Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Per Aspera ad Astra »

Die diesjährige 11Freunde-Location ist wirklich gelungen. Ein bißchen griechisches Amphitheater, ein bißchen postsozialistische Abraumhalde, ein bißchen Mad Max, sonnig und entspannt. Gestern jubelten sich dort ungefähr fünf Chile-Fans die Seele aus dem Leib, während der Kuh-Glocks-Klan wie schon viele andere mit dem Schiedsrichter haderte.

Bisher hat die Gruppe H eindeutig den größten Unterhaltungswert, wobei die Dänen gegen Kamerun auch sehr gut waren, und ich die Holländer bisher noch nicht gesehen habe. Morgen werden wir um 6.30 Uhr unsere Handtücher auf der Astra-Tribüne verteilen, damit wir dann gegen Ghana auch ein hübsches Plätzchen haben.

Paraguay und Chile spielen wenigstens Fußball »

Italiener erschuften gegen Neuseeland einen Punkt, Brasilianer spielen wie Italiener, Ivorer scheitern an der mangelnden Courage. Es sieht fast alles furchtbar verschult aus, sehr gelehrsam, aber nicht unbedingt attraktiv. Am besten sind immer noch die Holländer und die Argentinier drauf, sowie Chile, Paraguay, Uruguay und Mexiko. Erstere dominant, aber nicht fulminant, zweitere konsequent offensiv, ohne dass das Spiel zur Messi-Show werden würde.

Penetrant sind nahezu alle deutschen Moderatoren und Experten, die sich nach einem 4-0 über Australien berufen fühlen, dem Rest der Welt Moralpredigten über Offensivfußball zu halten. Selbst das unterirdische 0-0 der Engländer gegen Algerien und das erbärmliche 1-1 der Italiener war nichts im Vergleich zum 1-0 Eröffnungsspiel gegen Bolivien 1994. Von den EM 2000 und 2004 wollen wir gar nicht erst anfangen. Hoffen wir darauf, dass die Spanier die Kurve kriegen und die Chilenen trotzdem weiterkommen. Beide können den Brasilianern Paroli bieten.

Müde Mythen »

Jedes Tournier hat seinen Außenseiter, der groß und unerwartet und unbekümmert aufspielt. 1986 war das Danish Dynamite mit Preben Elkjaer-Larsen, 1990 Kamerun mit Roger Milla. Gestern gab es unglückliche Dänen und ratlose Kameruner zu sehen oder im Live-Ticker zu lesen. Das Eigentor der Dänen hat den spielentscheidenden Pannen dieses Turniers eine weitere hinzu gefügt, wobei Holland ganz sicher verdient gewonnen hat. Das erste Spiel ist immer ein Nervenspiel und vielleicht tut es Oranje gut, den Zauberfußball nicht gleich aus dem Fußgelenk zu schütteln. Robbens Ausfall wird dieser Mannschaft weniger schaden als dem FC Bayern.

Kamerun stand sich selbst im Weg und die Japaner nutzten ihre einzige echte Chance, um das Spiel beherzt für sich zu entscheiden. Die Gastgeber von 2002 beide mit Auftaktsiegen. War wohl doch nicht alles nur Heimvorteil und Schiedsrichterglück damals. Dass Kamerun gute Spieler hat, steht ausser Zweifel, ich denke, es liegt an der halbherzigen Taktik von Le Guen. Ich frage mich, wie sie spielen würden, wenn sie von Magath, Mourinho oder  jemand trainiert würden, der ihnen das Selbstbewußtsein gibt, ihre offensiven Stärken auszuspielen. Nervig war der Reporter in der ARD (Simon?), der genauso wie abends der Kollege bei RTL bei Italien – Paraguay unentwegt Deutschland als leuchtendes Vorbild erwähnte. Glauben wir ausnahmsweise mal dem CIA Factbook, das Kamerun auf Platz 95 der Volkswirtschaften listet. Wahrscheinlich gibt der DFB für die Operation Vierter Stern mehr aus als Kamerun für Schulbildung. pro Jahr. Sind sie eben ins Turnier gestolpert, kein Grund naseweis zu werden. Ein holperiger Start sagt nichts über den Turnierverlauf aus. Viele Wege führen ins Finale, wo sich auch Mannschaften wiederfanden, die ihr Auftaktspiel verloren, zum Beispiel Argentinien 1990 gegen Kamerun.

Und so was von verdient – Ghana schlägt Serbien »

Sage jetzt bitte keiner, dass sei kein Handspiel gewesen, so weit oben haben auch beim Flugkopfball die Finger nichts verloren. Und der Elfmeter – es sind schon Mannschaften mit einem einzigen Elfmeter Weltmeister geworden, also nichts zu deuteln am ersten Sieg einer afrikanischen Mannschaft. Wenn man sich den Spielverlauf mit zwei Pfostentreffern und einigen schon recht ansehnlichen Ballstaffetten ansieht, war Ghana über die gesamte Spielzeit besser, aktiver. Und The Athlete Formerly Known As Boateng, der jetzt Prince auf dem Trikot stehen hat, war einer der Leistungsträger. Das Spiel heute Mittag war eher fad, wieder ein krasser Torwartfehler, viele, viele Fehlpässe. Das heißt, England muss in Gruppe C jetzt schon richtig um Platz zwei kämpfen.

Ich verstehe die Aufregung um die Vuvuzelas nicht, gibt es denn kein anderes Thema? Die tollen Stadien, die alle pünktlich fertig geworden sind, Zustände, von denen man in der Ukraine nur träumen kann. Dazu das herrliche Wetter, keine Spur von Winterstürmen bis jetzt. Keiner hat sich daran gestört, dass Oranje die gegnerische Mannschaft mit absichtlich falsch geblasenen Seemannsliedern jahrzehntelang zermürbt hat – ein bißchen mehr Weltoffenheit stünde nicht nur den Freunden, sondern auch den Gästen gut zu Gesicht.

Gruppe E – Je holder die Polder,… »

…desto unwiderstehlicher die Offensive der Oranje. Die Mannschaft des Schwiegervaters von Mark van Bommel ist natürlich ganz großer Favorit in dieser Gruppe, aber dass Holland in der Vorrunde alle an die Wand spielt, ist ja nichts Neues.

Kamerun und Dänemark machten bisher mit durchwachsenen Testspielen auf sich aufmerksam, beide haben allerdings den Vorteil, dass kein wesentlicher Spieler verletzungsbedingt fehlt. Ob Japan jenseits der Heim-WM zu einer bemerkenswerten Leistung fähig ist, wage ich zu bezeifeln, ich schätze die Südkoreaner wesentlich höher ein. Könnte sein, dass trotz der missratenen Vorbereitung am Ende die Afrikaner auf Platz Zwei stehen.

Holland – Dänemark 2-0

Japan – Kamerun 1-3

Holland – Japan 3-0

Kamerun – Dänemark 1-1

Kamerun – Holland 0-1

Dänemark – Japan 2-1

Gruppensieger: Holland

Zweiter: Kamerun (nach Tordifferenz)

Die neue Champions League »

Endlich einmal eine sinnvolle Reform. Wer die Auslosungen zu den Playoffs in der Champions League gesehen hat, wird feststellen, dass der elitäre Klub der Dauerteilnehmer durchlässiger werden wird.

RB Salzburg, Maccabi Haifa, FC Kopenhagen, APOEL Nikosia, FK Ventspils, FC Zürich, Levski Sofia, VSC Debrecen. Von diesen acht Vereinen sind in der neuen Runde vier dabei. Und wenn Celtic Glasgow (die Stadt mit dem südafrikanischen Weltmeisterschaftsklima) Arsenal knackt, dann wären zum ersten Mal seit es die CL gibt, nur drei englische Teams dabei. Insgesamt wird alles viel europäischer und meisterlicher. Ich drücke Maccabi Haifa die Daumen, die gegen die Österreicher eine reelle Chance haben.

Für die Europa League sind Hapoel Tel Aviv (gegen FK Teplice) und Bnei Yehuda Tel Aviv (gegen PSV Eindhoven) noch im Rennen. Hapoel hat eine gute Chance, Bnei Yehuda wird über sich hinauswachsen müssen. Und Hertha kann sich nach dem Duell mit Bröndby vermutlich ganz auf die Liga konzentrieren. Aber dann könnte ja Stuttgart einspringen, falls es in den CL-Playoffs gegen Timisoara nicht reichen sollte.

Der kleine Unterschied »

Den Unterschied, so TV-Experte Scholl, ein weiterer Arm der Fußball-Erklärer-Krake FC Bayern (Beckenbauer, Kahn, Effenberg, Hitzfeld, Helmer…), hätten die Individuen gemacht.

Beim verdienten 2-0 Wolfsburgs gegen Stuttgart am Freitag Abend machten Misimovic und Grafite den Unterschied. Und nicht nur Scholl wird sich gefragt haben, warum Zwetschge nicht im Bayern-Mittelfeld gelandet ist. “Grafite” wird übrigens nicht wie Fitsch,  sondern wie Fiete, der Seemann gebrüllt, jedenfalls von seinen Fans.

Vielleicht ist das eines der Erfolgsgeheimnisse des Fußballs: dass in zwei taktischen Systemen, die sich nahezu neutralisieren, immer noch genug Platz ist für Geniestreiche wie Misimovics Schlenzer zum 1-0. In der Kneipe redet man ja doch nicht so sehr vom Verschieben und der Raute, sondern von den Toren und in diesem Fall von Lehmanns Paraden, bis zu 74. Minute jedenfalls.

Was Peter Unfried heute in der taz geschrieben hat, habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht auch weil  er Freiburg mit Barca und Arsenal in einem Atemzug erwähnt. Wenn der Konterfussball der Ballzirkulation grundsätzlich ästhetisch unterlegen ist, warum hat dann jeder die Gladbacher geliebt in den Siebzigern? Wolfsburgs Stil erinnert doch sehr an Simonsen und Heynckes, die die gegnerischen Abwehrreihen einfach überrannten, vor allem zu Hause auf dem Bökelberg zauberhaften Konterfußball zelebrierten. Die Zirkulation (Arsenal, Freiburg, Holland 1974) zeichnet sich dadurch aus, dass sie allzu oft brotlos bleibt. Und die reine Ästhetik sei dann doch den Leverkusenern in der Hinrunde vorbehalten.

Katrin Weber-Klüver bemängelt an gleicher Stelle den Mangel an gewagten Thesen zum Saisonauftakt. Hier sind ein paar:

1.) Van Gaal erlebt das Ende der Saison nicht bei den Bayern.

2.) Michael Ballack fliegt aus der Nationalelf.

3.) Frankfurt spielt am Ende international.

4.) Dortmund wird der schärfste Konkurrent Wolfsburgs.

5.) Wolfsburg kommt ins Champions-League-Finale.

6.) Alle Aufsteiger halten die Klasse.

7.) Schalke landet vor dem HSV.

8.) Die drei Ostvereine Cottbus, Rostock und Union steigen auf.

9.) Dzeko spielt auch 2010/2011 bei Wolfsburg, denn

10.) Der AC Milan verschwindet im Nirgendwo der Serie A, und

11.) Die englischen Klubs haben auch kein Geld mehr.

In der taz  meine gewagten Gegenthesen dazu.

(“These are my principles. If you don’t like them, I have others.” Groucho Marx)

Die Qual der Quali »

Auch die WM-Qualifikation zeigt, dass die Außenseiter und Überraschungsmannschaften auf dem Vormarsch sind. In Europa im Moment auf Platz eins in ihren Gruppen sind zwar bekannte Platzhirsche wie Deutschland, Griechenland, Spanien, England, Italien und Holland, das sich am Samstag vorzeitig qualifizierte und erneut die FIFA-Weltrangliste völlig sinnlos durcheinanderbringt. Keine wirkliche Überraschung. Drei weitere Erstplatzierte lassen allerdings aufhorchen: Dänemark, Slowakei und Serbien, die im Moment Frankreich (mit zwei Spielen weniger) auf Platz zwei verweisen. Weitere starke Zweite sind Rußland und Kroatien sowie mit der Schweiz, Irland und den Schotten, die immer noch von Berti Vogts’ Aufbauarbeit zehren, drei Nationen mit zumindest internationaler Turnier-Erfahrung aus den letzten Jahren. Dass Bosnien, Nordirland und Ungarn jeweils Zweite sind, ist dagegen ungewöhnlich.  Stärkster Zweitplatzierter ist im Moment sicherlich Russland, ein Team das bei der EM 2008 einen Entwicklungszyklus gerade erst begann und mit Hiddink einen der besten Trainer der Welt hat. Sie können immer noch Gruppenerster werden. In Gruppe 5 ist der zweite Platz von Bosnien-Herzegowina zum großem Ärger der Türkei eine weitere große Überraschung. Dass Bosnien überragende Einzelspieler hat, ist seit Jahren bekannt, jetzt besteht die Chance, dass sie zu einem großen Turnier reisen können.

Nicht dabei wären im Moment Norwegen (hurra!), Rumänien, die Ukraine, die Türkei, Polen, Tschechien, Schweden und Portugal, also sieben Teilnehmer der letzten EM.

In Afrika qualifizieren sich nur die fünf Gruppenersten. Im Moment wären das Gabun, Sambia, Ghana, Tunesien und Burkina Faso, nicht dabei wären Marokko und Kamerun (mit Gabun in Gruppe A),  Algerien, Nigeria (in der Gruppe mit Tunesien), Ägypten und die Elfenbeinküste. Die Tabellen sind noch verzerrt, aber dass Gabun seine beiden ersten Spiele glatt gewinnt, davon 2-1 in Marokko, dass Sambia (FIFA Platz 90) in Ägypten einen Punkt holt, war nicht unbedingt zu erwarten. Nützlich für einen Überblick ist die schon einmal erwähnte FIFA-Weltrangliste, bei der man die verschiedenen Konföderationen, zum Beispiel die Liste des afrikanischen CAF, im Fenster rechts neben der Tabelle, auch separat aufrufen kann. Thomas N’Kono, der Torwart der legendären Mannschaft von Kamerun 1990, ist übrigens mittlerweile als Interimstrainer Nachfolger von Otto Pfister bei den unbezähmbaren Löwen, und spielt am Sonntag zuhause gegen den Mitfavoriten Marokko.

In Asien sind Südkorea, Australien und Japan bereits qualifiziert. Zweiter in Gruppe B und damit heißester Kandidat auf den vierten sicheren Platz ist Nordkorea (FIFA Platz 105), das in der Vorrunde dann hoffentlich auf die USA trifft. Diese belegen zusammen mit Costa Rica und völlig überraschend El Salvador (FIFA Platz 100) einen der drei sicheren Plätze in der CONCACAF-Qualifikation. Mexiko (FIFA Platz 26) wäre im Moment nicht dabei.

Nur in Südamerika haben die Kleinen keine Chance. Erster ist nach dem 4-0 in Uruguay jetzt Brasilien, vor Paraguay, Chile und Argentinien, lauter alte Bekannte. Wobei eine WM ohne Brasilien und Argentinien nur die halbe Freude wäre, es sei denn die Brasilianer spielen so gräßlich wie 2006. Oder wäre das zu diskutieren: Lieber miese Brasilianer bei der WM als gar keine? Die Südamerika-Qualifikation ist insgesamt ein bißchen lau. Von zehn Teams qualifizieren sich bis zu fünf, also 50 Prozent. Und es gibt nur eine Gruppe, ein schnarchiger vierter Platz reicht also völlig aus.

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