Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


Killing them Softly »

Diego hat seit Neuestem ein Brad-Pitt-Bärtchen. Nicht nur deshalb hat er den falschen Elfmeter gegen Dortmund eiskalt ins richtige Eck geschossen und dann noch zweimal den tödlichen Pass serviert, einmal für Naldo und einmal für Dost. Der kleine Zauberer, der dem Ball nicht einmal Vingardium Leviosa zuraunen muss, um ihn mit schwebender Leichtigkeit in die Schnittstelle zu bugsieren, kommt allmählich in Spiellaune. Und auch, wenn der VfL am Samstag Stark bevorzugt wurde, wird er immer stärker.

Irgendjemand hat geschrieben: Stark entscheidet die Meisterschaft. Aber das war bei elf Punkten Rückstand vor dem Spiel eine sehr optimistische Einschätzung. Stark hat seinen Fehler zugegeben und sich entschuldigt. Hoffentlich wird er jetzt nicht trotzdem zu Tode gesteinigt, in Beton eingegossen oder seine Frau als Schiri-Hure durchs Dorf gejagt. Heutzutage weiß man ja nie, was sich TMFKAF The Mob Formerly Known As Fans als Nächstes ausdenkt, um seine Liebe zum Sport oder zur eigenen Mannschaft zu artikulieren. Dortmund kann sich mit der Champions League trösten. Genauso wie Schalke, dem manche gerne eine Krise andichten würden. Für das Jahr eins nach Raul und das Verletzungspech, das Königsblau bisher hatte, spielen sie eine sehr solide Hinrunde.

Der deutliche Vorsprung der Bayern führt dazu, dass es noch nie so einfach war wie in dieser Saison, einen Platz in der Champions League zu ergattern. Nürnberg ist nach dem Sieg gegen Düsseldorf (wieder mal zu Null) sieben Punkte vor dem Relegationsplatz und acht Punkte hinter einem direkten CL-Platz. Genau wie Wolfsburg. Das nennt man dann wohl Mittelfeld, auch wenn es sich um Platz 13 und 14 handelt. Es wird noch ein großes Hauen und Stechen und Dribbeln und Schnibbeln um die Teilnahme am Millionenspiel geben.

Wolfsburg könnte mit einem Heimsieg gegen Frankfurt am letzten Spieltag vor der Winterpause die Volatilität der letzten Spielrunden abschütteln, die wild gezackte Fieberkurve eines Teams, das sich noch nicht gefunden hat, aber großes Potenzial besitzt. Es spricht einiges dafür, Köstner zum regulären Cheftrainer zu machen. Es lag ja nicht nur an Diego und an Stark, dass Wolfsburg in Lüdenscheid gewonnen hat. Benaglio und Schäfer schnuppern an der Form des Meisterjahres, Naldo ist wieder fit und torgefährlich, Dost ist der erhoffte Knipser. Nur Olic ist ungefähr so glücklos wire Thomas Müller in der Vorsaison und wird wohl noch weitere schöpferische Pausen erhalten. Mit den Wölfen könnte in der Rückrunde wieder zu rechnen sein. Ob sich die anderen Teams schon Gedanken über einen Wolfsmanagementplan machen?

Pro Reli – warum? »

Peter Unfried, nicht Christoph Biermann, ist der Wolfsburg-Fan. Es heißt ja auch nicht Schalke 05. Und über die Unbeliebtheit der Wölfe hat sich Unfried nach dem Abstiegskrimi 2007 zum Beispiel so geäußert:

„VI. Unlängst schaute mich ein Freund seltsam an. Ich dachte: Was hat er denn? Dann sagte er: „Hm. Bist du wirklich für Wolfsburg?“ Ich schwieg. Was soll man da sagen? Und er grüblerisch: „Vielleicht tust du auch nur so. Ich würde es dir zutrauen.“ Es klang, als hoffe er es.“

Jetzt kann sich der VfL vor lauter Verlegenheitsfans nicht retten. Nomadische Fußballästheten wie ichereiner, die froh sind, wenn es Tore gibt wie das 1-0 von Dzeko gegen Hannover oder das 5-1 von Grafite gegen Bayern. Und Spieler wie Gentner, Schäfer, Madlung. Und Trainer wie Magath. Wobei, ich fand Roy Präger schon gut, damals, als die GRAMAZ, die graueste Maus aller Zeiten aufgestiegen war. Und Erik Gerets war auch gut.

Nürnberg scheint in Form zu sein für die Relegation gegen Cottbus, für die Reli, wie die leidgeprüften Fans sagen, die wenig Zeit haben, weil sie eine Kneipe suchen müssen, die diesen lemurenhaften Hybridkick überhaupt zeigt. Die dem Fußballgott kleine Spannstoßgebete schicken.

Der kicker schrieb am Sonntag übrigens, der Club hätte noch die Chance, „durch die Hintertür“ in die Bundesliga zu kommen. Leider völlig falsch. Dem mutig sich nach oben spielenden Zweitligisten wird die Chance zum Direktaufstieg genommen, für den eigentlichen Absteiger ist es eine völlig unerklärliche Extrawurst. Das ist wie wenn du eigentlich schon wiedergeboren bist, und plötzlich findest du dich im Fegefeuer wieder. Ich bin in diesem Fall nicht pro Reli, ich war es auch beim Volksentscheid in Berlin nicht. Es wäre schön, wenn 2010 kurz vor der WM eine mit Nationalspielern gespickte Mannschaft zur Reli als Pflichtveranstaltung antreten müßte, um dem DFB diesen Unsinn auszutreiben. Bremen wäre ein Kandidat, wenn sie weiter so vor sich hin murkeln. Das DFB-Pokalfinale kann man vorziehen, die Reli nicht.

Andererseits, wer oben bleiben will, muss auch Cottbus schlagen, wenigstens haben wir das Rückspiel zuhause. Noch so ein Klops vom kicker: Die Relegation werde nach UEFA-Modus ausgetragen. Wirklich? Wie sind denn so die UEFA-Cup-Koeffizienten in der Lausitz und in Franken?

%d Bloggern gefällt das: