Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Konsolidierung auf leisen Sohlen »

Schade, dass Wollscheid geht, aber die mindestens 5,5 Millionen Euro, die der Club von Leverkusen erhält, sind mehr als nur ein schwacher Trost. Der notorische Pleitekandidat, der es in den neunziger Jahren bis zum Punktabzug wegen Verstoß gegen die Lizenzauflagen brachte, ist kurz davor, schuldenfrei zu werden. Das Nachwuchsleistungszentrum wurde bei der letzten Zertifizierung von der DFL mit drei von drei möglichen Sternen bewertet. Mit Plattenhardt, Chandler und Wollscheid aus der U23 sowie Mendler und Wießmeier wurden gleich fünf Spieler über den Umweg der eigenen Nachwuchsmannschaften bei den Profis eingebaut. Und die Späher um Manager Bader werden zu Beginn der neuen Saison bestimmt den einen oder anderen weiteren Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern. Die Zeit, in der der Club das Wärmestübchen für alternde Stars von Uli Hoeneß bis Jan Koller war, scheint endgültig vorbei.

Der Verein hat einen Stil gefunden, der zu seinen Möglichkeiten passt. Dazu gehört immer wieder eine Saison, die vorwiegend in der unteren Tabellenhälfte stattfindet, dazu gehören Durststrecken wie die mit acht sieglosen Spielen gerade eben, dazu gehören auch Verkäufe von Schlüsselspielern, wobei Ekici und vor allem Gündogan im stärksten Mittelfeld der Liga sich ähnlich schwer tun wie Schäfer bei seinem annus horribilis in Stuttgart. Aber auch eine Rückkehroption gibt es im Nürnberger Modell. Nicht erst, seit Andy Köpke an den Valznerweiher zurückkehrte. Sogar Vittek hat nach seiner tollen WM 2010 laut vom Club geträumt.

Natürlich wird nicht jeder Nobody so groß einschlagen wie Wollscheid. Und die permanente Leihökonomie, die Didavi und Hegeler wahrscheinlich zu ihren Stammvereinen zurückwandern läßt, ist ist nicht ohne Risiken. Außerdem wird Schlüsselspieler Simons zum Ende der Saison wahrscheinlich aufhören. Trotzdem hat der Club ganz andere Möglichkeiten als früher. Bunjaku, Mak, Nilsson, Judt sind alles keine Überfliger, können aber Leute aus der ersten Elf adäquat ersetzen. Und die Entscheidung, Maroh nicht an Cottbus abzugeben, hat sich als richtig erwiesen. Man braucht heute drei gleichwertige Innenverteidiger, Lüdenscheid ist hier das Musterbeispiel. Maroh muss sich “Black Magic Woman” (Santana) und “Der dritte Mann” (Anton Karas) auf den iPod laden und sich in Geduld üben, um dann in der neuen Saison zusammen mit Klose zu voller Form aufzulaufen.

Nebenbei: Nachdem das 1-0 in Berlin die Spielnote 5,5 erhielt, hat der Club am Samstag wieder ein 1-0, diesmal mit einer glatten 5, gegen Kaiserslautern nach Hause geschaukelt. 15 Punkte mit 14 Toren, das ist auch eine neue Qualität,  auch wenn es gerne immer wieder spektakulär, torreich und offensiv sein darf.

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Auf www.robalef.de sind die neuesten Kritiken zu Kleine Biester zu finden, außerdem war am vorletzten Samstag die Gala zu 20 Jahren Wahrheit.

Sag mir was Schmutziges, Liebling »

Einszunull.

Willkommen zur 49. Bundesligasaison. Es waren die beiden schmutzigen 1-0, die dem ersten Spieltag das Sahnehäubchen aufsetzten. Das 1-0 von Nürnberg erlebte ich im Olympiastadion. Es war das erste Saisonauftaktspiel, das ich live erleben konnte. Kann schon sein, dass der Sieg für den Club unverdient war, die Niederlage für Hertha jedenfalls war verdient. Wer bei seiner Rückkehr so wenig zustande bringt, der fängt sich dann halt eins ein kurz vor Schluß. Nürnberg präsentierte eine gelungene Mischung aus Borussia Dortmund (Technik) und Tai Chi (Geschwindigkeit). Und immer, wenn sie so schnell kombinierten wie in der letzten Saison, war Hertha überfordert. Das war im ganzen Spiel insgesamt 43 Sekunden lang der Fall. Eine Chance in der ersten, eine Chance in der zweiten Halbzeit und das 1-0.

Torschütze Pekhart ist ein interessanter Mann. Nicht ganz so groß wie Peter Crouch, aber stets in der Lage den tödlichen Pass zu spielen. Er fällt ein bißchen theatralisch, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man bei einem 1,94-Mann spontan denkt: Hab dich nicht so. Bemerkenswert auch die Deckungsarbeit der Nürnberger, die alle defensiven Kopfballduelle gewannen. Schäfer hatte zwei Bälle zu halten. Der neue Mann Klose fügte sich gut ein. Feulner lancierte überraschenderweise nicht gleich wieder einen Hattrick wie gegen Bielefeld, dribbelte sich ein paar Mal fest, ansonsten aber weder Angst noch Bange ums Mittelfeld aufkommen ließ. Cohen zeigte mehr Kampfgeist als die gesamte Hertha. Hegeler gab 28 Sekunden nach seiner Einwechslung die Vorlage zum Siegtreffer,  Mendler spielte gut mit. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob hier wirklich Not gegen Elend am Start war, oder ob diese Club-Abwehr auch Mannschaften mit einer Offensive in Schach halten kann. Dass vier der sieben wichtigsten Spieler (Schieber, Wolf, Eciki, Gündogan) weg gegangen sind  – Schäfer, Pinola und Simons sind noch da – war dem Club nicht anzu merken. Und in der Hinterhand Mak, Herr Nilsson, Maroh, Frantz, Esswein und Bunjaku, ein sehr ausgeglichener Kader. Die Mannschaft hatte Ordnung und Spielanlage, in Zukunft alles dreimal so schnell, dann war das der Anfang einer wunderbaren Spielzeit.

Wir saßen in einem gemischten Block, sehr viele Clubfans im Stadion, sogar der Oberrang des Fanblocks war gut gefüllt. Neben uns ein Ostberliner, ins Stadion gekommen, um Hertha eine faire Chance zu geben. Er war restlos enttäuscht.  Die Herzen der Berliner zu gewinnen, wird weiter eine Herausforderung für den Aufsteiger. Sportlich muss dieses Spiel nicht viel heißen. Vielleicht tun sie sich auswärts anfangs sogar leichter. Unterschätzen sollten sie den im Umbau befindlichen HSV trotzdem nicht. Die haben von  Barcelüdenscheid zwar ihre Auftaktlektion bekommen, trotzdem sah das schon wieder sehr nach Mannschaft aus. Nach überforderter Mannschaft, aber immerhin.

Das zweite 1-0 des Spieltags trug sich in München zu. Die stets schonungslos analysierende Süddeutsche titelt: “Aufbruch in den Krisensommer”. Das steht zwar im Wirtschaftsteil, bezieht sich aber womöglich auch auf das FestgeldConto Bayern München, dessen Ratings am Sonntag Abend in den Keller rauschten.  Zuletzt konnte glaube ich Kaiserslautern das Auftaktspiel in München gewinnen, die wurden dann mit Rehhagel Meister. Der kicker schreibt ebenso schonungslos: “Nachdem zwei große Möglichkeiten nicht in die überfällige Führung des FCB mündeten, sorgte ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr für die Entscheidung.” Ein Mißverständnis namens Neuer, was wirklich ein Jammer für den begabten und sympathischen Buerer Bua, aber nicht minder absehbar ist. Der Club verlor 2007/08 sein Auftaktspiel nach einem Patzer des neuen Keepers Blazek zu Hause gegen Schalke mit 0-2. Blazek blieb immer ein Fremdkörper und der Club stieg ab. So schlimm muss es für Bayern nicht kommen, es gibt ja Hertha und Köln, aber  jetzt geht es nach Wolfsburg. Die Wölfe von Dompteur Magath mit einem Bärenhunger auf Tore ausgestattet. Das könnte schwierig werden, auch wenn Grafite nicht mehr da ist.

Bremen spielt wieder Fußball, ist das nicht schön.

Die Viererkette der Apokalypse »

Die Mannschaft stellt sich quasi von selbst auf. Zumindest im Manager-Spiel in der Classic-Variante. Dort stehe ich mit 177 Punkten auf Platz 11700 von 130000 und habe seit dem 10. Spieltag mehr als 20000 Plätze gut gemacht. Top-Scorer ist Kagawa gefolgt von Schwegler und Starke. Pinola hängt wegen seiner blöden Sperre bei 16 Punkten, Raul bei 11. Auch für schöne Tore gibt es nur drei Punkte. Nachdem Ballack erstmalig ins Geschehen eingreift, Starke wieder dabei ist und Idrissou sich mit Frontzeck ausgesöhnt hat, bin ich optimistisch, dass nach oben noch ein bißchen was geht. Die Oberen Zehntausend sind greifbar nah, vielleicht reicht es sogar zu Platz 7248, dann wäre ich im vorderen Achtzehntel, also quasi Erster.

Die Transferphase in der Interactive-Variante habe ich genutzt, die Verschwundenen, Fußlahmen und sonstigen Ausfälle zu ersetzen. Banovic (zu Duisburg), Bunjaku (bis Saisonende verletzt), Frantz (ominöse Frankfurter Verletzungsseuche am Bauchmuskel) und Jones (Magath) sind verkauft, dafür spielen jetzt Fuchs (Mainz), Vidal (Leverkusen), Sukuta-Pasu (St. Pauli) und Tiffert (Kaiserslautern). Mit Tiffert hatte ich mal eine ganz gruselige Saison, ich glaube nur noch Peter Peschel hat mir mehr Kummer bereitet. Fuchs hätte ich beinahe schon zu Saisonbeginn genommen, der hat mir schon bei Bochum immer sehr gut gefallen. Sukuta-Pasu werden wir jetzt öfter in der ersten Elf sehen, mit ihm schafft St. Pauli den Klassenerhalt. Vidal ist in Leverkusen der Kopf der Mannschaft, seine rabaukige Seite wandelt er in positive Zweikampfenergie. Eichner ist quasi mein fünfter Neuzugang, in Hoffenheim ausgemustert, in Köln auf dem Weg zum Stammspieler. Nachdem sich die Wechsel automatisch ergaben, bleiben mir Harnik, Gentner, Hunt und Fritz alle erhalten, quasi die Viererekette der Apokalypse. Vier Ypse, vier Gimmicks. Weil an diesem Wochenende Tiffert, Gündogan, Bugera und und Kagawa nicht dabei sein können, sind drei von den vieren sogar in der ersten Elf. Gentner und Harnik sind eigentlich keine Schlechten, Fritz spielt in der Chaosabwehr einigermaßen solide, nur Hunt enttäuscht bisher auf der ganzen Linie. Zusammen 81 Punkte, trotzdem nicht wirklich der Bringer.

Bei der Interactive-Variante ist ebenfalls Kagawa ganz vorne, gefolgt von Gekas und Schäfer, jeder über 100 Punkte. Das Team darf gerne noch ein bißchen über sich hinauswachsen. Platz 68700 von 210000 bedeutet zwar einen Platz im oberen Drittel, aber auch Helmes, Schäfer, Gündogan und Son können noch mehr, nach den guten Spielen vor dem Winter habe ich den FCK ein bißchen als Geheimtipp. Die Roten Teufel haben sich eingewöhnt, jetzt legen sie los.

Was zu der spannenden Frage führt, wer eigentlich absteigt. Nachdem Bremen und Wolfsburg ihre besten Stürmer verkauft haben, sind ihre Chancen auf Liga Zwei jedenfalls nicht kleiner geworden. Auch der VfB wird sich mit Dampfplauderer Bobic und Topmodel Labbadia sehr schwer tun. Alle anderen Mannschaften haben mehr Erfahrung im Abstiegskampf, mehr Gleichgewicht in der Mannschaft, mehr Biss als diese drei. Wäre natürlich blöd für den Dritten der Zweiten Liga, wenn sie ausgerechnet gegen so ein Schwergewicht spielen müßten – Paderborn gegen Wolfsburg in der Relegation, das wäre doch der Hit. Gladbach kriegt die Kurve noch. Die haben sich richtig gut verstärkt und irgendwann ist jede Verletzungsmisere einmal zu Ende.

Meister wird natürlich Mainz, Dortmund ganz bestimmt nicht, Leverkusen aus Prinzip nicht.

Heute Abend nicht meinen Live-Ticker auf Twitter verpassen: Vizekusen gegen Lüdenscheid, Ballack kommt in der 78. Minute und schießt das Sieg bringende 2-1 für die Gastgeber.

Gruppe H – Hablamos Schwyzerdütsch »

Eine interessante Gruppe. Ein designierter Topfavorit (Spanien), ein Geheimtipp (Chile), ein Team mit einem Spitzentrainer und einer grunsoliden Vorbereitung (Schweiz) und ein hochmotivierter Kleiner, der es den großen espanophonen Brüdern so richtig zeigen will (Honduras.)

Spanien wird die Gruppe gewinnen, aber Platz zwei könnte eng werden, die Schweiz fährt bald wieder nach Hause. Vielleicht auch, weil bei Hitzfeld vor meinem geistigen Auge immer Nou Camp 1999 auftaucht. Andererseit, ein Torschützenkönig Bunjaku stände dem Club nicht schlecht zu Gesicht.  Die Honduraner schlagen sich wacker, aber Chile traue ich einen richtigen Überraschungscoup zu, so wie der Türkei 2002.

Honduras – Chile 1-2

Spanien – Schweiz 2-0

Chile – Schweiz 2-1

Spanien – Honduras 4-1

Chile – Spanien 2-2

Schweiz – Honduras 1-1

Ich mag es nicht besonders, ein Turnier komplett durchzutippen, deshalb gibt es die Achtelfinaltipps, wenn es so weit ist. Aber meinen Weltmeistertipp kann ich hier schon mal bekannt geben. Nachdem Barak Obama angekündigt hat, nach Südafrika zu kommen, sofern die USA im Endspiel steht, kann das Endspiel nur Südafrika – USA heißen. Sofern der historische Materialismus nur ein Fünkchen Interesse an Fußball hat werden sich Obama und Nelson Mandela am 11. Juli abends gegenseitig gratulieren. Weltmeister wird natürlich Südafrika. Let’s go Bafana Bafana.

Ausgerechnet Eigler »

Eigentlich hätte ich hier längst ein paar abfällige Bemerkungen über Christian Eigler loswerden wollen. Nachdem er monatelang die personifizierte Sturmkrise war und dann Bunjaku seinen Lauf hatte, hätte ich ihn beinahe schon für nicht bundesligatauglich erklärt. Mittlerweile kann man die alte Fußballweisheit vielleicht modifizieren: Ein Stürmer, der neben sich steht, sollte keine Elfmeter schießen.

Es bleibt dabei: Eigler ist der Mann für die wichtigen Tore. Im Winter 2008 schoß er das Siegtor gegen Fürth. Es war ein Zaubertor, wie es Robben nicht schöner hätte schießen können, aber wahrscheinlich kuckt wieder kein Schwein. Der Club drehte damals das Spiel gegen den Erzrivalen, es war der Beginn der Aufholjagd. Dann das 2-0 in Cottbus im Hinspiel der Relegation, als der Club gerade etwas zittrig wurde, außerdem das 1-0 im Rückspiel. Und gestern das hochverdiente 1-0 gegen ziemlich einfallslose Augsburger. Wenn seine Kurzhaarfrisur die gleiche Wirkung hat wie bei Kuranyi, dürfen wir uns auf einen neuen Knipser freuen.

Nicht ganz zufällig allerdings hat Eigler gestern mit dem Kopf getroffen, seine Schußtechnik ist gelinde gesagt eigenwillig. Sie ermöglichte ihm das Zaubertor gegen Fürth, läßt ihn aber auch regelmäßig acht bis 15 Meter daneben schießen. Vielleicht bringt Hecking ihn ja ihn die Spur, er hat zwar nicht die Verschmitztheit von Hans Meyer, trotzdem eine sehr ordentliche Rückrunde erreicht. Gewonnen ist noch nichts, ein Auswärtstor ist dem Club jederzeit zuzutrauen. Anders als die total sedierte Elf in Hamburg und die Zeitlupencombo gegen Köln war es gestern wieder eine engagierte Mannschaft. Nach der Pause drehte der Club sehr dosiert und konzentriert auf, verschluderte wie üblich Chance auf Chance genau wie gegen Wolfsburg, mit dem kleinen Unterschied, dass Augsburg keinen Dzeko hat. Es werden noch einmal ganz harte 90 oder 120 Minuten, aber vielleicht visiert Eigler im richtigen Moment eine Eckfahne an und kann so den bärenstarken Jentzsch überlisten.

Löw und die Qual der Wahl »

Es gibt Länder, die beneiden den deutschen Fußball vor allem um seine Torhüter. Selten jedoch nur ist es einem Bundestrainer so schwer gefallen wie in diesem Frühling, die Stürmer für eine WM auszuwählen, drängt sich doch Ausnahmespieler neben Ausnahmespieler in der aktuellen Torschützenrangliste der Bundesliga.

Ganz vorne finden wir Edin Dzeko mit bereits wieder 16 Treffern, der mit seinen Toren in Mainz einmal mehr bewiesen hat, dass seine überragende letzte Saison kein Zufall war. Dzeko, ein sturm- und erdverwachsener Niedersachse, wie er im Notizblock des Bundestrainers steht, begann in seiner dörflichen Heimat beim TSV Ölper, ehe er mit 14 Jahren zum VfL Wolfsburg wechselte. Er  durchlief alle DFB-Jugendmannschaften und scheint pünktlich zum Weltturnier die richtige Mischung aus jugendlicher Dynamik und routinierter Abgebrühtheit zu erreichen. Dzekos großes Plus ist seine Zuverlässigkeit. Bereits zum zweiten Mal hintereinander trifft er in einer Saison zweistellig, eine außergewöhnliche Leistung in einer Zeit, in der gehypte Pseudostars ein Jahr lang groß aufspielen, um dann wieder in der Versenklung zu verschwinden.

Ihm auf den Fersen ist der klassische Strafraumstürmer Lucas Barrios: wendig, explosiv, zweikampfstark. Dabei hatte der DFB großes Glück, denn Barrios war schon in den argentinischen Kader für ein A-Länderspiel gegen Paraguay berufen worden. Dann erlitt er eine schwere Beckenprellung, musste passen, und die einfühlsamen und lobenden Worte des DFB-Trainerstabs führten zu einem Umdenkprozess, an dessen Ende eine Berufung in das Team von Joachim Löw bei der Südostasienreise stand. Der kann sich froh schätzen, kein anderer deutscher Spieler, der auch nur annähernd so kopfballstark ist wie der Dortmunder.

Gute Chancen kann sich auch noch das Verfolgertrio Bunjaku, Derdyiok und Pizarro mit jeweils zwölf Toren ausrechnen. Bunjaku harmonierte in der zweiten Halbzeit gegen Argentinien prächtig mit Dzeko. Dem deutschen Angriffswirbel hatten die Gauchos irgendwann nichts mehr entgegenzusetzen. Derdyiok gelang es durch eine Klausel im Freihandelsabkommen für das Dreiländereck Basel-Lörrach-Mulhouse die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, weshalb er sich gegen Ottmar Hitzfeld und für den DFB entschied. Claudio Pizarro ist, wie wir alle wissen, der Nachkomme sächsischer Silbersucher, die nicht nur vor 400 Jahren nach Peru auswanderten, um dort ihr Glück zu machen. Sie inspirierten Karl May auch zu seinem Weltbestseller “Der Schatz im Silbersee”, den er nur auf Anraten seines Agenten in den nordamerikanischen Kontinent verlegte. Zum Glück ist Löw nicht nachtragend, ohrfeigte Pizarro doch einmal im südamerikanischen Überschwang den Vermieter des Schwagers des Platzwarts der TuRu Wermelskirchen. Eigentlich ein schwerer Verstoß gegen den von Matthias Sammer entwickelten DFB-Ehrenkodex, nur eine Entschuldigung Pizarros bei allen Einwohnern von Wermelskirchen per Handschlag verschafften ihm eine zweite Chance.

Der lange Atem bei der Nachwuchsarbeit, die wunderbaren Wege des Einbürgerungsrechts und das von Joachim Löw stets streng objektiv angewendete Leistungsprinzip , das weder Pfründe noch Platzhirschen kennt, lassen in Südafrika ein Torfeuerwerk erwarten. Aber es können nur vier mitfahren. So unerbittlich ist Weltklassefußball, aber deshalb auch so ehrlich.

Der Humus der Hoffnung im Frühbeet des Abstiegskampfes »

Das Schöne an so einem 3-1 Sieg in Hannover ist seine lang anhaltende Wirkung. Die Konferenz in der Kneipe geht zu Ende, und du hast 3-1 gewonnen. Du siehst dir die Sportschau an, weil du ein zweite Meinung hören möchtest, siehe da, ein 3-1-Erfolg. Abends beim aktuellen Sport-Studio schon wieder 3-1, und du weißt: Du hast einen Lauf. Aus-wärts-sieg heißt das Wort zum Sonntag. Am nächsten Morgen dann im Tagesspiegel und in der FAS und in der Welt überall das gleiche Bild, als hätten sie sich abgesprochen. Der Internationale Frühschoppen mit drei Alkoholikern aus vier Ländern weiß Bescheid: 3-1 für deinen Verein. Auch am Sonntag Abend, wenn du wie so oft in den letzten dreißig Jahren, die Spielergebnisse und die Tabelle im kicker einträgst, kann es keinen Zweifel geben: 3-1 lautet die richtige Antwort auf so viele bange Fragen. Wenn du am Montag erwachst und dich fragst, ob du vielleicht geträumt hast, ist es am Besten, gleich den kicker zu holen. Und siehe da, dein Instinkt hat dich nicht getrogen. Der Club hat gewonnen! 3-1 !! In Hannover!!! Wo wir von Idrissou einmal furchtbar vermöbelt worden sind. Und als Extrabonus ist Bunjaku Mann des Tages. Obwohl er keine langen Unterhosen trägt. Vor dem Schlafengehen kannst du noch einmal schnell im Internet nachschauen, besser nichts dem Zufall überlassen. Aber das 3-1 steht. Steht überall. Der Dienstag vergeht im Gefühl wohligen Nachschmeckens. Jetzt, da Diekmeier doch nicht zu Köstner muss, duftet der Sieg noch mehr wie ein Single Malt von den Islays und wärmt von innen und läßt Blütenträume von einer ausgeglichenen Heimbilanz reifen. Gegen die Bayern, Leverkusen und Dortmund eigentlich ein Selbstläufer. Am Mittwoch verblasst das Erfolgserlebnis dann allmählich, vergeht wie ein spektakulärer Sonnenuntergang am Gestade des Valznerweiher, um am Donnerstag endgültig Geschichte geworden zu sein, zerfallen zum Humus der Hoffnung im Frühbeet des Abstiegskampfes. Aber da Mintal endlich wieder wie Mintal spielt, geht auch gegen den VfB etwas. Ein 2-1 würde völlig reichen. Nur nicht überdüngen.

Überraschungseier! Wir brauchen Überraschungseier! »

Die Wirklichkeitsüberprüfung des Tipps vom Freitag ergibt sechs Richtige, jedenfalls von der Tendenz her.

Bayern-Bremen 1-1 statt 2-2. Werder holt tatsächlich den erhofften Punkt, aber die Hitze machte die Teams schläfrig. Frings war gut, Wiese stark, Bayern auch mit Ribery einfallslos. Das nächste Sturmduo heißt Gomez und Olic.

Stuttgart-Freiburg 4-2 statt 3-1. Beide Mannschaften beflügelt in der zweiten Halbzeit. Freiburg leichtfüßig, der junge Torwart Salz leichtfertig. Auf der anderen Seite Lehmann mit wieder zwei Gegentoren, ein überragender Elson und ein Tor von Pogrebnyak.

HSV – Dortmund 4-1 statt 2-2. Selbst schuld, wer auf Dortmund hofft. Das 1-0 gegen Köln war offenbar mehr Dusel als angenommen. Der HSV hat zumindest einen Trainer gefunden, der gut zur Corporate Identity passt. Mit Ze Roberto hat er den Coup dieser Transferperiode gelandet.

Leverkusen – Hoffenheim 1-0 statt 2-2. Die Handschrift von Heynckes ist zu erkennen, der älteste Coach der Liga paßt gut für die jungen Hüpfer, Kießling pirscht sich an die Länderspielform heran, Rolfes ist wieder fit. Hoffenheim wird keine Überfliegerhinrunde spielen, trotzdem wieder eine gute Leistung. Jetzt gegen Schalke. Hat Hoffenheim den härtesten Auftakt aller Mannschaften?

Hannover – Mainz 1-1 statt 1-0. Stajner macht tatsächlich ein Stürmertor, aber nicht aus dem Spiel heraus. Und tapfere Mainzer holen verdient einen Punkt. Bayern muss sich warm anziehen nächste Woche am Bruchweg, das wird schwerer als gegen Hoffenheim und Bremen.

Frankfurt – Nürnberg 1-1. Volltreffer. Der Club hatte am Schluß mehr zuzulegen und der spielintelligente Bunjaku ist ein echter Gewinn, jetzt, da er fit ist. Gegen Hannover er und Dirty Charry in der Startelf? Frankfurt mit vielen Chancen, aber zu unkonzentriert.

Köln – Wolfsburg 1-3 statt 0-3. Der Meister zieht unbeirrt seine Bahn. Wenn das magische Dreieck nicht trifft, sind es eben andere. Köln mit zwei undankbaren Niederlagen tut gut daran, Podolski nicht zum Alleinretter hochzustilisieren.

Gladbach – Hertha 2-1 statt 2-0. Kacar trifft im Gegenzug, aber Gladbach behält die Nerven und drei Punkte. Gute Verstärkungen, gute Stimmung, trotz des Weggangs von Marin und Baumjohann spielt Gladbach offensiv. Hertha sucht ohne die großen Drei – Simunic, Voronin, Pantelic – noch seine innere Mitte und hat Sehnsucht nach dem Olympiastadion.

Schalke – Bochum 3-0 statt 4-0. Bochum als einzige Mannschaft torlos am Wochenende. Magath baut aus den Querpassexperten eine offensiv agierende Truppe. Farfan immer stärker, übrigens ein Müller-Transfer.