Das Märchen von den Über-Bayern »
Zu den beliebten Phrasen zur Einschüchterung der Konkurrenz gehört der Satz: Die Bayern können sich nur selbst schlagen. So, als ob es egal sei, wer da sonst noch auf dem Platz steht. Wenn Gomez in Neapel einen Elfmeter nicht verwandelt, Tollpatsch Badstuber sich einen Ball selbst reinsemmelt oder zwei Spieler ausrasten, weil Pinto von Hannover 96 nach einem Foul auf der Höhe der Mittellinie behandelt wird, könnte man auch sagen: Die Mannschaft ist dem Druck nicht gewachsen.
Eigentlich hätten Boateng und Kroos beide vom Platz fliegen müssen, denn bereits der Schubser von Kroos gegen den 96er-Betreuer war eine rotwürdige Tätlichkeit. Beide Spieler haben an diesem Ort nicht das geringste verloren, sie hatten mit dem Zweikampf nichts zu tun, Pinto liegt draußen und verzögert das Spiel nicht, der Auftritt war völlig überflüssig und in keiner Weise professionell. Über eine rote Karte von Schulz kann man nachdenken, allerdings versucht der, seinen Betreuer zu schützen und Boateng schubst gegen Schulzens Hals und weitaus heftiger als dieser.
Bayern hat gegen die Mannschaften auf Platz 2 bis 9 in der Tabelle bisher fünf Spiele bestritten: gegen Gladbach und Hannover haben sie verloren, gegen Hoffenheim ging es 0-0 aus, gegen Leverkusen und Schalke haben sie gewonnen. Von ihren bisher 26 Toren haben sie sieben geben Freiburg (18.), fünf gegen den HSV (17.), drei gegen Kaiserslautern (14.) und vier gegen den Aufsteiger Hertha erzielt. Das ist keine Bilanz für die man sie pflichtschuldigst zur Übermannschaft ausrufen muss. Dortmund, Stuttgart und Bremen stehen aus der oberen Hälfte noch auf dem Programm.
Es gibt auch andere Mannschaften, die 5-0 gewinnen können. Die tapferen Lüdenscheider Duracell-Häschen zum Beispiel, die sich immer besser in die unheimliche erste Saison nach der Überflieger-Saison reinbeißen, auch wenn sie in der Champions League vermutlich weitherhin kein Land sehen werden. Die haben mit ihrem Verletzungspech und den Nackenschlägen auf europäischem Parkett schon eine Menge wegstecken müssen und sind trotzdem Zweiter. Oder Schalke. Die haben ihren Wunschtrainer durch Krankheit und ihren etatmäßige Torhüter durch Verletzung verloren und sind trotzdem Dritter. Oder Hannover. Die haben die Doppelbelastung der Europa League, weil sie zwei Schlüsselspiele gegen Sevilla mit Bravour absolviert haben, spielen faktisch ohne ihren wichtigsten Stürmer und sind trotzdem Vierter. Oder der HSV. Der ist der HSV und hat trotzdem einen Punkt gegen Wolfsburg geholt.
Apropos Nackenschläge: Für die Bayern gäbe es keinen besseren Moment, sich im Pokal zu blamieren, als gegen den frischgebackenen Tabellenletzten der Zweiten Liga, Ingolstadt. Und am Samstag kommt dann der Club nach München. Zeit für einen Underdogday Afternoon.
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Kleine Fische mit scharfen Zähnen »
Gestern im Pokal wurde wieder einmal das Potenzial der Zweiten Liga deutlich. In gleich drei Duellen mit einem Erstligisten setzten sich die unterklassigen Mannschaften durch, auch in Augsburg stand das Spiel lange auf Messers Schneide, ehe den Schalkern ein später Sieg gelang. Besonders überzeugend trat Cottbus auf, die schon mal in einem Pokalendspiel standen. Auf dem Weg dorthin gewannen sie damals gegen den Erstligisten KSC im Schneetreiben und angetrieben von einem euphorisierten Publikum in typischer Zweitligamanier: durch Kampf und Emotion. In Wolfsburg war Energie die in allen Belangen überlegene Mannschaft, erspielte sich bis zur Pause ein für die Heimmannschaft demütigendes 3-0 und geriet während des ganzen Spiels nie in ernsthafte Gefahr. Nur einige Fans kommen bei diesem Niveau nicht mit und gefährden mit ihren depperten Auftritten den Erfolg. Auch Duisburg war in Köln die reifere Mannschaft, hätte bei besserer Chancenverwertung den FC ganz böse abwatschen können. Bei Aachen war es gegen Frankfurt am ehesten ein Triumph der Emotionen und eines phantastischen Torhüters. Was dem einen sein Neuer, ist dem anderen sein Hohs. Aber klassisch gebolzt hat auch die Alemannia nicht.
Es sind eine ganze Reihe von Mannschaften in Liga Zwei, die sich ähnlich geschlossen und mit einer klaren Spielanlage präsentieren wie Kaiserslautern oder Freiburg eine Klasse höher. Freiburgs seit fünfzehn Jahren betriebene Nachwuchs- und Scoutingarbeit ragt dabei heraus, am Betze lebt man vom Genie des Stefan Kuntz, der dem VfL Bochum dereinst Theofanis Gekas und manch andere Perle bescherte. Neben Augsburg, Duisburg, Cottbus sind es auch noch die bereits im Pokal ausgeschiedenen Bochum, Düsseldorf und Hertha. Fürth und Aue, die im Moment oben noch dabei sind, fehlt die Erfahrung eines erfolgreichen Aufstiegs, aber auch sie sind noch mit in der Verlosung. Viele Vereine sind mittlerweile in der Lage, ihre Philosophie auch eine Klasse tiefer weiter zu entwickeln und zumindest ein Jahr in Liga Zwei personell und finanziell recht gut zu überbrücken. Totale Katastrophen wie der Abstieg Nürnbergs 1969 oder der Münchener Löwen 2004 gibt es nur dann, wenn man sich vollkommen überschätzt, siehe KSC, Bielefeld, Rostock. Die anderen nehmen das körperbetonte, giftige Spiel an und arbeiten zugleich an einer Gesamtstrategie, in die Nachwucharbeit, Management und Trainerstab von Anfang an eingebunden sind.
Bei dieser hohen Leistungsdichte – zwischen den immer stärker werdenden Bochumern auf Platz acht und den Augsburgern auf Platz eins liegen nur fünf Punkte – wird die Rückrunde ein Langzeitkrimi, bei dem am Ende die nervenstärksten Teams die Nase vorn haben werden. Wer das sein wird, ist nicht abzusehen. Hertha hat sich gegen Aue und Augsburg nach dem kleinen Durchhänger wieder sehr stark gezeigt, vom Gesamtkonzept ist Augsburg sicherlich die Nummer eins. Duisburg hat eine tolle Mischung aus Jung und Alt, Bochum den Aufsteigsroutinier Funkel auf der Bank. Düsseldorf hat den Verlust seiner wichtigsten Spieler mittlerweile verdaut, Fürth und Aue sind Außenseiter, aber beim Club unter Oenning dachten auch viele, die Mannschaft spiele über ihrem Limit und plötzlich waren sie doch auf einem Relegationsplatz und der damalige Erstligist Cottbus bekam die neue Stärke der Zweiten Liga zu spüren.
Effizienzbestie schlägt Angstgegner »
Letztes Jahr hatte Nürnberg eine Chancenverwertungsquote von 19 Prozent, letzter Platz. Für zwei Tore in einem Spiel hätten das elf Chancen sein müssen, gestern reichten genau diese zwei Chancen für ein 2-0 bei DEM Pokalschreck überhaupt, Eintracht Trier. Rot-Weiß-Oberhausen geriet in Hamburg unter die Reeder, der Club trotzte den Promikillern an der Mosel und sieht jetzt den erschreckend gut aufgelegten Gladbachern entgegen.
Nürnberg schreibt Fußballgeschichte »
“Der 1. FC Nürnberg hat einen Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher verhindert: Durch den ungefährdeten Sieg im Relegations-Rückspiel bei Zweitligist FC Augsburg verhinderten die Franken den achten Bundesliga-Abstieg der Geschichte, durch den sie Rekord-Absteiger geworden wären.”
So beginnt der Text des Sportinformationsdienstes (Zusatzkürzel jr), den Die Welt zur erfolgreichen Relegation der Clubberer veröffentlicht. Da brat mir einer doch eine Ente. Binnen zwölf Monaten hat Nürnberg vier Relegationsspiele bestritten, viermal gewonnen und ein Torverhältnis von 8-0 erzielt. Und das soll keine Fußballgeschichte sein?
Überhaupt dieses Gerede vom Rekordabsteiger: Nur wer oben ist, kann absteigen. Vor drei Jahren sind wir Pokalsieger geworden, der kicker gab die Spielnote 1. Es war das beste Endspiel der letzten zwanzig Jahre. Das Spiel der everybody’s darlings gegen Bremen am Samstag hatte die Spielnote 2. Ich frage mich, wie viele Abstiege Mannschaften wie Hertha, Frankfurt, Gladbach oder Gladbach für einen Pokalsieg eintauschen würden.
Das Gute am Rekordabsteigen ist: Wir wissen, wie es geht. Beim Club gehen nicht die Lichter aus, und die Mannschaft fliegt auch nicht auseinander. Jeder weiß, worauf er sich einläßt, jeder weiß, dass es passieren kann. Meister zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Lage sind, Rückstände zu drehen. Große Mannschaften erkennt man daran, dass sie immer wieder kommen und dabei ab und zu Fußballgeschichte schreiben.
Die Live-Tweets zum Pokal-Finale »
Willkommen zum DFB-Pokalfinale 2010. Werder und Bayern von der ersten Sekunde an extrem präsent, Kampf um jeden Meter Rasen.
8. Riesenchance für Bremen. Pizarro tunnelt Lahm, glaube ich, Butt hält zweimal glänzend, Ein sehr guter Beginn von beiden.
11. Min. Das obligarischere Foul von van Bommel, gelb. – Freistoß Werder abgeblockt, die sehr gut gegenhalten.
Obligatorisches Foul muss es heißen, aber gelb gab es trotzdem. – Bayern versucht das Spiel zu machen, Bremen spielt Pressing.
16. Viele kleine Fouls, keiner will den Anderen ins Rollen kommen lassen. Bayern kommt bis zum Strafraum, Werder nur bis zur Mittellinie.
19. Butt und Wiese beide bisher sehr sicher. Ein 0-0 der besseren Sorte. Ribery tut sich schwer mit der Raumaufteilung.
20. Gelb für Olic, wenn die Fouls Akzente setzen sollen, hat sie Werder bisher ignoriert. Mittelfeldgeplänkel auf hohem Niveau.
24. Robben verdribbelt sich im Bremer Strafraum, kurz danach verpassen Olic und Müller eine scharfe Hereingabe von Ribery.
31. Bayern schnell und nicht besonders einfallsreich, Bremen beim letzten Pass zu fahrig, in der Defensive beinahe italienisch.
34. Handelfmeter für Bayern, Mertesacker gegen Olic, kann man geben. – 1-0 Robben, Wiese in der Ecke, aber unhaltbar.
Die spielen sogar “Tulpen aus Amsterdam” für Robben. Bei Tennis Borussia gibt’s nur Veilchen.
39. Ribery bisher fleißig, aber glücklos. Werder muss sich erst einmal sortieren. Bayern daddelt an der Mittellinie hin und her.
41. Der Kommentator sagt Statistiken auf, Sternzeichen würden mich jetzt gerade besonders interessieren. Das Tuva-Horoskop.
42. Großchance für Müller, weil Ribery seinem Gegenspieler davonläuft. Bremen momentan gut bedient. Hunt vergibt aus 12 Metern.
Halbzeit. Bayern nicht brilliant, aber überlegen, Bremen nicht in der Lage, das Mittelfeld schnell zu überbrücken.
Kahn analysiert, Katrin Müller-Hohenstein souffliert. Ich finde Scholl viel interessanter. Auf geht’s zur zweiten Halbzeit.
49. Auch den zweiten Elfer für Bayern hätte man geben können. Robben springt ein bißchen zu sehr ab.
51. 2-0 Olic staubt ab. Wieder sieht Mertesacker unglücklich aus.
55. Ribery verspringt unbedrängt der Ball. Nicht sein Spiel heute. Jetzt erzeugt er ein Abseits.
57. Freistoss Özil zu lang, Butt hält sicher, im direkten Gegenzug Robben knapp im Abseits.
60. Wird Bremen besser oder nehmen sich die Bayern ein Päuschen? Schon länger keine Großchance mehr.
63. 3-0 Den konnte selbst Ribery nicht versemmeln. Bremen wird eikalt ausgekontert.
64. Pizarro köpft, Butt hält, Ecke. Die führt zum Konter für Bayern. Fritz kriegt Gelb.
70. Jensen kommt für Borowski, Robben hat ihn aufgearbeitet.
73. Schaaf rupft sich die Barthaare einzeln aus. Eine zu harte Strafe nach dieser guten Saison.
76. Rensing knuddelt Gomez. – Und jetzt auch noch Rot für Frings. Bremen und Hansa Rostock kieloben.
80. Klose kommt für Olic. Van Gaal setzt jetzt alles auf eine Karte.
82. Klose tritt über den Ball, für einen Moment dachte ich, es ist Gomez.
84. 4-0 Schweinsteiger, das schönste Tor des Abends.
87. Gomez darf Kräfte für das CL-Finale sammeln. Da muss auf der Bank ein Spielzug in den anderen greifen.
89. Eins ist schon jetzt klar, eine Verlängerung wird es heute Abend nicht geben.
Schlusspfiff. Bayern meilenweit überlegen.
PS: Aber sie brauchten zwei Standards um ins Spiel zu kommen, das 3-0 und 4-0 waren belanglos. Bremen offensiv völlig desolat, defensiv sehr unglücklich.
Bayerische Blockbildung »
Gegen Müller in der Startelf ist ja nichts einzuwenden, gegen Gomez auf der Bank auch nicht. Aber ich fürchte, der Jogi wird das unsympathische Jahrhunderttalent gleich mal zum Stammspieler machen, und Kießling hat das Nachsehen. Und Butt? Kann sich im Pokalfinale und im CL-Finale auf die Nummer Eins spielen. Oder im Geiste Kahns noch mal so richtig einen Zinken reinlassen. Neuer wird es jedenfalls nicht, das kommt überhaupt nicht in Frage. Bin gespannt, was passiert, wenn sich noch ein Stürmer oder ein Sechser verletzt. Choupo-Moting vielleicht, der spielt bei Nürnberg ja eine richtig große Saison, oder Fabian Ernst.
Mr. Zweistellig grüßt von oben »
Wer hätte das gedacht? Schalke ist vorn und hat nach dem 2-1 gegen Dortmund die nächsten Big Points geholt. Und Kuranyi trifft wie ein Uhrwerk. Ob da noch Luft nach oben ist? Die Bayern sind zwar in der Champions League kühl bis ins Mark (van Bommel), gegen Köln und Nürnberg haben sie sich jedoch gleich zwei Nervenwackler geleistet. Dass der nächste zu Hause gegen Freiburg kommt, ist nicht zu erwarten, man kann die Punkte auch auswärts liegenlassen. Für Nürnberg wäre es kein Schaden, wenn Freiburg heute verlöre. Bei einem Sieg in Berlin – das Spiel sehen Hertha-Fans und Clubberer heute friedlich in der Bluesgarage in Schöneberg, der Autor ist anwesend – könnten sie sich ein wenig absetzen. Wobei Hannover jetzt die zweite Luft kriegen wird. Die haben mit HSV, Schalke, Bayern, Leverkusen nur ein besonders knüppelhartes Restprogramm.
Kevin Kuranyi zieht als Mr. Zweistellig weiterhin einsam seine Kreise, hat viermal mehr Tore geschossen als Podolski und Klose zusammen. Podolski, der nach seiner Ohrfeige für Ballack angeblich auf Bewährung spielt, hatte nach dem Länderspiel gegen Argentinien den nächsten kleinen Ausraster. Gegen Bayern hat Kuranyi im DFB-Pokal-Halbfinale die Möglichkeit, dass er es auch in k.o.-Spielen kann. Die Sturheit Löws in dieser Frage ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass der DFB völlig von der Rolle ist. Diese WM könnte tatsächlich zum Desaster werden. Starke Gruppengegner, schwache Stürmer und im Verband ist der Teufel los. Aber bitte, dann geht Kuranyi eben bestens ausgeruht in die neue CL-Saison. Das muss kein Schaden sein.
Eine schwierige Saison für Raphael Schäfer »
Raphael Schäfer hat es nicht leicht in dieser Saison. Nach seinem Nachhakeln gegen Misimovic wurde er durch Fernsehbeweis gesperrt. Dass es nicht in Ordnung war, was er da gemacht hatte, ist klar. Ob es rot gewesen wäre, wenn es Schiedsrichter Schmidt gesehen hätte, ist eine andere Frage. Misimovic hat im gegnerischen Fünf-Meter-Raum ganz schön rumgepöbelt vorher. Und dass Torhüter ihr Revier schützen (dürfen), wird auch der Schiedsrichter gewusst haben, der es großzügig mochte, und bei klarer Sicht weder Wolf noch Josué vom Platz stellte. Warum er dann Schäfers Einsteigen aus drei Metern Entfernung angeblich nicht gesehen hat, weiss nur er, und warum es dann gleich vier Spiele Sperre sein mussten, nur der DFB. Unterm Strich standen dann für Nürnberg vier Spiele ohne Schäfer, ohne Tor, ohne Punkt.
Letzten Samstag machte der Club-Torwart dann den spielentscheidenen Fehler gegen Stuttgart, nachdem er vorher sein Team bis zur 86. Minute mit teilweise Weltklasseparaden im Spiel gehalten hatte. Er monierte zwar Abseits, aber er wusste, dass er sich von Hilbert hatte vernaschen lassen. Kurz danach schlitzte ihm ein Stuttgarter auf der Torlinie die Kniekehle auf, wofür es weder Gelb noch vier Spiele Sperre gab. Hauptsache, der Schiedsrichter hat diese Sehne richtig beurteilt.
Gestern Abend hatte Schäfer wieder einen unglücklichen Moment, beim 2-1 für Gladbach. Meiner Meinung nach war Matmour eine Idee früher in der Luft, er springt ziemlich senkrecht in die Höhe,will zum Ball, nicht in den Mann. Schäfer nimmt das Duell an, aber der Aufprall verhindert, dass er die Kontrolle über den Ball kriegt. Wenn er Matmour erfolgreich geblockt hätte, hätte es sicher keinen Elfmeter gegeben. Nützt aber nichts: Ball verloren – Spiel verloren.
Man hätte das auch abpfeifen können, aber eine eindeutige Fehlentscheidung war es nicht, genauso wie der Handelfmeter für die Bayern gegen Fürth am Mittwoch. Kann man geben, muss man nicht. Wenn man jetzt natürlich in jedes Trikot einen Chip einpflanzen würde, der die Aufprallgeschwindigkeit, den Ellebogenwinkel und die Bewegungsrichtung in Sekundenbruchteilen berechnet, gäbe es derartige Skandalentscheidungen nicht mehr. Bem vorwärts eingesprungenen Flugblocker von Fürstner gegen die Bayern müsste man allerdings schon die Hirnströme messen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Die Dioden könnte man in den von Petr Cech zu Weltruhm gebrachten Helm integrieren, ein echter High-Czech-Helm, der dann Pflicht für alle wäre. Will ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielen, bekommt der Schiedsrichter einen kleinen Ball auf seine Uhr gesendet. Will er nur das Gleichgewicht halten, funkt der Helm eine kleine zweifelsfreie Waage.
Nächsten Samstag kommen die von sich selbst restlos bedröhnten Bayern nach Nürnberg. Solange Hannover weiter so rumgurkt und Hoffenheim und Wolfsburg sich im dezenten Sinkflug befinden, besteht keine dringende Notwendigkeit, dieses Spiel zu gewinnen. Wir wollen sie noch einmal, die erfolgreiche Relegation. Am liebsten gegen Kaiserslautern. Aber vielleicht kann Schäfer wieder einmal eine perfekte Leistung zeigen, gut gehalten hat er ja bisher.
Man trifft sich immer zweimal »
In der Saison und auch sonst im Leben. Hertha blieb 2004 nur oben, weil der unglückliche Francis Kioyo von 1860 München am vorletzten Spieltag einen Elfmeter gegen die Berliner verschoß. Diesmal war es der ehemalige Hertha-Torhüter Kiraly (von Falko Götz durch Fiedler ersetzt), der Hertha eine weitere bittere Erfahrung bescherte. 4-1 hieß es im Elfmeterschießen für die Löwen, als nächstes ist Hoffenheim dran, die Berliner zu rupfen. Rangnicks Team gewann gegen viel zu unentschlossene Nürnberger. Ich freue mich über jeden Club-Sieg, es wird im Verlauf der Saison aber kein Schaden sein, nur in der Liga zu spielen. Abstiegskonkurrent Köln erledigte verdient den Deutschen Meister Wolfsburg, Podolski wächst immer mehr in eine Zidane-Rolle hinein: Vorbereiter, Kämpfer, Stratege und dank seiner 60something Länderspiele mit einer bemerkenswerten Ausstrahlung. Unterklassige Vereine kegelten mit dem HSV, Freiburg, Leverkusen, Gladbach vier weitere Erstligisten raus. Die vier Sieger – Augsburg, Duisburg, Osnabrück und vor allem Kaiserslautern – sind alle für weitere Überraschungen gut. Nach den bisherigen Leistungen läuft alles auf ein Endspiel Bayern – Trier hinaus. Aber auch die Fürther sollte man nicht unterschätzen. Wer zweimal so kurz vor Schluß gewinnt, ist zu allem fähig.
Die Stunde der Außenseiter »
Irre ich mich, oder gibt diese Pokalrunde mehr Hoffnung denn seit langem, dass die Außenseiter mal wieder so richtig abräumen?
Gleich am Dienstag erwartet der Pokalschreck aller Schrecken, Trier, die aufstrebende Arminia aus Bielefeld, die sich nach dem Ausflug an die Mosel wohl auf den Aufstiegskampf wird konzentrieren dürfen. Die neu aufgestellten Karlsruher begrüßen die vor sich hin dümpelnden Dortmunder, die mit den Gedanken schon beim Derby gegen Schalke sind. Und sollte es der gerüchteweise existierenden Offensivabteilung des 1. FC Nürnberg gelingen, Tore durch Osmose herzustellen, dürfte auch Hoffenheim mit leeren Händen aus Franken zurück kehren.
Am Mittwoch trifft Hertha in seinem Lieblingswettbewerb auf den lettischen Vertreter Achtzehnhundertsechzeikis Münchenis. Und wieder droht ein blaues Wunder. Die zu Hause wackeligen Bremer empfangen St. Pauli, die endlich wieder einmal nicht das Spiel zu machen brauchen und auf pfeilschnelle Konter lauern könne. Osnabrück, das Pokalbermudadreieck des Nordens, setzt an, den HSV zu verschlingen, Kaiserslautern lauert auf Leverkusener Laxheiten, Köln macht sich berechtigte Hoffnungen auf einen Coup gegen Wolfsburg, und ganz zum Schluß gibt es da noch den Lübecker Zentralfriedhof mit einem schmucken neuen Stein, drauf geschrieben steht: Stuttgart. Denn der VfB ist dem VfB sein VfB. Es ist angerichtet.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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