Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


Meine Bundesliga-Saison-Bilanz 2015/16 »

Am 14. August 2015 habe ich an dieser Stelle eine Saisonprognose abgegeben. Bevor nun alle darüber diskutieren, ob Poldi und Schweini zusammen so viele Spielminuten auf dem Platz stehen werden wie Sané alleine, hier noch schnell die Qualitätskontrolle.

Prognose: Platz 1 Borussia Mönchengladbach, weil Fohlenflüsterer Lucien Favre die richtigen Worte findet, und Traoré und Hazard alle an die Wand spielen.

Ergebnis: Platz 4. Nach einer wilden Saison darf André Schubert weiter flüstern und wird wohl auch für Christoph Kramer die richtigen Worte finden, damit es in der Champions League länger geht als bis zur Vorrunde.
Abweichung: 3 Plätze

Prognose: Platz 2 Schalke 04, weil sie mit André Breitenreider endlich den Taktikfuchs mit proletarischer Street Credibility haben, den sie brauchen.

Ergebnis: Platz 5. Mit Jens Keller zweimal in der Champions League, mit ohne Keller zweimal nicht, Heldt laß nach. Breitenreider war zu cholerisch für dieses Minen(um)feld. Trotzdem hat sich Königsblau einen Teil des verspielten Respekts zurückerarbeitet.
Abweichung: 1 Platz

Prognose: Platz 3  Borussia Dortmund, weil Thomas Tuchel ein verflucht guter Trainer ist, und Mikidingsbums die Saison seines Lebens spielt.

Ergebnis: Platz 2. In der Analyse richtig, dass sich der BVB gleich auf Platz zwei emporschwingt, war zu viel des Guten. Ein wenig Empathietraining könnte Tuchel nicht schaden. Kleines dickes Hitchcock sagte, Schauspieler seien wie Vieh, aber der war ja auch kein Konzepttrainer.
Abweichung: 1 Platz

Prognose: Platz 4 FSV Mainz 05, weil der Verein exzellent geführt ist, und viele Nobodys manchmal ein Spitzenteam ergeben.

Ergebnis: Platz 6. Mainz war lange mit dabei im Schneckenrennen um Platz 4, aber dann fehlte die Kaltschnäuzigkeit für ganz oben. Der Sieg in München war taktisch, ästhetisch und ethisch einer der Höhepunkte der Spielzeit.
Abweichung: 2 Plätze

Prognose: Platz 5 VfL Wolfsburg, weil die Mehrbelastung auf dem langen Weg nach Mailand den Sprit knapp werden läßt.

Ergebnis: Platz 8. Eine der Enttäuschungen der Saison. Zweimal – nach der Halbzeitführung von 0-1 in München am 6. Spieltag, und nach dem 2-0 im Hinspiel gegen Real Madrid – gab die Mannschaft eine exzellente Ausgangsposition ziemlich apathisch aus der Hand. Ist da die Handschrift des Trainers zu erkennen?
Abweichung: 3 Plätze

Prognose: Platz 6 Bayer Leverkusen, weil es nach dem guten ersten Jahr unter Roger Schmidt langsamer vorangeht auf dem Weg nach oben.

Ergebnis: Platz 3. Von wegen langsamer voran. Dank eines konsequenten Schlußspurts konsolidierte sich Bayer auf höchstem Niveau. Die Mannschaft spielt oft schön, kann aber auch gallig. Und Rauschebart Kießling bleibt der große alte Mann des Offensivzweikampfs . Abweichung: 3 Plätze

Prognose: Platz 7 Hertha BSC Berlin, weil Dardai der richtige Mann ist, und Kalou mindestens 20 Tore schießt.

Ergebnis: Platz 7. Der einzige Volltreffer, auch wenn Kalou nur 14 Tore schaffte. Dardai war manchmal bestimmt so sauer wie Tuchel, fand aber liebevollere Worte für seine Schützlinge, die mit Platz 3 in der neuen Saison überfordert gewesen wären.
Abweichung: Entfällt.

Prognose: Platz 8 VfB Stuttgart, weil Zorniger die neuen jungen Wilden formt, und es diesmal kaum Verletzungssorgen gibt.

Ergebnis: Platz 17. Zorniger wurde bald immer trauriger. War der Sprung vom Ex-Drittligisten Leipzig zu groß für ihn oder waren die Rahmenbedingungen zu chaotisch? Auch Kramny brachte keine Kontrolle mehr aufs Spielfeld, es folgte ein Absturz ins Bodenlose.
Abweichung: 9 Plätze

Prognose: Platz 9 1899 Hoffenheim, weil es nach guter Hinrunde in der Rückrunde keinen Totalabsturz gibt.

Ergebnis: Platz 15. Nach der Hinrunde mit 13 Punkten Letzter, kriegte die TSG unter Nagelsmann mit 24 Punkten in der Rückrunde (Platz 7) gerade noch so die Kurve. Die Magie der ersten Bundesligasaison unter Rangnick ist lange weg, dafür wird jetzt authentisch malocht.
Abweichung: 6 Plätze

Prognose: Platz 10 1. FC Köln, weil sie sich so unauffällig konsolidieren, dass ich sie in der ersten Version glatt vergessen hatte.

Ergebnis: Platz 9. Stöger und Schmadtke, der Wiener und der Düsseldorfer zeigen in Köln, dass Integration gelingen kann. 13 Unentschieden erzeugten keine Schreie der Entzückung, die Saison ohne Abstiegssorgen durchaus.
Abweichung: 1 Platz

Prognose: Platz 11 Eintracht Frankfurt, weil Veh keine gute Fee ist, die einem einfach drei Wünsche erfüllt, auch nicht Platz, 4, Platz 5 oder Platz 6.

Ergebnis: Platz 16. Dank Robert Kovac wurde diese Saison des Grauens nicht gegen die Wand gefahren. Als Tabellenletzter in der Auswärtstabelle rettete sich die Eintracht durch das Auswärtstor in Nürnberg. Geschichten, die nur der Fußball schreibt.
Abweichung: 5 Plätze

Prognose: Platz 12 Werder Bremen, weil die Mannschaft Zeit braucht, um sich zu finden.

Ergebnis: Platz 13. Wie es Skripnik gelungen ist, den Wonneproppen Junuzovic gegen sich aufzubringen, ist mir ein Rätsel. Aber dank Pizza und 23 Punkten in der Rückrunde erreicht Werder das rettende Ufer. Als Bundesligist ist mir die Mannschaft tausend Mal lieber als Stuttgart.
Abweichung: 1 Platz

Prognose: Platz 13 FC Augusburg, weil in der kommenden Saison andere Vereine das Momentum haben und die Europa League geistig erst verarbeitet werden muss.

Ergebnis: Platz 12: Wie immer kam der FCA spät auf Touren, aber es reichte am Ende ohne größeren Qualen. Die Europa League war ein großer Moment, aber wohl auch nur eine Momentaufnahme.
Abweichung: 1 Platz

Prognose: Platz 14 Hannover 96, weil der Augenblick, einen neuen Sportdirektor einzuarbeiten, ungünstiger nicht gewählt sein könnte.

Ergebnis: Platz 18. 2010/11 Platz 4, vier Jahre später sang- und klanglos Tabellenletzter. Ist es zu einfach zu sagen, dass der große Knacks die Entlassung von Schmadtke war?  Stindls Weggang zu Gladbach war ein großer Verlust, der große Thomas Schaaf mühte sich vergeblich. Bader kann man manches vorwerfen, diesen Abstieg nicht.
Abweichung: 4 Plätze

Prognose: Platz 15 SV Darmstadt 98, weil der Wahnsinn einen Namen hat.

Ergebnis: Platz 14. Schaut die Lilien auf dem Felde, sie geben keine Millionenbeträge aus und trotzdem bleiben sie drin. Wahnsinn, wie schnell diese verschworene Gemeinschaft, die zwei Aufstiege und einen Klassenerhalt in drei Jahren gemeistert hat, auseinander geflogen ist. Insgesamt sehr solide am eigenen Mythos gearbeitet.
Abweichung: 1 Platz

Prognose : Platz 16 Bayern München, weil der Wurm drin ist, und ich in letzter Zeit immer an die Buddenbrooks denken muss, wenn ich Matthias Sammer sehe. In der Relegation geht es dann gegen Nürnberg.

Ergebnis: Platz 1. Wer hätte gedacht, dass diese Mannschaft bereits am 14. Spieltag mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hat? Auch der dritte Halbfinal-KO in der Champions League kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Bayern Meister geworden ist. Allerdings sah die Rückrunde meist eher hölzern und überspielt aus. Ein Bild der Saison ist Ribéry, der sich im Pokalfinale über die Bande quält.
Abweichung: 15 Plätze, aber der Club in der Relegation war richtig.

Prognose: Platz 17 HSV, weil ihn diesmal kein Kühne, Schiri, höheres Wesen noch Tribun retten können.

Ergebnis: Platz 10. Im Vergleich zu den Vorsaisons ein Quantensprung. Es war selten schön, manchmal schmerzhaft, aber Labbadia hat ein Team organisiert, das sich zu wehren wußte. Und die Fans lieben ihren HSV abgöttisch, das war in dieser Saison mehr zu spüren als in den Jahren davor.
Abweichung: 7 Plätze

Prognose: Platz 18 FC Ingolstadt, weil er wie Fürth bei seinem Kurzauftritt mit der Bundesliga fremdelt.

Ergebnis: Platz 11. Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass es einen Verein mit einer Spielanlage wie Energie Cottbus mit viel, viel Geld in der Liga gibt. Einer muss der Ugly Motherfucker sein.
Abweichung: 7 Plätze

Doch genug jetzt von alten Weissagungen, nur noch vier Tage bis zum ersten Highlight der EM. am 11. Juni steigt das Spiel von zwei der etwa 16 Geheimfavoriten: Wales trifft auf die Slowakei. Vor zehn Jahren wäre das Ryan Giggs gegen Marek Mintal gewesen, doch auch so wächst die Vorfreude.

Und zum Nachtisch Rolling Sushi »

Das Leben ist ein Rolling Sushi, zumindest wenn man wie der 1. FC Nürnberg den Relegationsplatz in Liga Zwei sicher hat, und Woche für Woche die appetitlichen Gegenkandidaten aus Liga Eins an sich vorbeiziehen sieht. Schwere Brocken allesamt, der Club muss Zähne zeigen, um nicht selbst als fränkisches Schäuferle vom Gegner verspeist zu werden.

Gestern, während des Spiels Werder Bremen gegen den VfB Stuttgart hatten der Meister von 2004 und der Meister 2007 beide vorübergehend Platz 16 inne. Am Ende des Tages steht Frankfurt dort, weil das schlechtere Torverhältnis den VfB auf den direkten Abstiegsplatz, der Sieg Werder ans rettende Ufer gebracht hat. In den letzten Wochen schauten auch Augsburg und Hoffenheim mal auf dem Relegationsplatz vorbei. Theoretisch dort landen können auch noch Darmstadt, der HSV und Wolfsburg. Bei solch einer Auswahl fällt die Entscheidung schwer, wen man sich da wünschen sollte.

Der Club hat sich den Relegationsplatz gegenüber der Konkurrenz souverän gesichert und dabei teilweise begeisternden Fußball gespielt. Jetzt gehen die Helden auf dem Zahnfleisch. Burgstaller, der nach seinem 3-1 gegen Leipzig nicht mehr laufen konnte, ist das Sinnbild dafür, dass  die Mannschaft am Ende ihrer Kräfte ist. Nach dem 6-2 gegen Union werden sie noch zwei Energieleistungen brauchen, um aufzusteigen. Trainer Weiler hat es geschafft, ein Team zu bauen, das trotz zahlreicher Schwierigkeiten eine großartige Serie hingelegt hat und in den besseren Momenten schon einiges an Spielkultur erahnen läßt. Die schweren Verletzungen von Erras und Schäfer hat die Mannschaft lange Zeit gut weggesteckt. Mit den beiden in der Stammelf wäre der Club am zweiten Platz vermutlich ein ganzes Stück näher dran, wenn nicht sogar mit dem besseren Torverhältnis an Leipzig vorbeigezogen.

Den Kader hat ganz überwiegend übrigens noch Martin Bader zusammengestellt, auch für das neue Nachwuchsleistungszentrum, aus dem Erras kommt, zeichnet er maßgeblich verantwortlich. Die einzige richtungsweisende Transferentscheidung von Andreas Bornemann war der lukrative Verkauf von Schöpf an Schalke. Im Sommer wird man sehen, wen der neue Manager ausfindig machen kann und wie es ihm gelingt, die Begehrlichkeiten der Konkurrenz auch gegenüber Weiler abzuwehren. Die Vertragsverlängerung mit Erras war ein wichtiger Beitrag dazu.

Gegen wen also soll der Club antreten am 19. und 23. Mai? Bei einem Rolling Sushi drängen sich Fischköpfe förmlich auf, aber gegen Werder, das muss nicht sein. Werder ist sympathisch, außerdem eine KO-Spiel-erfahrene, abgewichste Truppe, die 34 Spieltage lang vor sich hin dümpelt und dann im Pokal plötzlich groß aufspielt. Gegen Stuttgart hat der Club seinen größten Erfolg der letzten Zeit errungen, das könnte ein gutes Omen sein, ebenso wie die miserable Abwehr der Schwaben. Weitere Kandidaten für ein Südderby sind der FC Augsburg und Eintracht Frankfurt. Gegen Augsburg hat der Club schon mal eine Relegation gewonnen, Frankfurt zeigt im Moment Nervenstärke und wäre der Verein, der bei den Clubfans die höchsten Abneigungswerte besitzt. Im Vergleich zu einer Relegation Nürnberg gegen Frankfurt wirkt Game of Thrones wie eine Talkshow mit Anne Will. Darmstadt hat ein paar Big Points liegenlassen und ist sehr abhängig von Wagner und Standards, die Leistungskurve zeigt eher nach unten. Mein Herz gönnt den Lilien den Klassenerhalt, als Gegner wären sie auf dem Papier sicher angenehmer als die anderen. Der HSV hat wohl mit dem verdienten Sieg gegen Bremen den einen Schritt nach vorne gemacht in seiner Entwicklung, der ihm die Relegation dieses Mal erspart. Wolfsburg allerdings ist trotz 5 Punkten und 13 Toren Vorsprung im Moment alles zuzutrauen, auch der Absturz auf Platz 16. Für Hoffenheim spricht, dass sie eine Relegation schon überstanden haben, der Club hat das allerdings schon zweimal geschafft.  Wenn Weiler es jetzt schafft, so zu regenerieren, dass es keinen Spannungsabfall gibt, kann der Club jeden schlagen. Und die letzte halbe Stunde spielt er ja zuhause.

Warum ich so lange nicht geschrieben habe, hat der treue Leser Johannes gefragt. Nun, ich dachte natürlich, ich träume, als Nürnberg 18 Spiele unbesiegt war, und wollte nicht geweckt werden. Außerdem arbeite ich an meinem neuen Kriminalroman, der hoffentlich so spannend wird wie diese Saison mit dem Club.

Meine Saisonprognose – Gladbach Meister, Bayern in der Relegation »

Die Bundesliga geht wieder los, und wir können sagen: Wir sind dabei gewesen. Das ist von Goethe, und auch wenn der FC Empor Weimar 06 nur in der Kreisoberliga Mittelthüringen zugange ist, hat der Dichterfürst vom Frauenplan natürlich auch eine Weisheit für eine erfolgreiche Saisonvorbereitung parat: „Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen.“ In diesem Fall von Ausdauer und Technik über Taktik und Spielintelligenz zum modernen Offensivfußball. Sepp Herberger, der große Aphoristiker aus Mannheim hätte es nicht knapper sagen können. Nicht alle haben auf das Wort des Dichters andächtig gelauscht.  Hier meine Prognose für die neue Saison.

1. Borussia Mönchengladbach, weil Fohlenflüsterer Lucien Favre die richtigen Worte findet, und Traoré und Hazard alle an die Wand spielen.

2. Schalke 04, weil sie mit André Breitenreider endlich den Taktikfuchs mit proletarischer Street Credibility haben, den sie brauchen.

3.  Borussia Dortmund, weil Thomas Tuchel ein verflucht guter Trainer ist, und Mikidingsbums die Saison seines Lebens spielt.

4. FSV Mainz 05, weil der Verein exzellent geführt ist, und viele Nobodys manchmal ein Spitzenteam ergeben.

5. VfL Wolfsburg, weil die Mehrbelastung auf dem langen Weg nach Mailand den Sprit knapp werden läßt.

6. Bayer Leverkusen, weil es nach dem guten ersten Jahr unter Roger Schmidt langsamer vorangeht auf dem Weg nach oben.

7. Hertha BSC Berlin, weil Dardai der richtige Mann ist, und Kalou mindestens 20 Tore schießt.

8. VfB Stuttgart, weil Zorniger die neuen jungen Wilden formt, und es diesmal kaum Verletzungssorgen gibt.

9. 1899 Hoffenheim, weil es nach guter Hinrunde in der Rückrunde keinen Totalabsturz gibt.

10. 1. FC Köln, weil sie sich so unauffällig konsolidieren, dass ich sie in der ersten Version glatt vergessen hatte.

11. Eintracht Frankfurt, weil Veh keine gute Fee ist, die einem einfach drei Wünsche erfüllt, auch nicht Platz, 4, Platz 5 oder Platz 6.

12. Werder Bremen, weil die Mannschaft Zeit braucht, um sich zu finden.

13. FC Augusburg, weil in der kommenden Saison andere Vereine das Momentum haben und die Europa League geistig erst verarbeitet werden muss.

14. Hannover 96, weil der Augenblick, einen neuen Sportdirektor einzuarbeiten, ungünstiger nicht gewählt sein könnte.

15. SV Darmstadt 98, weil der Wahnsinn einen Namen hat.

16. Bayern München, weil der Wurm drin ist, und ich in letzter Zeit immer an die Buddenbrooks denken muss, wenn ich Matthias Sammer sehe. In der Relegation geht es dann gegen Nürnberg.

17. HSV, weil ihn diesmal kein Kühne, Schiri, höheres Wesen noch Tribun retten können.

18 FC Ingolstadt, weil er wie Fürth bei seinem Kurzauftritt mit der Bundesliga fremdelt.

Eine Runde Armageddon für Alle »

Der Schang, Jean Löring, der langjährige Präsident von Fortuna Köln, hat 1999 einmal seinen Trainer Toni Schumacher in der Halbzeitpause entlassen, als seine Fortuna gegen Waldhof 0-2 zurücklag. Abgesehen davon, dass jeder Jeck anders ist, sind solche Schnellschüsse eher selten. Warum in aller Welt also denkt man in Nürnberg über eine Entlassung von Trainer Ismaël nach, während die erste Halbzeit (der Saison) noch läuft, obwohl das Saisonziel noch erreichbar ist und die Mannschaft sich spürbar weiterentwickelt?

Sicher, Nürnberg steht nach 13 Spieltagen mit 14 Punkten auf Platz 14 und hat nach St. Pauli die schlechteste Abwehr. Aber welche realistischen Erwartungen durfte man an den Club haben für den 14. Spieltag? Welchen Tabellenplatz und welche Bilanz müsste er jetzt vorweisen, damit es keine Trainerdiskussion gibt? Im Moment hat er sieben Punkte Rückstand auf Platz 3. In der Vorsaison stand der spätere Aufsteiger Paderborn am 13. Spieltag auf Platz sieben und hatte fünf Punkte Rückstand auf Platz 2. Die Bild-Zeitung wetzt schon freudig die Messer und behauptet, dieser Rauswurf ziehe sich „wie Kaugummi“. Wann hätte man den Trainer dann entlassen sollen? Nach dem 1-5 gegen Fürth am zweiten Spieltag? Das wäre das richtige Signal für den langen Atem beim notwendigen Neuaufbau. Oder vielleicht besser nach dem 0-3 gegen Heidenheim am siebten Spieltag? Danach folgten die sieben Punkte gegen Kaiserslautern, Bochum und Leipzig. Dann vielleicht nach dem Unentschieden gegen St. Pauli, bei dem die Mannschaft zweimal zurückkam, obwohl sie krass benachteiligt wurde?

Sage jetzt keiner, Skripnik hat mit Werder auch schon dreimal gewonnen. Skripnik hat eine Mannschaft vorgefunden, die über zwei Jahre zusammengestellt wurde und ihre Leistung nicht abrufen konnte. Der Club muss erst einmal eine neue Mannschaft aufbauen, bevor man über deren (nicht abgerufenes) Leistungsniveau Aussagen treffen kann. Daran und nur daran sollte man die Arbeit des Trainers messen. Nicht am Tabellenstand und nicht am einen oder anderen verhunzten Spiel: Wirklich indiskutabel waren bisher drei Spiele: das 0-1 zuhause gegen den FSV Frankfurt, sowie die beiden 0-3 in Karlsruhe und Heidenheim. Das 1-5 in Fürth und das 0-2 zuhause gegen Düsseldorf fing man sich gegen zwei eingespielte Aufsteigsanwärter ein, gegen Darmstadt und Sandhausen war man gut im Spiel und scheiterte an der Unerfahrenheit. Und die muss wachsen, die bringt auch ein neuer Trainer nicht Ready-to-Play nicht einfach mit.

Ismaël macht sehr viel richtig: Er hat Rakovsky zur Nummer Eins gemacht, anders als in der Abstiegssaison, als der Club an seiner Ideenarmut im Offensivbereich scheiterte, erspielt sich diese Mannschaft ständig Chancen und hat statt eines Kreativspielers im Schmollwinkel (Kiyotake)  mit Schöpf, Candeias, Sylvestr und Füllkrug gleich vier davon in der Offensive. Ähnlich wie Schmidt bei Leverkusen besteht der Coach darauf, dass der Club immer, egal bei welchem Spielstand, das Spiel machen soll. Das wurde gegen Bochum und St. Pauli belohnt, gegen Sandhausen und Darmstadt nicht. Das langatmige Ballgeschiebe, das das letzte Drittel der Vorsaison bestimmte und auch unter Hecking viel zu oft praktiziert wurde, ist unerwünscht. Und nach vorne läuft das Bällchen immer wieder richtig gut. Wer Kaiserslautern eine Stunde lang aus dem Stadion spielt, hat ohne weiteres das Potenzial, rechtzeitig noch in das Aufstiegsrennen einzugreifen. Natürlich muss die Abwehrleistung besser werden, gerade das Siegtor von Sandhausen war ein Beitrag aus dem Katalog für Slapstickeinlagen. Immerhin aber hat man auch schon drei Mal zu Null gespielt, einmal gegen den Millionensturm von RB Leipzig. Auch in diesem Spiel bot der Club eine Leistung, die das Ziel sofortiger Wiederaufstieg als realistisch erscheinen läßt.

Es gibt genug Beispiele dafür, dass Geduld sich lohnt: der zunächst auf ganzer Linie gescheiterte Hjulmand in Mainz, Stöger in Köln, Korkut in Hannover, alle Jahre wieder Streich in Freiburg, nicht zuletzt auch der Duracell-Guru von Lüdenscheid. Umso mehr gilt das, wenn ein neuer Trainer mit einer komplett neuen Mannschaft arbeiten muss. Einen derart radikalen Umbruch wie beim Club hat es nicht oft gegeben. Dieser Umbruch war vollkommen richtig. Bis auf Kyiotake (seit drei Spielen) bei Hannover, Mak bei Thessaloniki und mit Abstrichen Hasebe bei Eintracht Frankfurt und Angha bei 1860 München sind die abgegebenen Spieler meilenweit von ihren persönlichen Zielen und den Erwartungen ihrer Vereine entfernt: Nilsson wollte mit Kopenhagen in die Champions League, das in der Europa League gerade 0-4 zuhause gegen Brügge verlor und in der Gruppe auf Platz 3 steht. Plattenhardt (zu Hertha), Chandler (zu Frankfurt), Feulner (zu Augsburg) wollten einen Stammplatz bei einem Bundesligisten und sind außen vor, Drmic ist bei Leverkusen ungefähr so wertvoll wie Schieber bei Dortmund, Ginczek steht nach seinem Kreuzbandriss nach wie vor ohne einzige Minute da, Stuttgart ist Letzter. Pekhart (bei Ingolstadt) wurde in sieben Spielen sechs Mal frühestens in der 64. Minute eingewechselt und ist bisher torlos. Mike Frantz schlägt sich gut in Freiburg, das ist der einzige Spieler aus dem alten Kader, den Bader nicht hätte verkaufen dürfen.  Aber der große Umbruch zu Saisonbeginn war genau richtig, auch wenn Bader dafür anhaltend verbale Prügel bezieht.

Es wäre ein Jammer, ein richtungsweisender Fehlgriff, wenn der Verein jetzt Ismaël feuert. Es wäre die vierte Neuausrichtung in weniger als zwei Jahren, seit Heckings Abgang Weihnachten 2012. Der Club nähert sich damit wieder seinen finstersten Zeiten an und äfft den HSV nach, der seit 2007 elf verschiedene Trainer hatte. Der Verein wird dadurch nicht attraktiver für Trainer, die das besitzen, was jeder haben will: ein Konzept und eine eigene Handschrift. Gegen Kaiserslautern hat Ismaël beim Stand von 3-2 in der 78. Minute seinen designierten Abwehrchef Hovland eingewechselt. Der Norweger absolvierte damit seine ersten zwölf Saisonminuten, und der Club brachte das Ding nach Hause. Das hat Stil, das ist Klasse, da ist mutiges Coaching belohnt worden. Gegen Sandhausen hat Ismaël dafür bezahlt, dass er Pinola eine neue Chance gegeben hat. Pino ist Kult, Fußballgott und Pokalsieger, aber seine Fehler in Serie haben den Club am Freitag um einen Punktgewinn gebracht. Aber dass Ismaël seinen Spielern vertraut, auch einem alten Haudegen, das war groß. Ismaël ist bereit, ins Risiko zu gehen und er denkt sich etwas dabei. Obwohl er in Wolfsburg ganz andere Möglichkeiten gehabt hätte, hat er sich für den Club entschieden.  Der Club sollte mit Ismaël weiterarbeiten.  Nach dem Derby gegen Fürth am 20.12. wird der Rückstand auf Platz 3 geringer sein als heute. Danach ist alles drin.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der große Ausverkauf »

Das ist schon ein ziemlich konsequenter Radikalschlag, den Martin Bader da betreibt. Plattenhardt, Hlousek, Nilsson, Pogatetz, Chandler, Hasebe, Ginczek, Feulner, Drmic, jetzt vielleicht auch noch Frantz. Komischerweise hält sich meine Sorge über den sportlichen Substanzverlust in Grenzen. Drmic wäre auch bei einem Klassenerhalt nicht zu halten gewesen. Plattenhardt, Hlousek, Chandler, Pogatetz, und Feulner waren zuletzt eher unterdurchschnittlich. Hasebe und Ginczek sind nominell sicherlich sportliche Verluste, aber Hasebe geht nicht fit zu einer WM, und wenn Stuttgart 2,5 Mio für einen Spieler zahlen will, der vor vier Monaten einen Kreuzbandriss hatte, nun ja.  Der einzig echte Verlust ist Nilsson, auch weil er international so viel Erfahrung hat. Frantz wäre auch ein Verlust, der Club braucht Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren. Insofern hätten sie – kalter Kaffee – Maroh nicht nach Köln gehen lassen sollen.

Interessanter sind natürlich die Spieler, die (noch) da sind. Polak finde ich eine gute Wahl, Rakovsky ist sehr spannend. Ob die Ablösung Schäfers jetzt schon erfolgen sollte, nach dem Modell Madrid? Rafa spielt Pokal, Rakovsky die Liga. Allerdings wäre es nicht fair, wenn Schäfer nur ein Saisonspiel macht. Er hat eine überragende Saison gespielt, steht notenmäßig vor den beiden WM-Fahrern Weidenfeller und Zieler und ist die personfizierte Erfahrung. Nichts gegen Ismaël, aber das Haifischbecken Zweite Liga ist etwas anderes, als die Zweite Mannschaft eines finanziell gut situierten Erstligavereins zu trainieren. Da sind ein paar Zweitliga-Haudegen nicht verkehrt. Andererseits, wenn Rakovsky zu lange auf der (langen) Bank sitzt, dann geht er. Sylvestr ist ein sehr interessanter Mann, Mendler, der von Sandhausen zurückkommt, auch. Angha bleibt, was ist mit Eigengewächs Gärtner und mit Stark?  Ich glaube immer noch daran, dass Pekhart ein hervorragender Spieler wäre, wenn man aus ihm  einen Wandspieler machen würde, anstatt ihn nur als Knipser und Wühler zu sehen. Und ein Joker ist er gar nicht. Dass Pinola noch ein Jahr bleibt, gefällt mir. Ich traue ihm zu, sich noch ein bißchen weiter zu entwickeln, auch wenn es schwer wird für ihn mit einem Stammplatz.

Ganz nebenbei hat der Club bisher etwa 13 Millionen Euro eingenommen, ein bißchen Spielraum also für den neuen Trainer und für Wolfgang Wolf. Andreas Ottl, zuletzt Augsburg, ist vereinslos. Der hat mit dem Club mal den Klassenerhalt geschafft. Und die WM ist ja auch noch da, als Schaufenster. Vielleicht findet sich ja der überragende Bosnier der Vorrunde dann am Valznerweiher wieder.

Jeder gegen jeden »

Heißa, das ist fürwahr ein fürstlicher Abstiegskampf. Es wird immer enger, an jedem Spieltag wechseln die Vereine auf den Abstiegsplätzen. Selbst für den Elften Frankfurt ist theoretisch noch der Relegationsplatz drin. Und mittendrin der Club. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, wie diese Rückrunde ohne Verletzungsserie weitergegangen wäre, aber schade ist es schon um das Duo Ginczek /Drmic. Die waren eine echte Waffe, dazu das Laufwunder Chandler, das Kopfballungeheuer Nilsson und der große Steuermann Hasebe. Egal, müssen eben die Wolfsburger dran glauben, nächste Woche. Irgendwie. Bei Hecking haben wir noch was gut.

Sauspannend ist es, und plötzlich, seit Jahren zum ersten Mal wieder, fängt die Rechnerei an: Wie müssen die anderen spielen, damit der Club überm Strich steht? Man stelle sich vor, dieser 29. sei der letzte Spieltag gewesen, und Freiburg macht noch das 1-1 in Stuttgart, dann steht der Club, obwohl Verlierer, auf dem Relegationsplatz, nicht der VfB, ätsch. Aber noch ist es nicht so weit. Noch fünfmal Haare raufen, Radio hören, Torverhältnisse memorieren, Schiedsrichter verfluchen, eigene Spieler verfluchen, das Universum verfluchen.

Zur großen Freude aller, die auch unten drin hängen, spielen die Wettbewerbsverzerrer aus der Säbener Straße noch gegen Bremen, Stuttgart, Braunschweig und den HSV. Wäre echt super für Freiburg, Hannover, Nürnberg und Frankfurt, wenn die Bayern diese Spiele so abschenken wie das in Augsburg. Pups Gardiola sagt ganz offen: „Die Bundesliga ist für uns vorbei“. Ist halt ein Tschentelmän der alten Schule. Oder meint er Uli damit Uli Hoeneß? Vielleicht verletzt sich ja Neuer noch, dann kann der Münchner Überungsleiter die ganzen Amateurtorhüter reinrotieren lassen.

Schade ist’s um Hyypiä, toller Mensch blablubb, Tante Käthe, was biste für ne alte Schwatzbase geworden.

Urmel Busters auf Kaperfahrt »

Augusburg spielt im Moment seinen besten Fußball seit Helmut Haller, Trainer Weinzierl kennt den Inhalt seiner Puppenkiste aus dem Öfföff. Gegen den FCA muss der Club am Sonntag trotzdem punkten. Es hilft nichts, wenn sich Verbeek nicht rasiert, bis Ginczek wieder auf dem Platz steht. Gertjan, der Graue schafft es vielleicht sogar, den ständig schlamperten Mak ein bißchen besser einzustellen. Oder Pekhart kriegt endlich mal ein paar gute Flanken. Oder ein Schuß von Feulner aus der zweiten Reihe reicht, weil die Abwehr absolut fehlerfrei verteidigt.

Auf die chaotischen Zustände beim HSV sollte sich der Club auf keinen Fall verlassen. Wobei, was der HSV im Moment abliefert, stellt manchen Tiefpunkt der Außendarstellung des FCN nebst Schalker Kreisel- und Kölscher Klüngeleien locker in den Schatten. Ein Verein zerfleischt sich in Echtzeit auf offener Bühne. Keine Spur vom Klischee der „kühl rechnenden hanseatischen Kaufleute“, das bei Bremen und beim HSV gerne bemüht wird. Als ob in 500 Jahren Hanse nie einer Pleite gemacht hätte.  Irgendwann wird James Cameron dieses Drama verfilmen. Mit Leonardo di Caprio als Rafael van der Vaart und George Clooney als Bert van Marwijk. Was für ein Stoff, was für ein Drama.

Aber darauf darf sich Nürnberg nicht verlassen. Wenn es am Sonntag 3-0 für die Bärte (Tore: Nilsson, Plattenhardt, Pekhart) hieße, wäre dies ein weiterer wichtiger Schritt aus der unmittelbaren Gefahrenzone.

Digitale Minimalisten »

Eins oder Null, welch einen Unterschied das machen kann, hat Bayer Leverkusen jetzt in zwei Auswärtsspielen innerhalb von vier Tagen eindrucksvoll bewiesen. Gegen die überhitzten Duracell-Häschen aus Lüdenscheid waren sie gallig, in San Sebastian abgebrüht. Leverkusen beherrscht nicht nur den gepflegten Offensivwirbel, sondern hat auch die Entschlossenheit, ein dreckiges 1-0 zu machen, wenn es sein muss. Und es ist kein Zufall, dass ein Abwehrspieler, Toprak, das Tor für das Achtelfinale gemacht hat. Ein Malocher, ein Abräumer, ein Defensiver. Auch das zeichnet große Mannschaften aus. Puyol 2010 im Halbfinale, als die DFB-Elf ziemlich lange ziemlich gut verteidigt hatte. Oder 1998 Laurent Blanc gegen Paraguay im Achtelfinale mit dem Golden Goal. Reingehämmert, -gewürgt, -gebolzt irgendwie. Spanien und Frankreich konnten auch anders damals, und Leverkusen ist spielerisch noch nicht am Limit. Sie haben kein Genie mehr wie Emerson, keinen Grandseigneur wie Ze Roberto und keine technisch versierte Kampfmaschine wie Lucio in ihren Reihen, sie wachsen und entwickeln sich gemeinsam, ganz still und leise unter Anleitung des klugen Sami Hyypiä.

Obwohl die mannschaftliche Geschlossenheit die große Stärke ist, möchte ich Simon Rolfes ausdrücklich herausgeheben. Er spielt die beste Saison seiner Laufbahn und ist nicht nur nominell der Mannschaftskapitän, sondern das heimliche Kraftzentrum in dieser Hinserie. Notendurchschnitt 2,92, dazu zwei Tore in der Liga und drei in der Champions League. Das ist zahlenmäßig nicht viel, aber es waren entscheidende Tore, die der Mannschaft die Möglichkeit verschafften, sich das Spiel anzueignen und zu gewinnen. Gegen Hannover das 1-0, gegen Augsburg das 1-1, gegen San Sebastian im Hinspiel das 1-0 mit dem Halbzeitpfiff, gegen Donezk den Elfmeter zum 2-0. Dass die Mannschaft sein 1-1 in Manchester nicht besser nutzen konnte, lag nicht an ihm. Selbst beim desaströsen 0-5 gegen Manchester hatte Rolfes die Note 3,0 im kicker. Er ist stabil, aggressiv, findet fast immer eine spielerische Lösung und für einen defensiven Mittelfeldspieler torgefährlich genug, um unberechnbar zu sein.

Dass man Rolfes nach dem Ausfall von Khedira öffentlich nicht einmal in Erwägung gezogen hat, zeigt, dass Bundestrainer Löw kein Problem mit Kießling, sondern mit Leverkusen hat. Auch Leno, der im Gegensatz zu ter Stegen, Adler und Zieler CL spielt, bekommt viel zu wenig Anerkennung für seine konstant überragenden Leistungen. In der Bundesliga hat er einen Notenschnitt von 2,53 und ist damit notenbester Torwart (Weidenfeller 2,68, Neuer 3,03). In der CL steht Leno bei 2,60 (Neuer 2,50, Weidenfeller 3,25). Rolfes würde diesem mit Schönspielern überreichlich gut besetzten DFB-Kader gut zu Gesicht stehen. Die Özil, Götze und Reus brauchen Leute, die ihnen den Rücken freihalten, die auch mal einen nach klassischer Manier reinwürgen, wenn die Ästheten vorne wieder mal in Schönheit ausscheiden. Ein guter Sechser ist er nebenbei auch.

Könige des Unentschiedens »

Platz 15 für Nürnberg sieht auf den ersten Blick ziemlich mickrig aus, aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Es gibt zwei mißratene Partien in dieser Saison. Die eine ist das 0-1 zu Hause gegen das sperrige Augsburg. Die anderen Partien in der Liga gehen in Ordnung. Gegen Braunschweig wurde ein Vorsprung verspielt, gegen die starke Hertha unterlief das gleiche Mißgeschick, man holte aber auch nervenstark ein Tor Rückstand gegen die Berliner auf. Dieses Kunststück gelang auch gegen Dortmund, das 1-1 war der bisher einzige Punktverlust des BVB und entspricht dem Ergebnis der Vorsaison. Gegen Hoffenheim und Bremen holte die Mannschaft sogar jeweils ein 0-2 auf. Für ein Team, das mit Klose und Simons zwei wichtige Spieler verlor und einen komplett neuen ersten Sturm hat, ein ordentlicher Auftakt.

Trotz der durchwachsenen Ergebnisse sind viele der neuen  Spieler echte Verstärkungen. Gegen Dortmund standen mit Pogatetz, Hasebe, Stark, Hlousek und Ginczek fünf Neue in der Startelf. So viele Personalwechsel gegen die zweitbeste Mannschaft Europas können auch schon einmal dazu führen, dass man völlig untergeht, aber Nürnberg war kämpferisch und spielerisch ebenbürtig. In seiner Pokalsiegsaison 2007/07  hatte der Club auch fünf Unentschieden nach sieben Spieltagen, darunter jeweils ein 1-1 gegen Cottbus, Mainz und Bielefeld. Der wesentliche Unterschied zu heute waren die beiden Auftaktsiege gegen den späteren Meister Stuttgart und Gladbach und der erfolgreiche Beginn im Pokal, der bis zum Titel in Berlin führte.

Die andere völlig mißratene Partie war deshalb auch das Pokal-Aus gegen Sandhausen. Gegen einen der gefährlichsten Pokalschrecks aller Zeiten kann man verlieren, aber nicht nach einer 1-0 Führung. Das Wegschenken eines Vorsprungs hat den Club bisher vier Punkte in der Liga gekostet, zwei gegen Hertha und zwei gegen Braunschweig. Schon mit acht Punkten statt fünf  wäre man in dieser engen Liga und den beiden dicksten Brocken (Bayern, BVB) im Auftaktdrittel vollkommen im Soll. 2006/07 brauchte Nürnberg in der Hinrunde elf Unentschieden, bis sie sich für ihre großartige Rückrunde mit dem 3-0 gegen Bayern und 25 Punkten gefunden hatten.

Hier entsteht gerade eine Mannschaft, die das Potenzial hat, so gut zu werden wie die Pokalhelden. Ich hoffe sehr, dass Wiesingers Team gegen den HSV sein Potenzial endlich einmal über 90 Minuten abruft und dieser Coach in Ruhe weiterarbeiten kann.

PS: Die Schreibpause von mehr als einem Monat hat einen guten Grund. Bis letzten Dienstag habe ich an meinem neuen Roman geschrieben. „Immer schön gierig bleiben“ erscheint am 12. November 2013 im Rotbuch Verlag. Am besten gleich vorbestellen bei der Krimibuchhandlung Hammett.

Lieber Platzverweise als altersweise »

Acht Platzverweise an einem Spieltag, was lernst uns das? Vielleicht haben die Schiri-Obleute ja nach Baumjohanns nicht mit Rot geahndetem Wischer bei Nürnberg gegen Hertha schnell ein Brandbrieflein an die Kollegen draußen auf dem Spielfelde geschickt, mit dem Tenor: Erst zücken, dann Fragen stellen.

Der Krösus war bei Hoffenheim gegen Freiburg Tobias Stieler mit zweimal Rot, einmal Gelb-Rot und einem Innenraumverweis für Freiburgs Trainer Streich als Sahnehäubchen. Der Platzverweis gegen Coquelin war glatt falsch, den Platzverweis von Streich hat er damit induziert. Streich schimpfte zwar emotional wie immer, ich habe aber schon Trainer gesehen, die sich schlimmer aufgeführt haben und im Innenraum bleiben durften. Außerdem war Streichs Ansprechpartner der Vierte Mann, der unter anderem dafür da ist, dass Trainer Dampf ablassen. Zusammen mit der nicht gegebenen Roten Karte gegen Sorg bekam Stieler im kicker die Note 4,5.  Auch Schiedsrichter Welz in Augsburg gegen Stuttgart bekam die Note 4,5. Anstelle des überzogenen Rot für Traoré hätte er Verhaegh vom Platz stellen müssen. Note 4 gab es für Dankert in Hannover gegen Schalke. Dessen drei Platzverweise gegen Höwedes, Huszti und Fuchs waren allesamt vertretbar, nur ein rotwürdiges Foul von Hoogland gegen Diouf hatte er übersehen.  Eine 2,5 bekam Kinhöfer bei Mainz gegen Wolfsburg, der nicht nur mit Gelb-Rot gegen Luiz Gustavo richtig lag.

Beim genauen Hinsehen ist nicht so sehr die Kartenflut das Problem, nur zwei der acht Platzverweise (Coquelin, Traoré) waren falsch, sondern die wackelige und widersprüchliche Spielführung. Stieler in Sinsheim hatte zusätzlich das Problem, dass er in der 11. Minute, also zu einem sehr frühen Zeitpunkt korrekterweise Rot gegen Salihovic zeigen musste. Ab da war jeder Zweikampf aus Sicht der Zuschauer eines Platzverweises würdig.

Eine ähnliche Konstellation bot das denkwürdige WM-Achtelfinale Portugal – Holland 2006, auch als „Schlacht von Nürnberg“ bezeichnet. Von Anfang an ging es knüppelhart zur Sache, nach einem brutalen Foul musste Ronaldo ausgewechselt werden. Ende der ersten Halbzeit gab es Gelb-Rot gegen Costinha. In Halbzeit zwei folgten eine weitere Gelb-Rote und zwei Rote Karten, dazu kamen acht Gelbe Karten. Auch hier war es die unklare Linie, die das Spiel aus dem Ruder laufen ließ: Schiedsrichter Ivanov „hatte das Spiel durch falsches Strafmaß nicht im Griff“, schrieb der kicker.

Trainer in der Pressekonferenz sagen über harte Platzverweisen manchmal gerne: Wenn man das pfeift, stehen am Ende fünf Mann auf dem Platz. Nach diesem Spieltag bin ich geneigt zu sagen: Na und? Dem Spielniveau tat die Kartenflut keinen Abbruch: Hoffenheim – Freiburg bekam die Note 1, Hannover – Schalke sowie Mainz – Wolfsburg eine 2,5, Augsburg – Stuttgart immerhin eine 3. Für die beiden letzten Teams war es die beste Saisonleistung.

Bin gespannt, was bei den Roten Karten als Strafmaß rauskommt. Bei Salihovic war es die vierte Rote Karte und es war eine klare Tätlichkeit. Dass er vorher geschubst wurde, lag daran, dass er den Ball nicht herausrückte. Er hat die Rudelbildung provoziert.

In den Spielen ohne Platzverweis schnitten die Schiedsrichter so ab: Zwayer (Dortmund – Bremen) Note 2, keine Karte, kein Elfer. Stark (Braunschweig – Frankfurt) Note 2, drei Gelbe Karten, kein Elfer. Fritz (Hertha – HSV) Note 3, fünf Gelbe Karten, kein Elfer. Brych (Leverkusen – Gladbach) Note 5, falscher Elfmeter gegen Gladbach, eine Gelbe Karte. Nach den beiden in München bereits der dritte Elfer im dritten Spiel, über den sich streiten läßt. Die Note 6 bekam Schiedsrichter Dingert im Spiel Bayern gegen Nürnberg, der Pinolas Rempler gegen Mandzukic nicht als Elfmeter pfiff, dafür vor dem Elfmeter für Bayern ein Handspiel von Nilsson gesehen haben wollte, wo keines war. Auch ein rotwürdiges Foul von Mandzukic an Dabanli hatte er übersehen. Wenigstens die Gelbe Karte für Ribery fürs Trikot ausziehen war korrekt.

Fazit: Viele Platzverweise machen weder die Schiedsrichterleistung noch ein Spiel per se schlechter. Die Referees sollten mit der Mindestzahl von sieben Spielern pro Team noch offensiver umgehen. Fehlentscheidungen wie der Platzverweis gegen Coquelin werden dadurch nicht besser, aber die Schubser, Treter, Schläger und Rudelbildner bekommen dadurch längere Denkpausen.

 

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