Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Männer ohne Nerven »

Früher, da ging es echt übel ab auf dem Reichsparteitagsgelände. Die Nazis waren an der Macht, und immerzu wurde die Volksgemeinschaft mit “Kraft durch Freude” zusammengelockt. Am Samstag war alles ganz anders. Da holten Cohen, Simons & Co. verdient einen Punkt gegen das Festgeld Conto Bayern München, und der sportliche Erfolg stand unter dem Motto “Freude durch Kraft”. Es waren nicht die zwei verlorenen Punkte, die das Fäßchen Hoeneß zum Überlaufen brachten, sondern die einsame Entscheidung, den soliden Butt durch den flatterhaften Kraft zu ersetzen. Wäre van Gaal zu diesem Zeitpunkt nicht in Katar gewesen, wer weiß, man hätte ihn wohl schon im Winter in die Wüste geschickt. Das sympathische Jahrhunderttalent Kraft hat das FCB schon wenigstens acht Punkte gekostet – drei die Hannover gemacht hat, drei die Bayern dort nicht gemacht hat, und zwei in Nürnberg – und das war’s dann auch schon mit dem Ärachen van Gaal. Jonkers und Gerland haben jetzt die schwierige Aufgabe, ihre Männer elegant auf Platz sechs durchzuschleusen, damit sie nicht in der verhaßten Europa League enden, in der ein CL-Sieger wie Porto groß aufspielt.

Soll man sich den Club in der Europa League wünschen? Ich weiß nicht so recht. Die Mannschaft wird wieder wesentliche Spieler verlieren, selbst bei einem Abstieg von Stuttgart gibt es lukrativere Adressen für Schieber. Gündogan und ich fürchte Wollscheid könnten auch verschwinden. Soll man wegen eines Auswärtssiegs bei BATE Borisov den Klassenerhalt aufs Spiel setzen? Wenn wir mal unterstellen, dass sie aus den letzten fünf Spielen noch sieben Punkte holen (darunter einen kleinen, aber gemeinen Punkt in Dortmund), dann hätten sie fünfzig am Ende. Der gemeine Clubfan wäre sicherlich nicht traurig, wenn die Mannschaft nächste Saison elfmal statt neunmal zu Hause gewinnt, und fünfmal statt dreimal auswärts. Oder wieder schon am 25. Spieltag den Klassenerhalt sicherstellt. Diesmal wurden bereits Schalke und Stuttgart bezwungen, Köln und St. Pauli begeisternd besiegt, van Gaal wurde mit einem typischen Eigler-Tor verabschiedet. Gegen Freiburg, Gladbach, Kaiserslautern muss man es zu Hause besser machen, gegen Dortmund und Bremen darf man. Also noch viel Luft nach oben im neuen Jahr und dann am besten gleich Platz vier in 2012 anpeilen und gegen Borisov die CL-Quali schaffen. Für ein Auswärtsspiel in Barcelona kann man 2013 wieder mit dem Relegationsplatz kokettieren.

Froh und dankbar muss man sein, dass der Club mit diesem nervenzerfetzenden Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat. Selbst Hoffenheim, die vor Wochen noch von Platz fünf sprachen, kann es noch erwischen. Es ist wie in einem Zombiefilm. Die Totgesagten wie Gladbach und Kaiserslautern kehren zurück, dem Schicksal scheinbar Entronnene wie Stuttgart und Bremen werden von den lebenden Leichen mit in den Abgrund gezogen.

Weit weg von jedem Abgrund ist das erfahrene Vizekusen, das sich auf Platz zwei behaglich eingerichtet hat und dem BVB beharrlich näher kommt. Fünf Punkte und fünf Spiele, könnte eng werden. Dieses Mal könnte Bayer sogar in München gewinnen, das FCB musste schon gegen Mainz und Dortmund Federn lassen. Der BVB hat einen Punkt in Hamburg gerettet, aber Bayer hat sein Spiel eben noch vollständig gedreht und zeigt eine erstaunliche Nervenstärke. Allen voran der immer besser werdende Kießling, der es schafft, Aggressivleader zu sein, ohne dauernd jemand seinen Ellenbogen ins Auge zu stemmen. Dortmund muss noch gegen zu allem entschlossene Bremer, brennende Gladbacher und leichtfüßige Nürnberger spielen. Mal sehen, ob den Duracell-Häschen auf den letzten Metern der Saft ausgeht. Leverkusen wirkt insgesamt reifer, obwohl keiner so ekstatisch jubelt wie die Dortmunder. Und Klopp ist in dieser Saison mehr gelaufen als das gesamte Mittelfeld von Wolfsburg.

Die Viererkette der Apokalypse »

Die Mannschaft stellt sich quasi von selbst auf. Zumindest im Manager-Spiel in der Classic-Variante. Dort stehe ich mit 177 Punkten auf Platz 11700 von 130000 und habe seit dem 10. Spieltag mehr als 20000 Plätze gut gemacht. Top-Scorer ist Kagawa gefolgt von Schwegler und Starke. Pinola hängt wegen seiner blöden Sperre bei 16 Punkten, Raul bei 11. Auch für schöne Tore gibt es nur drei Punkte. Nachdem Ballack erstmalig ins Geschehen eingreift, Starke wieder dabei ist und Idrissou sich mit Frontzeck ausgesöhnt hat, bin ich optimistisch, dass nach oben noch ein bißchen was geht. Die Oberen Zehntausend sind greifbar nah, vielleicht reicht es sogar zu Platz 7248, dann wäre ich im vorderen Achtzehntel, also quasi Erster.

Die Transferphase in der Interactive-Variante habe ich genutzt, die Verschwundenen, Fußlahmen und sonstigen Ausfälle zu ersetzen. Banovic (zu Duisburg), Bunjaku (bis Saisonende verletzt), Frantz (ominöse Frankfurter Verletzungsseuche am Bauchmuskel) und Jones (Magath) sind verkauft, dafür spielen jetzt Fuchs (Mainz), Vidal (Leverkusen), Sukuta-Pasu (St. Pauli) und Tiffert (Kaiserslautern). Mit Tiffert hatte ich mal eine ganz gruselige Saison, ich glaube nur noch Peter Peschel hat mir mehr Kummer bereitet. Fuchs hätte ich beinahe schon zu Saisonbeginn genommen, der hat mir schon bei Bochum immer sehr gut gefallen. Sukuta-Pasu werden wir jetzt öfter in der ersten Elf sehen, mit ihm schafft St. Pauli den Klassenerhalt. Vidal ist in Leverkusen der Kopf der Mannschaft, seine rabaukige Seite wandelt er in positive Zweikampfenergie. Eichner ist quasi mein fünfter Neuzugang, in Hoffenheim ausgemustert, in Köln auf dem Weg zum Stammspieler. Nachdem sich die Wechsel automatisch ergaben, bleiben mir Harnik, Gentner, Hunt und Fritz alle erhalten, quasi die Viererekette der Apokalypse. Vier Ypse, vier Gimmicks. Weil an diesem Wochenende Tiffert, Gündogan, Bugera und und Kagawa nicht dabei sein können, sind drei von den vieren sogar in der ersten Elf. Gentner und Harnik sind eigentlich keine Schlechten, Fritz spielt in der Chaosabwehr einigermaßen solide, nur Hunt enttäuscht bisher auf der ganzen Linie. Zusammen 81 Punkte, trotzdem nicht wirklich der Bringer.

Bei der Interactive-Variante ist ebenfalls Kagawa ganz vorne, gefolgt von Gekas und Schäfer, jeder über 100 Punkte. Das Team darf gerne noch ein bißchen über sich hinauswachsen. Platz 68700 von 210000 bedeutet zwar einen Platz im oberen Drittel, aber auch Helmes, Schäfer, Gündogan und Son können noch mehr, nach den guten Spielen vor dem Winter habe ich den FCK ein bißchen als Geheimtipp. Die Roten Teufel haben sich eingewöhnt, jetzt legen sie los.

Was zu der spannenden Frage führt, wer eigentlich absteigt. Nachdem Bremen und Wolfsburg ihre besten Stürmer verkauft haben, sind ihre Chancen auf Liga Zwei jedenfalls nicht kleiner geworden. Auch der VfB wird sich mit Dampfplauderer Bobic und Topmodel Labbadia sehr schwer tun. Alle anderen Mannschaften haben mehr Erfahrung im Abstiegskampf, mehr Gleichgewicht in der Mannschaft, mehr Biss als diese drei. Wäre natürlich blöd für den Dritten der Zweiten Liga, wenn sie ausgerechnet gegen so ein Schwergewicht spielen müßten – Paderborn gegen Wolfsburg in der Relegation, das wäre doch der Hit. Gladbach kriegt die Kurve noch. Die haben sich richtig gut verstärkt und irgendwann ist jede Verletzungsmisere einmal zu Ende.

Meister wird natürlich Mainz, Dortmund ganz bestimmt nicht, Leverkusen aus Prinzip nicht.

Heute Abend nicht meinen Live-Ticker auf Twitter verpassen: Vizekusen gegen Lüdenscheid, Ballack kommt in der 78. Minute und schießt das Sieg bringende 2-1 für die Gastgeber.

In der Borussenhölle »

Arme Gladbacher. Eigentlich haben sie alles richtig gemacht. Ein Trainer, der zu ihnen passt (Frontzeck), ein Manager mit Realitätssinn (Eberl), ein Präsidium, das sich aus dem Tagesgeschäft merklich raushält (König et al.) und eine Legende mit Fußballsachverstand (Bonhof). Die Mannschaft gut strukturiert mit erfahrenen Alten (Brouwers) und talentierten Jungen (Reus). Der totale Absturz ist so wenig zu erklären wie Nürnbergs Niedergang nach dem Pokalsieg oder Hannovers annus horribilis in der letzten Saison. Scheiße am Schuh, heißt das wohl, sehr viel mehr läßt sich auch nicht sagen. Das scheinen auch die Fans zu wissen, die auf die üblichen Frontzeck-Raus-Rituale bisher verzichtet haben. Nachdem der Relegationsplatz nur fünf Punkte weg ist, sollte man die Nerven behalten und auf besseres Karma in 2011 hoffen. Das erscheint langfristig besser als die Kapriolen, die Stuttgart mit seinem Manager Bobic gerade schlägt. Bei Hannover hat es mit dem stets umstrittenen Slomka auch noch gereicht und siehe da, das Warten hat sich gelohnt.

Was geht ab? – Da geht was. »

18 Punkte nach 11 Spieltagen, Lobeshymnen über den eleganten Offensivspiel, eine ausbalancierte Mannschaft, und das alles zwei Punkte und vier Plätze vor den Bayern. Der gemeine Clubberer reibt sich in diesen Wochen freudig-verdutzt die Augen und sieht dem Derby mit hoffnungsfroher Neugier entgegen. Der Club hat jetzt doch eine ganze Serie von brenzligen Situationen, angefangen mit dem Rückständen in Hamburg und Bremen, gut überstanden und wirkt trotz des nominell viel stärkeren Kaders der Bayern als Team gefestigter als van Gaals millionenschwere B-Mannschaft. Mit den Relegationsspielen ist die Mannschaft nervenstark geworden, macht frühe Tore, fällt nach Gegentoren nicht auseinander, kann spielerisch reagieren, hat viele verschiedene Torschützen, sich gut verstärkt, eine solide Defensive, das magische Pokaldreieck Schäfer, Pinola, Wolf in alter Stärke an Bord…die Liste ließe sich fortsetzen.

Wer gesehen hat, wie sich van Buyten austanzen und Butt von den Gladbachern übertölpeln ließ, sieht, dass bei den Bayern der Wurm drin ist. Die vollmundig ausgelobte Siegesserie ist gestoppt, man geht sich gegenseitig auf die Nerven, Dortmund enteilt, Frankfurt und Leverkusen eilen mit, und selbst Mainz hat ist immer noch Zweiter, hat nach den ersten drei Niederlagen immer noch acht Punkte Vorsprung auf die Bayern.

Kann natürlich auch sein, dass sich die Mannen um Schweinsteiger irgendwie zu einem Sieg durchwurtschteln, dass sich der Club zu viel Druck macht, aber diesmal sind die Chancen für eine Überraschung so gut wie seit dem 3-0 nach Hitzfelds Neueinstieg 2007 in Nürnberg nicht mehr. Den letzten Auswärtssieg bei den Bayern gab es 1992. Köpke hielt einen Elfmeter von Effenberg, Zarate und Wück machten die Tore zum 3-1  nach 0-1 Rückstand nach fünf Minuten durch einen Spieler namens Mazinho, eine Art Gomez der frühen Neunziger, und wir skandierten völlig euphorisiert im märzlichen Schneetreiben des Olympiastadions schmutzige Lieder. Zum Beispiel auf die Melodie von Flipper: “Wir singen Bayern, Bayern, Bayern, Zweite Liga, oh ist das schön, euch nie mehr zu sehen…”  Auf ein Neues.

Das Manager-Memo: Europa League und müdes Mittelfeld »

Auf das Wesentliche konzentriert bin ich in diese kicker-Manager-Saison gegangen. Für die Zweite und Dritte Liga blieb diesmal keine Zeit, diesmal gibt es nur die Bundesliga. In der Classic-Variante gehe ich mit folgender Aufstellung durch die Saison:

Starke – Pinola, Fritz, Amedick – Kagawa, Schwegler, Meier, Ballack, Köhler – Idrissou, Raul. Ersatz sind Knaller aus dem Hause Gerry Ehrmann, dessen Mannschaftskollege Abel, der im Moment verletzte Didavi und Sukuta-Pasu von St. Pauli, dessen tolles Spiel in Freiburg leider nicht in die Wertung kam.

Bisher läuft es mit Rang 26000 von 127000 ganz ordentlich, ein Platz im oberen Fünftel. Mein Königstransfer Ballack stand noch gar nicht richtig auf dem Platz, Raul irrt noch über die Schalker Baustelle. Der Abräumer war bisher Kagawa, danach kommen Starke mit 14 und Pinola mit 10 Punkten, der schon zwei Tore erzielt hat. Schwegler, Meier und Köhler könnten noch ein bißchen mehr zeigen.

In der Interactive-Variante läuft es noch nicht ganz so berauschend. Platz 140000 von 207000 bestätigt den leichten Aufwärtstrend seit Spieltag zwei, als ich 45000 Plätze weiter unten stand. Auch hier ist Kagawa der wichtigste Punktelieferant, gefolgt von Schäfer und Gekas, den ich in letzter Sekunde an Stelle von van Niestelrooy (wegen Veh) in den Kader nahm. Nachdem mit Didavi, Gentner, Harnik, Salger, Fritz und Hunt gleich sechs Spieler von Stuttgart, Bremen und Köln im Kader sind, wird es wohl erst einmal mittelprächtig weitergehen. Ich muss ja elf aufstellen.

Bunjaku und Son sind Langzeitverletzte, Son quasi mit Saisonbeginn, es bleiben im Sturm nur Gekas und Helmes. Maik Franz ist auch dabei, weil letzte Saison torgefährlicher Abwehrspieler, außerdem Edelreservist Banovic und der schon wieder sehr erfreuliche Jones, trotz des Einsteigens gegen Schäfer.  Hain von St. Pauli ist Torwart Nummer Zwei, Rössl Nummer Drei, Reinartz und Bugera ergänzen die Abwehr, Gündogan und Cohen sind die jungen Wilden im Mittelfeld. Cohen hat mir gegen den HSV sehr gut gefallen. Kein Mainzer und kein Hannoveraner, die allesamt Schnäppchen gewesen wären, aber mal abwarten wie es nach der Länderspielpause weitergeht. Beim Club und bei Bremen zeigt die Leistungskurve ja ein wenig nach oben. Und Bremen findet eh erst in der Rückrunde statt.

Es geht voran »

Zwei Punkte nach drei Spielen sind auf den ersten Blick nicht besonders viel, trotzdem ist der Saisonanfang bei Nürnberg sehr ordentlich. Dass es gegen Freiburg nichts wird, war abzusehen. Die Breisgauer waren an zwei Abstiegen der Nürnberger unmittelbar beteiligt, 1994 war es Schicksal, weil die Finke-Elf im Jahr danach Bundesligageschichte schreiben mußte, 1999 zementierte der Club seinen Nimbus als ewiger Depp im Fernduell mit Frankfurt, Berger, Fjörtoft, usw.

Letztes Jahr lag der Club gegen Freiburg nach drei Minuten 0-1 hinten und bot eine Orgie der Einfallslosigkeit, schlimmer noch als die drei 0-4-Klatschen in Leverkusen, Dortmund, Hamburg. Diesmal waren sie die bessere Mannschaft, die sich leider selbst ein Bein stellte. Sowohl gegen den Sportclub als auch gegen Mönchengladbach beganndie Elf stark, nach dem Gegentor fiel den Spielern dann nichts mehr ein. Den Lernbaustein “Rückstand aufholen” konnten sie am vergangenen Samstag gegen den HSV ihrem Entwicklungsprozess hinzufügen.

Das Stadion formerly known as Volkspark liegt im Grünen in der Nähe von Stellingen, was in der Nähe von Hagenbecks Tierpark liegt. Überall gibt es Graffitis, die “USP verkünden. Eine S-Bahn-Unterführung ist wohl ein Unique Selling Point für irgendwas, aber vielleicht steht das Kürzel auch für Ultras St. Pauli oder Uwe Seeler Pinneberg, wer weiß das schon, im kompliziertem hanseatischen Zeichengeflecht. Am Südende des Alten Elbtunnels gibt es auf dem kleinen Aussichtsplatz, von dem aus man so schön auf die Landungsbrücken und das Stadtpanorma kucken kann, einen Aufkleber: Lieber in Bremen sterben als in Hamburg leben und in der Simon-von-Utrecht-Straße, im tiefsten St. Pauli, steht ein Zweizeiler an der Wand: Schanze, Pauli schwarz und blau? Verpiss dich schnell, du Rautensau. So viel Inbrunst in diesen einfachen Worten. Am Tag, bevor St. Pauli in Köln verlor, hatten Unbekannte die Tore auf dem Trainingsgelände von Pauli in ebendiesem schwarz und blau angemalt. Dem Gladbach-Fan, den ich am Wochenende kennenlernte, geht es so wie mir: Ich mag beide Hamburger Vereine, die Einheimischen müssen sich irgendwann entscheiden und mögen die metrosexuellen Mätzchen der Auswärtigen nicht.

Ob mit oder ohne Raute: Gegen die intelligent und aufopferungsvoll verteidigenden Nürnberger fiel dem HSV nichts ein. Nur bei einer Standardsituation stand die Clubabwehr wieder gnädig Pate, aber dann kam der Antritt von Schieber und der Elfer von Pinola, freundlicherweise auf unserer Seite des Stadions. Die riesige Betonschüssel hat eine knusprige Akustik, ein neues Stadion, das aussieht wie ein altes, was gar kein Nachteil ist. Instant Patina. Der Club, der in 14 Spielen der Vorsaison torlos blieb, hat jetzt in jedem Spiel getroffen und kann drei verschiedene Torschützen verzeichnen. Den letzten Punkt beim HSV gab es 2006 mit einem 0-0, in der – ich sag das jetzt völlig wertneutral – Pokalsiegsaison. Der letzte Sieg ist ein 1-0 aus 1992, Torschütze Wück, der damals unsinnig früh Verkaufte.

Nicht nur die gute Abwehrleistung erinnert an die beste Zeit unter Meyer. Es gibt eine klare Struktur, schön heraus gespielte Konter, Leidenschaft, ob Wolf, Judt oder Almog Cohen, der unermüdlich ins Pressing ging, dazu Schieber, der nicht nur von der Frisur her an Vittek erinnert. Wenn Andy Wolf mit der kicker-Note 3 und Per Nilsson mit der 2 den Champions-League-Torschützenkönig-Triple-Meister-Van-the-Man van Niestelrooy mit einer 4,5 nach Hause schicken, dann kann in dieser Saison noch viel passieren. Vielleicht sogar ein Auswärtssieg ohne Gegentor. Da würde sich Leverkusen doch geradezu anbieten. Da gab es 2002 als letzten Dreier ein 2-0 für den Club.

Effizienzbestie schlägt Angstgegner »

Letztes Jahr hatte Nürnberg eine Chancenverwertungsquote von 19 Prozent, letzter Platz. Für zwei Tore in einem Spiel hätten das elf Chancen sein müssen, gestern reichten genau diese zwei Chancen für ein 2-0 bei DEM Pokalschreck überhaupt, Eintracht Trier. Rot-Weiß-Oberhausen geriet in Hamburg unter die Reeder, der Club trotzte den Promikillern an der Mosel und sieht jetzt den erschreckend gut aufgelegten Gladbachern entgegen.

Wir sind alle Manager – Die Saisonbilanz »

Bundesliga Classic: Mit Rang 117.394 von 164.097  und -37 Punkten konnte meine Schnäppchentruppe mit lauter Spielern für 1 Million oder billiger locker die Klasse halten und erreichte einen schlechten 13. Platz. Schwegler brachte 31 und Banovic 20 Punkte, Neuville, der kaum spielen durfte, immerhin zwei. Wenig überzeugend war Nordtveit mit -52: Ausländer, Jugendspieler und erste Saison, das war doch ziemlich riskant. Ein Freund von mir und durchaus profunder Kenner der Materie erreichte in der Classic-Variante einen hervorragenden Platz 2203 mit folgender Aufstellung: Mondragon – Hyppiä, Compper, Riether – Banovic, Salihovic, Özil, Gunkel, Vidal – Kießling, Idrissou – Ersatz: Kessler, Schmiedebach, Gündogan, Petreski. Wenn er nicht seinen Hoffenheimer Sentimentalitäten gefolgt wäre, hätte er mit 326 Punkten und 34 Punkten Rückstand auf Platz 1 vermutlich gewonnen.

Bundesliga Interactive: Nachdem ich am 3. Spieltag schon mal auf Platz 130.954 rumhing, wurde es mit Platz 84.534 von 234.839 letzlich noch ein guter siebter Platz, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich mit dem schwankenden Gündogan, dem auf Schalke verschollenenen Kluge und dem Taktikopfer Mintal gleich drei Spieler des Relegationschampions dabei hatte, die mit 12, 51 und -29 Punkten nicht gerade zu den Volltreffern gehörten. Bester Spieler ist Kevin Kuranyi mit hervorragenden 184 Punkten gefolgt von Hyppiä (170) und Heinz Müller (152), den ich in der Rückrunde für Schäfer geholt hatte. Raffael (91), Brouwers (99, nur Rückrunde), Reinartz (74), Schwegler (87) und Meier (77) konnten erfreuen, weniger dagegen Westermann (50), Ibertsberger (21) und Colautti (11). Im Grunde hat mich die Clubberersentimentalität eine bessere Platzierung gekostet, aber Ebbe Sand war bis zu seiner letzten Saison dabei. Man läßt seine Helden nicht für ein paar Punkte außen vor. Sie sollen gefälligst gut spielen.

Zweite Liga Classic: Mit Platz 37.233 von 38.458 war der Abstieg nicht mehr zu vermeiden, ich bin quasi Tabellenletzter geworden. Hier hat es mit der Billigvariante von 0,5 Millionen und weniger nicht gereicht. Nöthe von Fürth brachte immerhin 32, die von Geißler (-32) aber sofort vertilgt wurden. Casper (-27) und viele andere mehr sorgten für satte -65, der Schlechteste von allen hat -92.

Zweite Liga Interactive: Platz 24.705 von 48.245 bedeutete einen sehr guten 10. Platz. Mit Sippel, Anderson, Amedick, Angelov, Mattuschka und Naki hatte ich gleich drei Spieler mit mehr als 100 Punkten, allerdings waren sie nicht immer alle in der Startaufstellung, vier Spieler haben Null Punkte, Frank Lehmann, der Torwart von Cottbus -2. Lauth kam leider nur mit 30 Punkten ins Ziel. Nachdem ich in der Rückrunde aus Zeitgründen kaum mehr aktiv gemanagt habe, habe ich sicherlich einige Plätze verschenkt.

Dritte Liga Classic: Beinahe hätte es zum letzten Platz gereicht, aber am Ende war es 23.793 von 23.897. 89 Punkte waren zu viel, der Letzte hatte 10 Punkte, was erstaunlich ist. Die Letzten in der Bundesliga sind gerne im negativen dreistelligen Bereich. Auch hier hat die Billigvariante mit Spielern für lediglich 0.05 Millionen nicht funktioniert. Piossek von Dormund II und Holt von Holstein Kiel mit 46 und 53 Punkten solide, dann noch Rode von Kickers Offenbach mit 20, der Rest mit Null und schlechter.

Dritte Liga Interactive: Platz 10.212 von 27.127 bedeutete nicht nur umgerechnet Platz 8, sondern auch Bestplatzierung in der Saison. Am Ende der Hinrunde war ich auf Platz 18500, danach ging’s bergauf, nicht zuletzt, weil ich im Wintertransferfenster einfach die drei punktbesten Spieler der Hinrunde verpflichtet hatte. Nicht sehr einfallsreich, aber Sattelmaier (Regensburg), Leitl und Hartmann (beide Ingolstadt) sorgten für jeweils mehr als 200 Punkte. Immerhin, meine Kultklubauswahl sah mit Kos, Curri, Hensel und Stark vier Überraschungsaufsteiger aus Aue in ihren Reihen. Dogan, Brinkmann und Danneberg waren bis zum Schluß gut dabei.

Nachdem die Buchstabensuppe im Vorjahr und die Billigvariante dieses Mal nicht die erhofften Spitzenplatzierungen bewirkten, wird das Budget in der nächsten Runde bis zum nächsten Mal bis zum letzten Cent ausgegeben, wenn es sein muss. Und auf große Namen nehme ich auch keine Rücksicht mehr, vor allem Nachnamen.

Saisonrückblick: Die Nachlese zum Nachlesen »

Bayern ist ein verdienter und würdiger Meister. Van Gaal holte Rensing aus dem Tor und machte auch danach fast alles richtig. Nebenbei bemerkt eine ähnliche Situation wie bei Klewer und Blazek bei Nürnberg nach dem Pokalgewinn. Damals überging Meyer die heimliche Nummer Eins Klewer und die Mannschaft fand nicht zusammen. Rensing durfte spielen, er patzte, er wurde abgelöst, und Butt konnte ohne Dauerkritiker allmählich zu einem sicheren Rückhalt werden.

Schalke ist wieder da. Spielerisch kann man noch einiges verbessern, 53 Tore sind schon ziemlich mager, 3-3 gegen Hamburg, 3-1 gegen Gladbach, 3-0 gegen Bochum und 4-1 in Frankfurt, sonst nie mehr als zwei Tore, davon sechsmal ohne eigenes Tor. Aber sie haben die CL ohne Pander und Jones erreicht, und ohne ein einziges Mal darüber zu jammern. Aber in Bremen wurde Magath ja auch nicht gleich Meister.

Bremen zeigt dem HSV wie man kaufmännisches Geschick mit sportlichem Erfolg verbindet. Am meisten erstaunt hat mich am Ende der couragierte Fritz. Man konnte sehen, warum er einst Nationalspieler war. Und natürlich spielten sie phasenweise wieder am schönsten. Hoffen wir, dass Özil seine Sinnkrise endgültig abgeschlossen hat, im Pokal-Finale brilliert und bei der WM konstant spielt. Einen wie ihn könnten die Schalker übrigens gut brauchen, Magath hätte ihn wohl für unverkäuflich erklärt.

Bayer Leverkusen verabschiedet heute Abend den genialen Bernd Schneider. Er ist einer von hundert Gründen, warum das Gerede von der Retortenmannschaft endlich verschwunden ist. Wie bei Schalke wurde auch hier erfolgreich ein Stabilisierungsprozess eingeleitet. Ich sage jetzt nicht, dass Bayer demnächt Meister wird, aber diese Mannschaft hat noch gewaltig Luft nach oben – und einen Trainer, der zu ihr paßt.

Borussia Dortmund, auch die ein echter Aufsteiger. Klopps Vertrauen in die Jugend zahlt sich aus. Zorc hatte einen Lauf bei seinen Transfers, an erster Stelle Barrios. Wenn Kehl noch einmal ganz gesund wird, kann es auch für mehr reichen. Schade, dass der Defensivstratege nie mehr richtig wieder auf die Beine gekommen ist.

Der VfB Stuttgart im Jahr eins nach Gomez kann zufrieden sein. Sie hätten auch unter Gross nicht zwei solche Halbserien gespielt, niemand macht das, Leverkusen, die Ungeschlagenen lange Zeit, auch nicht. Aber auch hier frage ich mich, ob das schon das Ende der Fahnenstange ist. Der VfB produziert reihenweise Nachwuchstalente, Gross ist ein umsichtiger Mann und Heldt hat in seinen jungen Jahren schon viel erreicht als Manager. Neben Stuttgart sehe ich oben auch Schalke und Leverkusen als die Mannschaften, die ihr Potenzial optimal ausschöpften, Bremen blieb dahinter zurück, Bayern und Dortmund spielten über dem Limit.

Der HSV ist neben den Absteigern sicherlich der größte Verlierer der Saison. Im kicker habe ich im Abschiedstext zu Bernd Schneider gerade gelesen, dass Labbadia ihn letztes Jahr im Pokalfinale neunzig Minuten hat schmoren lassen. Das ist extrem instinktlos und ein weiteres Indiz dafür, dass dem großen Motivator Labbadia ein Sinn für Spielerseelen fehlt, den selbst Leute wie Weisweiler, Happel und Magath haben/hatten, die nicht unbedingt Kumpeltypen sind/waren. Die Meisterschaft war illusorisch, aber wie Europa League und Pokal abgeschenkt wurden, war schon extrem arm. Daran konnte auch Ausnahmespieler van Niestelrooy nichts ändern.

Wolfsburg hat die Meisterschaft erstaunlich gut verkraftet. Was auch an der mutigen Entscheidung lag, Köstner zum Chef zu machen. Es war kein Glanz auf dieser Saison, Dzeko war zu sehr Einzelkämpfer. Dadurch dass mit Leverkusen, Schalke und Dortmund gleich drei Hinterbänkler durchstarteten, war Europa zu weit weg.

Mainz hat eine überragende Saison gespielt. Van Gaal hin, Magath her, Thomas Tuchel ist Trainer der Jahres. Als Neuling mit einem Aufsteiger taktisch so ausgefuchst zu agieren, Favoriten zu Hause reihenweise aufs Kreuz zu legen und dann noch ahnsehnlichen Fußball mit Herz und Hirn zu spielen, ist sensationell. Eine echte Bereicherung, alles andere als ein niedlicher Exot, dieser Karnevalsverein.

Eintracht Frankfurt unter Skibbe hat sich ebenfalls erstaunlich entwickelt. Rein punktemäßig war es nicht viel besser als in den letzten Jahren, aber es sieht schon anders aus. Besonders gefallen hat mir Köhler, solche Haken hat in der Liga zuletzt Mehmet Scholl geschlagen. Ohne Verletztenseuche könnten es demnächst sogar 47 Punkte oder mehr werden.

Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das Schwerste, so auch für Hoffenheim. Allerdings kämpfte die TSG von Anfang an gegen die irrsinnigen Erwartungen. Ibisevic erzielte nach seinem Kreuzbandriß 12 Tore und wird jetzt mehr oder weniger als Versager abgestempelt. In der Hinrunde war Hoffenheim Siebter. Ich hoffe, Rangnick kriegt die Kurve und kann in Ruhe weiterarbeiten.

Gladbach, noch ein Gewinner der Saison. Endlich ein Trainer, der paßt, endlich spielen sie ab und zu wenigstens schönen Fußball. Eine No-Name-Truppe hat einem großen Verein eine Menge Anerkennung zurück gebracht. Und Dante hat bei mir schon wegen seiner Frisur einen Stein im Brett. Schade, dass Neuville so wenig spielen konnte. Löw würde sagen: In unserem Frisurenprofil ergänzt er sich nicht optimal mit Dante.

Köln im ersten Jahr nach Daum und im ersten Jahr mit Podolski durchwachsen, also im Rahmen seiner Möglichkeiten. Auch hier eine Riesenkluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Köln ist immer noch eine potenzielle Fahrstuhlmannschaft, es wird noch ein Weilchen dauern, bis der ambitonierte Präsident Overath zufrieden ist. Dass Soldo ein Jahr Klüngel überstanden hat, ohne geistig Schaden zu nehmen, spricht für ihn.

Freiburg behält die Nerven, behält den Trainer und hält die Liga. Für keinen waren die Fußstapfen des Vorgängers so groß wie für Robin Dutt, er hat die Herausforderung bestanden. Dieses Freiburger Team ist noch keine Kultmannschaft wie das große Team mit Cardoso, Heinrich, Schmadtke, noch keine Breisgau-Brasilianer. Sie werden immer gegen den Abstieg spielen, und ab und zu einen Etablierten hinter sich lassen.

Hannover: Ende gut, aber nicht alles gut. Der Tod von Robert Enke bleibt die große Katatrophe dieser Spielzeit. Rechtzeitig kehrten Kampfgeist und Spielfreude zurück, es freut mich, dass 96 der Gang in die Zweite Liga erspart bleibt. Auch für Slomka, der auf Schalke unter Wert verabschiedet wurde. Wenn Hanke so weiter trifft, waren die letzten beiden Spiele der Auftakt zu einer wunderbaren neuen Saison.

Der Club macht es wieder einmal spannend. Sollte die Relegation erfolgreich sein, könnte man das sportliche Modell perfektionieren. 10 Leihspieler, 10 Juniorennationalspieler, Schäfer, Wolf, Pinola, fertig ist der Klassenerhalt. Bader hat gezockt und bis jetzt noch nicht verloren, aber nächstes Jahr bitteschön vielleicht noch ein paar mehr Spieler jenseits der 25 mit mehrjährigen Verträgen. Und eine faire Chance für Mintal.

Auf Wiedersehen, VfL Bochum. Selbst die vier Trainer, selbst das 1-0 in Nürnberg hat nicht gereicht. Wer im Endspiel zu Hause so auftritt, der muss sich mindestens ein Jahr lang im Stahlbad Zweite Liga regenerieren. Vielleicht hätte man Koller nicht feuern sollen, was hilft es dem gemeinen Fan, dass Wosz Kult ist und die letzten beiden Spiele so ausgehen.

Last and least – der Problembär aus Berlin. Nicht Hoeneß, sondern Gegenbauer ist der Verantwortliche für das Desaster. Und angesichts der Tatsache, dass es keinerlei Opposition gegen ihn gibt, ist auch in Liga Zwei wenig Gutes zu erwarten. Es war klar, dass nach der Überfliegersaison ein Krisenjahr kommt. Und anstatt den erfahrenen Krisenmanager Hoeneß in Würde zu verabschieden, legt man das Schicksal in die Hände eines Trainers, der das Team gerade mal zwei Jahre betreut hatte. Und der arme Preetz – sympathisch, unerfahren, überfordert – wußte nicht, wie ihm geschieht.

You’ll never blog alone »

Es war sehr angenehm, den Samstag in München mit den anderen Bloggern zusammen zu bringen. Für den Umtrunk danach mußte ich leider passen, da war ich schon wieder auf dem Weg zurück nach Berlin, es gab längst vereinbarte Sonntagsarbeit zu verrichten.

Blogger probek ist zwar Bayern-Fan, ich muss das jetzt so hart formulieren, er zeigte mir aber nicht nur den Paulaner und das Straßenschild vom Kurt-Landauer-Weg, sondern kennt sich auch mit Kino sehr gut aus. Kurt Landauer war bis 1933 Präsident des FC Bayern, als Jude im KZ Dachau inhaftier und war nach der Befreiung weitere vier Jahre Präsident.  Probek, der Kaisergrantler, die eine Hälfte von soccr.de und das Fernglas FCB durften sich dann über eine Deutsche Meisterschaft und drei Müller-Tore freuen. Der frühere Müller, der Bomber der Nation war kurz vor Spielbeginn zu Besuch und ließ sich geduldig fotografieren. Wenn er tatsächlich alle achtzig Ehrenlogen besuchte, ist er vor diesem Spiel vermutlich mehr gelaufen als in den meisten Spielen seiner Karriere.

Die Clubberer, die andere Hälfte von soccr.de, die beiden Kollegen von Clubfans-united sowie agolnaihaua, was auf fränkisch so viel heißt wie “einen treffer erzielen”, versuchten angesichts von einem 0-3 in Hamburg nach nicht mal dreißig Minuten die Contenance zu wahren. Schlimmer als 1999 (Fjörtoft, Berger, Freiburg, Chronik einer angekündigten Abstiegsfeier) könne es nicht werden, da waren wir uns einig. Der Bochumer Kollege von 18:48 merkte äußerst listig an, dass das 3-1 von Fuchs in München ganz entscheidend werden könnte. Wohl wahr, der Club hat an einem Spieltag neun Tore gegenüber Hannover und 2 gegenüber Bochum verloren. Dem Gladbacher von Entscheidend is auf’mPlatz konnte man da auch keinen Vorwurf machen.

Obwohl meine Sympathie kein Geheimnis ist: Petric ist ein richtig geiler Spieler ist. Deshalb wird er von Hoffmanns Gardinenneu bestimmt Ende Juli auch wieder vertickt.

Währenddessen sahen die Herthaner von mauertaktik und Szenenapplaus auf einem der vierfach parallel bestückten Bildschirme das 1-1 von Kießling gegen den Hauptstadtverein, der damit endlich tschüssikowski sagen durfte. Die Durchhalteorgie der Berliner Medien war nicht auszuhalten. Seit Harald Juhnke ist ein Sterbenskranker nicht mehr so abgefeiert worden. Seit Weihnachten versprachen die Herthaner  mehrmals täglich “jetzt noch einmal alles zu geben”, und nichts, NICHTS ist passiert. Selbst gegen den Club haben sie sich zu blöde angestellt. Vielleicht sehen wir uns bald in der Zweiten Liga wieder, dann muss “Heimsieg” an der Spree nicht mehr auf der Roten Liste ausgestorbener Wörter geführt werden. Es gibt ja den FSV Frankfurt, Osnabrück, Aachen.

Die beiden VfB-Fans von angedacht und Brustring erlebten einen Dämpfer ihrer in den letzten Wochen so großartig aufspielenden Schwabenpfeile. Wer nach so einer Hinrunde allerdings noch international spielt, dürfte nicht allzu geknickt sein.

Fein raus waren die Neutralen, die sich auf ihren Websites nicht sogleich als Fan eines bestimmten Vereins zu erkennen geben: Abenteuer Fußball war doppelt vertreten, mit Trainer Baade konnte ich ein paar freundliche Worte wechseln, von Stadion-Wurst hätte ich eigentlich eine Bewertung der leckeren Speisenfolge erwartet, ohne Wurst und außer Konkurrenz, genau so wie von den soccer-warriors, die ansonsten Fritten, Fußball und Bier bevorzugen. Meiner Aufmerksamkeit entging leider völlig der sportmedienblog, was auch daran liegt, dass die Autoren vor allem unter ihrem Blog, selten unter ihren Pseudonymen, so gut wie nie unter ihren echten Namen bekannt sind. Die korrekte erfolgte dann auch ähnlich wie bei Fahrenheit 451 von Truffaut: “Guten Tag, ich bin Stadionwurst.  – Sehr erfreut, mein Name ist Mauertatktik”.

Auf  der Tribüne twitterten und bloggten einige von uns um die Wette, hinten in der Lounge gab es das Spiel der Bayern noch einmal auf dem Bildschirm (tatsächlich 3-1), dazu Schalke – Bremen und auf besonderen Wunsch der mittelfränkischen Sado-Maso-Fraktion HSV-FCN. Und natürlich die Konferenz. Liga Total gibt einem die Möglichkeit, die Tabelle live einzublenden, außerdem gibt es einen Schnipsel-Ticker, das heißt, wenn man eigentlich gerade HSV-FCN schaut und dann im Ticker auf einen Eintrag anklickt, kriegt man gleich eine aktuelle Spielszene aus einem anderen Stadion zu sehen, das 4-0 von Hannover zum Beispiel. Nein, das Gerät ist nicht kaputt, es war tatsächlich Hanke. Außerdem kann man sich sein Spiel auf der Festplatte aufzeichnen, um seine Kinder später damit zu erschrecken, und noch am gleichen Tag auch die anderen Spiele in voller Länge sehen. Doppelflat für Surfen und Festnetz sind sind im Paket mit dabei, das mit Recorder bei etwa 50 Euro anfängt. Eigentlich gar nicht so kostenungünstig, allerdings gehe ich lieber in die Kneipe, sonst hinge ich nur vor der Glotze. Und 70 Fernsehsender brauche ich eigentlich auch nicht, 18 Vereine reichen völlig aus.

Insgesamt eine bunte Runde, nullkommanullgendergemainstreamt und sachkundig bis unters Blasen werfende Dach der Allianz Arena. Man sieht sich, man schreibt sich, man liest sich.

« ältere Beiträge Next posts »