Die Fehler im Erfolg »
Letzte Woche war zu lesen, der Club lasse sich Zeit mit einem neuen Vertrag für Andy Wolf, heute schreibt der kicker über den bevorstehenden Abschied von Mintal am Saisonende. Die beiden sind neben Pinola und Schäfer zwei der vier Pokalsieger von 2007. Im Anschluß nach dem Titel ging Schäfer – lange geplant – zum VfB Stuttgart, der Club stieg ab. Schäfer kam zurück, weil er in Schwaben im falschen Film war, der Club stieg auf und spielt heute neben Dortmund und Mainz den schönsten Fußball der Liga. Pinola wollte gehen und die fränkischen Sozialromantiker starteten eine einmalige Solidaritätsaktion, Pinola blieb. Als er in der Hinrunde gesperrt war, verlor der Club dreimal in Serie. Trotz Gündogan und Schieber ist Pinola bisher mein Spieler der Saison.
Der Club sollte alles tun, um Wolf und Mintal zu halten. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil sie für das Gefüge und die Dynamik der Mannschaft unerläßlich sind. Mintal ist zwar nicht so schnell wie die jungen Hüpfer, Wolf ist technisch nicht so gut wie Wollscheid oder Maroh, aber keiner weiß, wer von den Jungen bleibt und wie lange ihre absehbaren Durchhänger dauern werden. Und wenn sie bleiben, brauchen sie noch ein paar Jahre, um so stabil zu werden wie glorreichen Vier. Wolf spielt seine beste Saison, ist torgefährlich wie nie und Mintal hat weder das Toreschießen noch das Lückenfinden verlernt. Wie Podolski ist er ein Guter-Laune-Fußballer. Wenn Hecking ihm die vermitteln kann, wird er auch wieder knipsen, egal wieviel er läuft. Bevor er sich in der Zweiten Liga die Ochsentour antut, sollte Mintal den Entwicklungszyklus der nächsten beiden Jahren lieber in Nürnberg mitmachen.
Apropos Fehler im Erfolg. Gestern dachte ich, die Jecken machen Überstunden, als ich das in der WAZ über Magath gelesen habe. Aber offenbar reißt die Schalker Geschäftsführung gerade mit dem Arsch wieder ein, was sie in den letzten knapp zwei Jahren aufgebaut hat. Was wollen die eigentlich? Eine Bundesligatorfabrik ohne Abwehr? Schalke hat 29 Tore geschossen, Stuttgart 43 und steht auf einem Abstiegsplatz. Und was ist der Maßstab für eine Mannschaft im Umbruch? Das Kasperletheater beim HSV? Die kapriziösen Bayern? Die wackeligen Bremer? Die ausgebrannten Wolfsburger? Leverkusen arbeitet seit Jahren im obersten Bereich der Seriosität und ist von Schalke so weit weg wie Omas Sparstrumpf von der Bayerischen Landesbank. Und für Dortmund wird das Jahr nach dem Rausch der Maßstab sein, was richtige Entscheidungen angeht.
Schalke steht im Pokalfinale und hat in diesem Wettbewerb gegen Nürnberg und Bayern richtig gute Spiele gemacht. In der CL waren sie zu Hause sowieso erste Sahne und auch wenn sie in der Liga immer wieder zum Abgewöhnen spielen, eine Mannschaft ist im Entstehen, das ist deutlich zu sehen. Magath hat tatsächlich den göttlichen Raul nach Gelsenkirchen-Buer gelockt, nach Ebbe Sand spielt wieder ein ganz Großer der Zunft in Königsblau. Und wie er spielt. Was für ein Coup. Ablösefrei. Zinédine Zidane in Osnabrück. Mit Papadopolous, Gavranovic und Escudero tummeln sich schon die nächsten hoffnngsvollen Talente auf der großen Bühne, Kluge war ein Super-Transfer, Jefferson “Airplane” Farfan wird langsam Weltklasse. Muss man sich da über Charisteas und Karimi und Magaths knorrigen Humor streiten? Schalke braucht jetzt noch zehn Punkte aus neun Spielen, um sicher die Liga zu halten und hat alle Möglichkeiten, die Saison zu veredeln. Ich bin mir sicher, in der nächsten Transferperiode bleibt die Mannschaft im Kern zusammen. Wenn Magath bleibt. Aber Magath muss bleiben.
Die Zahnfee auf Bewährung räumt ab »
Der fast wortgetreue Live-Tweet vom Mittwoch Abend.
5. Min. Schalke gegen Lyon ist bereits im vollen Gange. Hallo und herzlich willkommen zum Champions-League Live -Tweet.
9. S04 schon mit mehr schönen Offensivaktionen als in der ganzen letzten Saison. Aber noch nicht konsequent genug zu Ende gespielt.
13. Und da ist es schon passiert. Raul wuselt sich im Strafraum an zwei Leuten vorbei, steckt irgendwie auf Farfan durch,
1-0 für S04.
16. Bisher alles über rechts bei S04, aber bisher noch keine richtig gute Flanke. Mit Kluge über links wird es wohl nicht
sehr offensiv.
20. 2-0. Ich nehme alles zurück, Kluge mit genialer Vorarbeit für Huntelaar, 2-0 für S04. Lyon erlebt ein Wunder in
Königsblau.
24. Weiterhin ein sehr lebendiges Fußballspiel. Lyon nicht in Schockstarre, aber auch ohne echte Geistesblitze gegen die
Schalker Abwehr.
28. Raul spaziert durch den Strafraum von Lyon wie Terminator 2 durch Gitterstäbe. Nicht zu fassen, nicht zu stoppen. S04
richtig gut.
30. Ups, Gelb gegen Farfan, und das ist korrekt, er springt vor Lloris ab. Der Peruaner fehlt S04 gegen Lissabon.
33. Ich denke, die Gelbe Karte geht in Ordnung, er springt ab, und spekuliert auf Elfer und Rot für den Goalie.
34. Hoffentlich ist S04 nicht so unbedarft wie die Bayern. Die hatten gestern auch schon ein 2-0.
37. Lisandro Lopez holt über links eine Ecke raus. Neuer hat den Ball.
38. Farfan sollte sich jetzt bloß nicht auf Scharmützel mit dem Schiri einlassen. Mit zehn Mann wäre es schwer für S04.
40. Lyon wird über links stärker, aber die Bälle kommen (noch) nicht nach innen. Aufpassen, S04.
43. Magath ruft vorsichtshalber zur Ordnung, aber er kann sehr zufrieden sein mit S04. Auch Jones spielt sehr ordentlich.
45. Jurado geht ab durch die Mitte, aber er läuft sich fest. 1 Minute Nachspielzeit, 2-0 für S04.
Halbzeit. Lyon wird kommen, S04 muss die ersten 20 Minuten nach der Pause überstehen. Glückauf.
46. Und weiter geht’s. Lyon bringt den neuen offensiven Gomis, Schalke muss noch 45 Minuten dagegen halten.
50. Schalke spielt gut gegen den Ball, sehr laufstark, der Ballführende bei Lyon fast immer gedoppelt.
53. Der Reporter bei Sat 1 nennt Jones “die Super-Nanny im defensiven Mittelfeld”. Mich erinnert er an die Zahnfee auf
Bewährung.
54. Schalke stellt sich nicht hinten rein, sondern spielt auf das 3-0. Richtig so.
56. Interessant die ganzen internationalen Tweets, die sich vor allem mit Raul beschäftigen. Plötzlich ist Schalke eine
Weltmarke.
60. Die erste Abwehrreihe von Schalke steht 15 Meter in der Hälfte von Lyon – und holt jetzt eine Ecke heraus.
63. Matip soll kommen bei Schalke. Ist das die Chronik eines angekündigten Kopfalltors nach einer Standardsituation?
65. Jones kriegt Gelb für ein taktisches Foul, und Edu kommt für Farfan.
68. Lyon kommt langsam auf Touren, meistens über links. Matip kommt, und Schalke muss ein bißchen mehr tun.
69. Jurado macht nicht viel falsch, aber ist jetzt auch nicht der Spieler, der dem Spiel seinen Stempel aufdrückt.
70. Matip für Jones. Magath wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn er Jones im Winter abgibt.
72. Lyon mit gefährlicher Flanke von der Grundlinie, in der Mitte aber kein Abnehmer.
75. 2-0 für Tel Aviv, Sababah!
78. Überall Tweets von verzweifelten Werder-Fans und orakelnden Bayern-Fans, die einem erklären, dass ein 2-0 schnell
verspielt ist.
80. Toulalan senst Jurado um, kriegt ein gnädiges Gelb.
83. Werder jetzt 0-3 in Tottenham, Ohjehmineh. Schalke geht weiter zielstrebig Richtung Achtelfinale.
88. Manni Breuckmann würde jetzt sagen: Der Drops ist gelutscht.
89. 3-0! Huntelaar serviert den Nachtisch. Ein zum Lupfer abgefälschter Schuß. Schalke, voll Laser wie du abgehst.
Schlusspfiff. Und die Null steht. Schalke schlägt Lyon 3-0. Farfan sagte im kicker, die Krise sei vorbei. Weiter so, S04.
Gute Nacht an alle Fußballfans und stellt ein Kerzlein ins Fenster für Thomas Schaaf. Er sollte die Kurve kriegen dürfen.
Fehlende Nachwuchsarbeit beim Club »
Während alles mit wachsender Vorfreude gen Südafrika blickt, vollzieht sich so ganz nebenbei, quasi “im Rücken der Akteure” (Marx) die Vorbereitung für die neue Saison. Der Club beginnt zum Beispiel am 3. Juli mit dem Training, an diesem Sonntag finden die letzten beiden Viertelfinalspiele statt.
Bernd Altmann aus Erlangen hat in einem Leserbrief an den kicker am 25. Mai die Leihspielerstrategie beim Club und die mangelnde Nachwuchsarbeit kritisiert. Am Donnerstag darauf gab es eine Übersicht zu den Transfers in der Dritten Liga, und gleich drei Spieler werden den Club verlassen: Trettenbach von den A-Junioren und Valentini aus der Zweiten gehen zu Aalen, Kulabas geht zu Heidenheim. Kulabas ist mit den Amateuren in der Regionalliga hinter Aufsteiger Saarbrücken Zweiter geworden und hat in 30 Spielen 15 Tore geschossen. Pagenburg, der nie eine echte Chance bekommen hat, soll bei Erfurt mittlerweile wieder abgegeben werden, Reinhardt, der eine wirklich gute Pokalsaison gespielt hat, wurde danach ausgebootet und mittlerweile nach Augsburg abgeschoben, Engelhardt vegetiert beim KSC vor sich hin.
Wenn Kießling zu Leverkusen geht, Cacau zu Stuttgart, Kluge zu Schalke, weil sie dort bessere Perspektiven haben oder mehr verdienen, kann der Club nichts machen. Schäfers Rückkehr ist insofern ein absoluter Glücksfall. Aber die selbst ausgebildeten Leute an unterklassige Vereine weiterzureichen ergibt keinen Sinn. Nachwuchsarbeit ist die einzige langfristige Perspektive, auch wenn Leute wie Schieber oder Okotie sicherlich interessant sind, und Bader mit Frantz, Gündogan und Diekmeier sein altes Händchen wieder gefunden hat.
Wir sind alle Manager – Die Saisonbilanz »
Bundesliga Classic: Mit Rang 117.394 von 164.097 und -37 Punkten konnte meine Schnäppchentruppe mit lauter Spielern für 1 Million oder billiger locker die Klasse halten und erreichte einen schlechten 13. Platz. Schwegler brachte 31 und Banovic 20 Punkte, Neuville, der kaum spielen durfte, immerhin zwei. Wenig überzeugend war Nordtveit mit -52: Ausländer, Jugendspieler und erste Saison, das war doch ziemlich riskant. Ein Freund von mir und durchaus profunder Kenner der Materie erreichte in der Classic-Variante einen hervorragenden Platz 2203 mit folgender Aufstellung: Mondragon – Hyppiä, Compper, Riether – Banovic, Salihovic, Özil, Gunkel, Vidal – Kießling, Idrissou – Ersatz: Kessler, Schmiedebach, Gündogan, Petreski. Wenn er nicht seinen Hoffenheimer Sentimentalitäten gefolgt wäre, hätte er mit 326 Punkten und 34 Punkten Rückstand auf Platz 1 vermutlich gewonnen.
Bundesliga Interactive: Nachdem ich am 3. Spieltag schon mal auf Platz 130.954 rumhing, wurde es mit Platz 84.534 von 234.839 letzlich noch ein guter siebter Platz, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich mit dem schwankenden Gündogan, dem auf Schalke verschollenenen Kluge und dem Taktikopfer Mintal gleich drei Spieler des Relegationschampions dabei hatte, die mit 12, 51 und -29 Punkten nicht gerade zu den Volltreffern gehörten. Bester Spieler ist Kevin Kuranyi mit hervorragenden 184 Punkten gefolgt von Hyppiä (170) und Heinz Müller (152), den ich in der Rückrunde für Schäfer geholt hatte. Raffael (91), Brouwers (99, nur Rückrunde), Reinartz (74), Schwegler (87) und Meier (77) konnten erfreuen, weniger dagegen Westermann (50), Ibertsberger (21) und Colautti (11). Im Grunde hat mich die Clubberersentimentalität eine bessere Platzierung gekostet, aber Ebbe Sand war bis zu seiner letzten Saison dabei. Man läßt seine Helden nicht für ein paar Punkte außen vor. Sie sollen gefälligst gut spielen.
Zweite Liga Classic: Mit Platz 37.233 von 38.458 war der Abstieg nicht mehr zu vermeiden, ich bin quasi Tabellenletzter geworden. Hier hat es mit der Billigvariante von 0,5 Millionen und weniger nicht gereicht. Nöthe von Fürth brachte immerhin 32, die von Geißler (-32) aber sofort vertilgt wurden. Casper (-27) und viele andere mehr sorgten für satte -65, der Schlechteste von allen hat -92.
Zweite Liga Interactive: Platz 24.705 von 48.245 bedeutete einen sehr guten 10. Platz. Mit Sippel, Anderson, Amedick, Angelov, Mattuschka und Naki hatte ich gleich drei Spieler mit mehr als 100 Punkten, allerdings waren sie nicht immer alle in der Startaufstellung, vier Spieler haben Null Punkte, Frank Lehmann, der Torwart von Cottbus -2. Lauth kam leider nur mit 30 Punkten ins Ziel. Nachdem ich in der Rückrunde aus Zeitgründen kaum mehr aktiv gemanagt habe, habe ich sicherlich einige Plätze verschenkt.
Dritte Liga Classic: Beinahe hätte es zum letzten Platz gereicht, aber am Ende war es 23.793 von 23.897. 89 Punkte waren zu viel, der Letzte hatte 10 Punkte, was erstaunlich ist. Die Letzten in der Bundesliga sind gerne im negativen dreistelligen Bereich. Auch hier hat die Billigvariante mit Spielern für lediglich 0.05 Millionen nicht funktioniert. Piossek von Dormund II und Holt von Holstein Kiel mit 46 und 53 Punkten solide, dann noch Rode von Kickers Offenbach mit 20, der Rest mit Null und schlechter.
Dritte Liga Interactive: Platz 10.212 von 27.127 bedeutete nicht nur umgerechnet Platz 8, sondern auch Bestplatzierung in der Saison. Am Ende der Hinrunde war ich auf Platz 18500, danach ging’s bergauf, nicht zuletzt, weil ich im Wintertransferfenster einfach die drei punktbesten Spieler der Hinrunde verpflichtet hatte. Nicht sehr einfallsreich, aber Sattelmaier (Regensburg), Leitl und Hartmann (beide Ingolstadt) sorgten für jeweils mehr als 200 Punkte. Immerhin, meine Kultklubauswahl sah mit Kos, Curri, Hensel und Stark vier Überraschungsaufsteiger aus Aue in ihren Reihen. Dogan, Brinkmann und Danneberg waren bis zum Schluß gut dabei.
Nachdem die Buchstabensuppe im Vorjahr und die Billigvariante dieses Mal nicht die erhofften Spitzenplatzierungen bewirkten, wird das Budget in der nächsten Runde bis zum nächsten Mal bis zum letzten Cent ausgegeben, wenn es sein muss. Und auf große Namen nehme ich auch keine Rücksicht mehr, vor allem Nachnamen.
Wir sind alle Manager (5) – Träumchen wechsel dich »
Der bisherige Saisonverlauf bietet ein sehr gemischtes Bild. Bis auf die Zweite Liga Classic ist keine Mannschaft in akuter Abstiegsgefahr. Erste und Dritte Liga Classic überraschen angesichts des kleinen Etats positiv, die Interactive Mannschaften sollten sich mit den Wintertransfers alle noch steigern können.
Bundesliga Classic
Mit meiner eine-Million-oder-billiger-Truppe gibt es bei -3 Punkten bisher einen soliden Platz 111000, bei 159000 Teilnehmern also etwa Platz 13. Bester Spieltag war Nummer 6 mit 14 Punkten. Banovic war der Topscorer mit 16, Nordtveit und Gündogan (beide Nürnberg) vermasselten mit jeweils -2 ein besseres Ergebnis. Mit Hünemeier, Schwegler und Salz sind drei weitere Spieler dabei, die es in der ersten Mannschaft schon bewiesen haben, Old Man Neuville und Kenia sind leider ein wenig abgetaucht. Eine schwarze Null am Ende der Saison wäre schön. Seid umschlungen, Millionen.
Bundesliga Interactive
Platz 76000 von 229000 bedeutet mit 465 Punkten gerade so Platz 6, angesichts der vielen Clubberer eigentlich ganz ordentlich. Es war aber auch schon 20000 Plätze besser. Topscorer sind Hyppiä und Kuranyi – offenbar eine Saison für Spieler mit y im Namen – enttäuschend für die 3,8 Mios war Trochowski, gefloppt haben Träsch, der noch vor Saisonbeginn verkaufte Sanogo und leider, leider vor allem Mintal. Das Phantom habe ich trotzdem behalten, ebenso Kluge, der in einer funktionierenden Mannschaft auf Schalke noch mehr bringen könnte als bisher 41 Punkte. Ausgetauscht habe ich Raphael Schäfer für Müller von Mainz, der den Bestwert noch vor Adler erzielt hat, spottbillig und außerdem eine echte Bereicherung ist. Sein Auftritt gegen die Bayern war ein Höhepunkt der Hinrunde. Für Träsch ist jetzt das Kopfballungeheuer Brouwers mit dabei. Basale, längst verschüttet geglaubte Gladbach-Sympathie-Reflexe haben dazu beigetragen. Im Mittelfeld ist Banovic aus dem Farmteam Classic aufgestiegen. Ihn hätte der Club nie verkaufen dürfen, mit ihm hält Freiburg vielleicht die Klasse. Im Sturm Pogrebnyak, weil er unter Gross ein anderer Spieler geworden ist, und seine Gala gegen die Bayern kein Zufall gewesen sein kann. Da geht noch was.
Zweite Liga Classic
Schweigen wir davon. Platz 36000 von 37000 läßt alle Möglichkeiten für einen Abstieg offen. Bester Spieltag war Nummer 2 mit 16 Punkten, aber elf Spieltage mit negativem Punktekonto haben ihre Spuren hinterlassen. Mit Nöthe, Brunnemann und Sahan gibt es nur drei Spieler mit positivem Punktestand, Top of the Flops ist Mavric mit -35 Punkten, gefolgt vom unvermeidlichen Casper aus Aachen. Nächste Saison werde ich meinen Etat doch bis zum Anschlag ausreizen. Schwamm drüber.
Zweite Liga Interactive
Platz 17000 von 45000 bedeutet Platz 7. Die Tendenz geht nach oben, seit Spieltag 13 nur zweistellige Ergebnisse, Hinrundenbestwert waren 40 Punkte am 17. Spieltag. Topscorer sind der formidable Amedick und Hain, für den ich trotzdem den etwas billigeren und etwas besseren Sippel eingewechselt habe. Ja, auch basale FCK-Sympathien gibt es, mit einem Ex-Clubberer als Trainer und dem genialen Stefan Kuntz als Manager. In der Abwehr kam Anderson von Düsseldorf für Orestes von Rostock, im Mittelfeld Mattuschka von Union für Camdal von den Löwen, im Sturm Naki von St. Pauli für Myntti (trotz y weg vom Fenster). Erfreulicherweise konnte ich trotz der Transfers den Charakter einer Kultmannschaften-All-Stars-Auswahl beibehalten. Wenn es gut läuft steigt der Kern der Mannschaft mit dem jeweiligen Verein auf.
Dritte Liga Classic
Hier hält sich die Mannschaft auf Platz 9900 knapp in der oberen Tabellenhälfte und dürfte mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben. Bei 22000 Plätzen und bedeuten 101 Punkte exakt Platz 9. Das Experiment mit 15 Spielern von 14 verschiedenen Vereinen für den niedrigsten Preis von 0,05 Mios hat erstaunlich funktioniert. Die Besten sind Holt von Holstein Kiel (leider nur Ersatz) und Piossek von Dortmund II, der vermutlich bald in Kloppos Kita grünes Licht für den Aufgalopp kriegt. Allerdings haben acht Spieler nur Null Punkte und drei sind in den Miesen, wenn am Ende die Schnapszahl 8800 steht, können wir uns mit isotonischen Durstlöschern die Kante geben.
Dritte Liga Interactive
Platz 17500 von 25000 bedeutet Platz 14 mit 584 Punkten. Bester Platz war bisher Platz 17000, schlechtester 19300, offenbar steht die Mannschaft da, wo sie hingehört. Bis jetzt jedenfalls. Denn mit Göhlert, Leitl, Sattelmaier und Hartmann sind jetzt ein paar zum Teil sehr günstige Spitzenkräfte ins Team gekommen. Das hat der Mannschaft ihr Ostgepräge genommen, aber dass Dresden im freien Fall durch die Liga taumelt, war nicht abzusehen. Immerhin, Aue und Erfurt machen viel Freude. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre ein mehr als ordentliches Ergebnis. Ran an die Bouletten.
Im Transferwirbel »
Gerade noch mal gut gegangen. Der Rheuma-Kai bleibt dem Club erspart. Präsident Schäfer kann sich sogar noch an den letzten großen Winterfehleinkauf erinnern. Andere Entscheidungsträger kriegen gleich den Koller, wenn man sie daran erinnert, was sie vor zwei Jahren gemacht haben.
“Verantwortungsversessen”, das wäre doch mal eine schöne Kampfvokabel, um Banker, Regierungsmitglieder und Vereinsobere elegant von jeder Kritik zu befreien. Die bayerischen Steuerzahler sind verantwortungsversessen, weil sie wissen wollen, was der Herr Stoiber mit der HypoLB zu tun hatte. Die Deutschen sind verantwortungsversessen, weil sie nach acht Jahren keinen Krieg mehr in Afghanistan führen wollen. Nur die Hertha-Fans sind nicht verantwortungsversessen, winken ihren Präsidenten Gegenbauer auf der Hauptversammlung glatt durch und ihren Lieblingen noch einmal freundlich zu, bevor es in die Zweite Liga geht. Arne Friedrich gestern im kicker: “Gekas ist ein Killer vor dem Tor.” Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt das Phrasenschwein, aber der Realitätssinn, der nibbelt schon etwas früher ab.
Sehr gut gefällt mir die Rückkehr von Baumjohann zu (auf?) Schalke, ein interessanter Spieler, der die immer noch platten, aber wenigstens effizienten Offensivbemühungen entscheidend aufmöbeln könnte. Wobei es nicht verboten ist, mit Einfallslosigkeit Deutscher Meister zu werden, die Bayern wissen, wie es geht. Dass Kluge jetzt auch gleich dem Lockruf des Magath folgt, ist natürlich nicht so schön, allerdings hat er für seine Erfahrung auch zu wenig gemacht, um den Absturz zu verhindern. 1,5 Millionen sind trotzdem viel zu wenig. Ich fände ja Simak im Mittelfeld nicht schlecht, der könnte ein bißchen Kreativität reinbringen bei den rotschwarzen jungen, schrecklich Braven.
Bei den Bayern gehen die Abwanderungsbewegungen weiter, nur Rensing sucht noch eine neue Aufgabe. Vielleicht in Südamerika unter anderem Namen, einfach mal noch mal ganz von vorne anfangen als Surflehrer, oder als Chaperon, um südamerikanische Profis pünktlich zum Flughafen zu bringen. Oder doch zum VfB? Wenn Gross wirklich so ein Disziplinfanatiker ist, dann hat er Lehmanns Faxen bald dicke. Und Ulreich und Stolz sind für Barcelona dann doch ein wenig arg unerfahren.
Interessant sind auch die Mannschaften, die sich nicht verstärken, insbesondere Leverkusen, da kommen mit Helmes, Rolfes und Renato Augusto gleich drei überdurchschnittliche Spieler zurück, einfach so. Völlers Handschrift ist zu sehen. Er hat eines von zwei ganz interessanten Manager-Interviews im kicker gegeben, im anderen spricht Dieter Hoeneß. Nur Nerlinger bietet den üblichen Schwurbel, sagt erst kantig-klar: “Ich spreche nicht über Trends, sondern nur über Fakten”, wird dann aber bei der letzten Frage doch noch zum Propheten: “Dieser Tag, dass wir wieder Erster sind, ist nicht mehr fern.” Bei D. Hoeneß bin ich gespannt, was ihm gelingt, wenn er einmal richtig Geld in die Hand nehmen darf. 31,8% der befragten kicker-Fans glauben übrigens, dass Wolfsburg gegen Villareal ausscheidet, das ist der drittschlechteste Wert nach Stuttgart (85,9% gegen Barca) und Hertha (78,5% gegen Benfica). Bei Bayern glauben 89,2% an ein Weiterkommen gegen Florenz, aber Bremen hat die Nase vorn mit 95,6% gegen Twente. Und auch gegen Firenze ist es bloß ein Achtelfinale mit dem Heimspiel zuerst. Das hat selten geklappt, damals, als Bayern noch Seriengast in der CL war. Sollte der nostradamische Nerlinger sein Herz in beide Hände nehmen, Ribery verkaufen und Maicon mit diesem Geld verpflichten, dann könnte es diesmal sogar für das Viertelfinale reichen.
Pokalt erwischt »
Mainz mit seinen zahllosen Verletzten und Hannover mit seiner letalen Auswärtslethargie heißen die ersten beiden prominenten Opfer im DFB-Pokal. Bei dem arrivierten Pokalschreck Trier konnte man fast darauf wetten, dass es auch Lübeck gelingt, ist die größere Überraschung. Beinahe zum Opfer der eigenen Behäbigkeit wurden Fürth, 1860 München, Bochum und wieder einmal Hertha, gegen die Preußen Münster mutig aufspielte. Den höchsten Sieg feierte Bremen gegen Union, die ihr neues Schmuckkästchen erst einspielen müssen. Das Seuchenjahr von Werder mit dem DFB-Pokal als Trostpflaster ist damit wohl vorbei, der verlorene Sohn Borowski hat seine Münchner Eskapade beendet. Mit den Grünen ist zu rechnen. Ähnlich souverän gingen Wolfsburg und Schalke zu Werke.
Überrascht hat mich der Sieg der Lauterer in Braunschweig, gilt das Eintracht Stadion doch quasi als ein tiefer gelegter Betzenberg, niedersächsisch eben. Eine gute Maßnahme gegen das große Nervenflattern in der Pfalz, dieses verdient erkämpfte 1-0. Ebenso überrascht war ich vom klaren 3-0 der Frankfurter im Derby gegen Offenbach. Blogleser Nordkurve muss seine pessimistische Skibbe-Einschätzung zur Eintracht möglicherweise revidieren.
Allererste Sahne war natürlich das 3-0 der Clubberer in Dresden, wobei sowohl die Null als auch die drei (kein Stürmertor) nicht zu erwarten waren . Ich kann mich nicht erinnern, wann der Club zwei Auswärtspflichtspiele in Serie 3-0 gewonnen hat. Erst in Cottbus in der Relegation, jetzt kühl bis ins Mark, technisch und taktisch ausgereift bei Dynamo, die ihr neues Stadion auch noch einspielen müssen. Die erste Halbzeit sah ich auf Sky bei einer nahen Verwandten. In der Pause wurde die Übertragung abgestellt, “Ihre SIM-Karte ist nicht für dieses Angebot legitimiert”. Nach dem Umweg durch die sprachgesteuerte Hotline erklärte die freundliche Sky-Mitarbeiterin, Pokal gebe es nur im Sport-Paket, nicht im Bundesliga-Paket. Warum wir eine Halbzeit mit Kluges und Mintals ersten Saisontoren sehen konnten, wußte sie nicht, ich nehme das als gutes Omen für eine Saison, in der alles möglich ist.
Bei Bayern stabilisieren sich die Leistungsträger allmählich. Gomez hat offensichtlich einen Lauf, trifft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Neckarelz beinahe nach Belieben. Rensing greift schon wieder nach den Sternen und läßt sich weder durch Lapsus noch Läpschen beirren. Ich verstehe nicht, dass die Bayern ihre Abwehr so vernachlässigen. Lucios Weggang ist mit Sicherheit eine Schwächung, dazu muss man nicht Kaiser sein. Und international ist mit Butt/Rensing kein Blumentopf zu gewinnen. Hildebrand wäre frei gewesen im Winter, aber Hoffenheim war schneller. Ich vermute, die Bayern langen beim Torwart noch einmal hin, Ribery im Tausch für Casillas vielleicht oder Lell, Ottl, Breno, Demichelis, Sosa und Schweinsteiger für Enke.
zum sechsten…zum siebten…und rauf mit Applaus »
Und da isser wieder, das kleine mittelfränkische Steigaufmännchen hat es geschafft. Mit drei Glanzparaden von Schäfer, einem Sahnestückchen von Eigler, einem kurzen Antritt des Phantoms, einem 3-0 aus dem Hinspiel und 47000 Zuschauern im Rücken ist der Club heute wieder (einmal) aufgestiegen. Erinnert irgendwie an den Aufstieg unter Heinz Höher, unter der Saison die alten Säcke rausgeworfen und auf die Jungen gesetzt, damals Reuter, Grahammer, Eckstein, Köpke, heute Diekmeier, Maroh, Reinartz, Risse.
Auch wenn es heute in der zweiten Halbzeit nur Sommerfußball gab, es gibt Schlimmeres, als gemütlich einem bevorstehenden Aufstieg entgegenzudämmern. Jetzt sind wir sehr gespannt, welche neuen Leute Michael “Pearl Jam” Oenning holen will, und welche Spieler man ihm wegkaufen möchte, vergeblich natürlich. Wobei die Euphorie diesmal deutlich größer war als beim letzten Aufstieg, den der verwöhnte mittelfränkische Fan nach dem extrem blöden Abstieg lediglich huldvoll zur Kenntnis nahm. Es ist eine prima Mischung, ein paar Erfahrene mit Schäfer, Gygax, Kluge, Mintal, Pinola, ein paar hungrige und lernwillige Junge, und Eigler hat gerade einen Lauf, schon wieder getroffen. Der wird doch nicht so weitermachen nächste Saison.
Michael A. Roth sollte einen Antrag stellen, dass Mehmet Scholl jetzt immer Experte ist, der Scholli bringt uns Glück. Das war nicht immer so, in seinem letzten Spiel als KSC-Spieler hat er dem Club einmal den UEFA-Cup-Platz versaut, aber das ist schon mindestens drei Aufstiege her.
Wer ewig strebend sich bemüht… »
Das war der perfekte Abend: Nürnberg mit der besten Leistung seit dem Pokalendspiel gegen Stuttgart und der deutlichsten Dominanz seit dem 4-0 im damaligen Halbfinale gegen Frankfurt. Wenn der Club etwas gelernt hat in den letzten Jahren, dann ist es, in den engen Spielen voll da zu sein. Das zeigte sich selbst in der völlig missratenen Abstiegssaison im UEFA-Cup: gegen St. Petersburg (die Bayern 4-0 zerlegten) ein 2-2 in den letzten Minuten ertrotzt, im letzten Gruppenspiel gegen Alkmaar das Weiterkommen gesichert, gegen Benfica ca. 10 Minuten lang eine Runde weiter. Dass es auch in der Liga nicht reichte, lag nicht zuletzt daran, dass Schäfer in dieser Saison gefehlt hat. In gewisser Weise ist Schäfer sogar wichtiger als Köpke. Zu Köpkes Zeiten war die Mannschaft meistens so schlecht, dass ein Abstiegskandidat halt zufällig den besten Torwart (der Liga? Europas?) hatte. Heute macht Schäfer (nicht allein) den Unterschied zwischen einem Abstiegskandidaten und einer Mannschaft, die es auch auf die ersten sechs Plätze in Liga eins schaffen kann.
Gestern war Schäfer wieder einmal einer der Garanten für einen deutlichen Sieg, die beiden Großchancen hätte Andywinggamool nicht besser entschärfen können. Der Club war von der ersten Sekunde an wach, giftig und entschlossen. Er spielte wie die Heimmannschaft, Cottbus konterte im eigenen Stadion, nicht ungefährlich.
Einer der freudigen Aspekte: Isaac Boakye war der Matchwinner. Der alte Eintracht-Fan J.W. Goethe prägte für Spieler wie Boakye die Sentenz: Wer ewig strebend sich bemüht, den können wir erlösen. Und der immens fleißige und immens torungefährliche (vgl. Frühlingstraining am Valznerweiher) Boakye wurde erlöst. Diesmal war er nicht nur der Zuarbeiter, Ballverteiler, Zweikämpfer, diesmal traf er zweimal, einmal mit etwas Glück, einmal nach einem Xavi-Paß von Mintal zum 3-0. In diesem Spiel war auch zu sehen, wie technisch stark er ist, kaum vom Ball zu trennen dreht er geduldig seine Kreise bis er die Lücke findet.
In meiner Szene des Spiels spielte das Phantom die Hauptrolle. Mitte der ersten Halbzeit hatte Cottbus sechs Ecken in drei Minuten, die ersten zwei von rechts köpfte Mintal am eigenen Fünf-Meter-Raum ins Aus. Wie Gandalf auf der Brücke von Khazad-Dum stand er da, und schrie dem Lausitzer Balrog entgegen: Du.kannst.nicht.vorbei!! Die Art und Weise wie die Nürnberger im Strafraumbereich die Bälle ins Aus beförderten, zeigte das ausgeprägte Selbstbewußtsein in der Defensive. Sie spielten weder auf Eckball- noch Einwurfvermeidung, weil sie wußten, dass sie in ihrer Grundformation abolut zuverlässig stehen. Wenn Andygrädschamool Wolf in der nächsten Saison zurück ist, sollte diese Abwehr die Basis für den Klassenerhalt bilden. Ein Stürmer wäre noch ganz gut. Oder Kluge lernt, wie man Tore schießt.
Wobei, ein Balrog, das ist jetzt eigentlich übetrieben. Ich mag Cottbus. Es ist die tragische Seite dieses Duells, dass Energie der Gegner war. Aber man darf nicht wählerisch sein in der Relegation. Dass den Cottbussern im Spielbericht von Claudio Catuogno in der Süddeutschen jetzt auch noch interhergetreten wird, ist überflüssig. Er beschimpft die Lausitzer im besten Sportteil der Republik tatäschlich als “Söldnertruppe”. Diese Balkanesen nehmen Geld? Die sollten sich was schämen. Wahrscheinlich meinte er den fränkischen Exoten Timo Rost, der nach sieben Jahren im Verein jetzt Käptn ist. Vragel da Silva ist seit 2001 im Verein, Pipilica seit 1998. Kukielka, Tremmel und Ziebig kamen 2006, genauso wie Munteanu und Radu, die sinnloserweise ein Jahr später von Wolfsburg gekauft wurden. Altmittelfeldgenie Miriuta ist seit Jahren Scout, Ede Geyer saß gestern auf der Tribüne. Eben Söldner durch und durch.
Cottbus stand in der zweiten Halbzeit neben sich, hatte aber auch Pech. Es stimmt nicht, wie Catuogno behauptet: “Boakye drischt den Ball dem Cottbuser Verteidiger Ivan Radeljic gegen den Rücken…” Es war ein präziser Schlenzer mit Effet aufs lange Eck, der durch den kreuzenden Radeljic unhaltbar und unglücklich abgefälscht wurde. Eventuell hätte Cottbus Anfang der zweiten Halbzeit einen Elfmeter kriegen können, nach dem 2-0 hatte Skela noch die große Chance zum Anschlußtreffer. Auch wenn Kluge warnt und keiner der Spieler leichtfertig an die Aufgabe herangeht, ich denke nicht, dass Cottbus das noch dreht. Dafür ist der Club zu heimstark und präsent im Moment. Freuen wir uns also auf den Sonntag. Und warten wir mit der Aufstiegsfeier bis 17.20.
Glück auf Energie! Auch wenn es nur Tagebau ist. Wer Rekordaufsteiger werden will, der muss auch ab und zu hinunter ins “Schattenreich” (Gandalf a.a.O.).
Frühlingstraining am Valznerweiher »
Gestern wieder einmal als Trainingskiebitz am Valznerweiher. Einige hundert Fans zwischen 6 und 86 warten vor der Kabine. Der erste Schwung Spieler bahnt sich an ihnen vorbei einen Weg hinein in die Fitnesshalle. Für die Spieler ist die Öffentlichkeitsarbeit immer wichtiger. Bei den Stellenausschreibungen wird nicht mehr nur Wert auf Beidfüssigkeit und Laktatwerte gelegt, “kann gut mit Kindern umgehen” gehört auch dazu. Mit Kindern, bepackt mit Devotionalien von DIN A 6 bis DIN A 0, die wollen, dass der Papa ein Kurzfilmchen mit Mintal oder Pinola dreht. Nach dem Training, lautet die Abmachung.
Vor dem Pokalsieg war ich auch einmal da, auch an einem milden Frühjahrstag, voller Vorfreude und Vogelgezwitscher. Viele von den Neuen kenne ich noch nicht, dafür ist eine halbe Mannschaft verschwunden: Galasek, Engelhardt (Torschütze im Endspiel), Banovic, Saenko, Schroth. Während die meisten Spieler noch drinnen schwitzen, drehen drei andere auf einem Nebenplatz ihre Runden, ein Trecker mit einem Nagelbrett lockert den Rasen auf. Und ein Storch spaziert über die Wiese, im dunstigen, vom Hochnebel gefilterten Licht sieht er aus wie eine Fata Morgana.
Trainer Oenning ist nahezu unhörbar, das fiel mir schon bei den TV-Interviews angenehm auf, wirklich kein Lautsprecher, trotzdem intensiv und sehr wach. Co-Trainer Peter Hermann gibt die Kommandos, Torwarttrainer Matysek arbeitet mit Schäfer, Klewer und dem 23jährigen Alexander Stephan, der seit 13 Jahren im Verein ist.
Der Ball läuft gut, die Spieler “reden miteinander”, wie das auf Mediendeutsch heißt, sie geben pausenlos Kommandos, feuern sich an. Kluge ist wieder fit, ackert bei der Balleroberung, Mintal verteilt die Bälle und schießt selbst ein paar Tore. Boakye ist elegant, mannschaftsdienlich und nahezu vollkommen torungefährlich. Gestern hat Freiburg wieder nicht gewonnen, die Tabellenspitze ist nur noch sechs Punkte weg. Ein angenehmes Prickeln ist zu spüren, bei Zuschauern und Sportlern. Das Satiremagazin Titanic hatte einmal die Kampagne: Nur wer abonniert, kann aus Empörung auch kündigen. Nur wer abgestiegen ist, kann aufsteigen. Wenn es geht, bitte auf Platz zwei oder eins am Ende, kein Relegationsspiel gegen irrlichternde Kölner oder verletzungsgeplagte Frankfurter.
Eine Familie aus dem tiefsten Niederbayern ist auch da, der Club hat das größte Einzugsgebiet aller Profivereine. Die Kinder begutachten eine mit Filzstift hinterlassene Inschrift auf einem Stückchen Mauer, das den Nebenplatz von den zerbröselnden Zuschauerterrassen abgrenzt: “Deutscher Meister S04.” Sie lesen es zweimal, als hätten sie sich geirrt. Kopfschütteln, Gekicher. “Seidd fuachzgg Joar…” Wenn man ihnen gesagt hätte, dass der Storch die Kinder bringt, das Mitleid hätte nicht größer sein können. Aber der Storch ist schon weggeflogen. Und die Operation bei Andy Wolf ist gut verlaufen.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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