Gruppe D – Jogis Kindergarten bittet zum Tanz »
Köhler und Koch geben den Amtslöffel ab und die Partei der Deutschen Einheit verschmäht Joachim Gauck als Präisdentschaftskandidaten. Der Mohr hat längst schon seine Schuldigkeit getan. Es sind kleine Zeichen des Verfalls, aber in turbulenten Zeiten war die Auswahlmannschaft des DFB immer besonders gut. 1974 war Willy Brandt gut einen Monat vor der WM zurückgetreten, 1990 tobte gerade der Wiedervereinigungswahnsinn durch die Lande, 1954 setzte sich der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Otto John, kurz nach der WM in die DDR ab. Diese junge Mannschaft hat alle Voraussetzungen, um Weltmeister der Herzen nicht nur in Deutschland zu werden. Dass es für den Titel reicht, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.
Serbien ist sicherlich nicht mit der Mannschaft 2006 zu vergleichen, die von Argentinien so brutal vorgeführt wurde. Mannschaften aus dem ehemaligen Jugoslawien verbinden durchweg technische Qualitäten mit großer Zweikampftstärke, der Sieg gegen Bosnien hat es gezeigt.
Australien hat den Qualifikationskontinent gewechselt und sich trotzdem durchgesetzt. Es wird schwierig, gegen sie zu bestehen. Noch so eine Mannschaft ohne große Stars, das liegt nicht nur an den vielen Verletzungen. Erfahrene Trainer machen aus Freizeitfußballern ernsthafte Achtelfinalkandidaten.
Ghana stapelt tief, es kann nicht sein, dass sie so grottenschlecht spielen wie in der Vorbereitung. Sie haben ohne Essien einen tollen Afrika-Cup gespielt und sollten die Vorrunde überstehen.
Serbien – Ghana 1-2
Deutschland – Australien 2-1
Deutschland – Serbien 1-1
Ghana – Australien 1-0
Ghana – Deutschland 1-1
Australien – Serben 2-2
Gruppensieger: Ghana
Gruppenzweiter: Deutschland
Annus horribilis »
Sieht so aus, als wird die Saison 2009/2010 allmählich zum annus horribilis für den Fußball. Erst nahm sich Robert Enke das Leben, dann wurde ein europaweites neues System von Wettbetrügereien entdeckt. Am Wochenende wurde das Nationalteam Togos in Angola überfallen und drei Mitglieder der Delegation wurden ermordet. Der Angriff der Rebellen in der Region Cabinda, die dadurch kurzzeitig so bekannt geworden ist wie New Wembley, muss kein Argument gegen die WM in Südafrika sein. Jeder weiss, dass es innerhalb Afrikas riesige Unterschiede gibt, abgesehen von den Maghrebstaaten gibt es dort wahrscheinlich kein anderes Land, das in der Lage wäre eine WM zu stemmen. Trotzdem ist man natürlich peinlich pikiert, wenn die postkoloniale Gewalt in der heilen Welt des Fußballs einschlägt. Ob eine Absage des Turniers eine kluge Reaktion wäre, wage ich zu bezweifeln. Niemand weiß, wie die angolanische Bevölkerung und die Besucher aus ganz Afrika auf einen solchen Schritt reagieren würden. Wenn Tausende von enttäuschten Fans anfangen zu randalieren, erhöht sich das Risiko für weitere Tote. Es wäre eher zu wünschen, dass die Veranstalter eine würdige Form der Trauer finden mögen. Und ich hoffe auch, die Ausrüster von Drogba und den anderen Weltstars in Gruppe B verzichten darauf, die Regierung von Togo in Regress zu nehmen, weil ihre Klienten jetzt ein Vorrundenspiel weniger haben, und sich dadurch die Chancen, Torschützenkönig zu werden entsprechend reduzieren. Es wäre naheliegend, bei den hohen Investitionskosten für das Produkt – ich meine jetzt den Schuh – eine Kompensation für eine derartige Wettbewerbsverzwerrung zu fordern. Eine schöne humanitäre Geste, wenn sie es nicht tun.
Die nächste Unbill steht in Gestalt des üppigen Winters bereits ins Haus. Schalke gegen Nürnberg kann in der Hallenarena am Sonntag sicherlich stattfinden, aber wenn es bis Ende Februar wie progonostiziert kalt und schneereich bleibt, wird es sicherlich zu Spielabsagen kommen. Und mit der Relegation und dem CL-Finale am Samstag fehlen in dieser prall gefüllten Saison bereits zwei mögliche Spieltage. Einmal in dreißig Jahren verkürzt man die Winterpause, und dann macht Crazy Daisy alles zunichte. Bei den durchspielenden Engländer, die immer als Vorbilder für die deutschen Warmduscher genannt werden, fielen am Wochenende sieben von zehn Spielen aus. Dass der Terminkalender bis zum Anschlag ausgereizt ist, ist schon längst bekannt. Weder diese Tatsache, noch die verschiedenen Herztoten der letzten Jahre hindern daran, eine Klub-WM und zahlreiche Hallenturniere durchzuführen. Immer feste druff.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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