Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Hannover macht Spass »

In dieser Woche jährt sich der Todestag von Robert Enke zum zweiten Mal. Man kann nur darüber spekulieren, ob es Ralf Rangnick (Burnout) und Christian Stoll (schwere Depression), dem Stadionsprecher von Werder Bremen und DFB leichter gefallen ist, ihre Situation öffentlich zu machen, weil Enkes Witwe Teresa und die Stiftung konsequent für mehr Akzeptanz von psychischen Erkrankungen arbeiten. Natürlich bekommt der Tod Enkes auch dadurch nachträglich keinen Sinn, vielmehr ist es wie meist erst die Katatrophe, die zum Umdenken zwingt.

Hannover 96 ist neben Gladbach und den unbedarft daherbolzenden Jüngern Pizarros die dritte positive Überraschung dieser Saison, wobei Gladbach eigentlich keine Überraschung ist. Während sich Freiburg, Mainz und Nürnberg nach Trainer- bzw. Spielerverlusten und massiven Verletzungsproblemen völlig neu sortieren müssen, sind die Roten noch stärker als in der letzten Saison. Und es sieht zwar noch nicht so gut aus wie Lüdenscheid in Galaform, aber mitreissend ist es fast immer. Ob das 2-1 gegen die Bayern, das 2-1 in Kopenhagen oder das 2-2 gegen Schalke. Immer steht eine Truppe wie Pech und Schwefel auf dem Platz. Immer kann die Mannschaft reagieren, Kampf und Herz, Taktik und Kopf ergänzen sich im Moment auf ansehnlichste Art und Weise. Das Schlüsselerlebnis war sicherlich die Qualifikation gegen Sevilla, eine kleine Meisterleistung.

Mit Pander haben sie den gefährlichsten Linksfuss der Liga, mit Schlaudraff den Mann mit dem raffiniertesten Außenrist seit Beckenbauer. Dazu Kämpfer wie Pinto und Cherundulo sowie Dauerläufer wie Schmiedebach und Stindl. Bis auf Zieler, Schlaudraff und Ya Konnan ist Hannover ein Team ohne Stars, das von Slomka optimal eingestellt ist. Sogar die schlechte Laune wegen Durststrecke von Torjäger Ya Konnan steckt man souverän weg, ist dadurch sogar noch schwerer auszurechnen. Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass solides Wirtschaften und kluge Transferpolitik jetzt auch mit langfristigem Erfolg belohnt werden.

Dass man im Pokal gescheitert ist, mag im Hinblick auf die europäische Qualifikation ärgerlich sein, allerdings reicht ja jetzt auch Platz vier zur CL-Quali. Und Hannover hat noch Luft nach oben. Nachdem Titel gewinnt, wer Spiele dreht, traue ich den 96ern den Weg ins Finale der Europa League durchaus. Wenn dort Schalke der Gegner wäre, wüßte ich gerade nicht, wem ich den Titel mehr gönnen würde.

Habe nun acht… »

…Spieltage gesehen, und nach einem knappen Viertel der Saison ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Teil Zwei folgt dann am Donnerstag.

Bayern München: Die Mannschaft tut alles, um die Frage offen zu lassen, ob Manuel Neuer auch in München Spiele gewinnen kann. Die Viererkette ist besser als im Vorjahr. Hätte das zweite Gegentor nach dem zweiten Neuer-Patzer in Wolfsburg gegolten, hätte Manchester City seine beiden Elfmeter bekommen, wäre nicht alles Heynckes, Freude, Eierkuchen. Meister wird die Mannschaft, die Rückstände dreht. Die Bewährungsproben kommen noch. Größte Überraschung: Kokspetze Hoeneß entdeckt plötzlich, dass es einen Rechtsstaat gibt. Wichtigste Frage: Wird Robben, wenn er weiter mault, an van Gaal ausgeliehen?

Werder Bremen: Endlich wieder Werder-Fußball, wie wir ihn schätzen. Mertesackers Weggang wurde kompensiert, Arnautovic trotz Roter Karte resozialisiert, Defensive mit Offensive austariert. Ohne lästige Demütigungen in der Champions League hat Werder in der Bundesliga noch Luft nach oben. Größte Überraschung: Fritz ist ein guter Kapitän. Wichtigste Frage: Bleibt Pizarro gesund?

Borussia Mönchengladbach: Wie schon am Ende der Saison an dieser Stelle erwartet, spielen die Gladbacher nach der erfolgreichen Relegation eine sagenhafte Saison. Mit ter Stegen haben sie den besten Torwart der Liga (Bayern-Scouts aufgepaßt). Favre hat die schlummernden Potenziale geweckt. Eberl ist  über Nacht vom Krisenmax zum Visionär gereift. Größte Überraschung: Mike Hanke ist ein Leistungsträger, schießt keine Tore und hält trotzdem die Klappe. Wichtigste Frage: Reicht es für Platz vier?

Schalke 04: Huub, Huub hurra. Rangnick hat enormen Mut bewiesen, jetzt ist es für Schalke besser gekommen, als man hoffen durfte. Stevens redet kokett von Platz zwei, aber trotz aller Verehrung der alten Helden mal ehrlich: Der Sturm mit Huntelaar und Raul ist eigentlich sogar noch ein bißchen stärker als der mit Sand und Mpenza. Größte Überraschung: Jermaine Jones ist wieder mit dabei und hat eine Frisur gefunden, die zu seinen Tattoos paßt. Wichtigste Frage: Wie bringt Stevens Fährmann in die Spur?

Hannover 96: Der Slomka-Express rollt weiter. Weniger abhängig von Ya Konnan, mit dem Schnäppchen des Jahrzehnts Pander als brandgefährlichem Überraschungsgast auf links. Wer Bremen 3-1 besiegt und dafür vom kicker die Spielnote 1,5 erhält, darf sich auf eine weitere große Saison freuen. Größte Überraschung: Kein Einbruch wegen der Europa-League, schon die Spiele gegen Sevilla waren erste Sahne. Wichtigste Frage: Wann bringt Jörg Schmadtke die Kunst des Inneren Lächelns endlich als Yoga-DVD raus?

Borussia Dortmund: Trotz des Verlusts von Sahin und der Verletzung von Barrios wirkt der Kader wieder sehr kompakt. Kleine Abnutzungserscheinungen sind vertretbar. Mit Perisic wurde wieder sehr gut eingekauft. Die Lüdenscheider brauchen noch ein wenig Anlaufzeit, dann werden sie noch weiter nach vorne kommen. Größte Überraschung: Der Punkt gegen Arsenal. Wichtigste Frage: Ob sie wenigstens ein Spiel in der Champions League gewinnen werden?

VfB Stuttgart: Das sieht jedenfalls nicht nach Horror-Hinrunde aus. Heimlich, still und leise malochen sich die Schwaben nach vorne. Und der notorische Überflieger Labbadia beweist nach der guten Rückrunde erneut Steherqualitäten. Mit den wiedergenesenen Bremern und den Schalkern mit Stevens wird ein internationaler Platz trotzdem schwer. Größte Überraschung: Boulahrouz ist in der Form seines Lebens. Wichtigste Frage: Wird Cacau fit?

1899 Hoffenheim: Stanislawskis guter Einstand zeigt, dass Provinz und Kiez im Grunde wesensverwandt sind. Eine gewisse Heimeligkeit sind beiden nicht abzusprechen. Trotz des Punktgewinns gegen Bayern an diesem Wochenende ist Hoffenheim vier Plätze zurückgefallen. Es ist eng im oberen Drittel. Größte Überraschung: Andi Beck hat seinen Vertrag verlängert. Wichtigste Frage: Wen wird Dietmar Hopp in dieser Winterpause heimlich verkaufen?

Bayer Leverkusen: Anders als die Schönspieler von der Säbener Straße hat Leverkusen die ersten Rückschläge (Pokal, CL, Schönspieler von der Säbener Straße) bereits verdaut. Dutt erweist sich als ebenso lernwillig und teamfähig wie Ballack. Dass Rangnick in der Lage war, offen über seine Schwäche zu reden und das Handtuch vor dem totalen Zusammenbruch schmeißen, verdankt die Liga wie so vieles andere übrigens Ballack. Er hat es geschafft, ein Weltklassespieler zu sein, und dabei dem Scheitern nicht auszuweichen. Größte Überraschung: Die Entschlossenheit, sich nach oben durchzukämpfen. Wichtigste Frage: Ballack wird seine Kritiker eines Besseren belehren. Aber wie?

Im November 2011 erscheint “Kleine Biester”, der neue Kriminalroman von Rob Alef.

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Da waren’s nur noch neun »

Gestern ist der Vorsprung der Dortmunder auf Platz zwei zum ersten Mal seit dem 14. Spieltag wieder in den einstelligen Bereich gerutscht. Neun Punkte, acht Spieltage, 18 Tore Vorsprung, ob das noch einmal eng wird? 24 Punkte sind noch zu vergeben. Wenn Bayer alles gewinnt, darf Dortmund nicht mehr als 14 Punkte holen, also vier Siege und zwei Unentschieden in den letzten acht Spielen. Oder Dortmund verliert nur noch und Bayer reichen drei Siege und ein Unentschieden. Beides klingt unwahrscheinlich, aber was ist in dieser Saison schon wahrscheinlich?

Gegen Bayer spricht der Status des ewigen Vizekusen, den sie gegen Villareal mal wieder aufs Schmerzlichste bestätigt haben. Aber unter Heynckes hat Bayer auch das späte Siegen gelernt, Mainz ist dafür ein gutes Beispiel. Sie sind nervenstärker geworden. Seit Watzke nach dem 3-1 in München erstmalig offen von der Meisterschaft sprach, hat der BVB etwas zu verlieren, sollte er Zweiter werden. Bisher war die Rolle des Gejagten sehr abstrakt, oszillierte der Punktevorsprung doch stets zwischen zehn und zwölf Zählern. Jetzt kommen am nächsten Wochenende die Mainzer, mit neun Auswärtssiegen drittstärkste Mannschaft auf Gegners Platz. Wahrscheinlich muss danach ein neuer Rasen verlegt werden, weil die gelben-schwarzen Duracell-Häschen gemeinsam mit den Mainzelmännchen auf Speed das zarte Frühlingsgrün in Grund und Boden laufen werden. Verlöre Dortmund zu Hause, könnte Bayer sogar ein Punkt gegen Königsblau näher an die Spitze bringen.

Apropos Schalke. Das klärende Gespräch unter Männern zwischen Magath und Tönnies musste wegen Erkältung des SelbstHautdarstellers am Wochenende entfallen, jetzt kommt es am Mittwoch zum Showdown. Bevor sie ihren Quälix vom Hof jagen, könnte ein klärendes Telefonat unter Männern mit den Verantwortlichen in Hamburg vielleicht die Gemüter abkühlen. Beim HSV erfährt man Tag für Tag, wie es sich anfühlt, wenn man sportliche Kompetenz vom Hof jagt, ohne einen Plan B zu haben. Der Dino hat neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, in diesem Fall wären acht Niederlagen am Stück keine große Überraschung. Hansosaurus Rex: kleines Gehirn, langsame Reaktionszeiten, falsche Ernährung – den Rest besorgte die Evolution.

Schalke hat immerhin Heldt in der Hinterhand, aber mittlerweile weiß man, dass Slomka und Rangnick zu schnell entlassen wurden, und auch Heldt kann keinen Meistergaranten aus dem Hut zaubern. Vielleicht sollte man wenigstens die CL-Auslosung noch abwarten. Wenn Schalke Barca oder Manchester United zugelost bekommt und dann mit dem neuen Coach rausfliegt, kann der eigentlich gleich wieder seine Sachen packen. Wie gesagt, eine Entlassung von Magath wäre in meinen Augen völlig verrückt, jetzt hat sogar Charisteas getroffen. Wahrscheinlich trifft Karimi gegen die Bayern, wenn Magath ihn noch einwechseln darf.

Nach der Niederlage der Dortmunder ist Nürnberg das beste Rückrundenteam. Der Sieg in Wolfsburg war glücklich, aber die torgefährliche Defensive ist ein Pfund in dieser Saison. Wollscheid, Wolf, Pinola und jetzt Nilsson, alle mit wichtigen Toren. Gegen Bremen könnte das Saisonziel 44 Punkte erreicht werden. Und dann? Platz drei ist nur fünf Punkte weg. Und gegen Bayern, Mainz, Dortmund und Hannover spielt der Club noch.

In der Borussenhölle »

Arme Gladbacher. Eigentlich haben sie alles richtig gemacht. Ein Trainer, der zu ihnen passt (Frontzeck), ein Manager mit Realitätssinn (Eberl), ein Präsidium, das sich aus dem Tagesgeschäft merklich raushält (König et al.) und eine Legende mit Fußballsachverstand (Bonhof). Die Mannschaft gut strukturiert mit erfahrenen Alten (Brouwers) und talentierten Jungen (Reus). Der totale Absturz ist so wenig zu erklären wie Nürnbergs Niedergang nach dem Pokalsieg oder Hannovers annus horribilis in der letzten Saison. Scheiße am Schuh, heißt das wohl, sehr viel mehr läßt sich auch nicht sagen. Das scheinen auch die Fans zu wissen, die auf die üblichen Frontzeck-Raus-Rituale bisher verzichtet haben. Nachdem der Relegationsplatz nur fünf Punkte weg ist, sollte man die Nerven behalten und auf besseres Karma in 2011 hoffen. Das erscheint langfristig besser als die Kapriolen, die Stuttgart mit seinem Manager Bobic gerade schlägt. Bei Hannover hat es mit dem stets umstrittenen Slomka auch noch gereicht und siehe da, das Warten hat sich gelohnt.

Saisonrückblick: Die Nachlese zum Nachlesen »

Bayern ist ein verdienter und würdiger Meister. Van Gaal holte Rensing aus dem Tor und machte auch danach fast alles richtig. Nebenbei bemerkt eine ähnliche Situation wie bei Klewer und Blazek bei Nürnberg nach dem Pokalgewinn. Damals überging Meyer die heimliche Nummer Eins Klewer und die Mannschaft fand nicht zusammen. Rensing durfte spielen, er patzte, er wurde abgelöst, und Butt konnte ohne Dauerkritiker allmählich zu einem sicheren Rückhalt werden.

Schalke ist wieder da. Spielerisch kann man noch einiges verbessern, 53 Tore sind schon ziemlich mager, 3-3 gegen Hamburg, 3-1 gegen Gladbach, 3-0 gegen Bochum und 4-1 in Frankfurt, sonst nie mehr als zwei Tore, davon sechsmal ohne eigenes Tor. Aber sie haben die CL ohne Pander und Jones erreicht, und ohne ein einziges Mal darüber zu jammern. Aber in Bremen wurde Magath ja auch nicht gleich Meister.

Bremen zeigt dem HSV wie man kaufmännisches Geschick mit sportlichem Erfolg verbindet. Am meisten erstaunt hat mich am Ende der couragierte Fritz. Man konnte sehen, warum er einst Nationalspieler war. Und natürlich spielten sie phasenweise wieder am schönsten. Hoffen wir, dass Özil seine Sinnkrise endgültig abgeschlossen hat, im Pokal-Finale brilliert und bei der WM konstant spielt. Einen wie ihn könnten die Schalker übrigens gut brauchen, Magath hätte ihn wohl für unverkäuflich erklärt.

Bayer Leverkusen verabschiedet heute Abend den genialen Bernd Schneider. Er ist einer von hundert Gründen, warum das Gerede von der Retortenmannschaft endlich verschwunden ist. Wie bei Schalke wurde auch hier erfolgreich ein Stabilisierungsprozess eingeleitet. Ich sage jetzt nicht, dass Bayer demnächt Meister wird, aber diese Mannschaft hat noch gewaltig Luft nach oben – und einen Trainer, der zu ihr paßt.

Borussia Dortmund, auch die ein echter Aufsteiger. Klopps Vertrauen in die Jugend zahlt sich aus. Zorc hatte einen Lauf bei seinen Transfers, an erster Stelle Barrios. Wenn Kehl noch einmal ganz gesund wird, kann es auch für mehr reichen. Schade, dass der Defensivstratege nie mehr richtig wieder auf die Beine gekommen ist.

Der VfB Stuttgart im Jahr eins nach Gomez kann zufrieden sein. Sie hätten auch unter Gross nicht zwei solche Halbserien gespielt, niemand macht das, Leverkusen, die Ungeschlagenen lange Zeit, auch nicht. Aber auch hier frage ich mich, ob das schon das Ende der Fahnenstange ist. Der VfB produziert reihenweise Nachwuchstalente, Gross ist ein umsichtiger Mann und Heldt hat in seinen jungen Jahren schon viel erreicht als Manager. Neben Stuttgart sehe ich oben auch Schalke und Leverkusen als die Mannschaften, die ihr Potenzial optimal ausschöpften, Bremen blieb dahinter zurück, Bayern und Dortmund spielten über dem Limit.

Der HSV ist neben den Absteigern sicherlich der größte Verlierer der Saison. Im kicker habe ich im Abschiedstext zu Bernd Schneider gerade gelesen, dass Labbadia ihn letztes Jahr im Pokalfinale neunzig Minuten hat schmoren lassen. Das ist extrem instinktlos und ein weiteres Indiz dafür, dass dem großen Motivator Labbadia ein Sinn für Spielerseelen fehlt, den selbst Leute wie Weisweiler, Happel und Magath haben/hatten, die nicht unbedingt Kumpeltypen sind/waren. Die Meisterschaft war illusorisch, aber wie Europa League und Pokal abgeschenkt wurden, war schon extrem arm. Daran konnte auch Ausnahmespieler van Niestelrooy nichts ändern.

Wolfsburg hat die Meisterschaft erstaunlich gut verkraftet. Was auch an der mutigen Entscheidung lag, Köstner zum Chef zu machen. Es war kein Glanz auf dieser Saison, Dzeko war zu sehr Einzelkämpfer. Dadurch dass mit Leverkusen, Schalke und Dortmund gleich drei Hinterbänkler durchstarteten, war Europa zu weit weg.

Mainz hat eine überragende Saison gespielt. Van Gaal hin, Magath her, Thomas Tuchel ist Trainer der Jahres. Als Neuling mit einem Aufsteiger taktisch so ausgefuchst zu agieren, Favoriten zu Hause reihenweise aufs Kreuz zu legen und dann noch ahnsehnlichen Fußball mit Herz und Hirn zu spielen, ist sensationell. Eine echte Bereicherung, alles andere als ein niedlicher Exot, dieser Karnevalsverein.

Eintracht Frankfurt unter Skibbe hat sich ebenfalls erstaunlich entwickelt. Rein punktemäßig war es nicht viel besser als in den letzten Jahren, aber es sieht schon anders aus. Besonders gefallen hat mir Köhler, solche Haken hat in der Liga zuletzt Mehmet Scholl geschlagen. Ohne Verletztenseuche könnten es demnächst sogar 47 Punkte oder mehr werden.

Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das Schwerste, so auch für Hoffenheim. Allerdings kämpfte die TSG von Anfang an gegen die irrsinnigen Erwartungen. Ibisevic erzielte nach seinem Kreuzbandriß 12 Tore und wird jetzt mehr oder weniger als Versager abgestempelt. In der Hinrunde war Hoffenheim Siebter. Ich hoffe, Rangnick kriegt die Kurve und kann in Ruhe weiterarbeiten.

Gladbach, noch ein Gewinner der Saison. Endlich ein Trainer, der paßt, endlich spielen sie ab und zu wenigstens schönen Fußball. Eine No-Name-Truppe hat einem großen Verein eine Menge Anerkennung zurück gebracht. Und Dante hat bei mir schon wegen seiner Frisur einen Stein im Brett. Schade, dass Neuville so wenig spielen konnte. Löw würde sagen: In unserem Frisurenprofil ergänzt er sich nicht optimal mit Dante.

Köln im ersten Jahr nach Daum und im ersten Jahr mit Podolski durchwachsen, also im Rahmen seiner Möglichkeiten. Auch hier eine Riesenkluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Köln ist immer noch eine potenzielle Fahrstuhlmannschaft, es wird noch ein Weilchen dauern, bis der ambitonierte Präsident Overath zufrieden ist. Dass Soldo ein Jahr Klüngel überstanden hat, ohne geistig Schaden zu nehmen, spricht für ihn.

Freiburg behält die Nerven, behält den Trainer und hält die Liga. Für keinen waren die Fußstapfen des Vorgängers so groß wie für Robin Dutt, er hat die Herausforderung bestanden. Dieses Freiburger Team ist noch keine Kultmannschaft wie das große Team mit Cardoso, Heinrich, Schmadtke, noch keine Breisgau-Brasilianer. Sie werden immer gegen den Abstieg spielen, und ab und zu einen Etablierten hinter sich lassen.

Hannover: Ende gut, aber nicht alles gut. Der Tod von Robert Enke bleibt die große Katatrophe dieser Spielzeit. Rechtzeitig kehrten Kampfgeist und Spielfreude zurück, es freut mich, dass 96 der Gang in die Zweite Liga erspart bleibt. Auch für Slomka, der auf Schalke unter Wert verabschiedet wurde. Wenn Hanke so weiter trifft, waren die letzten beiden Spiele der Auftakt zu einer wunderbaren neuen Saison.

Der Club macht es wieder einmal spannend. Sollte die Relegation erfolgreich sein, könnte man das sportliche Modell perfektionieren. 10 Leihspieler, 10 Juniorennationalspieler, Schäfer, Wolf, Pinola, fertig ist der Klassenerhalt. Bader hat gezockt und bis jetzt noch nicht verloren, aber nächstes Jahr bitteschön vielleicht noch ein paar mehr Spieler jenseits der 25 mit mehrjährigen Verträgen. Und eine faire Chance für Mintal.

Auf Wiedersehen, VfL Bochum. Selbst die vier Trainer, selbst das 1-0 in Nürnberg hat nicht gereicht. Wer im Endspiel zu Hause so auftritt, der muss sich mindestens ein Jahr lang im Stahlbad Zweite Liga regenerieren. Vielleicht hätte man Koller nicht feuern sollen, was hilft es dem gemeinen Fan, dass Wosz Kult ist und die letzten beiden Spiele so ausgehen.

Last and least – der Problembär aus Berlin. Nicht Hoeneß, sondern Gegenbauer ist der Verantwortliche für das Desaster. Und angesichts der Tatsache, dass es keinerlei Opposition gegen ihn gibt, ist auch in Liga Zwei wenig Gutes zu erwarten. Es war klar, dass nach der Überfliegersaison ein Krisenjahr kommt. Und anstatt den erfahrenen Krisenmanager Hoeneß in Würde zu verabschieden, legt man das Schicksal in die Hände eines Trainers, der das Team gerade mal zwei Jahre betreut hatte. Und der arme Preetz – sympathisch, unerfahren, überfordert – wußte nicht, wie ihm geschieht.