Favorit Holland »
Meister wird, wer Rückstände aufholt, Weltmeister vielleicht auch. Obwohl das Halbfinale vom Mittwoch die größeren Namen bietet, sind die heutigen Kontrahenten bisher die besseren Turniermannschaften. Wer binnen 15 Minuten einen Rückstand gegen Brasilien dreht, ist ein sehr ernst zu nehmender Titelkandidat. Wer nach einem Herzschlagfinale in der Verlängerung sein Elfmeterschießen mit der Herzenskühle einer römischen Gruft absolviert, gleichfalls. Holland hat das bessere Team, aber vielleicht wird Forlan der Maradona 2010, der Spieler, der den Unterschied macht. Am Mittwoch treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich an einem 0-1 in der Vorrunde beide die Zähne ausbissen. Und darin sehe ich auch die große Gefahr für Jogis Fohlenelf: Ihre beiden K.O.-Spiele konnten sie mit einer frühen Führung im Rücken gut herunterspielen. Aber letztendlich waren das 3-1 und das 4-1 gegen England sowie 3-0 und 4-0 gegen Argentinien (gut zu Ende gespielte) Konter. Der Gegner musste aufmachen. Gegen Ghana war es ein schön gezirkelter Schuß Özils, nicht so sehr die ausgeklügelte Spielanlage. Läuferisch sind die Spanier mindestens ebenbürtig, Casillas würde ich trotz seiner durchwachsenen Saison immer noch ein bißchen stärker als Neuer einschätzen. Nehmen wir an, die Spanier gehen wie die Serben in der 38. Minute in Führung. Können die Deutschen ein Spiel dann auch wirklich machen? Die Holländer konnten es auf bravouröse Art und Weise und sind jetzt der ernsthafteste Anwärter auf den Titel. Mit Leuten wie van Bommel und Robben können sie selbst einem Elfmeterschießen gewachsen sein.
God’s Loneliest Man »
Was für ein tragisches Ende. Als Asamoah Gyan den Elfmeter gestern an die Latte donnerte, kollabierte die großartige Mannschaft Ghanas binnen Minuten. Bereits aus dem Spiel heraus hatten sie in der letzten Minute zwei tausendprozentige Chancen gehabt. Das Elfmeterschießen war ein schlechter Witz. Die Ghanaer, einschließlich ihres Torhüters Kingson, sahen aus, als wäre es das erste Elfmeterschießen ihres Lebens. Zwei kreisklassenmäßig schlecht geschossene Elfer, ein haltbarer von Uruguay, der nicht gehalten wurde, aus war’s. Und Gyan war untröstlich, nicht zu beruhigen. Trotzdem: es war ein riesiger Schritt nach vorne. Ghana ist eines der wenigen Länder Afrikas, die eine tragfähige, nachhaltige Fußballkultur aufgebaut haben. Weder die U-20-Weltmeisterschaft noch der zweite Platz beim Afrika-Cup waren ein Zufall. Die Mannschaft ist relativ jung, sie wird ihre nächste große Chance bekommen, wobei Uruguay ein dankbarer Gegner war, wenn man die anderen Viertelfinalspiele vergleicht.
Soll man Suarez kritisieren? Was würde ein Kreisklassespieler in dieser Situation machen? Denkt man überhaupt noch, wenn man den Ball aus vier Metern Entfernung aufs eigene Tor zufliegen sieht? Verdient wäre es gewesen, wenn Ghana weitergekommen wäre, unverdient ist die Halbfinalteilnahme von Uruguay trotzdem nicht. Und Forlan ist neben Özil und Tevez eine der ganz großen Bereicherungen des Turniers. Und diese Hymne…1845 komponiert von dem in (Österreich-)Ungarn geborenen Oboeisten Francisco José Debali ist sie ein echtes musikalisches Schmuckstückchen. Close your eyes and think of Verdi, dessen Oper Giovanna d’Arco nach Schillers Tragödie im gleichen Jahr Premiere hatte.
Ganz nebenbei bemerkt hatten die Holländer gestern den großen Tag, den sie brauchten. Der ARD-Weltweise erklärte statistikgesättigt, Brasilien habe seit 1950 keine Halbzeitführung mehr verspielt. Dieses 2-1 hat alle Aussgen der Holländer über ihren Teamgeist bestätigt. Anders als das 4-0 1974, als die überalterten Brasilianer überrannt wurden, war das eine zielgerichtete sportliche Meisterleistung gegen einen gleichwertigen Gegner, vergleichbar vielleicht dem 2-1 der Franzosen gegen Portugal im Halbfinale der EM 2000, als sie dort auch den Rückstand drehten. Obwohl das EM-Spiel noch eine Klasse besser war. Holland hatte das Glück des frühen Ausgleichs, den ich nicht als Eigentor werten würde, danach gewannen sie alle entscheidenen Zweikämpfe, bewiesen die vielzitierte “Handlungsschnelligkeit”. Auch wenn das 2-1 nach einem Standard fiel, sie waren zum Schluß spielerisch besser. Brasilien hat jetzt vier Jahre Zeit, eine neue, alte Philosophie zu entwickeln. Für mich ist die Diskussion in Brasilien, die hier immer kolportiert wird, einigermaßen schleierhaft. Sollen sie um jeden Preis gewinnen? Das war 1994 nach der langen Durststrecke wohl ganz entscheidend. Oder sollen sie schön, schöner am schönsten spielen? Dann wäre eine Corporate Identity wie bei Barcelona angesagt: Nur schön gewinnen zählt. Nachdem das Modell Dunga nichts gefruchtet hat, könnte man ja vielleicht alle Bedenken fallen lassen, und die Welt 2014 mit einer Zauber-WM beschenken, anstatt dem sechsten Titel hinterher zu hecheln.
Zeit der Fehler »
Ein Bloemfontein- und zwei Abseitstore in acht Spielen. Jetzt bewegt sich sogar die FIFA, gegen die im Vergleich der Vatikan ein junges Non-Profit-Unternehmen mit flachen Hierarchien ist. Bei solch klaren Toren wie dem gegen Deutschland ist ein technisches Hilfsmittel bestimmt vernünftig, aber was soll der Chip im Ball bei dem Tor von Tevez machen? Einen Selbstzerstörungsmechanismus auslösen? Um Hilfe schreien?
Im Achtelfinale haben sich bis auf Ghana immer die Gruppenersten durchgesetzt, was zeigt, wie eng es in den Gruppen zuging. Viele Zweite hätten auch Dritte werden können. Jetzt ist ein rein südamerikanisches Halbfinale möglich, keine schlechte Revanche für 2006. Aber abwarten. Spanien sehe ich stärker als Paraguay, Ghana hat den Heimvorteil. Für Holland wird es ganz schwer, sie müssen eine Sternstunde erwischen, so wie Frankreich 1998 im Endspiel. Und Schland? Außer Rand und Band? Spielt Diego an die Wand? Oder doch Ausstand nach Rückstand beim Endstand? Argentinien wurde von Mexiko eigentlich ganz gut beschäftigt bis zu dem Abseitstor. Aus dem Hintergrund müßte Schweinsteiger schießen, Schweinsteiger schießt…
Hurra, endlich WELTmeisterschaft »
Die Vorrunde ist zuende, Zeit ein wenig Bilanz zu ziehen. Von den 48 Vorrundenspielen habe ich fünf mit dem exakten Ergebnis und achtzehn von der Tendenz her richtig, darunter auch den Sieg der Slowakei gegen Italien, den ich mit 2-1 prognostiziert hatte. Bei den Achtelfinalkandidaten liege ich bei sieben Mannschaften mit der Platzierung in der Gruppe richtig, darunter auch mein chilenischer Geheimtipp auf Platz zwei, fünf weitere kamen zwar weiter, aber auf einem anderen Platz als erwartet. Auch Deutschland und Ghana tauschten die Plätze, ich hatte die Afrikaner als Gruppensieger eingestuft.
Die große Enttäuschung waren die afrikanischen Teams, nicht so sehr Südafrika, die wirklich eine brockenschwere Gruppe erwischt hatten, sondern vor allem Nigeria und Kamerun. Die Gastgeber und die beiden anderen konnten einen Vorsprung nicht verteidigen (gegen Mexiko, Griechenland, Dänemark) und schieden alle drei aus. Algerien war in der Gruppe C viel zu schüchtern. Die Elfenbeinküste hatte das Pech, in einer Gruppe mit den Vereinigten Betonwerken aus Portugal und Brasilien gelandet zu sein. Dass Portugal gegen niemand ausser Nordkorea Tore schießt, ist ein schlechter Witz. Ghana ist jetzt der afrikanische Hoffnungsträger und anders als vor vier Jahren ist die Hoffnung gar nicht mal so klein.
Was bei den Afrikanern auffiel, sind die taktischen Fortschritte. 1990 spielte Kamerun im englischen Stranfraum noch Jojo, anstatt das entscheidende 3-1 zu machen, heute sieht das vom Spielansatz bei allen sehr solide, sehr lehrbuchmäßig aus, manchmal auch langweilig. Das Überraschungsmoment, der gelegentlich genialisch aufblitzende Wahnsinn schlummert im Verborgenen. Die Skandalnudeln dieser WM kamen bisher aus Frankreich, Nordkorea und Italien. Auch das ist ein Hinweis auf zunehmende Professionalisierung in Afrika. Wichtig wäre eine gute Ausbildung für afrikanische Trainer. Die monats- oder jahresweise Verpflichtung von Europäern bringt nichts. Wenn bei europäischen Spitzenvereinen immer der kommunikative Aspekt des Trainer betont wird (muss Deutsch/Spanisch/Englisch) sprechen, gilt das erst recht für die besondere Situation in Afrika. Es wird aber noch dauern, bis die jetzige Spielergeneration ins Traineralter kommt. Auch da ist Drogba jemand, der die Dinge verändern kann. Er ist einer, “der als Spieler immer schon wie ein Trainer gedacht hat”, ein afrikanischer Sammer.
Bei der WM 2006 standen zehn europäische Mannschaften im Achtelfinale, diesmal sind es nur noch sechs, die sich nach dem Achtelfinale gegenseitig auf drei eliminiert haben werden. Sehr schön. Durch die großen und kleinen Überraschungen (Frankreich, Italien raus, Uruguay und USA Erster, England Zweiter, Japan, Südkorea, Chile dabei) wird aus der Vierergruppe Uruguay/USA/Südkorea/Ghana einer ins Halbfinale kommen. 2006 war das leider eine rein europäische Angelegenheit. Die belächelten Südamerikaner der zweiten Kategorie und die Gastgeber von 2002 haben aufgeholt, die Afrikaner hoffen auf Ghana. So wie ich.
Meine Tipps fürs Achtelfinale:
Uruguay – Südkorea 2-1 n.V.
Die Urus spielen endlich so wie ihre Hymne klingt, wie eine Ouvertüre von Mozart, und nicht mehr wie Rammstein. Bessere Abwehr schlägt gute Abwehr, für Südkorea war es trotzdem ein Riesenerfolg. 500000 früh um drei beim Public Viewing in Seoul, das ist nicht mehr zu toppen.
USA – Ghana 0-2
Die Ghanaer erzielen ihre ersten beiden Tore aus dem Spiel heraus, der Prince schlägt Donovan. Ghana kann im ersten K.O.-Spiel mehr zulegen, den USA geht nicht der Teamsprit, aber die fußballerische Substanz aus.
Deutschland – England 2-4 n.V.
Das einzige Ergebnis, mit dem die Engländer bei einer WM gegen Deutschland gewinnen können. Raus mit Applaus für Löws sich weiterhin stetig dezimierende Truppe. Aber vielleicht kommt ja alles ganz anders. Aus dem Hintergrund müßte Lahm schießen, Lahm schießt…
Argentinien – Mexiko 3-2
Was die Deutschen für England, sind die Argentinier für Mexiko: ein Alptraum mit 22 Beinen. Argentinien war beste Team der Vorrunde und wird trotz seiner Rumpelabwehr einfach wieder ein Tor mehr schießen.
Holland – Slowakei 5-4 n.V.
Die Holländer haben sich noch nicht verausgabt und kommen weiter. Sie müssen dabei an ihre Grenzen gehen. Robert Vittek macht Tor vier bis sieben und beschließt, nach Nürnberg zu wechseln, um dort die zehnte Meisterschaft klar zu machen.
Brasilien – Chile 3-4 n.E.
Sie haben richtig gehört: Dunga-Fußball darf auf die Dauer nicht belohnt werden. Und wer sonst als eine chilenische Mannschaft mit einem argentinischen Trainer kann diesen Job erledigen. Es wird 0-0 stehen nach 120 Minuten und dann kommt die große Stunde des chilenischen Torwarts Claudio Bravissimo.
Paraguay – Japan 1-3 n.V.
Japan hat im Turnier zugelegt, Paraguay hat abgebaut. Paraguay spielte insgesamt nicht schlecht, Japan spielte gegen Dänemark toll. Und Honda wollen wir noch ein bißchen länger sehen.
Spanien – Portugal 5-0
Ich hoffe, dass der Turnierfavorit endlich einmal spielt, was er kann und die Maurermeister vom Algarve wieder nach Hause schickt. Cristiano Ronaldo ist ein langweiliger Schönling, der von Mourinho alsbald abgeschoben werden wird.
Neuer Endspieltipp: Ghana – Argentinien. Mit den United People of Africa im Rücken könnte es klappen.
Es war nicht alles schlecht, damals in Soccer City »
Aber Mertesacker stand völlig neben sich, neben dem Gegenspieler, neben dem Ball, neben allem eigentlich. Erspielte, als sei er verletzt. Beim 4-4 von Bremen gegen Valencia in Europa League vor ein paar Monaten bekam er die Note 5 und David Villa schoß drei Tore. Das verheißt nichts Gutes, Villa ist ganz in der Nähe.
Podolski bewegte sich zwischen der 20. und 70. Minute an der linken Seite, als sei er beim Pilzesuchen, den Kopf nach unten und auf keinen Fall übertrieben schnell. Ich hielt schon Ausschau nach einem Geißbock am Spielfeldrand, so sehr erinnerte das phasenweise an sein Gekicke bei Köln.
Schweinsteiger war gut und wächst insofern auch in die Ballackrolle hinein, als die Fußballnation jetzt bis Sonntag Hausaltäre für seinen unteren Gesäßmuskel einrichten muss. Lahm war gut, Friedrich wird immer besser. Es tut ihm offenbar gut, das Kapitel Hertha demnächst abschließen zu können. Badstuber blieb gleich draußen, auch bei Müller ist die Luft ein bißchen raus. Jerome Boateng spielte solide, ließ nur einmal böse vernaschen. Özil behielt trotz der vergebenen Großchance die Nerven, Cacau spielte fleißig und ideenreich, sitzt aber gegen England wieder draußen. Khedira machte den Schattenmann für den Prince, den er aber trotzdem nie ganz ausschalten konnte. Neuer mit Licht (Eins-gegen-Eins) und Schatten (Flanken), aber da, wenn es drauf ankam.
Apropos Prince, es war ein sehr faires Spiel mit einem sachlichen und klar agierenden Schiedsrichter, mal wieder viel Lärm um nichts. Und jetzt gegen England. Mein Nachbar zu Linken meinte gestern spontan: Also Elfmeterschießen. Jedenfalls sollte man sich von den bisherigen Leistungen der Engländer nicht blenden lassen, gegen Deutschland machen sie immer ihre besten Spiele. Eigentlich halte ich einen einzigen Stürmer für eine seelische Grausamkeit, aber mit der offensiven Dreierreihe sollte man am Grundgefüge nicht viel ändern. Als Alternative zu Mertesacker gäbe es Boateng oder Aogo.
Nicht minder erfreulich als das deutsche Weiterkommen ist die Tatsache, dass Ghana auch im Achtelfinale steht und gegen die USA jedenfalls bessere Chancen hat als vor vier Jahren gegen Brasilien. Irgendwann müssen sie mal einen Treffer aus dem Spiel heraus erzielen, im Elfmeterschießen darf Gyan nur einmal.
Raus mit Applaus »
Wenigstens einen Sieg hat Südafrika noch zustande gebracht, als alles schon zu spät war. Es ist merkwürdig, dass der Gastgeber schon nach der Vorrunde weg ist und bedauerlich, dass mit Nigeria gleich die zweite afrikanische Mannschaft gestern ausgeschieden ist. Dieses Vier-Wochen-Modell mit Eriksson fand ich schon ein wenig merkwürdig, andererseits: Je kürzer ein Trainer für ein afrikanisches Land arbeitet, desto größer die Chance, dass er vor dem Turnier, für das er verpflichtet wurde, nicht entlassen wird. Nachdem es so aussieht, als ob die Afrikaner alle in der Vorrunde rausfliegen könnten – Ghana und Algerien haben noch vergleichsweise gute Chancen – spielen die Südamerikaner dafür groß auf. Nur Brasilien bolzt noch etwas uninspiriert vor sich in, war in der zweiten Halbzeit gegen die Elfenbeinküste aber schon besser als in der ersten gegen Nordkorea. Und heute Abend das erste k.o.-Spiel. Bin gespannt, was passiert, wenn der Prince ein Tor schießt.
Per Aspera ad Astra »
Die diesjährige 11Freunde-Location ist wirklich gelungen. Ein bißchen griechisches Amphitheater, ein bißchen postsozialistische Abraumhalde, ein bißchen Mad Max, sonnig und entspannt. Gestern jubelten sich dort ungefähr fünf Chile-Fans die Seele aus dem Leib, während der Kuh-Glocks-Klan wie schon viele andere mit dem Schiedsrichter haderte.
Bisher hat die Gruppe H eindeutig den größten Unterhaltungswert, wobei die Dänen gegen Kamerun auch sehr gut waren, und ich die Holländer bisher noch nicht gesehen habe. Morgen werden wir um 6.30 Uhr unsere Handtücher auf der Astra-Tribüne verteilen, damit wir dann gegen Ghana auch ein hübsches Plätzchen haben.
Und so was von verdient – Ghana schlägt Serbien »
Sage jetzt bitte keiner, dass sei kein Handspiel gewesen, so weit oben haben auch beim Flugkopfball die Finger nichts verloren. Und der Elfmeter – es sind schon Mannschaften mit einem einzigen Elfmeter Weltmeister geworden, also nichts zu deuteln am ersten Sieg einer afrikanischen Mannschaft. Wenn man sich den Spielverlauf mit zwei Pfostentreffern und einigen schon recht ansehnlichen Ballstaffetten ansieht, war Ghana über die gesamte Spielzeit besser, aktiver. Und The Athlete Formerly Known As Boateng, der jetzt Prince auf dem Trikot stehen hat, war einer der Leistungsträger. Das Spiel heute Mittag war eher fad, wieder ein krasser Torwartfehler, viele, viele Fehlpässe. Das heißt, England muss in Gruppe C jetzt schon richtig um Platz zwei kämpfen.
Ich verstehe die Aufregung um die Vuvuzelas nicht, gibt es denn kein anderes Thema? Die tollen Stadien, die alle pünktlich fertig geworden sind, Zustände, von denen man in der Ukraine nur träumen kann. Dazu das herrliche Wetter, keine Spur von Winterstürmen bis jetzt. Keiner hat sich daran gestört, dass Oranje die gegnerische Mannschaft mit absichtlich falsch geblasenen Seemannsliedern jahrzehntelang zermürbt hat – ein bißchen mehr Weltoffenheit stünde nicht nur den Freunden, sondern auch den Gästen gut zu Gesicht.
Gruppe D – Jogis Kindergarten bittet zum Tanz »
Köhler und Koch geben den Amtslöffel ab und die Partei der Deutschen Einheit verschmäht Joachim Gauck als Präisdentschaftskandidaten. Der Mohr hat längst schon seine Schuldigkeit getan. Es sind kleine Zeichen des Verfalls, aber in turbulenten Zeiten war die Auswahlmannschaft des DFB immer besonders gut. 1974 war Willy Brandt gut einen Monat vor der WM zurückgetreten, 1990 tobte gerade der Wiedervereinigungswahnsinn durch die Lande, 1954 setzte sich der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Otto John, kurz nach der WM in die DDR ab. Diese junge Mannschaft hat alle Voraussetzungen, um Weltmeister der Herzen nicht nur in Deutschland zu werden. Dass es für den Titel reicht, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.
Serbien ist sicherlich nicht mit der Mannschaft 2006 zu vergleichen, die von Argentinien so brutal vorgeführt wurde. Mannschaften aus dem ehemaligen Jugoslawien verbinden durchweg technische Qualitäten mit großer Zweikampftstärke, der Sieg gegen Bosnien hat es gezeigt.
Australien hat den Qualifikationskontinent gewechselt und sich trotzdem durchgesetzt. Es wird schwierig, gegen sie zu bestehen. Noch so eine Mannschaft ohne große Stars, das liegt nicht nur an den vielen Verletzungen. Erfahrene Trainer machen aus Freizeitfußballern ernsthafte Achtelfinalkandidaten.
Ghana stapelt tief, es kann nicht sein, dass sie so grottenschlecht spielen wie in der Vorbereitung. Sie haben ohne Essien einen tollen Afrika-Cup gespielt und sollten die Vorrunde überstehen.
Serbien – Ghana 1-2
Deutschland – Australien 2-1
Deutschland – Serbien 1-1
Ghana – Australien 1-0
Ghana – Deutschland 1-1
Australien – Serben 2-2
Gruppensieger: Ghana
Gruppenzweiter: Deutschland
Gruppe C – Die Boston Tea Paarung zuerst »
England hat wie viele andere Mannschaften mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Trotzdem sollten die Engländer eine bessere WM spielen als 2006. Damals gewannen sie zwar vier Spiele, wirkten aber lethargisch und uninspiriert. Ein Weltmeister England wäre eine feine Sache, allerdings werden die Three Lions wohl wieder an den eigenen Nerven scheitern.
Den USA ist alles zuzutrauen. Sie sind eingespielt, mittlerweile erfahrene WM-Teilnehmer, haben nicht das Pech, mit den Holzmicheln aus Italien in einer Gruppe zu spielen. Von größeren Verletzungen blieben sie bisher ebenso verschont wie von zu hohen Ansprüchen.
Algerien und Slowenien sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Mit Platz 25 und 30 der FIFA-Weltrangliste stehen sie beispielsweise vor Ghana und Dänemark und haben nichts zu verlieren. Trotzdem werden sich in dieser Gruppe die Favoriten durchsetzen.
England – USA 1-1
Algerien – Slowenien 0-0
Slowenien – USA 1-1
England – Algerien 2-0
Slowenien – England 0-2
USA – Algerien 1-1
Gruppensieger: England
Gruppenzweiter: USA
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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