Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


Der Riesenzwerg aus Gelsenkirchen »

So richtig vom Hocker hauen einen diese Schalker nicht in dieser Saison. Jetzt haben sie schon ihr drittes Spiel gegen eine Spitzenmannschaft sang- und klanglos verloren. BVB 1-3, Chelsea 0-3, Bayern 0-4, alles zuhause. Das ist schon extrem mickrig. Sie haben zwar nicht den Anspruch erhoben, gegen diese Mannschaften zu gewinnen, aber es ist nicht verboten, seine gesetzten Ziele auch mal zu übertreffen. Oder wenigstens so zu verlieren, dass man sich als sympathisierender Clubberer nicht fremdschämen muss.

Zugegeben, es gibt zu viele Verletzte. Obwohl Szalai eingeschlagen hat, fehlt der erste Sturm mit Huntelaar und Farbfan an allen Ecken und Enden. The Athlete Fashionably Known As Prince ist zwar einer der spannendsten Transfers des Sommers, muss sich aber erst zurecht finden. Ihn Mittelstürmer spielen zu lassen, ist eine Idee, die von Michael Skibbe stammen könnte. Wenn Boateng nicht laufen kann, soll er nicht spielen. Wer braucht halbfitte Spieler?  Draxler leidet an einem schweren Fall von morbus ricken. Zur Führungsperson ausgerufen, durchwachsenen Start gehabt, tendenziell dauergestresst. Wobei Ricken nach seiner Sahnesaison völlig neben sich stand und Draxler schon einige richtig gute Momente hatte. Jetzt kann man ihn natürlich nicht einfach wieder zum Supertalent downgraden. An Papadopolous erinnert sich kaun noch jemand, so lange ist er schon weg.

Trotzdem werden die Schalker die Gruppenphase der Champions League überstehen und um Platz vier mitspielen. Im Feld der Verfolger eine dicke Nummer, für die Großen Drei und die Spitze Europas im Moment zwei Nummern zu klein.

Vielleicht sollte man langfristig über einen Trainer nachdenken, der weniger wurschtig wirkt als Keller, der der Mannschaft ihre Halbherzigkeit und das schlampige Passspiel austreibt. Wie wäre es mit Morten Olsen im Verbund mit Ebbe Sand zum Beispiel? Dänemark hat die WM-Quali verpasst, Olsen wird nächstes Jahr 65 und kommt gemessen an Rehhagel, Aragones, Heynckes und Rudi Gutendorf erst in einigen Jahren ins beste Traineralter.

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Am 12. November erscheint mein neuer Roman “Immer schön gierig bleiben”. Bestellungen gerne hier:

 

Saisonvorschau: Schöner lauern – Leverkusen und Schalke »

Obwohl es in der letzten Saison nicht einmal für Vizekusen reichte, hat sich Leverkusen  heimlich still und leise zu einem bärenstarken Konkurrenten entwickelt. Ohne größeren Wackler spielte man sich in die direkte Teilnahme zur Champions League und brachte den Bayern die einzige Saisonniederlage bei. Son für Schürrle macht die Mannschaft noch konterstärker, Kießling ist in der Form seines Lebens. Nachdem bei Gomez der Bayern-Bonus weg ist, dürfte der Ex-Clubberer eine echte Chance bei Joachim Löw bekommen. Auch wenn hier ein Megasponsor den Rücken frei hält, ist Leverkusen mehr ein Freiburg de luxe – der Star ist die Mannschaft. Selbst Spitzenkönner wie Rolfes oder Leno ragen aus dem Team nicht heraus. Bei Bayer stimmt die Chemie. Und weil sie davon reichlich haben, sind spontane Mutationen auch keine Überraschung. Leverkusen scheint unter Hyppiä körpereigene Siegergene zu entwickeln. Könnte sein, dass es damit auch für ganz oben reicht.

Auch Schalke hat sich stabilisiert. Die Verpflichtung von Szalai kann ein ähnlicher Glücksgriff werden wie die von Mandzukic für die Bayern. Außerdem geht Königblau nach zwei Saisons mit permanentem Torwart-Drama mit einer klaren Nummer Eins in die Saison. Dass sie sich noch zieren, mit Hildebrand zu verlängern, weil sie zwei sehr gute Nachwuchskräfte in der Hinterhand haben, ist verständlich. Aber es ist richtig, den erfahrensten zur Nummer Eins zu machen. Hildebrand ist nicht nur international eine ganz andere Nummer, er kann auch eine Abwehr dirigieren. Der ungeliebte Jens Keller hat sich mittlerweile ein kleines Vertrauenspolster erarbeitet und erdet den Schalker Überschwang auf verschmitzte Weise. Wer auf Schalke Trainer ist, muss verstehen, dass diese Fans ihre Mannschaft mehr lieben als alle anderen in Deutschland ihren jeweiligen Verein. Dass 100000 zum Abschiedsspiel von Raul kommen, ist mit ruhrpöttischer Herzlichkeit nicht mehr zu erklären, das geht mehr in die Richtung Maradona und Neapel. Raul wurde ja nicht vorgestellt, sondern verabschiedet. Magath und Heynckes waren von dieser Zuneigung überfordert, Keller hat sie begriffen, ohne deswegen zum Populisten zu werden. Schalke als Meister, das ist noch peinlicher als Prognose als Leverkusen als Meister, aber die ersten vier können im nächsten Mai auch in umgekehrter Reihenfolge oben stehen. 25 Punkte sind Schnee von gestern.

Grrr, Grrr, Gratuliere »

Gestern ist der neue Spielplan veröffentlicht worden, damit ist die Saison 2012/13 endgültig vorbei. Deshalb auch an dieser Stelle: Gratulation an den FC Bayern München zu den sportlichen Erfolgen, vor allem aber für die Art und Weise, wie die schwarze oder sagen wir besser rote Bestie aus der Säbener Straße in der abgelaufenen Saison gespielt hat. Der absolute Höhepunkt waren für mich die beiden Spiele gegen Barca. Wie gerne habe stillvergnügt gefeixt, als die Bayern vor ein paar Jahren unter Trainer Klinsmann in Halbzeit Eins im Hinspiel 4-0 hergespielt wurden. Diesmal war das 7-0 in beiden Spielen nicht nur in der Höhe verdient, sondern ein spielerischer und taktischer Augenschmaus. Und die Grundprämisse dieses Blogs  – guter Fußball hat Respekt verdient – gilt auch für die Bayern.

Die Hochachtung fällt mir natürlich auch deswegen leicht, weil sich das spielende Personal grundlegend gewandelt hat, weil die Bayern 2012/13 nicht nur ein teurer Haufen Ballzombies, sondern eine wirkliche Mannschaft waren, darunter überwiegend Leute, für die man sich nicht fremd schämen muss.

Schauen wir uns den Kader aus dem CL-Finale 2001 gegen Valancia an: Sagnol und Zickler machten nicht wirklich Lust auf Fußball. Linke und Andersson waren schrecklich brav. Effenberg war schrecklich, stets die wandelnde Karikatur eines Kleinbürgers. Bei Sky im Anzug sieht er aus, als käme er gerade von seiner eigenen Konfirmation. Und dass Jancker einmal Sturmspitze in München gewesen ist, wirkt für Nachgeborene ähnlich unwirklich wie die Berliner Mauer. Auch Scholl und Lizarazu konnten an diesem Lemurenstelldichein nichts retten, das sich irgendwie und mit dem Elfmetertöter Kahn zum Titel würgte.

Heute gibt es in der Abwehr “Olala” Alaba und Lahm. Lahm sieht zwar auch so aus, als käme er gerade von seiner eigenen Konfirmation, aber was für eine Klasse stellt er dar. Dann gibt es den wieder genesenen Schweinsteiger, dessen Potenzial zur tragischen Figur trotz des Finales dahaoam noch nicht ausgereizt ist. Es gibt Robben, der sein Herz im Gesicht trägt, egal, ob er schmollt, seine Nebenleute beschimpft oder in Tränen des Glücks auf den Rasen sinkt wie in Wembley. Und es gibt Thomas Müller, dem man ähnlich wie Augenthaler nicht wirklich vorwerfen kann, im falschen Verein zu sein, so gut passt er zu den Roten. Er hat das erste Tor im ersten Saisonspiel gegen Fürth gemacht und von er war derjenige, der der Mannschaft eine Seele gegeben hat. Nicht der Dribbler Fronck, der Stratege Kroos, der spielende Knipser Mandzukic. Thomas Müller ist einfach nur groß.

Für einen Moment dachte ich, es wird noch besser, als der von mir lang erwartete Verkauf von Gomez konkret zu werden schien. Aber mit der Verpflichtung von Götze ist man offenbar in die alten Muster zurück gefallen. Hauptsache jung und teuer. Das wird für Götze bei Bayern ähnlich zäh wie für Podolski oder für Sahin bei Real.

Es hat einfach alles gepasst in der Triplesaison: Die neuen Spieler – Dante, Martinez, Mandzukic – alle Volltreffer, Heynckes ein Ausnahmekönner, der so arbeiten durfte, wie er wollte, Schweinsteiger fit, Gomez verletzt, Boateng fokussiert, Neuer unauffällig, Sammer dezent, Dortmund doppelbelastet.

Das Triple wird hoffentlich ein einmaliger Ausrutscher bleiben. Vielleicht muss Pep Guardiola – natürlich in fließendem Deutsch – Ende August erklären, warum es gegen Nürnberg eine Heimniederlage gegeben hat. Mintal als Co-Trainer toppt alles, auch Thomas Müller. Locker.

Ästhetisch ansprechend, aber meist spannungsarm »

Mählich plätschert diese Bundesligasaison vor sich hin. Viele Entscheidungen scheinen bereits gefallen. Fürth hat am Wochenende leider wieder einmal den ersten Heimsieg verpasst. Mittlerweile spielen sie zwar mit Herz in der Hand und Arsch in der Hose, aber immer noch vollkommen planlos. Zumindest ist man auf den Zweitligaabstieg gut eingestellt. Durchaus möglich, dass sie in den kommenden Jahren wieder vorne mitspielen und sich dann auch ein bundesligataugliches Management gönnen.

Vorne darf Bayern tun und lassen, was es will. Dass der chronisch selbsternannte Europa-Aspirant HSV ein paar vor den Latz gekriegt hat, ließ mich dann doch mal kurz grimmig aufschmunzeln. Es gibt keinen Verein in der Liga, bei dem Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander liegen wie bei den Hamburgern. Sie spielen zwar nicht mehr gegen den Abstieg, sind aber von ausgereiften Teams wie Mainz oder Hannover immer noch ein, zwei Entwicklungsschritte entfernt. Von Schalke oder Leverkusen gar nicht zu reden.

Der Kampf um Platz 4, 5 und 6 enthält wenigstens noch einen gewissen Grad Restspannung. Den Schalkern wäre der vierte Platz zu wünschen. Leichtfertig haben sie das CL-Viertelfinale gegen Galatasaray hergeschenkt. Man kann im Achtelfinale ausscheiden, darf es aber nicht, wenn man nach einem 1-1 auswärts daheim 1-0 führt. Trotzdem hätten die meisten Vereine gerne diese immer wieder beschworene Schalker “Krise”. Bitte nicht wieder Heynckes als Trainer auf Schalke.

Leverkusen hat sich in dieser Saison klammheimlich verbessert. Die sehr guten deutschen Spieler, die gerade dort beschäftigt sind (Bender, Castro, Kießling, Rolfes), müssen wieder einmal erfahren, dass die Chancen schlechter sind, Nationalspieler zu werden, wenn man bei Leverkusen spielt. Ob Nowotny oder Kirsten, Friedrich oder Adler, der DFB legt bei Leverkusener Spielern strengere Maßstäbe an als bei anderen Vereinen. Dass Löw gerne wendige Stürmer hat, glaubt man übrigens gleich, wenn man sieht, dass Hanke und Helmes (ex-Leverkusen) nie eine echte Chance bekommen haben. Aber macht ja nichts. Sollen Kießling und Co nächste Saison eben gut erholt die Champions League aufmischen.

Frankfurt war vor dem Spiel in Fürth auf Platz 7, jetzt ist es punkt- und torverhältnismäßig gleichauf mit Schalke. Eine ganz enge Kiste. Mainz hält super mit, Gladbach schwächelt, Hannover greift nochmal an. Und leise, leise schleicht sich der Club nach oben. Seit dem Pflichtsieg in Augsburg ist das Team aller Abstiegssorgen ledig, und unter Wiesinger reift die Mannschaft von Spiel zu Spiel. Das 3-0 gegen Schalke mit dem Dusel in der ersten Halbzeit habe ich live gesehen. Das hatte zwar noch nicht die Kaltschnäuzigkeit der 2007er-Pokalmannschaft, aber vieles gefällt mir beim Club im Moment. Die drittbeste Abwehr zum Beispiel. Pinola fällt als Grobmotoriker zwar technisch ab im Vergleich zu Balitsch, Klose, Nilsson, Chandler, aber dass er wichtig ist, dass er in diesem meist zu braven Team Feuer erzeut, ist zu sehen. Zusammen mit Esswein gibt er über links ein bärenstarkes Außenduo. Soll er einen neuen Vetrag kriegen? Auf jeden Fall, aber Bader und Wiesinger müssen bald einen Nachfolger organisieren.

Pekhart ist auch super. Er erinnert mich – mit Verlaub – an Marco van Basten. Noch ist er nicht so genial gut, aber für einen “Wandspieler” (vulgo Mittelstürmer) hat er eine hervorragende Spielübersicht und eine superbe Technik. Er ist elegant, sehr fair und wird immer torgefährlicher. Neben Klose ist er vermutlich der, der am ehesten abgeworben werden wird. Insofern wäre dem Club eine Teilnahme am europäischen Wettbewerb zu wünschen. Die Mannschaft wirkt gefestigt genug, um die Doppelbelastung besser zu verkraften als im Abstiegsjahr 2008. Voraussetzung ist natürlich, dass Wiesinger bleibt, aber das klappt schon.

Klein und stark – die Espresso-Aufsteiger »

Am meisten begeistert  an diesem Spieltag hat mich – neben dem zweiten 1-0-Auftakt-Auswärtssieg von Nürnberg in Serie nach dem 1-0 gegen Hertha letztes Jahr – die Leistung von Raphael Schäfer. Note 1,5 im kicker, zwei Unhaltbare entschärft, gefühlt war das sein bestes Spiel seit dem Pokalfinale 2007. Wenn das der Maßstab ist, wird Rapha eine große Saison spielen. Hertha ist nach dem 0-1 am Anfang übrigens abgestiegen. Mittlerweile sind eigentlich fünf Euro ins Phrasenschwein fällig, wenn man dem HSV den Abstieg prophezeiht.

Aber reden wir über die mutigen Düsseldorfer und die abgezockten Frankfurter. Beide haben sich in ihr erstes Spiel reingewühlt und reingekämpft, beide waren am Ende auch spielerisch überzeugend. Beide sind wegen Fanausschreitungen mit einem schlechten Leumund in die neue Saison gestartet und haben ihre Kritiker (im Falle der Eintracht auch mich) eines Besseren belehrt. Düsseldorf hat schon in der Zweiten Liga durch unglaubliche mannschaftliche Geschlossenheit überzeugt und wird manch anderem direkten Konkurrenten um Platz 15 den Zahn ziehen.

Frankfurt ist eigentlich gar nicht so klein, also eher ein refill-Pott Kaffee. Der Abstieg wird als Betriebsunfall gewertet, und der Kader ist von der Papierform her sicherlich stärker als der manches anderen Erstligisten. Außerdem gibt es noch Armin Veh. Auch wenn er nicht mein Lieblingstrainer ist, gehört er neben Klopp, Magath, Heynckes und Schaaf zu den fünf aktiven Meistertrainern in der Liga. Nicht, dass Frankfurt  Meister wird, aber Veh ist in der Lage, eine Mannschaft zu formen, die über sich hinauswachsen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Stuttgarts Meisterschaft war noch sensationeller als die von Wolfsburg oder Dortmund.

Und die tapferen Fürther? Abwarten und Grünen Tee trinken, möchte man ihnen zurufen. Das 0-3 gegen die Bayern ist keine Katatrophe. Wenn man den Auftritt der fast identischen Mannschaft mit dem im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund vergleicht, war es wohl ein Lampenfieberproblem. Jedenfalls haben sie jetzt schon die Hälfte der richtig schwierigen Brocken hinter sich, der Club kommt im November in den Ronhof.

Goldene Generationen, silberne Trophäen »

Wenigstens zweimal irrte Wolf-Christoph Fuss ganz gewaltig bei seinen Wortbeiträgen zu Bayern-Chelsea. Zum einen rief er das 1-0 von Thomas Müller zum wichtigsten Tor in der Geschichte von Bayern München aus. Selbst wenn das Ergebnis Bestand gehabt hätte, bleibt das wichtigste Tor natürlich Schwarzenbecks 1-1 im ersten Finale gegen Atletico Madrid. Uli Hoeneß war zwar am Samstag Abend lädiert, stellte aber zurecht fest, dass Bayern nach dieser Niederlage weiterexistieren wird. Schwarzenbecks Gewaltschuß in höchster Verzweiflung war der Auftakt für eine Ära, die am Samstag vielleicht zu Ende gegangen ist.

Fussens anderer Irrtum: Er sagte, diese Bayern-Generation brauche den europäischen Titel, um zu einer Goldenen Generation zu werden. Umgekehrt ist es richtig. Ein Titel wäre nötig, um die graue Theorie von der Goldenen Generation vergessen zu machen. Als die westdeutsche Auswahlmannschaft 1970 in Mexiko 3-4 gegen Italien verlor, waren das begabte Nachwuchstalente, die eine epische Niederlage erlitten hatten. Zwei Jahre später waren sie Europameister, wieder zwei Jahre später Weltmeister. Eine Goldene Generation waren Beckenbauer, Müller und Netzer nie, obwohl nie so viele Ausnahmekönner in schwarz-weiß gemeinsam auf dem Platz standen. Die selbstoptomierten Laktaktjünglinge der Jetztzeit müssen erst noch zeigen, was sie drauf haben.

Goldene Generationen, das sind Mannschaften, die zu wenig aus sich gemacht haben. Zum Beispiel die Portugiesen, die 2004 den Heimvorteil bei der EM ebensowenig nutzen konnten wie Lahm, Schweinsteiger und die anderen ihren Heimvorteil gegen Chelsea. Ein Kranz aus Vorschußlorbeer macht die Beine schwerer als jeder Medizinball. Auch die Engländer 1996 waren eine Goldene Generation, die mit leeren Händen nach Hause ging. Holland 1988, Frankreich 1998, Spanien 2010, das westdeutsche Team 1990 waren große Mannschaften mit einem unverwechselbaren Stil und großartigen Leitfiguren: van Basten, Zidane, Xavi, Matthäus.

Am Samstag war Chelsea die bessere Mannschaft. Elf Leute waren auf dem Platz, die sich in jeden Ball warfen, die trotz der technischen und läuferischen Überlegenheit der Bayern nicht verzagten, die immer an sich glaubten, die immer in der Lage waren, Nadelstiche zu setzen, die nervenstark zurückkamen, und die in Drogba und Cech auch die überraggenden Einzelspieler des Abends in ihren Reihen hatten. Natürlich war es auch Glück, aber hart erarbeitetes Glück. Das Glück der Kaltblütigen. Diese Blues waren nicht die erste Mannschaft, die dank einer tollkühnen Defensivleistung einem zunehmend einfallslosen Gegner, der optisch überlegen war, Paroli bot. Weitere Beispiele sind das Rückspiel der Dortmunder bei Manchester United auf dem Weg zu ihrem CL-Sieg 1997 und das WM-Endspiel von 1974. Hätte Bayern in dieser CL-Saison auch nur eine Minute so gespielt wie Holland 1974, man hätte sich überschlagen vor Glück in den Sportredaktionen.

Was am Samstag zu sehen war, war ein sehr engagiertes, sehr gleichmäßiges Anrennen über 120 Minuten. Brav und redlich jederzeit, unsterblich oder wenigstens mit dem Gran Größenwahn der letzten vierzig Jahre, nein. Mag sein, dass Bayern wie auch schon bei den fünf  Niederlagen in Folge gegen Dortmund die besseren Einzelspieler hatte. Aber irgend jemand – Chef Schweinsteiger, Chefchen Lahm, Mister Jupp, Präsident Hoeneß, Übervater Beckenbauer – hätte dem Einzelspieler Robben nach dem Auftritt in Dortmund freundlich, aber bestimmt klar machen müssen, dass er für diesen Verein nie mehr einen Elfmeter schießen wird. Dass er es doch tat, zeigt ein weiteres Mal, dass die Mannschaft nicht wirklich ausgereift ist, keine innere Balance und zu wenig Typen hat. Schwarzenbeck war nicht der beste Vorstopper der Bundesliga, geschweige denn ein überragender Fußballspieler. Aber geradeaus schießen in höchster Not, dass konnte er gerade noch so, genau wie “Bulle” Roth zwei Jahre später gegen St. Etienne. Bei einem Timoschtschuk oder einem Boateng ist man froh, wenn sie möglichst fehlerfrei spielen, Herzblut kann man in diesem Umfeld von ihnen ebenso wenig erwarten wie von Gomez. Olic wäre so ein Kandidat. Aber die heimliche Leitfigur für den Finaleinzug 2010 kam zu spät aufs Feld und geht jetzt zu Wolfsburg. Auch Klose wurde gegangen.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen.  Ich freue mich, dass die Bayern verloren haben und will mir den Kopf nicht über ihre Mannschaftsauf- und -zusammenstellung zerbrechen. In meiner fußballhungrigen und -sachkundigen Familie geht seit Jahren die Diskussion, ob es schöner ist, wenn die Bayern früh scheitern oder erst spät, am besten in allerletzter Sekunde. Ich favorisiere die Variante “früh”, weil sie sonst unverhältnismäßig viel Medienaufmerksamkeit für sich beanspruchen können. Aber die Ereignisse vom Samstag, das Finale 1999 sowie das 2-5 im Pokal haben eine Menge von dem Zauber vermittelt, den die Variante “spät” für sich beanspruchen kann.

Außerdem freue ich mich sehr, dass der grandiose Drogba endlich seinen Titel geholt hat. Er kam mit der Elfenbeinküste 2006 in der Todesgruppe mit Argentinien und Holland etwas zu schlecht weg und musste 2008 noch einmal durchs Tal der Tränen. Der großartigste Fußballer, den Afrika je hervor gebracht hat, hat sich mit seiner Leistung in den Fußball-Olymp katapultiert.

Was mich stört ist dieses vielstimmige und eintönige Gejammer vom großen Pech, die Legendenbildung vom unverdienten Sieg Chelseas. Beckenbauer ist hier eine lobenswerte Ausnahme. In den Stunden der Niederlage schwingt er sich zu beinahe yodahafter Weisheit und jodelhafter Weißbierruhe auf. Seien wir schonungslos, seien wir schnörkellos: Bayern ist nicht gut genug. Sie haben das CL-Finale 2010 verloren und auf dem Weg dorthin genug Dusel für drei weitere Spielzeiten verbraucht. Sie haben 2011 ihre hervorragende Ausgangsposition gegen Inter zu Hause vergeigt und dortselbst das Pokalhalbfinale unter einfallslosem Anrennen gegen Schalke verloren, ferner auch mit großem Abstand zwei deutsche Meisterschaften und ein Pokalfinale gegen die beidfüßigen Duracellhäschen vom Borsigplatz. Auch am Samstag fehlte ihnen die Größe für den großen Wurf, allen Statistiken zum Trotz. Im Moment sieht es nicht so aus, als ob sich daran etwas ändern würde. Koan Titel ned dahoam. Goldene Worte, herrliche Zeiten.

Chelsea kann kommen »

Ein akribisch geplanter Plan ist am Samstag wie geplant aufgegangen. Don Juppie, der alte Taktikfuchs hat seine ganze Waagschale in die Erfahrung geworden, weil er fühlte, ahnte, ja sogar wusste: Der FC Chelsea, Gegner des FC Bayern München, wird am Samstag Abend bei den Abramovichs auf dem Sofa sitzen und sich das Pokalfinale ansehen. Und so ist es auch. Pünktlich zum Anpfiff sitzen alle Spieler, der Trainer und das gesamte Funktionsteam, einschließlich der dreifachen Weltmeister im Synchron-Massieren, den Sumo-Zwillingen Haik U. und Maik U., auf dem 17 Meter langen Sofa der Abramovichs, um ihren Gegner zu studieren. Dann geht alles blitzschnell.

3. Minute: Tölpelhafter Querpass von Luiz Gustavo, 1-0 Kagawa. Fröhliches Gelächter im weiten Rund. Doch Essien greift sich an die Kehle, verdreht die Augen. Ein Schluckauf hat ihn überrumpelt, ein gefährlicher, zermürbender Dauerschluckauf, der bis zu diesem Moment noch anhält, und nach Meinung der Londoner Schluckaufspezialisten einen Einsatz des Defensivgenies am Samstag auf der berühmtesten Müllkippe Europas unmöglich macht.

Perfekt eingestellt auf den Gegner aus England lauern die Bayern unerbittlich auf weitere Schwächen: 45. Minute, ein simpler Steilpass überrascht Badstuber und Boateng beim Schnick-Schnack-Schnuck, schon steht es 3-1 durch Lewandowski. In London klatschen sich Lampard und Cech ab. Doch jäh greift Lampard sich an den Oberarm: Die alte Schultereckgelenksprengung ist wieder aufgebrochen. Dabei war er doch gerade beim Schultereckgelenksprengmeister zur Nachsorge. Wieder ein Leistungsträger, ein Hoffungsträger, ein Trikotträger, der beim wichtigsten Finale seit der Gründung Roms nicht dabei sein wird.

In der 81. Minute kann auch der Königstransfer zeigen, warum man ihn für 25 Millionen Euro verpflichtet hat. Neuer fängt einen Konter ab und leitet sofort die nächste Offensivaktion ein, bringt den Ball blitzschnell und zielgenau auf den Fuß von Piszczek. Der flankt, und Lewandowski vollendet zum 5-2. Drogba fällt vor Lachen vom weitläufigen Sitzmöbel. Während der Sturmtank sich noch denkt: Hier sieht’s ja aus wie bei Abramovichs unterm Sofa, eilen Haik U. und Maik U. herbei, doch zu spät. Mit einem doppelten Bänderriß im linken Sprunggelenk wird auch der Torgarant fehlen.

Dank einer taktischen Meisterleistung von Trainer Heynckes und einer Mannschaft, die diszipliniert und geduldig auf ihre Chancen gewartet hat, bei der ein Rädchen ins andere griff, und jeder sich auf seine Mitspieler verlassen konnte, hat sich der Doublegewinner der Münchner Herzspezialisten bereits vor dem Anpfiff einen unschätzbaren Vorsprung verschafft und Chelsea gezeigt, wo der Hummer hängt – der Hummer für das Mitternachtsbankett in den Katakomben von Fröttmaning. Der sympathische Festgeldkontoverein ist ab sofort klar im Vorteil, Albions Magnatenmarionetten können nur noch auf ein Wunder hoffen.

Zurück zu den angeschossenen Funkhäschen.

Viertelbilanz, Teil 2 »

Und hier die weltweisen Anmerkungen zu den Mannschaften auf Platz 10 bis 18.

Hertha BSC: Dank des bodenständigen Babbel und des sympathischen Preetz präsentiert sich Hertha vollkommen flausenfrei und wird den Abstiegskampf weiträumig umfahren können. Der Warnschußarrest in Liga Zwei hat funktioniert. Größte Überraschung: Platz 10 nach acht Spieltagen. Wichtigste Frage: Geht Babbel zu den Bayern, wenn Heynckes dort gescheitert ist?

1. FC Nürnberg: Mit dem 3-3 gegen Mainz hat die Mannschaft bereits die zweite Bewährungsprobe nach dem 1-1 gegen Angstgegner Bremen bestanden und einen Rückstand nervenstark gedreht. Bader hat wieder fantastisch eingekauft. Klose Stammspieler, die neuen Pekhart und Feulner mit wichtigen Toren, jetzt kommt auch noch Mak. Angesichts der Theorie: “Wer Rückstände dreht, wird Meister” und der Ausgeglichenheit des Kaders – sogar Schäfer ist adäquat ersetzbar – wäre Nürnberg eigentlich Meisterschaftsfavorit Nummer Eins. Aber an Spieltag Acht gibt es noch keinen Grund, überzuschnappen. Größte Überraschung: Niemand vermißt Ekici und Gündogan. Wichtigste Frage: Halten die Fans dem psychischen Druck Stand, als Geheimfavorit in die letzten 26 Spieltage zu gehen?

1. FC Köln: Guru Solbakken hat dem Treibauf EffZee die Innere Mitte geschenkt. Auch Podolski meditiert brav über die Epistel: Der Laufweg ist das Ziel. Trotz der dauernden Leistungsschwankungen wird Köln eine erfreuliche Saison spielen und seine Fans auch zu Hause nur noch selten gegen sich aufbringen. Größte Überraschung: Novakovic und Podolski. Wichtigste Frage: Wie wird Solbakken eigentlich korrekt ausgesprochen? Sulbbäcken? Saalbuken? Skolbloggen?

VfL Wolfsburg: Als Untoter schleicht der Meister von 2009 durch die Niederungen der Liga. Für Erfolge zu wenig, für den Abstieg zu viel. Ein Mandzukic allein macht noch keinen Spitzenverein. Magath wird noch die ganze Hinrunde brauchen, um die bösen Geister zu verscheuchen. Benaglio hat er bereits wieder in die Spur gekriegt, Nervensäge Diego abserviert. In der Rückrunde wird es dann deutlich freundlicher aussehen. Größte Überraschung: Das 2-3 im Pokal gegen RB Leipzig, bei dem ich erfreulicherweise live dabei war. Wichtigste Frage: Kriegt Magath auch Helmes wieder hin?

1. FSV Mainz 05: Dafür, dass die drei wichtigsten Spieler weg sind, spielt Mainz eine überragende Saison. Sie sollen froh sein, dass sie die Europa League verpaßt haben, es wird auch so schon schwer genug. Tuchel erweist sich weiterhin als überragender Tüftler und Bastler. Größte Überraschung: Alle Experten, die Mainz eine weitere Spitzensaison prophezeit haben. Wichtigste Frage: Wann hat sich die Mannschaft im neuen Stadion eingewöhnt (vier Spiele, drei Heimniederlagen)?

SC Freiburg: Im Rahmen der Möglichkeiten bisher sehr solide Arbeit. Im Rahmen der Freiburger Selbstversorger-Fruchtfolge steht diesmal wieder eine durchwachsene Saison im Kalender. Marcus Sorg hat sich unspektakulär eingefügt, niemand verliert trotz des holprigen Starts die Nerven. Es könnte auf den Relegationsplatz hinauslaufen. Größte Überraschung: Die Abhängigkeit von Cissé ist kleiner geworden. Wichtigste Frage: Wann erreichen die Neuverpflichtungen Bundesliga-Niveau?

1. FC Kaiserslautern: Entschlossene Grimmigkeit herrscht am Betzenberg: Käptn Kuntz und Steuermann Kurz trotzen der schweren See mit stoischer Ruhe. In der Rückrunde werden die Neulinge endlich auch wirklich an Bord sein. Es würde mich sehr wundern, wenn Kuntz nicht wieder ein überragendes Näschen gehabt hätte. Augsburg und der HSV garantieren, dass Kaiserslautern mindestens auf dem Relegationsplatz verbleiben wird. Größte Überraschung: Die mehr als dürftige Abwehrleistung. Wichtigste Frage: Wer schießt die Tore?

FC Augsburg: Es wird ein toller, aber nur einjähriger Ausflug in die Bundesliga, aber dieser Kader ist nicht erstligatauglich. In Nürnberg hat Augsburg 90 Minuten lang Fußball verweigert. Wenn sich ein Torwart beim Abschlag Zeit läßt, ist das gelegentlich nervig. Wenn er das ab Spielsekunde dreißig tut wie Jentzsch gegen den Club, ist das ein Offenbarungseid. Größte Überraschung: Mit dem Kasperletheater um Thurk wechselt die Puppenkiste das Genre. Jos und Michael, nehmt euch ein Beispiel an Robin und Michael. Wichtigste Frage: Gelingt mit Luhukay der sofortige Wiederaufstieg?

HSV: Seit Dick Advocaat* in Gladbach verbrannte Erde hinterlassen hat, ist kein Verein mehr so derartig umgepflügt worden wie der HSV von Frank Arnesen. Und es sieht alles verdammt nach Hertha in der Saison 2009/10 aus. Wichtige Spieler weg, eine völlig verpeilte Transferpolitik einschließlich der Trainerfrage, niederschmetternde individuelle Fehler, zu hohe Ansprüche. Wenn es blöd läuft für die Hanseaten, spielt der HSV nächste Saison unten und St. Pauli oben. Lustig. Größte Überraschung: Hrubesch wurde immer noch nicht verpflichtet. Wichtigste Frage: Reicht die Zeit, wenn der HSV Beiersdorfer erst in der Winterpause zurückholt?

*und nicht wie fälschlich behauptet, Martin Jol, der ein Supertrainer war. (Danke, Johannes. Das kommt davon, wenn man nur einmal im Monat bloggt.)

Und nicht verpassen:

Rob Alefs neuer Kriminalroman “Kleine Biester” erscheint im November 2011.

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Habe nun acht… »

…Spieltage gesehen, und nach einem knappen Viertel der Saison ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Teil Zwei folgt dann am Donnerstag.

Bayern München: Die Mannschaft tut alles, um die Frage offen zu lassen, ob Manuel Neuer auch in München Spiele gewinnen kann. Die Viererkette ist besser als im Vorjahr. Hätte das zweite Gegentor nach dem zweiten Neuer-Patzer in Wolfsburg gegolten, hätte Manchester City seine beiden Elfmeter bekommen, wäre nicht alles Heynckes, Freude, Eierkuchen. Meister wird die Mannschaft, die Rückstände dreht. Die Bewährungsproben kommen noch. Größte Überraschung: Kokspetze Hoeneß entdeckt plötzlich, dass es einen Rechtsstaat gibt. Wichtigste Frage: Wird Robben, wenn er weiter mault, an van Gaal ausgeliehen?

Werder Bremen: Endlich wieder Werder-Fußball, wie wir ihn schätzen. Mertesackers Weggang wurde kompensiert, Arnautovic trotz Roter Karte resozialisiert, Defensive mit Offensive austariert. Ohne lästige Demütigungen in der Champions League hat Werder in der Bundesliga noch Luft nach oben. Größte Überraschung: Fritz ist ein guter Kapitän. Wichtigste Frage: Bleibt Pizarro gesund?

Borussia Mönchengladbach: Wie schon am Ende der Saison an dieser Stelle erwartet, spielen die Gladbacher nach der erfolgreichen Relegation eine sagenhafte Saison. Mit ter Stegen haben sie den besten Torwart der Liga (Bayern-Scouts aufgepaßt). Favre hat die schlummernden Potenziale geweckt. Eberl ist  über Nacht vom Krisenmax zum Visionär gereift. Größte Überraschung: Mike Hanke ist ein Leistungsträger, schießt keine Tore und hält trotzdem die Klappe. Wichtigste Frage: Reicht es für Platz vier?

Schalke 04: Huub, Huub hurra. Rangnick hat enormen Mut bewiesen, jetzt ist es für Schalke besser gekommen, als man hoffen durfte. Stevens redet kokett von Platz zwei, aber trotz aller Verehrung der alten Helden mal ehrlich: Der Sturm mit Huntelaar und Raul ist eigentlich sogar noch ein bißchen stärker als der mit Sand und Mpenza. Größte Überraschung: Jermaine Jones ist wieder mit dabei und hat eine Frisur gefunden, die zu seinen Tattoos paßt. Wichtigste Frage: Wie bringt Stevens Fährmann in die Spur?

Hannover 96: Der Slomka-Express rollt weiter. Weniger abhängig von Ya Konnan, mit dem Schnäppchen des Jahrzehnts Pander als brandgefährlichem Überraschungsgast auf links. Wer Bremen 3-1 besiegt und dafür vom kicker die Spielnote 1,5 erhält, darf sich auf eine weitere große Saison freuen. Größte Überraschung: Kein Einbruch wegen der Europa-League, schon die Spiele gegen Sevilla waren erste Sahne. Wichtigste Frage: Wann bringt Jörg Schmadtke die Kunst des Inneren Lächelns endlich als Yoga-DVD raus?

Borussia Dortmund: Trotz des Verlusts von Sahin und der Verletzung von Barrios wirkt der Kader wieder sehr kompakt. Kleine Abnutzungserscheinungen sind vertretbar. Mit Perisic wurde wieder sehr gut eingekauft. Die Lüdenscheider brauchen noch ein wenig Anlaufzeit, dann werden sie noch weiter nach vorne kommen. Größte Überraschung: Der Punkt gegen Arsenal. Wichtigste Frage: Ob sie wenigstens ein Spiel in der Champions League gewinnen werden?

VfB Stuttgart: Das sieht jedenfalls nicht nach Horror-Hinrunde aus. Heimlich, still und leise malochen sich die Schwaben nach vorne. Und der notorische Überflieger Labbadia beweist nach der guten Rückrunde erneut Steherqualitäten. Mit den wiedergenesenen Bremern und den Schalkern mit Stevens wird ein internationaler Platz trotzdem schwer. Größte Überraschung: Boulahrouz ist in der Form seines Lebens. Wichtigste Frage: Wird Cacau fit?

1899 Hoffenheim: Stanislawskis guter Einstand zeigt, dass Provinz und Kiez im Grunde wesensverwandt sind. Eine gewisse Heimeligkeit sind beiden nicht abzusprechen. Trotz des Punktgewinns gegen Bayern an diesem Wochenende ist Hoffenheim vier Plätze zurückgefallen. Es ist eng im oberen Drittel. Größte Überraschung: Andi Beck hat seinen Vertrag verlängert. Wichtigste Frage: Wen wird Dietmar Hopp in dieser Winterpause heimlich verkaufen?

Bayer Leverkusen: Anders als die Schönspieler von der Säbener Straße hat Leverkusen die ersten Rückschläge (Pokal, CL, Schönspieler von der Säbener Straße) bereits verdaut. Dutt erweist sich als ebenso lernwillig und teamfähig wie Ballack. Dass Rangnick in der Lage war, offen über seine Schwäche zu reden und das Handtuch vor dem totalen Zusammenbruch schmeißen, verdankt die Liga wie so vieles andere übrigens Ballack. Er hat es geschafft, ein Weltklassespieler zu sein, und dabei dem Scheitern nicht auszuweichen. Größte Überraschung: Die Entschlossenheit, sich nach oben durchzukämpfen. Wichtigste Frage: Ballack wird seine Kritiker eines Besseren belehren. Aber wie?

Im November 2011 erscheint “Kleine Biester”, der neue Kriminalroman von Rob Alef.

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Späte Gurkerltore, extrafein »

Dass Bayer Leverkusen ein ernsthafter Konkurrent um die vorderen Plätze sein wird, zeigte sich gestern in der 87. Minute im Spiel gegen Bremen. Erst köpfte Kadlec den eigenen Mann an, ein Querschläger kam zurück zu ihm, beim dritten Versuch ging der Ball vom Innenpfosten schließlich ins Tor. So hat Leverkusen früher seine Gegentore kassiert. Natürlich war das noch kein Überfußball wie letztes Jahr über weite Strecken, die Bremer standen hinten gut und Wiese war bester Mann auf dem Platz. Aber späte Tore, an die man immer glaubt, zeichnen Spitzenmannschaften ja bekanntermaßen aus. Und das Dauerthema Ballack wird bald keines mehr sein. Spätestens, wenn die CL-Saison beginnt, werden alle potenziellen Sechser zu ihrem Recht kommen, auch wenn der Skandalisierungsversuche kein Ende ist. Daniel Theweleit versteigt sich auf Spiegel Online sogar zu einem “Der undurchsichtige Herr Dutt”, weil Leverkusens Trainer am zweiten Spieltag noch nicht verbindlich zusichern konnte, ob er in Zukunft Ballack oder Rolfes oder Ballack und Rolfes bringen wird. Oder Bender noch mit einkombiniert. Nach dem ordentlichen Auftritt von Ballack nach fast einem Jahr Verletzungspause ist der durchsichtige Herr Theweleit offenbar bestrebt, neue Schwierigkeiten unter allen Umständen herauf zu beschwören. Aber Robin Dutt hat mit dem knappen, nicht unverdienten Heimsieg erst einmal einen akzeptablen Saisonstart hingelegt, ebenso wie Heynckes, Rangnick und Stanislawski.

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