Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Habe nun acht… »

…Spieltage gesehen, und nach einem knappen Viertel der Saison ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Teil Zwei folgt dann am Donnerstag.

Bayern München: Die Mannschaft tut alles, um die Frage offen zu lassen, ob Manuel Neuer auch in München Spiele gewinnen kann. Die Viererkette ist besser als im Vorjahr. Hätte das zweite Gegentor nach dem zweiten Neuer-Patzer in Wolfsburg gegolten, hätte Manchester City seine beiden Elfmeter bekommen, wäre nicht alles Heynckes, Freude, Eierkuchen. Meister wird die Mannschaft, die Rückstände dreht. Die Bewährungsproben kommen noch. Größte Überraschung: Kokspetze Hoeneß entdeckt plötzlich, dass es einen Rechtsstaat gibt. Wichtigste Frage: Wird Robben, wenn er weiter mault, an van Gaal ausgeliehen?

Werder Bremen: Endlich wieder Werder-Fußball, wie wir ihn schätzen. Mertesackers Weggang wurde kompensiert, Arnautovic trotz Roter Karte resozialisiert, Defensive mit Offensive austariert. Ohne lästige Demütigungen in der Champions League hat Werder in der Bundesliga noch Luft nach oben. Größte Überraschung: Fritz ist ein guter Kapitän. Wichtigste Frage: Bleibt Pizarro gesund?

Borussia Mönchengladbach: Wie schon am Ende der Saison an dieser Stelle erwartet, spielen die Gladbacher nach der erfolgreichen Relegation eine sagenhafte Saison. Mit ter Stegen haben sie den besten Torwart der Liga (Bayern-Scouts aufgepaßt). Favre hat die schlummernden Potenziale geweckt. Eberl ist  über Nacht vom Krisenmax zum Visionär gereift. Größte Überraschung: Mike Hanke ist ein Leistungsträger, schießt keine Tore und hält trotzdem die Klappe. Wichtigste Frage: Reicht es für Platz vier?

Schalke 04: Huub, Huub hurra. Rangnick hat enormen Mut bewiesen, jetzt ist es für Schalke besser gekommen, als man hoffen durfte. Stevens redet kokett von Platz zwei, aber trotz aller Verehrung der alten Helden mal ehrlich: Der Sturm mit Huntelaar und Raul ist eigentlich sogar noch ein bißchen stärker als der mit Sand und Mpenza. Größte Überraschung: Jermaine Jones ist wieder mit dabei und hat eine Frisur gefunden, die zu seinen Tattoos paßt. Wichtigste Frage: Wie bringt Stevens Fährmann in die Spur?

Hannover 96: Der Slomka-Express rollt weiter. Weniger abhängig von Ya Konnan, mit dem Schnäppchen des Jahrzehnts Pander als brandgefährlichem Überraschungsgast auf links. Wer Bremen 3-1 besiegt und dafür vom kicker die Spielnote 1,5 erhält, darf sich auf eine weitere große Saison freuen. Größte Überraschung: Kein Einbruch wegen der Europa-League, schon die Spiele gegen Sevilla waren erste Sahne. Wichtigste Frage: Wann bringt Jörg Schmadtke die Kunst des Inneren Lächelns endlich als Yoga-DVD raus?

Borussia Dortmund: Trotz des Verlusts von Sahin und der Verletzung von Barrios wirkt der Kader wieder sehr kompakt. Kleine Abnutzungserscheinungen sind vertretbar. Mit Perisic wurde wieder sehr gut eingekauft. Die Lüdenscheider brauchen noch ein wenig Anlaufzeit, dann werden sie noch weiter nach vorne kommen. Größte Überraschung: Der Punkt gegen Arsenal. Wichtigste Frage: Ob sie wenigstens ein Spiel in der Champions League gewinnen werden?

VfB Stuttgart: Das sieht jedenfalls nicht nach Horror-Hinrunde aus. Heimlich, still und leise malochen sich die Schwaben nach vorne. Und der notorische Überflieger Labbadia beweist nach der guten Rückrunde erneut Steherqualitäten. Mit den wiedergenesenen Bremern und den Schalkern mit Stevens wird ein internationaler Platz trotzdem schwer. Größte Überraschung: Boulahrouz ist in der Form seines Lebens. Wichtigste Frage: Wird Cacau fit?

1899 Hoffenheim: Stanislawskis guter Einstand zeigt, dass Provinz und Kiez im Grunde wesensverwandt sind. Eine gewisse Heimeligkeit sind beiden nicht abzusprechen. Trotz des Punktgewinns gegen Bayern an diesem Wochenende ist Hoffenheim vier Plätze zurückgefallen. Es ist eng im oberen Drittel. Größte Überraschung: Andi Beck hat seinen Vertrag verlängert. Wichtigste Frage: Wen wird Dietmar Hopp in dieser Winterpause heimlich verkaufen?

Bayer Leverkusen: Anders als die Schönspieler von der Säbener Straße hat Leverkusen die ersten Rückschläge (Pokal, CL, Schönspieler von der Säbener Straße) bereits verdaut. Dutt erweist sich als ebenso lernwillig und teamfähig wie Ballack. Dass Rangnick in der Lage war, offen über seine Schwäche zu reden und das Handtuch vor dem totalen Zusammenbruch schmeißen, verdankt die Liga wie so vieles andere übrigens Ballack. Er hat es geschafft, ein Weltklassespieler zu sein, und dabei dem Scheitern nicht auszuweichen. Größte Überraschung: Die Entschlossenheit, sich nach oben durchzukämpfen. Wichtigste Frage: Ballack wird seine Kritiker eines Besseren belehren. Aber wie?

Im November 2011 erscheint “Kleine Biester”, der neue Kriminalroman von Rob Alef.

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Die Viererkette der Apokalypse »

Die Mannschaft stellt sich quasi von selbst auf. Zumindest im Manager-Spiel in der Classic-Variante. Dort stehe ich mit 177 Punkten auf Platz 11700 von 130000 und habe seit dem 10. Spieltag mehr als 20000 Plätze gut gemacht. Top-Scorer ist Kagawa gefolgt von Schwegler und Starke. Pinola hängt wegen seiner blöden Sperre bei 16 Punkten, Raul bei 11. Auch für schöne Tore gibt es nur drei Punkte. Nachdem Ballack erstmalig ins Geschehen eingreift, Starke wieder dabei ist und Idrissou sich mit Frontzeck ausgesöhnt hat, bin ich optimistisch, dass nach oben noch ein bißchen was geht. Die Oberen Zehntausend sind greifbar nah, vielleicht reicht es sogar zu Platz 7248, dann wäre ich im vorderen Achtzehntel, also quasi Erster.

Die Transferphase in der Interactive-Variante habe ich genutzt, die Verschwundenen, Fußlahmen und sonstigen Ausfälle zu ersetzen. Banovic (zu Duisburg), Bunjaku (bis Saisonende verletzt), Frantz (ominöse Frankfurter Verletzungsseuche am Bauchmuskel) und Jones (Magath) sind verkauft, dafür spielen jetzt Fuchs (Mainz), Vidal (Leverkusen), Sukuta-Pasu (St. Pauli) und Tiffert (Kaiserslautern). Mit Tiffert hatte ich mal eine ganz gruselige Saison, ich glaube nur noch Peter Peschel hat mir mehr Kummer bereitet. Fuchs hätte ich beinahe schon zu Saisonbeginn genommen, der hat mir schon bei Bochum immer sehr gut gefallen. Sukuta-Pasu werden wir jetzt öfter in der ersten Elf sehen, mit ihm schafft St. Pauli den Klassenerhalt. Vidal ist in Leverkusen der Kopf der Mannschaft, seine rabaukige Seite wandelt er in positive Zweikampfenergie. Eichner ist quasi mein fünfter Neuzugang, in Hoffenheim ausgemustert, in Köln auf dem Weg zum Stammspieler. Nachdem sich die Wechsel automatisch ergaben, bleiben mir Harnik, Gentner, Hunt und Fritz alle erhalten, quasi die Viererekette der Apokalypse. Vier Ypse, vier Gimmicks. Weil an diesem Wochenende Tiffert, Gündogan, Bugera und und Kagawa nicht dabei sein können, sind drei von den vieren sogar in der ersten Elf. Gentner und Harnik sind eigentlich keine Schlechten, Fritz spielt in der Chaosabwehr einigermaßen solide, nur Hunt enttäuscht bisher auf der ganzen Linie. Zusammen 81 Punkte, trotzdem nicht wirklich der Bringer.

Bei der Interactive-Variante ist ebenfalls Kagawa ganz vorne, gefolgt von Gekas und Schäfer, jeder über 100 Punkte. Das Team darf gerne noch ein bißchen über sich hinauswachsen. Platz 68700 von 210000 bedeutet zwar einen Platz im oberen Drittel, aber auch Helmes, Schäfer, Gündogan und Son können noch mehr, nach den guten Spielen vor dem Winter habe ich den FCK ein bißchen als Geheimtipp. Die Roten Teufel haben sich eingewöhnt, jetzt legen sie los.

Was zu der spannenden Frage führt, wer eigentlich absteigt. Nachdem Bremen und Wolfsburg ihre besten Stürmer verkauft haben, sind ihre Chancen auf Liga Zwei jedenfalls nicht kleiner geworden. Auch der VfB wird sich mit Dampfplauderer Bobic und Topmodel Labbadia sehr schwer tun. Alle anderen Mannschaften haben mehr Erfahrung im Abstiegskampf, mehr Gleichgewicht in der Mannschaft, mehr Biss als diese drei. Wäre natürlich blöd für den Dritten der Zweiten Liga, wenn sie ausgerechnet gegen so ein Schwergewicht spielen müßten – Paderborn gegen Wolfsburg in der Relegation, das wäre doch der Hit. Gladbach kriegt die Kurve noch. Die haben sich richtig gut verstärkt und irgendwann ist jede Verletzungsmisere einmal zu Ende.

Meister wird natürlich Mainz, Dortmund ganz bestimmt nicht, Leverkusen aus Prinzip nicht.

Heute Abend nicht meinen Live-Ticker auf Twitter verpassen: Vizekusen gegen Lüdenscheid, Ballack kommt in der 78. Minute und schießt das Sieg bringende 2-1 für die Gastgeber.

Saisonrückblick: Die Nachlese zum Nachlesen »

Bayern ist ein verdienter und würdiger Meister. Van Gaal holte Rensing aus dem Tor und machte auch danach fast alles richtig. Nebenbei bemerkt eine ähnliche Situation wie bei Klewer und Blazek bei Nürnberg nach dem Pokalgewinn. Damals überging Meyer die heimliche Nummer Eins Klewer und die Mannschaft fand nicht zusammen. Rensing durfte spielen, er patzte, er wurde abgelöst, und Butt konnte ohne Dauerkritiker allmählich zu einem sicheren Rückhalt werden.

Schalke ist wieder da. Spielerisch kann man noch einiges verbessern, 53 Tore sind schon ziemlich mager, 3-3 gegen Hamburg, 3-1 gegen Gladbach, 3-0 gegen Bochum und 4-1 in Frankfurt, sonst nie mehr als zwei Tore, davon sechsmal ohne eigenes Tor. Aber sie haben die CL ohne Pander und Jones erreicht, und ohne ein einziges Mal darüber zu jammern. Aber in Bremen wurde Magath ja auch nicht gleich Meister.

Bremen zeigt dem HSV wie man kaufmännisches Geschick mit sportlichem Erfolg verbindet. Am meisten erstaunt hat mich am Ende der couragierte Fritz. Man konnte sehen, warum er einst Nationalspieler war. Und natürlich spielten sie phasenweise wieder am schönsten. Hoffen wir, dass Özil seine Sinnkrise endgültig abgeschlossen hat, im Pokal-Finale brilliert und bei der WM konstant spielt. Einen wie ihn könnten die Schalker übrigens gut brauchen, Magath hätte ihn wohl für unverkäuflich erklärt.

Bayer Leverkusen verabschiedet heute Abend den genialen Bernd Schneider. Er ist einer von hundert Gründen, warum das Gerede von der Retortenmannschaft endlich verschwunden ist. Wie bei Schalke wurde auch hier erfolgreich ein Stabilisierungsprozess eingeleitet. Ich sage jetzt nicht, dass Bayer demnächt Meister wird, aber diese Mannschaft hat noch gewaltig Luft nach oben – und einen Trainer, der zu ihr paßt.

Borussia Dortmund, auch die ein echter Aufsteiger. Klopps Vertrauen in die Jugend zahlt sich aus. Zorc hatte einen Lauf bei seinen Transfers, an erster Stelle Barrios. Wenn Kehl noch einmal ganz gesund wird, kann es auch für mehr reichen. Schade, dass der Defensivstratege nie mehr richtig wieder auf die Beine gekommen ist.

Der VfB Stuttgart im Jahr eins nach Gomez kann zufrieden sein. Sie hätten auch unter Gross nicht zwei solche Halbserien gespielt, niemand macht das, Leverkusen, die Ungeschlagenen lange Zeit, auch nicht. Aber auch hier frage ich mich, ob das schon das Ende der Fahnenstange ist. Der VfB produziert reihenweise Nachwuchstalente, Gross ist ein umsichtiger Mann und Heldt hat in seinen jungen Jahren schon viel erreicht als Manager. Neben Stuttgart sehe ich oben auch Schalke und Leverkusen als die Mannschaften, die ihr Potenzial optimal ausschöpften, Bremen blieb dahinter zurück, Bayern und Dortmund spielten über dem Limit.

Der HSV ist neben den Absteigern sicherlich der größte Verlierer der Saison. Im kicker habe ich im Abschiedstext zu Bernd Schneider gerade gelesen, dass Labbadia ihn letztes Jahr im Pokalfinale neunzig Minuten hat schmoren lassen. Das ist extrem instinktlos und ein weiteres Indiz dafür, dass dem großen Motivator Labbadia ein Sinn für Spielerseelen fehlt, den selbst Leute wie Weisweiler, Happel und Magath haben/hatten, die nicht unbedingt Kumpeltypen sind/waren. Die Meisterschaft war illusorisch, aber wie Europa League und Pokal abgeschenkt wurden, war schon extrem arm. Daran konnte auch Ausnahmespieler van Niestelrooy nichts ändern.

Wolfsburg hat die Meisterschaft erstaunlich gut verkraftet. Was auch an der mutigen Entscheidung lag, Köstner zum Chef zu machen. Es war kein Glanz auf dieser Saison, Dzeko war zu sehr Einzelkämpfer. Dadurch dass mit Leverkusen, Schalke und Dortmund gleich drei Hinterbänkler durchstarteten, war Europa zu weit weg.

Mainz hat eine überragende Saison gespielt. Van Gaal hin, Magath her, Thomas Tuchel ist Trainer der Jahres. Als Neuling mit einem Aufsteiger taktisch so ausgefuchst zu agieren, Favoriten zu Hause reihenweise aufs Kreuz zu legen und dann noch ahnsehnlichen Fußball mit Herz und Hirn zu spielen, ist sensationell. Eine echte Bereicherung, alles andere als ein niedlicher Exot, dieser Karnevalsverein.

Eintracht Frankfurt unter Skibbe hat sich ebenfalls erstaunlich entwickelt. Rein punktemäßig war es nicht viel besser als in den letzten Jahren, aber es sieht schon anders aus. Besonders gefallen hat mir Köhler, solche Haken hat in der Liga zuletzt Mehmet Scholl geschlagen. Ohne Verletztenseuche könnten es demnächst sogar 47 Punkte oder mehr werden.

Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das Schwerste, so auch für Hoffenheim. Allerdings kämpfte die TSG von Anfang an gegen die irrsinnigen Erwartungen. Ibisevic erzielte nach seinem Kreuzbandriß 12 Tore und wird jetzt mehr oder weniger als Versager abgestempelt. In der Hinrunde war Hoffenheim Siebter. Ich hoffe, Rangnick kriegt die Kurve und kann in Ruhe weiterarbeiten.

Gladbach, noch ein Gewinner der Saison. Endlich ein Trainer, der paßt, endlich spielen sie ab und zu wenigstens schönen Fußball. Eine No-Name-Truppe hat einem großen Verein eine Menge Anerkennung zurück gebracht. Und Dante hat bei mir schon wegen seiner Frisur einen Stein im Brett. Schade, dass Neuville so wenig spielen konnte. Löw würde sagen: In unserem Frisurenprofil ergänzt er sich nicht optimal mit Dante.

Köln im ersten Jahr nach Daum und im ersten Jahr mit Podolski durchwachsen, also im Rahmen seiner Möglichkeiten. Auch hier eine Riesenkluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Köln ist immer noch eine potenzielle Fahrstuhlmannschaft, es wird noch ein Weilchen dauern, bis der ambitonierte Präsident Overath zufrieden ist. Dass Soldo ein Jahr Klüngel überstanden hat, ohne geistig Schaden zu nehmen, spricht für ihn.

Freiburg behält die Nerven, behält den Trainer und hält die Liga. Für keinen waren die Fußstapfen des Vorgängers so groß wie für Robin Dutt, er hat die Herausforderung bestanden. Dieses Freiburger Team ist noch keine Kultmannschaft wie das große Team mit Cardoso, Heinrich, Schmadtke, noch keine Breisgau-Brasilianer. Sie werden immer gegen den Abstieg spielen, und ab und zu einen Etablierten hinter sich lassen.

Hannover: Ende gut, aber nicht alles gut. Der Tod von Robert Enke bleibt die große Katatrophe dieser Spielzeit. Rechtzeitig kehrten Kampfgeist und Spielfreude zurück, es freut mich, dass 96 der Gang in die Zweite Liga erspart bleibt. Auch für Slomka, der auf Schalke unter Wert verabschiedet wurde. Wenn Hanke so weiter trifft, waren die letzten beiden Spiele der Auftakt zu einer wunderbaren neuen Saison.

Der Club macht es wieder einmal spannend. Sollte die Relegation erfolgreich sein, könnte man das sportliche Modell perfektionieren. 10 Leihspieler, 10 Juniorennationalspieler, Schäfer, Wolf, Pinola, fertig ist der Klassenerhalt. Bader hat gezockt und bis jetzt noch nicht verloren, aber nächstes Jahr bitteschön vielleicht noch ein paar mehr Spieler jenseits der 25 mit mehrjährigen Verträgen. Und eine faire Chance für Mintal.

Auf Wiedersehen, VfL Bochum. Selbst die vier Trainer, selbst das 1-0 in Nürnberg hat nicht gereicht. Wer im Endspiel zu Hause so auftritt, der muss sich mindestens ein Jahr lang im Stahlbad Zweite Liga regenerieren. Vielleicht hätte man Koller nicht feuern sollen, was hilft es dem gemeinen Fan, dass Wosz Kult ist und die letzten beiden Spiele so ausgehen.

Last and least – der Problembär aus Berlin. Nicht Hoeneß, sondern Gegenbauer ist der Verantwortliche für das Desaster. Und angesichts der Tatsache, dass es keinerlei Opposition gegen ihn gibt, ist auch in Liga Zwei wenig Gutes zu erwarten. Es war klar, dass nach der Überfliegersaison ein Krisenjahr kommt. Und anstatt den erfahrenen Krisenmanager Hoeneß in Würde zu verabschieden, legt man das Schicksal in die Hände eines Trainers, der das Team gerade mal zwei Jahre betreut hatte. Und der arme Preetz – sympathisch, unerfahren, überfordert – wußte nicht, wie ihm geschieht.

Auch der HSV ist jetzt ein Depp »

Letztes Jahr war es noch eine Papierkugel, dieses Jahr gab es keine Ausreden mehr. Irgendwie freut mich das für Labbadia. Es war alles so einfach: Erreicht die Mannschaft nicht mehr – Tischtuch zerschnitten – Entlassung alternativlos, und dann bitteschön, hopphopp, Finaleinzug. Gestern gaben die Spieler trotz optimaler und einfühlsamer Ansprache durch den fußballbesessenen Moniz ihre gute Ausgangssituation binnen fünf Minuten aus der Hand.

Schade, dass der Sky-Moderator seinen Experten Stefan Effenberg nicht fragte, wie das so ist, gegen ein englisches Team plötzlich alles zu verlieren. Fulham brauchte immerhin doppelt so lange wie Manchester, und wieder einmal zeigte sich, dass es nicht immer sinnvoll ist, auf Defensive zu setzen, um einen Vorsprung nach Hause zu bringen. Wenn Guerrero beim Stand von 1-0 gekommen wäre, wie wäre es dann wohl weitergegangen? Der HSV spielte seine beiden Konterchancen vor dem 1-1 fahrig und fahrlässig zu Ende, das machte den Unterschied zu den Bayern vom Dienstag, die das 2-0 genauso wichtig nahmen wie das 1-0.

Was passiert jetzt mit den mehrfach Gescheiterten? Will Löw sich diesen HSV wirklich antun? Wird Hoffmann weggeputscht? Was sagen Seeler und Barbarez? Und wie will man sich der runerneuerten, bärenstarken Konkurrenz vom Millerntor erwehren? Der Bundesliga-Dino hat sich bis auf die Knochen blamiert. Schade, schade.

Und jetzt alle auf Labbadia »

Angeblich lag es ja am Jungtrainer, dass es mit Leverkusen letzte Saison zum Schluß bergab ging. Dass Bayer jetzt wieder drauf und dran ist, alles zu verspielen, wird nun aber nicht Heynckes angelastet, sondern mit den besonderen Befindlichkeiten im Verein begründet. Außerdem verlieren sie ja immerzu besonders schön, ästhetisch wertvoll.

Wahrscheinlich hat Labbadia ja eine Schwäche für die unerfolgreichen, die ewigen Vierten, Zweiten, Halbfinalisten, weshalb hätte er sich sonst Fürth, Leverkusen und den HSV in Reihe ausgesucht. Der HSV hat von allen Vereinen in dieser Saison das größte Verletzungspech gehabt und vielleicht ist die HSV-Krise in Wahrheit nur eine Petric/Ze Roberto-Krise. Wenn die beiden in Normalform sind, brummt der Laden wieder, wie in Lüttich. Chillen in der Hölle des Nordens. Dass Labbadia jetzt wieder das Halbfinale erreicht hat, ist jedenfalls kein Scheitern, und bisher hat der HSV in allen Auswärtsrückspielen recht gut ausgesehen. Bernd Hoffmann muss sich fragen, ob es schlau war, den Neuling gleich als Manager zu installieren. Andererseits ist der Coup mit Siegenthaler fast so gut wie der mit van Niestelrooy. Die lange Suche scheint sich gelohnt zu haben. Was dem HSV fehlt ist Kontinuität. Insofern spricht einiges dafür, mit Labbadia weiter zu machen. Dass Spieler gehen, weil sie dem Trainer nicht (mehr) passen, ist nichts Besonderes, das war bei Ferguson und van Niestelrooy nicht anders. Dann muss sich Trochowski eben beruflich verändern. Warum der HSV Boateng so locker ziehen ließ, verstehe ich wiederum gar nicht. Der hätte auch sehr gut das Gesicht des neuen HSV werden können, und für solche Verteidiger sollte man finanziell auch mal an die Schmerzgrenze gehen. Geld ist ja genug da.

Dreimal 2-1 »

Seit Jahren wollte ich diesen Kalauer schon mal machen, jetzt ist mir gestern Hansi Küpper auf Sat 1 zuvorgekommen: Standard Lüttich heißt so, weil sie bei Standardsituationen so gefährlich sind. Und nicht nur bei Standardsituationen. Dieser Lupfer-mit-Kopfball kurz vor Schluß wäre ein Tor wert gewesen. Das Rückspiel wird eine ganz heiße Nummer, wobei der HSV reichlich kassieren kann, s0 lange er nur reichlich trifft. Eine knappe 4-3 Niederlage und alle wären zufrieden. Außer vielleicht Bruno Labbadia, der sich ärgert, dass sein Team nach neun Monaten nicht spielt wie Barca, Inter und Arsenal zusammen.

Wolfsburg hat kurz vor knapp das kostbare Auswärtstor geschafft, wieder einmal war es Madlung. Der sieht zwar aus wie ein Grobmotoriker, wird aber chronisch unterschätzt, sogar von Magath, dem Talenteversteher, Juniorenentdecker, Hirnhexer. Angeblich sind englische Teams ja auswärts viel schwächer, aber die chronisch löchrige Abwehr der Wolfsburger wird eine Sternstunde brauchen. Einfacher noch, Dzeko schießt vier Tore, das könnte reichen.

Die Bayern haben mal wieder Revanche genommen für 1999. Wie beim Audi-Cup vergangenen Sommer. Ein Sieg für die Scheck Geschichtsbücher. Und im Rückspiel ManU ohne Rooney, Bayern ohne Rensing, es wird ganz eng. Warum Olic immer draußen sitzt, ist ein Rätsel, er war in Turin der entscheidende Mann, am Dienstag war er es wieder. Ob es da eine Stallorder gibt, Klose und Gomez spielen zu lassen. Von Löw?

Die europäischen Spiele sind spannend wie lange nicht, und die Europa League (warum nicht European Liga, das klingt doch viel internationaler) hat eine gute erste Saison. Platinis Reform hat gewirkt.

Überraschungseier! Wir brauchen Überraschungseier! »

Die Wirklichkeitsüberprüfung des Tipps vom Freitag ergibt sechs Richtige, jedenfalls von der Tendenz her.

Bayern-Bremen 1-1 statt 2-2. Werder holt tatsächlich den erhofften Punkt, aber die Hitze machte die Teams schläfrig. Frings war gut, Wiese stark, Bayern auch mit Ribery einfallslos. Das nächste Sturmduo heißt Gomez und Olic.

Stuttgart-Freiburg 4-2 statt 3-1. Beide Mannschaften beflügelt in der zweiten Halbzeit. Freiburg leichtfüßig, der junge Torwart Salz leichtfertig. Auf der anderen Seite Lehmann mit wieder zwei Gegentoren, ein überragender Elson und ein Tor von Pogrebnyak.

HSV – Dortmund 4-1 statt 2-2. Selbst schuld, wer auf Dortmund hofft. Das 1-0 gegen Köln war offenbar mehr Dusel als angenommen. Der HSV hat zumindest einen Trainer gefunden, der gut zur Corporate Identity passt. Mit Ze Roberto hat er den Coup dieser Transferperiode gelandet.

Leverkusen – Hoffenheim 1-0 statt 2-2. Die Handschrift von Heynckes ist zu erkennen, der älteste Coach der Liga paßt gut für die jungen Hüpfer, Kießling pirscht sich an die Länderspielform heran, Rolfes ist wieder fit. Hoffenheim wird keine Überfliegerhinrunde spielen, trotzdem wieder eine gute Leistung. Jetzt gegen Schalke. Hat Hoffenheim den härtesten Auftakt aller Mannschaften?

Hannover – Mainz 1-1 statt 1-0. Stajner macht tatsächlich ein Stürmertor, aber nicht aus dem Spiel heraus. Und tapfere Mainzer holen verdient einen Punkt. Bayern muss sich warm anziehen nächste Woche am Bruchweg, das wird schwerer als gegen Hoffenheim und Bremen.

Frankfurt – Nürnberg 1-1. Volltreffer. Der Club hatte am Schluß mehr zuzulegen und der spielintelligente Bunjaku ist ein echter Gewinn, jetzt, da er fit ist. Gegen Hannover er und Dirty Charry in der Startelf? Frankfurt mit vielen Chancen, aber zu unkonzentriert.

Köln – Wolfsburg 1-3 statt 0-3. Der Meister zieht unbeirrt seine Bahn. Wenn das magische Dreieck nicht trifft, sind es eben andere. Köln mit zwei undankbaren Niederlagen tut gut daran, Podolski nicht zum Alleinretter hochzustilisieren.

Gladbach – Hertha 2-1 statt 2-0. Kacar trifft im Gegenzug, aber Gladbach behält die Nerven und drei Punkte. Gute Verstärkungen, gute Stimmung, trotz des Weggangs von Marin und Baumjohann spielt Gladbach offensiv. Hertha sucht ohne die großen Drei – Simunic, Voronin, Pantelic – noch seine innere Mitte und hat Sehnsucht nach dem Olympiastadion.

Schalke – Bochum 3-0 statt 4-0. Bochum als einzige Mannschaft torlos am Wochenende. Magath baut aus den Querpassexperten eine offensiv agierende Truppe. Farfan immer stärker, übrigens ein Müller-Transfer.

Diagonal – Vertikal – DFB-Pokal »

Heute Abend wird es wieder richtig spannend: Verliert Leverkusen schon gegen Mainz oder erst in Berlin? Ich bin ein wenig unzufrieden mit dieser blutjungen, mitreißenden Mannschaft und ihrer blutjungen, mitreißenden Nierlagenserie. Jedes Mal, wenn ein Leverkusener Spieler im Interview sinngemäß sagt: Wir können um die Meisterschaft mitspielen, ist der Absturz beschlossene Sache. Selbst schuld, könnte man da sagen. Selbst schuld, wer einen Trainer aus Fürth verpflichtet, wo Vierter werden Nationalsport ist. Fliegt Bayer heute raus, dann sind sie quasi auch wieder Vierter und die alte fränkische Fußballweisheit kommt zu ihrem Recht: Lieber Fünfter als Fürther.

Mainz tritt auf der Stelle in der Liga, was die Fürther Hoffnungen auf Platz drei nährt. Es wird ihnen bestimmt entgegen kommen, dass sie heute nicht das Spiel machen müssen, sondern einfach einen prächtigen Fight abliefern können. Und mit 10000 fanatisierten Fans in der Düsseldorfer Armageddon-Arena ist alles möglich. Käme Mainz ins Endspiel, wäre Andersen in seinem ersten Jahr erfolgreicher als Klopp. Kann man das so sagen? Pokalfinale vs. Aufstieg? Wahrscheinlich nicht. Aber Andersen hat trotzdem eine tolle erste Saison. Und Mainz wäre in der Europaliga dabei, wenn der Finalgegner HSV hieße.

Oben schlägt unten – UEFA heißt jetzt Fischcup »

Alle Mannschaften der ersten Tabellenhälfte bis auf Hoffenheim und Leverkusen haben an diesem Wochenende gewonnen. Rangnicks und Labbadias Spieler werden sich die Champions-League-Radieschen von unten ansehen müssen. Leverkusen verlor gegen den weiterhin entschlossen, wenn auch nicht überzeugend spielendenTabellenführer (knackt Grafite die 30 Tore noch?), Frankfurt verschaffte sich Luft gegen Gladbach. Ansonsten im Duell oben gegen unten nur Siege der Mannschaften, die oben stehen. Unglaublich, dieser Luca Toni. Aber das zeichnet ihn aus, dass er gegen eine Weltklassemannschaft wie Bielefeld jederzeit sein Tor machen kann. Am nächsten Wochenende geht es nach den dankbaren Gegnern Eintracht und Arminia für die Bayern wieder zur Sache. Ich hoffe, die Schalker stürmen in München, und Kuranyi macht gegen seinen Lieblingstrainer sein bestes Saisonspiel. Die Königsblauen haben nichts zu verlieren, so lange alle anderen gewinnen. Hertha könnte in Hoffenheim ins Meisterrennen zurückkehren, Dortmund den dauergestressten HSV stoppen, und Cottbus die Wolfsburger niederringen. Dann hieße der heimliche Sieger Stuttgart, das immer besser in Fahrt kommt. Nebenbei: Jürgen Klopp schafft es wirklich, seine Spieler besser zu machen. Valdez hat jetzt schon sechs Tore, das ist ein Quantensprung.

Der UEFA-Cup am Donnerstag war richtig prima. Manchester City spielte mit Leidenschaft und war in beiden Partien ein ansehnlicher Gegner. Der Unterschied war, dass er HSV im Moment immer in der Lage ist, ein Tor zu machen und dass Rost (ähnlich wie Lehmann in Stuttgart) als alter Sack der entscheidende Rückhalt in den engen Spielen ist. Diesen Erfahrungsvorteil hat bei den Feldspielern nur der Sechser (Frings, Soldo, Galasek), der das Spiel lesen kann.

Bremen kam in Udine zurück, im UEFA-Cup zeigt sich, wie die Mannschaft durch die permanenten Nasenstüber in der CL an Statur gewonnen hat. Ich sehe den HSV wegen des Rückspiels zuhause leicht im Vorteil, allerdings sollte der Bremer Auftritt gegen Hertha kein Maßstab sein. Die zweite Halbzeit war fade und halbherzig, und wir alle wissen, dass dieses sich Schonen für die wichtigen Spiele auch nach hinten losgehen kann. Berlin gewann verdient und mit zwei schönen Toren, die nicht von Voronin und Pantelic erzielt wurden. Wieder ein Sieg für Favre in der internen Hackordnung, die anima candida im Berliner Irrenhaus.

Es ist alles wahnsinnig eng. Nehmen wir an, die ersten drei verlieren am kommenden Wochenende und Stuttgart und Hertha gewinnen, dann sind es zwischen eins und fünf gerade mal drei Punkte. Ein Wimpernschlag, ein Schluckauf, kann die Meisterschaft entscheiden.

Noch enger geht es in der zweiten Liga zu. Nürnberg ist auf Platz zwei, aber Platz fünf ist nur ein Unentschieden weit weg. Und am 10. Mai ist das Derby gegen Fürth, die sich in Wehen ins Aufstiegsrennen zurückgezittert haben.