Servus Bayern, lange nichts von euch gehört »
Am Samstag ging die mir selbst auferlegte Bayern-Pause zu Ende. Die kritische Leser_in möge prüfen, ob der Blog in dieser Zeit langweilig, nichtssagend oder thematisch verfehlt war. Ich denke, man braucht die Bayern nicht, um interessant über die Bundesliga zu schreiben. All denjenigen, die den Verein gelegentlich pro toto für die Liga nehmen, stehen möglicherweise harte Zeiten ins Haus, wenn mit Augsburg, Fürth und Aue gleich drei Neulinge aufsteigen sollten. Wieder hundert neue Namen, die man sich merken muss anstatt immer nur die üblichen Verdächtigen aufzulisten, ohne etwas Neues zu berichten. Für die Überraschungssiege gegen die Bayern biete ich lizenzfrei hier schon mal drei Schlagzeilen an: Haue von Aue! Playmobilmännchen ziehen die Lederhosen aus! Kalle Wirsch entzaubert Kalle Unwirsch!
Wenn die Bayern binnen vier Tagen zwei Weg weisende Heimniederlagen einfahren, schreibt sich’s natürlich viel lieber. Und wer weiß, vielleicht haben sie jetzt ja einen Lauf und verlieren auch noch in Hannover und fliegen gegen Mailand raus. Trotzdem gibt es nicht nur schlechte Nachrichten für die Bayern-Fans: Peter Neuruer steht für das Amt des Trainers im Moment nicht zur Verfügung, er ist in einer Findungsphase.
Eine Findungsphase bräuchte auch die Mannschaft, weil ihr gegen wie stets engagiert-durchschnittliche Schalker nichts einfiel. Gomez hätte den Elfmeter kriegen können, da gebe ich van Gaal recht, aber auf so ein Humpelfoul kurz vor Schluß kann man sich nicht herausreden. Ich vermute mal, auch mit van Bommel hätten die mediokren Säbener gegen die fabelhaften Lüdenscheider nicht gewonnen, aber gestern hätte ein knorriger Ballverteiler, wütender Weitschütze, hemmungsloser Zweikämpfer den Unterschied machen können. Neben dem Verkauf von Lucio ist der Verkauf von van Bommel das zweite große Welträtsel in der Ära van Gaal. Ist die Mannschaft in der Krise, jagt man den Käptn nicht vom Hof. Breno war für den Club der letzten Saison ein Quantensprung, bei den Bayern ist er ein weiterer Wackelkandidat in der Defensive. Luiz Gustavo spielt nicht schlecht, aber er kann als Neuling noch niemand in den Hintern treten, mitreißen, vorangehen.
Felix, der Fuchs, hat den Kopf aus der Schlinge gezogen. Er wird die Saison auf Schalke beenden und hat dann noch zwei Jahre für das große Ziel. Bei Schalke standen mit Neuer, Matip und Höwedes drei aus der eigenen Jugend auf dem Platz, später kam noch Draxler dazu. Ohne die gelb-schwarzen Überflieger in ihren Leistungen zu schmälern, wenn bei einem Verein ein Siebzehnjähriger in einem DFB-Pokalfinale eingewechselt wird, ist das kein Zeichen für schlechte Jugendarbeit. Und einige junge Asse hat der S04 noch im Ärmel.
Manuel Neuer übrigens würde den Fehler seines Lebens machen, wenn er zu den Bayern geht. Da kann Kahn noch so fleißig beschwichtigen und auf seine Anfänge verweisen. Karlsruhe war ein Provinzverein mit ein paar überdurchschnittlichen Spielern und Fan-Proteste erschöpften sich in “Trainer-raus”-Rufen. Schalke ist der personifizierte Gegenentwurf zum Festgeld-Fußball der Bayern, chaotische Finanzen und religiöse Inbrunst inbegriffen. Huub Stevens hat das Ding in Berlin glatt vor den Baum gefahren, weil ihn die Fans nicht ausstehen konnten. Das war Jahre vor Twitter und Facebook und wenn der Schalker Jung auch nur einmal patzt und nicht ständig Kotau vor seinem neuen Arbeitgeber macht, ist er unten durch. Ich kann verstehen, dass Neuer sich weiter entwickeln will und es gibt einige interessante Vereine, die einen Weltklasse-Torwart brauchen können. Inter Mailand zum Beispiel an Stelle dieses Dussels Julio Cesar. Aber er sollte auch nicht unterschätzen, was es heißt, auf Dauer gegen einen Teil der eigenen Fans spielen zu müssen. Im Ausland kann er wie Hildebrand in die Mühlen der Vereinsintrigen geraten, bei Bayern wird er immer gegen unsichtbare Wände rennen. Und die Chancen, auf Schalke Titel zu gewinnen sind ja gar nicht so schlecht. Jetzt kommt erst mal Valencia und im Mai dann Mei-derich.
Ein Tor für die Geschichtsbücher »
Samstag 29. Januar 2011, 16.40 Uhr, EasyCredit-Stadion Nürnberg. Freistoß für den 1. FC Nürnberg gegen HSV. Hegeler schlenzt, Rost boxt, der Ball prallt an die Latte, Simons legt quer, Cohen staubt ab, 2-0 für den Club.
Dieses Tor ist nicht deshalb so bedeutsam, weil es den ersten Sieg gegen den HSV seit fünf Jahren und 26 Punkte bedeutete. Man muss sich klarmachen, wo der 1988 in Be’er Sheva geborene Mittelfeldspieler sein Tor erzielte. Das vormalige Franken-Stadion wurde in den zwanziger Jahren als Städtisches Stadion errichtet und befindet sich mitten auf dem erweiterten Reichsparteitagsgelände, ungefähr 200 Meter vom Zeppelinfeld. Des Führers Hauptrednertribüne ist gleich um die Ecke. In diesem Stadion fand im Rahmen der Parteitage der Tag der Hitler-Jugend statt, 1935 sprach Hitler hier von den flinken Windhunden, dem zähen Leder und dem harten Kruppstahl.
Dieses Areal, auf dem die Nazis zum Bacchanal des Bösen in Viererreihen aufmarschieren ließen, ist heute eine merkwürdige Geschichtslandschaft: Bob Dylan spielte hier 1978, die US Army stellte zwischen den überwachsenen Brocken des tausendjährigen Reichs ein paar Field Goals auf, und GIs übten hier die Shotgun Formation und andere Elemene des American Football. Soldier Field war der Spitzname, und eine Picknickwiese für die Familien gab es auch. Das Dokumentationszentrum ist sehenswert, vor allem die tätige Mithilfe der Kommunalverwaltung bei der Arbeit an den Reichsparteitagen an diesem Ort zu sehen, ist wichtig. Wenn man beim Burger King an der Regensburger Straße um die Ecke lugt, sieht man noch deutlich die Silhouette des Nazi-Adlers auf den hellen Steinen. Und jetzt ein Israeli.
Ein Jude, der das Zeug hat, in der Stadt, in der Julius Streicher 20 Jahre lang die Cohn, Hirsch, Huber und Müller Woche für Woche mit Hass überzog, zum Publikumsliebling zu werden. Bisher waren israelische Fußballer in der Bundesliga nur mäßig erfolgreich. Antideutsche Verschwörungstheoretiker würden sagen: Das liegt am Postfaschismus und der ewigen Feindschaft hierzulande, die Juden natürlich spüren. Ich würde sagen: Es liegt daran, dass Israelis nicht ganz so gern und gut Fußball spielen wie andere, auch dehalb, weil Basketball dort die Sportart Nummer eins ist.
Heimlich, still und leise hat sich eine Menge verändert zwischen Deutschen und Israelis in den letzten fünfzehn Jahren. Mitten im Aufbruchsgetümmel im Nahen Osten gibt es Regierungskonsultationen. Schon vor ein paar Jahren bezeichnete Ehud Olmert, zunehmend genervt von der Planlosigkeit der Bush-Administration, Deutschland als wichtigsten Verbündeten Israels. Mag sein, dass das nur an der Staatsräson und am Kampf gegen den Terror liegt. Einige tausende Israelis leben dauerhaft in Berlin, mit und ohne zweitem, deutschem Pass. Mag sein, dass die Israelis nur kommen, weil im Moment eben alle nach Berlin wollen, und die Stadt schon immer ein bißchen weniger deutsch, weniger Nazi und post-Nazi war wie der Rest des Landes.
Die Verpflichtung von Almog Cohen folgt weder der Staatsraison noch einem sprichwörtlich guten Ruf, den Nürnberg bei Juden hätte. Wenn es eine Stadt gibt, die im historischen Vergleich zu Berlin am anderen Ende des Spektrums steht, dann ist es Nürnberg. Das kleinbürgerlich-protestantische Milieu bescherte den Nazis Spitzenwerte bei den Wahlen vor 1933, dass Streicher seit 1925 genau dort sein schmutziges Handwerk betrieb, dass genau dort bereits vor der Machtergreifung Reichsparteitage gefeiert wurden, ist kein Zufall. Mittlerweile positioniert man sich angenehm zurückhaltend als Stadt der Menschenrechte, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, eher mit nachdenklich gesenktem Haupt. Auch an die welthistorisch bedeutenden Prozesse im Gerichtsgebäude, Menetekel für Kriegsverbrecher von Pinochet bis Rumsfeld, wird seit Dezember 2010 erinnert.
Der ortsansässige 1. FCN, der im Jahr der Nürnberger Gesetze gegen Schalke erster deutscher Pokalsieger wurde – damals hieß das Ding nach dem Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten “Tschammerpokal” - hat chronische Geldprobleme. Er muss dort nach Spielern suchen, wo der Tross der Scouts und Berater nicht so oft vorbeikommt, in den Randzonen des Fußballs. Der Koreaner Cha Bum Kun war vor vielen Jahren so ein Glücksgriff aus dem Niemandsland, mittlerweile wollen alle ihren Kagawa oder Park, ihren Lucio oder Emerson sowieso. Es ist ein weiterer absurder Aspekt an der noch recht kurzen Almog-Cohen-Saga, dass ausgerechnet der Lodda, auf den ersten Blick nicht die Inkarnation des Weltbürgertums, zum ersten deutschen Trainer in Israel wurde und dann auch noch Erfolg hatte. Er empfahl Cohen an Manager Bader. Cohen kam, er spielte, seit vier Partien ist er in der ersten Elf.
In der Sky-Reportage am Samstag bezeichnete der Reporter Cohen als “Giftzwerg”, was als Kompliment gemeint war. Auch der ansonsten immer hart auf Höhe der Grasnarbe daherschwadronierende Poschmann verglich beim Viertelfinale gegen Schalke den kleinen Kämpfer mit Gattuso. Cohen ist unglaublich laufstark und er antizipiert gut. Gegen Hamburg stibitzte er ein paar Mal den Ball vom Fuß des Gegners, weil die Hanseaten bar jeder Handlungsschnelligkeit waren an diesem Tag. Wie Gattuso spielt Cohen ausgesprochen fair, läßt aber ansonsten eher Zweikampfstatistiken sprechen als dass er ständig das Gespräch sucht. Die Heckingsche Variante des Tiki-Taka hat er voll verinnerlicht und ähnlich wie Pinola oder neuerdings Wollscheid bringt er die Aggressivität ins Spiel, die den braven Bubis in der Endphase Ära Oenning gefehlt hat.
Wie sehr sich die Dinge verändert haben zeigt der Umstand, dass Cohen bisher weder kopfschüttelnd beäugt noch dutzendfach analysiert wurde. Die Gehirnpolizei fährt nicht auf und untersucht “Giftzwerg” am nächsten Tag nach seinem antisemitischen Gehalt. Es gibt keine betroffenen Leitartikler, die fragen, ob ein Israeli ausgerechnet in Nürnberg ausgepfiffen, gefoult, bejubelt oder vom Platz gestellt werden darf. Wenn die Clubfans ihrer bisherigen Praxis folgen – auch für den Senegalesen Souleyman Sane und die unsäglich unbegabten isländischen Zwillinge Arnar und Bjarki Gunnlaugsson hatten sie die richtigen Wimpel dabei - werden wir demnächst israelische Flaggen in der Nordkurve sehen und Hava Nagila hören, wenn’s Almoggerla die Ecken tritt.
Löwe und Raute kriseln vor sich hin »
Gestern machte das Zappen mal so richtig Spaß. Im Bayerischen Rundfunk bei “Blickpunkt Sport” räsonierten drei eigentlich recht sachkundige und schlitzohrige Bayern-Fanclub-Mitglieder darüber, wieviele Kubikmeter verbrannte Erde Jürgen Klinsmann an der Säbener Straße hinterlassen hat, und ob es jetzt der größere Fehler war, Ze Roberto gehen zu lassen oder Lucio zu verkaufen. Der eine Fan war strikt gegen Neueinkäufe, der andere dachte laut: “Wannda Vandavart na kemma dat…Oda da Wesley Schneijder.”
Jean-Marie Pfaff war da und machte vor, wie Rensing richtig aus dem Tor rausläuft, wenn eine Flanke aufs kurze Eck kommt. Die Fanclubvertreter waren eher pro Rensing, ob der Hoeneß Uli mit seiner Tirade gegen Neuer, Enke und wie sie alle heißen, dem unsympathischen Jahrhunderttalent nicht eine schwere Bürde auferlegt hat, stand übrigens nicht zur Debatte. Auch nicht, dass Angehörige des Fanclubs Schickeria nach dem Spiel in Mainz wieder randaliert hatten. Vor zwei Jahren hatten sie bei Würzburg einen Bus mit Clubfans überfallen und einer Frau das Auge ausgeschlagen.
Zeitgleich mit Pfaffs Bewegungsübungen verloren die Sechziger im Kalbsrollbraten von Fröttmaning 1-3 gegen den KSC. Dieses Spiel hat insofern fußballgeschichtliche Bedeutung, als Christian Timm 1 (in Worten: ein) Tor erzielt hat. Die Löwen mußten gerade den Abgang von Bender Nummer 2 nach Leverkusen verkraften und sind mit 13 Punkten auf Platz drei, nein mit drei Punkten auf Platz 13 so weit weg eigenen Anspruch wie die Lokalrivalen eine Etage weiter oben. Dass die Sechzger aufsteigen wäre allerdings fast ein so großes Wunder wie ein Tor von Christian Timm. Bei den Bayern könnte es nach einer Trotzreaktion zu Platz drei reichen.
PS: Union Berlin hat sich von seinem anrüchigen Sponsor getrennt. Das wird die Aufstiegschancen nicht schmälern.
Pokalt erwischt »
Mainz mit seinen zahllosen Verletzten und Hannover mit seiner letalen Auswärtslethargie heißen die ersten beiden prominenten Opfer im DFB-Pokal. Bei dem arrivierten Pokalschreck Trier konnte man fast darauf wetten, dass es auch Lübeck gelingt, ist die größere Überraschung. Beinahe zum Opfer der eigenen Behäbigkeit wurden Fürth, 1860 München, Bochum und wieder einmal Hertha, gegen die Preußen Münster mutig aufspielte. Den höchsten Sieg feierte Bremen gegen Union, die ihr neues Schmuckkästchen erst einspielen müssen. Das Seuchenjahr von Werder mit dem DFB-Pokal als Trostpflaster ist damit wohl vorbei, der verlorene Sohn Borowski hat seine Münchner Eskapade beendet. Mit den Grünen ist zu rechnen. Ähnlich souverän gingen Wolfsburg und Schalke zu Werke.
Überrascht hat mich der Sieg der Lauterer in Braunschweig, gilt das Eintracht Stadion doch quasi als ein tiefer gelegter Betzenberg, niedersächsisch eben. Eine gute Maßnahme gegen das große Nervenflattern in der Pfalz, dieses verdient erkämpfte 1-0. Ebenso überrascht war ich vom klaren 3-0 der Frankfurter im Derby gegen Offenbach. Blogleser Nordkurve muss seine pessimistische Skibbe-Einschätzung zur Eintracht möglicherweise revidieren.
Allererste Sahne war natürlich das 3-0 der Clubberer in Dresden, wobei sowohl die Null als auch die drei (kein Stürmertor) nicht zu erwarten waren . Ich kann mich nicht erinnern, wann der Club zwei Auswärtspflichtspiele in Serie 3-0 gewonnen hat. Erst in Cottbus in der Relegation, jetzt kühl bis ins Mark, technisch und taktisch ausgereift bei Dynamo, die ihr neues Stadion auch noch einspielen müssen. Die erste Halbzeit sah ich auf Sky bei einer nahen Verwandten. In der Pause wurde die Übertragung abgestellt, “Ihre SIM-Karte ist nicht für dieses Angebot legitimiert”. Nach dem Umweg durch die sprachgesteuerte Hotline erklärte die freundliche Sky-Mitarbeiterin, Pokal gebe es nur im Sport-Paket, nicht im Bundesliga-Paket. Warum wir eine Halbzeit mit Kluges und Mintals ersten Saisontoren sehen konnten, wußte sie nicht, ich nehme das als gutes Omen für eine Saison, in der alles möglich ist.
Bei Bayern stabilisieren sich die Leistungsträger allmählich. Gomez hat offensichtlich einen Lauf, trifft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Neckarelz beinahe nach Belieben. Rensing greift schon wieder nach den Sternen und läßt sich weder durch Lapsus noch Läpschen beirren. Ich verstehe nicht, dass die Bayern ihre Abwehr so vernachlässigen. Lucios Weggang ist mit Sicherheit eine Schwächung, dazu muss man nicht Kaiser sein. Und international ist mit Butt/Rensing kein Blumentopf zu gewinnen. Hildebrand wäre frei gewesen im Winter, aber Hoffenheim war schneller. Ich vermute, die Bayern langen beim Torwart noch einmal hin, Ribery im Tausch für Casillas vielleicht oder Lell, Ottl, Breno, Demichelis, Sosa und Schweinsteiger für Enke.
Der Zauberlehrling (Säbener Remix) »
Hat der alte Meistertrainer
Sich im Sommer weg begeben
Und nun sollen seine Spieler
Auch mit mir zu Titeln streben
Trainingsplan und Taktik
Mach ich aus dem Bauch
Mit mentaler Stärke
Tu ich Wunder auch
Balle, balle
Schweini Ecke
Daß zum Zwecke
Toni schieße
Und mit reichem, vollem Schwalle
Tor auf Torflut sich ergieße
.
Rensing komm, du alter Besen
Nimm die neue Trikotage
Bist schon lange Knecht gewesen
Spielst jetzt in der Beletage
Auf zwei Beinen stehe
Nicht zu weit vorm Tor
Eil heraus und gehe
gegen jeden vor
Kralle, kralle
Edler Recke
Manche Ecke
Unterlaufen
Hier und da ein Stellungsfehler
Gegentor zum Haare raufen
.
Seht, da läuft die Viererkette
Wahrlich, sie läuft hinterher
Und mit Blitzesschnelle wieder
Fällt ein Kontertor nicht schwer
Lell und Demichelis
Tanzbären unter sich
Und auch Lahm und Lucio
Gar nicht meisterlich
Butt und Buddha
Leistungszentrum
Täglich wird
Laktat gegessen
Doch, ich merk es, wehe, wehe
Habe Jogi Löw vergessen
.
Ach, der Sport, der schien so simpel
Den man aus dem Ärmel schüttelt
Ihn kapiert nicht jeder Gimpel
Barca hat uns durchgerüttelt
Immer neue Flanken
Brachten sie herein
Meiner Spieler Füsse
Waren schwer wie Stein
Nein, nicht länger
Kurz zu passen
Musst ich lassen
Meisterstücke
Vielleicht frag ich Arsene Wenger
Welcher Spieler, wo die Lücke
.
O du Ausgeburt der Hölle
Klose konnte nicht mehr laufen
Vielleicht würd ich auf die Schnelle
Doch noch einen Neuen kaufen
Ein verstockter Spieler
Der nicht hören will
Poldi, oh mein Poldi
Bist ja gar so still
Willst am Ende
Mich verlassen
Will dich fassen
Will dich halten
Denn als Stammplatzbankverwalter
Bist du einer von den Alten
.
Seht, da kommt van Bommel wieder
Und er foult sogleich mit Verve
Sorgt für Mittelfeldbambule
Krachend trifft der Stollen Schärfe
Wahrlich, brav getroffen
Sechser Nummer zwei
Auf ihn konnt ich hoffen
Der Ze lief für drei
Fummel, fummel
Franck der Dribbler
Freistoßschnibbler
Spielte viel zu eigensinnig
Völlig fertig gegen Schalke
Null zu eins, ich glaub, jetzt spinn ich
.
Und sie spielen, mies und mieser
Wird die Stimmung auf den Rängen
Welcher Trainer? Nur nicht dieser
Management folgt ihrem Drängen
Schwupp, da kommt der Meister
Jupp, die Not ist groß
Unsren Zauberlehrling
Sind wir endlich los
Auf der Strecke
Klinsi Klinsi
Sei’s gewesen
Fußballlehrer
Heißt nicht Ball und Pass und Ecke
Sondern ist bekanntlich schwerer
Stille Momente perfekten Glücks »
“Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön..” wäre deplatziert, liegt ein historisches 1-5 doch gerade erst einmal vier Tage zurück. Aber Barcas Auftritt war schon das Sahnestückchen der bisherigen Saison. Wäre da nicht der legendäre Bayerndusel, die Partie wäre wohl 8-0 ausgegangen. Und die tragischen Fälle Lell und Rensing zeigen, wie sehr alles falsch läuft bei den Bayern. Unter Hitzfeld war Lell ein hoffnungsvolles, wenn auch mäßig begabtes Eigengewächs. Trainingsfleißig wie Dieter Eilts und bescheiden wie Rudi Völler hätte er vielleicht ein solider Rechtsverteidiger werden können, so gut wie Arne Friedrich, unauffällig und unverzichtbar. Unter Klinsmann wurde durch die Verpflichtung des sympathischen Jahrhunderttalents Maximo-Otto Lells Karriere bei den Bayern auf sehr ruppige Art offiziell für beendet erklärt. Wer dem behäbigen Italiener mit seinen unsäglichen Flanken aus dem Halbfeld weichen muss, sollte lieber Tischtennis spielen oder Sportsocken verkaufen. Lell heute ins Offensivspiel von Messi laufen zu lassen, hatte etwas von Menschenopfer. Ja, Lahm war verletzt und Lucio auch und van Buyten erhielt aus guten Gründen Dispens. Aber wo war eigentlich der für links unlängst erst verpflichtete Marcell Jansen? Auch keine Granate im Defensivbereich, aber wenigstens läuferisch hätte er Messi nahe kommen können. Und beinahe jeder, der in der Bundesliga hinten links spielt, hat taktisch mehr drauf als Lell in dieser Position. Hätte man da nicht wie die Gladbacher in der Winterpause noch jemand holen müssen? Wahrscheinlich schafft Klinsmann es nicht, sechs gleichwertige Ersatzspieler ins Team zu integrieren und bei Laune zu halten. Deshalb tauchte im Camp Nou der Name Badstuber im Bayernkader auf.
Nehmen wir an, die Bayern hätten mit dem neuen Trainer und dem neuen Konzept diese Saison als Jahr des Übergangs ausgerufen. Dann hätte der junge Rensing bei seinem Weg in die größten Fußstapfen, die die Liga 2008 zu bieten hatte, in Ruhe aufgebaut werden können, so wie Adler in Leverkusen. Aber Rensing erst wie Hoeneß zum einzig ernsthaften Anwärter auf die Nachfolge von Lehmann auszurufen, ihn wie Klinsmann immer mit der Formel “Er wird die Zeit bekommen, die er braucht” in Sicherheit zu wiegen, und ihn dann kurz vor dem Spiel des Jahres kaltschnäuzig abzuservieren, das ist planlose seelische Grausamkeit. Es ist dieses ewige Hüh und Hott, dieses Weltklasse sein wollen und über Nacht Nachwuchs aus dem Hut zaubern müssen, das nicht funktionieren kann. Guerrero weg. Kroos weg. Schlaudraff weg. Podolski in tiefster Melancholie. Schweinsteiger in der Stagnation. Und der schon erwähnte Janssen blüht unter Jol in der Rückrunde auf, wird jeden Tag ein bißchen besser. So wie Aogo, Pitroipa, Guerrero. Vermutlich kommt im neuen Jahr Enke. Und Rensing wird der Kompagnon von Lell. Nachwuchsarbeit 2010.
Die Bayern haben es geschafft, in den letzten Jahren zwei der drei besten deutschen Trainer (Schaaf wäre ebenso wenig kompatibel wie Frings) zu vergraulen. Hitzfeld ist gegangen, weil ihm Kim Il McRummenigge vorgerechnet hat, dass Fußball keine Mathematik ist. Magath ist gegangen, weil er die geballte Fußballkompetenz an der Säbener Straße nur mit geballter Faust in der Tasche ertragen konnte, und weil er ein wenig von dem vielen schönen Festgeld gerne in neue Spieler investiert hätte.
Wenn es jetzt ausgerechnet dem seriösen, geduldigen Funkel und dem Chancengleichheitsverfechter Bruchhagen und der verletzungsgeplagten Eintracht gelänge, den Bayern auch noch den Zahn in der Meisterschaft zu ziehen, könnte man von einer perfekten Woche sprechen. Aber in der Allianz-Arena sind die Bayern ja eine nicht nur von den eigenen Fans gefürchtete Heimmannschaft.
Reden sich die Bayern die Bundesliga schön? »
Oliver Kahn sagte nach dem 0-4 gegen Zenit St. Petersburg letztes Jahr: “Jetzt haben wir uns den UEFA-Pokal lange genug schön geredet.”
Gestern sagte Rolf-Rainer Gecks im Wolfsburger Stadion: “Die Bayern setzten alles auf eine Karte und bringen Ottl für Lucio.” Was spielt man, wenn man alles auf die Karte Ottl setzen muss – mit vier Spiel fünf und eins im Sinn.
Schauen wir mal, welche Trauben Ende April zu hoch hingen, die in der Champions League oder die in der Bundesliga. Dann kann man auch noch mal über die Transfererfolge des geballten Fachwissens von KaiserKalleUliPaule reden. Die haben ja auch auf Olic und nicht auf Grafite gesetzt.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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