Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Das Manager-Spiel in der Hinrunde »

Wie schon erwähnt, spiele ich in dieser Saison nur Bundesliga, und die Reduzierung aufs Wesentliche hat meinen Mannschaften gut getan. Auch die Entscheidung Classic und Interactive auf 15 Positionen identisch zu besetzen, also das Classic-Team als Grundlage für Interactive zu nehmen, hat sich ausgezahlt.

Bei der Classic-Variante konnte ich am 17. Spieltag mit Platz 613 das bisher beste Tagesergebnis erzielen und in der Gesamtwertung auf Platz 4800 (bei 120000 Teilnehmer/innen) nach oben klettern. Wesentlich dazu beigetragen hat Raul mit seinen drei Toren gegen die gerupften Bremer (oder sagt man bei Fischköpfen: geschuppt?), aber auch Wollscheid ist nach seinem kleinen Durchhänger wieder bei seiner Normalform angekommen. Abräumer Nummer Eins war Reus, der mit 112 mehr als die Hälfte meiner 221 Punkte eingespielt hat. Hoffnung macht, dass die Spieler, die schwächeln – als da wären – Rodnei mit -26, Johnson mit -4 und Feulner mit -2 – allmählich besser in Form kommen. Dass eine Mannschaft mit drei Nürnbergen und drei Schalkern so weit oben steht, ist in jedem Fall erste Sahne.

Bei den Interaktiven sieht es nicht ganz so gut aus. Mein bestes Ergebnis hatte ich am siebten Spieltag. Mit 60 Punkten als Tagesergebnis stand ich auf Platz 4100, um parallel zur Nürnberger Krise nahezu ungebremst und quälend langsam bis auf Platz 38000 abzurutschen. Das Finale der Hinrunde führte mich auf Platz 28000 (von 234000) zurück. Ergänzend zu den Classic-Spielern sind im Interactive-Kader noch Pander und Tiffert hervorzuheben, auch die beiden mit tendenziell leicht aufsteigender Formkurve.

Bleibt die Frage, ob ich neue Spieler holen soll. Manch einer hat sich zu weit aus dem Transferfenster gelehnt und ist dabei böse auf die Nase gefallen. Meine Spieler kommen aus Schalke, Hoffenheim, Kaiserslautern, Gladbach, Köln, Bremen, Hamburg und vom Club. Und bis auf die billigen Füllkäufe ohne Einsätze und Problembär Arnautovic sehe ich bei all diesen Vereinen noch Luft nach oben. Nun gut, Reus und Raul spielen schon am Limit. Aber wenn alle anderen noch ein bißchen besser werden, dann könnte es am Ende für die oberen Zehntausend reichen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012. Vielen Dank fürs Lesen, Diskutieren, Klugscheißern, Korrigieren und Widersprechen in den vergangenen zwölf Monaten.

Die Totgesagten schlagen zurück »

Der HSV 2-0, Wolfsburg 4-1, Leverkusen 2-0. Drei Mannschaften, von denen viel zu selten Gutes zu sehen war im ersten Drittel der Saison, haben sich am Wochenende eindrucksvoll zurückgemeldet. Und Guerrero, Benaglio und Ballack geben den Siegern ein Gesicht. Alle drei galten vor der Saion als Problemfälle beziehungsweise Wackelkandidaten, alle drei haben ihre Bestform wieder gefunden. Das wird ein großes Gedrängel geben. Jede dieser Mannschaten hat das Zeug zu einem Durchmarsch in der Rückrunde, wie Stuttgart ihn schon ein paar Mal geschafft hat. Sogar der HSV ist nur acht Punkte von einem Platz im europäischen Wettbewerb entfernt.

Es fragt sich, wer eigentlich gegen den Abstieg spielt, außer Nürnberg natürlich. Nürnberg hat sich mit dem 0-4 auf Schalke eindrucksvoll in seiner Königsdiziplin zurückgemeldet und gleich einmal den heiß begehrten Relegationsplatz gesichert. Ob da schon auf die Frankenderbys zwei und drei gegen Fürth neben dem Pokalspiel im Dezember spekuliert wird? Ansonsten werden sich ganz am Ende Kaiserslautern, Augsburg, Mainz, Freiburg und noch ein oder zwei Mannschaften tummeln, mit denen jetzt noch keiner rechnet. Vielleicht geht Hertha doch irgendwann die Luft aus. Leider kann Eintracht Frankfurt nicht jedes Jahr aus der Bundesliga absteigen. Nürnberg hat mit dem Restprogramm Kaiserslautern, HSV, Hoffenheim, Leverkusen noch drei direkte Konkurrenten vor der Winterpause, noch steht der HSV nicht auf Platz sechs. Wenn es an Weihnachten 18 Punkte wären, könnte sich keiner beklagen. Die Hinrunde erfüllt bisher meine Erwartungen. Dafür, dass er vier wichtige Spieler verloren hat und zahlreiche Verletzungen zu beklagen hatte, schlägt sich der Club erstaunlich gut. Auch beim 4-0 auf Schalke fiel die Mannschaft nicht auseinander, sondern war lediglich zu brav. Der kicker hat bei den Transfers Tomas Pekhart übrigens als Mitläufer eingestuft. Das ist mir völlig unverständlich, sagt die Redaktion doch ausdrücklich, es komme auf den relativen Wert eines Spielers für einen Verein an. Für den Club ist Pekhart ein Volltreffer.

Die Bayern schrauben ihre Bilanz gegen Mannschaften auf Platz 2 bis 9 auf 3 Niederlagen 2 Unentschieden und 2 Siege. Wie Mainz in der vergangenen Saison war die Gastmannschaft aus Lüdenscheid taktisch überlegen. Eigengewächs Hummels war bester Spieler bei gelb-schwarz, Königstransfer Boateng machte den entscheidenden Fehler. Bremen und Stuttgart kommen noch. Beiden traue ich wenigstens ein Unentschieden zu. Wenigstens hat die zweitbeste Mannschaft Europas im unteren Tabellendrittel mal so richtig gezeigt, wo der Hammer hängt. Dieser Flirt mit Reus kann eigentlich nur heißen, dass Robbens Zeit in München bereits angefangen hat, zu Ende zu gehen. Oder wird sich der Timo ein Jahr lang auf der Bank wiederfinden, was er dann den Rest seiner jäh unterbrochenen Laufbahn als “unglaublich wichtige Erfahrung” verkaufen kann?

Hannover macht Spass »

In dieser Woche jährt sich der Todestag von Robert Enke zum zweiten Mal. Man kann nur darüber spekulieren, ob es Ralf Rangnick (Burnout) und Christian Stoll (schwere Depression), dem Stadionsprecher von Werder Bremen und DFB leichter gefallen ist, ihre Situation öffentlich zu machen, weil Enkes Witwe Teresa und die Stiftung konsequent für mehr Akzeptanz von psychischen Erkrankungen arbeiten. Natürlich bekommt der Tod Enkes auch dadurch nachträglich keinen Sinn, vielmehr ist es wie meist erst die Katatrophe, die zum Umdenken zwingt.

Hannover 96 ist neben Gladbach und den unbedarft daherbolzenden Jüngern Pizarros die dritte positive Überraschung dieser Saison, wobei Gladbach eigentlich keine Überraschung ist. Während sich Freiburg, Mainz und Nürnberg nach Trainer- bzw. Spielerverlusten und massiven Verletzungsproblemen völlig neu sortieren müssen, sind die Roten noch stärker als in der letzten Saison. Und es sieht zwar noch nicht so gut aus wie Lüdenscheid in Galaform, aber mitreissend ist es fast immer. Ob das 2-1 gegen die Bayern, das 2-1 in Kopenhagen oder das 2-2 gegen Schalke. Immer steht eine Truppe wie Pech und Schwefel auf dem Platz. Immer kann die Mannschaft reagieren, Kampf und Herz, Taktik und Kopf ergänzen sich im Moment auf ansehnlichste Art und Weise. Das Schlüsselerlebnis war sicherlich die Qualifikation gegen Sevilla, eine kleine Meisterleistung.

Mit Pander haben sie den gefährlichsten Linksfuss der Liga, mit Schlaudraff den Mann mit dem raffiniertesten Außenrist seit Beckenbauer. Dazu Kämpfer wie Pinto und Cherundulo sowie Dauerläufer wie Schmiedebach und Stindl. Bis auf Zieler, Schlaudraff und Ya Konnan ist Hannover ein Team ohne Stars, das von Slomka optimal eingestellt ist. Sogar die schlechte Laune wegen Durststrecke von Torjäger Ya Konnan steckt man souverän weg, ist dadurch sogar noch schwerer auszurechnen. Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass solides Wirtschaften und kluge Transferpolitik jetzt auch mit langfristigem Erfolg belohnt werden.

Dass man im Pokal gescheitert ist, mag im Hinblick auf die europäische Qualifikation ärgerlich sein, allerdings reicht ja jetzt auch Platz vier zur CL-Quali. Und Hannover hat noch Luft nach oben. Nachdem Titel gewinnt, wer Spiele dreht, traue ich den 96ern den Weg ins Finale der Europa League durchaus. Wenn dort Schalke der Gegner wäre, wüßte ich gerade nicht, wem ich den Titel mehr gönnen würde.

Das Märchen von den Über-Bayern »

Zu den beliebten Phrasen zur Einschüchterung der Konkurrenz gehört der Satz: Die Bayern können sich nur selbst schlagen. So, als ob es egal sei, wer da sonst noch auf dem Platz steht. Wenn Gomez in Neapel einen Elfmeter nicht verwandelt, Tollpatsch Badstuber sich einen Ball selbst reinsemmelt oder zwei Spieler ausrasten, weil Pinto von Hannover 96 nach einem Foul auf der Höhe der Mittellinie behandelt wird, könnte man auch sagen: Die Mannschaft ist dem Druck nicht gewachsen.

Eigentlich hätten Boateng und Kroos beide vom Platz fliegen müssen, denn bereits der Schubser von Kroos gegen den 96er-Betreuer war eine rotwürdige Tätlichkeit. Beide Spieler haben an diesem Ort nicht das geringste verloren, sie hatten mit dem Zweikampf nichts zu tun, Pinto liegt draußen und verzögert das Spiel nicht, der Auftritt war völlig überflüssig und in keiner Weise professionell. Über eine rote Karte von Schulz kann man nachdenken, allerdings versucht der, seinen Betreuer zu schützen und Boateng schubst gegen Schulzens Hals und weitaus heftiger als dieser.

Bayern hat gegen die Mannschaften auf Platz 2 bis 9 in der Tabelle bisher fünf Spiele bestritten: gegen Gladbach und Hannover haben sie verloren, gegen Hoffenheim ging es 0-0 aus, gegen Leverkusen und Schalke haben sie gewonnen. Von ihren bisher 26 Toren haben sie sieben geben Freiburg (18.), fünf gegen den HSV (17.), drei gegen Kaiserslautern (14.) und vier gegen den Aufsteiger Hertha erzielt. Das ist keine Bilanz für die man sie pflichtschuldigst zur Übermannschaft ausrufen muss. Dortmund, Stuttgart und Bremen stehen aus der oberen Hälfte noch auf dem Programm.

Es gibt auch andere Mannschaften, die 5-0 gewinnen können. Die tapferen Lüdenscheider Duracell-Häschen zum Beispiel, die sich immer besser in die unheimliche erste Saison nach der Überflieger-Saison reinbeißen, auch wenn sie in der Champions League vermutlich weitherhin kein Land sehen werden. Die haben mit ihrem Verletzungspech und den Nackenschlägen auf europäischem Parkett schon eine Menge wegstecken müssen und sind trotzdem Zweiter. Oder Schalke. Die haben ihren Wunschtrainer durch Krankheit und ihren etatmäßige Torhüter durch Verletzung verloren und sind trotzdem Dritter. Oder Hannover. Die haben die Doppelbelastung der Europa League, weil sie zwei Schlüsselspiele gegen Sevilla mit Bravour absolviert haben, spielen faktisch ohne ihren wichtigsten Stürmer und sind trotzdem Vierter. Oder der HSV. Der ist der HSV und hat trotzdem einen Punkt gegen Wolfsburg geholt.

Apropos Nackenschläge: Für die Bayern gäbe es keinen besseren Moment, sich im Pokal zu blamieren, als gegen den frischgebackenen Tabellenletzten der Zweiten Liga, Ingolstadt. Und am Samstag kommt dann der Club nach München. Zeit für einen Underdogday Afternoon.

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Und niemals vergessen:

Mein neuer Krimi Kleine Biester erscheint im November bei Rotbuch.
Kaufen und lesen: http://www.hammett-krimis.de/

Die Premierenlesung steigt am 11.11. um 20 Uhr in der Buchhandlung Otherland am Marheinekeplatz in Kreuzberg.
Kommen und zuhören: http://tinyurl.com/3tlkzjy

Habe nun acht… »

…Spieltage gesehen, und nach einem knappen Viertel der Saison ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Teil Zwei folgt dann am Donnerstag.

Bayern München: Die Mannschaft tut alles, um die Frage offen zu lassen, ob Manuel Neuer auch in München Spiele gewinnen kann. Die Viererkette ist besser als im Vorjahr. Hätte das zweite Gegentor nach dem zweiten Neuer-Patzer in Wolfsburg gegolten, hätte Manchester City seine beiden Elfmeter bekommen, wäre nicht alles Heynckes, Freude, Eierkuchen. Meister wird die Mannschaft, die Rückstände dreht. Die Bewährungsproben kommen noch. Größte Überraschung: Kokspetze Hoeneß entdeckt plötzlich, dass es einen Rechtsstaat gibt. Wichtigste Frage: Wird Robben, wenn er weiter mault, an van Gaal ausgeliehen?

Werder Bremen: Endlich wieder Werder-Fußball, wie wir ihn schätzen. Mertesackers Weggang wurde kompensiert, Arnautovic trotz Roter Karte resozialisiert, Defensive mit Offensive austariert. Ohne lästige Demütigungen in der Champions League hat Werder in der Bundesliga noch Luft nach oben. Größte Überraschung: Fritz ist ein guter Kapitän. Wichtigste Frage: Bleibt Pizarro gesund?

Borussia Mönchengladbach: Wie schon am Ende der Saison an dieser Stelle erwartet, spielen die Gladbacher nach der erfolgreichen Relegation eine sagenhafte Saison. Mit ter Stegen haben sie den besten Torwart der Liga (Bayern-Scouts aufgepaßt). Favre hat die schlummernden Potenziale geweckt. Eberl ist  über Nacht vom Krisenmax zum Visionär gereift. Größte Überraschung: Mike Hanke ist ein Leistungsträger, schießt keine Tore und hält trotzdem die Klappe. Wichtigste Frage: Reicht es für Platz vier?

Schalke 04: Huub, Huub hurra. Rangnick hat enormen Mut bewiesen, jetzt ist es für Schalke besser gekommen, als man hoffen durfte. Stevens redet kokett von Platz zwei, aber trotz aller Verehrung der alten Helden mal ehrlich: Der Sturm mit Huntelaar und Raul ist eigentlich sogar noch ein bißchen stärker als der mit Sand und Mpenza. Größte Überraschung: Jermaine Jones ist wieder mit dabei und hat eine Frisur gefunden, die zu seinen Tattoos paßt. Wichtigste Frage: Wie bringt Stevens Fährmann in die Spur?

Hannover 96: Der Slomka-Express rollt weiter. Weniger abhängig von Ya Konnan, mit dem Schnäppchen des Jahrzehnts Pander als brandgefährlichem Überraschungsgast auf links. Wer Bremen 3-1 besiegt und dafür vom kicker die Spielnote 1,5 erhält, darf sich auf eine weitere große Saison freuen. Größte Überraschung: Kein Einbruch wegen der Europa-League, schon die Spiele gegen Sevilla waren erste Sahne. Wichtigste Frage: Wann bringt Jörg Schmadtke die Kunst des Inneren Lächelns endlich als Yoga-DVD raus?

Borussia Dortmund: Trotz des Verlusts von Sahin und der Verletzung von Barrios wirkt der Kader wieder sehr kompakt. Kleine Abnutzungserscheinungen sind vertretbar. Mit Perisic wurde wieder sehr gut eingekauft. Die Lüdenscheider brauchen noch ein wenig Anlaufzeit, dann werden sie noch weiter nach vorne kommen. Größte Überraschung: Der Punkt gegen Arsenal. Wichtigste Frage: Ob sie wenigstens ein Spiel in der Champions League gewinnen werden?

VfB Stuttgart: Das sieht jedenfalls nicht nach Horror-Hinrunde aus. Heimlich, still und leise malochen sich die Schwaben nach vorne. Und der notorische Überflieger Labbadia beweist nach der guten Rückrunde erneut Steherqualitäten. Mit den wiedergenesenen Bremern und den Schalkern mit Stevens wird ein internationaler Platz trotzdem schwer. Größte Überraschung: Boulahrouz ist in der Form seines Lebens. Wichtigste Frage: Wird Cacau fit?

1899 Hoffenheim: Stanislawskis guter Einstand zeigt, dass Provinz und Kiez im Grunde wesensverwandt sind. Eine gewisse Heimeligkeit sind beiden nicht abzusprechen. Trotz des Punktgewinns gegen Bayern an diesem Wochenende ist Hoffenheim vier Plätze zurückgefallen. Es ist eng im oberen Drittel. Größte Überraschung: Andi Beck hat seinen Vertrag verlängert. Wichtigste Frage: Wen wird Dietmar Hopp in dieser Winterpause heimlich verkaufen?

Bayer Leverkusen: Anders als die Schönspieler von der Säbener Straße hat Leverkusen die ersten Rückschläge (Pokal, CL, Schönspieler von der Säbener Straße) bereits verdaut. Dutt erweist sich als ebenso lernwillig und teamfähig wie Ballack. Dass Rangnick in der Lage war, offen über seine Schwäche zu reden und das Handtuch vor dem totalen Zusammenbruch schmeißen, verdankt die Liga wie so vieles andere übrigens Ballack. Er hat es geschafft, ein Weltklassespieler zu sein, und dabei dem Scheitern nicht auszuweichen. Größte Überraschung: Die Entschlossenheit, sich nach oben durchzukämpfen. Wichtigste Frage: Ballack wird seine Kritiker eines Besseren belehren. Aber wie?

Im November 2011 erscheint “Kleine Biester”, der neue Kriminalroman von Rob Alef.

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Sag mir was Schmutziges, Liebling »

Einszunull.

Willkommen zur 49. Bundesligasaison. Es waren die beiden schmutzigen 1-0, die dem ersten Spieltag das Sahnehäubchen aufsetzten. Das 1-0 von Nürnberg erlebte ich im Olympiastadion. Es war das erste Saisonauftaktspiel, das ich live erleben konnte. Kann schon sein, dass der Sieg für den Club unverdient war, die Niederlage für Hertha jedenfalls war verdient. Wer bei seiner Rückkehr so wenig zustande bringt, der fängt sich dann halt eins ein kurz vor Schluß. Nürnberg präsentierte eine gelungene Mischung aus Borussia Dortmund (Technik) und Tai Chi (Geschwindigkeit). Und immer, wenn sie so schnell kombinierten wie in der letzten Saison, war Hertha überfordert. Das war im ganzen Spiel insgesamt 43 Sekunden lang der Fall. Eine Chance in der ersten, eine Chance in der zweiten Halbzeit und das 1-0.

Torschütze Pekhart ist ein interessanter Mann. Nicht ganz so groß wie Peter Crouch, aber stets in der Lage den tödlichen Pass zu spielen. Er fällt ein bißchen theatralisch, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man bei einem 1,94-Mann spontan denkt: Hab dich nicht so. Bemerkenswert auch die Deckungsarbeit der Nürnberger, die alle defensiven Kopfballduelle gewannen. Schäfer hatte zwei Bälle zu halten. Der neue Mann Klose fügte sich gut ein. Feulner lancierte überraschenderweise nicht gleich wieder einen Hattrick wie gegen Bielefeld, dribbelte sich ein paar Mal fest, ansonsten aber weder Angst noch Bange ums Mittelfeld aufkommen ließ. Cohen zeigte mehr Kampfgeist als die gesamte Hertha. Hegeler gab 28 Sekunden nach seiner Einwechslung die Vorlage zum Siegtreffer,  Mendler spielte gut mit. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob hier wirklich Not gegen Elend am Start war, oder ob diese Club-Abwehr auch Mannschaften mit einer Offensive in Schach halten kann. Dass vier der sieben wichtigsten Spieler (Schieber, Wolf, Eciki, Gündogan) weg gegangen sind  – Schäfer, Pinola und Simons sind noch da – war dem Club nicht anzu merken. Und in der Hinterhand Mak, Herr Nilsson, Maroh, Frantz, Esswein und Bunjaku, ein sehr ausgeglichener Kader. Die Mannschaft hatte Ordnung und Spielanlage, in Zukunft alles dreimal so schnell, dann war das der Anfang einer wunderbaren Spielzeit.

Wir saßen in einem gemischten Block, sehr viele Clubfans im Stadion, sogar der Oberrang des Fanblocks war gut gefüllt. Neben uns ein Ostberliner, ins Stadion gekommen, um Hertha eine faire Chance zu geben. Er war restlos enttäuscht.  Die Herzen der Berliner zu gewinnen, wird weiter eine Herausforderung für den Aufsteiger. Sportlich muss dieses Spiel nicht viel heißen. Vielleicht tun sie sich auswärts anfangs sogar leichter. Unterschätzen sollten sie den im Umbau befindlichen HSV trotzdem nicht. Die haben von  Barcelüdenscheid zwar ihre Auftaktlektion bekommen, trotzdem sah das schon wieder sehr nach Mannschaft aus. Nach überforderter Mannschaft, aber immerhin.

Das zweite 1-0 des Spieltags trug sich in München zu. Die stets schonungslos analysierende Süddeutsche titelt: “Aufbruch in den Krisensommer”. Das steht zwar im Wirtschaftsteil, bezieht sich aber womöglich auch auf das FestgeldConto Bayern München, dessen Ratings am Sonntag Abend in den Keller rauschten.  Zuletzt konnte glaube ich Kaiserslautern das Auftaktspiel in München gewinnen, die wurden dann mit Rehhagel Meister. Der kicker schreibt ebenso schonungslos: “Nachdem zwei große Möglichkeiten nicht in die überfällige Führung des FCB mündeten, sorgte ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr für die Entscheidung.” Ein Mißverständnis namens Neuer, was wirklich ein Jammer für den begabten und sympathischen Buerer Bua, aber nicht minder absehbar ist. Der Club verlor 2007/08 sein Auftaktspiel nach einem Patzer des neuen Keepers Blazek zu Hause gegen Schalke mit 0-2. Blazek blieb immer ein Fremdkörper und der Club stieg ab. So schlimm muss es für Bayern nicht kommen, es gibt ja Hertha und Köln, aber  jetzt geht es nach Wolfsburg. Die Wölfe von Dompteur Magath mit einem Bärenhunger auf Tore ausgestattet. Das könnte schwierig werden, auch wenn Grafite nicht mehr da ist.

Bremen spielt wieder Fußball, ist das nicht schön.

Die letzten Entscheidungen »

Borussia Dortmund ist Meister, hochverdient, Gratulation. Vor einem Jahr war ich gegen Bochum dabei, als das Festgeld Conto Bayern München Schalke abschüttelte, diesmal war der Club höchstpersönlich im Stadion, als die Schwarz-Gelben die Schale buchen konnten. Demnächst würde ich gerne mal wieder einen eigenen Titel feiern. Nach den Spielen der letzten Wochen bin ich wirklich froh, dass der Club nicht in der Europa League spielt. Es ist immer gut, sich neue Ziele zu setzen, aber die Mannschaft war nach der Supersaison am Limit angekommmen. Bin sehr gespannt, wie sich der Taktiktüftler Tuchel auf europäischem Parkett schlägt. Wenn man sieht, wie die Mainzer Bayern und Schalke im eigenen Stadion hergespielt haben, kann sich der Club auf das 0-0 beinahe etwas einbilden. Und ein Ende des Mainzer Höhenflugs ist nicht abzusehen. Auch ohne Holtby und Schürrle werden sie ihren Stil weiterentwickeln und mannschaftlich stärker sein als die meisten Teams. Im Abstiegskampf hat Gladbach noch einmal Morgenluft gewittert, und es ist kein Zufall dass Mike Hanke das 1-0 gegen Freiburg erzielte. Im ersten Rückrundenspiel in Nürnberg gab er die Vorlage zum 1-0 und ist seitdem einer der entscheidenden neuen Spieler. Gegen Hamburg wird es schwer, aber nicht unmöglich, Platz 16 zu verteidigen. Und die Frankfurter brauchen vielleicht eine Auszeit in Liga Zwei, um ihre Fans zur Räson zu bringen.

Gegen wen die Relegation gespielt wird, entscheidet sich erst am letzten Spieltag. Fürth ist bis zum Schluß in der Verlosung, allein das ist schon eine tolle Leistung nach all den Verletzten. Auf dem Papier ist Düsseldorf ein bißchen leichter als Duisburg, die sich emotional in Endspielstimmung versetzen müssen und die Saison nicht ausklingen lassen werden. Und dann Relegation gegen Gladbach? Hertha ist wieder da, mit einem Sahnesturm und einem Problembär im Tor haben sie souverän und nervenstark den Aufstieg geschafft, Gratulation. Anscheinend bleibt die Mannschaft zusammen, eher gibt es Zugänge wie Ottl und Kraft, die der Mannschaft gut zu Gesicht stünden. Kopf hoch, Frankfurt, so toll kann Wiederaufstieg sein. Die Vereine aus dem Osten spielen eine starke Saison. Aue undCottbus fast auf Platz drei, Union locker die Klasse gehalten. Am Tabellenende geht es genaus spannend zu wie in Liga eins. Vergeigt der KSC am Ende doch noch alles nach diesem Seuchenjahr? Oder werden die Löwen am Grünen Tisch nach unten expediert?

In Liga Drei ist Braunschweig souverän Meister geworden, Gratulation. Wie Düsseldorf und St. Pauli ist ein Traditionsverein, der lange unterklassig war, wieder in Liga 2. Rostock hat seine innere Mitte nach den Kapriolen wiedergefunden und den direkten Wiederaufstieg geschafft. Eventuell kommt Dresden noch dazu. Dann wären es schon fünf Ostvereine in Liga Zwei. Bis sich wieder zwei oder drei ganz oben tummeln ist es nur eine Frage der Zeit, wenn sie weiterhin so seriös arbeiten.

Die Beiträge hier werden weiterhin rar bleiben, ich arbeit gerade an meinem neuen Roman. Aber in der neuen Saison gibt es wieder mehr zu lesen.

Männer ohne Nerven »

Früher, da ging es echt übel ab auf dem Reichsparteitagsgelände. Die Nazis waren an der Macht, und immerzu wurde die Volksgemeinschaft mit “Kraft durch Freude” zusammengelockt. Am Samstag war alles ganz anders. Da holten Cohen, Simons & Co. verdient einen Punkt gegen das Festgeld Conto Bayern München, und der sportliche Erfolg stand unter dem Motto “Freude durch Kraft”. Es waren nicht die zwei verlorenen Punkte, die das Fäßchen Hoeneß zum Überlaufen brachten, sondern die einsame Entscheidung, den soliden Butt durch den flatterhaften Kraft zu ersetzen. Wäre van Gaal zu diesem Zeitpunkt nicht in Katar gewesen, wer weiß, man hätte ihn wohl schon im Winter in die Wüste geschickt. Das sympathische Jahrhunderttalent Kraft hat das FCB schon wenigstens acht Punkte gekostet – drei die Hannover gemacht hat, drei die Bayern dort nicht gemacht hat, und zwei in Nürnberg – und das war’s dann auch schon mit dem Ärachen van Gaal. Jonkers und Gerland haben jetzt die schwierige Aufgabe, ihre Männer elegant auf Platz sechs durchzuschleusen, damit sie nicht in der verhaßten Europa League enden, in der ein CL-Sieger wie Porto groß aufspielt.

Soll man sich den Club in der Europa League wünschen? Ich weiß nicht so recht. Die Mannschaft wird wieder wesentliche Spieler verlieren, selbst bei einem Abstieg von Stuttgart gibt es lukrativere Adressen für Schieber. Gündogan und ich fürchte Wollscheid könnten auch verschwinden. Soll man wegen eines Auswärtssiegs bei BATE Borisov den Klassenerhalt aufs Spiel setzen? Wenn wir mal unterstellen, dass sie aus den letzten fünf Spielen noch sieben Punkte holen (darunter einen kleinen, aber gemeinen Punkt in Dortmund), dann hätten sie fünfzig am Ende. Der gemeine Clubfan wäre sicherlich nicht traurig, wenn die Mannschaft nächste Saison elfmal statt neunmal zu Hause gewinnt, und fünfmal statt dreimal auswärts. Oder wieder schon am 25. Spieltag den Klassenerhalt sicherstellt. Diesmal wurden bereits Schalke und Stuttgart bezwungen, Köln und St. Pauli begeisternd besiegt, van Gaal wurde mit einem typischen Eigler-Tor verabschiedet. Gegen Freiburg, Gladbach, Kaiserslautern muss man es zu Hause besser machen, gegen Dortmund und Bremen darf man. Also noch viel Luft nach oben im neuen Jahr und dann am besten gleich Platz vier in 2012 anpeilen und gegen Borisov die CL-Quali schaffen. Für ein Auswärtsspiel in Barcelona kann man 2013 wieder mit dem Relegationsplatz kokettieren.

Froh und dankbar muss man sein, dass der Club mit diesem nervenzerfetzenden Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat. Selbst Hoffenheim, die vor Wochen noch von Platz fünf sprachen, kann es noch erwischen. Es ist wie in einem Zombiefilm. Die Totgesagten wie Gladbach und Kaiserslautern kehren zurück, dem Schicksal scheinbar Entronnene wie Stuttgart und Bremen werden von den lebenden Leichen mit in den Abgrund gezogen.

Weit weg von jedem Abgrund ist das erfahrene Vizekusen, das sich auf Platz zwei behaglich eingerichtet hat und dem BVB beharrlich näher kommt. Fünf Punkte und fünf Spiele, könnte eng werden. Dieses Mal könnte Bayer sogar in München gewinnen, das FCB musste schon gegen Mainz und Dortmund Federn lassen. Der BVB hat einen Punkt in Hamburg gerettet, aber Bayer hat sein Spiel eben noch vollständig gedreht und zeigt eine erstaunliche Nervenstärke. Allen voran der immer besser werdende Kießling, der es schafft, Aggressivleader zu sein, ohne dauernd jemand seinen Ellenbogen ins Auge zu stemmen. Dortmund muss noch gegen zu allem entschlossene Bremer, brennende Gladbacher und leichtfüßige Nürnberger spielen. Mal sehen, ob den Duracell-Häschen auf den letzten Metern der Saft ausgeht. Leverkusen wirkt insgesamt reifer, obwohl keiner so ekstatisch jubelt wie die Dortmunder. Und Klopp ist in dieser Saison mehr gelaufen als das gesamte Mittelfeld von Wolfsburg.

Da waren’s nur noch neun »

Gestern ist der Vorsprung der Dortmunder auf Platz zwei zum ersten Mal seit dem 14. Spieltag wieder in den einstelligen Bereich gerutscht. Neun Punkte, acht Spieltage, 18 Tore Vorsprung, ob das noch einmal eng wird? 24 Punkte sind noch zu vergeben. Wenn Bayer alles gewinnt, darf Dortmund nicht mehr als 14 Punkte holen, also vier Siege und zwei Unentschieden in den letzten acht Spielen. Oder Dortmund verliert nur noch und Bayer reichen drei Siege und ein Unentschieden. Beides klingt unwahrscheinlich, aber was ist in dieser Saison schon wahrscheinlich?

Gegen Bayer spricht der Status des ewigen Vizekusen, den sie gegen Villareal mal wieder aufs Schmerzlichste bestätigt haben. Aber unter Heynckes hat Bayer auch das späte Siegen gelernt, Mainz ist dafür ein gutes Beispiel. Sie sind nervenstärker geworden. Seit Watzke nach dem 3-1 in München erstmalig offen von der Meisterschaft sprach, hat der BVB etwas zu verlieren, sollte er Zweiter werden. Bisher war die Rolle des Gejagten sehr abstrakt, oszillierte der Punktevorsprung doch stets zwischen zehn und zwölf Zählern. Jetzt kommen am nächsten Wochenende die Mainzer, mit neun Auswärtssiegen drittstärkste Mannschaft auf Gegners Platz. Wahrscheinlich muss danach ein neuer Rasen verlegt werden, weil die gelben-schwarzen Duracell-Häschen gemeinsam mit den Mainzelmännchen auf Speed das zarte Frühlingsgrün in Grund und Boden laufen werden. Verlöre Dortmund zu Hause, könnte Bayer sogar ein Punkt gegen Königsblau näher an die Spitze bringen.

Apropos Schalke. Das klärende Gespräch unter Männern zwischen Magath und Tönnies musste wegen Erkältung des SelbstHautdarstellers am Wochenende entfallen, jetzt kommt es am Mittwoch zum Showdown. Bevor sie ihren Quälix vom Hof jagen, könnte ein klärendes Telefonat unter Männern mit den Verantwortlichen in Hamburg vielleicht die Gemüter abkühlen. Beim HSV erfährt man Tag für Tag, wie es sich anfühlt, wenn man sportliche Kompetenz vom Hof jagt, ohne einen Plan B zu haben. Der Dino hat neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, in diesem Fall wären acht Niederlagen am Stück keine große Überraschung. Hansosaurus Rex: kleines Gehirn, langsame Reaktionszeiten, falsche Ernährung – den Rest besorgte die Evolution.

Schalke hat immerhin Heldt in der Hinterhand, aber mittlerweile weiß man, dass Slomka und Rangnick zu schnell entlassen wurden, und auch Heldt kann keinen Meistergaranten aus dem Hut zaubern. Vielleicht sollte man wenigstens die CL-Auslosung noch abwarten. Wenn Schalke Barca oder Manchester United zugelost bekommt und dann mit dem neuen Coach rausfliegt, kann der eigentlich gleich wieder seine Sachen packen. Wie gesagt, eine Entlassung von Magath wäre in meinen Augen völlig verrückt, jetzt hat sogar Charisteas getroffen. Wahrscheinlich trifft Karimi gegen die Bayern, wenn Magath ihn noch einwechseln darf.

Nach der Niederlage der Dortmunder ist Nürnberg das beste Rückrundenteam. Der Sieg in Wolfsburg war glücklich, aber die torgefährliche Defensive ist ein Pfund in dieser Saison. Wollscheid, Wolf, Pinola und jetzt Nilsson, alle mit wichtigen Toren. Gegen Bremen könnte das Saisonziel 44 Punkte erreicht werden. Und dann? Platz drei ist nur fünf Punkte weg. Und gegen Bayern, Mainz, Dortmund und Hannover spielt der Club noch.

Servus Bayern, lange nichts von euch gehört »

Am Samstag ging die mir selbst auferlegte Bayern-Pause zu Ende. Die kritische Leser_in möge prüfen, ob der Blog in dieser Zeit langweilig, nichtssagend oder thematisch verfehlt war. Ich denke, man braucht die Bayern nicht,  um interessant über die Bundesliga zu schreiben. All denjenigen, die den Verein gelegentlich pro toto für die Liga nehmen, stehen möglicherweise harte Zeiten ins Haus, wenn mit Augsburg, Fürth und Aue gleich drei Neulinge aufsteigen sollten. Wieder hundert neue Namen, die man sich merken muss anstatt immer nur die üblichen Verdächtigen aufzulisten, ohne etwas Neues zu berichten. Für die Überraschungssiege gegen die Bayern biete ich lizenzfrei hier schon mal drei Schlagzeilen an: Haue von Aue! Playmobilmännchen ziehen die Lederhosen aus! Kalle Wirsch entzaubert Kalle Unwirsch!

Wenn die Bayern binnen vier Tagen zwei Weg weisende Heimniederlagen einfahren, schreibt sich’s natürlich viel lieber. Und wer weiß, vielleicht haben sie jetzt ja einen Lauf und verlieren auch noch in Hannover und fliegen gegen Mailand raus. Trotzdem gibt es nicht nur schlechte Nachrichten für die Bayern-Fans: Peter Neuruer steht für das Amt des Trainers im Moment nicht zur Verfügung, er ist in einer Findungsphase.

Eine Findungsphase bräuchte auch die Mannschaft, weil ihr gegen wie stets engagiert-durchschnittliche Schalker nichts einfiel. Gomez hätte den Elfmeter kriegen können, da gebe ich van Gaal recht, aber auf so ein Humpelfoul kurz vor Schluß kann man sich nicht herausreden. Ich vermute mal, auch mit van Bommel hätten die mediokren Säbener gegen die fabelhaften Lüdenscheider nicht gewonnen, aber gestern hätte ein knorriger Ballverteiler, wütender Weitschütze, hemmungsloser Zweikämpfer den Unterschied machen können. Neben dem Verkauf von Lucio ist der Verkauf  von van Bommel das zweite große Welträtsel in der Ära van Gaal. Ist die Mannschaft in der Krise, jagt man den Käptn nicht vom Hof. Breno war für den Club der letzten Saison ein Quantensprung, bei den Bayern ist er ein weiterer Wackelkandidat in der Defensive. Luiz Gustavo spielt nicht schlecht, aber er kann als Neuling noch niemand in den Hintern treten, mitreißen, vorangehen.

Felix, der Fuchs, hat den Kopf aus der Schlinge gezogen. Er wird die Saison auf Schalke beenden und hat dann noch zwei Jahre für das große Ziel. Bei Schalke standen mit Neuer, Matip und Höwedes drei aus der eigenen Jugend auf dem Platz, später kam noch Draxler dazu. Ohne die gelb-schwarzen Überflieger in ihren Leistungen zu schmälern, wenn bei einem Verein ein Siebzehnjähriger in einem DFB-Pokalfinale eingewechselt wird, ist das kein Zeichen für schlechte Jugendarbeit. Und einige junge Asse hat der S04 noch im Ärmel.

Manuel Neuer übrigens würde den Fehler seines Lebens machen, wenn er zu den Bayern geht. Da kann Kahn noch so fleißig beschwichtigen und auf seine Anfänge verweisen. Karlsruhe war ein Provinzverein mit ein paar überdurchschnittlichen Spielern und Fan-Proteste erschöpften sich in “Trainer-raus”-Rufen. Schalke ist der personifizierte Gegenentwurf zum Festgeld-Fußball der Bayern, chaotische Finanzen  und religiöse Inbrunst inbegriffen. Huub Stevens hat das Ding in Berlin glatt vor den Baum gefahren, weil ihn die Fans nicht ausstehen konnten. Das war Jahre vor Twitter und Facebook und wenn der Schalker Jung auch nur einmal patzt und nicht ständig Kotau vor seinem neuen Arbeitgeber macht, ist er unten durch. Ich kann verstehen, dass Neuer sich weiter entwickeln will und es gibt einige interessante Vereine, die einen Weltklasse-Torwart brauchen können. Inter Mailand zum Beispiel an Stelle dieses Dussels Julio Cesar. Aber er sollte auch nicht unterschätzen, was es heißt, auf Dauer gegen einen Teil der eigenen Fans spielen zu müssen. Im Ausland kann er wie Hildebrand in die Mühlen der Vereinsintrigen geraten, bei Bayern wird er immer gegen unsichtbare Wände rennen. Und die Chancen, auf Schalke Titel zu gewinnen sind ja gar nicht so schlecht. Jetzt kommt erst mal Valencia und im Mai dann Mei-derich.

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