Servus Bayern, lange nichts von euch gehört »
Am Samstag ging die mir selbst auferlegte Bayern-Pause zu Ende. Die kritische Leser_in möge prüfen, ob der Blog in dieser Zeit langweilig, nichtssagend oder thematisch verfehlt war. Ich denke, man braucht die Bayern nicht, um interessant über die Bundesliga zu schreiben. All denjenigen, die den Verein gelegentlich pro toto für die Liga nehmen, stehen möglicherweise harte Zeiten ins Haus, wenn mit Augsburg, Fürth und Aue gleich drei Neulinge aufsteigen sollten. Wieder hundert neue Namen, die man sich merken muss anstatt immer nur die üblichen Verdächtigen aufzulisten, ohne etwas Neues zu berichten. Für die Überraschungssiege gegen die Bayern biete ich lizenzfrei hier schon mal drei Schlagzeilen an: Haue von Aue! Playmobilmännchen ziehen die Lederhosen aus! Kalle Wirsch entzaubert Kalle Unwirsch!
Wenn die Bayern binnen vier Tagen zwei Weg weisende Heimniederlagen einfahren, schreibt sich’s natürlich viel lieber. Und wer weiß, vielleicht haben sie jetzt ja einen Lauf und verlieren auch noch in Hannover und fliegen gegen Mailand raus. Trotzdem gibt es nicht nur schlechte Nachrichten für die Bayern-Fans: Peter Neuruer steht für das Amt des Trainers im Moment nicht zur Verfügung, er ist in einer Findungsphase.
Eine Findungsphase bräuchte auch die Mannschaft, weil ihr gegen wie stets engagiert-durchschnittliche Schalker nichts einfiel. Gomez hätte den Elfmeter kriegen können, da gebe ich van Gaal recht, aber auf so ein Humpelfoul kurz vor Schluß kann man sich nicht herausreden. Ich vermute mal, auch mit van Bommel hätten die mediokren Säbener gegen die fabelhaften Lüdenscheider nicht gewonnen, aber gestern hätte ein knorriger Ballverteiler, wütender Weitschütze, hemmungsloser Zweikämpfer den Unterschied machen können. Neben dem Verkauf von Lucio ist der Verkauf von van Bommel das zweite große Welträtsel in der Ära van Gaal. Ist die Mannschaft in der Krise, jagt man den Käptn nicht vom Hof. Breno war für den Club der letzten Saison ein Quantensprung, bei den Bayern ist er ein weiterer Wackelkandidat in der Defensive. Luiz Gustavo spielt nicht schlecht, aber er kann als Neuling noch niemand in den Hintern treten, mitreißen, vorangehen.
Felix, der Fuchs, hat den Kopf aus der Schlinge gezogen. Er wird die Saison auf Schalke beenden und hat dann noch zwei Jahre für das große Ziel. Bei Schalke standen mit Neuer, Matip und Höwedes drei aus der eigenen Jugend auf dem Platz, später kam noch Draxler dazu. Ohne die gelb-schwarzen Überflieger in ihren Leistungen zu schmälern, wenn bei einem Verein ein Siebzehnjähriger in einem DFB-Pokalfinale eingewechselt wird, ist das kein Zeichen für schlechte Jugendarbeit. Und einige junge Asse hat der S04 noch im Ärmel.
Manuel Neuer übrigens würde den Fehler seines Lebens machen, wenn er zu den Bayern geht. Da kann Kahn noch so fleißig beschwichtigen und auf seine Anfänge verweisen. Karlsruhe war ein Provinzverein mit ein paar überdurchschnittlichen Spielern und Fan-Proteste erschöpften sich in “Trainer-raus”-Rufen. Schalke ist der personifizierte Gegenentwurf zum Festgeld-Fußball der Bayern, chaotische Finanzen und religiöse Inbrunst inbegriffen. Huub Stevens hat das Ding in Berlin glatt vor den Baum gefahren, weil ihn die Fans nicht ausstehen konnten. Das war Jahre vor Twitter und Facebook und wenn der Schalker Jung auch nur einmal patzt und nicht ständig Kotau vor seinem neuen Arbeitgeber macht, ist er unten durch. Ich kann verstehen, dass Neuer sich weiter entwickeln will und es gibt einige interessante Vereine, die einen Weltklasse-Torwart brauchen können. Inter Mailand zum Beispiel an Stelle dieses Dussels Julio Cesar. Aber er sollte auch nicht unterschätzen, was es heißt, auf Dauer gegen einen Teil der eigenen Fans spielen zu müssen. Im Ausland kann er wie Hildebrand in die Mühlen der Vereinsintrigen geraten, bei Bayern wird er immer gegen unsichtbare Wände rennen. Und die Chancen, auf Schalke Titel zu gewinnen sind ja gar nicht so schlecht. Jetzt kommt erst mal Valencia und im Mai dann Mei-derich.
Spanien tänzelt den orangenen Stier ins Tal der Tränen »
Devot und freundlich seien die Deutschen ausgeschieden, meinte die Süddeutsche nach dem Halbfinale. Vielleicht hat Philipp Lahm den Zeitungsausschnitt an Mark van Bommel weiter gereicht. Jedenfalls wollten die Holländer offenbar eins nicht: in Schönheit sterben. Das Spiel war nicht ganz so brutal wie die Vorrundenpartie zwischen Brasilien und der Elfenbeinküste und kein Vergleich zur Schlacht von Nürnberg zwischen Holland und Portugal im Achtelfinale vor vier Jahren. Nach acht gelben und einer gelb-roten Karte stand nach 120 Minuten trotzdem fest: Auch die kontrollierte Rüpelei ändert nichts daran, dass Spanien im Moment die beste Mannschaft der Welt ist und dieses Endspiel hochverdient gewonnen hat. Holland attackierte viel früher als Deutschland, erspielte sich wenigstens Standardsituationen und hatte einige ganz große Konterchancen, die je nach Sichtweise kläglich vergeigt oder vom Heiligen Iker grandios entschärft wurden. Robben zog weit rechts sehr einsam seine Kreise, van Persie fand nicht statt. Auch Stekelenburg entschärfte einige spanische Chancen, aber es waren keine einzeln gesetzten Konter, sondern Früchte unermüdlicher präziser Offensivarbeit. Mit jedem Spielabschnitt zog Spanien das Tempo ein bißchen mehr an, dachte sich noch ein paar neue Ideen aus, um das Abwehrbollwerk der Holländer aufzureißen und vier Minuten vor dem Ende fand Iniesta, der einige Abwehrspieler zermürbt hatte, die Lücke und behielt die Nerven. Dass er eine gelbe Karte in Kauf nimmt, um vor 2 Milliarden Menschen seines toten Kollegen Dani Jarque zu gedenken, ist nicht nur eine wildromantische Geste, sondern zeigt auch, dass die fünf spanischen gelben Karten meist ein anderes Kaliber hatten als die holländischen. Van Bommel und de Jong hatten sehr viel Glück, das Ende des Spiels auf dem Platz zu erleben. Ersterer beherrscht die Kunst, einmal glatt rotwürdig zu foulen und dann den Rest des Spiels nicht mehr negativ aufzufallen wie kein anderer. Auch gestern hielt er sich nach seinem großen Auftritt in Minute 22 gezielt zurück. Warum die Holländer mit Webb haderten, verstehe ich deshalb umso weniger. Er pfiff äußerst großzügig, war geduldig und ein engagierter Kommunikator. Die Fehlentscheidung des Spiels, die in meinen Augen keine war, der nicht gegebene Elfmeter für Xavi, schadete wenn überhaupt den Spaniern. Dass das Spiel nach einer ersten Halbzeit jenseits der Schmerzgrenze immer besser wurde, lag auch am Schiedsrichter. Natürlich hätte er die Ecke nach dem Freistoß geben müssen, aber daran jetzt die Niederlage fest zu machen, wäre etwas kleinkariert. Für Holland war die Nacht von Johannesburg die Fortsetzung des schlimmsten Alptraums in der Fußballgeschichte. Die Spieler vom Bayer Leverkusen des Weltfußballs reihten sich ein in die Ahnengalerie der Unvollendeten. Hoffentlich kommt in zehn Jahren niemand auf die Idee zu behaupten, sie hätten unverdient verloren. Spanien dominierte nicht so einseitig wie im Halbfinale, trotzdem waren sie überlegen. Spanien ist nicht nur der erste Weltmeister mit einer Auftaktniederlage, das erste siegreiche europäische Team außerhalb Europas, sie haben auch mit zwei verschiedenen Trainern die beiden größte Turniere hintereinander gewonnen. Gratulation an den immer still vergnügten del Bosque und die Meister des fraktalen Passes um Xavi und Iniesta.
Vielleicht ist es besser so »
Vielleicht ist es ja besser so. Was wäre gewesen, wenn Deutschland gegen Holland hätte spielen müssen? Van Bommel gegen Schweinsteiger, Lahm gegen Robben, Mathijsen gegen Trochowski, Elija gegen Aogo? Die beinahe beste Mannschaft Europas und die beinahe fünftbeste Mannschaft Deutschlands gingen hoffnungslos zerstritten in die Saisonvorbereitung. Damit wäre der vierte Platz für die CL endgültig ein Ding der Unmöglichkeit, und van Gaal könnte niemals Bundestrainer werden.
Der Uru als solcher wohnt sehr weit weg und spielt in der Bundesliga nicht die tragende Rolle. Eine Niederlage heute würde das Land, das so groß ist wie Österreich und Ungarn zusammen, aber viel besser Fußball spielt, sicherlich enttäuschen, aber sie gehen mit Sicherheit motivierter ins Spiel als die Schlandis, die heute ihren ganzen internationalen Zuspruch mit einer halbherzigen Leistung wieder vergeigen können.
Oliver Kahn sagt im kicker, man sollte das Spiel um Platz Drei abschaffen. Ich finde, es ist eine große, charmante Geste, die Verlierer noch einmal zu würdigen. Und für Mannschaften wie Kroatien, Südkorea, die Türkei und heute Uruguay ist das Spiel um Platz Drei trotz des Scheiterns im Halbfinale etwas ganz Besonderes. Und der Große Klose kann heute auch noch etwas zustande bringen.
Van Bommel war ein Jahr alt »
Eine wieder einmal grimmig entschlossene Mannschaftsleistung bringt Holland ins Endspiel. Das Abseitstor wäre für mich kein Grund, technische Hilfsmittel zu Rate zu ziehen. Wenn man drei Zeitlupen aus drei verschiedenen Winkeln braucht, reicht die einfache Regel: im Zweifel für den Angreifer. Holland erst mit einem Tor aus dem Nichts, dann mit einem Doppelschlag. Uruguays Torwart sah bei allen drei Toren schlecht aus. Robben rennt zwar wieder schnell, spielt im Moment aber ziemlich einfallslos. Trotzdem ein bisher sehr gutes Turnier der Oranje, die sich eine große Dosis deutscher Sachlichkeit einverleibt haben. Beeindruckend sind die Tempowechsel. Vor dem 2-1 drehten sie ein paar Minuten lang kurz auf, spielten schnell und direkt, und Uruguay kam sofort ins Schwanken. Bei Uruguay war Forlan wieder stark, stand und rannte ohne Suarez allerdings allein auf weiter Flur. Als Holland zuletzt im Endspiel stand, war van Bommel ein Jahr alt und die goldene Generation (in Argentinien ohne Cruyff) scheiterte zum zweiten Mal hintereinander am Gastgeber. Heute Abend wird sich heraus stellen, ob es ein Rückspiel für 1974 oder einen nagelneuen Weltmeister geben wird.
Favorit Holland »
Meister wird, wer Rückstände aufholt, Weltmeister vielleicht auch. Obwohl das Halbfinale vom Mittwoch die größeren Namen bietet, sind die heutigen Kontrahenten bisher die besseren Turniermannschaften. Wer binnen 15 Minuten einen Rückstand gegen Brasilien dreht, ist ein sehr ernst zu nehmender Titelkandidat. Wer nach einem Herzschlagfinale in der Verlängerung sein Elfmeterschießen mit der Herzenskühle einer römischen Gruft absolviert, gleichfalls. Holland hat das bessere Team, aber vielleicht wird Forlan der Maradona 2010, der Spieler, der den Unterschied macht. Am Mittwoch treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich an einem 0-1 in der Vorrunde beide die Zähne ausbissen. Und darin sehe ich auch die große Gefahr für Jogis Fohlenelf: Ihre beiden K.O.-Spiele konnten sie mit einer frühen Führung im Rücken gut herunterspielen. Aber letztendlich waren das 3-1 und das 4-1 gegen England sowie 3-0 und 4-0 gegen Argentinien (gut zu Ende gespielte) Konter. Der Gegner musste aufmachen. Gegen Ghana war es ein schön gezirkelter Schuß Özils, nicht so sehr die ausgeklügelte Spielanlage. Läuferisch sind die Spanier mindestens ebenbürtig, Casillas würde ich trotz seiner durchwachsenen Saison immer noch ein bißchen stärker als Neuer einschätzen. Nehmen wir an, die Spanier gehen wie die Serben in der 38. Minute in Führung. Können die Deutschen ein Spiel dann auch wirklich machen? Die Holländer konnten es auf bravouröse Art und Weise und sind jetzt der ernsthafteste Anwärter auf den Titel. Mit Leuten wie van Bommel und Robben können sie selbst einem Elfmeterschießen gewachsen sein.
Gruppe E – Je holder die Polder,… »
…desto unwiderstehlicher die Offensive der Oranje. Die Mannschaft des Schwiegervaters von Mark van Bommel ist natürlich ganz großer Favorit in dieser Gruppe, aber dass Holland in der Vorrunde alle an die Wand spielt, ist ja nichts Neues.
Kamerun und Dänemark machten bisher mit durchwachsenen Testspielen auf sich aufmerksam, beide haben allerdings den Vorteil, dass kein wesentlicher Spieler verletzungsbedingt fehlt. Ob Japan jenseits der Heim-WM zu einer bemerkenswerten Leistung fähig ist, wage ich zu bezeifeln, ich schätze die Südkoreaner wesentlich höher ein. Könnte sein, dass trotz der missratenen Vorbereitung am Ende die Afrikaner auf Platz Zwei stehen.
Holland – Dänemark 2-0
Japan – Kamerun 1-3
Holland – Japan 3-0
Kamerun – Dänemark 1-1
Kamerun – Holland 0-1
Dänemark – Japan 2-1
Gruppensieger: Holland
Zweiter: Kamerun (nach Tordifferenz)
Die Live-Tweets zum Pokal-Finale »
Willkommen zum DFB-Pokalfinale 2010. Werder und Bayern von der ersten Sekunde an extrem präsent, Kampf um jeden Meter Rasen.
8. Riesenchance für Bremen. Pizarro tunnelt Lahm, glaube ich, Butt hält zweimal glänzend, Ein sehr guter Beginn von beiden.
11. Min. Das obligarischere Foul von van Bommel, gelb. – Freistoß Werder abgeblockt, die sehr gut gegenhalten.
Obligatorisches Foul muss es heißen, aber gelb gab es trotzdem. – Bayern versucht das Spiel zu machen, Bremen spielt Pressing.
16. Viele kleine Fouls, keiner will den Anderen ins Rollen kommen lassen. Bayern kommt bis zum Strafraum, Werder nur bis zur Mittellinie.
19. Butt und Wiese beide bisher sehr sicher. Ein 0-0 der besseren Sorte. Ribery tut sich schwer mit der Raumaufteilung.
20. Gelb für Olic, wenn die Fouls Akzente setzen sollen, hat sie Werder bisher ignoriert. Mittelfeldgeplänkel auf hohem Niveau.
24. Robben verdribbelt sich im Bremer Strafraum, kurz danach verpassen Olic und Müller eine scharfe Hereingabe von Ribery.
31. Bayern schnell und nicht besonders einfallsreich, Bremen beim letzten Pass zu fahrig, in der Defensive beinahe italienisch.
34. Handelfmeter für Bayern, Mertesacker gegen Olic, kann man geben. – 1-0 Robben, Wiese in der Ecke, aber unhaltbar.
Die spielen sogar “Tulpen aus Amsterdam” für Robben. Bei Tennis Borussia gibt’s nur Veilchen.
39. Ribery bisher fleißig, aber glücklos. Werder muss sich erst einmal sortieren. Bayern daddelt an der Mittellinie hin und her.
41. Der Kommentator sagt Statistiken auf, Sternzeichen würden mich jetzt gerade besonders interessieren. Das Tuva-Horoskop.
42. Großchance für Müller, weil Ribery seinem Gegenspieler davonläuft. Bremen momentan gut bedient. Hunt vergibt aus 12 Metern.
Halbzeit. Bayern nicht brilliant, aber überlegen, Bremen nicht in der Lage, das Mittelfeld schnell zu überbrücken.
Kahn analysiert, Katrin Müller-Hohenstein souffliert. Ich finde Scholl viel interessanter. Auf geht’s zur zweiten Halbzeit.
49. Auch den zweiten Elfer für Bayern hätte man geben können. Robben springt ein bißchen zu sehr ab.
51. 2-0 Olic staubt ab. Wieder sieht Mertesacker unglücklich aus.
55. Ribery verspringt unbedrängt der Ball. Nicht sein Spiel heute. Jetzt erzeugt er ein Abseits.
57. Freistoss Özil zu lang, Butt hält sicher, im direkten Gegenzug Robben knapp im Abseits.
60. Wird Bremen besser oder nehmen sich die Bayern ein Päuschen? Schon länger keine Großchance mehr.
63. 3-0 Den konnte selbst Ribery nicht versemmeln. Bremen wird eikalt ausgekontert.
64. Pizarro köpft, Butt hält, Ecke. Die führt zum Konter für Bayern. Fritz kriegt Gelb.
70. Jensen kommt für Borowski, Robben hat ihn aufgearbeitet.
73. Schaaf rupft sich die Barthaare einzeln aus. Eine zu harte Strafe nach dieser guten Saison.
76. Rensing knuddelt Gomez. – Und jetzt auch noch Rot für Frings. Bremen und Hansa Rostock kieloben.
80. Klose kommt für Olic. Van Gaal setzt jetzt alles auf eine Karte.
82. Klose tritt über den Ball, für einen Moment dachte ich, es ist Gomez.
84. 4-0 Schweinsteiger, das schönste Tor des Abends.
87. Gomez darf Kräfte für das CL-Finale sammeln. Da muss auf der Bank ein Spielzug in den anderen greifen.
89. Eins ist schon jetzt klar, eine Verlängerung wird es heute Abend nicht geben.
Schlusspfiff. Bayern meilenweit überlegen.
PS: Aber sie brauchten zwei Standards um ins Spiel zu kommen, das 3-0 und 4-0 waren belanglos. Bremen offensiv völlig desolat, defensiv sehr unglücklich.
Mr. Zweistellig grüßt von oben »
Wer hätte das gedacht? Schalke ist vorn und hat nach dem 2-1 gegen Dortmund die nächsten Big Points geholt. Und Kuranyi trifft wie ein Uhrwerk. Ob da noch Luft nach oben ist? Die Bayern sind zwar in der Champions League kühl bis ins Mark (van Bommel), gegen Köln und Nürnberg haben sie sich jedoch gleich zwei Nervenwackler geleistet. Dass der nächste zu Hause gegen Freiburg kommt, ist nicht zu erwarten, man kann die Punkte auch auswärts liegenlassen. Für Nürnberg wäre es kein Schaden, wenn Freiburg heute verlöre. Bei einem Sieg in Berlin – das Spiel sehen Hertha-Fans und Clubberer heute friedlich in der Bluesgarage in Schöneberg, der Autor ist anwesend – könnten sie sich ein wenig absetzen. Wobei Hannover jetzt die zweite Luft kriegen wird. Die haben mit HSV, Schalke, Bayern, Leverkusen nur ein besonders knüppelhartes Restprogramm.
Kevin Kuranyi zieht als Mr. Zweistellig weiterhin einsam seine Kreise, hat viermal mehr Tore geschossen als Podolski und Klose zusammen. Podolski, der nach seiner Ohrfeige für Ballack angeblich auf Bewährung spielt, hatte nach dem Länderspiel gegen Argentinien den nächsten kleinen Ausraster. Gegen Bayern hat Kuranyi im DFB-Pokal-Halbfinale die Möglichkeit, dass er es auch in k.o.-Spielen kann. Die Sturheit Löws in dieser Frage ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass der DFB völlig von der Rolle ist. Diese WM könnte tatsächlich zum Desaster werden. Starke Gruppengegner, schwache Stürmer und im Verband ist der Teufel los. Aber bitte, dann geht Kuranyi eben bestens ausgeruht in die neue CL-Saison. Das muss kein Schaden sein.
Schnell noch die Spiele getippt »
Bayern – Bremen 2-2
Mein Herz sagt natürlich Auswärtssieg, und mein Kopf murmelt etwas von 3-1, aber ohne van da lis mus Bommel und mit Rensing reicht es für kampfstarke Bremer zu einem Punkt.
Stuttgart – Freiburg 3-1
Auswärts ist der Sportclub vorsichtiger, nützt ihm aber nichts, weil Cacau die Länderspieleuphorie mitnimmt. Erstes Tor von Pogrebnyak, erste Vorlage von Hleb? Könnte sein.
HSV – Dortmund 2-2
Dortmund holt mit Köpfchen und großer Laufarbeit einen Punkt, ist ja statistisch-historisch eher ein unbequemer Gegner für den HSV, der wieder mal in Rückstand gerät.
Leverkusen – Hoffenheim 2-2
Ein Unentschieden mit dem Prädikat “besonders wertvoll” wird uns da geboten. 90 Minuten Offensive mit zwei hervorragenden Torhütern. Zur Hölle mit dem Ergebnisfußball.
Hannover – Mainz 1-0
Tja, wie tief sitzt der Wurm bei den 96ern? Trotz vermurkeltem Saisonauftakt an der Leine, Mainz kriegt den Zahn gezogen. Wer das Tor macht? Jedenfalls kein Stürmer von 96.
Frankfurt – Nürnberg 1-1
Die Eintracht ist richtig gut aus den Startlöchern gekommen, der Club redet noch zu viel von seinem Leistungsvermögen. Ein Derby, ein Kampfspiel, und mit ganz viel Glück kriegt der Club einen Punkt.
Köln – Wolfsburg 0-3
Köln braucht noch ein bißchen Zeit, und die beiden knüppelharten Auftaktspiele machen es für den neuen Trainer auch nicht gerade leicht. Also, ein klassischer Fehlstart. Da kann der Prinz auch nichts machen.
Gladbach – Hertha 2-0
Euphorie schlägt Minimalismus. Hertha ist noch nicht so stark wie im letzten Jahr, Gladbach hat gut eingekauft und überspringt die Hürde elegant wie ein junges Füllen.
Schalke – Bochum 4-0
Auch wenn Bochum besser drauf ist als letztes Jahr, gegen Bordon, Höwedes und Neuer geht nix. Und vorne zieht die FKK-Offensive den Bochumern die Hosen aus: Farfan, Kenia, Kuranyi spielen sich langsam ein.
Ein Spieltag mit nur einem Auswärtssieg ist heutzutage merkwürdig. Also vielleicht doch die Bremer? Angeschlagene Boxer sind immer gefährlich. Und sie haben im Mittelfeld Borowski, von seinen englischen Fans liebevoll Middlesborough genannt.
Van Gaal – ein General und Gentleman »
EasyCredit wirbt jetzt im kicker damit, dass es den fairsten Spieler der Saison bestimmen will. Sieger des ersten Spieltags ist Tinga von Borussia Dortmund mit 39 Punkten, der für seine 37 gewonnenen Zweikämpfe ohne Foul jeweils einen Punkt sowie 2 Punkte für die kicker-Note 3 bekam. Diekmeier vom Club ist Achter und auch in der Elf des Tages dabei. Für Rot gibt es -250 Punkte, weshalb Dante nach seiner Roten Karte unfairster Spieler des ersten Spieltags ist. Er braucht jetzt 247 gewonnene Zweikämpfe ohne Foul, um eine schwarze Null zu schreiben.
Spitzenreiter bei der Fairness war am Wochenende allerdings Louis van Gaal, der bei einer strittigen Entscheidung zugunsten der Bayern spontan für die Torkamera plädierte, obwohl seine Mannschaft dadurch gegen Hoffenheim früh in Rückstand geraten wäre. Wäre van Gaal ein deutscher Spieler, würde er kein Spiel im DFB-Dress mehr absolvieren. Die Erziehung zum mündigen Spieler hat ihre Grenzen anders gesagt war Frank Rost seiner Zeit einfach zehn Jahre voraus, als er anfing, seine Meinung zu sagen. Ihm fehlt der Klassensprecher-Charme von Philipp Lahm, der im Sportstudio lausbübisch grinsend erklärte, das ausfallende Verhalten seines Kapitäns sei ja “schon viel besser geworden”.
Besagter Kapitän heißt Mark van Bommel fällt jetzt erst einmal vier Wochen mit Zehenbruch aus, putzigerweise nach einem mißglückten Versuch, seinen Gegenspieler von hinten umzutreten. Die Zwangspause spart ihm mindesten 200 Minuspunkte bei EasyCredit. Mag ja sein, dass er mit seiner Spielweise die anderen Spieler mitreißen möchte, aber er wirkt vor allem umreißend. Frank Baumann war viele Jahre Käptn von Bremen und machte das auch ohne Meckern, Schubsen, Boxen recht gut. Jetzt ist Frank nicht mehr da, und meine optimistische Prognose für die Bremer angesichts des Fünfnull gegen Union könnte sich als verfrüht erweisen, obwohl die Frankfurter mich nicht überrascht haben. Könnte gut sein, dass der Club gleich noch einmal verliert.
Van Gaal ist jetzt gewungen, Timoschtschuk zu bringen. Ob der brav den Lückenbüßer gibt, wenn van Bommel wieder fit ist? Oder spielt er sich mit 300 Minuspunkte gleich in die Herzen der Bayern-Fans?
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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