Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Kurzes Lebenszeichen aus dem Sommerloch »

“Wir dachten alle, du seist tot,” sagt Rosanna Arquette zu Madonna, als diese nach Wochen plötzlich wieder aus der Versenkung auftaucht. “Nein, nur in New Jersey,” lautet die Antwort in Desperately Seeking Susan, einem Film aus jenem seltsamen Paralleluniversum, das seine ehemaligen Bewohner nur die Achtziger nennen.

Nun, ich bin weder tot noch in New Jersey, auch nicht in Tempelhof in der Vormumifizierung gelandet. Allerdings bin ich  umgezogen: näher an die neue Alte Försterei heran und weiter weg vom Olympiastadion. Am 2. August werde ich wieder regelmäßig schreiben, und mir Gedanken machen, wer eigentlich absteigen soll, in dieser immer gleichmäßiger besetzten und professioneller arbeitenden ersten/zweiten/dritten Liga.

Noch ein Wort zum viel geschmähten Kopfnoten-Sammer. Das U21-Endspiel war erste Sahne, sogar ganz ohne Losglück war Schland die beste Mannschaft des Turniers.

Totem und Tattoo »

Es war einmal im Land der tausend Laktattests , da gelobte der Auswahltrainer, seine Durchleucht, der Herr Löw: Es soll fortan nur nach Leistung gehen, nichts als Leistung soll sein das Kriterium, nach welchem ich berufen will meine Spieler.

Und ging die Zeit ins Land und kam da ein Spieler Jermaine Jones, Bub aus der Bronx von Bonames, der  spielte zwei Jahre lang überdurchschnittlich in einer durchschnittlichen Schalker Mannschaft und zeigte eine Dynamik und Zweikampfbilanz im defensiven Mittelfeld, die man seit Lothar Matthäus dort nicht mehr gesehen hat. Und er ward berufen pro forma für drei Freundschaftsspiele, und fortan ignorieret, weil er nicht passte in das Anforderungsprofil der Anforderungsprofilneurotiker beim DFB.

Und ätsch, der mündige Profi Jones, machte munter Gebrauch von seinen durch die FIFA garantierten Rechten und sprach bei sich und vernehmbar: Etwas Besseres als acht Minuten in einem Freundschaftsspiel gegen Österreich findest du zwar nicht überall, aber in den USA wirst du zumindest eine faire Chance erhalten.

Doch siehe, es waren Leitartikler und Kommentatoren auf dem Feld der öffentlichen Meinung, die fürchteten sich sehr und holten aus zum Rundumschlag, ohne die FIFA-Statuten gelesen zu haben und sparten nicht mit Häme. Und auch wenn Jones nach Asamoah und Kuranyi der dritte Schalker Profi ist, der auf äußerst unfeine Art vom DFB ausgebootet wurde, wer da sich erdreistet zu denken, dies habe mit ihrem Verein oder ihrem außereuropäischen Migrationshintergrund zu tun, der macht sich unbeliebt im Reiche des Auswahltrainers Löw, denn es geht beim DFB immer nur nach Leistung und keinesfalls nach Kopfnoten oder VfB Stuttgart.

Und nun wollen wir sehen, wie es weitergeht mit den Kickern in den schwarzen Hosen und weissen Hemden, dem wankelmütigen Frings, dem Schluck Wasser Schweinsteiger und dem braven Rolfes im Mittelfeld, dem kreuzbandverletzten Helmes, dem langzeitverletzten Klose und dem zum Austeilen neigenden Podolski im Sturm. Und wir wollen Leistung sehen, damit Jones und Kuranyi vergessen sein mögen, und getilgt sei ihr Name aus den Kadern für alle Zeit und Herrn Löw ein Wohlgefallen.

Noch 31.571.618 Sekunden »

Unterstellt, das Eröffnungsspiel wird um 20 Uhr Ortszeit angepfiffen, die identisch mit der Mitteleuropäischen Sommerzeit ist, sind es jetzt noch etwas mehr als 31,5 Millionen Sekunden bis zum Beginn der WM in Südafrika. Eine WM ist immer etwas Besonderes, aber diese WM wird anders als alle anderen werden.

Es ist ein Wunder, dass das Turnier in Afrika stattfindet, und das Ende der Apartheid vor 20 Jahren war ebenso überfällig wie das Ende der staatssozialistischen Diktaturen, wobei die Unterstützung für die alten Machthaber am Kap Kalkül des Westens im Kalten Krieg war. Lieber Rassisten als Kommunisten. Diese Rechnung ging in den Dreißiger Jahren schon einmal nicht auf.  Heute werden völkerrechtswidrige Angriffskriege mit “humanitärer Außenpolitik” legitimiert, die man am Kap nie anwenden wollte, und es gibt Politiker und Juristen, die “Terroristen” jegliches Menschenrecht absprechen. Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Nelson Mandela als Terrorist. Heute erwähnt man seinen Namen im gleichen Atemzug mit Ben-Gurion und Ghandi.

Nicht zuletzt wegen dieser Vorgeschichte wird diese WM auch politischer werden als alle anderen seit der in Argentinien 1978, als kritische Fans mit dem Transparent “Fußball ja – Folter nein” durchs Düsseldorfer Rheinstadion liefen.  Man mag von Sepp Blatter halten, was man will, aber eine WM für Afrika zu lancieren war nicht nur von der FIFA-Stimmenarithmetik motiviert. Er hat diesen naiv anmutenden Glauben an Fußball als Kraft der Völkerverständigung, und meine Erfahrungen mit diesem Sport haben ihn bisher nicht widerlegt. Mit Ausnahme von Musik und Sex gibt es nichts, was annähernd so universell wäre wie die Beschäftigung mit einem planetenähnlichen Sportgerät.  Die WM in einem Jahr hat die Chance, eine ähnliche Zäsur zu werden wie die Wahl des Sohns eines Kenianers zum Präsidenten der USA. Anlaß genug, um auf dem Weg zum Großereignis auch in diesem Blog ein bißchen über denTellerrand zu schauen.

Es ist übrigens immer noch möglich, dass diese WM scheitert. Die Schweinegrippe ist massiv auf dem Vormarsch, was vor lauter Opel, Arcandor, Hoeneß und Daum ein wenig in den Hintergrund gerückt ist (wurde?). Auch der Kapitalismus bw. seine momentane Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Drücken wir trotzdem die Daumen und freuen wir uns. Rufen wir dem kicker zu: Zeit, das Logo von 2006 aus dem Spielplan von 2010 zu entfernen. Es sind ja nur noch 31.570.998 Sekunden.

Saubermann Sammer und der Sittenverfall »

Dieser Sammer kann einem wirklich auf den Geist gehen mit seinem permanenten Gerede von Vorbild und Jugend und Werte blablablub. Heute schwadroniert er im kicker vom Sittenverfall und nimmt die bösen Trainer aufs Korn, die angeblich ihre Verträge nicht einhalten.

Bei Martin Jol könnte man vom Wegfall der Geschäftsgrundlage sprechen, die mithin eine alsbaldige Vertragsauflösung ermöglicht. Jol wurde geholt, um Titel zu holen. Als der HSV beste Voraussetzungen dafür hatte, entschloß sich das Management, doch lieber Geld zu verdienen und verkaufte Kompany für geschätzte 6 Mio Euro und de Jong für bestätigte 19 Millionen Euro an Manchester City. Hätte der HSV mit den beiden gegen Bremen nur zwei Gegentore kassiert? Wäre eine UEFA-Cup-Sieg 25 Millionen Euro wert gewesen? Das sind nach 5 Jahren Glück, Glanz, Ruhm 5 Millionen Euro pro Jahr also 13700 Euro pro Tag. Zu viel? Für den Briefkopf? Für den Fan? Aus dem Verkauf von van der Vaart hat Jol zu Saisonbeginn noch das Beste gemacht, aber das permanente 0-2-Aufholen in den ersten Spielen zeigte schon, dass der Mannschaft das ganz große Format fehlt. Für drei Hochzeiten war die Substanz nach der Winterpause dann endgültig zu dünn.Und Jol hat im Stillen wohl begriffen, dass der HSV den wirtschaftlichen Erfolg höher einschätzt als den sportlichen.

Hans Meyer hat wie der Pokal seine eigenen Gesetze. Wer glaubt, einen 66jährigen Kommunisten mit einem kapitalistischen Vertragswerk binden zu können, der muss zur Nachschulung in den MEW-Lektüre-Kurs. Beim Club hatte Meyer zunächst die Verabredung getroffen, dass beide Seiten die Zusammenarbeit ohne finanzielle Forderungen vom einen Tag auf den anderen beenden können. Meyer wurde Pokalsieger. Danach erhielt er einen zeitlich befristeten Vertrag, der Club stürzte ab. Meyer wurde entlassen, es folgten Streitereien vor dem Arbeitsgericht, die des Trainers Nimbus bei den fränkischen Fans zum Glück nicht schmälern konnten.

Wäre jemand wie Daum für Köln zu haben gewesen ohne Ausstiegsklausel? Wurde der Messias nicht in einer herzzerreißenden Zeremonie ohne Wenn und Aber inthronisiert? Wäre Podolski ohne Daum zurück gekommen? Hat Magath die für ihn gemachten Vorgaben nicht zu hundert Prozent erfüllt? Professioneller als Magath in den letzten zwei Jahren kann man nicht arbeiten. Wenn jetzt die Langzeittrainer Ferguson, Wenger und Schaaf als leuchtende Beispiele genannt werden, sollte man auch einmal sehen, welche unumstrittenen Kompetenzen diese Leute haben. Mir ist nicht ein Fall bekannt, bei dem das Bremer Präsidium oder sonstige fußballfernen Honoratioren des Vereins Schaaf öffentlich in die Parade gefahren wären. Glaubt denn jemand, Ferguson ließe sich vom CEO des Trikotsponsors AIG in sportlichen Frage hineinreden? Nicht einmal von Obama, obwohl AIG faktisch längst verstaatlicht ist.  Sowohl Magath als auch Daum sahen sich einem permanenten Störfeuer innerhalb ihres fachlichen Bereichs ausgesetzt. Wenn man langfristig mit einem starken Trainer zusammen arbeiten will, sollte man vielleicht einfach Ruhe geben (wie es sich in Wolfsburg angeboten hätte), oder die Mannschaft selbst trainieren, was ich Overath jederzeit zutraue. Aber der müsste natürlich erst mal seinen Trainerschein machen, weil Vorbild, Jugend, Extrawurst, Sittenverfall.

Ich bin nicht gegen die Einhaltung von Verträgen, gerade bei jungen Spielern, die von allen möglichen Seiten beeinflußt werden und bestimmte Konsequenzen in der Lebensplanung weniger gut einschätzen können als alte Säcke wie Jol etc. Dass Demba Ba nicht einfach so mal weg kann, dass Gomez noch zwei Jahre beim VfB geblieben ist, dass Diego nicht im Winter zu Juve ging und am Ende der Saison DFB-Pokal-Sieger wurde, das ist schon nicht verkehrt. Es sollte einmal ein Verein kommen, der den tief im Selbstfindungsprozeß verstrickten Spieler (…will Barca…)  so lange vor die Wahl Tribüne oder Amateure stellt, bis die vertraglich vereinbarte Leistungswilligkeit wieder her gestellt ist, dann würde diese Lotterie und Lotterei schnell zu Ende sein. Das macht man natürlich nicht, weil 35 Millionen auf dem Konto besser sind als der in der Dritten Liga zum Krüppel getretene Topscorer, aber mir hat die Zivilcourage der HSV-Oberen bei van der Vaarts erstem Abwanderungsversuch 2007 gut gefallen. Wenn sie 2008 nicht umgefallen wären, hätten sie jetzt einen Titel und Martin Jol wäre noch da.

Apropos umfallen: Saubermann Sammer hat im November 2008 Dieter Eilts geschaßt, nachdem dieser die Quali zur U21-EM erreicht hatte. Eilts’ Vertrag wäre noch bis Juni 2009 gelaufen, bis nach der EM, um genau zu sein. Grund für die Entlassung waren “unterschiedliche Auffassungen”. Ja, holla, potztausend, das nenne ich vorbildlich.

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Fabian Ernst über seine Erfolge in der Türkei heute im kicker: “Das Double soll keine Eintagsfliege bleiben.”

Ich hoffe, David Cronenberg macht die Verfilmung.

Ferblöden mit dem kicker »

“Der Ausgleich viel aus dem Nichts,” schrieb das Fachblatt am Montag über Wiesbaden gegen Rostock.

Parcelona hat gewonnen, ich habe es nicht einmal im Radio gehört, zu peschäftigt.

Der größte sportliche Erfolg für Dortmund ist, dass Klopp nicht zu Bayern gegangen ist. Aber das mit Kehl, das könnte noch einmal eng werden. Für einen defensiven Mittelfeldspieler ist er sehr torgefährlich, er ist ein Führungsspieler, ein bißchen wie der späte Matthäus, bloß nicht so extrovertiert. Und er würde gerne CL spielen. Neuer dagegen, der stand am 19. Mai 2o01 im Parkstadion in der Kurve und soll jetzt nach Fröttmaning? Halte ich für unwahrscheinlich. Wenn es einer aus der Bundesliga wird, dann Enke. Oder doch Buffon. Italiener im Herbst ihrer Karriere sind echt voll angesagt. Vielleicht kommt auch noch Maldini. Oder Berlusconi fürs Marketing.

Derweil beim HSV gilt: kein Dino ohne Zoff.

Das Ende ist nah »

Bremen hat also verloren. Dafür kann sich der HSV auch nichts kaufen, aber irgendwie doch schön, dass es auch mal die Grünen erwischt im Wonnemonat Mai. Und für Wolfsburg ist das sicherlich kein Nachteil. Ob es von bayerischer Seite wohl noch eine Verschwörungstheorie geben wird: zwei Nordderbys am Ende der Saison anzusetzen, ist das nicht ein klarer Fall von Wettbewerbsverzerrung…

Bayern kann nicht nur noch Meister werden, sondern auch noch Vierter, das gibt dem letzten Spieltag eine ganz eigene Note. Unten sieht alles nach Bielefeld auf Platz 16 aus. Herrlich, der Club könnte sich nicht nur beim allerschlimmsten Angstgegner für so viele Schmachs, Schmächen, Schmache revanchieren, auch Jörg Berger wäre ein lohnendes Zielobjekt. Es sei denn Mainz verlöre sein letztes Spiel…die Nerven.

War in den letzten Tagen recht abgelenkt, das 5-0 von WOB in H sah ich in der Kneipe, um mich herum murrende, gurrende Hertha-Fans, die von am Rande der Apathie spielenden Schalkern recht gut kontrolliert wurden. Das kann eben nicht jeder, Meisterschaften am letzten Spieltag vergeigen.  Favre ist aber trotzdem klasse.

Wiese soll gepatzt haben gegen Donezk, dabei hat er doch acht Kilo in zwölf Monaten abgenommen oder waren es zwölf Kilo in acht Monaten? Und davon ein Kilo Gel? Wenn Löw die Wahl zwischen Wiese und Enke hat, hat er eigentlich keine Wahl. Obwohl durch die Abwehrleistung seiner Vorderleute um seine Haartracht gebracht, ist Enke der Beste. So wie Köpke einst bei Nürnberg. Der heutige Bundestorwarttrainer  kann sich bestimmt noch gut erinnern wie das war, als nicht nach Leistung des Spielers, sondern nach Tabellenplatz der Mannschaft nominiert wurde.

Also, wir sind gespannt auf die letzten 94 Minuten der Saison.

Mythos Heimvorteil »

Ist ja schon wieder ein paar Tage her in dieser ereignisreichen Woche, aber halten wir fest: In den europäischen Wettbewerben sind drei der vier Teams, die das Rückspiel zu Hause hatten, rausgeflogen. Am schlimmsten traf es den HSV, der 1-0 auswärts gewann und zu Hause 1-0 in Führung ging. Nach dem 0-2 in der Bundesliga am Sonntag wird der SV Werder die Hamburger noch im Schlaf verfolgen, als Nachtmahr in Grün. In der Abschlußtabelle wird der HSV in dieser Saison vor Bremen stehen, aber bis es zu einer neuen Hierarchie im Norden kommt, müssen die Hamburger noch ein ganzes Stück wachsen. Löws Bemerkung in der aktuellen FAZ am Sonntag, dass gute Trainingsarbeit nicht nur an Titeln gemessen wird, ist in diesem Zusammenhang wichtig. Selbst wenn zum Schluß die Europaliga auch noch auf der Strecke bleiben sollte, der HSV hat sich in dieser Saison immens verbessert. Er hat eine tragfähige Philosophie entwickelt. Bremen steht jetzt im Endspiel und hat eine reelle Chance auf den Titel, auch ohne Diego. Wohl dem, der in einer verkorksten Saison UEFA-Cup und DFB-Pokal gewinnen kann. Beide Pötte zusammen hieße dann vermutlich nicht DOUble sondern DEUbel.

Ebenfalls Alpträume bereitete der Schiedsrichter am Mittwoch dem FC Chelsea. Obwohl seine Leistung unglaublich schlecht war – man kann darüber streiten, ob er zwei oder drei Elfmeter für die Engländer hätte geben müssen, auch die Rote Karte für Abidal war zweifelhaft – haben es sich die Blues selbst zuzuschreiben. Ein Auswärts-0-0 im Hinspiel ist das undankbarste aller Ergebnisse. Man fühlt sich als moralischer Sieger und hat im Grunde nichts erreicht. Nach dem Ausgleich von Iniesta jubelten frankophone Afrikaner in einem Irish Pub fünfhundert Meter entfernt von der deutsch-schweizerischen Grenze. Das heißt heute Globalisierung und hieß früher Internationalismus, oder so ähnlich. Das Spiel hatte etwas von Leverkusen gegen Cottbus, nur teurer. In der 93. Minute glich das technisch edle, aber harmlose Leverkusen aus und ist jetzt Außenseiter gegen die Offensivmaschinerie des Titelverteidigers. ManU ließ Arsenal nicht den Hauch einer Chance. Immerhin ein Traumfinale, und nicht wieder rein englisch. Der neue CL-Modus gibt anderen Ländern als den großen vier eine bessere Chance, ihre Meister in die Gruppenrunde zu bringen.

In den Ligen geht es immer enger zu, nur Union und Freiburg durften am Sonntag schon feiern. Am Dienstag bzw. Mittwoch geht es weiter im großen Nervenspiel. Selbst Dortmund ist theoretisch noch dabei und siegt und siegt und siegt. Über das 1-1 im Frankenderby bin ich nicht unglücklich, offenbar hat man den Fürthern ein Tor geklaut, Der Fußballgott liebt eben Mannschaften wie den FC Barcelona und den 1. FC Nürnberg, wer wollte es ihm verdenken.

Die Criminale war eine schöne Erfahrung, die Glauser-Verleihung war ebenfalls eine sehr enge Angelegenheit. Gewonnen hat der Roman “Nacht ohne Schatten” von Gisa Klönne, ein Buch, das ich aus vollem Herzen als lesenswert empfehlen kann. Es ist traurig, packend und klug.

Fulham – ManU 2-0 »

Der Guardian schreibt: “Cristiano Ronaldo moaned and groaned and flung his arms about like a pantomime dame.”

Liverpool kann heute mit einem Sieg gegen Aston Villa auf einen Punkt rankommen. Es wird wieder spannend.

Zeit der Wunder »

Vander kriegt die Note 1, Fahrenhorst die 2,5. Bochum gewinnt das dritte Heimspiel in Serie, Wolfsburg gewinnt auswärts. Hertha erobert erneut die Tabellenspitze, Schalke kommt nach einem späten Ausgleich zurück. Bayern hat das Lachen, ja sogar das Grinsen verlernt. Dortmund tritt auf der Stelle, aber fühlt sich besser als unter Röber, van Marwijk oder Doll. Stuttgart gewinnt ohne ein Tor von Gomez und Cottbus läßt sich auch durch die nächste krasse Fehlentscheidung nicht beirren.

Nach der Heimniederlage gegen Köln lamentierten die Bayern mal wieder, dass sich alle Mannschaften immer nur hinten rein stellen würden, gestern waren sie 75 Minuten lang gegen offensive Bremer nicht in der Lage, taktisch dagegen zu halten. Ein bißchen Ribéry, sehr viel Ze Roberto, bei dem es Spaß macht zuzusehen, das war’s. Auch wenn sie unter der Woche in der CL ein wenig Balsam auf ihre geschundene Seele träufeln durften, in der Bundesliga gab es wieder nur Balsamico. Platz fünf und zwei humorlose Verfolger im Nacken, gegen die noch gespielt werden muss.

Bleibt die Frage, wer Meister wird. Am Ende gar Wolfsburg, das durch seine soliden Heimauftritte die Grundlage für den Höhenflug gelegt hat und mit Magath einen gewieften Taktiker als Trainer besitzt. Vergangene Woche lobte ich Jol, aber seine ungestümen Stürmer verfingen sich in den italienischen Leimruten, die Magath kunstvoll zurecht gelegt hatte. Dzeko und Grafite sind ebenso unbekannt wie unberechenbar. Aber das war Berbatov auch, bevor er in der Premier League zum Superstar wurde. Oder vielleicht Hertha, das mittlerweile selbst die wackeligen Spiele gewinnt und nervlich lange vom Bohei um Hoffenheim profitiert hat. Oder doch der HSV, der die Tabellenspitze am 34. Spieltag erobern müßte, damit er sie am 35. nicht zu verteidigen bräuchte. Gestern liefen Bremen-Bayern und HSV-Wolfsburg parallel auf zwei Fernsehern, was hohe Anforderungen an das Multitasking stellte. Wenigstens spielten die von mir favorisierten Teams Bremen und der HSV beide in hellen Trikots, wenn auch gegenläufig: der HSV in Halbzeit zwei von links nach rechts, Bremen von rechts nach links. Sehr schön war die taktische Abgeklärtheit der Bremer zu sehen, die das Tempo verlangsamten, ohne den Druck abzuschwächen, der HSV dagegen nur gut in der Balleroberung, spielte seinen Ballbesitz viel zu selten zu Ende, immerzu schnell und lang nach vorne.

Überraschend ist, dass der ansonsten so top geführte Club Hoffenheim von den Dopingregeln nichts gewußt haben will. Bei der geballten Fachkraft von Rangnick, Schindelmeiser und Peters, letzerer Olympia-erfahren, hätte doch einer seine Fürsorgepflicht den Spielern gegenüber wahrnehmen sollen. Aber sich wundern hilft nichts, in der Zeit der Wunder ist alles möglich.

Trainingslager in Tokio – Live aus Japan (3) »

Wenn ein Reisender in einer Winternacht in Tokio versucht, von Asakusa nach Bakuro-yokoyama zu kommen, kann er die drei Stationen auch laufen. Trotzdem ist die Tokioter U-Bahn ein farbenfrohes Meisterwerk der Logistik, eine bewohnbare Schweizer Uhr. Jede Linie hat ihre eigene Farbe und ihren eigenen Namen: Asakusa, Ginza, Hibiya sowie einen Buchstaben, der sie bezeichnet: A, G, H. Ausserdem hat jeder Bahnhof seine eigene Nummer.  A 18 ist der 18. von 19 Bahnhoefen auf der Asakusa-Linie. Er heisst Asakusa, und wer glaubt, dass koenne man sich doch merken, der wird sich freuen, wenn er hoert, dass es auch die Bahnhoefe Akasaka, Aoyama-itchome, Awajicho, Akihabara und Asakusa-bashi gibt. Unter anderem. Um es trotzdem nicht zu einfach zu machen, haben Umsteigebahnhoefe mehrere Nummern, fuer jede Linie, die dort kreuzt eine andere. Asakusa  ist nicht nur Bahnhof  A 18 der Asakusa-Linie, sondern zugleich G 19 der Ginza Linie.  Und Tameike-sanno ist G 06 auf Ginza, N 06 fuer Namboku, M  14 fuer Marunouchi sowie C 07 fuer Chiyoda. Auf jedem Bahnsteig gibt es Markierungen, die einem zeigen, wo die Tueren der Waegen halten werden, ausserdem Wartemarkierungen. Auf Bahnhoefen, auf denen es sehr voll ist, sind die Schienen mit Waenden vom Bahnsteig abgetrennt, damit keiner vor den Zug gedrueckt wird. Wenn der Zug da ist, oeffnen sich die Schiebetueren, damit alle ein- und aussteigen koennen. In den Zugabteilen gibt es kleine Displays, die die Fahrtrichtung, die naechste Station und alle Umsteigemoeglichkeiten dort anzeigen. Und die Zuege kommen immer puenktlich. In Japan gibt es Linksverkehr. Aha, sagt der Reisende in einer Winternacht, also auf den Rolltreppen links stehen, rechts gehen. Im Prinzip richtig, jedoch in Osaka genau anders rum. Warum, war nicht in Erfahrung zu bringen, jedenfalls haelt dort der in Tokio Sozialisierte den OEPNV dauernd auf. Wenn Linksverkehr, dann vielleicht auch Meilen und Yards? fragt der Reisende. Nein, Meter. Im allessoschoenbunthier  U-Bahn-Labyrinth gibt es staendig Hinweise auf die unterirdischen Passagen, die einen von A nach G, von Asakusa nach Ginza bringen. 480 Meter hier lang, 130 Meter da lang, 60 Meter quer, 280 Meter laengs. Dieser Umstand hat mich darauf gebracht, dass die Tokioter U-Bahn eigentlich der perfekte Ort fuer ein Trainigslager von und mit Felix Magath waere. Eine umgangssprachliche Tokioter Begruessungsformel lautet: Wie sind deine Laktatwerte? Und niemand kann sich wundern, dass 2002 die Japaner (und die Suedkoreaner) allen anderen Teams laeuferisch haushoch ueberlegen waren. Alles, was der Fussballlehrer braucht, ist ein detaillierter Streckenplan der Tokioter-U-Bahn. Dann kriegt jeder Spieler seinen individuellen Trainingsplan: “Also der Alex, der faehrt jetzt von Kasumigaseki nach Kagurazaka und steigt Otemachi um. Treppen runter leicht und locker, den Uebergang im Bahnhof Otemachi  auf 60 Prozent steigern und die Treppen voll durchziehen. Zurueck nach Kasumigaseki und das ganze zehn Mal. Wen ich auf der Rolltreppe erwische, spendet einen Phaeton fuer die Mannschaftskasse.”

Habe ich schon von den nummerierten Ausgaengen gesprochen? Gelbe Hinweisschilder geben die grobe Richtung vor. Nach links A1 bis A13, nach rechts B1 bis B5 sowie C1 bis C8. B1 meint natuerlich B1a sowie B1b. Damit sich Alexander Madlung nicht verlaeuft.

Falls Madlung an der Station Ochanumizo wieder Tageslicht erblickt, kann er auch beim Japanischen Fussballmuseum vorbeischauen. Wahrscheinlich wird es eh nie so weit kommen, denn fuer Medizinbaelle ist in der U-Bahn kein Platz.

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