Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Männer ohne Nerven »

Früher, da ging es echt übel ab auf dem Reichsparteitagsgelände. Die Nazis waren an der Macht, und immerzu wurde die Volksgemeinschaft mit “Kraft durch Freude” zusammengelockt. Am Samstag war alles ganz anders. Da holten Cohen, Simons & Co. verdient einen Punkt gegen das Festgeld Conto Bayern München, und der sportliche Erfolg stand unter dem Motto “Freude durch Kraft”. Es waren nicht die zwei verlorenen Punkte, die das Fäßchen Hoeneß zum Überlaufen brachten, sondern die einsame Entscheidung, den soliden Butt durch den flatterhaften Kraft zu ersetzen. Wäre van Gaal zu diesem Zeitpunkt nicht in Katar gewesen, wer weiß, man hätte ihn wohl schon im Winter in die Wüste geschickt. Das sympathische Jahrhunderttalent Kraft hat das FCB schon wenigstens acht Punkte gekostet – drei die Hannover gemacht hat, drei die Bayern dort nicht gemacht hat, und zwei in Nürnberg – und das war’s dann auch schon mit dem Ärachen van Gaal. Jonkers und Gerland haben jetzt die schwierige Aufgabe, ihre Männer elegant auf Platz sechs durchzuschleusen, damit sie nicht in der verhaßten Europa League enden, in der ein CL-Sieger wie Porto groß aufspielt.

Soll man sich den Club in der Europa League wünschen? Ich weiß nicht so recht. Die Mannschaft wird wieder wesentliche Spieler verlieren, selbst bei einem Abstieg von Stuttgart gibt es lukrativere Adressen für Schieber. Gündogan und ich fürchte Wollscheid könnten auch verschwinden. Soll man wegen eines Auswärtssiegs bei BATE Borisov den Klassenerhalt aufs Spiel setzen? Wenn wir mal unterstellen, dass sie aus den letzten fünf Spielen noch sieben Punkte holen (darunter einen kleinen, aber gemeinen Punkt in Dortmund), dann hätten sie fünfzig am Ende. Der gemeine Clubfan wäre sicherlich nicht traurig, wenn die Mannschaft nächste Saison elfmal statt neunmal zu Hause gewinnt, und fünfmal statt dreimal auswärts. Oder wieder schon am 25. Spieltag den Klassenerhalt sicherstellt. Diesmal wurden bereits Schalke und Stuttgart bezwungen, Köln und St. Pauli begeisternd besiegt, van Gaal wurde mit einem typischen Eigler-Tor verabschiedet. Gegen Freiburg, Gladbach, Kaiserslautern muss man es zu Hause besser machen, gegen Dortmund und Bremen darf man. Also noch viel Luft nach oben im neuen Jahr und dann am besten gleich Platz vier in 2012 anpeilen und gegen Borisov die CL-Quali schaffen. Für ein Auswärtsspiel in Barcelona kann man 2013 wieder mit dem Relegationsplatz kokettieren.

Froh und dankbar muss man sein, dass der Club mit diesem nervenzerfetzenden Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat. Selbst Hoffenheim, die vor Wochen noch von Platz fünf sprachen, kann es noch erwischen. Es ist wie in einem Zombiefilm. Die Totgesagten wie Gladbach und Kaiserslautern kehren zurück, dem Schicksal scheinbar Entronnene wie Stuttgart und Bremen werden von den lebenden Leichen mit in den Abgrund gezogen.

Weit weg von jedem Abgrund ist das erfahrene Vizekusen, das sich auf Platz zwei behaglich eingerichtet hat und dem BVB beharrlich näher kommt. Fünf Punkte und fünf Spiele, könnte eng werden. Dieses Mal könnte Bayer sogar in München gewinnen, das FCB musste schon gegen Mainz und Dortmund Federn lassen. Der BVB hat einen Punkt in Hamburg gerettet, aber Bayer hat sein Spiel eben noch vollständig gedreht und zeigt eine erstaunliche Nervenstärke. Allen voran der immer besser werdende Kießling, der es schafft, Aggressivleader zu sein, ohne dauernd jemand seinen Ellenbogen ins Auge zu stemmen. Dortmund muss noch gegen zu allem entschlossene Bremer, brennende Gladbacher und leichtfüßige Nürnberger spielen. Mal sehen, ob den Duracell-Häschen auf den letzten Metern der Saft ausgeht. Leverkusen wirkt insgesamt reifer, obwohl keiner so ekstatisch jubelt wie die Dortmunder. Und Klopp ist in dieser Saison mehr gelaufen als das gesamte Mittelfeld von Wolfsburg.

Da waren’s nur noch neun »

Gestern ist der Vorsprung der Dortmunder auf Platz zwei zum ersten Mal seit dem 14. Spieltag wieder in den einstelligen Bereich gerutscht. Neun Punkte, acht Spieltage, 18 Tore Vorsprung, ob das noch einmal eng wird? 24 Punkte sind noch zu vergeben. Wenn Bayer alles gewinnt, darf Dortmund nicht mehr als 14 Punkte holen, also vier Siege und zwei Unentschieden in den letzten acht Spielen. Oder Dortmund verliert nur noch und Bayer reichen drei Siege und ein Unentschieden. Beides klingt unwahrscheinlich, aber was ist in dieser Saison schon wahrscheinlich?

Gegen Bayer spricht der Status des ewigen Vizekusen, den sie gegen Villareal mal wieder aufs Schmerzlichste bestätigt haben. Aber unter Heynckes hat Bayer auch das späte Siegen gelernt, Mainz ist dafür ein gutes Beispiel. Sie sind nervenstärker geworden. Seit Watzke nach dem 3-1 in München erstmalig offen von der Meisterschaft sprach, hat der BVB etwas zu verlieren, sollte er Zweiter werden. Bisher war die Rolle des Gejagten sehr abstrakt, oszillierte der Punktevorsprung doch stets zwischen zehn und zwölf Zählern. Jetzt kommen am nächsten Wochenende die Mainzer, mit neun Auswärtssiegen drittstärkste Mannschaft auf Gegners Platz. Wahrscheinlich muss danach ein neuer Rasen verlegt werden, weil die gelben-schwarzen Duracell-Häschen gemeinsam mit den Mainzelmännchen auf Speed das zarte Frühlingsgrün in Grund und Boden laufen werden. Verlöre Dortmund zu Hause, könnte Bayer sogar ein Punkt gegen Königsblau näher an die Spitze bringen.

Apropos Schalke. Das klärende Gespräch unter Männern zwischen Magath und Tönnies musste wegen Erkältung des SelbstHautdarstellers am Wochenende entfallen, jetzt kommt es am Mittwoch zum Showdown. Bevor sie ihren Quälix vom Hof jagen, könnte ein klärendes Telefonat unter Männern mit den Verantwortlichen in Hamburg vielleicht die Gemüter abkühlen. Beim HSV erfährt man Tag für Tag, wie es sich anfühlt, wenn man sportliche Kompetenz vom Hof jagt, ohne einen Plan B zu haben. Der Dino hat neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, in diesem Fall wären acht Niederlagen am Stück keine große Überraschung. Hansosaurus Rex: kleines Gehirn, langsame Reaktionszeiten, falsche Ernährung – den Rest besorgte die Evolution.

Schalke hat immerhin Heldt in der Hinterhand, aber mittlerweile weiß man, dass Slomka und Rangnick zu schnell entlassen wurden, und auch Heldt kann keinen Meistergaranten aus dem Hut zaubern. Vielleicht sollte man wenigstens die CL-Auslosung noch abwarten. Wenn Schalke Barca oder Manchester United zugelost bekommt und dann mit dem neuen Coach rausfliegt, kann der eigentlich gleich wieder seine Sachen packen. Wie gesagt, eine Entlassung von Magath wäre in meinen Augen völlig verrückt, jetzt hat sogar Charisteas getroffen. Wahrscheinlich trifft Karimi gegen die Bayern, wenn Magath ihn noch einwechseln darf.

Nach der Niederlage der Dortmunder ist Nürnberg das beste Rückrundenteam. Der Sieg in Wolfsburg war glücklich, aber die torgefährliche Defensive ist ein Pfund in dieser Saison. Wollscheid, Wolf, Pinola und jetzt Nilsson, alle mit wichtigen Toren. Gegen Bremen könnte das Saisonziel 44 Punkte erreicht werden. Und dann? Platz drei ist nur fünf Punkte weg. Und gegen Bayern, Mainz, Dortmund und Hannover spielt der Club noch.

God’s Loneliest Man »

Was für ein tragisches Ende. Als Asamoah Gyan den Elfmeter gestern an die Latte donnerte, kollabierte die großartige Mannschaft Ghanas binnen Minuten. Bereits aus dem Spiel heraus hatten sie in der letzten Minute zwei tausendprozentige Chancen gehabt. Das Elfmeterschießen war ein schlechter Witz. Die Ghanaer, einschließlich ihres Torhüters Kingson, sahen aus, als wäre es das erste Elfmeterschießen ihres Lebens. Zwei kreisklassenmäßig schlecht geschossene Elfer, ein haltbarer von Uruguay, der nicht gehalten wurde, aus war’s. Und Gyan war untröstlich, nicht zu beruhigen. Trotzdem: es war ein riesiger Schritt nach vorne. Ghana ist eines der wenigen Länder Afrikas, die eine tragfähige, nachhaltige Fußballkultur aufgebaut haben. Weder die U-20-Weltmeisterschaft noch der zweite Platz beim Afrika-Cup waren ein Zufall. Die Mannschaft ist relativ jung, sie wird ihre nächste große Chance bekommen, wobei Uruguay ein dankbarer Gegner war, wenn man die anderen Viertelfinalspiele vergleicht.

Soll man Suarez kritisieren? Was würde ein Kreisklassespieler in dieser Situation machen? Denkt man überhaupt noch, wenn man den Ball aus vier Metern Entfernung aufs eigene Tor zufliegen sieht? Verdient wäre es gewesen, wenn Ghana weitergekommen wäre, unverdient ist die Halbfinalteilnahme von Uruguay trotzdem nicht. Und Forlan ist neben Özil und Tevez eine der ganz großen Bereicherungen des Turniers. Und diese Hymne…1845 komponiert von dem in (Österreich-)Ungarn geborenen Oboeisten Francisco José Debali ist sie ein echtes musikalisches Schmuckstückchen. Close your eyes and think of Verdi, dessen Oper Giovanna d’Arco nach Schillers Tragödie im gleichen Jahr Premiere hatte.

Ganz nebenbei bemerkt hatten die Holländer gestern den großen Tag, den sie brauchten. Der ARD-Weltweise erklärte statistikgesättigt, Brasilien habe seit 1950 keine Halbzeitführung mehr verspielt. Dieses 2-1 hat alle Aussgen der Holländer über ihren Teamgeist bestätigt. Anders als das 4-0 1974, als die überalterten Brasilianer überrannt wurden, war das eine zielgerichtete sportliche Meisterleistung gegen einen gleichwertigen Gegner, vergleichbar vielleicht dem 2-1 der Franzosen gegen Portugal im Halbfinale der EM 2000, als sie dort auch den Rückstand drehten. Obwohl das EM-Spiel noch eine Klasse besser war. Holland hatte das Glück des frühen Ausgleichs, den ich nicht als Eigentor werten würde, danach gewannen sie alle entscheidenen Zweikämpfe, bewiesen die vielzitierte “Handlungsschnelligkeit”. Auch wenn das 2-1 nach einem Standard fiel, sie waren zum Schluß spielerisch besser. Brasilien hat jetzt vier Jahre Zeit, eine neue, alte Philosophie zu entwickeln. Für mich ist die Diskussion in Brasilien, die hier immer kolportiert wird, einigermaßen schleierhaft. Sollen sie um jeden Preis gewinnen? Das war 1994 nach der langen Durststrecke wohl ganz entscheidend. Oder sollen sie schön, schöner am schönsten spielen? Dann wäre eine Corporate Identity wie bei Barcelona angesagt: Nur schön gewinnen zählt. Nachdem das Modell Dunga nichts gefruchtet hat, könnte man ja vielleicht alle Bedenken fallen lassen, und die Welt 2014 mit einer Zauber-WM beschenken, anstatt dem sechsten Titel hinterher zu hecheln.

Das war schon viel besser als gegen Barcelona »

Aber Inter war in allen wesentlichen Belangen überlegen. Die Szene vor dem 2-0 war so ähnlich wie die in der 8. Minute des Pokalendspiels. Pizarro tanzte van Buyten aus, aber Butt konnte diesen Schuß noch parieren. Milito war dieses Extraquäntchen besser, dass du dann auch noch brauchst, um den Ball rein zu machen.

Oder Robbens einziger sehenswerter Torschuss, beinahe ein Duplikat seines 3-1 in Bremen, aber Julio Cesar war dieses Extraquäntchen besser als Wiese und verhinderte das Tor.

Oder der andere Innenverteidiger Demichelis, der sich vor dem 1-0 düpieren ließ. Die Tore waren keine Zufallsprodukte, Inter war immer im Spiel und nehmen wir an, Müller hätte sein Ding nach der Pause gemacht, es hätte auch 4-1 ausgehen können.

Klar, Ribery war nicht dabei, aber ob der sich nicht genauso fest gefressen hätte in dieser Abwehr wie Robben und Olic. Ich denke schon. Es ist ein schmaler Grat zwischen Robbens diversen You-Tube-Toren in den KO-Runden und dem eigensinnigen Dribbler Robben gestern, der den Moment fürs Abspiel regelmäßig verpaßte.

1999 gegen Manchester United standen Kahn, Matthäus, Jeremies, Effenberg, Zickler und Jancker in der Startelf, insgesamt ein selten ausgesuchter Kreis von überschätzen, überspielten und einfallslosen Sportlemuren. Für die Bayern 2010 musste man sich seit dem Spiel in Turin jedenfalls nicht mehr fremd schämen.

Hinter Mailand beginnt das Paradies »

Fast alle reden vom Defensivkünstler Mourinho, leise Zweifel sind angebracht. Nicht nur das Pokalfinale hat gezeigt, dass die Bayern im Moment nicht zu stoppen sind, wenn man sie spielen läßt. Florenz hat das beim Stand von 3-1 gelernt, Manchester United beim Stand von 3-0. Natürlich wird Inter es nicht mit rauschhaftem Offensivfußball wie Barcelona oder Powerpressing wie Manchester versuchen, sie werden sich aber bestimmt nicht neunzig Minuten einigeln. Die Taktik in Chelsea und Barcelona war der Auswärtstorregel in den Rückspielen geschuldet.

Diesmal gibt es kein Rückspiel, genau wie 2006 in Dortmund, als fast alle schon vor dem Halbfinale über die italienischen Defensivkünstler maulten. Italien beschäftigte die deutsche Defensive gerade so viel, dass nach vorne nicht viel ging, in der Verlängerung wechselte Lippi zwei Offensive (Iaquinta und del Piero für Camoranesi und Perrota) und letztlich den Sieg ein. Die Italiener spielen defensiv, weil sie es können, besser als alle anderen. Weil sie vom antiken Rom über Palladio, Verdi und Antonioni ein beinahe 3000 Jahre altes Formverständnis entwickelt haben und genau wissen, dass Form auch in der Kunst des Weglassens besteht. Im Weglassen zirzensischer Offensivkünste beispielsweise. Dass Mourinho Portugiese ist, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Italienisch kann man lernen.

Aufsteiger erobern die Herzen selten dadurch, dass sie die beste Abwehrreihe stellen. Auch die zurecht gelobten Mainzer waren in dieser Disziplin nur unter den besten zehn Vereinen. Geläufiger ist das Modell Hoffenheim, eine halbe oder ganze Saison hui, und danach braucht man eine ganze Weile, die Anordnung der Körper im Raum zu erlernen, Disziplin im Foucaultschen Sinne. Inters gelehrige Abwehrreihe spielt Viererkette rückwärts und im Schlaf, das Team kann aber jederzeit zwei Gänge höher schalten. In der Champions League erzielten sie 15 Tore, trafen in jedem Spiel außer in den beiden Spielen in Barcelona. Bayern traf 21 mal, davon vier mal gegen Maccabi Haifa und spielte gegen Florenz und Manchester viermal wie ein Aufsteiger mit dem hui des Tüchtigen.

Diesmal wäre ein 2-3 auswärts zu wenig.

Dr. Mourinho zieht Barca den Zahn »

Es ist nichts Besonderes, dass italienische Mannschaften taktisch besser eingestellt sind als ihre Gegner. Aber wenn sie dann auch noch gut spielen, muss selbst der beste Fußballer der Welt seine Grenzen akzeptieren. Schon das Rückspiel gegen Chelsea war ein taktischer Geniestreich von Mourinho, gestern hielt Inter die Passmaschine von Barcelona mit einer Ausnahme im Leerlauf und drehte ein Halbfinale, das nun beste Aussichten auf das Endspiel gibt. Nur das Auswärtstor hält Barca noch im Geschäft.

Meinen Live-Tweet zu ManU – Bayern vom 7. April habe ich hier unter diesem Datum noch einmal im Zusammenhang eingestellt.

Dreimal 2-1 »

Seit Jahren wollte ich diesen Kalauer schon mal machen, jetzt ist mir gestern Hansi Küpper auf Sat 1 zuvorgekommen: Standard Lüttich heißt so, weil sie bei Standardsituationen so gefährlich sind. Und nicht nur bei Standardsituationen. Dieser Lupfer-mit-Kopfball kurz vor Schluß wäre ein Tor wert gewesen. Das Rückspiel wird eine ganz heiße Nummer, wobei der HSV reichlich kassieren kann, s0 lange er nur reichlich trifft. Eine knappe 4-3 Niederlage und alle wären zufrieden. Außer vielleicht Bruno Labbadia, der sich ärgert, dass sein Team nach neun Monaten nicht spielt wie Barca, Inter und Arsenal zusammen.

Wolfsburg hat kurz vor knapp das kostbare Auswärtstor geschafft, wieder einmal war es Madlung. Der sieht zwar aus wie ein Grobmotoriker, wird aber chronisch unterschätzt, sogar von Magath, dem Talenteversteher, Juniorenentdecker, Hirnhexer. Angeblich sind englische Teams ja auswärts viel schwächer, aber die chronisch löchrige Abwehr der Wolfsburger wird eine Sternstunde brauchen. Einfacher noch, Dzeko schießt vier Tore, das könnte reichen.

Die Bayern haben mal wieder Revanche genommen für 1999. Wie beim Audi-Cup vergangenen Sommer. Ein Sieg für die Scheck Geschichtsbücher. Und im Rückspiel ManU ohne Rooney, Bayern ohne Rensing, es wird ganz eng. Warum Olic immer draußen sitzt, ist ein Rätsel, er war in Turin der entscheidende Mann, am Dienstag war er es wieder. Ob es da eine Stallorder gibt, Klose und Gomez spielen zu lassen. Von Löw?

Die europäischen Spiele sind spannend wie lange nicht, und die Europa League (warum nicht European Liga, das klingt doch viel internationaler) hat eine gute erste Saison. Platinis Reform hat gewirkt.

Im Transferwirbel »

Gerade noch mal gut gegangen. Der Rheuma-Kai bleibt dem Club erspart. Präsident Schäfer kann sich sogar noch an den letzten großen Winterfehleinkauf erinnern. Andere Entscheidungsträger kriegen gleich den Koller, wenn man sie daran erinnert, was sie vor zwei Jahren gemacht haben.

“Verantwortungsversessen”, das wäre doch mal eine schöne Kampfvokabel, um Banker, Regierungsmitglieder und Vereinsobere elegant von jeder Kritik zu befreien. Die bayerischen Steuerzahler sind verantwortungsversessen, weil sie wissen wollen, was der Herr Stoiber mit der HypoLB zu tun hatte. Die Deutschen sind verantwortungsversessen, weil sie nach acht Jahren keinen Krieg mehr in Afghanistan führen wollen. Nur die Hertha-Fans sind nicht verantwortungsversessen, winken ihren Präsidenten Gegenbauer auf der Hauptversammlung glatt durch und ihren Lieblingen noch einmal freundlich zu, bevor es in die Zweite Liga geht. Arne Friedrich gestern im kicker: “Gekas ist ein Killer vor dem Tor.” Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt das Phrasenschwein, aber der Realitätssinn, der nibbelt schon etwas früher ab.

Sehr gut gefällt mir die Rückkehr von Baumjohann zu (auf?) Schalke, ein interessanter Spieler, der die immer noch platten, aber wenigstens effizienten Offensivbemühungen entscheidend aufmöbeln könnte. Wobei es nicht verboten ist, mit Einfallslosigkeit Deutscher Meister zu werden, die Bayern wissen, wie es geht. Dass Kluge jetzt auch gleich dem Lockruf des Magath folgt, ist natürlich nicht so schön, allerdings hat er für seine Erfahrung auch zu wenig gemacht, um den Absturz zu verhindern. 1,5 Millionen sind trotzdem viel zu wenig. Ich fände ja Simak im Mittelfeld nicht schlecht, der könnte ein bißchen Kreativität reinbringen bei den rotschwarzen jungen, schrecklich Braven.

Bei den Bayern gehen die Abwanderungsbewegungen weiter, nur Rensing sucht noch eine neue Aufgabe. Vielleicht in Südamerika unter anderem Namen, einfach mal noch mal ganz von vorne anfangen als Surflehrer, oder als Chaperon, um südamerikanische Profis pünktlich zum Flughafen zu bringen. Oder doch zum VfB? Wenn Gross wirklich so ein Disziplinfanatiker ist, dann hat er Lehmanns Faxen bald dicke. Und Ulreich und Stolz sind für Barcelona dann doch ein wenig arg unerfahren.

Interessant sind auch die Mannschaften, die sich nicht verstärken, insbesondere Leverkusen, da kommen mit Helmes, Rolfes und Renato Augusto gleich drei überdurchschnittliche Spieler zurück, einfach so. Völlers Handschrift ist zu sehen. Er hat eines von zwei ganz interessanten Manager-Interviews im kicker gegeben, im anderen spricht Dieter Hoeneß. Nur Nerlinger bietet den üblichen Schwurbel, sagt erst kantig-klar: “Ich spreche nicht über Trends, sondern nur über Fakten”, wird dann aber bei der letzten Frage doch noch zum Propheten: “Dieser Tag, dass wir wieder Erster sind, ist nicht mehr fern.” Bei D. Hoeneß bin ich gespannt, was ihm gelingt, wenn er einmal richtig Geld in die Hand nehmen darf. 31,8% der befragten kicker-Fans glauben übrigens, dass Wolfsburg gegen Villareal ausscheidet, das ist der drittschlechteste Wert nach Stuttgart (85,9% gegen Barca) und Hertha (78,5% gegen Benfica). Bei Bayern glauben 89,2% an ein Weiterkommen gegen Florenz, aber Bremen hat die Nase vorn mit 95,6% gegen Twente. Und auch gegen Firenze ist es bloß ein Achtelfinale mit dem Heimspiel zuerst. Das hat selten geklappt, damals, als Bayern noch Seriengast in der CL war. Sollte der nostradamische Nerlinger sein Herz in beide Hände nehmen, Ribery verkaufen und Maicon mit diesem Geld verpflichten, dann könnte es diesmal sogar für das Viertelfinale reichen.

Der Dicke und sein Belgier »

Ich liebe Länderspielpausen, auch wenn die Schreibabstinenz war gar nicht so lange geplant war. Aber manchmal sind Nebensachen tatsächlich Nebensachen. Und so viel ist auch gar nicht passiert, vor allem bei der Nationalmannschaft. Özil wurde kräftig gehypt, während Schweinsteiger eigentlich einmal eine Pause verdient hätte. Gegen Dortmund war er zwar gut, aber gegen diese Dortmunder hätten auch Lell, Ottl und Rensing gut ausgesehen. Mehmet Scholl bereitet schon die nächste Generation hoffnungsvoller Nachwuchstalente auf Lionel Messi vor. Vier Tore gegen Barcelona kassieren fühlt sich auch nicht viel anders an als vier Tore gegen Sandhausen kassieren. Bin gespannt, wie Abwehrchef van Buyten sich in Israel gegen einen international aufstrebenden Gegner präsentiert, obwohl vier Tore, da müßte er schon einen richtig schlechten Tag haben. Bergomi sieht die Bayern heute im kicker in der CL höchstens im Viertelfinale. Sollten sie die Gruppenphase überstehen, müßten sie im Winter nachlegen, sonst reicht es wahrscheinlich nicht einmal dafür. Wenn alles nach Plan geht, werden sie in dieser Gruppe bestenfalls Zweiter, das hieße im Achtelfinale Rückspiel auswärts.

Bin auch gespannt, was der große Reformator Uli Hoeneß sagt, wenn sein Belgier sich für die EM in Polen und der Ukraine (oder war es Deutschland, Norwegen, Aserbeidschan?)  erst durch eine Qualirunde quälen muss, um dann in der Hauptrunde chancenlos richtig eingeschenkt zu bekommen. Spieler aus Schwellenländern wie Belgien, Paraguay (Santa Cruz) oder Iran (Ali Karimi und Ali Daei) sind demnächst das reine Gift für einen geordneten Spielbetrieb. Oder gibt es da noch eine Zusatzklausel: Keine Qualifikationsrunde  müssen bestreiten Länder, von denen der FC Bayern Nationalspieler unter Vertrag hat. Demnächst spielen bei den Bayern eh zehn Holländer und Ribery. Ob T-Com dann seine corporate identity aufhellen läßt? Oder spielt Oranje zukünftig in rot?

Lob des Butt »

Es ist schon bemerkenswert, wie der große Kühle aus dem Norden beim Ringelpietz mit Auswechseln stets die Nerven behält. Als Ersatz verpflichtet, ging er brav mit Käptn Klinsman auf Buddhafahrt, überstand das Katstrophendebüt in Barcelona, für das er nichts konnte, und war einer der Spieler, die im Schlußspurt noch den Platz in der Champions League sicherten. Nach Heynckes kam der dritte Trainer in zwölf Monaten, der erneut Rensing den Vorzug gab. Und jetzt debütierte die Nummer 2 am vergangenen Samstag im richtungsweisenden Spiel gegen den Meister als Nummer 1. Butt war in den entscheidenden Situationen hellwach, er hat den Bayern das Spiel nicht gewonnen, aber er war besser als nur fehlerfrei: ein ruhiger Rückhalt der nach wie vor bestenfalls durchschnittlichen Hintermannschaft. Butt hat als hervorragender Vertreter seines Fachs Respekt verdient, Bayern hin oder her. Wenn er jetzt noch anfängt, Elfmeter zu schießen, wäre er glatt ein Mann für Yogi Löw, dessen Leistungsprinzip immer mehr nach Erich Ribbeck aussieh. Vielleicht retten sich seine Jungs gegen Italien ja 2010 ins Elfmeterschießen, sofern sie gegen Finnland nicht verlieren. Dann kommt es zum Showdown Butt gegen Buffon.

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