Das Manager-Spiel in der Hinrunde »
Wie schon erwähnt, spiele ich in dieser Saison nur Bundesliga, und die Reduzierung aufs Wesentliche hat meinen Mannschaften gut getan. Auch die Entscheidung Classic und Interactive auf 15 Positionen identisch zu besetzen, also das Classic-Team als Grundlage für Interactive zu nehmen, hat sich ausgezahlt.
Bei der Classic-Variante konnte ich am 17. Spieltag mit Platz 613 das bisher beste Tagesergebnis erzielen und in der Gesamtwertung auf Platz 4800 (bei 120000 Teilnehmer/innen) nach oben klettern. Wesentlich dazu beigetragen hat Raul mit seinen drei Toren gegen die gerupften Bremer (oder sagt man bei Fischköpfen: geschuppt?), aber auch Wollscheid ist nach seinem kleinen Durchhänger wieder bei seiner Normalform angekommen. Abräumer Nummer Eins war Reus, der mit 112 mehr als die Hälfte meiner 221 Punkte eingespielt hat. Hoffnung macht, dass die Spieler, die schwächeln – als da wären – Rodnei mit -26, Johnson mit -4 und Feulner mit -2 – allmählich besser in Form kommen. Dass eine Mannschaft mit drei Nürnbergen und drei Schalkern so weit oben steht, ist in jedem Fall erste Sahne.
Bei den Interaktiven sieht es nicht ganz so gut aus. Mein bestes Ergebnis hatte ich am siebten Spieltag. Mit 60 Punkten als Tagesergebnis stand ich auf Platz 4100, um parallel zur Nürnberger Krise nahezu ungebremst und quälend langsam bis auf Platz 38000 abzurutschen. Das Finale der Hinrunde führte mich auf Platz 28000 (von 234000) zurück. Ergänzend zu den Classic-Spielern sind im Interactive-Kader noch Pander und Tiffert hervorzuheben, auch die beiden mit tendenziell leicht aufsteigender Formkurve.
Bleibt die Frage, ob ich neue Spieler holen soll. Manch einer hat sich zu weit aus dem Transferfenster gelehnt und ist dabei böse auf die Nase gefallen. Meine Spieler kommen aus Schalke, Hoffenheim, Kaiserslautern, Gladbach, Köln, Bremen, Hamburg und vom Club. Und bis auf die billigen Füllkäufe ohne Einsätze und Problembär Arnautovic sehe ich bei all diesen Vereinen noch Luft nach oben. Nun gut, Reus und Raul spielen schon am Limit. Aber wenn alle anderen noch ein bißchen besser werden, dann könnte es am Ende für die oberen Zehntausend reichen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012. Vielen Dank fürs Lesen, Diskutieren, Klugscheißern, Korrigieren und Widersprechen in den vergangenen zwölf Monaten.
Konsolidierung auf leisen Sohlen »
Schade, dass Wollscheid geht, aber die mindestens 5,5 Millionen Euro, die der Club von Leverkusen erhält, sind mehr als nur ein schwacher Trost. Der notorische Pleitekandidat, der es in den neunziger Jahren bis zum Punktabzug wegen Verstoß gegen die Lizenzauflagen brachte, ist kurz davor, schuldenfrei zu werden. Das Nachwuchsleistungszentrum wurde bei der letzten Zertifizierung von der DFL mit drei von drei möglichen Sternen bewertet. Mit Plattenhardt, Chandler und Wollscheid aus der U23 sowie Mendler und Wießmeier wurden gleich fünf Spieler über den Umweg der eigenen Nachwuchsmannschaften bei den Profis eingebaut. Und die Späher um Manager Bader werden zu Beginn der neuen Saison bestimmt den einen oder anderen weiteren Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern. Die Zeit, in der der Club das Wärmestübchen für alternde Stars von Uli Hoeneß bis Jan Koller war, scheint endgültig vorbei.
Der Verein hat einen Stil gefunden, der zu seinen Möglichkeiten passt. Dazu gehört immer wieder eine Saison, die vorwiegend in der unteren Tabellenhälfte stattfindet, dazu gehören Durststrecken wie die mit acht sieglosen Spielen gerade eben, dazu gehören auch Verkäufe von Schlüsselspielern, wobei Ekici und vor allem Gündogan im stärksten Mittelfeld der Liga sich ähnlich schwer tun wie Schäfer bei seinem annus horribilis in Stuttgart. Aber auch eine Rückkehroption gibt es im Nürnberger Modell. Nicht erst, seit Andy Köpke an den Valznerweiher zurückkehrte. Sogar Vittek hat nach seiner tollen WM 2010 laut vom Club geträumt.
Natürlich wird nicht jeder Nobody so groß einschlagen wie Wollscheid. Und die permanente Leihökonomie, die Didavi und Hegeler wahrscheinlich zu ihren Stammvereinen zurückwandern läßt, ist ist nicht ohne Risiken. Außerdem wird Schlüsselspieler Simons zum Ende der Saison wahrscheinlich aufhören. Trotzdem hat der Club ganz andere Möglichkeiten als früher. Bunjaku, Mak, Nilsson, Judt sind alles keine Überfliger, können aber Leute aus der ersten Elf adäquat ersetzen. Und die Entscheidung, Maroh nicht an Cottbus abzugeben, hat sich als richtig erwiesen. Man braucht heute drei gleichwertige Innenverteidiger, Lüdenscheid ist hier das Musterbeispiel. Maroh muss sich “Black Magic Woman” (Santana) und “Der dritte Mann” (Anton Karas) auf den iPod laden und sich in Geduld üben, um dann in der neuen Saison zusammen mit Klose zu voller Form aufzulaufen.
Nebenbei: Nachdem das 1-0 in Berlin die Spielnote 5,5 erhielt, hat der Club am Samstag wieder ein 1-0, diesmal mit einer glatten 5, gegen Kaiserslautern nach Hause geschaukelt. 15 Punkte mit 14 Toren, das ist auch eine neue Qualität, auch wenn es gerne immer wieder spektakulär, torreich und offensiv sein darf.
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Auf www.robalef.de sind die neuesten Kritiken zu Kleine Biester zu finden, außerdem war am vorletzten Samstag die Gala zu 20 Jahren Wahrheit.
Die Totgesagten schlagen zurück »
Der HSV 2-0, Wolfsburg 4-1, Leverkusen 2-0. Drei Mannschaften, von denen viel zu selten Gutes zu sehen war im ersten Drittel der Saison, haben sich am Wochenende eindrucksvoll zurückgemeldet. Und Guerrero, Benaglio und Ballack geben den Siegern ein Gesicht. Alle drei galten vor der Saion als Problemfälle beziehungsweise Wackelkandidaten, alle drei haben ihre Bestform wieder gefunden. Das wird ein großes Gedrängel geben. Jede dieser Mannschaten hat das Zeug zu einem Durchmarsch in der Rückrunde, wie Stuttgart ihn schon ein paar Mal geschafft hat. Sogar der HSV ist nur acht Punkte von einem Platz im europäischen Wettbewerb entfernt.
Es fragt sich, wer eigentlich gegen den Abstieg spielt, außer Nürnberg natürlich. Nürnberg hat sich mit dem 0-4 auf Schalke eindrucksvoll in seiner Königsdiziplin zurückgemeldet und gleich einmal den heiß begehrten Relegationsplatz gesichert. Ob da schon auf die Frankenderbys zwei und drei gegen Fürth neben dem Pokalspiel im Dezember spekuliert wird? Ansonsten werden sich ganz am Ende Kaiserslautern, Augsburg, Mainz, Freiburg und noch ein oder zwei Mannschaften tummeln, mit denen jetzt noch keiner rechnet. Vielleicht geht Hertha doch irgendwann die Luft aus. Leider kann Eintracht Frankfurt nicht jedes Jahr aus der Bundesliga absteigen. Nürnberg hat mit dem Restprogramm Kaiserslautern, HSV, Hoffenheim, Leverkusen noch drei direkte Konkurrenten vor der Winterpause, noch steht der HSV nicht auf Platz sechs. Wenn es an Weihnachten 18 Punkte wären, könnte sich keiner beklagen. Die Hinrunde erfüllt bisher meine Erwartungen. Dafür, dass er vier wichtige Spieler verloren hat und zahlreiche Verletzungen zu beklagen hatte, schlägt sich der Club erstaunlich gut. Auch beim 4-0 auf Schalke fiel die Mannschaft nicht auseinander, sondern war lediglich zu brav. Der kicker hat bei den Transfers Tomas Pekhart übrigens als Mitläufer eingestuft. Das ist mir völlig unverständlich, sagt die Redaktion doch ausdrücklich, es komme auf den relativen Wert eines Spielers für einen Verein an. Für den Club ist Pekhart ein Volltreffer.
Die Bayern schrauben ihre Bilanz gegen Mannschaften auf Platz 2 bis 9 auf 3 Niederlagen 2 Unentschieden und 2 Siege. Wie Mainz in der vergangenen Saison war die Gastmannschaft aus Lüdenscheid taktisch überlegen. Eigengewächs Hummels war bester Spieler bei gelb-schwarz, Königstransfer Boateng machte den entscheidenden Fehler. Bremen und Stuttgart kommen noch. Beiden traue ich wenigstens ein Unentschieden zu. Wenigstens hat die zweitbeste Mannschaft Europas im unteren Tabellendrittel mal so richtig gezeigt, wo der Hammer hängt. Dieser Flirt mit Reus kann eigentlich nur heißen, dass Robbens Zeit in München bereits angefangen hat, zu Ende zu gehen. Oder wird sich der Timo ein Jahr lang auf der Bank wiederfinden, was er dann den Rest seiner jäh unterbrochenen Laufbahn als “unglaublich wichtige Erfahrung” verkaufen kann?
Sag mir was Schmutziges, Liebling »
Einszunull.
Willkommen zur 49. Bundesligasaison. Es waren die beiden schmutzigen 1-0, die dem ersten Spieltag das Sahnehäubchen aufsetzten. Das 1-0 von Nürnberg erlebte ich im Olympiastadion. Es war das erste Saisonauftaktspiel, das ich live erleben konnte. Kann schon sein, dass der Sieg für den Club unverdient war, die Niederlage für Hertha jedenfalls war verdient. Wer bei seiner Rückkehr so wenig zustande bringt, der fängt sich dann halt eins ein kurz vor Schluß. Nürnberg präsentierte eine gelungene Mischung aus Borussia Dortmund (Technik) und Tai Chi (Geschwindigkeit). Und immer, wenn sie so schnell kombinierten wie in der letzten Saison, war Hertha überfordert. Das war im ganzen Spiel insgesamt 43 Sekunden lang der Fall. Eine Chance in der ersten, eine Chance in der zweiten Halbzeit und das 1-0.
Torschütze Pekhart ist ein interessanter Mann. Nicht ganz so groß wie Peter Crouch, aber stets in der Lage den tödlichen Pass zu spielen. Er fällt ein bißchen theatralisch, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man bei einem 1,94-Mann spontan denkt: Hab dich nicht so. Bemerkenswert auch die Deckungsarbeit der Nürnberger, die alle defensiven Kopfballduelle gewannen. Schäfer hatte zwei Bälle zu halten. Der neue Mann Klose fügte sich gut ein. Feulner lancierte überraschenderweise nicht gleich wieder einen Hattrick wie gegen Bielefeld, dribbelte sich ein paar Mal fest, ansonsten aber weder Angst noch Bange ums Mittelfeld aufkommen ließ. Cohen zeigte mehr Kampfgeist als die gesamte Hertha. Hegeler gab 28 Sekunden nach seiner Einwechslung die Vorlage zum Siegtreffer, Mendler spielte gut mit. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob hier wirklich Not gegen Elend am Start war, oder ob diese Club-Abwehr auch Mannschaften mit einer Offensive in Schach halten kann. Dass vier der sieben wichtigsten Spieler (Schieber, Wolf, Eciki, Gündogan) weg gegangen sind – Schäfer, Pinola und Simons sind noch da – war dem Club nicht anzu merken. Und in der Hinterhand Mak, Herr Nilsson, Maroh, Frantz, Esswein und Bunjaku, ein sehr ausgeglichener Kader. Die Mannschaft hatte Ordnung und Spielanlage, in Zukunft alles dreimal so schnell, dann war das der Anfang einer wunderbaren Spielzeit.
Wir saßen in einem gemischten Block, sehr viele Clubfans im Stadion, sogar der Oberrang des Fanblocks war gut gefüllt. Neben uns ein Ostberliner, ins Stadion gekommen, um Hertha eine faire Chance zu geben. Er war restlos enttäuscht. Die Herzen der Berliner zu gewinnen, wird weiter eine Herausforderung für den Aufsteiger. Sportlich muss dieses Spiel nicht viel heißen. Vielleicht tun sie sich auswärts anfangs sogar leichter. Unterschätzen sollten sie den im Umbau befindlichen HSV trotzdem nicht. Die haben von Barcelüdenscheid zwar ihre Auftaktlektion bekommen, trotzdem sah das schon wieder sehr nach Mannschaft aus. Nach überforderter Mannschaft, aber immerhin.
Das zweite 1-0 des Spieltags trug sich in München zu. Die stets schonungslos analysierende Süddeutsche titelt: “Aufbruch in den Krisensommer”. Das steht zwar im Wirtschaftsteil, bezieht sich aber womöglich auch auf das FestgeldConto Bayern München, dessen Ratings am Sonntag Abend in den Keller rauschten. Zuletzt konnte glaube ich Kaiserslautern das Auftaktspiel in München gewinnen, die wurden dann mit Rehhagel Meister. Der kicker schreibt ebenso schonungslos: “Nachdem zwei große Möglichkeiten nicht in die überfällige Führung des FCB mündeten, sorgte ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr für die Entscheidung.” Ein Mißverständnis namens Neuer, was wirklich ein Jammer für den begabten und sympathischen Buerer Bua, aber nicht minder absehbar ist. Der Club verlor 2007/08 sein Auftaktspiel nach einem Patzer des neuen Keepers Blazek zu Hause gegen Schalke mit 0-2. Blazek blieb immer ein Fremdkörper und der Club stieg ab. So schlimm muss es für Bayern nicht kommen, es gibt ja Hertha und Köln, aber jetzt geht es nach Wolfsburg. Die Wölfe von Dompteur Magath mit einem Bärenhunger auf Tore ausgestattet. Das könnte schwierig werden, auch wenn Grafite nicht mehr da ist.
Bremen spielt wieder Fußball, ist das nicht schön.
Der Osten rockt »
Rostock aufgestiegen, Chemnitz aufgestiegen, Aue fast aufgestiegen, Cottbus fast aufgestiegen (und im Pokal-Halbfinale), Erfurt fast aufgestiegen, Union nicht abgestiegen, Babelsberg sportlich nicht abgestiegen, Neuling Rasenball Leipzig auf Platz vier in der Regionalliga, Magdeburg dortselbst nicht abgestiegen und das Sahnehäubchen gab’s am Dienstag, als Dynamo Dresden in Osnabrück erst in die Verlängerung und dann in die Zweite Liga stürmte. Schahin schießt schwarz-gelb ins Glück, und das ist kein Schreibfehler. Das zweite Spiel gegen Osnabrück war richtig geil. Ein KO-Spiel, wie es sein soll, bis auf die Brandsätze auf der Tribüne. Kein einziger Ostverein aus den Ligen zwei bis vier ist abgestiegen.
Bin sehr gespannt, wie das weitergeht. Man darf die Freiburger, Hannoveraner, Nürnberger und Dortmunder für ihren Spar- und Jugendstil gerne loben, aber heimlich still und leise haben die in den neunziger Jahren auch durch eigene Unbedarftheit so arg gebeutelten Vereine aus dem Beitrittsgebiet eine Menge dazu gelernt. In Dresden sind Calmund und Kirsten mit vollem Herzen dabei, in Rostock hat Beinlich binnen eines Jahres Perspektiven entwickelt und Hansa kann wieder aus seiner hervorragenden Jugendarbeit schöpfen. Union hat sich wieder einmal durchgebissen und will/wird sich gezielt weiterentwickeln. Alle drei Vereine haben neue Stadien. Mittlerweile gibt es in Liga Zwei fünf Ostvereine, alle haben das Zeug zum Aufstieg, Hansa oder Dynamo traue ich auch einen Durchmarsch zu. Chosebuz und die anderen treffen auf die großen Namen längst vergangener Zeit, die Münchner Löwen, die Fortuna aus Düsseldorf, den Frankfurter Adler, die Fürther, Eintracht Braunschweig, den Meidericher SV und naürlich St. Pauli. Zugegeben, es wird einige heikle Spiele mehr in der Zweiten Liga geben, aber die Fans werden nicht so blöd sein, mit dem Arsch einzureißen, was sie mit ihren schönen Gesängen erreicht haben. Fortsetzung folgt.
PS: Ich bin so froh, dass Favre und die Gladbacher das noch gewuppt haben. Möge der Kelch Effenberg an den Borussen und allen anderen Mannschaften des deutschen Profifußballs vorüber gehen. Vielleicht kann der Papiertiger ja zusammen mit Lothar Matthäus Tonga auf einen zweistelligen Platz in der FIFA-Weltrangliste hieven, es wäre eine “reizvolle Aufgabe” und eine “große Herausforderung”. Gladbachs nächste Saison wird so werden wie die abgelaufene beim Club. Passenden Trainer gefunden (Favre/Hecking), Relegation gewonnen (Bochum/Augsburg), wichtigsten Spieler gehalten (Reus/Pinola) und ab geht die Luzie.
Männer ohne Nerven »
Früher, da ging es echt übel ab auf dem Reichsparteitagsgelände. Die Nazis waren an der Macht, und immerzu wurde die Volksgemeinschaft mit “Kraft durch Freude” zusammengelockt. Am Samstag war alles ganz anders. Da holten Cohen, Simons & Co. verdient einen Punkt gegen das Festgeld Conto Bayern München, und der sportliche Erfolg stand unter dem Motto “Freude durch Kraft”. Es waren nicht die zwei verlorenen Punkte, die das Fäßchen Hoeneß zum Überlaufen brachten, sondern die einsame Entscheidung, den soliden Butt durch den flatterhaften Kraft zu ersetzen. Wäre van Gaal zu diesem Zeitpunkt nicht in Katar gewesen, wer weiß, man hätte ihn wohl schon im Winter in die Wüste geschickt. Das sympathische Jahrhunderttalent Kraft hat das FCB schon wenigstens acht Punkte gekostet – drei die Hannover gemacht hat, drei die Bayern dort nicht gemacht hat, und zwei in Nürnberg – und das war’s dann auch schon mit dem Ärachen van Gaal. Jonkers und Gerland haben jetzt die schwierige Aufgabe, ihre Männer elegant auf Platz sechs durchzuschleusen, damit sie nicht in der verhaßten Europa League enden, in der ein CL-Sieger wie Porto groß aufspielt.
Soll man sich den Club in der Europa League wünschen? Ich weiß nicht so recht. Die Mannschaft wird wieder wesentliche Spieler verlieren, selbst bei einem Abstieg von Stuttgart gibt es lukrativere Adressen für Schieber. Gündogan und ich fürchte Wollscheid könnten auch verschwinden. Soll man wegen eines Auswärtssiegs bei BATE Borisov den Klassenerhalt aufs Spiel setzen? Wenn wir mal unterstellen, dass sie aus den letzten fünf Spielen noch sieben Punkte holen (darunter einen kleinen, aber gemeinen Punkt in Dortmund), dann hätten sie fünfzig am Ende. Der gemeine Clubfan wäre sicherlich nicht traurig, wenn die Mannschaft nächste Saison elfmal statt neunmal zu Hause gewinnt, und fünfmal statt dreimal auswärts. Oder wieder schon am 25. Spieltag den Klassenerhalt sicherstellt. Diesmal wurden bereits Schalke und Stuttgart bezwungen, Köln und St. Pauli begeisternd besiegt, van Gaal wurde mit einem typischen Eigler-Tor verabschiedet. Gegen Freiburg, Gladbach, Kaiserslautern muss man es zu Hause besser machen, gegen Dortmund und Bremen darf man. Also noch viel Luft nach oben im neuen Jahr und dann am besten gleich Platz vier in 2012 anpeilen und gegen Borisov die CL-Quali schaffen. Für ein Auswärtsspiel in Barcelona kann man 2013 wieder mit dem Relegationsplatz kokettieren.
Froh und dankbar muss man sein, dass der Club mit diesem nervenzerfetzenden Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat. Selbst Hoffenheim, die vor Wochen noch von Platz fünf sprachen, kann es noch erwischen. Es ist wie in einem Zombiefilm. Die Totgesagten wie Gladbach und Kaiserslautern kehren zurück, dem Schicksal scheinbar Entronnene wie Stuttgart und Bremen werden von den lebenden Leichen mit in den Abgrund gezogen.
Weit weg von jedem Abgrund ist das erfahrene Vizekusen, das sich auf Platz zwei behaglich eingerichtet hat und dem BVB beharrlich näher kommt. Fünf Punkte und fünf Spiele, könnte eng werden. Dieses Mal könnte Bayer sogar in München gewinnen, das FCB musste schon gegen Mainz und Dortmund Federn lassen. Der BVB hat einen Punkt in Hamburg gerettet, aber Bayer hat sein Spiel eben noch vollständig gedreht und zeigt eine erstaunliche Nervenstärke. Allen voran der immer besser werdende Kießling, der es schafft, Aggressivleader zu sein, ohne dauernd jemand seinen Ellenbogen ins Auge zu stemmen. Dortmund muss noch gegen zu allem entschlossene Bremer, brennende Gladbacher und leichtfüßige Nürnberger spielen. Mal sehen, ob den Duracell-Häschen auf den letzten Metern der Saft ausgeht. Leverkusen wirkt insgesamt reifer, obwohl keiner so ekstatisch jubelt wie die Dortmunder. Und Klopp ist in dieser Saison mehr gelaufen als das gesamte Mittelfeld von Wolfsburg.
Da waren’s nur noch neun »
Gestern ist der Vorsprung der Dortmunder auf Platz zwei zum ersten Mal seit dem 14. Spieltag wieder in den einstelligen Bereich gerutscht. Neun Punkte, acht Spieltage, 18 Tore Vorsprung, ob das noch einmal eng wird? 24 Punkte sind noch zu vergeben. Wenn Bayer alles gewinnt, darf Dortmund nicht mehr als 14 Punkte holen, also vier Siege und zwei Unentschieden in den letzten acht Spielen. Oder Dortmund verliert nur noch und Bayer reichen drei Siege und ein Unentschieden. Beides klingt unwahrscheinlich, aber was ist in dieser Saison schon wahrscheinlich?
Gegen Bayer spricht der Status des ewigen Vizekusen, den sie gegen Villareal mal wieder aufs Schmerzlichste bestätigt haben. Aber unter Heynckes hat Bayer auch das späte Siegen gelernt, Mainz ist dafür ein gutes Beispiel. Sie sind nervenstärker geworden. Seit Watzke nach dem 3-1 in München erstmalig offen von der Meisterschaft sprach, hat der BVB etwas zu verlieren, sollte er Zweiter werden. Bisher war die Rolle des Gejagten sehr abstrakt, oszillierte der Punktevorsprung doch stets zwischen zehn und zwölf Zählern. Jetzt kommen am nächsten Wochenende die Mainzer, mit neun Auswärtssiegen drittstärkste Mannschaft auf Gegners Platz. Wahrscheinlich muss danach ein neuer Rasen verlegt werden, weil die gelben-schwarzen Duracell-Häschen gemeinsam mit den Mainzelmännchen auf Speed das zarte Frühlingsgrün in Grund und Boden laufen werden. Verlöre Dortmund zu Hause, könnte Bayer sogar ein Punkt gegen Königsblau näher an die Spitze bringen.
Apropos Schalke. Das klärende Gespräch unter Männern zwischen Magath und Tönnies musste wegen Erkältung des SelbstHautdarstellers am Wochenende entfallen, jetzt kommt es am Mittwoch zum Showdown. Bevor sie ihren Quälix vom Hof jagen, könnte ein klärendes Telefonat unter Männern mit den Verantwortlichen in Hamburg vielleicht die Gemüter abkühlen. Beim HSV erfährt man Tag für Tag, wie es sich anfühlt, wenn man sportliche Kompetenz vom Hof jagt, ohne einen Plan B zu haben. Der Dino hat neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, in diesem Fall wären acht Niederlagen am Stück keine große Überraschung. Hansosaurus Rex: kleines Gehirn, langsame Reaktionszeiten, falsche Ernährung – den Rest besorgte die Evolution.
Schalke hat immerhin Heldt in der Hinterhand, aber mittlerweile weiß man, dass Slomka und Rangnick zu schnell entlassen wurden, und auch Heldt kann keinen Meistergaranten aus dem Hut zaubern. Vielleicht sollte man wenigstens die CL-Auslosung noch abwarten. Wenn Schalke Barca oder Manchester United zugelost bekommt und dann mit dem neuen Coach rausfliegt, kann der eigentlich gleich wieder seine Sachen packen. Wie gesagt, eine Entlassung von Magath wäre in meinen Augen völlig verrückt, jetzt hat sogar Charisteas getroffen. Wahrscheinlich trifft Karimi gegen die Bayern, wenn Magath ihn noch einwechseln darf.
Nach der Niederlage der Dortmunder ist Nürnberg das beste Rückrundenteam. Der Sieg in Wolfsburg war glücklich, aber die torgefährliche Defensive ist ein Pfund in dieser Saison. Wollscheid, Wolf, Pinola und jetzt Nilsson, alle mit wichtigen Toren. Gegen Bremen könnte das Saisonziel 44 Punkte erreicht werden. Und dann? Platz drei ist nur fünf Punkte weg. Und gegen Bayern, Mainz, Dortmund und Hannover spielt der Club noch.
Die Fehler im Erfolg »
Letzte Woche war zu lesen, der Club lasse sich Zeit mit einem neuen Vertrag für Andy Wolf, heute schreibt der kicker über den bevorstehenden Abschied von Mintal am Saisonende. Die beiden sind neben Pinola und Schäfer zwei der vier Pokalsieger von 2007. Im Anschluß nach dem Titel ging Schäfer – lange geplant – zum VfB Stuttgart, der Club stieg ab. Schäfer kam zurück, weil er in Schwaben im falschen Film war, der Club stieg auf und spielt heute neben Dortmund und Mainz den schönsten Fußball der Liga. Pinola wollte gehen und die fränkischen Sozialromantiker starteten eine einmalige Solidaritätsaktion, Pinola blieb. Als er in der Hinrunde gesperrt war, verlor der Club dreimal in Serie. Trotz Gündogan und Schieber ist Pinola bisher mein Spieler der Saison.
Der Club sollte alles tun, um Wolf und Mintal zu halten. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil sie für das Gefüge und die Dynamik der Mannschaft unerläßlich sind. Mintal ist zwar nicht so schnell wie die jungen Hüpfer, Wolf ist technisch nicht so gut wie Wollscheid oder Maroh, aber keiner weiß, wer von den Jungen bleibt und wie lange ihre absehbaren Durchhänger dauern werden. Und wenn sie bleiben, brauchen sie noch ein paar Jahre, um so stabil zu werden wie glorreichen Vier. Wolf spielt seine beste Saison, ist torgefährlich wie nie und Mintal hat weder das Toreschießen noch das Lückenfinden verlernt. Wie Podolski ist er ein Guter-Laune-Fußballer. Wenn Hecking ihm die vermitteln kann, wird er auch wieder knipsen, egal wieviel er läuft. Bevor er sich in der Zweiten Liga die Ochsentour antut, sollte Mintal den Entwicklungszyklus der nächsten beiden Jahren lieber in Nürnberg mitmachen.
Apropos Fehler im Erfolg. Gestern dachte ich, die Jecken machen Überstunden, als ich das in der WAZ über Magath gelesen habe. Aber offenbar reißt die Schalker Geschäftsführung gerade mit dem Arsch wieder ein, was sie in den letzten knapp zwei Jahren aufgebaut hat. Was wollen die eigentlich? Eine Bundesligatorfabrik ohne Abwehr? Schalke hat 29 Tore geschossen, Stuttgart 43 und steht auf einem Abstiegsplatz. Und was ist der Maßstab für eine Mannschaft im Umbruch? Das Kasperletheater beim HSV? Die kapriziösen Bayern? Die wackeligen Bremer? Die ausgebrannten Wolfsburger? Leverkusen arbeitet seit Jahren im obersten Bereich der Seriosität und ist von Schalke so weit weg wie Omas Sparstrumpf von der Bayerischen Landesbank. Und für Dortmund wird das Jahr nach dem Rausch der Maßstab sein, was richtige Entscheidungen angeht.
Schalke steht im Pokalfinale und hat in diesem Wettbewerb gegen Nürnberg und Bayern richtig gute Spiele gemacht. In der CL waren sie zu Hause sowieso erste Sahne und auch wenn sie in der Liga immer wieder zum Abgewöhnen spielen, eine Mannschaft ist im Entstehen, das ist deutlich zu sehen. Magath hat tatsächlich den göttlichen Raul nach Gelsenkirchen-Buer gelockt, nach Ebbe Sand spielt wieder ein ganz Großer der Zunft in Königsblau. Und wie er spielt. Was für ein Coup. Ablösefrei. Zinédine Zidane in Osnabrück. Mit Papadopolous, Gavranovic und Escudero tummeln sich schon die nächsten hoffnngsvollen Talente auf der großen Bühne, Kluge war ein Super-Transfer, Jefferson “Airplane” Farfan wird langsam Weltklasse. Muss man sich da über Charisteas und Karimi und Magaths knorrigen Humor streiten? Schalke braucht jetzt noch zehn Punkte aus neun Spielen, um sicher die Liga zu halten und hat alle Möglichkeiten, die Saison zu veredeln. Ich bin mir sicher, in der nächsten Transferperiode bleibt die Mannschaft im Kern zusammen. Wenn Magath bleibt. Aber Magath muss bleiben.
Das antiquierte Sport-Studio »
Am Samstag seit Menschengedenken mal wieder das Sport-Studio im ZDF gesehen. Ich kam zu spät zur Konferenz auf Sky, weil ich gerade an meinem neuen Krimi arbeite, der wieder bei Rotbuch erscheint, und konnte gerade noch sehen, wie Eigler sein 3-0 bejubelte. Nach sechzehn Minuten 3-0. Trotzdem hatte ich auch für die Sportschau keine Zeit. Also um elf dann rein ins ZDF, rein in eine bittere Enttäuschung.
Erst gab es ein hochnotpeinliches Interview mit Heynckes, in dem man auf Bunte-Niveau alle Ballack-Gemütszustände durchhechelte. Als Heynckes nach der vierten oder fünften überflüssigen Frage einzuwenden wagte, seine Mannschaft habe gegen Wolfsburg soeben überragend gespielt, wischte der Interviewer dies mit “Dazu habe ich Ihnen doch gratuliert.” vom Tisch. Die Gratulation als Disclaimer und danach kann hemmungslos am Thema vorbei gefragt werden? Ein Glückwunsch ist doch kein journalistisches Arbeiten. Als ob es zu dem Spiel und zu Bayer nicht einiges zu fragen gegeben hätte. Der Vergleich zur Vorsaison, als man nach 25 Spielen ohne Niederlage doch noch in die Europa League abstürzte. Mittlerweile hat man schon viermal verloren, Hyypiä spielt keine Übersaison, Kießling wird nicht Torschützenkönig werden und trotzdem wirkt man gefestigter.
Dann gäbe es da noch die Form von René Adler, der mit einem Notenschnitt von 2,94 im kicker den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird und sich zusammen mit Wiese bald hinter Rensing wieder finden wird, wenn der weiter so toll hält. Oder die starke Leistung von Lars Bender, die für sich allein bemerkenswert ist, und nicht, weil Ballack wegen ihm nicht dabei war. Oder die Verletzung von Friedrich, der fulminante Renato Augusto, der neue Vertrag von Heynckes, die Option Bayern in diesem Zusammenhang, seine persönliche Bilanz gegen Villareal nach mehr als zehn Jahren in Spanien und, und, und. Natürlich schmeckt es Ballack nicht, dabei zu sein, wäre ja noch schöner, wenn sich so ein Kaliber in die Ecke trollt. Aber wenn er wirklich in die Nationalelf zurück will, kann es ihm nicht schaden, topfit und ausgeruht in die neue Saison zu gehen. Die Plätze werden 2012 vergeben, nicht jetzt. Außerdem spielt er ja regelmäßig und meistens sehr ordentlich.
Beim Zwiegespräch mit Emanuel Pogatetz wirkte Wolf-Dieter Poschmann anschließend so gehetzt, als habe er zuhause den Wasserhahn angelassen. Zwei der drei Einspieler zu Pogatetz befassten sich mit den Bayern, über die bemerkenswerte Situation von Hannover gab es kaum etwas zu hören. Wenigstens war der Spruch von Andi Herzog über den verfressenen Kollegen Pogatetz lustig.
Als dann der Club gezeigt worden war, machte ich den Fernseher aus. Wo war die Hintersinnigkeit, die Verweigerung gegenüber der Sensationshechelei, die konzentrierte Gesprächssituation, in der man immer wieder die Gäste dazu bringt, mehr zu sagen als die vorgestanzten Phrasen für Pressekonferenz und nach dem Spiel? Schade, das war früher einmal eine Bastion des intelligenten Sportjournalismus. Hoffentlich hatte ich nur einen schlechten Abend erwischt.
Traumwandler in rot und schwarz »
Nein, nicht Ekici, nicht Schieber, nicht Cohen sind in der kicker-Elf des Tages, sondern Wolf und Wollscheid. Der Wolfi bereits zum dritten Mal in dieser Saison, beide Nürnberger Innenverteidiger waren zuletzt zeitgleich mit der Schlacht auf der Alten Veste (Gustav Adolf gegen Wallenstein) in der Auswahl.
Zeichen und Wunder: Wieder zu Null gespielt, wieder späte, wunderschöne Tore. Wenn die Mannschaft sich weiter so verjüngt, werden die Begleitkinderchen beim Hereinlaufen irgendwann Windeln tragen, damit es überhaupt noch einen Altersunterschied gibt. Nebenbei: Wie wäre es denn einmal mit Rentern? Leute mit mehreren Jahrzehnten Vereinsmitgliedschaft, die mit Max Morlock noch geschussert haben. Das wäre doch mal was. Dauert der Ein- und Ausmarsch halt ein paar Minuten länger.
Es sind jetzt noch 33 Punkte zu vergeben. Wenn die Mannschaft die Vorgabe von 44 Punkten erreicht, dann bliebe unter dem Strich die entspannteste Saison seit Menschengedenken, der reifere Fußball im Vergleich zum Pokaljahr und eine große Zahl junger Spieler, die nicht alle auf einmal verschwinden können. Selbst ein Schieber würde es sich zweimal überlegen, ob er in Wolfsburg unter Rudi Assauer und Udo Lattek beim Aufbau einer Mannschaft, die um die Champions League mitspielen kann, beteiligt sein will, auch wenn die fünfmal so viel zahlen. Aber mit dem Endstand 44 würde der Club nur noch neun Punkte aus elf Spielen holen. Das wäre verwunderlich und gar nicht schön. Wenn sie ihre restlichen fünf Heimspiele gewönnen, stünden sie bei 50 Punkten und hätten zwei mehr als im Pokaljahr. Damals spielten sie nach dem Einzug ins Endspiel bisweilen vogelwild und wurden mit 48 Punkten Sechster. Wenn sie alle Spiele gewinnen, auch die schweren Brocken in Dortmund und mittlerweile Köln, dann wären das 68 Punkte, was für den Altmeister von 1968 durchaus Stil hätte. Mit dieser Punktzahl wurde Schalke hinter Stuttgart 2007 Zweiter. *Seufz*.
Gegen jene Schalker geht es als Nächstes. Ich habe den Verdacht, Magath setzt voll auf Champions League, verwirrt die Scouts mit taktischen Transfers (Charisteas, Karimi) und plant heimlich das ganz große Ding. Also keine schlechten Voraussetzungen für den nächsten Auswärtscoup, schließlich ist vom Viertelfinale noch was offen. Zu einer ausgeglichenen Auswärtsbilanz fehlen noch mindestens zwei Siege und vier Unentschieden. Vielleicht setzt auf Schalke Gündogan ja dann schon wieder die Offensivakzente.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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