Saisonrückblick: Die Nachlese zum Nachlesen »
Bayern ist ein verdienter und würdiger Meister. Van Gaal holte Rensing aus dem Tor und machte auch danach fast alles richtig. Nebenbei bemerkt eine ähnliche Situation wie bei Klewer und Blazek bei Nürnberg nach dem Pokalgewinn. Damals überging Meyer die heimliche Nummer Eins Klewer und die Mannschaft fand nicht zusammen. Rensing durfte spielen, er patzte, er wurde abgelöst, und Butt konnte ohne Dauerkritiker allmählich zu einem sicheren Rückhalt werden.
Schalke ist wieder da. Spielerisch kann man noch einiges verbessern, 53 Tore sind schon ziemlich mager, 3-3 gegen Hamburg, 3-1 gegen Gladbach, 3-0 gegen Bochum und 4-1 in Frankfurt, sonst nie mehr als zwei Tore, davon sechsmal ohne eigenes Tor. Aber sie haben die CL ohne Pander und Jones erreicht, und ohne ein einziges Mal darüber zu jammern. Aber in Bremen wurde Magath ja auch nicht gleich Meister.
Bremen zeigt dem HSV wie man kaufmännisches Geschick mit sportlichem Erfolg verbindet. Am meisten erstaunt hat mich am Ende der couragierte Fritz. Man konnte sehen, warum er einst Nationalspieler war. Und natürlich spielten sie phasenweise wieder am schönsten. Hoffen wir, dass Özil seine Sinnkrise endgültig abgeschlossen hat, im Pokal-Finale brilliert und bei der WM konstant spielt. Einen wie ihn könnten die Schalker übrigens gut brauchen, Magath hätte ihn wohl für unverkäuflich erklärt.
Bayer Leverkusen verabschiedet heute Abend den genialen Bernd Schneider. Er ist einer von hundert Gründen, warum das Gerede von der Retortenmannschaft endlich verschwunden ist. Wie bei Schalke wurde auch hier erfolgreich ein Stabilisierungsprozess eingeleitet. Ich sage jetzt nicht, dass Bayer demnächt Meister wird, aber diese Mannschaft hat noch gewaltig Luft nach oben – und einen Trainer, der zu ihr paßt.
Borussia Dortmund, auch die ein echter Aufsteiger. Klopps Vertrauen in die Jugend zahlt sich aus. Zorc hatte einen Lauf bei seinen Transfers, an erster Stelle Barrios. Wenn Kehl noch einmal ganz gesund wird, kann es auch für mehr reichen. Schade, dass der Defensivstratege nie mehr richtig wieder auf die Beine gekommen ist.
Der VfB Stuttgart im Jahr eins nach Gomez kann zufrieden sein. Sie hätten auch unter Gross nicht zwei solche Halbserien gespielt, niemand macht das, Leverkusen, die Ungeschlagenen lange Zeit, auch nicht. Aber auch hier frage ich mich, ob das schon das Ende der Fahnenstange ist. Der VfB produziert reihenweise Nachwuchstalente, Gross ist ein umsichtiger Mann und Heldt hat in seinen jungen Jahren schon viel erreicht als Manager. Neben Stuttgart sehe ich oben auch Schalke und Leverkusen als die Mannschaften, die ihr Potenzial optimal ausschöpften, Bremen blieb dahinter zurück, Bayern und Dortmund spielten über dem Limit.
Der HSV ist neben den Absteigern sicherlich der größte Verlierer der Saison. Im kicker habe ich im Abschiedstext zu Bernd Schneider gerade gelesen, dass Labbadia ihn letztes Jahr im Pokalfinale neunzig Minuten hat schmoren lassen. Das ist extrem instinktlos und ein weiteres Indiz dafür, dass dem großen Motivator Labbadia ein Sinn für Spielerseelen fehlt, den selbst Leute wie Weisweiler, Happel und Magath haben/hatten, die nicht unbedingt Kumpeltypen sind/waren. Die Meisterschaft war illusorisch, aber wie Europa League und Pokal abgeschenkt wurden, war schon extrem arm. Daran konnte auch Ausnahmespieler van Niestelrooy nichts ändern.
Wolfsburg hat die Meisterschaft erstaunlich gut verkraftet. Was auch an der mutigen Entscheidung lag, Köstner zum Chef zu machen. Es war kein Glanz auf dieser Saison, Dzeko war zu sehr Einzelkämpfer. Dadurch dass mit Leverkusen, Schalke und Dortmund gleich drei Hinterbänkler durchstarteten, war Europa zu weit weg.
Mainz hat eine überragende Saison gespielt. Van Gaal hin, Magath her, Thomas Tuchel ist Trainer der Jahres. Als Neuling mit einem Aufsteiger taktisch so ausgefuchst zu agieren, Favoriten zu Hause reihenweise aufs Kreuz zu legen und dann noch ahnsehnlichen Fußball mit Herz und Hirn zu spielen, ist sensationell. Eine echte Bereicherung, alles andere als ein niedlicher Exot, dieser Karnevalsverein.
Eintracht Frankfurt unter Skibbe hat sich ebenfalls erstaunlich entwickelt. Rein punktemäßig war es nicht viel besser als in den letzten Jahren, aber es sieht schon anders aus. Besonders gefallen hat mir Köhler, solche Haken hat in der Liga zuletzt Mehmet Scholl geschlagen. Ohne Verletztenseuche könnten es demnächst sogar 47 Punkte oder mehr werden.
Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das Schwerste, so auch für Hoffenheim. Allerdings kämpfte die TSG von Anfang an gegen die irrsinnigen Erwartungen. Ibisevic erzielte nach seinem Kreuzbandriß 12 Tore und wird jetzt mehr oder weniger als Versager abgestempelt. In der Hinrunde war Hoffenheim Siebter. Ich hoffe, Rangnick kriegt die Kurve und kann in Ruhe weiterarbeiten.
Gladbach, noch ein Gewinner der Saison. Endlich ein Trainer, der paßt, endlich spielen sie ab und zu wenigstens schönen Fußball. Eine No-Name-Truppe hat einem großen Verein eine Menge Anerkennung zurück gebracht. Und Dante hat bei mir schon wegen seiner Frisur einen Stein im Brett. Schade, dass Neuville so wenig spielen konnte. Löw würde sagen: In unserem Frisurenprofil ergänzt er sich nicht optimal mit Dante.
Köln im ersten Jahr nach Daum und im ersten Jahr mit Podolski durchwachsen, also im Rahmen seiner Möglichkeiten. Auch hier eine Riesenkluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Köln ist immer noch eine potenzielle Fahrstuhlmannschaft, es wird noch ein Weilchen dauern, bis der ambitonierte Präsident Overath zufrieden ist. Dass Soldo ein Jahr Klüngel überstanden hat, ohne geistig Schaden zu nehmen, spricht für ihn.
Freiburg behält die Nerven, behält den Trainer und hält die Liga. Für keinen waren die Fußstapfen des Vorgängers so groß wie für Robin Dutt, er hat die Herausforderung bestanden. Dieses Freiburger Team ist noch keine Kultmannschaft wie das große Team mit Cardoso, Heinrich, Schmadtke, noch keine Breisgau-Brasilianer. Sie werden immer gegen den Abstieg spielen, und ab und zu einen Etablierten hinter sich lassen.
Hannover: Ende gut, aber nicht alles gut. Der Tod von Robert Enke bleibt die große Katatrophe dieser Spielzeit. Rechtzeitig kehrten Kampfgeist und Spielfreude zurück, es freut mich, dass 96 der Gang in die Zweite Liga erspart bleibt. Auch für Slomka, der auf Schalke unter Wert verabschiedet wurde. Wenn Hanke so weiter trifft, waren die letzten beiden Spiele der Auftakt zu einer wunderbaren neuen Saison.
Der Club macht es wieder einmal spannend. Sollte die Relegation erfolgreich sein, könnte man das sportliche Modell perfektionieren. 10 Leihspieler, 10 Juniorennationalspieler, Schäfer, Wolf, Pinola, fertig ist der Klassenerhalt. Bader hat gezockt und bis jetzt noch nicht verloren, aber nächstes Jahr bitteschön vielleicht noch ein paar mehr Spieler jenseits der 25 mit mehrjährigen Verträgen. Und eine faire Chance für Mintal.
Auf Wiedersehen, VfL Bochum. Selbst die vier Trainer, selbst das 1-0 in Nürnberg hat nicht gereicht. Wer im Endspiel zu Hause so auftritt, der muss sich mindestens ein Jahr lang im Stahlbad Zweite Liga regenerieren. Vielleicht hätte man Koller nicht feuern sollen, was hilft es dem gemeinen Fan, dass Wosz Kult ist und die letzten beiden Spiele so ausgehen.
Last and least – der Problembär aus Berlin. Nicht Hoeneß, sondern Gegenbauer ist der Verantwortliche für das Desaster. Und angesichts der Tatsache, dass es keinerlei Opposition gegen ihn gibt, ist auch in Liga Zwei wenig Gutes zu erwarten. Es war klar, dass nach der Überfliegersaison ein Krisenjahr kommt. Und anstatt den erfahrenen Krisenmanager Hoeneß in Würde zu verabschieden, legt man das Schicksal in die Hände eines Trainers, der das Team gerade mal zwei Jahre betreut hatte. Und der arme Preetz – sympathisch, unerfahren, überfordert – wußte nicht, wie ihm geschieht.
Meister wird, wer… »
…Rückstände dreht.
Unvergessen der Auswärtssieg des VfB Stuttgart in Bochum nach Rückstand in seiner Meistersaison. Schalke kam damals gegen den Ruhrrivalen nicht mehr zurück. Der Knackpunkt im Kampf um den Titel. Leverkusen schaffte es schon zum dritten Mal in dieser Saison, diesmal gegen die auswärts immer mutigen, meist erfolglosen Mainzer. Schalke rettete gegen Bayer und den HSV wenigstens einen Punkt und kann sich auf seine Abwehr und den fabulösen Neuer verlassen. Bayern drehte bisher nur gegen Frankfurt, 2-1 nach 0-1, verlor 1-2 in Mainz nach 0-2 und 0-1 gegen den HSV, vergab das 1-0 gegen Leverkusen, Bremen, Schalke, Endstand jeweils 1-1. Auch deshalb hat Bayer am Wochenende einen Big Point gemacht: Gut aus der Winterpause gekommen, den Sieg und den Bohei der Bayern geflissentlich ignoriert, und die Langzeitverletzten wieder an den Kader herangeführt. Eine psychologisch und sportlich reife Leistung.
Meister kann natürlich auch werden, wer seine Verletzungsmisere schon hinter sich hat. Der HSV kommt wieder in Schwung, und die Dortmunder adrenalisieren sich bis hoch auf Platz fünf. Kommt be-kloppt ethymologisch eigentlich daher, wo ich denke, dass es herkommt? Dem Manne muss abgeholfen werden, sonst beißt er am Ende irgendwann noch Oliver Kahn. Wie viele Spiele wurde Willi Reimann gesperrt, damals bei Frankfurt? Es waren fünf. Ja, ja, sein Angriff galt dem Schiedsrichter. Aber wie viele arglose Tribünenbesucher hat der gerade gemaßregelte Klopp drangsaliert? Bin sehr gespannt ob die Dortmunder wieder eine Extrawurst gebraten kriegen. Auch Sammer ließ man ja so manches durchgehen. Allet wegen die Atmo, vermutlich.
Schwarz-Gelbe Festwochen »
Erst weiht Aachen den neuen Tivoli mit einer hochmodernen Anzeigentafel ein, dann feiert Borussia Dortmund 100. Geburtstag. Vielleicht hätten die Lüdenscheider doch lieber den FC Guingamp einladen sollen, dann wäre es ein Duell zweier gleichstarker Mannschaften geworden. Ob der engagierte Kommentator Mohammed heißt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, aber vom Fußballspielen versteht er jedenfalls eine Menge. Im Haus-TV der Borussia bemerkte Christoph Metzelder nicht ohne Hintersinn: “Man hat gesehen, dass wir noch in der Vorbereitung sind.”
Lustig gings auch zu in Bremen gestern. Von den Freistößen von Smakov (engl. to smack someone = jemandem eine reinhauen) wird Wiese noch eine Weile träumen. Juninho Bernambuco auf kasachisch. Der HSV sorgte für klare Verhältnisse, und Hertha muss im Rückspiel kämpfen. Hapoel Tel Aviv gewinnt in Teplice, Rapid Wien zu Hause gegen Aston Villa. Das wird eine spannende Runde in der kommenden Woche.
Und hier die Tipps für den Bundesliga-Spieltag. Es sind lauter knifflige Paarungen dabei, außerdem trifft man allmählich auch Aussagen über die Entwicklungstendenz der Vereine in den nächsten Monaten.
Hoffenheim – Schalke 0-1. Schalke siegt weiter, Tor nach Standardsituation, aber es wird ein später, ein glücklicher Sieg. Hoffenheim verteidigt entschlossen, aber die Offensive sucht noch die Feinabstimmung.
Dortmund – Stuttgart 2-3. Auch eine knifflige Kiste. Jedenfalls wird es torreich, Hleb , Elson und Pogrbnyak schrecken auch vor der Wand nicht zurück. Dortmund hat in diesem Jahr definitiv ein Abwehrpoblem, aber das war bei den Jungschern hinten nicht anders zu erwarten.
Köln – Frankfurt 0-0. Der Sommerkick bei Rhein gegen Main hinterläßt nur unzufriedene Gesichter. Wenn beide Teams nicht wissen, wie man ein Spiel macht, kommt nicht sehr viel dabei raus.
Freiburg – Leverkusen 1-3. Wieder gut gespielt, wieder nur Komplimente. Gegen die gut eingestellte Mannschaft von Jupp Heynckes haben die Breisgauer das Nachsehen.
Mainz – Bayern 2-1. Ohne Ribery geht nicht viel bei den Bayern. Hinten haben die Mainzer Bancé, vorne den jungen Schürrle, der nach dem Spiel sofort einen Vierjahresvertrag bekommt, und Mehmet Scholls Mannschft vor dem Abstieg retten soll.
Nürnberg – Hannover 2-0. Es wird ein schweres Stück Arbeit, aber nach einer hektischen Anphangsphase kriegt der Club mit Charisteas in der Startelf seine Nerven in den Griff. Hannover taumelt weiter zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Bochum – Hertha 2-0. Ohne Kacar bleibt Hertha torlos. Die Berliner lernen nach der Überfliegersaison die Mühen der Ebene kennen. Bochum nutzt die Gunst der Stunde und die gute Tagesform von Azaouagh.
Wolfsburg – HSV 3-1. Ja, der HSV ist gut in Form, ja Ze Roberto und Elia sind echte Verstärkungen, aber mehr als ein Ehrentor ist nicht drin. Wolfsburg setzt sich zwei Toren von Schalkern ab.
Bremen – Gladbach 2-4. Mit ihrem Kasperlesfußball vom Donnerstag werden die Bremer gegen Gladbach keinen Blumentopf gewinnen. Die nächste Heimpleite ist fällig, da hilft auch die frisch importierte Pizza nichts.
Ferblöden mit dem kicker »
“Der Ausgleich viel aus dem Nichts,” schrieb das Fachblatt am Montag über Wiesbaden gegen Rostock.
Parcelona hat gewonnen, ich habe es nicht einmal im Radio gehört, zu peschäftigt.
Der größte sportliche Erfolg für Dortmund ist, dass Klopp nicht zu Bayern gegangen ist. Aber das mit Kehl, das könnte noch einmal eng werden. Für einen defensiven Mittelfeldspieler ist er sehr torgefährlich, er ist ein Führungsspieler, ein bißchen wie der späte Matthäus, bloß nicht so extrovertiert. Und er würde gerne CL spielen. Neuer dagegen, der stand am 19. Mai 2o01 im Parkstadion in der Kurve und soll jetzt nach Fröttmaning? Halte ich für unwahrscheinlich. Wenn es einer aus der Bundesliga wird, dann Enke. Oder doch Buffon. Italiener im Herbst ihrer Karriere sind echt voll angesagt. Vielleicht kommt auch noch Maldini. Oder Berlusconi fürs Marketing.
Derweil beim HSV gilt: kein Dino ohne Zoff.
Finale Grande »
Endlich mal wieder ein Meister, der den schönsten Fußball spielt. Vor drei Jahren jammerte Christoph Biermann auf Spiegel-Online über die allgemeine Begeisterung beim Wolfsburg-Bashing. Dann traf das Two-Hit-Wonder Makiadi im entscheidenden Abstiegskrimi einmal und legte einmal auf, dann kam Magath. Voilà und Gratulation. Das Interview auf dem Rathausbalkon in München war ein echtes Schmankerl. Ich fürchte, in Gelsenkirchen gibt es gar kein Rathaus geschweige denn einen Balkon.
Ansonsten lauter gute Ergebnisse, Bayern auf Platz zwei ist völlig in Ordnung. Jetzt darf van Gaal eine Taktik ausklügeln, bei der man in der KO-Runde weder auf AC Milan, Barca oder englische Mannschaften trifft. Hertha, als Vizemeister der Herzen nach Baden gefahren, kehrt aus dem Wildparkshredder zerzaust in die Heimat zurück. Aber CL wäre des Guten zu schnell gewesen. Erst mal Omonia Nikosia überstehen, bevor ManU kommt.
Ich weiß nicht, was mich mehr freut: dass es der HSV geschafft hat oder dass es Dortmund nicht geschaft hat. Ein gnädiges Ende nach alptraumhaften Wochen für Jol und seine wackere Truppe, nicht immer heißt der Gegner Bremen. Dortmund traute sich nicht, gegen gerettete Gladbacher voll auf Sieg zu spielen und wurde bestraft. Das 14. Unentschieden war eins zu viel für Europa. Trotzdem ist der BVB unter Klopp auf einem guten Weg. Bergdölmo ist nur noch ein böser Traum.
Hoffenheim landet vor Schalke, Bremen und Leverkusen. Hätte es die irrsinnige Hinrunde nicht gegeben, wäre allein schon das ein Grund, Kapriolen zu schlagen. Sollte Ibisevic wieder auf die Beine kommen und die gute Transferarbeit fortgesetzt werden, war das der Anfang einer wunderbaren Bundesligakarriere. Und Hildebrand kommt langsam in Form.
Im Keller krallt sich Cottbus den Relegationsplatz. Das freut mich erst einmal, noch mehr, wenn morgen der Club noch Zweiter wird. Jedenfalls geht es weder gegen Hans Meyer noch Fucking Bielefeld und Jörg “Untot” Berger, die als 18. nach unten gehen. Der Feuerwehrmann kam diesmal zu spät. Vielleicht in Ostwestfalen einfach mal “Burning down the House” von den Talking Heads auflegen und eine Runde chillen.
Der Rest war stille Begleitmusik, abgesehen von der Entlassung Funkels. Mehr als er kann man aus dieser Mannschaft mit dieser Verletzungsserie nicht herausholen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat, auch die legendäre Vier-Kreuzbandrisse-Saison von Dortmund kommt da nicht ran. Und jetzt will man europäisch spielen und weiß nicht, mit wechem Trainer. Das klingt alles verflucht nach launischer Diva. Vielleicht darf Stepi noch einmal ran, oder das sympathische Jahrhunderttalent Jürgen K. Die Direktflugauswahl nach Kalifornien soll in FRA ja recht gut sein. Mir hat der Kommentar im kicker zu Klinsmann recht gut gefallen, der sich gar nicht darauf einläßt, Medienschelte zurückzuweisen, sondern dem Guru schlicht und sachlich einige seiner Fehler noch einmal aufzählt. Als verkanntes Trainergenie hatte der Jürgen tatsächlich Ähnlichkeit mit seinem ewig mißverstandene Kollegen, dem Lothar.
PS: Sage keiner, die Bremer hätten es heute versaut. Hätte Bayern in Wolfsburg einen Punkt geholt, wären sie heute mit diesem Punkt Vorsprung Meister geworden. Nicht nur der SVW ist bei den Wölfen in dieser Saison 1-5 untergegangen.
Debütantenball »
Noch eine Merkwürdgkeit aus dieser bemerkenswerten Saison. In der Manschaft des letzten Spieltages im kicker waren acht Spieler zu finden, die es erstmals dorthin geschafft haben. Sie alle stehen für die wechselvolle Entwicklung ihrer Vereine, die jetzt erst im Schlußsport ihre Leistung oder wenigstens die Ergebnisse abrufen können. Skela ist der heimliche Regisseur in Cottbus, der Kopf, den die Mannschaft so lange gesucht hat. Sahin (offensiv) und Owomoyela (defensiv) zeigen, dass Klopp nach den vielen Unentschieden in der Lage ist, noch ein paar Prozent aus seinen Leuten rauszukitzeln. Schulz und Andreasen stehen für die erstaunliche Heimstärke Hannovers (30 Punkte) und zeigen, dass bei allem Geholper und Gestolper Hecking der richtige Mann für die 96er ist. Magnin, keiner der hoch gehandelten Namen im Stuttgarter Talentschuppen, war der Antreiber gegen Köln und ist der unspektakuläre Teamplayer aus dem Lehrbuch. Langkamp von Karlsruhe weckt die Scheintoten wieder zum Leben und zeigt, dass der KSC vor allem ein Stürmerproblem und kein Einstellungsproblem hat. Neuer kämpft laut einigen Kommentatoren im Moment mit seiner Form, ist aber nach Enke und Eilhoff trotzdem schon Drittbester bei den Torhütern und gehört zur besten Defensive der Liga. Gut möglich, dass wir weitere Novizen sehen.
Die CL-Halbfinals waren wieder einmal Leckerbissen für Taktik- und Technikliebhaber. Chelseas Defensivarbeit war überragend, intelligent antizipierend und im wesentlichen sehr fair. Barca wirkte manchmal wie eine Luxusvariante von Leverkusen: spielerisch überlegen, aber zu wenig zielstrebig.
Arsenal merkt man an, dass die Mannschaft noch sehr jung ist. Viele gute Ideen, aber die Automatismen laufen noch nicht so gut wie bei Barca. Ein Traumpass ist noch keine Ballstaffette ist noch keine Ballzirkulation. Fabregas ist eine Klasse für sich, das war schon bei der EM so. Er platzt vor kreativen Ideen. Noch zwei, drei Jahre und er ist an der Spitze. Er hat einen ganz eigenen Blick auf das Spiel. ManU spielte sehr gefährlich und sehr abgeklärt. Könnte gut sein, dass sie ihren Titel verteidigen. Ein Endspiel gegen Barca wäre ein echtes Leckerli, aber Hiddink und Ballack als Sieger würd mich auch freuen.
Oben schlägt unten – UEFA heißt jetzt Fischcup »
Alle Mannschaften der ersten Tabellenhälfte bis auf Hoffenheim und Leverkusen haben an diesem Wochenende gewonnen. Rangnicks und Labbadias Spieler werden sich die Champions-League-Radieschen von unten ansehen müssen. Leverkusen verlor gegen den weiterhin entschlossen, wenn auch nicht überzeugend spielendenTabellenführer (knackt Grafite die 30 Tore noch?), Frankfurt verschaffte sich Luft gegen Gladbach. Ansonsten im Duell oben gegen unten nur Siege der Mannschaften, die oben stehen. Unglaublich, dieser Luca Toni. Aber das zeichnet ihn aus, dass er gegen eine Weltklassemannschaft wie Bielefeld jederzeit sein Tor machen kann. Am nächsten Wochenende geht es nach den dankbaren Gegnern Eintracht und Arminia für die Bayern wieder zur Sache. Ich hoffe, die Schalker stürmen in München, und Kuranyi macht gegen seinen Lieblingstrainer sein bestes Saisonspiel. Die Königsblauen haben nichts zu verlieren, so lange alle anderen gewinnen. Hertha könnte in Hoffenheim ins Meisterrennen zurückkehren, Dortmund den dauergestressten HSV stoppen, und Cottbus die Wolfsburger niederringen. Dann hieße der heimliche Sieger Stuttgart, das immer besser in Fahrt kommt. Nebenbei: Jürgen Klopp schafft es wirklich, seine Spieler besser zu machen. Valdez hat jetzt schon sechs Tore, das ist ein Quantensprung.
Der UEFA-Cup am Donnerstag war richtig prima. Manchester City spielte mit Leidenschaft und war in beiden Partien ein ansehnlicher Gegner. Der Unterschied war, dass er HSV im Moment immer in der Lage ist, ein Tor zu machen und dass Rost (ähnlich wie Lehmann in Stuttgart) als alter Sack der entscheidende Rückhalt in den engen Spielen ist. Diesen Erfahrungsvorteil hat bei den Feldspielern nur der Sechser (Frings, Soldo, Galasek), der das Spiel lesen kann.
Bremen kam in Udine zurück, im UEFA-Cup zeigt sich, wie die Mannschaft durch die permanenten Nasenstüber in der CL an Statur gewonnen hat. Ich sehe den HSV wegen des Rückspiels zuhause leicht im Vorteil, allerdings sollte der Bremer Auftritt gegen Hertha kein Maßstab sein. Die zweite Halbzeit war fade und halbherzig, und wir alle wissen, dass dieses sich Schonen für die wichtigen Spiele auch nach hinten losgehen kann. Berlin gewann verdient und mit zwei schönen Toren, die nicht von Voronin und Pantelic erzielt wurden. Wieder ein Sieg für Favre in der internen Hackordnung, die anima candida im Berliner Irrenhaus.
Es ist alles wahnsinnig eng. Nehmen wir an, die ersten drei verlieren am kommenden Wochenende und Stuttgart und Hertha gewinnen, dann sind es zwischen eins und fünf gerade mal drei Punkte. Ein Wimpernschlag, ein Schluckauf, kann die Meisterschaft entscheiden.
Noch enger geht es in der zweiten Liga zu. Nürnberg ist auf Platz zwei, aber Platz fünf ist nur ein Unentschieden weit weg. Und am 10. Mai ist das Derby gegen Fürth, die sich in Wehen ins Aufstiegsrennen zurückgezittert haben.
Hertha und der HSV – Alte Dame trifft Dino »
So langsam finde ich Gefallen an dem Verein der wie ein Dampfer heißt. Das liegt nicht nur an Spielern wie Friedrich, der mit seiner Vertragsverlängerung eindrucksvoll meine Theorie des Authochthonen unterstützt. Einen besseren Käptn hatte Hertha seit Michael Preetz nicht mehr. Auch ein Zeichen dafür, dass es langfristig besser wird mit der alten Dame. Jetzt hat Friedrich mit Simunic zusammen in Babelsberg sogar ein paar als Hertha-Fans kostümierte Rassisten zur Ordnung gerufen. Schade, dass der Rassismus in den Stadien nach wie vor klein geredet wird. Da ist dann meist von “ein paar Idioten” die Rede. Als ob die “Urwaldrufe” und der Antisemitismus nicht ihren festen Platz im Schmähprogramm haben. Früher, bei Hertha gegen St. Pauli, da grüßten die Berliner stets mit “Arbeitslose, Arbeitslose”, was in der Paulikurve mit “Steuerzahler, Steuerzahler” quittiert wurde. In der Krise gibt es keinen Platz mehr für solches Brauchtum. Soll man die Fans der Frankfurter Eintracht als “Bankrotteure, Bankrotteure” beschimpfen, nur weil ihr Stadion nach einem Geldinstitut heißt? Und darf die Erwiderung lauten: “Eure Armut kotzt uns ans.”? Bei Barcelona wohl eher: “Eure Anmut macht uns an.” Herthas bester Mann ist Lucien Favre. Er ist kein Ballokrat wie Sammer oder Löw, kommt nicht aus dem Bild-und-Bayern-Sumpf wie Klinsmann oder Hitzfeld, ist nicht telephil wie Klopp oder Meyer, lacht bei dummen Journalistenfragen manchmal einfach los, was ein geradezu zidanehaftes Lächeln auf sein superseriöses Gesicht zaubert. Er hat dafür gesorgt, dass La Marco, die Diva aller Strafraumdiven so klein mit Haarband über den Platz trabt. Wem das gelingt, der kann auch Meister werden.
Kürzlich wurde der HSV als “ewiger Ausbildungsverein” tituliert. Seit der Saison mit den fünf B – Barbarez, Beinlich, Bouhlarouz und van Buyten gingen, der Beinaheabstieg kam – hat sich die Transferpolitik der Hamburger merklich verbessert. Der Abgang von de Jong wird sich nicht weiter negativ auswirken. Mit Jarolim haben sie einen sehr guten Defensivmann, Jol arbeitet unablässig am Einbau neuer großer Talente (Aogo, Guerrero). Mit dem Tausch Petric gegen Zidan ist dem HSV der Coup des Jahres gelungen. Ausbilden muss man einen Spieler, der auf Anhieb wichtige Tore am Fließband schießt, nicht mehr, nur taktisch einbinden. Und dann für das Zehnfache verkaufen. Warum Olic zu den Bayern geht, ist mir absolut schleierhaft. Nachdem Ribéry die zweite Reihe auf der ganzen Breite des Platzes für sich beansprucht, würde ein hängender Stürmer ihm nur auf den Füßen stehen. Der HSV hat sich klugerweise offiziell kein Zeitlimit gesetzt für das Erreichen höchster Weihen. Die sportliche Führung ist gerade beeindruckend bestätigt worden. Ich finde, die basisdemokratischen Ansätze wie bei Fortuna Köln sehr interessant sind, aber ausgerechnet dem BL-Gründungsmitglied schlechtes Management vorzuwerfen, wirkt ein wenig übertrieben. So viel kann man beim HSV nicht falsch gemacht haben.
Pokalgeflüster: +++ bis auf Hoffenheim, Dortmund und Hertha sind die ersten acht der Liga unter sich +++ Wetten, dass das ZDF Bayern gegen Wehen überträgt, “damit sich auch einmal ein Zweitligist vor großem Fernsehpublikum präsentieren kann.” +++ Leverkusen und Bremen bärenstark, auch die Schalker besser als ihre Presse während der Winterpause +++
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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