Konsolidierung auf leisen Sohlen »
Schade, dass Wollscheid geht, aber die mindestens 5,5 Millionen Euro, die der Club von Leverkusen erhält, sind mehr als nur ein schwacher Trost. Der notorische Pleitekandidat, der es in den neunziger Jahren bis zum Punktabzug wegen Verstoß gegen die Lizenzauflagen brachte, ist kurz davor, schuldenfrei zu werden. Das Nachwuchsleistungszentrum wurde bei der letzten Zertifizierung von der DFL mit drei von drei möglichen Sternen bewertet. Mit Plattenhardt, Chandler und Wollscheid aus der U23 sowie Mendler und Wießmeier wurden gleich fünf Spieler über den Umweg der eigenen Nachwuchsmannschaften bei den Profis eingebaut. Und die Späher um Manager Bader werden zu Beginn der neuen Saison bestimmt den einen oder anderen weiteren Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern. Die Zeit, in der der Club das Wärmestübchen für alternde Stars von Uli Hoeneß bis Jan Koller war, scheint endgültig vorbei.
Der Verein hat einen Stil gefunden, der zu seinen Möglichkeiten passt. Dazu gehört immer wieder eine Saison, die vorwiegend in der unteren Tabellenhälfte stattfindet, dazu gehören Durststrecken wie die mit acht sieglosen Spielen gerade eben, dazu gehören auch Verkäufe von Schlüsselspielern, wobei Ekici und vor allem Gündogan im stärksten Mittelfeld der Liga sich ähnlich schwer tun wie Schäfer bei seinem annus horribilis in Stuttgart. Aber auch eine Rückkehroption gibt es im Nürnberger Modell. Nicht erst, seit Andy Köpke an den Valznerweiher zurückkehrte. Sogar Vittek hat nach seiner tollen WM 2010 laut vom Club geträumt.
Natürlich wird nicht jeder Nobody so groß einschlagen wie Wollscheid. Und die permanente Leihökonomie, die Didavi und Hegeler wahrscheinlich zu ihren Stammvereinen zurückwandern läßt, ist ist nicht ohne Risiken. Außerdem wird Schlüsselspieler Simons zum Ende der Saison wahrscheinlich aufhören. Trotzdem hat der Club ganz andere Möglichkeiten als früher. Bunjaku, Mak, Nilsson, Judt sind alles keine Überfliger, können aber Leute aus der ersten Elf adäquat ersetzen. Und die Entscheidung, Maroh nicht an Cottbus abzugeben, hat sich als richtig erwiesen. Man braucht heute drei gleichwertige Innenverteidiger, Lüdenscheid ist hier das Musterbeispiel. Maroh muss sich “Black Magic Woman” (Santana) und “Der dritte Mann” (Anton Karas) auf den iPod laden und sich in Geduld üben, um dann in der neuen Saison zusammen mit Klose zu voller Form aufzulaufen.
Nebenbei: Nachdem das 1-0 in Berlin die Spielnote 5,5 erhielt, hat der Club am Samstag wieder ein 1-0, diesmal mit einer glatten 5, gegen Kaiserslautern nach Hause geschaukelt. 15 Punkte mit 14 Toren, das ist auch eine neue Qualität, auch wenn es gerne immer wieder spektakulär, torreich und offensiv sein darf.
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Auf www.robalef.de sind die neuesten Kritiken zu Kleine Biester zu finden, außerdem war am vorletzten Samstag die Gala zu 20 Jahren Wahrheit.
Viertelbilanz, Teil 2 »
Und hier die weltweisen Anmerkungen zu den Mannschaften auf Platz 10 bis 18.
Hertha BSC: Dank des bodenständigen Babbel und des sympathischen Preetz präsentiert sich Hertha vollkommen flausenfrei und wird den Abstiegskampf weiträumig umfahren können. Der Warnschußarrest in Liga Zwei hat funktioniert. Größte Überraschung: Platz 10 nach acht Spieltagen. Wichtigste Frage: Geht Babbel zu den Bayern, wenn Heynckes dort gescheitert ist?
1. FC Nürnberg: Mit dem 3-3 gegen Mainz hat die Mannschaft bereits die zweite Bewährungsprobe nach dem 1-1 gegen Angstgegner Bremen bestanden und einen Rückstand nervenstark gedreht. Bader hat wieder fantastisch eingekauft. Klose Stammspieler, die neuen Pekhart und Feulner mit wichtigen Toren, jetzt kommt auch noch Mak. Angesichts der Theorie: “Wer Rückstände dreht, wird Meister” und der Ausgeglichenheit des Kaders – sogar Schäfer ist adäquat ersetzbar – wäre Nürnberg eigentlich Meisterschaftsfavorit Nummer Eins. Aber an Spieltag Acht gibt es noch keinen Grund, überzuschnappen. Größte Überraschung: Niemand vermißt Ekici und Gündogan. Wichtigste Frage: Halten die Fans dem psychischen Druck Stand, als Geheimfavorit in die letzten 26 Spieltage zu gehen?
1. FC Köln: Guru Solbakken hat dem Treibauf EffZee die Innere Mitte geschenkt. Auch Podolski meditiert brav über die Epistel: Der Laufweg ist das Ziel. Trotz der dauernden Leistungsschwankungen wird Köln eine erfreuliche Saison spielen und seine Fans auch zu Hause nur noch selten gegen sich aufbringen. Größte Überraschung: Novakovic und Podolski. Wichtigste Frage: Wie wird Solbakken eigentlich korrekt ausgesprochen? Sulbbäcken? Saalbuken? Skolbloggen?
VfL Wolfsburg: Als Untoter schleicht der Meister von 2009 durch die Niederungen der Liga. Für Erfolge zu wenig, für den Abstieg zu viel. Ein Mandzukic allein macht noch keinen Spitzenverein. Magath wird noch die ganze Hinrunde brauchen, um die bösen Geister zu verscheuchen. Benaglio hat er bereits wieder in die Spur gekriegt, Nervensäge Diego abserviert. In der Rückrunde wird es dann deutlich freundlicher aussehen. Größte Überraschung: Das 2-3 im Pokal gegen RB Leipzig, bei dem ich erfreulicherweise live dabei war. Wichtigste Frage: Kriegt Magath auch Helmes wieder hin?
1. FSV Mainz 05: Dafür, dass die drei wichtigsten Spieler weg sind, spielt Mainz eine überragende Saison. Sie sollen froh sein, dass sie die Europa League verpaßt haben, es wird auch so schon schwer genug. Tuchel erweist sich weiterhin als überragender Tüftler und Bastler. Größte Überraschung: Alle Experten, die Mainz eine weitere Spitzensaison prophezeit haben. Wichtigste Frage: Wann hat sich die Mannschaft im neuen Stadion eingewöhnt (vier Spiele, drei Heimniederlagen)?
SC Freiburg: Im Rahmen der Möglichkeiten bisher sehr solide Arbeit. Im Rahmen der Freiburger Selbstversorger-Fruchtfolge steht diesmal wieder eine durchwachsene Saison im Kalender. Marcus Sorg hat sich unspektakulär eingefügt, niemand verliert trotz des holprigen Starts die Nerven. Es könnte auf den Relegationsplatz hinauslaufen. Größte Überraschung: Die Abhängigkeit von Cissé ist kleiner geworden. Wichtigste Frage: Wann erreichen die Neuverpflichtungen Bundesliga-Niveau?
1. FC Kaiserslautern: Entschlossene Grimmigkeit herrscht am Betzenberg: Käptn Kuntz und Steuermann Kurz trotzen der schweren See mit stoischer Ruhe. In der Rückrunde werden die Neulinge endlich auch wirklich an Bord sein. Es würde mich sehr wundern, wenn Kuntz nicht wieder ein überragendes Näschen gehabt hätte. Augsburg und der HSV garantieren, dass Kaiserslautern mindestens auf dem Relegationsplatz verbleiben wird. Größte Überraschung: Die mehr als dürftige Abwehrleistung. Wichtigste Frage: Wer schießt die Tore?
FC Augsburg: Es wird ein toller, aber nur einjähriger Ausflug in die Bundesliga, aber dieser Kader ist nicht erstligatauglich. In Nürnberg hat Augsburg 90 Minuten lang Fußball verweigert. Wenn sich ein Torwart beim Abschlag Zeit läßt, ist das gelegentlich nervig. Wenn er das ab Spielsekunde dreißig tut wie Jentzsch gegen den Club, ist das ein Offenbarungseid. Größte Überraschung: Mit dem Kasperletheater um Thurk wechselt die Puppenkiste das Genre. Jos und Michael, nehmt euch ein Beispiel an Robin und Michael. Wichtigste Frage: Gelingt mit Luhukay der sofortige Wiederaufstieg?
HSV: Seit Dick Advocaat* in Gladbach verbrannte Erde hinterlassen hat, ist kein Verein mehr so derartig umgepflügt worden wie der HSV von Frank Arnesen. Und es sieht alles verdammt nach Hertha in der Saison 2009/10 aus. Wichtige Spieler weg, eine völlig verpeilte Transferpolitik einschließlich der Trainerfrage, niederschmetternde individuelle Fehler, zu hohe Ansprüche. Wenn es blöd läuft für die Hanseaten, spielt der HSV nächste Saison unten und St. Pauli oben. Lustig. Größte Überraschung: Hrubesch wurde immer noch nicht verpflichtet. Wichtigste Frage: Reicht die Zeit, wenn der HSV Beiersdorfer erst in der Winterpause zurückholt?
*und nicht wie fälschlich behauptet, Martin Jol, der ein Supertrainer war. (Danke, Johannes. Das kommt davon, wenn man nur einmal im Monat bloggt.)
Und nicht verpassen:
Rob Alefs neuer Kriminalroman “Kleine Biester” erscheint im November 2011.
Sag mir was Schmutziges, Liebling »
Einszunull.
Willkommen zur 49. Bundesligasaison. Es waren die beiden schmutzigen 1-0, die dem ersten Spieltag das Sahnehäubchen aufsetzten. Das 1-0 von Nürnberg erlebte ich im Olympiastadion. Es war das erste Saisonauftaktspiel, das ich live erleben konnte. Kann schon sein, dass der Sieg für den Club unverdient war, die Niederlage für Hertha jedenfalls war verdient. Wer bei seiner Rückkehr so wenig zustande bringt, der fängt sich dann halt eins ein kurz vor Schluß. Nürnberg präsentierte eine gelungene Mischung aus Borussia Dortmund (Technik) und Tai Chi (Geschwindigkeit). Und immer, wenn sie so schnell kombinierten wie in der letzten Saison, war Hertha überfordert. Das war im ganzen Spiel insgesamt 43 Sekunden lang der Fall. Eine Chance in der ersten, eine Chance in der zweiten Halbzeit und das 1-0.
Torschütze Pekhart ist ein interessanter Mann. Nicht ganz so groß wie Peter Crouch, aber stets in der Lage den tödlichen Pass zu spielen. Er fällt ein bißchen theatralisch, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man bei einem 1,94-Mann spontan denkt: Hab dich nicht so. Bemerkenswert auch die Deckungsarbeit der Nürnberger, die alle defensiven Kopfballduelle gewannen. Schäfer hatte zwei Bälle zu halten. Der neue Mann Klose fügte sich gut ein. Feulner lancierte überraschenderweise nicht gleich wieder einen Hattrick wie gegen Bielefeld, dribbelte sich ein paar Mal fest, ansonsten aber weder Angst noch Bange ums Mittelfeld aufkommen ließ. Cohen zeigte mehr Kampfgeist als die gesamte Hertha. Hegeler gab 28 Sekunden nach seiner Einwechslung die Vorlage zum Siegtreffer, Mendler spielte gut mit. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob hier wirklich Not gegen Elend am Start war, oder ob diese Club-Abwehr auch Mannschaften mit einer Offensive in Schach halten kann. Dass vier der sieben wichtigsten Spieler (Schieber, Wolf, Eciki, Gündogan) weg gegangen sind – Schäfer, Pinola und Simons sind noch da – war dem Club nicht anzu merken. Und in der Hinterhand Mak, Herr Nilsson, Maroh, Frantz, Esswein und Bunjaku, ein sehr ausgeglichener Kader. Die Mannschaft hatte Ordnung und Spielanlage, in Zukunft alles dreimal so schnell, dann war das der Anfang einer wunderbaren Spielzeit.
Wir saßen in einem gemischten Block, sehr viele Clubfans im Stadion, sogar der Oberrang des Fanblocks war gut gefüllt. Neben uns ein Ostberliner, ins Stadion gekommen, um Hertha eine faire Chance zu geben. Er war restlos enttäuscht. Die Herzen der Berliner zu gewinnen, wird weiter eine Herausforderung für den Aufsteiger. Sportlich muss dieses Spiel nicht viel heißen. Vielleicht tun sie sich auswärts anfangs sogar leichter. Unterschätzen sollten sie den im Umbau befindlichen HSV trotzdem nicht. Die haben von Barcelüdenscheid zwar ihre Auftaktlektion bekommen, trotzdem sah das schon wieder sehr nach Mannschaft aus. Nach überforderter Mannschaft, aber immerhin.
Das zweite 1-0 des Spieltags trug sich in München zu. Die stets schonungslos analysierende Süddeutsche titelt: “Aufbruch in den Krisensommer”. Das steht zwar im Wirtschaftsteil, bezieht sich aber womöglich auch auf das FestgeldConto Bayern München, dessen Ratings am Sonntag Abend in den Keller rauschten. Zuletzt konnte glaube ich Kaiserslautern das Auftaktspiel in München gewinnen, die wurden dann mit Rehhagel Meister. Der kicker schreibt ebenso schonungslos: “Nachdem zwei große Möglichkeiten nicht in die überfällige Führung des FCB mündeten, sorgte ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr für die Entscheidung.” Ein Mißverständnis namens Neuer, was wirklich ein Jammer für den begabten und sympathischen Buerer Bua, aber nicht minder absehbar ist. Der Club verlor 2007/08 sein Auftaktspiel nach einem Patzer des neuen Keepers Blazek zu Hause gegen Schalke mit 0-2. Blazek blieb immer ein Fremdkörper und der Club stieg ab. So schlimm muss es für Bayern nicht kommen, es gibt ja Hertha und Köln, aber jetzt geht es nach Wolfsburg. Die Wölfe von Dompteur Magath mit einem Bärenhunger auf Tore ausgestattet. Das könnte schwierig werden, auch wenn Grafite nicht mehr da ist.
Bremen spielt wieder Fußball, ist das nicht schön.
Frauen sind was Wunderbares »
Das Auftaktspiel am Sonntag war ein richtiges Sahnestückchen. Beim Spiel gegen Kanada war die Hütte voll und auch in einer kleinen und exklusiven Fanmeile im Bezirk Friedrichshain gab es kaum freie Plätze. Hertha wird seine neue volkstümliche Werbung nochmal stark verbessern müssen, um bei den Heimspielen mehr als 70.000 ZuschauerInnen anzulocken.
Im Chancen versemmeln standen die DFB-Frauen Borussia Dortmund zwar nichts nach, aber auch im Munter-nach-vorne-spielen hatten sie einiges zu bieten. Es gab einige Katastrophen-Fehlpässe in der Defensive, mit denen ein abgebrühteres Team als Kanada vermutlich viel Unheil hätte anrichten können. Taktisch war das Spiel von beiden Seiten besser, als das, was die meisten Bundesliga-Teams anzubieten haben. Die deutschen Außenstürmerinnen tauschten die Flügel, schnelles Direktspiel von beiden Seiten, gute Standards (Traumtor von Sinclair) und kaum Leerlauf. Keine Theatralik, keine Rudelbildung, keine Hahnen (Hennen?)kämpfe, kein dreimaliges Abrollen nach Foul, fast keine Fouls. Niemand forderte Gelb, niemand gestikulierte. Einfach nur Fußball. Bei dem Lattenkracher von Laudehr in der zweiten Halbzeit dachte ich mir nicht mehr: Ganz schön strammer Schuß für eine Frau, mein erster Gedanke ging zu Juninho Pernambuco und ich fragte, ob Schäfer den wohl gehabt hätte.
Vielleicht ist es so ähnlich wie in der Rezeptionsgeschichte des Jazz: Erfunden in den USA, gibt es dort eine unvergleichliche Vielfalt unterschiedlicher lokaler Idiome und eine tiefere Verankerung über viele Generationen hinweg. Der europäische Jazz ist anders, jünger, urbaner, aber hat seine eigene Sprache längst gefunden. Es macht wenig Sinn, Louis Sclavis gegen John Coltrane auszuspielen oder umgekehrt. In den USA ist die Konkurrenz eine ganz andere, das Feld ist riesig. Im Männerfußball ist das auch so, und es gibt vor allem das unerschöpfliche Reservoir an Mythen, Legenden, unsterblichen, längst verstorbenen Spielern, viele Schichten zahlreicher Kollektiverfahrungen. Der tanzende Thelonious Monk hat eine ähnliche Erinnerungsaura wie Pelé, beide aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Dieser Vorlauf läßt sich für die Frauen weder nachholen noch imitieren. Aber die Frage “Wo warst du beim Eröffnungsspiel 2011?” enthält bereits das mythische Potenzial für kommende “Weißt du noch damals”- Kneipengespräche, die den Fußball zur unvergleichlichen sozialen Praxis machen. Seinen eigenen (künsterlischen) Ausdruck hat der Frauenfußball längst gefunden.
Die Fehler im Erfolg »
Letzte Woche war zu lesen, der Club lasse sich Zeit mit einem neuen Vertrag für Andy Wolf, heute schreibt der kicker über den bevorstehenden Abschied von Mintal am Saisonende. Die beiden sind neben Pinola und Schäfer zwei der vier Pokalsieger von 2007. Im Anschluß nach dem Titel ging Schäfer – lange geplant – zum VfB Stuttgart, der Club stieg ab. Schäfer kam zurück, weil er in Schwaben im falschen Film war, der Club stieg auf und spielt heute neben Dortmund und Mainz den schönsten Fußball der Liga. Pinola wollte gehen und die fränkischen Sozialromantiker starteten eine einmalige Solidaritätsaktion, Pinola blieb. Als er in der Hinrunde gesperrt war, verlor der Club dreimal in Serie. Trotz Gündogan und Schieber ist Pinola bisher mein Spieler der Saison.
Der Club sollte alles tun, um Wolf und Mintal zu halten. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil sie für das Gefüge und die Dynamik der Mannschaft unerläßlich sind. Mintal ist zwar nicht so schnell wie die jungen Hüpfer, Wolf ist technisch nicht so gut wie Wollscheid oder Maroh, aber keiner weiß, wer von den Jungen bleibt und wie lange ihre absehbaren Durchhänger dauern werden. Und wenn sie bleiben, brauchen sie noch ein paar Jahre, um so stabil zu werden wie glorreichen Vier. Wolf spielt seine beste Saison, ist torgefährlich wie nie und Mintal hat weder das Toreschießen noch das Lückenfinden verlernt. Wie Podolski ist er ein Guter-Laune-Fußballer. Wenn Hecking ihm die vermitteln kann, wird er auch wieder knipsen, egal wieviel er läuft. Bevor er sich in der Zweiten Liga die Ochsentour antut, sollte Mintal den Entwicklungszyklus der nächsten beiden Jahren lieber in Nürnberg mitmachen.
Apropos Fehler im Erfolg. Gestern dachte ich, die Jecken machen Überstunden, als ich das in der WAZ über Magath gelesen habe. Aber offenbar reißt die Schalker Geschäftsführung gerade mit dem Arsch wieder ein, was sie in den letzten knapp zwei Jahren aufgebaut hat. Was wollen die eigentlich? Eine Bundesligatorfabrik ohne Abwehr? Schalke hat 29 Tore geschossen, Stuttgart 43 und steht auf einem Abstiegsplatz. Und was ist der Maßstab für eine Mannschaft im Umbruch? Das Kasperletheater beim HSV? Die kapriziösen Bayern? Die wackeligen Bremer? Die ausgebrannten Wolfsburger? Leverkusen arbeitet seit Jahren im obersten Bereich der Seriosität und ist von Schalke so weit weg wie Omas Sparstrumpf von der Bayerischen Landesbank. Und für Dortmund wird das Jahr nach dem Rausch der Maßstab sein, was richtige Entscheidungen angeht.
Schalke steht im Pokalfinale und hat in diesem Wettbewerb gegen Nürnberg und Bayern richtig gute Spiele gemacht. In der CL waren sie zu Hause sowieso erste Sahne und auch wenn sie in der Liga immer wieder zum Abgewöhnen spielen, eine Mannschaft ist im Entstehen, das ist deutlich zu sehen. Magath hat tatsächlich den göttlichen Raul nach Gelsenkirchen-Buer gelockt, nach Ebbe Sand spielt wieder ein ganz Großer der Zunft in Königsblau. Und wie er spielt. Was für ein Coup. Ablösefrei. Zinédine Zidane in Osnabrück. Mit Papadopolous, Gavranovic und Escudero tummeln sich schon die nächsten hoffnngsvollen Talente auf der großen Bühne, Kluge war ein Super-Transfer, Jefferson “Airplane” Farfan wird langsam Weltklasse. Muss man sich da über Charisteas und Karimi und Magaths knorrigen Humor streiten? Schalke braucht jetzt noch zehn Punkte aus neun Spielen, um sicher die Liga zu halten und hat alle Möglichkeiten, die Saison zu veredeln. Ich bin mir sicher, in der nächsten Transferperiode bleibt die Mannschaft im Kern zusammen. Wenn Magath bleibt. Aber Magath muss bleiben.
Die Viererkette der Apokalypse »
Die Mannschaft stellt sich quasi von selbst auf. Zumindest im Manager-Spiel in der Classic-Variante. Dort stehe ich mit 177 Punkten auf Platz 11700 von 130000 und habe seit dem 10. Spieltag mehr als 20000 Plätze gut gemacht. Top-Scorer ist Kagawa gefolgt von Schwegler und Starke. Pinola hängt wegen seiner blöden Sperre bei 16 Punkten, Raul bei 11. Auch für schöne Tore gibt es nur drei Punkte. Nachdem Ballack erstmalig ins Geschehen eingreift, Starke wieder dabei ist und Idrissou sich mit Frontzeck ausgesöhnt hat, bin ich optimistisch, dass nach oben noch ein bißchen was geht. Die Oberen Zehntausend sind greifbar nah, vielleicht reicht es sogar zu Platz 7248, dann wäre ich im vorderen Achtzehntel, also quasi Erster.
Die Transferphase in der Interactive-Variante habe ich genutzt, die Verschwundenen, Fußlahmen und sonstigen Ausfälle zu ersetzen. Banovic (zu Duisburg), Bunjaku (bis Saisonende verletzt), Frantz (ominöse Frankfurter Verletzungsseuche am Bauchmuskel) und Jones (Magath) sind verkauft, dafür spielen jetzt Fuchs (Mainz), Vidal (Leverkusen), Sukuta-Pasu (St. Pauli) und Tiffert (Kaiserslautern). Mit Tiffert hatte ich mal eine ganz gruselige Saison, ich glaube nur noch Peter Peschel hat mir mehr Kummer bereitet. Fuchs hätte ich beinahe schon zu Saisonbeginn genommen, der hat mir schon bei Bochum immer sehr gut gefallen. Sukuta-Pasu werden wir jetzt öfter in der ersten Elf sehen, mit ihm schafft St. Pauli den Klassenerhalt. Vidal ist in Leverkusen der Kopf der Mannschaft, seine rabaukige Seite wandelt er in positive Zweikampfenergie. Eichner ist quasi mein fünfter Neuzugang, in Hoffenheim ausgemustert, in Köln auf dem Weg zum Stammspieler. Nachdem sich die Wechsel automatisch ergaben, bleiben mir Harnik, Gentner, Hunt und Fritz alle erhalten, quasi die Viererekette der Apokalypse. Vier Ypse, vier Gimmicks. Weil an diesem Wochenende Tiffert, Gündogan, Bugera und und Kagawa nicht dabei sein können, sind drei von den vieren sogar in der ersten Elf. Gentner und Harnik sind eigentlich keine Schlechten, Fritz spielt in der Chaosabwehr einigermaßen solide, nur Hunt enttäuscht bisher auf der ganzen Linie. Zusammen 81 Punkte, trotzdem nicht wirklich der Bringer.
Bei der Interactive-Variante ist ebenfalls Kagawa ganz vorne, gefolgt von Gekas und Schäfer, jeder über 100 Punkte. Das Team darf gerne noch ein bißchen über sich hinauswachsen. Platz 68700 von 210000 bedeutet zwar einen Platz im oberen Drittel, aber auch Helmes, Schäfer, Gündogan und Son können noch mehr, nach den guten Spielen vor dem Winter habe ich den FCK ein bißchen als Geheimtipp. Die Roten Teufel haben sich eingewöhnt, jetzt legen sie los.
Was zu der spannenden Frage führt, wer eigentlich absteigt. Nachdem Bremen und Wolfsburg ihre besten Stürmer verkauft haben, sind ihre Chancen auf Liga Zwei jedenfalls nicht kleiner geworden. Auch der VfB wird sich mit Dampfplauderer Bobic und Topmodel Labbadia sehr schwer tun. Alle anderen Mannschaften haben mehr Erfahrung im Abstiegskampf, mehr Gleichgewicht in der Mannschaft, mehr Biss als diese drei. Wäre natürlich blöd für den Dritten der Zweiten Liga, wenn sie ausgerechnet gegen so ein Schwergewicht spielen müßten – Paderborn gegen Wolfsburg in der Relegation, das wäre doch der Hit. Gladbach kriegt die Kurve noch. Die haben sich richtig gut verstärkt und irgendwann ist jede Verletzungsmisere einmal zu Ende.
Meister wird natürlich Mainz, Dortmund ganz bestimmt nicht, Leverkusen aus Prinzip nicht.
Heute Abend nicht meinen Live-Ticker auf Twitter verpassen: Vizekusen gegen Lüdenscheid, Ballack kommt in der 78. Minute und schießt das Sieg bringende 2-1 für die Gastgeber.
Was geht ab? – Da geht was. »
18 Punkte nach 11 Spieltagen, Lobeshymnen über den eleganten Offensivspiel, eine ausbalancierte Mannschaft, und das alles zwei Punkte und vier Plätze vor den Bayern. Der gemeine Clubberer reibt sich in diesen Wochen freudig-verdutzt die Augen und sieht dem Derby mit hoffnungsfroher Neugier entgegen. Der Club hat jetzt doch eine ganze Serie von brenzligen Situationen, angefangen mit dem Rückständen in Hamburg und Bremen, gut überstanden und wirkt trotz des nominell viel stärkeren Kaders der Bayern als Team gefestigter als van Gaals millionenschwere B-Mannschaft. Mit den Relegationsspielen ist die Mannschaft nervenstark geworden, macht frühe Tore, fällt nach Gegentoren nicht auseinander, kann spielerisch reagieren, hat viele verschiedene Torschützen, sich gut verstärkt, eine solide Defensive, das magische Pokaldreieck Schäfer, Pinola, Wolf in alter Stärke an Bord…die Liste ließe sich fortsetzen.
Wer gesehen hat, wie sich van Buyten austanzen und Butt von den Gladbachern übertölpeln ließ, sieht, dass bei den Bayern der Wurm drin ist. Die vollmundig ausgelobte Siegesserie ist gestoppt, man geht sich gegenseitig auf die Nerven, Dortmund enteilt, Frankfurt und Leverkusen eilen mit, und selbst Mainz hat ist immer noch Zweiter, hat nach den ersten drei Niederlagen immer noch acht Punkte Vorsprung auf die Bayern.
Kann natürlich auch sein, dass sich die Mannen um Schweinsteiger irgendwie zu einem Sieg durchwurtschteln, dass sich der Club zu viel Druck macht, aber diesmal sind die Chancen für eine Überraschung so gut wie seit dem 3-0 nach Hitzfelds Neueinstieg 2007 in Nürnberg nicht mehr. Den letzten Auswärtssieg bei den Bayern gab es 1992. Köpke hielt einen Elfmeter von Effenberg, Zarate und Wück machten die Tore zum 3-1 nach 0-1 Rückstand nach fünf Minuten durch einen Spieler namens Mazinho, eine Art Gomez der frühen Neunziger, und wir skandierten völlig euphorisiert im märzlichen Schneetreiben des Olympiastadions schmutzige Lieder. Zum Beispiel auf die Melodie von Flipper: “Wir singen Bayern, Bayern, Bayern, Zweite Liga, oh ist das schön, euch nie mehr zu sehen…” Auf ein Neues.
Fehlende Nachwuchsarbeit beim Club »
Während alles mit wachsender Vorfreude gen Südafrika blickt, vollzieht sich so ganz nebenbei, quasi “im Rücken der Akteure” (Marx) die Vorbereitung für die neue Saison. Der Club beginnt zum Beispiel am 3. Juli mit dem Training, an diesem Sonntag finden die letzten beiden Viertelfinalspiele statt.
Bernd Altmann aus Erlangen hat in einem Leserbrief an den kicker am 25. Mai die Leihspielerstrategie beim Club und die mangelnde Nachwuchsarbeit kritisiert. Am Donnerstag darauf gab es eine Übersicht zu den Transfers in der Dritten Liga, und gleich drei Spieler werden den Club verlassen: Trettenbach von den A-Junioren und Valentini aus der Zweiten gehen zu Aalen, Kulabas geht zu Heidenheim. Kulabas ist mit den Amateuren in der Regionalliga hinter Aufsteiger Saarbrücken Zweiter geworden und hat in 30 Spielen 15 Tore geschossen. Pagenburg, der nie eine echte Chance bekommen hat, soll bei Erfurt mittlerweile wieder abgegeben werden, Reinhardt, der eine wirklich gute Pokalsaison gespielt hat, wurde danach ausgebootet und mittlerweile nach Augsburg abgeschoben, Engelhardt vegetiert beim KSC vor sich hin.
Wenn Kießling zu Leverkusen geht, Cacau zu Stuttgart, Kluge zu Schalke, weil sie dort bessere Perspektiven haben oder mehr verdienen, kann der Club nichts machen. Schäfers Rückkehr ist insofern ein absoluter Glücksfall. Aber die selbst ausgebildeten Leute an unterklassige Vereine weiterzureichen ergibt keinen Sinn. Nachwuchsarbeit ist die einzige langfristige Perspektive, auch wenn Leute wie Schieber oder Okotie sicherlich interessant sind, und Bader mit Frantz, Gündogan und Diekmeier sein altes Händchen wieder gefunden hat.
Wir sind alle Manager – Die Saisonbilanz »
Bundesliga Classic: Mit Rang 117.394 von 164.097 und -37 Punkten konnte meine Schnäppchentruppe mit lauter Spielern für 1 Million oder billiger locker die Klasse halten und erreichte einen schlechten 13. Platz. Schwegler brachte 31 und Banovic 20 Punkte, Neuville, der kaum spielen durfte, immerhin zwei. Wenig überzeugend war Nordtveit mit -52: Ausländer, Jugendspieler und erste Saison, das war doch ziemlich riskant. Ein Freund von mir und durchaus profunder Kenner der Materie erreichte in der Classic-Variante einen hervorragenden Platz 2203 mit folgender Aufstellung: Mondragon – Hyppiä, Compper, Riether – Banovic, Salihovic, Özil, Gunkel, Vidal – Kießling, Idrissou – Ersatz: Kessler, Schmiedebach, Gündogan, Petreski. Wenn er nicht seinen Hoffenheimer Sentimentalitäten gefolgt wäre, hätte er mit 326 Punkten und 34 Punkten Rückstand auf Platz 1 vermutlich gewonnen.
Bundesliga Interactive: Nachdem ich am 3. Spieltag schon mal auf Platz 130.954 rumhing, wurde es mit Platz 84.534 von 234.839 letzlich noch ein guter siebter Platz, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich mit dem schwankenden Gündogan, dem auf Schalke verschollenenen Kluge und dem Taktikopfer Mintal gleich drei Spieler des Relegationschampions dabei hatte, die mit 12, 51 und -29 Punkten nicht gerade zu den Volltreffern gehörten. Bester Spieler ist Kevin Kuranyi mit hervorragenden 184 Punkten gefolgt von Hyppiä (170) und Heinz Müller (152), den ich in der Rückrunde für Schäfer geholt hatte. Raffael (91), Brouwers (99, nur Rückrunde), Reinartz (74), Schwegler (87) und Meier (77) konnten erfreuen, weniger dagegen Westermann (50), Ibertsberger (21) und Colautti (11). Im Grunde hat mich die Clubberersentimentalität eine bessere Platzierung gekostet, aber Ebbe Sand war bis zu seiner letzten Saison dabei. Man läßt seine Helden nicht für ein paar Punkte außen vor. Sie sollen gefälligst gut spielen.
Zweite Liga Classic: Mit Platz 37.233 von 38.458 war der Abstieg nicht mehr zu vermeiden, ich bin quasi Tabellenletzter geworden. Hier hat es mit der Billigvariante von 0,5 Millionen und weniger nicht gereicht. Nöthe von Fürth brachte immerhin 32, die von Geißler (-32) aber sofort vertilgt wurden. Casper (-27) und viele andere mehr sorgten für satte -65, der Schlechteste von allen hat -92.
Zweite Liga Interactive: Platz 24.705 von 48.245 bedeutete einen sehr guten 10. Platz. Mit Sippel, Anderson, Amedick, Angelov, Mattuschka und Naki hatte ich gleich drei Spieler mit mehr als 100 Punkten, allerdings waren sie nicht immer alle in der Startaufstellung, vier Spieler haben Null Punkte, Frank Lehmann, der Torwart von Cottbus -2. Lauth kam leider nur mit 30 Punkten ins Ziel. Nachdem ich in der Rückrunde aus Zeitgründen kaum mehr aktiv gemanagt habe, habe ich sicherlich einige Plätze verschenkt.
Dritte Liga Classic: Beinahe hätte es zum letzten Platz gereicht, aber am Ende war es 23.793 von 23.897. 89 Punkte waren zu viel, der Letzte hatte 10 Punkte, was erstaunlich ist. Die Letzten in der Bundesliga sind gerne im negativen dreistelligen Bereich. Auch hier hat die Billigvariante mit Spielern für lediglich 0.05 Millionen nicht funktioniert. Piossek von Dormund II und Holt von Holstein Kiel mit 46 und 53 Punkten solide, dann noch Rode von Kickers Offenbach mit 20, der Rest mit Null und schlechter.
Dritte Liga Interactive: Platz 10.212 von 27.127 bedeutete nicht nur umgerechnet Platz 8, sondern auch Bestplatzierung in der Saison. Am Ende der Hinrunde war ich auf Platz 18500, danach ging’s bergauf, nicht zuletzt, weil ich im Wintertransferfenster einfach die drei punktbesten Spieler der Hinrunde verpflichtet hatte. Nicht sehr einfallsreich, aber Sattelmaier (Regensburg), Leitl und Hartmann (beide Ingolstadt) sorgten für jeweils mehr als 200 Punkte. Immerhin, meine Kultklubauswahl sah mit Kos, Curri, Hensel und Stark vier Überraschungsaufsteiger aus Aue in ihren Reihen. Dogan, Brinkmann und Danneberg waren bis zum Schluß gut dabei.
Nachdem die Buchstabensuppe im Vorjahr und die Billigvariante dieses Mal nicht die erhofften Spitzenplatzierungen bewirkten, wird das Budget in der nächsten Runde bis zum nächsten Mal bis zum letzten Cent ausgegeben, wenn es sein muss. Und auf große Namen nehme ich auch keine Rücksicht mehr, vor allem Nachnamen.
Saisonrückblick: Die Nachlese zum Nachlesen »
Bayern ist ein verdienter und würdiger Meister. Van Gaal holte Rensing aus dem Tor und machte auch danach fast alles richtig. Nebenbei bemerkt eine ähnliche Situation wie bei Klewer und Blazek bei Nürnberg nach dem Pokalgewinn. Damals überging Meyer die heimliche Nummer Eins Klewer und die Mannschaft fand nicht zusammen. Rensing durfte spielen, er patzte, er wurde abgelöst, und Butt konnte ohne Dauerkritiker allmählich zu einem sicheren Rückhalt werden.
Schalke ist wieder da. Spielerisch kann man noch einiges verbessern, 53 Tore sind schon ziemlich mager, 3-3 gegen Hamburg, 3-1 gegen Gladbach, 3-0 gegen Bochum und 4-1 in Frankfurt, sonst nie mehr als zwei Tore, davon sechsmal ohne eigenes Tor. Aber sie haben die CL ohne Pander und Jones erreicht, und ohne ein einziges Mal darüber zu jammern. Aber in Bremen wurde Magath ja auch nicht gleich Meister.
Bremen zeigt dem HSV wie man kaufmännisches Geschick mit sportlichem Erfolg verbindet. Am meisten erstaunt hat mich am Ende der couragierte Fritz. Man konnte sehen, warum er einst Nationalspieler war. Und natürlich spielten sie phasenweise wieder am schönsten. Hoffen wir, dass Özil seine Sinnkrise endgültig abgeschlossen hat, im Pokal-Finale brilliert und bei der WM konstant spielt. Einen wie ihn könnten die Schalker übrigens gut brauchen, Magath hätte ihn wohl für unverkäuflich erklärt.
Bayer Leverkusen verabschiedet heute Abend den genialen Bernd Schneider. Er ist einer von hundert Gründen, warum das Gerede von der Retortenmannschaft endlich verschwunden ist. Wie bei Schalke wurde auch hier erfolgreich ein Stabilisierungsprozess eingeleitet. Ich sage jetzt nicht, dass Bayer demnächt Meister wird, aber diese Mannschaft hat noch gewaltig Luft nach oben – und einen Trainer, der zu ihr paßt.
Borussia Dortmund, auch die ein echter Aufsteiger. Klopps Vertrauen in die Jugend zahlt sich aus. Zorc hatte einen Lauf bei seinen Transfers, an erster Stelle Barrios. Wenn Kehl noch einmal ganz gesund wird, kann es auch für mehr reichen. Schade, dass der Defensivstratege nie mehr richtig wieder auf die Beine gekommen ist.
Der VfB Stuttgart im Jahr eins nach Gomez kann zufrieden sein. Sie hätten auch unter Gross nicht zwei solche Halbserien gespielt, niemand macht das, Leverkusen, die Ungeschlagenen lange Zeit, auch nicht. Aber auch hier frage ich mich, ob das schon das Ende der Fahnenstange ist. Der VfB produziert reihenweise Nachwuchstalente, Gross ist ein umsichtiger Mann und Heldt hat in seinen jungen Jahren schon viel erreicht als Manager. Neben Stuttgart sehe ich oben auch Schalke und Leverkusen als die Mannschaften, die ihr Potenzial optimal ausschöpften, Bremen blieb dahinter zurück, Bayern und Dortmund spielten über dem Limit.
Der HSV ist neben den Absteigern sicherlich der größte Verlierer der Saison. Im kicker habe ich im Abschiedstext zu Bernd Schneider gerade gelesen, dass Labbadia ihn letztes Jahr im Pokalfinale neunzig Minuten hat schmoren lassen. Das ist extrem instinktlos und ein weiteres Indiz dafür, dass dem großen Motivator Labbadia ein Sinn für Spielerseelen fehlt, den selbst Leute wie Weisweiler, Happel und Magath haben/hatten, die nicht unbedingt Kumpeltypen sind/waren. Die Meisterschaft war illusorisch, aber wie Europa League und Pokal abgeschenkt wurden, war schon extrem arm. Daran konnte auch Ausnahmespieler van Niestelrooy nichts ändern.
Wolfsburg hat die Meisterschaft erstaunlich gut verkraftet. Was auch an der mutigen Entscheidung lag, Köstner zum Chef zu machen. Es war kein Glanz auf dieser Saison, Dzeko war zu sehr Einzelkämpfer. Dadurch dass mit Leverkusen, Schalke und Dortmund gleich drei Hinterbänkler durchstarteten, war Europa zu weit weg.
Mainz hat eine überragende Saison gespielt. Van Gaal hin, Magath her, Thomas Tuchel ist Trainer der Jahres. Als Neuling mit einem Aufsteiger taktisch so ausgefuchst zu agieren, Favoriten zu Hause reihenweise aufs Kreuz zu legen und dann noch ahnsehnlichen Fußball mit Herz und Hirn zu spielen, ist sensationell. Eine echte Bereicherung, alles andere als ein niedlicher Exot, dieser Karnevalsverein.
Eintracht Frankfurt unter Skibbe hat sich ebenfalls erstaunlich entwickelt. Rein punktemäßig war es nicht viel besser als in den letzten Jahren, aber es sieht schon anders aus. Besonders gefallen hat mir Köhler, solche Haken hat in der Liga zuletzt Mehmet Scholl geschlagen. Ohne Verletztenseuche könnten es demnächst sogar 47 Punkte oder mehr werden.
Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das Schwerste, so auch für Hoffenheim. Allerdings kämpfte die TSG von Anfang an gegen die irrsinnigen Erwartungen. Ibisevic erzielte nach seinem Kreuzbandriß 12 Tore und wird jetzt mehr oder weniger als Versager abgestempelt. In der Hinrunde war Hoffenheim Siebter. Ich hoffe, Rangnick kriegt die Kurve und kann in Ruhe weiterarbeiten.
Gladbach, noch ein Gewinner der Saison. Endlich ein Trainer, der paßt, endlich spielen sie ab und zu wenigstens schönen Fußball. Eine No-Name-Truppe hat einem großen Verein eine Menge Anerkennung zurück gebracht. Und Dante hat bei mir schon wegen seiner Frisur einen Stein im Brett. Schade, dass Neuville so wenig spielen konnte. Löw würde sagen: In unserem Frisurenprofil ergänzt er sich nicht optimal mit Dante.
Köln im ersten Jahr nach Daum und im ersten Jahr mit Podolski durchwachsen, also im Rahmen seiner Möglichkeiten. Auch hier eine Riesenkluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Köln ist immer noch eine potenzielle Fahrstuhlmannschaft, es wird noch ein Weilchen dauern, bis der ambitonierte Präsident Overath zufrieden ist. Dass Soldo ein Jahr Klüngel überstanden hat, ohne geistig Schaden zu nehmen, spricht für ihn.
Freiburg behält die Nerven, behält den Trainer und hält die Liga. Für keinen waren die Fußstapfen des Vorgängers so groß wie für Robin Dutt, er hat die Herausforderung bestanden. Dieses Freiburger Team ist noch keine Kultmannschaft wie das große Team mit Cardoso, Heinrich, Schmadtke, noch keine Breisgau-Brasilianer. Sie werden immer gegen den Abstieg spielen, und ab und zu einen Etablierten hinter sich lassen.
Hannover: Ende gut, aber nicht alles gut. Der Tod von Robert Enke bleibt die große Katatrophe dieser Spielzeit. Rechtzeitig kehrten Kampfgeist und Spielfreude zurück, es freut mich, dass 96 der Gang in die Zweite Liga erspart bleibt. Auch für Slomka, der auf Schalke unter Wert verabschiedet wurde. Wenn Hanke so weiter trifft, waren die letzten beiden Spiele der Auftakt zu einer wunderbaren neuen Saison.
Der Club macht es wieder einmal spannend. Sollte die Relegation erfolgreich sein, könnte man das sportliche Modell perfektionieren. 10 Leihspieler, 10 Juniorennationalspieler, Schäfer, Wolf, Pinola, fertig ist der Klassenerhalt. Bader hat gezockt und bis jetzt noch nicht verloren, aber nächstes Jahr bitteschön vielleicht noch ein paar mehr Spieler jenseits der 25 mit mehrjährigen Verträgen. Und eine faire Chance für Mintal.
Auf Wiedersehen, VfL Bochum. Selbst die vier Trainer, selbst das 1-0 in Nürnberg hat nicht gereicht. Wer im Endspiel zu Hause so auftritt, der muss sich mindestens ein Jahr lang im Stahlbad Zweite Liga regenerieren. Vielleicht hätte man Koller nicht feuern sollen, was hilft es dem gemeinen Fan, dass Wosz Kult ist und die letzten beiden Spiele so ausgehen.
Last and least – der Problembär aus Berlin. Nicht Hoeneß, sondern Gegenbauer ist der Verantwortliche für das Desaster. Und angesichts der Tatsache, dass es keinerlei Opposition gegen ihn gibt, ist auch in Liga Zwei wenig Gutes zu erwarten. Es war klar, dass nach der Überfliegersaison ein Krisenjahr kommt. Und anstatt den erfahrenen Krisenmanager Hoeneß in Würde zu verabschieden, legt man das Schicksal in die Hände eines Trainers, der das Team gerade mal zwei Jahre betreut hatte. Und der arme Preetz – sympathisch, unerfahren, überfordert – wußte nicht, wie ihm geschieht.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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