Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


Hoffentlich der HSV »

Birger Hamann ist Sportredakteur bei Spiegel-Online. Am 31.3. hat er dort einen Artikel veröffentlicht, in dem er versucht, den HSV als die beste aller Möglichkeiten für Thomas Tuchel darzustellen. Wenn’s ein Aprilscherz war, war er verfrüht, ansonsten ist Humor auf SPON eher etwas für Eingeweide, wie wir in Franken sagen. Meist geschieht er unfreiwillig.

Der Text läßt wirklich nichts aus: Der HSV sei „eines der derzeit spannendsten Projekte der Bundesliga“. Wohl wahr. Kriegen Sie auf die Fresse oder auf den Sack? Spielen sie schlecht oder mies? Und welche Ausrede hat der gerade noch amtierende Trainer für die permanente Sieglosigkeit? Peter Knäbel, den offenbar ein Knäbel-Vertrag auf die Trainerbank zwingt, meinte im kicker, es sei symbolhaft für das Spiel, dass der stabilste Innenverteidiger das 0-1 in Leverkusen eingeleitet habe. Gut, alles ist relativ. Johan Djourou steht mit -26 Punkten im kicker Classic Manager etwa auf Platz 70 von etwa 80 Abwehrspielern und damit deutlich vor seinen Teamkollegen Marcos und Ostrzolek.

Aber keine vorschnellen Schlüsse. Der Kader ist der erste von fünf Gründen, der den HSV laut SPON so attraktiv für Tuchel macht. Die Offensivakteure Holtby, Müller, Beister und Lasogga hätten bereits bewiesen, „dass sie eine Mannschaft verstärken können“. Kommt immer darauf an, wie schwach die Mannschaft vorher war: Wandervogel Holtby bisher noch nirgendwo, Dauerpatient Lasogga schon länger nicht mehr, Nicolai Müller war manchmal gut in Mainz.

Grund zwei sei die professionelle Infrastruktur: Zwar hat Hamann den „manchmal etwas redseligen Aufsichtsratschef Karl Gernandt“ ausfindig gemacht, trotzdem ist keine zehn Zeilen später “ die Zeit der Indiskretionen“ vorbei. Außerdem sollen zusammen mit dem Bau des HSV-Campus Nachwuchsteams aufgebaut werden. Echt jetzt? Und in nur zehn Jahren werden dann die Götzes und die Lahms, die Rüdigers und die Khediras sich die Klinke in die Hand geben. Viele Vereine leisten hervorragende Nachwuchsarbeit, Stuttgart und Freiburg zum Beispiel, auch wenn sie unten drin hängen. Dass ein noch zu schaffender Nachwuchsbereich dem HSV Zugang zu den Spitzenplätzen der Liga verschaffen wird, ist so realistisch wie ein Wechsel von Messi an die Elbe, weil dieser über Nacht Hans-Albers-Fan geworden ist. Aber trotzdem wird das auf SPON als die neue „Klub-Philosophie“ verbraten, drunter geht es nicht.

Argument drei und vier sind die leidensfähigen Fans und der Umstand, dass der HSV bisher noch nicht abgestiegen ist. Außerdem biete Hamburg noch viel mehr Sponsorengelder, die sich planlos verballern lassen. Tuchel wird der Türöffner für die Schatullen der Entrepreneureichen und des hanseatischen Geldadels gleichermaßen, raburick barbatrick, einfach so. Vielleicht baut der neue Trainer nach seiner ersten Meisterschaft sogar ganz allein die Elbphilharmonie fertig. Bestimmt sind die HSV-Fans, gemessen an ihrer eigenen Erwartungshaltung, äußerst leidensfähig, aber die Probe aufs Exempel sind dann doch ein paar Jahre Zweite Liga oder vielleicht sogar Dritte Liga, um sich ungestört vom Medienrummel in der Medienstadt Hamburg neu zu erfinden. Löwen-Fans, Fortuna-Fans, Dynamo-Fans, MSV-Fans, die sind leidensfähig. Ob HSV-Fans leidensfähig sind, oder nur vom Dauerdusel verfolgte Prinzessinnen auf Erbsen, kann nur ein zünftiger Abstieg erweisen.

Als letztes Argument werden die wenig attraktiven Alternativen für Tuchel genannt: Bei Leverkusen, Bayern, Dortmund, Hoffenheim, Schalke, Wolfsburg – alles Mannschaften, mit denen der HSV seit Jahren auf Augenhöhe wetteifert – stünde im Moment kein Trainerwechsel an. Wenn sich Hamann da nicht täuscht. Wer RB Leipzig ernsthaft in Erwägung zieht, der findet vielleicht auch an Bremen Gefallen. Da gibt es übrigens schon einen funktionierenden Nachwuchsbereich, der Spieler hervorbringt, die verkäuflich sind.

Ich denke, Tuchel wartet jetzt noch ein paar Wochen, bis die gefühlsechte Liebe zwischen Klopp und Borussia auf Platz 13 langsam ausgeklungen ist, und geht dann zu einem funktionierenden Verein, der eine schlechte Saison spielt. Also zu Schalke, jetzt, nachdem di Matteo die Champions League vergeigt hat.

Und der HSV macht sich hoffentlich vom Acker, bis er und sein Umfeld wieder realitätstaugliche Situationsbeschreibungen liefern können.

 

 

Weiler, warum? »

Je länger René Weiler Trainer beim Club ist, desto undeutlicher wird die Zielrichtung seiner Verpflichtung. Auch die Art und Weise, wie er unter anderem vom kicker hochgejubelt wird, während man Valérien Ismaël dort nie eine echte Chance gegeben hat, immer reserviert war, immer Zweifel gesät hat, ist sehr befremdlich.

Als Ismaël nach dem 1-2 in Sandhausen entlassen wurde, hatte er 10 Punkte Rückstand auf Platz 2 und noch 21 Spieltage Zeit, um das zu korrigieren. Weiler hat jetzt 11 Punkte Rückstand und neun Spieltage Zeit. Mittlerweile haben Martin Bader und Vorstand das Saisonziel korrigiert, angeblich weil Weilers Handschrift zu erkennen sei, und weil es mit ihm eine klare Perspektive für einen Wiederaufstieg in der nächsten Saison geben werde.

Ich sehe nichts von einer Handschrift des Trainers, abgesehen davon, dass die Zahl der Gegentore geringfügig zurückgegangen ist. Beim 0-1 zuhause gegen Heidenheim spielte die Mannschaft genauso einfallslos wie gegen Düsseldorf in der Hinrunde, obwohl in der Winterpause zwei neue Spieler kamen und obwohl Weiler anders als Ismaël nahezu aus dem Vollen schöpfen kann, was den Kader angeht. Weilers Offensivtaktik besteht in einem blinden und fleißigen Anrennen ohne jede nennenswerte spielerische Linie.

Nimmt man die ersten acht Spiele der jeweiligen Halbserien, sind Weilers und Ismaëls Bilanz beinahe identisch:

Beide gewannen gegen Aue und Union, beide verloren gegen Heidenheim und sang- und klanglos gegen den FSV Frankfurt. Gegen Düsseldorf gab es für Ismaël eine Niederlage, dafür hat gewann er das Spiel gegen Kaiserslautern. Gegen Fürth gab es für Ismaël am zweiten Spieltag ein 1-5. Ich frage mich, welche Erwartungshaltung man an diesem Tag im Verein hatte. Der komplett neu aufgestellte Club traf mit einem neuen Trainer auswärts auf seinen Angstgegner der letzten Jahre, der kurz zuvor wegen der Auwärtstorregel in der Relegation am HSV gescheitert war. Das beste Zweitligateam der Vorsaison traf auf eine Mannschaft, die ihr zweites Pflichtspiel bestritt. Trotzdem wurde die Klatsche 1-5 ebenso kleinmütig naserümpfend vermerkt wie das Ausscheiden in der ersten Pokalrunde, das fast alle Nürnberger Trainer der letzten zwanzig Jahre einschließlich Meyer mindestens einmal zuwege gebracht haben. Die Handschrift Weilers im Rückrundenspiel gegen Fürth kurz vor Weihnachten ergab nach einer Halbzeit mit einem Mann mehr ein grottenschlechtes 0-0 mit nahezu keinen Torchancen. Bleibt also der Heimpunkt gegen den KSC, der den Unterschied zwischen dem Fehlgriff Ismaël und dem Perspektivtrainer Weiler ausmacht. Das ist lächerlich und kaschiert die Feigheit der Vereinsführung, die zu keinem Moment bereit war, dem neuen Trainer Ismaël bei seiner Riesenaufgabe zur Seite zu stehen. Warum hat man die schwachsinnige Parole vom sofortigen Wiederaufsteig überhaupt ausgegeben, wenn man weder Kader noch Trainer kennt, in dieser so ausgeglichen besetzten Zweiten Liga?

Die Lobeshymnen auf Weiler dagegen sind jedenfalls nicht lächerlich genug für den kicker, der nach dem 1-2 in Kaiserslautern Torwart Rakovsky als Sündenbock für die  Niederlage ausgemacht hat, wie schon zuvor beim 0-1 gegen Heidenheim. Für die einfallslose Offensive und die Stellungsfehler der Abwehr vor den Lauterer Toren kann der Torwart gar nichts. Und es wäre schön, wenn sich Hoffnungsträger Weiler wenigstens ansatzweise vor seinen jungen Torwart stellen würde, anstatt sich diskret zurück zu ziehen, wenn das Mediengewitter über Rakovsky hinweg geht. Roberto di Matteo unterstützt bei Schalke großartig und demonstrativ seinen Keeper Wellenreuther. Weiler schweigt sich aus, wenn eine Woche lang über einen Torwartfehler räsoniert wird.  Man könnte sich auch die Frage stellen, wieso Rakovskys Entwicklung unter Weiler stagniert.

Ismaëls Handschrift wurde besonders deutlich nach der Sieben-Punkte-Serie gegen Kaiserslautern, Bochum und Leipzig. Er setzte auf die Offensive. Die erste Halbzeit gegen Kaiserslautern war die beste Halbzeit dieser Saison und zeigte endlich einmal das überragende offensive Potenzial des Kaders. Der Club schaffte es aber auch, ein 1-0 gegen Leipzig taktisch hervorragend eingestellt und nervenstark über die Zeit zu bringen. Darauf hätte man aufbauen können. Das 0-3 in Darmstadt danach war von Spielverlauf und Einstellung etwas völlig anderes als die beiden traurigen 0-3 in Heidenheim und Karlsruhe. Aber die öffentliche Demontage von Ismaël ging unter stillschweigender Duldung der Vereinsführung fleißig weiter.

Mal sehen, wie viele Punkte Weiler gegen stärker werdende Bochumer und in Leipzig noch zusammenkratzt. Vielleicht kann Martin Bader dann beim Heimspiel gegen Darmstadt den dritten Trainer seines Vertrauens in dieser Saison vorstellen, mit dem er langfristig zusammenarbeiten möchte.

Eine Runde Armageddon für Alle »

Der Schang, Jean Löring, der langjährige Präsident von Fortuna Köln, hat 1999 einmal seinen Trainer Toni Schumacher in der Halbzeitpause entlassen, als seine Fortuna gegen Waldhof 0-2 zurücklag. Abgesehen davon, dass jeder Jeck anders ist, sind solche Schnellschüsse eher selten. Warum in aller Welt also denkt man in Nürnberg über eine Entlassung von Trainer Ismaël nach, während die erste Halbzeit (der Saison) noch läuft, obwohl das Saisonziel noch erreichbar ist und die Mannschaft sich spürbar weiterentwickelt?

Sicher, Nürnberg steht nach 13 Spieltagen mit 14 Punkten auf Platz 14 und hat nach St. Pauli die schlechteste Abwehr. Aber welche realistischen Erwartungen durfte man an den Club haben für den 14. Spieltag? Welchen Tabellenplatz und welche Bilanz müsste er jetzt vorweisen, damit es keine Trainerdiskussion gibt? Im Moment hat er sieben Punkte Rückstand auf Platz 3. In der Vorsaison stand der spätere Aufsteiger Paderborn am 13. Spieltag auf Platz sieben und hatte fünf Punkte Rückstand auf Platz 2. Die Bild-Zeitung wetzt schon freudig die Messer und behauptet, dieser Rauswurf ziehe sich „wie Kaugummi“. Wann hätte man den Trainer dann entlassen sollen? Nach dem 1-5 gegen Fürth am zweiten Spieltag? Das wäre das richtige Signal für den langen Atem beim notwendigen Neuaufbau. Oder vielleicht besser nach dem 0-3 gegen Heidenheim am siebten Spieltag? Danach folgten die sieben Punkte gegen Kaiserslautern, Bochum und Leipzig. Dann vielleicht nach dem Unentschieden gegen St. Pauli, bei dem die Mannschaft zweimal zurückkam, obwohl sie krass benachteiligt wurde?

Sage jetzt keiner, Skripnik hat mit Werder auch schon dreimal gewonnen. Skripnik hat eine Mannschaft vorgefunden, die über zwei Jahre zusammengestellt wurde und ihre Leistung nicht abrufen konnte. Der Club muss erst einmal eine neue Mannschaft aufbauen, bevor man über deren (nicht abgerufenes) Leistungsniveau Aussagen treffen kann. Daran und nur daran sollte man die Arbeit des Trainers messen. Nicht am Tabellenstand und nicht am einen oder anderen verhunzten Spiel: Wirklich indiskutabel waren bisher drei Spiele: das 0-1 zuhause gegen den FSV Frankfurt, sowie die beiden 0-3 in Karlsruhe und Heidenheim. Das 1-5 in Fürth und das 0-2 zuhause gegen Düsseldorf fing man sich gegen zwei eingespielte Aufsteigsanwärter ein, gegen Darmstadt und Sandhausen war man gut im Spiel und scheiterte an der Unerfahrenheit. Und die muss wachsen, die bringt auch ein neuer Trainer nicht Ready-to-Play nicht einfach mit.

Ismaël macht sehr viel richtig: Er hat Rakovsky zur Nummer Eins gemacht, anders als in der Abstiegssaison, als der Club an seiner Ideenarmut im Offensivbereich scheiterte, erspielt sich diese Mannschaft ständig Chancen und hat statt eines Kreativspielers im Schmollwinkel (Kiyotake)  mit Schöpf, Candeias, Sylvestr und Füllkrug gleich vier davon in der Offensive. Ähnlich wie Schmidt bei Leverkusen besteht der Coach darauf, dass der Club immer, egal bei welchem Spielstand, das Spiel machen soll. Das wurde gegen Bochum und St. Pauli belohnt, gegen Sandhausen und Darmstadt nicht. Das langatmige Ballgeschiebe, das das letzte Drittel der Vorsaison bestimmte und auch unter Hecking viel zu oft praktiziert wurde, ist unerwünscht. Und nach vorne läuft das Bällchen immer wieder richtig gut. Wer Kaiserslautern eine Stunde lang aus dem Stadion spielt, hat ohne weiteres das Potenzial, rechtzeitig noch in das Aufstiegsrennen einzugreifen. Natürlich muss die Abwehrleistung besser werden, gerade das Siegtor von Sandhausen war ein Beitrag aus dem Katalog für Slapstickeinlagen. Immerhin aber hat man auch schon drei Mal zu Null gespielt, einmal gegen den Millionensturm von RB Leipzig. Auch in diesem Spiel bot der Club eine Leistung, die das Ziel sofortiger Wiederaufstieg als realistisch erscheinen läßt.

Es gibt genug Beispiele dafür, dass Geduld sich lohnt: der zunächst auf ganzer Linie gescheiterte Hjulmand in Mainz, Stöger in Köln, Korkut in Hannover, alle Jahre wieder Streich in Freiburg, nicht zuletzt auch der Duracell-Guru von Lüdenscheid. Umso mehr gilt das, wenn ein neuer Trainer mit einer komplett neuen Mannschaft arbeiten muss. Einen derart radikalen Umbruch wie beim Club hat es nicht oft gegeben. Dieser Umbruch war vollkommen richtig. Bis auf Kyiotake (seit drei Spielen) bei Hannover, Mak bei Thessaloniki und mit Abstrichen Hasebe bei Eintracht Frankfurt und Angha bei 1860 München sind die abgegebenen Spieler meilenweit von ihren persönlichen Zielen und den Erwartungen ihrer Vereine entfernt: Nilsson wollte mit Kopenhagen in die Champions League, das in der Europa League gerade 0-4 zuhause gegen Brügge verlor und in der Gruppe auf Platz 3 steht. Plattenhardt (zu Hertha), Chandler (zu Frankfurt), Feulner (zu Augsburg) wollten einen Stammplatz bei einem Bundesligisten und sind außen vor, Drmic ist bei Leverkusen ungefähr so wertvoll wie Schieber bei Dortmund, Ginczek steht nach seinem Kreuzbandriss nach wie vor ohne einzige Minute da, Stuttgart ist Letzter. Pekhart (bei Ingolstadt) wurde in sieben Spielen sechs Mal frühestens in der 64. Minute eingewechselt und ist bisher torlos. Mike Frantz schlägt sich gut in Freiburg, das ist der einzige Spieler aus dem alten Kader, den Bader nicht hätte verkaufen dürfen.  Aber der große Umbruch zu Saisonbeginn war genau richtig, auch wenn Bader dafür anhaltend verbale Prügel bezieht.

Es wäre ein Jammer, ein richtungsweisender Fehlgriff, wenn der Verein jetzt Ismaël feuert. Es wäre die vierte Neuausrichtung in weniger als zwei Jahren, seit Heckings Abgang Weihnachten 2012. Der Club nähert sich damit wieder seinen finstersten Zeiten an und äfft den HSV nach, der seit 2007 elf verschiedene Trainer hatte. Der Verein wird dadurch nicht attraktiver für Trainer, die das besitzen, was jeder haben will: ein Konzept und eine eigene Handschrift. Gegen Kaiserslautern hat Ismaël beim Stand von 3-2 in der 78. Minute seinen designierten Abwehrchef Hovland eingewechselt. Der Norweger absolvierte damit seine ersten zwölf Saisonminuten, und der Club brachte das Ding nach Hause. Das hat Stil, das ist Klasse, da ist mutiges Coaching belohnt worden. Gegen Sandhausen hat Ismaël dafür bezahlt, dass er Pinola eine neue Chance gegeben hat. Pino ist Kult, Fußballgott und Pokalsieger, aber seine Fehler in Serie haben den Club am Freitag um einen Punktgewinn gebracht. Aber dass Ismaël seinen Spielern vertraut, auch einem alten Haudegen, das war groß. Ismaël ist bereit, ins Risiko zu gehen und er denkt sich etwas dabei. Obwohl er in Wolfsburg ganz andere Möglichkeiten gehabt hätte, hat er sich für den Club entschieden.  Der Club sollte mit Ismaël weiterarbeiten.  Nach dem Derby gegen Fürth am 20.12. wird der Rückstand auf Platz 3 geringer sein als heute. Danach ist alles drin.

 

 

 

 

 

 

 

 

Leere Ränge – volle Punktzahl »

Finanziell ist der Zuschauerausschluß für Nürnberg vermutlich eine Bestrafung, sportlich erweist sich die gähnend leere Nordkurve als wirksame Motivationshilfe. Sieg gegen die Roten Teufel, Sieg gegen die Rote Brause. Die komplett neu zusammengefügte Mannschaft scheiterte gegen Düsseldorf und den FSV Frankfurt nicht an ihren mangelnden Fähigkeiten, sondern am Erwartungsdruck.

Sofortiger Aufstieg lautet das Saisonziel. Sofortig, das heißt, spätestens in der Relegation, die im fernen Mai 2015 stattfinden wird. Für den Fan heißt sofortig: jetzt, auf der Stelle, am besten am ersten Spieltag gegen Aue. Gegen die gab es am ersten Spieltag zwar einen Sieg, aber das Nervenflattern war zu spüren. Dann kam das 1-5 gegen Fürth, gegen die beste Mannschaft der Vorsaison, die nicht aufgestiegen war, und seitdem saßen die Fans auf ihren Schalensitzen oder standen in der Kurve und nahmen übel. In erster Linie nahmen sie immer noch den Abstieg übel. Ob er vermeidbar, peinlich, überflüssig war, darüber kann man diskutieren. Wer bei so einem Schneckenrennen wie an den letzten acht Spieltagen keinen einzigen Punkt holt, der wird seinem Ruf als Depp durchaus gerecht.

Andererseits: Wenn man sieht, wie Bayern und Dortmund rumjammern, wenn zwei oder drei Stammspieler fehlen, war es vielleicht am Ende vor allem das Verletzungspech. Bis zu acht Stammspieler musste der Club ersetzen, nicht mal Wiesinger kann man das anlasten. Gut, die Spieler (Mannschaft war das nicht mehr) wirkten am Ende innerlich unbeteiligt, aber Braunschweig, das von allem zu wenig hatte, außer von den Emotionen, stieg auch ab.

Gestern gegen Leipzig war eine ganz andere Nähe zwischen Spielern und Trainer zu sehen. Nicht nur, dass Valérien Ismaël jeden seiner ausgewechselten Spieler umarmte, auch auf dem Platz gab es viele ermunternde Gesten, im Lauf- und Grätschduell gegen Rangnicks Millionentruppe. Nebenbei: Ich halte RB nicht für den Untergang des Fußballs. Die Traditionsvereine, die die Neuankömmlinge als zu klein oder zu künstlich beschimpfen, scheitern nicht an den solventen oder klug agierenden Konkurrenten. Solange 1860, St. Pauli, Kaierslautern sich selbst im Weg stehen, ist Platz für Augsburg, Hoffenheim, Paderborn.

Zurück zum Club. Nicht nur bei der Torwartfrage hat Ismaël in den letzten Wochenein gutes Händchen bewiesen. Platzhirsch Schäfer war die erste Option. Als es nicht lief, kam der Tausch. Rakovsky hat gewisse Eigenwilligkeiten (Fangtechnik, Fausten), aber er spielt gut, und wird noch sehr viel besser werden. 2007/08 gab es eine ähnliche Konstellation. Nach dem Weggang von Schäfer hätte eigentlich Pokalheld Klewer die erste Chance erhalten müssen. Meyer entschied sich für den neuen Mann Blazek. Der patzte im ersten Spiel gegen Schalke (0-2), und die Mannschaft fand nie mehr die richtige Balance und Hierarchie. Wenn Klewer die (erste) Nummer Eins gewesen wäre, wäre der Club vermutlich nicht abgestiegen. Schäfer ist kein Stinkstiefel und wird sich jetzt, ähnlich wie Pinola, als Elder Statesman hilfreich in die neue Hierarchie einfügen.

Mit einem Mal steht auch der vielgeschmähte Manager Bader ganz anders da. Zum einen hat er mit Wolf und Polak zwei alte Leistungsträger zurückgeholt. Zum anderen hat er für wenig Geld einige wirklich sehr gute Leute geholt. Vor vier Wochen wurden Schöpf, Ramirez, Füllkrug noch als Fehleinkäufe abgestempelt, in der Winterpause wird man sich fragen, ob der Club sie halten kann. Die Frage wird sich auch bezüglich des Trainers stellen. Aber ich habe das Gefühl, dass uns die Konstellation Bader, Wolf, Ismaël und Mintal über das Ende dieser Saison hinaus erhalten bleiben wird.

Saisonziel erreicht »

Dieter Hecking hatte sich zwei Tage vor dem Weihnachtsfest 2012 für seinen großen Karrieresprung Nach Vorne in Richtung Wolfsburg entschieden. Da gab es am 24.12. mit meiner fußballsachverständigen Tante unterm Strohstern vom Christkindlesmarkt dringenden Gesprächsbedarf. Trainer Wiesinger? Könnte passen. Plötzliches Abstiegsdrama? Nein, es gibt ja Fürth und immer zwei andere, die schlechter sind. Europaleague? Kommt für diese Mannschaft noch zu früh, besser gleich auf Platz 3 landen. Saisonziel? Schnell die 40 Punkte holen. Zusatzziel? Vor Wolfsburg stehen am Ende.

Mit dem schönen Schlußspurt gegen Bremen gelang nicht nur mal wieder ein Heimsieg gegen  die Hanseaten, dank des Eigentors des Wolfsburgers Rodriguez in der letzten Minute hüpfte der Club noch auf Platz 10 und holte mit 44 Punkten einen Punkt mehr als Heckings Europacupaspiranten. 44 Punkte, das sind zwei mehr als in der Vorsaison, in der es auch Platz 10 gab.

Seit der kernigen Aussage von Aufsichtsratsmitglied Klaus Schramm, „…mit der jetzigen Mannschaft kommt man nicht weiter…“  frage ich mich welches „weiter“ dem Herrn Schramm denn so vorschwebt. Vor einem Jahr habe ich nach einer negativen Heimbilanz (6-4-7) mit 22 Punkten gesagt, dass müsste besser werden. Damals stand der Club in der Heimtabelle auf Platz 13. Jetzt steht er mit sieben Siegen, sechs Unentschieden und vier Niederlagen auf Platz 9. Bei diesen sechs Untentschieden gehören die beiden 1-1 gegen Bayern und Dortmund zu den sportlichen Glanzlichtern der abgelaufenen Spielrunde. Aber um gegen Augsburg, den HSV, Freiburg und Hannover 96 zu gewinnen braucht es keine neuen Spieler. Es braucht die Zielstrebigkeit, die gegen stärkere Gegner wie Mainz und Schalke zu drei Punkten führte und die Courage, die gegen Düsseldorf und Bremen die letzten beiden Spiele drehen half. Mit diesen acht Punkten mehr hätte man 52 Punkte und stünde vor Freiburg und Frankfurt auf Platz 5. Siebzehn Heimsiege wären übrigens auch schon 51 Punkte. Klar, das ist Kaffeesatzleserei, aber bevor der Vorstand den frisch entschuldeten Verein wieder in die Miesen stürzt, lieber eine Hochrechnung mehr.

Die Abwehr, sechstbeste in der Liga, ist ein echtes Sahnestück. Ähnlich wie Dortmund (Subotic, Hummels, Santana) ist der Club in einer komfortablen Lage und verfügt über drei gleichwertige Innenverteidiger (Klose, Nilsson, Simons). Die Offensive läßt mit 39 Toren ein wenig zu wünschen übrig. Das ist der fünftschlechteste Wert, zehn Tore haben Abwehrspieler erzielt. Aber Freiburg wäre mit 45 Toren fast in die Qualifikation zur Champions League gekommen. Plattenhardt, Pekhart und Mak, das könnte eine ähnlich geile Combo werden wie Saenko, Schroth und Vittek. Plattenhardt schlägt Flanken wie der junge Pander, „der fliegende Robert“ Mak lernt allmählich seinen Kopf zu gebrauchen, und Pekhart ist ein Glücksgriff. Wiederhole: Glücksgriff.

Wenn, ja wenn die Götze-Millionen nicht eine Kettenreaktion in Gang setzen. Dann sind Kyiotake (meiste Assists mit ruhenden Bällen in der Liga), Nilsson (torgefährlichster Abwehrspieler der Liga) und Esswein (pfeilschnellster Linksaußen der…naja, fast jedenfalls) plötzlich weg, und der Club kann mit mehr Geld um sich werfen, als Herrn Schramm lieb ist. Im Zweifel werden wir auch in einem Jahr im gesicherten Mittelfeld stehen – und selbstverständlich wenigstens einen Platz vor Hecking, wohin ihn das Karrieresprungbrett auch katapultiert haben mag.

Verdient, wenn auch irregulär »

Verdient, wenn auch irregulär. So bezeichnet der kicker das 1-1 der Bremer gegen Nürnberg in seinem Spielbericht. Das trifft es ziemlich genau. Die Schiedsrichter dürfen trotzdem gerne genau hinsehen. Krasse Fehlentscheidungen haben den Club in den letzten beiden Auswärtsspielen mindestens vier Punkte gekostet. Er ist aber nicht deswegen noch in Tuchfühlung mit dem Relegationsplatz, sondern aus eigenem Unvermögen. Das 0-0 gegen Augsburg und das 0-2 gegen Stuttgart, beide zuhause, bedeuteten mindestens drei leichtfertig vergeudete Punkte, alle anderen Ergebnisse spiegeln den Leistungs- bzw. Entwicklungsstand in der Hinrunde recht gut wieder. Zwanzig Punkte sind eine Punktlandung im Rahmen der Möglichkeiten.

Gegen die bärenstarken Frankfurter und die heimstarken Hannoveraner durfte man verlieren, gegen letztere vielleicht nicht grad 1-4, aber sei’s drum. Freiburg und vor allem Mainz sind im Moment noch einen Schritt weiter als der Club, wobei der Auftritt in Freiburg neben dem Pokalaus in Havelse der lahmarschigste Auftritt von allen war. Siege gegen den HSV, Gladbach, Wolfsburg, Düsseldorf und Hoffenheim zeigen, dass der Club sowohl potenzielle Abstiegskonkurrenten als auch Vereine mit ganz anderen finanziellen Möglichkeiten sportlich in Schach halten kann. Am Limit spielten die Nürnberger gegen Dortmund und Bayern und konnten dabei spielerisch und taktisch mithalten. Mit den beiden 1-1 ist der Club der einzige Verein, der gegen die beiden Großen in der Hinrunde punkten konnte. Gladbach holte einen Punkt in München und verlor 0-5 gegen den BVB, Leverkusen gewann gegen Bayern und verlor 0-3 in Lüdenscheid. Alle anderen verloren mindestens einmal.

Leise hoffnungsvoll stimmt, dass der Club in der Rückrunde meist immer ein bißchen stärker ist als in der ersten Saisonhälfte. Viele Spieler zeigen aufsteigende Tendenz: Gebhardt sowieso, aber auch Polter, Feulner, Cohen und Mak sahen gut aus in den letzten Wochen. Die Heimbilanz ist mit 12 Punkten positiv. Dass die Mannschaft die sechstbeste Abwehr hat, liegt nicht zuletzt an Raphael Schäfer, der seine vielleicht beste Hinrunde beim Club gespielt hat. Wegen ihm und weil Pinola richtig fit ist, ist die mannschaftliche Geschlossenheit noch größer als im Vorjahr. Dass es defensiv so gut läuft, hätte ich nach dem Weggang von Wollscheid nicht gedacht. Wenn jetzt auch noch Madlung kommt, wäre das kein Schaden. Und wegen Schieber könnte man ja mal anfragen. Der lernt bestimmt sehr viel in Dortmund, aber seine beste Saison hatte er beim Club.

Vor einem Jahr hatte man in der Noris 18 Punkte und der Vorsprung auf den Relegationsplatz betrug zwei Punkte. Vor zwei Jahren hatten sie 22 Punkte und sieben Punkte Vorsprung. Diesmal sind es acht Punkte auf Platz 16 und sechs Punkte auf Platz fünf. Mal sehen, was geht.

Killing them Softly »

Diego hat seit Neuestem ein Brad-Pitt-Bärtchen. Nicht nur deshalb hat er den falschen Elfmeter gegen Dortmund eiskalt ins richtige Eck geschossen und dann noch zweimal den tödlichen Pass serviert, einmal für Naldo und einmal für Dost. Der kleine Zauberer, der dem Ball nicht einmal Vingardium Leviosa zuraunen muss, um ihn mit schwebender Leichtigkeit in die Schnittstelle zu bugsieren, kommt allmählich in Spiellaune. Und auch, wenn der VfL am Samstag Stark bevorzugt wurde, wird er immer stärker.

Irgendjemand hat geschrieben: Stark entscheidet die Meisterschaft. Aber das war bei elf Punkten Rückstand vor dem Spiel eine sehr optimistische Einschätzung. Stark hat seinen Fehler zugegeben und sich entschuldigt. Hoffentlich wird er jetzt nicht trotzdem zu Tode gesteinigt, in Beton eingegossen oder seine Frau als Schiri-Hure durchs Dorf gejagt. Heutzutage weiß man ja nie, was sich TMFKAF The Mob Formerly Known As Fans als Nächstes ausdenkt, um seine Liebe zum Sport oder zur eigenen Mannschaft zu artikulieren. Dortmund kann sich mit der Champions League trösten. Genauso wie Schalke, dem manche gerne eine Krise andichten würden. Für das Jahr eins nach Raul und das Verletzungspech, das Königsblau bisher hatte, spielen sie eine sehr solide Hinrunde.

Der deutliche Vorsprung der Bayern führt dazu, dass es noch nie so einfach war wie in dieser Saison, einen Platz in der Champions League zu ergattern. Nürnberg ist nach dem Sieg gegen Düsseldorf (wieder mal zu Null) sieben Punkte vor dem Relegationsplatz und acht Punkte hinter einem direkten CL-Platz. Genau wie Wolfsburg. Das nennt man dann wohl Mittelfeld, auch wenn es sich um Platz 13 und 14 handelt. Es wird noch ein großes Hauen und Stechen und Dribbeln und Schnibbeln um die Teilnahme am Millionenspiel geben.

Wolfsburg könnte mit einem Heimsieg gegen Frankfurt am letzten Spieltag vor der Winterpause die Volatilität der letzten Spielrunden abschütteln, die wild gezackte Fieberkurve eines Teams, das sich noch nicht gefunden hat, aber großes Potenzial besitzt. Es spricht einiges dafür, Köstner zum regulären Cheftrainer zu machen. Es lag ja nicht nur an Diego und an Stark, dass Wolfsburg in Lüdenscheid gewonnen hat. Benaglio und Schäfer schnuppern an der Form des Meisterjahres, Naldo ist wieder fit und torgefährlich, Dost ist der erhoffte Knipser. Nur Olic ist ungefähr so glücklos wire Thomas Müller in der Vorsaison und wird wohl noch weitere schöpferische Pausen erhalten. Mit den Wölfen könnte in der Rückrunde wieder zu rechnen sein. Ob sich die anderen Teams schon Gedanken über einen Wolfsmanagementplan machen?

JoJos unter sich »

Oder sollte man sagen, Wundertüten. Wolfsburg, Stuttgart, Gladbach und der HSV. Mit schöner Regelmäßigkeit folgt Sieg auf Niederlage, Niederlage auf Sieg. Je nach Gemütszustand steht man im Abstiegskampf oder schnuppert an den internationalen Plätzen. Mal gibt es die beste Saisonleistung, dann wieder apathisches, ratloses Gekicke. Es ist noch völlig unklar, wohin die Leistungskurve am Ende weisen wird. Und das sollte allen, von Frankfurt in der Spitzengruppe bis Hoffenheim auf dem Relegationsplatz zu denken geben. Wenn man die Tabelle von vor einem Jahr betrachtet, dürfen sich Augsburg und Fürth bereits jetzt in klammheimlicher Freude üben, denn am Ende erwischte es Hertha (Platz 10, heute Freiburg), Köln (Platz 11, heute Stuttgart) und Kaiserslautern (Platz 16).

Der Club hat gestern vielleicht nicht seine beste, aber sicher seine spektakulärste Saisonleistung geboten und nach den drei Katastrophenspielen gegen Hannover, Stuttgart und Freiburg mit acht Punkten aus den letzten vier Spielen so etwas wie eine Konsolidierung erreicht. Dabei hat er auch gegen Bayern gut ausgesehen und gegen die lieben Verwandten im Ronhof einen Punkt geholt. Dass das Derby spielerisch ein Armutszeugnis und eine große Klopperei war, liegt an dem besonderen Charakter dieser Begegnung. Keiner wollte Szenen wie beim Pokalspiel haben, aber die Aggression war trotzdem drin. Kein Wunder, wenn man 50 Jahre darauf warten musste. Das wird im Rückspiel ganz anders werden, auch weil Fürth in der Rückrunde abgeklärter auftreten wird.

Gestern fielen die Tore für den Club genau zum richtigen Zeitpunkt, und die Torschützen waren alle Neuzugänge, wenn ich den Langzeitverletzten Nilsson beim 2-1 einfach mal dazu rechnen darf. Gebhardt wird immer mehr zur Leitfigur, erst stibitzte er den Ball von Kiyotake, dann wurde sein Lattenknaller zur Vorlage für Nilsson. Und dieses 4-2 von Kiyotake, mein lieber Mann. In zwei Jahren spielt der auch in Manchester und der Club läßt sich die Nordkurve mit Blattgold auskleiden. Die Abwehr spielt nicht mehr vogelwild, seit die poststrukturalistische Spielanlage (Marcos Antonio) erfolgreich überwunden wurde. Sechs Gegentore in den letzten sieben Spielen sind sehr solide.

Jetzt gibt es noch einmal drei ganz schwere Hürden auf dem Weg zum Zwischenziel. Ein Punkt in Leverkusen wäre groß, dann noch ein Sieg gegen Düsseldorf und die Ernte wäre eingefahren. Wenn Bremen am letzten Spieltag der Hinrunde gerade wie am Schnürchen nach unten saust, auf dem Weg von Jo nach Jo, nehmen wir gerne noch drei Extra-Punkte mit  – und planen dann in aller Ruhe für die Champions League gegen Aue.

HSV nur sechs Punkte Rückstand auf Platz 1 »

Von den Mannschaften, die am ersten Spieltag verloren, haben immerhin drei am zweiten Spieltag gewonnen. Das entspricht der Fähigkeit, im Spiel nach einem 0-1 wieder zurückzukommen, nach einem schlechten Start für den Ausgleich zu sorgen. Bei Fürth kam der Sieg durch den Glücksschuß eines Spielers aus der eigenen Jugend zustande, unverdient war er nicht. Bremen bediente sich nervenstark beim Lieblingsgegner HSV, Leverkusen ersetzte die Leichtfertigkeit gegen Frankfurt durch konsequentes Nachsetzen.

Weiterhin punktlos sind wenig überraschend der HSV, ein wenig überraschend Augsburg und Hoffenheim und ziemlich überraschend Stuttgart. Dass ausgerechnet der solide arbeitende VfB am Tabellenende stehen, ist ein wenig tragic für Bobic. Gegen Wolfsburg unglücklich verloren, von den Bayern sauber abgefieselt, fertig ist der Fehlstart. Wenigstens können sie sich mit der Europa League trösten.

Der Branchenprimuskocher von der Säbener Straße hat zwar auch nur Wasser zur Verfügung, greift dafür aber wieder einmal zu den teuersten Zutaten. Diesmal musste es ein Martinez sein. Der kicker schrieb, bisher hätten sich die Großinvestitionen für die Bayern alle gelohnt. Das kann man für Robben und Neuer bezweifeln. Der erste scheiterte in zwei CL-Endspielen, der zweite war in der letzten Saison fast eine Note schlechter als in seiner letzten Saison auf Schalke und mir fällt kein Spiel ein, dass er für die Mannschaft gewonnen hat, mit Ausnahme des CL-Halbfinales gegen Madrid. Thomas Müller ist wieder da, der könnte auch international den Unterschied ausmachen. Ist er so gut, weil Gomez fehlt? Ich finde Mandzukic viel aufregender, auch wenn er natürlich im Moment das falsche Trikot trägt.

Nürnberg hat den Dortmundern durch eine tolle Mannschaftsleistung einen Punkt abgetrotzt. Beim letzten Heimspiel gegen den BVB spielten die Franken zwanzig Minuten lang couragiert und wurden dann Opfer ihrer Unbedarftheit. Diesmal spielten sie klug und gefährlich gegen den Angstgegner. In der Abwehr hat Klose sein Tief überwunden, Kiyotake und Balitsch ziehen die Fäden im Mittelfeld, Pekhart wird auf leisen Sohlen immer besser. Nach den beiden nächsten Spielen – in Gladbach und gegen die Überflieger aus Frankfurt – wird man sehen, wo es für den Club hingeht. Wie angefressen Lüdenscheids Trainer Klopp war, konnte man sehen, als er anfing dem Schiedsrichter die verlorenen zwei Punkte anzukreiden. Tobias Welz pfiff zwar mäßg, benachteiligte aber beide Teams recht ausgewogen.

Hannover und Schalke spielen richtig stark bis jetzt, leidenschaftlich, schnell und immer wieder sehr ahnsehnlich. Wolfsburg sucht sich noch und vermißt Mandzukic schmerzlich. Düsseldorf wird als das Cottbus vom Rhein in die Annalen dieser Saison eingehen, F95 steht offensichtlich für Fightclub. Gladbach ist (noch) nicht so stark wie letztes Jahr, hat aber den Verlust von CL und seiner Mittelachse ganz gut verdaut. Bei Freiburg und Mainz ist die Personaldecke so dünn, dass sie nur voran kommen, wenn sie ans Leistungslimit gehen. Der Höhenflug des hessischen Adlers kann durchaus noch länger dauern. Das ist eine eingespielte Mannschaft mit Potenzial fürs Mittelfeld, einem ehrgeizigen Trainer und sehr viel Wut im Bauch. Und der nächste Gegner heißt HSV.

Jetzt freuen wir uns alle erst einmal auf die Färöer.

Derbywochenende »

In der Alten Försterei gewinnt am Montag hoffentlich Union gegen Hertha., Bremen wird den HSV verarzten, und Düsseldorf spielt gegen Gladbach um die Tabellenspitze, weil Bayern am Sonntag gegen den ersten ernstzunehmenden Gegner der Saison nicht gewinnt. Gleich vier Derbys stehen an am Wochenende, und die engste Partie auf dem Partie ist die in Berlin.

Union und Hertha sind mit Pudding in den Beinen in die Saison gestartet, nichts Genaues weiß man noch nicht bei beiden Teams. Bei Union, so scheint es, schleichen sich langsam unausgesprochene Aufsteigsambitionen ein. Man denkt, wenn wir schon den herzhafteren Fußball als Hertha spielen, sollte es doch eigentlich auch für den Aufstieg reichen. Aber ob das in dieser wieder einmal stärksten Liga aller Zeiten wirklich so einfach wird.

Beim HSV isser wieder da: der verlorene Sohn Rafael van der Vaart. Ob er gleich zur Lichtgestalt werden wird, mal abwarten. In den drei Jahren, in denen Rafa beim HSV spielte, gab es ein 2-0 in Bremen mit zwei Toren des Mittelfeldhäuptlings, ansonsten drei Niederlagen und zwei Unentschieden für den HSV. Nach einem Punkt in Bremen würde Fink vermutlich vom Angriff auf die Europa-League-Plätze sprechen.

Von der Europa League spricht man auch in Gladbach. Auch wenn es knapp und tragisch war gegen Kiew, die Borussia soll froh sein, dass sie die CL nicht an der Backe hat. Dass die EL sexy sein kann, zeigt Hannover. Lieber die fliegenden Niedersachsen als das ätzende Ballgeschiebe in den CL-Gruppenspielen. Die Klasse für die CL hat man am Bökelberg längst nicht, gut ein Jahr nachdem man die Relegation gegen Bochum überstanden hat. Erst mal ankommen auf der europäischen Bühne. Früher spielte Gladbach immer im Düsseldorfer Rheinstadion, weil der Bökelberg zu klein (oder zu alt?) war. Jetzt kann man im eigenen Oval Fußballfeste feiern. Düsseldorf wird trotz des partiellen Zuschauerverbots eine harte Nuß.

Und die Bayern? Haben jetzt glücklich ihr Jodeldiplom ihren Spanier käuflich erworben. Vieles, was bei Bayern im Moment passiert, läßt eine schwierige Zukunft für Bastian Schweinsteiger erwarten. Im Moment ist er noch nicht fit, mag sein. Aber was ist, wenn Kroos, Gustavo und der neue Luxusheld Martinez besser sind als der Homeboy mit der echt bayerischen Alm credibility? Sitzt Schweinsteiger auf der Bank? Auf der Tribüne? Stuttgart hat gegen Wolfsburg zwar verloren, aber eine Nummer größer als Fürth sind sie trotzdem. Und ob die Bayern plötzlich kreativer spielen? Können Sie das überhaupt?

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