Lob des Butt »
Es ist schon bemerkenswert, wie der große Kühle aus dem Norden beim Ringelpietz mit Auswechseln stets die Nerven behält. Als Ersatz verpflichtet, ging er brav mit Käptn Klinsman auf Buddhafahrt, überstand das Katstrophendebüt in Barcelona, für das er nichts konnte, und war einer der Spieler, die im Schlußspurt noch den Platz in der Champions League sicherten. Nach Heynckes kam der dritte Trainer in zwölf Monaten, der erneut Rensing den Vorzug gab. Und jetzt debütierte die Nummer 2 am vergangenen Samstag im richtungsweisenden Spiel gegen den Meister als Nummer 1. Butt war in den entscheidenden Situationen hellwach, er hat den Bayern das Spiel nicht gewonnen, aber er war besser als nur fehlerfrei: ein ruhiger Rückhalt der nach wie vor bestenfalls durchschnittlichen Hintermannschaft. Butt hat als hervorragender Vertreter seines Fachs Respekt verdient, Bayern hin oder her. Wenn er jetzt noch anfängt, Elfmeter zu schießen, wäre er glatt ein Mann für Yogi Löw, dessen Leistungsprinzip immer mehr nach Erich Ribbeck aussieh. Vielleicht retten sich seine Jungs gegen Italien ja 2010 ins Elfmeterschießen, sofern sie gegen Finnland nicht verlieren. Dann kommt es zum Showdown Butt gegen Buffon.
Der kleine Unterschied »
Den Unterschied, so TV-Experte Scholl, ein weiterer Arm der Fußball-Erklärer-Krake FC Bayern (Beckenbauer, Kahn, Effenberg, Hitzfeld, Helmer…), hätten die Individuen gemacht.
Beim verdienten 2-0 Wolfsburgs gegen Stuttgart am Freitag Abend machten Misimovic und Grafite den Unterschied. Und nicht nur Scholl wird sich gefragt haben, warum Zwetschge nicht im Bayern-Mittelfeld gelandet ist. “Grafite” wird übrigens nicht wie Fitsch, sondern wie Fiete, der Seemann gebrüllt, jedenfalls von seinen Fans.
Vielleicht ist das eines der Erfolgsgeheimnisse des Fußballs: dass in zwei taktischen Systemen, die sich nahezu neutralisieren, immer noch genug Platz ist für Geniestreiche wie Misimovics Schlenzer zum 1-0. In der Kneipe redet man ja doch nicht so sehr vom Verschieben und der Raute, sondern von den Toren und in diesem Fall von Lehmanns Paraden, bis zu 74. Minute jedenfalls.
Was Peter Unfried heute in der taz geschrieben hat, habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht auch weil er Freiburg mit Barca und Arsenal in einem Atemzug erwähnt. Wenn der Konterfussball der Ballzirkulation grundsätzlich ästhetisch unterlegen ist, warum hat dann jeder die Gladbacher geliebt in den Siebzigern? Wolfsburgs Stil erinnert doch sehr an Simonsen und Heynckes, die die gegnerischen Abwehrreihen einfach überrannten, vor allem zu Hause auf dem Bökelberg zauberhaften Konterfußball zelebrierten. Die Zirkulation (Arsenal, Freiburg, Holland 1974) zeichnet sich dadurch aus, dass sie allzu oft brotlos bleibt. Und die reine Ästhetik sei dann doch den Leverkusenern in der Hinrunde vorbehalten.
Katrin Weber-Klüver bemängelt an gleicher Stelle den Mangel an gewagten Thesen zum Saisonauftakt. Hier sind ein paar:
1.) Van Gaal erlebt das Ende der Saison nicht bei den Bayern.
2.) Michael Ballack fliegt aus der Nationalelf.
3.) Frankfurt spielt am Ende international.
4.) Dortmund wird der schärfste Konkurrent Wolfsburgs.
5.) Wolfsburg kommt ins Champions-League-Finale.
6.) Alle Aufsteiger halten die Klasse.
7.) Schalke landet vor dem HSV.
8.) Die drei Ostvereine Cottbus, Rostock und Union steigen auf.
9.) Dzeko spielt auch 2010/2011 bei Wolfsburg, denn
10.) Der AC Milan verschwindet im Nirgendwo der Serie A, und
11.) Die englischen Klubs haben auch kein Geld mehr.
In der taz meine gewagten Gegenthesen dazu.
(“These are my principles. If you don’t like them, I have others.” Groucho Marx)
Ferblöden mit dem kicker »
“Der Ausgleich viel aus dem Nichts,” schrieb das Fachblatt am Montag über Wiesbaden gegen Rostock.
Parcelona hat gewonnen, ich habe es nicht einmal im Radio gehört, zu peschäftigt.
Der größte sportliche Erfolg für Dortmund ist, dass Klopp nicht zu Bayern gegangen ist. Aber das mit Kehl, das könnte noch einmal eng werden. Für einen defensiven Mittelfeldspieler ist er sehr torgefährlich, er ist ein Führungsspieler, ein bißchen wie der späte Matthäus, bloß nicht so extrovertiert. Und er würde gerne CL spielen. Neuer dagegen, der stand am 19. Mai 2o01 im Parkstadion in der Kurve und soll jetzt nach Fröttmaning? Halte ich für unwahrscheinlich. Wenn es einer aus der Bundesliga wird, dann Enke. Oder doch Buffon. Italiener im Herbst ihrer Karriere sind echt voll angesagt. Vielleicht kommt auch noch Maldini. Oder Berlusconi fürs Marketing.
Derweil beim HSV gilt: kein Dino ohne Zoff.
Finale Grande »
Endlich mal wieder ein Meister, der den schönsten Fußball spielt. Vor drei Jahren jammerte Christoph Biermann auf Spiegel-Online über die allgemeine Begeisterung beim Wolfsburg-Bashing. Dann traf das Two-Hit-Wonder Makiadi im entscheidenden Abstiegskrimi einmal und legte einmal auf, dann kam Magath. Voilà und Gratulation. Das Interview auf dem Rathausbalkon in München war ein echtes Schmankerl. Ich fürchte, in Gelsenkirchen gibt es gar kein Rathaus geschweige denn einen Balkon.
Ansonsten lauter gute Ergebnisse, Bayern auf Platz zwei ist völlig in Ordnung. Jetzt darf van Gaal eine Taktik ausklügeln, bei der man in der KO-Runde weder auf AC Milan, Barca oder englische Mannschaften trifft. Hertha, als Vizemeister der Herzen nach Baden gefahren, kehrt aus dem Wildparkshredder zerzaust in die Heimat zurück. Aber CL wäre des Guten zu schnell gewesen. Erst mal Omonia Nikosia überstehen, bevor ManU kommt.
Ich weiß nicht, was mich mehr freut: dass es der HSV geschafft hat oder dass es Dortmund nicht geschaft hat. Ein gnädiges Ende nach alptraumhaften Wochen für Jol und seine wackere Truppe, nicht immer heißt der Gegner Bremen. Dortmund traute sich nicht, gegen gerettete Gladbacher voll auf Sieg zu spielen und wurde bestraft. Das 14. Unentschieden war eins zu viel für Europa. Trotzdem ist der BVB unter Klopp auf einem guten Weg. Bergdölmo ist nur noch ein böser Traum.
Hoffenheim landet vor Schalke, Bremen und Leverkusen. Hätte es die irrsinnige Hinrunde nicht gegeben, wäre allein schon das ein Grund, Kapriolen zu schlagen. Sollte Ibisevic wieder auf die Beine kommen und die gute Transferarbeit fortgesetzt werden, war das der Anfang einer wunderbaren Bundesligakarriere. Und Hildebrand kommt langsam in Form.
Im Keller krallt sich Cottbus den Relegationsplatz. Das freut mich erst einmal, noch mehr, wenn morgen der Club noch Zweiter wird. Jedenfalls geht es weder gegen Hans Meyer noch Fucking Bielefeld und Jörg “Untot” Berger, die als 18. nach unten gehen. Der Feuerwehrmann kam diesmal zu spät. Vielleicht in Ostwestfalen einfach mal “Burning down the House” von den Talking Heads auflegen und eine Runde chillen.
Der Rest war stille Begleitmusik, abgesehen von der Entlassung Funkels. Mehr als er kann man aus dieser Mannschaft mit dieser Verletzungsserie nicht herausholen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat, auch die legendäre Vier-Kreuzbandrisse-Saison von Dortmund kommt da nicht ran. Und jetzt will man europäisch spielen und weiß nicht, mit wechem Trainer. Das klingt alles verflucht nach launischer Diva. Vielleicht darf Stepi noch einmal ran, oder das sympathische Jahrhunderttalent Jürgen K. Die Direktflugauswahl nach Kalifornien soll in FRA ja recht gut sein. Mir hat der Kommentar im kicker zu Klinsmann recht gut gefallen, der sich gar nicht darauf einläßt, Medienschelte zurückzuweisen, sondern dem Guru schlicht und sachlich einige seiner Fehler noch einmal aufzählt. Als verkanntes Trainergenie hatte der Jürgen tatsächlich Ähnlichkeit mit seinem ewig mißverstandene Kollegen, dem Lothar.
PS: Sage keiner, die Bremer hätten es heute versaut. Hätte Bayern in Wolfsburg einen Punkt geholt, wären sie heute mit diesem Punkt Vorsprung Meister geworden. Nicht nur der SVW ist bei den Wölfen in dieser Saison 1-5 untergegangen.
Mythos Heimvorteil »
Ist ja schon wieder ein paar Tage her in dieser ereignisreichen Woche, aber halten wir fest: In den europäischen Wettbewerben sind drei der vier Teams, die das Rückspiel zu Hause hatten, rausgeflogen. Am schlimmsten traf es den HSV, der 1-0 auswärts gewann und zu Hause 1-0 in Führung ging. Nach dem 0-2 in der Bundesliga am Sonntag wird der SV Werder die Hamburger noch im Schlaf verfolgen, als Nachtmahr in Grün. In der Abschlußtabelle wird der HSV in dieser Saison vor Bremen stehen, aber bis es zu einer neuen Hierarchie im Norden kommt, müssen die Hamburger noch ein ganzes Stück wachsen. Löws Bemerkung in der aktuellen FAZ am Sonntag, dass gute Trainingsarbeit nicht nur an Titeln gemessen wird, ist in diesem Zusammenhang wichtig. Selbst wenn zum Schluß die Europaliga auch noch auf der Strecke bleiben sollte, der HSV hat sich in dieser Saison immens verbessert. Er hat eine tragfähige Philosophie entwickelt. Bremen steht jetzt im Endspiel und hat eine reelle Chance auf den Titel, auch ohne Diego. Wohl dem, der in einer verkorksten Saison UEFA-Cup und DFB-Pokal gewinnen kann. Beide Pötte zusammen hieße dann vermutlich nicht DOUble sondern DEUbel.
Ebenfalls Alpträume bereitete der Schiedsrichter am Mittwoch dem FC Chelsea. Obwohl seine Leistung unglaublich schlecht war – man kann darüber streiten, ob er zwei oder drei Elfmeter für die Engländer hätte geben müssen, auch die Rote Karte für Abidal war zweifelhaft – haben es sich die Blues selbst zuzuschreiben. Ein Auswärts-0-0 im Hinspiel ist das undankbarste aller Ergebnisse. Man fühlt sich als moralischer Sieger und hat im Grunde nichts erreicht. Nach dem Ausgleich von Iniesta jubelten frankophone Afrikaner in einem Irish Pub fünfhundert Meter entfernt von der deutsch-schweizerischen Grenze. Das heißt heute Globalisierung und hieß früher Internationalismus, oder so ähnlich. Das Spiel hatte etwas von Leverkusen gegen Cottbus, nur teurer. In der 93. Minute glich das technisch edle, aber harmlose Leverkusen aus und ist jetzt Außenseiter gegen die Offensivmaschinerie des Titelverteidigers. ManU ließ Arsenal nicht den Hauch einer Chance. Immerhin ein Traumfinale, und nicht wieder rein englisch. Der neue CL-Modus gibt anderen Ländern als den großen vier eine bessere Chance, ihre Meister in die Gruppenrunde zu bringen.
In den Ligen geht es immer enger zu, nur Union und Freiburg durften am Sonntag schon feiern. Am Dienstag bzw. Mittwoch geht es weiter im großen Nervenspiel. Selbst Dortmund ist theoretisch noch dabei und siegt und siegt und siegt. Über das 1-1 im Frankenderby bin ich nicht unglücklich, offenbar hat man den Fürthern ein Tor geklaut, Der Fußballgott liebt eben Mannschaften wie den FC Barcelona und den 1. FC Nürnberg, wer wollte es ihm verdenken.
Die Criminale war eine schöne Erfahrung, die Glauser-Verleihung war ebenfalls eine sehr enge Angelegenheit. Gewonnen hat der Roman “Nacht ohne Schatten” von Gisa Klönne, ein Buch, das ich aus vollem Herzen als lesenswert empfehlen kann. Es ist traurig, packend und klug.
Debütantenball »
Noch eine Merkwürdgkeit aus dieser bemerkenswerten Saison. In der Manschaft des letzten Spieltages im kicker waren acht Spieler zu finden, die es erstmals dorthin geschafft haben. Sie alle stehen für die wechselvolle Entwicklung ihrer Vereine, die jetzt erst im Schlußsport ihre Leistung oder wenigstens die Ergebnisse abrufen können. Skela ist der heimliche Regisseur in Cottbus, der Kopf, den die Mannschaft so lange gesucht hat. Sahin (offensiv) und Owomoyela (defensiv) zeigen, dass Klopp nach den vielen Unentschieden in der Lage ist, noch ein paar Prozent aus seinen Leuten rauszukitzeln. Schulz und Andreasen stehen für die erstaunliche Heimstärke Hannovers (30 Punkte) und zeigen, dass bei allem Geholper und Gestolper Hecking der richtige Mann für die 96er ist. Magnin, keiner der hoch gehandelten Namen im Stuttgarter Talentschuppen, war der Antreiber gegen Köln und ist der unspektakuläre Teamplayer aus dem Lehrbuch. Langkamp von Karlsruhe weckt die Scheintoten wieder zum Leben und zeigt, dass der KSC vor allem ein Stürmerproblem und kein Einstellungsproblem hat. Neuer kämpft laut einigen Kommentatoren im Moment mit seiner Form, ist aber nach Enke und Eilhoff trotzdem schon Drittbester bei den Torhütern und gehört zur besten Defensive der Liga. Gut möglich, dass wir weitere Novizen sehen.
Die CL-Halbfinals waren wieder einmal Leckerbissen für Taktik- und Technikliebhaber. Chelseas Defensivarbeit war überragend, intelligent antizipierend und im wesentlichen sehr fair. Barca wirkte manchmal wie eine Luxusvariante von Leverkusen: spielerisch überlegen, aber zu wenig zielstrebig.
Arsenal merkt man an, dass die Mannschaft noch sehr jung ist. Viele gute Ideen, aber die Automatismen laufen noch nicht so gut wie bei Barca. Ein Traumpass ist noch keine Ballstaffette ist noch keine Ballzirkulation. Fabregas ist eine Klasse für sich, das war schon bei der EM so. Er platzt vor kreativen Ideen. Noch zwei, drei Jahre und er ist an der Spitze. Er hat einen ganz eigenen Blick auf das Spiel. ManU spielte sehr gefährlich und sehr abgeklärt. Könnte gut sein, dass sie ihren Titel verteidigen. Ein Endspiel gegen Barca wäre ein echtes Leckerli, aber Hiddink und Ballack als Sieger würd mich auch freuen.
Der Zauberlehrling (Säbener Remix) »
Hat der alte Meistertrainer
Sich im Sommer weg begeben
Und nun sollen seine Spieler
Auch mit mir zu Titeln streben
Trainingsplan und Taktik
Mach ich aus dem Bauch
Mit mentaler Stärke
Tu ich Wunder auch
Balle, balle
Schweini Ecke
Daß zum Zwecke
Toni schieße
Und mit reichem, vollem Schwalle
Tor auf Torflut sich ergieße
.
Rensing komm, du alter Besen
Nimm die neue Trikotage
Bist schon lange Knecht gewesen
Spielst jetzt in der Beletage
Auf zwei Beinen stehe
Nicht zu weit vorm Tor
Eil heraus und gehe
gegen jeden vor
Kralle, kralle
Edler Recke
Manche Ecke
Unterlaufen
Hier und da ein Stellungsfehler
Gegentor zum Haare raufen
.
Seht, da läuft die Viererkette
Wahrlich, sie läuft hinterher
Und mit Blitzesschnelle wieder
Fällt ein Kontertor nicht schwer
Lell und Demichelis
Tanzbären unter sich
Und auch Lahm und Lucio
Gar nicht meisterlich
Butt und Buddha
Leistungszentrum
Täglich wird
Laktat gegessen
Doch, ich merk es, wehe, wehe
Habe Jogi Löw vergessen
.
Ach, der Sport, der schien so simpel
Den man aus dem Ärmel schüttelt
Ihn kapiert nicht jeder Gimpel
Barca hat uns durchgerüttelt
Immer neue Flanken
Brachten sie herein
Meiner Spieler Füsse
Waren schwer wie Stein
Nein, nicht länger
Kurz zu passen
Musst ich lassen
Meisterstücke
Vielleicht frag ich Arsene Wenger
Welcher Spieler, wo die Lücke
.
O du Ausgeburt der Hölle
Klose konnte nicht mehr laufen
Vielleicht würd ich auf die Schnelle
Doch noch einen Neuen kaufen
Ein verstockter Spieler
Der nicht hören will
Poldi, oh mein Poldi
Bist ja gar so still
Willst am Ende
Mich verlassen
Will dich fassen
Will dich halten
Denn als Stammplatzbankverwalter
Bist du einer von den Alten
.
Seht, da kommt van Bommel wieder
Und er foult sogleich mit Verve
Sorgt für Mittelfeldbambule
Krachend trifft der Stollen Schärfe
Wahrlich, brav getroffen
Sechser Nummer zwei
Auf ihn konnt ich hoffen
Der Ze lief für drei
Fummel, fummel
Franck der Dribbler
Freistoßschnibbler
Spielte viel zu eigensinnig
Völlig fertig gegen Schalke
Null zu eins, ich glaub, jetzt spinn ich
.
Und sie spielen, mies und mieser
Wird die Stimmung auf den Rängen
Welcher Trainer? Nur nicht dieser
Management folgt ihrem Drängen
Schwupp, da kommt der Meister
Jupp, die Not ist groß
Unsren Zauberlehrling
Sind wir endlich los
Auf der Strecke
Klinsi Klinsi
Sei’s gewesen
Fußballlehrer
Heißt nicht Ball und Pass und Ecke
Sondern ist bekanntlich schwerer
Käptn Klinsmann in schwerer See »
Selbst wenn Barca im Hinspiel nullnull gespielt hätte, wären sie weitergekommen, ich finde, das macht den Klassenunterschied noch einmal deutlich. Und die Radioreportage von Andre Siems und Edgar Endres war grenzwertig. Siems auf dem Anti-Italien-Verschwörungstrip, Endres sprach mehrüber die pfeifenden Fans als über das Spiel.
Dass die Südkurve den Trainer auspfeift kam wahrscheinlich zuletzt mit Jupp Heynckes vor, und gellt in der prachtvollen Quartalsverluste-Arena besonders prächtig. Jetzt muss Uli Hoeneß halt das Festgeldkonto abräumen und auf elegante Weise Kim Il McRummenigge beseitigen, damit Otti den Doppelverdiener machen kann. Dann käme Frei zu den Bayern und die Welt wäre beinahe gerettet.
Dass sich Klinsmann die taz auch noch aufbürdet, zeigt, wie sehr er von der Rolle ist. Am Osterdienstag wäre die Sache vergessen gewesen. Die Klinsmann- und Bayernfreundliche taz hat jetzt das Problem, eine Klage abzuschmettern, mit der sie nie gerechnet hat.
Gesucht: Europas beste Vereinsmannschaften »
Blogger probek auf probek.net führt seit März eine monatlich neu zusammengestellte Liste der zehn besten Vereinsmannschaften Europas. Bei der Auswahl mitmachen kann jeder, der sich anmeldet. Ich werde es nicht regelmäßig schaffen, teile aber hier einmalig meine Auswahl für April 2009 mit, schön subjektiv, wie vom Veranstalter gewünscht.
1. Barca: Weil sie den Ball immer flach ins Tor schieben, anstatt ihn drüber zu dreschen. Und wegen Xavi.
2. Chelsea: …for the loser now might be later to win… Es riecht nach einem europäischen Titel für die Blues und für Ballack.
3. 1. FC Nürnberg: 4 Spiele, 4 Siege, 10-0 Tore. Das schafft auf Zweitligarasen nicht einmal Barca.
4. HSV: Wer Rückstände so eiskalt aufholt, sieht auch im Loser-Cup wie ein Sieger aus.
5. Silkeborg IF: Weil Ebbe Sand dort Scout ist.
6. Wolfsburg: Die Sportschau blendet eine englische Reportage von Grafites 5-1 gegen Bayern ein, europäischer geht’s kaum noch.
7. Liverpool: Wie immer extrem sympathisch. Aber leider zu viele Unentschieden. Und neuerdings auch Heimniederlagen. Es wird eng für die Reds.
8. Porto: Von zwei Auswärtstoren in Manchester konnte Inter Mailand nur träumen. Porto schleicht sich ans Halbfinale ran. Wird das Theatre of Dreams zum Theatre of Nightmares?
9. Schalke 04: Die Back Street Boys aus Buer zeigen endlich wieder Eurofighter-Qualitäten. Allen voran Kevin, “das Kampfschwein” Kuranyi, der Strafraum-Musketier. Gebt ihm einen Federhut und der Bart erklärt sich von selbst.
10. Nicht vertreten: Italien. Bitte keine Fans und Polizisten mehr umbringen, Faschistengehampel bleibenlassen, Schmiergelder einsparen und mit drei Stürmern spielen. Und dann: Forza Calcio.
Stille Momente perfekten Glücks »
“Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön..” wäre deplatziert, liegt ein historisches 1-5 doch gerade erst einmal vier Tage zurück. Aber Barcas Auftritt war schon das Sahnestückchen der bisherigen Saison. Wäre da nicht der legendäre Bayerndusel, die Partie wäre wohl 8-0 ausgegangen. Und die tragischen Fälle Lell und Rensing zeigen, wie sehr alles falsch läuft bei den Bayern. Unter Hitzfeld war Lell ein hoffnungsvolles, wenn auch mäßig begabtes Eigengewächs. Trainingsfleißig wie Dieter Eilts und bescheiden wie Rudi Völler hätte er vielleicht ein solider Rechtsverteidiger werden können, so gut wie Arne Friedrich, unauffällig und unverzichtbar. Unter Klinsmann wurde durch die Verpflichtung des sympathischen Jahrhunderttalents Maximo-Otto Lells Karriere bei den Bayern auf sehr ruppige Art offiziell für beendet erklärt. Wer dem behäbigen Italiener mit seinen unsäglichen Flanken aus dem Halbfeld weichen muss, sollte lieber Tischtennis spielen oder Sportsocken verkaufen. Lell heute ins Offensivspiel von Messi laufen zu lassen, hatte etwas von Menschenopfer. Ja, Lahm war verletzt und Lucio auch und van Buyten erhielt aus guten Gründen Dispens. Aber wo war eigentlich der für links unlängst erst verpflichtete Marcell Jansen? Auch keine Granate im Defensivbereich, aber wenigstens läuferisch hätte er Messi nahe kommen können. Und beinahe jeder, der in der Bundesliga hinten links spielt, hat taktisch mehr drauf als Lell in dieser Position. Hätte man da nicht wie die Gladbacher in der Winterpause noch jemand holen müssen? Wahrscheinlich schafft Klinsmann es nicht, sechs gleichwertige Ersatzspieler ins Team zu integrieren und bei Laune zu halten. Deshalb tauchte im Camp Nou der Name Badstuber im Bayernkader auf.
Nehmen wir an, die Bayern hätten mit dem neuen Trainer und dem neuen Konzept diese Saison als Jahr des Übergangs ausgerufen. Dann hätte der junge Rensing bei seinem Weg in die größten Fußstapfen, die die Liga 2008 zu bieten hatte, in Ruhe aufgebaut werden können, so wie Adler in Leverkusen. Aber Rensing erst wie Hoeneß zum einzig ernsthaften Anwärter auf die Nachfolge von Lehmann auszurufen, ihn wie Klinsmann immer mit der Formel “Er wird die Zeit bekommen, die er braucht” in Sicherheit zu wiegen, und ihn dann kurz vor dem Spiel des Jahres kaltschnäuzig abzuservieren, das ist planlose seelische Grausamkeit. Es ist dieses ewige Hüh und Hott, dieses Weltklasse sein wollen und über Nacht Nachwuchs aus dem Hut zaubern müssen, das nicht funktionieren kann. Guerrero weg. Kroos weg. Schlaudraff weg. Podolski in tiefster Melancholie. Schweinsteiger in der Stagnation. Und der schon erwähnte Janssen blüht unter Jol in der Rückrunde auf, wird jeden Tag ein bißchen besser. So wie Aogo, Pitroipa, Guerrero. Vermutlich kommt im neuen Jahr Enke. Und Rensing wird der Kompagnon von Lell. Nachwuchsarbeit 2010.
Die Bayern haben es geschafft, in den letzten Jahren zwei der drei besten deutschen Trainer (Schaaf wäre ebenso wenig kompatibel wie Frings) zu vergraulen. Hitzfeld ist gegangen, weil ihm Kim Il McRummenigge vorgerechnet hat, dass Fußball keine Mathematik ist. Magath ist gegangen, weil er die geballte Fußballkompetenz an der Säbener Straße nur mit geballter Faust in der Tasche ertragen konnte, und weil er ein wenig von dem vielen schönen Festgeld gerne in neue Spieler investiert hätte.
Wenn es jetzt ausgerechnet dem seriösen, geduldigen Funkel und dem Chancengleichheitsverfechter Bruchhagen und der verletzungsgeplagten Eintracht gelänge, den Bayern auch noch den Zahn in der Meisterschaft zu ziehen, könnte man von einer perfekten Woche sprechen. Aber in der Allianz-Arena sind die Bayern ja eine nicht nur von den eigenen Fans gefürchtete Heimmannschaft.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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