Habe nun acht… »
…Spieltage gesehen, und nach einem knappen Viertel der Saison ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Teil Zwei folgt dann am Donnerstag.
Bayern München: Die Mannschaft tut alles, um die Frage offen zu lassen, ob Manuel Neuer auch in München Spiele gewinnen kann. Die Viererkette ist besser als im Vorjahr. Hätte das zweite Gegentor nach dem zweiten Neuer-Patzer in Wolfsburg gegolten, hätte Manchester City seine beiden Elfmeter bekommen, wäre nicht alles Heynckes, Freude, Eierkuchen. Meister wird die Mannschaft, die Rückstände dreht. Die Bewährungsproben kommen noch. Größte Überraschung: Kokspetze Hoeneß entdeckt plötzlich, dass es einen Rechtsstaat gibt. Wichtigste Frage: Wird Robben, wenn er weiter mault, an van Gaal ausgeliehen?
Werder Bremen: Endlich wieder Werder-Fußball, wie wir ihn schätzen. Mertesackers Weggang wurde kompensiert, Arnautovic trotz Roter Karte resozialisiert, Defensive mit Offensive austariert. Ohne lästige Demütigungen in der Champions League hat Werder in der Bundesliga noch Luft nach oben. Größte Überraschung: Fritz ist ein guter Kapitän. Wichtigste Frage: Bleibt Pizarro gesund?
Borussia Mönchengladbach: Wie schon am Ende der Saison an dieser Stelle erwartet, spielen die Gladbacher nach der erfolgreichen Relegation eine sagenhafte Saison. Mit ter Stegen haben sie den besten Torwart der Liga (Bayern-Scouts aufgepaßt). Favre hat die schlummernden Potenziale geweckt. Eberl ist über Nacht vom Krisenmax zum Visionär gereift. Größte Überraschung: Mike Hanke ist ein Leistungsträger, schießt keine Tore und hält trotzdem die Klappe. Wichtigste Frage: Reicht es für Platz vier?
Schalke 04: Huub, Huub hurra. Rangnick hat enormen Mut bewiesen, jetzt ist es für Schalke besser gekommen, als man hoffen durfte. Stevens redet kokett von Platz zwei, aber trotz aller Verehrung der alten Helden mal ehrlich: Der Sturm mit Huntelaar und Raul ist eigentlich sogar noch ein bißchen stärker als der mit Sand und Mpenza. Größte Überraschung: Jermaine Jones ist wieder mit dabei und hat eine Frisur gefunden, die zu seinen Tattoos paßt. Wichtigste Frage: Wie bringt Stevens Fährmann in die Spur?
Hannover 96: Der Slomka-Express rollt weiter. Weniger abhängig von Ya Konnan, mit dem Schnäppchen des Jahrzehnts Pander als brandgefährlichem Überraschungsgast auf links. Wer Bremen 3-1 besiegt und dafür vom kicker die Spielnote 1,5 erhält, darf sich auf eine weitere große Saison freuen. Größte Überraschung: Kein Einbruch wegen der Europa-League, schon die Spiele gegen Sevilla waren erste Sahne. Wichtigste Frage: Wann bringt Jörg Schmadtke die Kunst des Inneren Lächelns endlich als Yoga-DVD raus?
Borussia Dortmund: Trotz des Verlusts von Sahin und der Verletzung von Barrios wirkt der Kader wieder sehr kompakt. Kleine Abnutzungserscheinungen sind vertretbar. Mit Perisic wurde wieder sehr gut eingekauft. Die Lüdenscheider brauchen noch ein wenig Anlaufzeit, dann werden sie noch weiter nach vorne kommen. Größte Überraschung: Der Punkt gegen Arsenal. Wichtigste Frage: Ob sie wenigstens ein Spiel in der Champions League gewinnen werden?
VfB Stuttgart: Das sieht jedenfalls nicht nach Horror-Hinrunde aus. Heimlich, still und leise malochen sich die Schwaben nach vorne. Und der notorische Überflieger Labbadia beweist nach der guten Rückrunde erneut Steherqualitäten. Mit den wiedergenesenen Bremern und den Schalkern mit Stevens wird ein internationaler Platz trotzdem schwer. Größte Überraschung: Boulahrouz ist in der Form seines Lebens. Wichtigste Frage: Wird Cacau fit?
1899 Hoffenheim: Stanislawskis guter Einstand zeigt, dass Provinz und Kiez im Grunde wesensverwandt sind. Eine gewisse Heimeligkeit sind beiden nicht abzusprechen. Trotz des Punktgewinns gegen Bayern an diesem Wochenende ist Hoffenheim vier Plätze zurückgefallen. Es ist eng im oberen Drittel. Größte Überraschung: Andi Beck hat seinen Vertrag verlängert. Wichtigste Frage: Wen wird Dietmar Hopp in dieser Winterpause heimlich verkaufen?
Bayer Leverkusen: Anders als die Schönspieler von der Säbener Straße hat Leverkusen die ersten Rückschläge (Pokal, CL, Schönspieler von der Säbener Straße) bereits verdaut. Dutt erweist sich als ebenso lernwillig und teamfähig wie Ballack. Dass Rangnick in der Lage war, offen über seine Schwäche zu reden und das Handtuch vor dem totalen Zusammenbruch schmeißen, verdankt die Liga wie so vieles andere übrigens Ballack. Er hat es geschafft, ein Weltklassespieler zu sein, und dabei dem Scheitern nicht auszuweichen. Größte Überraschung: Die Entschlossenheit, sich nach oben durchzukämpfen. Wichtigste Frage: Ballack wird seine Kritiker eines Besseren belehren. Aber wie?
Im November 2011 erscheint “Kleine Biester”, der neue Kriminalroman von Rob Alef.
Die Viererkette der Apokalypse »
Die Mannschaft stellt sich quasi von selbst auf. Zumindest im Manager-Spiel in der Classic-Variante. Dort stehe ich mit 177 Punkten auf Platz 11700 von 130000 und habe seit dem 10. Spieltag mehr als 20000 Plätze gut gemacht. Top-Scorer ist Kagawa gefolgt von Schwegler und Starke. Pinola hängt wegen seiner blöden Sperre bei 16 Punkten, Raul bei 11. Auch für schöne Tore gibt es nur drei Punkte. Nachdem Ballack erstmalig ins Geschehen eingreift, Starke wieder dabei ist und Idrissou sich mit Frontzeck ausgesöhnt hat, bin ich optimistisch, dass nach oben noch ein bißchen was geht. Die Oberen Zehntausend sind greifbar nah, vielleicht reicht es sogar zu Platz 7248, dann wäre ich im vorderen Achtzehntel, also quasi Erster.
Die Transferphase in der Interactive-Variante habe ich genutzt, die Verschwundenen, Fußlahmen und sonstigen Ausfälle zu ersetzen. Banovic (zu Duisburg), Bunjaku (bis Saisonende verletzt), Frantz (ominöse Frankfurter Verletzungsseuche am Bauchmuskel) und Jones (Magath) sind verkauft, dafür spielen jetzt Fuchs (Mainz), Vidal (Leverkusen), Sukuta-Pasu (St. Pauli) und Tiffert (Kaiserslautern). Mit Tiffert hatte ich mal eine ganz gruselige Saison, ich glaube nur noch Peter Peschel hat mir mehr Kummer bereitet. Fuchs hätte ich beinahe schon zu Saisonbeginn genommen, der hat mir schon bei Bochum immer sehr gut gefallen. Sukuta-Pasu werden wir jetzt öfter in der ersten Elf sehen, mit ihm schafft St. Pauli den Klassenerhalt. Vidal ist in Leverkusen der Kopf der Mannschaft, seine rabaukige Seite wandelt er in positive Zweikampfenergie. Eichner ist quasi mein fünfter Neuzugang, in Hoffenheim ausgemustert, in Köln auf dem Weg zum Stammspieler. Nachdem sich die Wechsel automatisch ergaben, bleiben mir Harnik, Gentner, Hunt und Fritz alle erhalten, quasi die Viererekette der Apokalypse. Vier Ypse, vier Gimmicks. Weil an diesem Wochenende Tiffert, Gündogan, Bugera und und Kagawa nicht dabei sein können, sind drei von den vieren sogar in der ersten Elf. Gentner und Harnik sind eigentlich keine Schlechten, Fritz spielt in der Chaosabwehr einigermaßen solide, nur Hunt enttäuscht bisher auf der ganzen Linie. Zusammen 81 Punkte, trotzdem nicht wirklich der Bringer.
Bei der Interactive-Variante ist ebenfalls Kagawa ganz vorne, gefolgt von Gekas und Schäfer, jeder über 100 Punkte. Das Team darf gerne noch ein bißchen über sich hinauswachsen. Platz 68700 von 210000 bedeutet zwar einen Platz im oberen Drittel, aber auch Helmes, Schäfer, Gündogan und Son können noch mehr, nach den guten Spielen vor dem Winter habe ich den FCK ein bißchen als Geheimtipp. Die Roten Teufel haben sich eingewöhnt, jetzt legen sie los.
Was zu der spannenden Frage führt, wer eigentlich absteigt. Nachdem Bremen und Wolfsburg ihre besten Stürmer verkauft haben, sind ihre Chancen auf Liga Zwei jedenfalls nicht kleiner geworden. Auch der VfB wird sich mit Dampfplauderer Bobic und Topmodel Labbadia sehr schwer tun. Alle anderen Mannschaften haben mehr Erfahrung im Abstiegskampf, mehr Gleichgewicht in der Mannschaft, mehr Biss als diese drei. Wäre natürlich blöd für den Dritten der Zweiten Liga, wenn sie ausgerechnet gegen so ein Schwergewicht spielen müßten – Paderborn gegen Wolfsburg in der Relegation, das wäre doch der Hit. Gladbach kriegt die Kurve noch. Die haben sich richtig gut verstärkt und irgendwann ist jede Verletzungsmisere einmal zu Ende.
Meister wird natürlich Mainz, Dortmund ganz bestimmt nicht, Leverkusen aus Prinzip nicht.
Heute Abend nicht meinen Live-Ticker auf Twitter verpassen: Vizekusen gegen Lüdenscheid, Ballack kommt in der 78. Minute und schießt das Sieg bringende 2-1 für die Gastgeber.
Die Zahnfee auf Bewährung räumt ab »
Der fast wortgetreue Live-Tweet vom Mittwoch Abend.
5. Min. Schalke gegen Lyon ist bereits im vollen Gange. Hallo und herzlich willkommen zum Champions-League Live -Tweet.
9. S04 schon mit mehr schönen Offensivaktionen als in der ganzen letzten Saison. Aber noch nicht konsequent genug zu Ende gespielt.
13. Und da ist es schon passiert. Raul wuselt sich im Strafraum an zwei Leuten vorbei, steckt irgendwie auf Farfan durch,
1-0 für S04.
16. Bisher alles über rechts bei S04, aber bisher noch keine richtig gute Flanke. Mit Kluge über links wird es wohl nicht
sehr offensiv.
20. 2-0. Ich nehme alles zurück, Kluge mit genialer Vorarbeit für Huntelaar, 2-0 für S04. Lyon erlebt ein Wunder in
Königsblau.
24. Weiterhin ein sehr lebendiges Fußballspiel. Lyon nicht in Schockstarre, aber auch ohne echte Geistesblitze gegen die
Schalker Abwehr.
28. Raul spaziert durch den Strafraum von Lyon wie Terminator 2 durch Gitterstäbe. Nicht zu fassen, nicht zu stoppen. S04
richtig gut.
30. Ups, Gelb gegen Farfan, und das ist korrekt, er springt vor Lloris ab. Der Peruaner fehlt S04 gegen Lissabon.
33. Ich denke, die Gelbe Karte geht in Ordnung, er springt ab, und spekuliert auf Elfer und Rot für den Goalie.
34. Hoffentlich ist S04 nicht so unbedarft wie die Bayern. Die hatten gestern auch schon ein 2-0.
37. Lisandro Lopez holt über links eine Ecke raus. Neuer hat den Ball.
38. Farfan sollte sich jetzt bloß nicht auf Scharmützel mit dem Schiri einlassen. Mit zehn Mann wäre es schwer für S04.
40. Lyon wird über links stärker, aber die Bälle kommen (noch) nicht nach innen. Aufpassen, S04.
43. Magath ruft vorsichtshalber zur Ordnung, aber er kann sehr zufrieden sein mit S04. Auch Jones spielt sehr ordentlich.
45. Jurado geht ab durch die Mitte, aber er läuft sich fest. 1 Minute Nachspielzeit, 2-0 für S04.
Halbzeit. Lyon wird kommen, S04 muss die ersten 20 Minuten nach der Pause überstehen. Glückauf.
46. Und weiter geht’s. Lyon bringt den neuen offensiven Gomis, Schalke muss noch 45 Minuten dagegen halten.
50. Schalke spielt gut gegen den Ball, sehr laufstark, der Ballführende bei Lyon fast immer gedoppelt.
53. Der Reporter bei Sat 1 nennt Jones “die Super-Nanny im defensiven Mittelfeld”. Mich erinnert er an die Zahnfee auf
Bewährung.
54. Schalke stellt sich nicht hinten rein, sondern spielt auf das 3-0. Richtig so.
56. Interessant die ganzen internationalen Tweets, die sich vor allem mit Raul beschäftigen. Plötzlich ist Schalke eine
Weltmarke.
60. Die erste Abwehrreihe von Schalke steht 15 Meter in der Hälfte von Lyon – und holt jetzt eine Ecke heraus.
63. Matip soll kommen bei Schalke. Ist das die Chronik eines angekündigten Kopfalltors nach einer Standardsituation?
65. Jones kriegt Gelb für ein taktisches Foul, und Edu kommt für Farfan.
68. Lyon kommt langsam auf Touren, meistens über links. Matip kommt, und Schalke muss ein bißchen mehr tun.
69. Jurado macht nicht viel falsch, aber ist jetzt auch nicht der Spieler, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückt.
70. Matip für Jones. Magath wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er Jones im Winter abgibt.
72. Lyon mit gefährlicher Flanke von der Grundlinie, in der Mitte aber kein Abnehmer.
75. 2-0 für Tel Aviv, Sababah!
78. Überall Tweets von verzweifelten Werder-Fans und orakelnden Bayern-Fans, die einem erklären, dass ein 2-0 schnell
verspielt ist.
80. Toulalan senst Jurado um, kriegt ein gnädiges Gelb.
83. Werder jetzt 0-3 in Tottenham, Ohjehmineh. Schalke geht weiter zielstrebig Richtung Achtelfinale.
88. Manni Breuckmann würde jetzt sagen: Der Drops ist gelutscht.
89. 3-0! Huntelaar serviert den Nachtisch. Ein zum Lupfer abgefälschter Schuß. Schalke, voll Laser wie du abgehst.
Schlusspfiff. Und die Null steht. Schalke schlägt Lyon 3-0. Farfan sagte im kicker, die Krise sei vorbei. Weiter so, S04.
Gute Nacht an alle Fußballfans und stellt ein Kerzlein ins Fenster für Thomas Schaaf. Er sollte die Kurve kriegen dürfen.
Das Manager-Memo: Europa League und müdes Mittelfeld »
Auf das Wesentliche konzentriert bin ich in diese kicker-Manager-Saison gegangen. Für die Zweite und Dritte Liga blieb diesmal keine Zeit, diesmal gibt es nur die Bundesliga. In der Classic-Variante gehe ich mit folgender Aufstellung durch die Saison:
Starke – Pinola, Fritz, Amedick – Kagawa, Schwegler, Meier, Ballack, Köhler – Idrissou, Raul. Ersatz sind Knaller aus dem Hause Gerry Ehrmann, dessen Mannschaftskollege Abel, der im Moment verletzte Didavi und Sukuta-Pasu von St. Pauli, dessen tolles Spiel in Freiburg leider nicht in die Wertung kam.
Bisher läuft es mit Rang 26000 von 127000 ganz ordentlich, ein Platz im oberen Fünftel. Mein Königstransfer Ballack stand noch gar nicht richtig auf dem Platz, Raul irrt noch über die Schalker Baustelle. Der Abräumer war bisher Kagawa, danach kommen Starke mit 14 und Pinola mit 10 Punkten, der schon zwei Tore erzielt hat. Schwegler, Meier und Köhler könnten noch ein bißchen mehr zeigen.
In der Interactive-Variante läuft es noch nicht ganz so berauschend. Platz 140000 von 207000 bestätigt den leichten Aufwärtstrend seit Spieltag zwei, als ich 45000 Plätze weiter unten stand. Auch hier ist Kagawa der wichtigste Punktelieferant, gefolgt von Schäfer und Gekas, den ich in letzter Sekunde an Stelle von van Niestelrooy (wegen Veh) in den Kader nahm. Nachdem mit Didavi, Gentner, Harnik, Salger, Fritz und Hunt gleich sechs Spieler von Stuttgart, Bremen und Köln im Kader sind, wird es wohl erst einmal mittelprächtig weitergehen. Ich muss ja elf aufstellen.
Bunjaku und Son sind Langzeitverletzte, Son quasi mit Saisonbeginn, es bleiben im Sturm nur Gekas und Helmes. Maik Franz ist auch dabei, weil letzte Saison torgefährlicher Abwehrspieler, außerdem Edelreservist Banovic und der schon wieder sehr erfreuliche Jones, trotz des Einsteigens gegen Schäfer. Hain von St. Pauli ist Torwart Nummer Zwei, Rössl Nummer Drei, Reinartz und Bugera ergänzen die Abwehr, Gündogan und Cohen sind die jungen Wilden im Mittelfeld. Cohen hat mir gegen den HSV sehr gut gefallen. Kein Mainzer und kein Hannoveraner, die allesamt Schnäppchen gewesen wären, aber mal abwarten wie es nach der Länderspielpause weitergeht. Beim Club und bei Bremen zeigt die Leistungskurve ja ein wenig nach oben. Und Bremen findet eh erst in der Rückrunde statt.
Das Wunder von Mailand – Werder nur 0-4 »
“Es wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abjeblendt“, dichtete Kurt Tucholsky dereinst, obwohl er gar nicht in der Sportredaktion tätig war. Nach dem 3-0 für Inter habe ich auch abjeblendt, besser konnte es gestern für Werder nicht mehr werden. Ohne Frings, Naldo und Pizarro und mit einem immer noch wackeligen Mertesacker war da nichts zu wollen. Diese Prödls, Silvestres und wie sie alle heißen, irrten durch den eigenen Strafraum wie chloroformierte Hummeln. Klar, es gibt auch noch ein Rückspiel, aber wenn sie nicht beide Spiele gegen Enschede gewinnen, wird es sehr schwer für die Grün-Weißen. Es wird eine gefährliche Saison. Warum, wer Diego und Özil verkauft und Allofs als Manager hat, keinen einzigen vernünftigen Abwehrspieler verpflichtet, bleibt ein Rätsel.
Schalke dagegen kommt so langsam auf Touren, vor allem Huntelaar ist ein echter Volltreffer, er paßt gut zu diesem Verein mit seiner körperbetonten und mannschaftsdienlichen Spielweise. Wie Asamoah, aber torgefährlich. Jede Menge Glück hatten sie auch, aber wer 73 Minuten lang die Nerven behält, wird mit solchen Stürmern irgendwann belohnt. Besonders freut es mich, dass Jones wieder auf dem Damm ist. Nur Pander scheint die Kurve nicht mehr zu kriegen, das ist sehr schade.
Es hat nur noch gefehlt, dass Thorsten Fink mit Autogrammwünschen an die Bayern herangetreten wäre. Selten war ein Trainer nach einer Niederlage gegen so still vergnügt und ehrfurchtsvoll wie der Matchwinner des CL-Finales von 1999. Bayern ringt einen international zweitklassigen Gegner in der 89. Minute nieder. Das ist schon der zweite Befreiungsschlag nach dem 2-0 gegen Rom. Danach gab es dann ein 0-0 gegen Köln. Mit diesem Ergebnis wären die Bayern in Dortmund vermutlich hoch zufrieden. So lange einer der Innenverteidiger van Buyten heißt, muss man mit dem Gewinn der CL nicht ernsthaft rechnen. Man stelle sich vor, der gegen Eto’o.
Das linke Dings mit Frings »
Man kann über alles reden, auch über die Zukunft von Torsten Frings in der Nationalmannschaft. Abgesehen von Ballack (und Mertesacker und Klose?) hat niemand eine Stammplatzgarantie. Aber einen so erfahrenen Spieler zu demontieren und frühzeitig abzuservieren ist unverständlich und auch unfair.
Heute findet sich im kicker der Notendurchschnitt von Frings in den verschiedenen Wettbewerben der letzten Spielzeit: Nationalmannschaft 5,50, DFB-Pokal 2,63. Hat das eventuell mit der Wertschätzung des Trainers zu tun? Rolfes hatte in der gesamten Saison die besseren Werte, spielte im Verein aber nicht international, verlor das DFB-Pokalfinale gegen Bremen mit 1-0 und den persönlichen Vergleich mit Frings (Note 4 – Note 2,5).
Ich denke immer noch, mit Frings wäre das Halbfinale gegen Italien 2006 anders gelaufen. Ich sage nicht, Deutschland hätte gewonnen, aber Frings ist einer, den man für große Spiele braucht. Das vermurkste EM-Finale geht auch auf seine Kappe, aber das hat er ja offen zugegeben.
Khedira und Hitzlsperger müssen erst zeigen, dass sie ihre Form auch in der CL abliefern, sollten sie sich qualifizieren. Ballack ist verletzungsanfällig und auf Sicht kein Stammspieler bei Chelsea, Jones wurde von Löw schon erfolgreich wegegeekelt. Dass Ernst noch einmal eine Chance bekommt, glaubt keiner, ich auch nicht. Westermann wird wahrscheinlich in der Abwehr gebraucht. Das vermeintliche Überangebot an defensiven Mittelfeldspielern ist also gar keines.
Mir würde folgende Konstellation gefallen: Deutschland verliert in Moskau ohne Frings, dann beruft ihn Löw für die Relegation und Frings sagt nein. In der Defensive gut verschoben, aber trotzdem dumm gelaufen.
Totem und Tattoo »
Es war einmal im Land der tausend Laktattests , da gelobte der Auswahltrainer, seine Durchleucht, der Herr Löw: Es soll fortan nur nach Leistung gehen, nichts als Leistung soll sein das Kriterium, nach welchem ich berufen will meine Spieler.
Und ging die Zeit ins Land und kam da ein Spieler Jermaine Jones, Bub aus der Bronx von Bonames, der spielte zwei Jahre lang überdurchschnittlich in einer durchschnittlichen Schalker Mannschaft und zeigte eine Dynamik und Zweikampfbilanz im defensiven Mittelfeld, die man seit Lothar Matthäus dort nicht mehr gesehen hat. Und er ward berufen pro forma für drei Freundschaftsspiele, und fortan ignorieret, weil er nicht passte in das Anforderungsprofil der Anforderungsprofilneurotiker beim DFB.
Und ätsch, der mündige Profi Jones, machte munter Gebrauch von seinen durch die FIFA garantierten Rechten und sprach bei sich und vernehmbar: Etwas Besseres als acht Minuten in einem Freundschaftsspiel gegen Österreich findest du zwar nicht überall, aber in den USA wirst du zumindest eine faire Chance erhalten.
Doch siehe, es waren Leitartikler und Kommentatoren auf dem Feld der öffentlichen Meinung, die fürchteten sich sehr und holten aus zum Rundumschlag, ohne die FIFA-Statuten gelesen zu haben und sparten nicht mit Häme. Und auch wenn Jones nach Asamoah und Kuranyi der dritte Schalker Profi ist, der auf äußerst unfeine Art vom DFB ausgebootet wurde, wer da sich erdreistet zu denken, dies habe mit ihrem Verein oder ihrem außereuropäischen Migrationshintergrund zu tun, der macht sich unbeliebt im Reiche des Auswahltrainers Löw, denn es geht beim DFB immer nur nach Leistung und keinesfalls nach Kopfnoten oder VfB Stuttgart.
Und nun wollen wir sehen, wie es weitergeht mit den Kickern in den schwarzen Hosen und weissen Hemden, dem wankelmütigen Frings, dem Schluck Wasser Schweinsteiger und dem braven Rolfes im Mittelfeld, dem kreuzbandverletzten Helmes, dem langzeitverletzten Klose und dem zum Austeilen neigenden Podolski im Sturm. Und wir wollen Leistung sehen, damit Jones und Kuranyi vergessen sein mögen, und getilgt sei ihr Name aus den Kadern für alle Zeit und Herrn Löw ein Wohlgefallen.
Fehleinkäufedoppelpack bringt Schalke einen Dreier »
Die traurige Saat von Andy Müllers verkorkster Transferpolitik ist gestern Abend einmal mehr aufgegangen. Erst traf der überteuerte Farfan, dann der überschätzte Kuranyi. Wie gut, dass wenigstens der übermotivierte Jones leer ausging, sonst wäre die Schalker Führungsriege in Erklärungsnöte gekommen. Warum kriegen eigentlich Mülder und Buskens keine Chance? Die waren doch schon letztes Jahr richtig gut.
Kahn auf Schalke »
Das verspricht mindestens so viel Spass und Erfolg wie Stevens bei Hertha. Die aufmüpfigen Fans werden das Bayern-Urgestein spontan in ihr Herz schließen, der Novize wird den schwierigsten Verein der Liga aus dem Handgelenk in die Erfolgsspur zurückführen, Rudi Assauer wird dem Nachfolger auf seinem Thron mit liebevoller Kolportagekritik Tag für Tag den Rücken stärken. Was für ein Wahnsinn, diese Variante ernsthaft in Erwägung zu ziehen, so es denn stimmt, was gemunkelt wird. Wobei der kicker selten nur ins Blaue hinein Personalien verkündet. Mir hat es nicht gefallen, dass Müller entlassen wurde. Man schaue sich mal an, in welches Loch Bremen gefallen ist, als Rehhagel ging, das hat Jahre gedauert, bis der SVW diese Ära verdaut hatte. Müller hat den Übergang von Assauer nahtlos vollzogen, dass es mit der Meisterschaft nichts wurde, ist am allerwenigsten sein Fehler. Dass man bei Südamerikanern im Transfer mal daneben greift, ist schon jedem Verein passiert, selbst Leverkusen, die überdurchschnittlich viel Erfolg mit Südamerikanern haben. Außerdem spielt Farfan kein schlechtes erstes Jahr. Der einzige Mißgriff war in meinen Augen Streit, aber nicht als Transfer, sondern als Bankdrücker. Streit hätte phantatisch zu Schalke gepaßt, eine Art Jermaine Jones, der auch Außenristpässe spielen kann, ein Charakterkopf, der auch mal das Maul aufmacht. Wie Jones, wie Asamoah, wie Wilmots, Höwedes… Aber selbst wenn Müllers Entlassung richtig war, hätte man sich vorher konkrete Gedanken über die Nachfolge machen müssen. Magath ist als Kandidat wesentlich interessanter als Kahn. Dieter Hoeneß ist demnächst zu haben, oder vielleicht Bernd Schuster. Als Sportlicher Direktor könnte er den ruhigen königsblauen Trott der letzten Jahre etwas aufpeppen, dazu Lothar Matthäus als Trainer, wuahahahaharhar.
Herr Alef, wie stellen Sie sich die Hölle vor? »
Ein WM-Endspiel Norwegen – Paraguay, Jörg Dahlmann kommentiert.
Aber mal ganz im Ernst. Die Norweger glänzen regelmäßig mit vollkommener Defensivdestruktion. Nur einmal, als sie verlieren hätten müssen, 1998 gegen Brasilien, haben sie gewonnen. Und damit Marokko rausgekegelt. Heute Abend also ein Testspiel, selten waren so viele Fragen so offen bei einer Fußball-Nationalmannschaft. Torwart? Langfristig tippe ich auf Neuer, Enke fehlen die internationalen Spiele mit dem Club, Adler flattert. Abwehr? Metzelders Zeit ist wohl vorbei, also bald ein Schalker Block mit Höwedes Westermann und Pander, ergänzt mit dem auch in der Krise soliden Mertescker? Mittelfeld? Die Zeit des Lutschers geht zu Ende, Jones und Hitzlsperger liegen defensiv vorne, was wird aus Schweini? Ohne Ribéry und Hamit konkurrenzlos, aber jetzt kommt ja Özil noch dazu. Auch fast ein Schalker. Sturm? Nur Klose ist gestzt, alle anderen, auch Poldi, müssen um ihre Plätze kämpfen. Wenigstens verspricht der Konkurrenzkampf, dass heute Abend nicht nur Larifari gespielt wird.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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