Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Das vorgezogene Grauen »

Halloween ist ja erst heute, aber am Samstag habe ich gefeiert und dekoriert und während ich so versonnen an meinen Kürbislaternen herumschnitzte gaben sich ab halb vier die Ausgeburten der Hölle ein Stelldichein in meiner Bundesligakonferenz. 1-0 durch Zombie Gomez, 2-0 Schweinsteiger, 3-0 Ribery und dann nochmal Zombie Gomez mit dem 4-0. Mittendrin im munteren Treiben die Nürnberger Hintermannschaft, vogelwild wie eine us-amerikanische Kleinstadt in einem Roman von Stephen King. Es ist nur ein schwacher Trost, dass Freiburg, der HSV und Hertha noch böser vermöbelt wurden, dort in der Hölle des Nordens, in Fröttmaning. Ungefähr acht Mannschaften liegen hinter den Bayern in Lauerstellung. Lasst uns die Hoffnung nicht aufgeben. Doch still, ich höre eine Kettensäge. Es wird doch nicht Kim Il McRummenigge sein, der ein Motivatonsseminar gibt. – - – Aaaaiiieeerrrgh.

Heute Abend 23.40 Uhr. Bela B. im Gespräch mit George Romero auf Arte.

Happy Halloween.

Le dernier Mimikry »

Von der Natur lernt der Mensch die perfekte Anpassung an seine Umwelt. Einen glanzvollen Moment geradezu pantheistischer Einswerdung erlebte der geneigte Zuschauer am gestrigen Tage, als der Linienrichter im Spiel Köln gegen Nürnberg sich im gelben Trikot vor der gelben  Werbebande der gelben Deutschen Postbank nahezu gänzlich unsichtbar machte. Zu sehen war nur noch ein schwebender Kopf, nicht nur die Werbebande war gelb. Auch sieben gelbe Karten gab es, von denen sich zwei zu einer gelb-roten gegen den Nürnberger Pekhart summierten. Schiedsrichter Weiner ließ sich nicht lumpen und legte noch eine rote für den Kölner Brecko drauf.

Nürnberg hätte eigentlich nach 60 Minuten 4-1 führen müssen. Danach gab es noch ein paar Mal reichlich Gewurtschtel im Nürnberger Strafraum. Ein Schiri mit Heimkomplex hätte da vielleicht auch Elfmeter für Köln gegeben. Weiner tat es nicht, pfiff stattdessen zwei berechtigte Elfmeter für Nürnberg in der ersten Halbzeit. Mit Nervenstärke, Laufbereitschaft, ihrer formidablen Innenverteidung und bereits dem dritten Torwart im fünften Saisonspiel brachte der Club den Sieg verdient nach Hause. Jetzt wartet mit den wiedererstarkten Bremern ein richtiger Brocken.

Neben dem kicker-Managerspiel bin ich diesmal auch beim Tippspiel von Radio Eins dabei. Dabei werden die Tipps gewichtet, das heißt, für den richtigen Außenseitertipp kann man bis zu dreißig Punkte bekommen, so wie ich für den 2-1 von Hertha in Dortmund. Richtige Tendenz, richtiger Torabstand, richtiges Ergebnis. Für das 2-1 von Nürnberg in Köln bekam ich nur 14 Punkte, was eine Menge über die Entwicklung in Nürnberg aussagt. Mit diesem Auwärtssieg hätte ich vor fünf Jahren die Bank von Radio Eins gesprengt. Der Zeremonienmeister für den Fußball heißt bei Radio Eins Andreas Ulrich. Er kündigte den fünften Spieltag damit an, dass sich alle auf Mario Götze freuen dürften, obwohl der juvenile Delinquent in Leverkusen gerade vom Platz geflogen war. Das las sich dann irgendwie schon wie eine schlechte Gebrauxchstextkonserve. Geradezu frevlerischer Götzedienst. Ulrich belegt im Ranking im Moment etwa Platz 5000. Wenn er in Zukunft immer weiß, wer spielberechtigt ist, wird er schon allein dadurch 1000 Plätze gut machen.

Götze wurde natürlich Opfer eines Justizirrtums, denn wie Wachhund Watzke wußte: Das hat der noch nie gemacht. Das ultimative Entlastungsargument bei jedem Strafprozeß. Das hat mein Mandant noch nie gemacht. Womit es keine Ersttäter mehr gibt, dafür jede Menge Serientäter. Schwarz-gelb vor Neid steht der Deutsche Meister nur auf Platz elf und wird sich nicht lange grämen dürfen, denn die Champions League wartet schon. Gut möglich, dass auch die Borussia wie früher Wolfsburg und Bremen in der CL so richtig durchgewalkt werden. You’re never walked alone.

Mittlerweile habe ich das Manuskript meines neuen Kriminalromans abgeschlossen. Kleine Biester erscheint im November 2011 bei Rotbuch, die Premierenlesung ist am 11.11. um 20 Uhr in der Buchhandlung Otherland in Berlin-Kreuzberg. Da Mainz gegen Stuttgart spielt, an diesem Abend schlicht konkurrenzlos. Die gute Nachricht lautet, dass ich jetzt wieder vermehrt bloggen werde, die schlechte, dass ich pausenlos auf dieses Buch hinweisen und auch vor Praktiken versteckter Werbe*kleinebiester*Botschaften nicht zurückschrecken werde.

Das war super, das war elegant »

Das 3-2 gegen Brasilien, das schönste Länderspiel der deutschen Mannschaft seit dem 4-o gegen Argentinien. Götze macht Spass. Er hat Spielfreude und zwei fixe Füßchen, die zu jeder positiven Überraschung fähig sind. Nicht nur das 2-0 war toll. Da wundert es nicht, dass sein Vorbild Zidane gewesen ist.

Genauso macht es Spass, Lahm zuzusehen. Seit sieben Jahren spielt er auf der schwierigsten taktischen Position, die es gibt, konstant internationale bis Weltklasse. Auch wenn er aussieht wie everybody’s Schwieger- oder Enkelsohn, ist das einfach überragend. Und er ist nach wie vor mit vollem Herzen dabei.

Anders dagegen Gomez. Der kann auch 40 Tore in einer Saison schießen, er wird immer nur ein langweiliger Verrichter bleiben. So wie Amoroso. Der schoß den BVB zwar zur vorletzten Meisterschaft und wurde Torschützenkönig, war ansonsten aber völlig belanglos. Der Konrast zwischen Klose und Gomez war unglaublich. Klose ist einer der großartigsten Spieler, die je in Deutschland einen Ball bewegt haben, hoffentlich ist er bei der nächsten WM noch einmal dabei. Schade, dass er nicht zu Kaiserslautern gegangen ist. Gut, dass er nicht mehr bei den Bayern versauern muss.

In einer Einstellung waren kurz “Helmut” Cacau und “Illy” Gündogan nebeneinander auf der Ersatzbank zu sehen. Zwei ehemalige Clubberer in der Nationalmannschaft, und Didavi und Esswein in der Startelf der U 21. Da zwickt sich der Fachmann doch und der Laie reibt sich die Augen.

Die letzten Entscheidungen »

Borussia Dortmund ist Meister, hochverdient, Gratulation. Vor einem Jahr war ich gegen Bochum dabei, als das Festgeld Conto Bayern München Schalke abschüttelte, diesmal war der Club höchstpersönlich im Stadion, als die Schwarz-Gelben die Schale buchen konnten. Demnächst würde ich gerne mal wieder einen eigenen Titel feiern. Nach den Spielen der letzten Wochen bin ich wirklich froh, dass der Club nicht in der Europa League spielt. Es ist immer gut, sich neue Ziele zu setzen, aber die Mannschaft war nach der Supersaison am Limit angekommmen. Bin sehr gespannt, wie sich der Taktiktüftler Tuchel auf europäischem Parkett schlägt. Wenn man sieht, wie die Mainzer Bayern und Schalke im eigenen Stadion hergespielt haben, kann sich der Club auf das 0-0 beinahe etwas einbilden. Und ein Ende des Mainzer Höhenflugs ist nicht abzusehen. Auch ohne Holtby und Schürrle werden sie ihren Stil weiterentwickeln und mannschaftlich stärker sein als die meisten Teams. Im Abstiegskampf hat Gladbach noch einmal Morgenluft gewittert, und es ist kein Zufall dass Mike Hanke das 1-0 gegen Freiburg erzielte. Im ersten Rückrundenspiel in Nürnberg gab er die Vorlage zum 1-0 und ist seitdem einer der entscheidenden neuen Spieler. Gegen Hamburg wird es schwer, aber nicht unmöglich, Platz 16 zu verteidigen. Und die Frankfurter brauchen vielleicht eine Auszeit in Liga Zwei, um ihre Fans zur Räson zu bringen.

Gegen wen die Relegation gespielt wird, entscheidet sich erst am letzten Spieltag. Fürth ist bis zum Schluß in der Verlosung, allein das ist schon eine tolle Leistung nach all den Verletzten. Auf dem Papier ist Düsseldorf ein bißchen leichter als Duisburg, die sich emotional in Endspielstimmung versetzen müssen und die Saison nicht ausklingen lassen werden. Und dann Relegation gegen Gladbach? Hertha ist wieder da, mit einem Sahnesturm und einem Problembär im Tor haben sie souverän und nervenstark den Aufstieg geschafft, Gratulation. Anscheinend bleibt die Mannschaft zusammen, eher gibt es Zugänge wie Ottl und Kraft, die der Mannschaft gut zu Gesicht stünden. Kopf hoch, Frankfurt, so toll kann Wiederaufstieg sein. Die Vereine aus dem Osten spielen eine starke Saison. Aue undCottbus fast auf Platz drei, Union locker die Klasse gehalten. Am Tabellenende geht es genaus spannend zu wie in Liga eins. Vergeigt der KSC am Ende doch noch alles nach diesem Seuchenjahr? Oder werden die Löwen am Grünen Tisch nach unten expediert?

In Liga Drei ist Braunschweig souverän Meister geworden, Gratulation. Wie Düsseldorf und St. Pauli ist ein Traditionsverein, der lange unterklassig war, wieder in Liga 2. Rostock hat seine innere Mitte nach den Kapriolen wiedergefunden und den direkten Wiederaufstieg geschafft. Eventuell kommt Dresden noch dazu. Dann wären es schon fünf Ostvereine in Liga Zwei. Bis sich wieder zwei oder drei ganz oben tummeln ist es nur eine Frage der Zeit, wenn sie weiterhin so seriös arbeiten.

Die Beiträge hier werden weiterhin rar bleiben, ich arbeit gerade an meinem neuen Roman. Aber in der neuen Saison gibt es wieder mehr zu lesen.