und einigen schon recht ansehnlichen Ballstaffetten ansieht, war Ghana über die gesamte Spielzeit besser, aktiver. Und The Athlete Formerly Known As Boateng, der jetzt Prince auf dem Trikot stehen hat, war einer der Leistungsträger. Das Spiel heute Mittag war eher fad, wieder ein krasser Torwartfehler, viele, viele Fehlpässe. Das heißt, England muss in Gruppe C jetzt schon richtig um Platz zwei kämpfen.
Ich verstehe die Aufregung um die Vuvuzelas nicht, gibt es denn kein anderes Thema? Die tollen Stadien, die alle pünktlich fertig geworden sind, Zustände, von denen man in der Ukraine nur träumen kann. Dazu das herrliche Wetter, keine Spur von Winterstürmen bis jetzt. Keiner hat sich daran gestört, dass Oranje die gegnerische Mannschaft mit absichtlich falsch geblasenen Seemannsliedern jahrzehntelang zermürbt hat – ein bißchen mehr Weltoffenheit stünde nicht nur den Freunden, sondern auch den Gästen gut zu Gesicht.
Horst, du fehlst uns so »
Eigentlich ist jeder ersetzbar in Joachim Löws Team, nur einer nicht – Horst Köhler. Die Nachricht von seinem Rücktritt hinterließ einen völlig ratlosen Bundestrainer: “Seit langer Zeit wieder einmal ein Bundespräsident, der beidfüßig ist. Das tut im wahrsten Sinne des Wortes doppelt weh”, erklärte Joachim Löw auf einer eilends anberaumten Pressekonferenz.
Es ist ein offenes Geheimnis. Der Schwur in der Kabine vor jedem Spiel hieß seit der Wahl Köhlers zum Bundespräsidenten 2004: “Fürderhin für Hotte für Schland”. Köhler ging damit nicht hausieren, aber er war ein Taktikguru. Die Idee, 2008 im Viertelfinale gegen Portugal mit Rolfes und Hitzlsperger als Doppelsechs zu beginnen, wurde im Schloß Bellevue geboren.
Die Aussicht von Köhler persönlich am 11. Juli lobend ins Ohr gekniffen zu werden, hätte vor allem bei vielen jungen Spielern die entscheidenen paar Prozent rauskitzeln können. Ob die Aussicht, von einem Bremer Sozialdemokraten am Kinn gekrault zu werden Gleiches bewirken kann, ist äußerst fraglich. Nichts gegen Jens Böhrnsen, aber für ihn kommt ein so großes Turnier eigentlich noch zu früh. Er soll noch nicht einmal im Besitz einer Vuvuzela sein. Ob er berechtigt ist, den offiziellen Horst-sein-Schal auch als Interimsbundespräsident zu tragen, soll ein Gutachten des namhaften Verfassungsjuristen Netzer bis zum Beginn des Turniers klären.
Köhler ist mit 68 Länderspielen nicht der Rekordinternationale, hier führt Johannes Rau mit 426 vermutlich uneinholbaren Einsätzen. Köhlers Humor, seine Eloquenz und sein mitreißendes Temperament werden allerdings nicht nur in den kommenden vier Wochen schmerzlich vermißt werden.
Unser erster Gegner am 13. Juni »
Die wesentlichen taktischen Informationen in Kürze.
Das wird nicht einfach.
I werd narrisch, i werd narrisch »
Gomez schießt ein Tor – und dann gewinnt auch noch Lena, das ist ja kaum auszuhalten an einem Abend. Jetzt können uns eigentlich nur noch die Australier stoppen. Oder die Serben. Oder die Ghanaer.
Das Gute an Deepwater Horizon »
Wenigstens ist es kein Atomkraftwerk.
Was uns zu der Frage führt, ob die USA bei dieser WM etwas zustande bringen werden, oder ob alles im Sande verläuft.
Die meisten Spieler sind mittlerweile in Europa tätig. (Legionärskrankheit: Marotte von Sportjournalisten, die im Ausland tätige Profis stets nur als Legionäre bezeichnen). Zu den Vereinen gehören Aarhus, Hannover 96 und Aris Thessaloniki, aber auch AC Mailand, FC Villareal, Glasgow Rangers und Fulham.
Es gibt natürlich leichtere Auftaktspiele als gegen England, einen der Topfavoriten. Aber mit Algerien und Slowenien in der Gruppe ist zumindest Platz Zwei nicht unrealistisch. Ich favorisiere aus Prinzip afrikanische Mannschaften, bis auf Ghana waren sie allerdings 2006 alle ziemlich fad. Nehmen wir mal an, die USA kämen mit England weiter, hätte dann Schland überhaupt eine Chance? Ohne Ballack? Die USA haben traditionell einen ausgeprägten Teamgeist, sind extrem lauf- und zweikampfstark. Sie haben keine Überflieger in ihren Reihen, mit Howard einen sehr guten Torwart und mit Bradley einen Trainer, der das Team in aller Ruhe vorbereiten konnte. 2006 scheiterten sie mit nur einem Punkt an Ghana, Tschechien und Italien, dieses Mal könnte es schon ein bißchen mehr sein.
Leider nicht mehr dabei ist Alexi Lalas (40), der 2006 bis 2008 Manager der Los Angeles Galaxy war. Seinen Bart, mit dem er mit Außerirdischen kommunizieren konnte, hat er abrasiert. Dafür macht er Musik. Deutlich besser als Gerd Müller, aber an Radenkovic kommt er nicht ran.
A Nightmare on Schelm Street – Out Now »
Hier, im Freddy Krueger Nationalpark leben sie eigentlich alle friedlich beisammen: Zombies, Orcs und Investmentbanker. Doch eines Tages wird das Idyll empfindlich gestört, denn der untote Lothar will es noch einmal wissen: “Wenn es um eine Position im defensiven Mittelfeld geht, würde ich mich einer Anfrage des DFB nicht von vornherein verschließen,” ließ er über seinen ungarischen Berater Honved Piroschka mitteilen. Außerdem gibt es da noch Prince Evil, den Häcksler vom Hartplatz ebenso wie Prinz Charming, den Dödel von Deutz. Alle kennen nur ein Ziel: Wir wollen Waldmeister werden. Schalten Sie also auch demnächst wieder ein, wenn es heißt: Bei der Ecke haben wir geschlafen. Dabei hat es der Jogi doch allen gesagt: Du darfst nicht, du darfst auf keinen Fall einschlafen.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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