Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Was für eine Kriminacht »

Zum Schluß dreimal Verlängerung und zweimal Elfmeterschießen, das war wirklich eine packende Pokalrunde. Dortmund scheiterte am stärksten drittklassigen Team, das noch übrig war. Offenbach ist am Bieberer Berg im KO-Spiel eine richtig harte Nuss. Und am Ende waren es die Nerven von Barrios. Ob es eine gute Idee war, Helmes im anderen Elfmeterschießen gleich noch einmal schießen zu lassen, möchte ich bezweifeln. Dann muss eben ein anderer Spieler ran, sind ja elf. Keine gute Woche für den Geheimfavoriten Leverkusen. Harnik garantierte Stuttgart das Weiterkommen, erfreulicherweise gehört der von Gross ignorierte Knipser zu meinem Interactive-Kader, vielleicht geht ja auch endlich in der Liga was bei ihm. Cottbus und Aachen kämpfen zwei Erstligisten nieder, auch das Spiel Eintracht – HSV war bemerkenswert. Der HSV immerzu hui und pfui, das reicht nicht für Titel. Frankfurt auf dem Weg ins Endspiel? Auch 2007 spielten sie gut, scheiterten dann im grandiosen Halbfinale von Nürnberg. Mittlerweile wirken sie gefestigter, die Rückkehr von Chris macht aus der launischen Diva eine ganz andere Mannschaft. Der Club konnte nach dem Auftakt gegen Pokalschreck Nummer Eins, Eintracht Trier, glanzlos und solide gewinnen. Mir wäre ein Achtelfinale in Cottbus am liebsten, dann könnte ich hinfahren und es würde bestimmt ein richtig schöner Fight werden.

Auch am Dienstag war es spannend. Die Bremer scheiterten trotz des nicht gegebenen Tors vor allem an ihrer Chancenauswertung, wobei Arnautovics Lattentreffer nicht besser oder schlechter geschossen war als Schweinsteigers 2-1. Der ehemalige Schweini ist der entscheidende Mann im Moment. Beim Auftaktsieg gegen Wolfsburg, im Pokal und in der Liga. Mal abwarten, ob dieser Sieg die Wende bringt. Freiburg verlor unglücklich und kann in München zumindest einen Punkt holen. Zwölf Punkte sind schon eine Menge Holz, und es sind nicht nur die Verletzten. Lahm, Badstuber, Olic sind alle nicht so gut wie in der Vorsaison. Butt tauchte vor Prödls Tor unter dem Ball durch. Schalke spielte aus voller Überzeugung dröge und fad und wurde damit seiner Favoritenrolle gerecht.

Dass Hertha wieder rausgeflogen ist, kann eigentlich nicht überraschen, das Tor von Koblenz zum 1-0 war trotzdem sehenswert. Wenn man die Ergebnisse der Zweitligisten betrachtet, dann wird es bis zum Winter dort sehr eng werden. Duisburg und Augsburg kommen langsam in Fahrt, Cottbus beißt sich rein, selbst die mies gestarteten Aachener könnten noch nach oben kommen. Jetzt wird sich zeigen, ob Hertha die Nerven behält. Und in Fürth weinten die Playmobil-Männchen, das kann sonst nur Baby Born.

Effizienzbestie schlägt Angstgegner »

Letztes Jahr hatte Nürnberg eine Chancenverwertungsquote von 19 Prozent, letzter Platz. Für zwei Tore in einem Spiel hätten das elf Chancen sein müssen, gestern reichten genau diese zwei Chancen für ein 2-0 bei DEM Pokalschreck überhaupt, Eintracht Trier. Rot-Weiß-Oberhausen geriet in Hamburg unter die Reeder, der Club trotzte den Promikillern an der Mosel und sieht jetzt den erschreckend gut aufgelegten Gladbachern entgegen.

Man trifft sich immer zweimal »

In der Saison und auch sonst im Leben. Hertha blieb 2004  nur oben, weil der unglückliche Francis Kioyo von 1860 München am vorletzten Spieltag einen Elfmeter gegen die Berliner verschoß. Diesmal war es der ehemalige Hertha-Torhüter Kiraly (von Falko Götz durch Fiedler ersetzt), der Hertha eine weitere bittere Erfahrung bescherte. 4-1 hieß es im Elfmeterschießen für die Löwen, als nächstes ist Hoffenheim dran, die Berliner zu rupfen. Rangnicks Team gewann gegen viel zu unentschlossene Nürnberger. Ich freue mich über jeden Club-Sieg, es wird im Verlauf der Saison aber kein Schaden sein, nur in der Liga zu spielen. Abstiegskonkurrent Köln erledigte verdient den Deutschen Meister Wolfsburg, Podolski wächst immer mehr in eine Zidane-Rolle hinein: Vorbereiter, Kämpfer, Stratege und dank seiner 60something Länderspiele mit einer bemerkenswerten Ausstrahlung. Unterklassige Vereine kegelten mit dem HSV, Freiburg, Leverkusen, Gladbach vier weitere Erstligisten raus. Die vier Sieger – Augsburg, Duisburg, Osnabrück und vor allem Kaiserslautern – sind alle für weitere Überraschungen gut. Nach den bisherigen Leistungen läuft alles auf ein Endspiel Bayern – Trier hinaus. Aber auch die Fürther sollte man nicht unterschätzen. Wer zweimal so kurz vor Schluß gewinnt, ist zu allem fähig.

Die Stunde der Außenseiter »

Irre ich mich, oder gibt diese Pokalrunde mehr Hoffnung denn seit langem, dass die Außenseiter mal wieder so richtig abräumen?

Gleich am Dienstag erwartet der Pokalschreck aller Schrecken, Trier, die aufstrebende Arminia aus Bielefeld, die sich nach dem Ausflug an die Mosel wohl auf den Aufstiegskampf wird konzentrieren dürfen. Die neu aufgestellten Karlsruher begrüßen die vor sich hin dümpelnden Dortmunder, die mit den Gedanken schon beim Derby gegen Schalke sind. Und sollte es der gerüchteweise existierenden Offensivabteilung des 1. FC Nürnberg gelingen, Tore durch Osmose herzustellen, dürfte auch Hoffenheim mit leeren Händen aus Franken zurück kehren.

Am Mittwoch trifft Hertha in seinem Lieblingswettbewerb auf den lettischen Vertreter Achtzehnhundertsechzeikis Münchenis. Und wieder droht ein blaues Wunder. Die zu Hause wackeligen Bremer empfangen St. Pauli, die endlich wieder einmal nicht das Spiel zu machen brauchen und auf pfeilschnelle Konter lauern könne. Osnabrück, das Pokalbermudadreieck des Nordens, setzt an, den HSV zu verschlingen, Kaiserslautern lauert auf Leverkusener Laxheiten, Köln macht sich berechtigte Hoffnungen auf einen Coup gegen Wolfsburg, und ganz zum Schluß gibt es da noch den Lübecker Zentralfriedhof mit einem schmucken neuen Stein, drauf geschrieben steht: Stuttgart. Denn der VfB ist dem VfB sein VfB.  Es ist angerichtet.

Pokalt erwischt »

Mainz mit seinen zahllosen Verletzten und Hannover mit seiner letalen Auswärtslethargie heißen die ersten beiden prominenten Opfer im DFB-Pokal. Bei dem arrivierten Pokalschreck Trier konnte man fast darauf wetten, dass es auch Lübeck gelingt, ist die größere Überraschung. Beinahe zum Opfer der eigenen Behäbigkeit wurden Fürth, 1860 München, Bochum und wieder einmal Hertha, gegen die Preußen Münster mutig aufspielte. Den höchsten Sieg feierte Bremen gegen Union, die ihr neues Schmuckkästchen erst einspielen müssen. Das Seuchenjahr von Werder mit dem DFB-Pokal als Trostpflaster ist damit wohl vorbei, der verlorene Sohn Borowski hat seine Münchner Eskapade beendet. Mit den Grünen ist zu rechnen. Ähnlich souverän gingen Wolfsburg und Schalke zu Werke.

Überrascht hat mich der Sieg der Lauterer in Braunschweig, gilt das Eintracht Stadion doch quasi als ein tiefer gelegter Betzenberg, niedersächsisch eben. Eine gute Maßnahme gegen das große Nervenflattern in der Pfalz, dieses verdient erkämpfte 1-0. Ebenso überrascht war ich vom klaren 3-0 der Frankfurter im Derby gegen Offenbach. Blogleser Nordkurve muss seine pessimistische Skibbe-Einschätzung zur Eintracht möglicherweise revidieren.

Allererste Sahne war natürlich das 3-0 der Clubberer in Dresden, wobei sowohl die Null als auch die drei (kein Stürmertor) nicht zu erwarten waren . Ich kann mich nicht erinnern, wann der Club zwei Auswärtspflichtspiele in Serie 3-0 gewonnen hat. Erst in Cottbus in der Relegation, jetzt kühl bis ins Mark, technisch und taktisch ausgereift bei Dynamo, die ihr neues Stadion auch noch einspielen müssen. Die erste Halbzeit sah ich auf Sky bei einer nahen Verwandten. In der Pause wurde die Übertragung abgestellt, “Ihre SIM-Karte ist nicht für dieses Angebot legitimiert”. Nach dem Umweg durch die sprachgesteuerte Hotline erklärte die freundliche Sky-Mitarbeiterin, Pokal gebe es nur im Sport-Paket, nicht im Bundesliga-Paket. Warum wir eine Halbzeit mit Kluges und Mintals ersten Saisontoren sehen konnten, wußte sie nicht, ich nehme das als gutes Omen für eine Saison, in der alles möglich ist.

Bei Bayern stabilisieren sich die Leistungsträger allmählich. Gomez hat offensichtlich einen Lauf, trifft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Neckarelz beinahe nach Belieben. Rensing greift schon wieder nach den Sternen und läßt sich weder durch Lapsus noch Läpschen beirren. Ich verstehe nicht, dass die Bayern ihre Abwehr so vernachlässigen. Lucios Weggang ist mit Sicherheit eine Schwächung, dazu muss man nicht Kaiser sein. Und international ist mit Butt/Rensing kein Blumentopf zu gewinnen. Hildebrand wäre frei gewesen im Winter, aber Hoffenheim war schneller. Ich vermute, die Bayern langen beim Torwart noch einmal hin, Ribery im Tausch für Casillas vielleicht oder Lell, Ottl, Breno, Demichelis, Sosa und Schweinsteiger für Enke.