Der Osten rockt »
Rostock aufgestiegen, Chemnitz aufgestiegen, Aue fast aufgestiegen, Cottbus fast aufgestiegen (und im Pokal-Halbfinale), Erfurt fast aufgestiegen, Union nicht abgestiegen, Babelsberg sportlich nicht abgestiegen, Neuling Rasenball Leipzig auf Platz vier in der Regionalliga, Magdeburg dortselbst nicht abgestiegen und das Sahnehäubchen gab’s am Dienstag, als Dynamo Dresden in Osnabrück erst in die Verlängerung und dann in die Zweite Liga stürmte. Schahin schießt schwarz-gelb ins Glück, und das ist kein Schreibfehler. Das zweite Spiel gegen Osnabrück war richtig geil. Ein KO-Spiel, wie es sein soll, bis auf die Brandsätze auf der Tribüne. Kein einziger Ostverein aus den Ligen zwei bis vier ist abgestiegen.
Bin sehr gespannt, wie das weitergeht. Man darf die Freiburger, Hannoveraner, Nürnberger und Dortmunder für ihren Spar- und Jugendstil gerne loben, aber heimlich still und leise haben die in den neunziger Jahren auch durch eigene Unbedarftheit so arg gebeutelten Vereine aus dem Beitrittsgebiet eine Menge dazu gelernt. In Dresden sind Calmund und Kirsten mit vollem Herzen dabei, in Rostock hat Beinlich binnen eines Jahres Perspektiven entwickelt und Hansa kann wieder aus seiner hervorragenden Jugendarbeit schöpfen. Union hat sich wieder einmal durchgebissen und will/wird sich gezielt weiterentwickeln. Alle drei Vereine haben neue Stadien. Mittlerweile gibt es in Liga Zwei fünf Ostvereine, alle haben das Zeug zum Aufstieg, Hansa oder Dynamo traue ich auch einen Durchmarsch zu. Chosebuz und die anderen treffen auf die großen Namen längst vergangener Zeit, die Münchner Löwen, die Fortuna aus Düsseldorf, den Frankfurter Adler, die Fürther, Eintracht Braunschweig, den Meidericher SV und naürlich St. Pauli. Zugegeben, es wird einige heikle Spiele mehr in der Zweiten Liga geben, aber die Fans werden nicht so blöd sein, mit dem Arsch einzureißen, was sie mit ihren schönen Gesängen erreicht haben. Fortsetzung folgt.
PS: Ich bin so froh, dass Favre und die Gladbacher das noch gewuppt haben. Möge der Kelch Effenberg an den Borussen und allen anderen Mannschaften des deutschen Profifußballs vorüber gehen. Vielleicht kann der Papiertiger ja zusammen mit Lothar Matthäus Tonga auf einen zweistelligen Platz in der FIFA-Weltrangliste hieven, es wäre eine “reizvolle Aufgabe” und eine “große Herausforderung”. Gladbachs nächste Saison wird so werden wie die abgelaufene beim Club. Passenden Trainer gefunden (Favre/Hecking), Relegation gewonnen (Bochum/Augsburg), wichtigsten Spieler gehalten (Reus/Pinola) und ab geht die Luzie.
Die letzten Entscheidungen »
Borussia Dortmund ist Meister, hochverdient, Gratulation. Vor einem Jahr war ich gegen Bochum dabei, als das Festgeld Conto Bayern München Schalke abschüttelte, diesmal war der Club höchstpersönlich im Stadion, als die Schwarz-Gelben die Schale buchen konnten. Demnächst würde ich gerne mal wieder einen eigenen Titel feiern. Nach den Spielen der letzten Wochen bin ich wirklich froh, dass der Club nicht in der Europa League spielt. Es ist immer gut, sich neue Ziele zu setzen, aber die Mannschaft war nach der Supersaison am Limit angekommmen. Bin sehr gespannt, wie sich der Taktiktüftler Tuchel auf europäischem Parkett schlägt. Wenn man sieht, wie die Mainzer Bayern und Schalke im eigenen Stadion hergespielt haben, kann sich der Club auf das 0-0 beinahe etwas einbilden. Und ein Ende des Mainzer Höhenflugs ist nicht abzusehen. Auch ohne Holtby und Schürrle werden sie ihren Stil weiterentwickeln und mannschaftlich stärker sein als die meisten Teams. Im Abstiegskampf hat Gladbach noch einmal Morgenluft gewittert, und es ist kein Zufall dass Mike Hanke das 1-0 gegen Freiburg erzielte. Im ersten Rückrundenspiel in Nürnberg gab er die Vorlage zum 1-0 und ist seitdem einer der entscheidenden neuen Spieler. Gegen Hamburg wird es schwer, aber nicht unmöglich, Platz 16 zu verteidigen. Und die Frankfurter brauchen vielleicht eine Auszeit in Liga Zwei, um ihre Fans zur Räson zu bringen.
Gegen wen die Relegation gespielt wird, entscheidet sich erst am letzten Spieltag. Fürth ist bis zum Schluß in der Verlosung, allein das ist schon eine tolle Leistung nach all den Verletzten. Auf dem Papier ist Düsseldorf ein bißchen leichter als Duisburg, die sich emotional in Endspielstimmung versetzen müssen und die Saison nicht ausklingen lassen werden. Und dann Relegation gegen Gladbach? Hertha ist wieder da, mit einem Sahnesturm und einem Problembär im Tor haben sie souverän und nervenstark den Aufstieg geschafft, Gratulation. Anscheinend bleibt die Mannschaft zusammen, eher gibt es Zugänge wie Ottl und Kraft, die der Mannschaft gut zu Gesicht stünden. Kopf hoch, Frankfurt, so toll kann Wiederaufstieg sein. Die Vereine aus dem Osten spielen eine starke Saison. Aue undCottbus fast auf Platz drei, Union locker die Klasse gehalten. Am Tabellenende geht es genaus spannend zu wie in Liga eins. Vergeigt der KSC am Ende doch noch alles nach diesem Seuchenjahr? Oder werden die Löwen am Grünen Tisch nach unten expediert?
In Liga Drei ist Braunschweig souverän Meister geworden, Gratulation. Wie Düsseldorf und St. Pauli ist ein Traditionsverein, der lange unterklassig war, wieder in Liga 2. Rostock hat seine innere Mitte nach den Kapriolen wiedergefunden und den direkten Wiederaufstieg geschafft. Eventuell kommt Dresden noch dazu. Dann wären es schon fünf Ostvereine in Liga Zwei. Bis sich wieder zwei oder drei ganz oben tummeln ist es nur eine Frage der Zeit, wenn sie weiterhin so seriös arbeiten.
Die Beiträge hier werden weiterhin rar bleiben, ich arbeit gerade an meinem neuen Roman. Aber in der neuen Saison gibt es wieder mehr zu lesen.
Männer ohne Nerven »
Früher, da ging es echt übel ab auf dem Reichsparteitagsgelände. Die Nazis waren an der Macht, und immerzu wurde die Volksgemeinschaft mit “Kraft durch Freude” zusammengelockt. Am Samstag war alles ganz anders. Da holten Cohen, Simons & Co. verdient einen Punkt gegen das Festgeld Conto Bayern München, und der sportliche Erfolg stand unter dem Motto “Freude durch Kraft”. Es waren nicht die zwei verlorenen Punkte, die das Fäßchen Hoeneß zum Überlaufen brachten, sondern die einsame Entscheidung, den soliden Butt durch den flatterhaften Kraft zu ersetzen. Wäre van Gaal zu diesem Zeitpunkt nicht in Katar gewesen, wer weiß, man hätte ihn wohl schon im Winter in die Wüste geschickt. Das sympathische Jahrhunderttalent Kraft hat das FCB schon wenigstens acht Punkte gekostet – drei die Hannover gemacht hat, drei die Bayern dort nicht gemacht hat, und zwei in Nürnberg – und das war’s dann auch schon mit dem Ärachen van Gaal. Jonkers und Gerland haben jetzt die schwierige Aufgabe, ihre Männer elegant auf Platz sechs durchzuschleusen, damit sie nicht in der verhaßten Europa League enden, in der ein CL-Sieger wie Porto groß aufspielt.
Soll man sich den Club in der Europa League wünschen? Ich weiß nicht so recht. Die Mannschaft wird wieder wesentliche Spieler verlieren, selbst bei einem Abstieg von Stuttgart gibt es lukrativere Adressen für Schieber. Gündogan und ich fürchte Wollscheid könnten auch verschwinden. Soll man wegen eines Auswärtssiegs bei BATE Borisov den Klassenerhalt aufs Spiel setzen? Wenn wir mal unterstellen, dass sie aus den letzten fünf Spielen noch sieben Punkte holen (darunter einen kleinen, aber gemeinen Punkt in Dortmund), dann hätten sie fünfzig am Ende. Der gemeine Clubfan wäre sicherlich nicht traurig, wenn die Mannschaft nächste Saison elfmal statt neunmal zu Hause gewinnt, und fünfmal statt dreimal auswärts. Oder wieder schon am 25. Spieltag den Klassenerhalt sicherstellt. Diesmal wurden bereits Schalke und Stuttgart bezwungen, Köln und St. Pauli begeisternd besiegt, van Gaal wurde mit einem typischen Eigler-Tor verabschiedet. Gegen Freiburg, Gladbach, Kaiserslautern muss man es zu Hause besser machen, gegen Dortmund und Bremen darf man. Also noch viel Luft nach oben im neuen Jahr und dann am besten gleich Platz vier in 2012 anpeilen und gegen Borisov die CL-Quali schaffen. Für ein Auswärtsspiel in Barcelona kann man 2013 wieder mit dem Relegationsplatz kokettieren.
Froh und dankbar muss man sein, dass der Club mit diesem nervenzerfetzenden Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat. Selbst Hoffenheim, die vor Wochen noch von Platz fünf sprachen, kann es noch erwischen. Es ist wie in einem Zombiefilm. Die Totgesagten wie Gladbach und Kaiserslautern kehren zurück, dem Schicksal scheinbar Entronnene wie Stuttgart und Bremen werden von den lebenden Leichen mit in den Abgrund gezogen.
Weit weg von jedem Abgrund ist das erfahrene Vizekusen, das sich auf Platz zwei behaglich eingerichtet hat und dem BVB beharrlich näher kommt. Fünf Punkte und fünf Spiele, könnte eng werden. Dieses Mal könnte Bayer sogar in München gewinnen, das FCB musste schon gegen Mainz und Dortmund Federn lassen. Der BVB hat einen Punkt in Hamburg gerettet, aber Bayer hat sein Spiel eben noch vollständig gedreht und zeigt eine erstaunliche Nervenstärke. Allen voran der immer besser werdende Kießling, der es schafft, Aggressivleader zu sein, ohne dauernd jemand seinen Ellenbogen ins Auge zu stemmen. Dortmund muss noch gegen zu allem entschlossene Bremer, brennende Gladbacher und leichtfüßige Nürnberger spielen. Mal sehen, ob den Duracell-Häschen auf den letzten Metern der Saft ausgeht. Leverkusen wirkt insgesamt reifer, obwohl keiner so ekstatisch jubelt wie die Dortmunder. Und Klopp ist in dieser Saison mehr gelaufen als das gesamte Mittelfeld von Wolfsburg.
Der nette Herr Pezzaiouli »
Als Marco Pezzaiuoli nach der späten 1-2-Niederlage in Bremen die Großchancen seiner Mannschaft aufzählte, klang das schrecklich pennälerhaft. Wer will denn etwas von Statistik hören, wenn der soeben erkämpfte Punkt in der Schlußminute wieder hergeschenkt wurde, wie schon so oft in dieser Saison? Pezzaiuolis bubihaftes Aussehen und seine geringe Erfahrung, vor laufender Kamera zu sprechen, verstärkten diesen ersten Eindruck. Das Ausscheiden im Pokal gegen Cottbus trug auch nicht dazu bei, dem Nachfolger von Rangnick besonders viel zuzutrauen. Auf der anderen Seite zeigte Hoffenheim auf St. Pauli und jetzt gegen den FCK auf einmal, dass es auch in der Lage ist, ein Spiel zu drehen oder sich Punkte zurück zu holen. Plötzlich zeigen sie Nervenstärke und Entschlossenheit gegen zwei besonders kampfstarke Teams. Ob das schon der neue Trainer ist? Auch wenn die Niederlage Kaiserslauterns unglücklich war, in den wenigen Minuten der Zusammenfassung in der Sportschau wirkte die TSG wie ein Team und nicht wie eine Ansammlung von Einzelspielern, die immer noch der fabulösen Hinrunde von anno dunnemals hinterherhechelt.
Die Elf vom Samstag zeigt bereits in dieser Saison die Möglichkeiten für eine Neuausrichtung, bei der Spieler wie Demba Ba von keinem vermisst werden. Da gibt es die jungen Deutschen wie Compper, Beck und den Torschützen Nummer Eins vom Samstag, Rudy, mit Jaissle, Vukcevic und Weis in der Hinterhand. Eichner ließ man gehen, aber der ist in Köln besser aufgehoben, manchmal ist das so, obwohl er genau ins Anforderungsprofil gepaßt hätte. Dann gibt es die gleichfalls jungen Ausländer wie Vorsah, Babel und Sigurdsson, den zweiten Torschützen vom Samstag. Ob der 7-Millionen-Mann Babel sein Geld wert ist, muss man sehen, aber er scheint wohl eher ein Opfer der Liverpooler Krise zu sein als dass er das Fußballspielen verlernt hat. 5-Millionen-Mann Sigurdsson ist jedenfalls ein Vollstreffer. Drittens gibt es die immer noch sehr jungen Alten, die den Aufstieg mitgemacht haben wie Ibertsberger, Salihovic und Ibisevic, den Siegtorschützen gegen Kaiserslautern, der mit sechs Treffern auch schon so viele erzielt hat wie die mächtig gehypten Sam, Allagui und Großkreutz. Starke war zu lange verletzt, um herausragend zu werden, aber mit einem Notenschnitt von 2,92 macht er sich trotzdem sehr gut. Einzige Fremdkörper sind bei diesem Szenario der am Samstag auf die Bank beorderte Simunic und der nach wenigen Minuten vom Platz geflogene Braafheid.
Pezzaiuoli hat jetzt noch 13 Spiele Zeit, seine Mannschaft zu formen und zu zeigen, was er draufhat, auch was sinnvolle Ergänzungen für die neue Saison angeht. Die Chancen auf einen Platz für den internationalen Wettbewerb sind mit dem neuen Coach jedenfalls nicht geringer geworden. Dass auch kleiner gebackene Brötchen lecker schmecken können, zeigt ein ums andere Mal Freiburg, diese Saison werden auch Hannover und Mainz für diesen Weg belohnt. Hoffenheim wird auch in Zukunft mehr Geld in die Hand nehmen können als diese Vereine, aber mehr Bodenständigkeit mit einer taktisch versierten, jungen Mannschaft dürfte zur neuen Unübersichtlichkeit der Liga positiv beitragen. Trainer mit jungenhafter Ponyfrisur sollte man niemals unterschätzen.
Die Viererkette der Apokalypse »
Die Mannschaft stellt sich quasi von selbst auf. Zumindest im Manager-Spiel in der Classic-Variante. Dort stehe ich mit 177 Punkten auf Platz 11700 von 130000 und habe seit dem 10. Spieltag mehr als 20000 Plätze gut gemacht. Top-Scorer ist Kagawa gefolgt von Schwegler und Starke. Pinola hängt wegen seiner blöden Sperre bei 16 Punkten, Raul bei 11. Auch für schöne Tore gibt es nur drei Punkte. Nachdem Ballack erstmalig ins Geschehen eingreift, Starke wieder dabei ist und Idrissou sich mit Frontzeck ausgesöhnt hat, bin ich optimistisch, dass nach oben noch ein bißchen was geht. Die Oberen Zehntausend sind greifbar nah, vielleicht reicht es sogar zu Platz 7248, dann wäre ich im vorderen Achtzehntel, also quasi Erster.
Die Transferphase in der Interactive-Variante habe ich genutzt, die Verschwundenen, Fußlahmen und sonstigen Ausfälle zu ersetzen. Banovic (zu Duisburg), Bunjaku (bis Saisonende verletzt), Frantz (ominöse Frankfurter Verletzungsseuche am Bauchmuskel) und Jones (Magath) sind verkauft, dafür spielen jetzt Fuchs (Mainz), Vidal (Leverkusen), Sukuta-Pasu (St. Pauli) und Tiffert (Kaiserslautern). Mit Tiffert hatte ich mal eine ganz gruselige Saison, ich glaube nur noch Peter Peschel hat mir mehr Kummer bereitet. Fuchs hätte ich beinahe schon zu Saisonbeginn genommen, der hat mir schon bei Bochum immer sehr gut gefallen. Sukuta-Pasu werden wir jetzt öfter in der ersten Elf sehen, mit ihm schafft St. Pauli den Klassenerhalt. Vidal ist in Leverkusen der Kopf der Mannschaft, seine rabaukige Seite wandelt er in positive Zweikampfenergie. Eichner ist quasi mein fünfter Neuzugang, in Hoffenheim ausgemustert, in Köln auf dem Weg zum Stammspieler. Nachdem sich die Wechsel automatisch ergaben, bleiben mir Harnik, Gentner, Hunt und Fritz alle erhalten, quasi die Viererekette der Apokalypse. Vier Ypse, vier Gimmicks. Weil an diesem Wochenende Tiffert, Gündogan, Bugera und und Kagawa nicht dabei sein können, sind drei von den vieren sogar in der ersten Elf. Gentner und Harnik sind eigentlich keine Schlechten, Fritz spielt in der Chaosabwehr einigermaßen solide, nur Hunt enttäuscht bisher auf der ganzen Linie. Zusammen 81 Punkte, trotzdem nicht wirklich der Bringer.
Bei der Interactive-Variante ist ebenfalls Kagawa ganz vorne, gefolgt von Gekas und Schäfer, jeder über 100 Punkte. Das Team darf gerne noch ein bißchen über sich hinauswachsen. Platz 68700 von 210000 bedeutet zwar einen Platz im oberen Drittel, aber auch Helmes, Schäfer, Gündogan und Son können noch mehr, nach den guten Spielen vor dem Winter habe ich den FCK ein bißchen als Geheimtipp. Die Roten Teufel haben sich eingewöhnt, jetzt legen sie los.
Was zu der spannenden Frage führt, wer eigentlich absteigt. Nachdem Bremen und Wolfsburg ihre besten Stürmer verkauft haben, sind ihre Chancen auf Liga Zwei jedenfalls nicht kleiner geworden. Auch der VfB wird sich mit Dampfplauderer Bobic und Topmodel Labbadia sehr schwer tun. Alle anderen Mannschaften haben mehr Erfahrung im Abstiegskampf, mehr Gleichgewicht in der Mannschaft, mehr Biss als diese drei. Wäre natürlich blöd für den Dritten der Zweiten Liga, wenn sie ausgerechnet gegen so ein Schwergewicht spielen müßten – Paderborn gegen Wolfsburg in der Relegation, das wäre doch der Hit. Gladbach kriegt die Kurve noch. Die haben sich richtig gut verstärkt und irgendwann ist jede Verletzungsmisere einmal zu Ende.
Meister wird natürlich Mainz, Dortmund ganz bestimmt nicht, Leverkusen aus Prinzip nicht.
Heute Abend nicht meinen Live-Ticker auf Twitter verpassen: Vizekusen gegen Lüdenscheid, Ballack kommt in der 78. Minute und schießt das Sieg bringende 2-1 für die Gastgeber.
Kleine Fische mit scharfen Zähnen »
Gestern im Pokal wurde wieder einmal das Potenzial der Zweiten Liga deutlich. In gleich drei Duellen mit einem Erstligisten setzten sich die unterklassigen Mannschaften durch, auch in Augsburg stand das Spiel lange auf Messers Schneide, ehe den Schalkern ein später Sieg gelang. Besonders überzeugend trat Cottbus auf, die schon mal in einem Pokalendspiel standen. Auf dem Weg dorthin gewannen sie damals gegen den Erstligisten KSC im Schneetreiben und angetrieben von einem euphorisierten Publikum in typischer Zweitligamanier: durch Kampf und Emotion. In Wolfsburg war Energie die in allen Belangen überlegene Mannschaft, erspielte sich bis zur Pause ein für die Heimmannschaft demütigendes 3-0 und geriet während des ganzen Spiels nie in ernsthafte Gefahr. Nur einige Fans kommen bei diesem Niveau nicht mit und gefährden mit ihren depperten Auftritten den Erfolg. Auch Duisburg war in Köln die reifere Mannschaft, hätte bei besserer Chancenverwertung den FC ganz böse abwatschen können. Bei Aachen war es gegen Frankfurt am ehesten ein Triumph der Emotionen und eines phantastischen Torhüters. Was dem einen sein Neuer, ist dem anderen sein Hohs. Aber klassisch gebolzt hat auch die Alemannia nicht.
Es sind eine ganze Reihe von Mannschaften in Liga Zwei, die sich ähnlich geschlossen und mit einer klaren Spielanlage präsentieren wie Kaiserslautern oder Freiburg eine Klasse höher. Freiburgs seit fünfzehn Jahren betriebene Nachwuchs- und Scoutingarbeit ragt dabei heraus, am Betze lebt man vom Genie des Stefan Kuntz, der dem VfL Bochum dereinst Theofanis Gekas und manch andere Perle bescherte. Neben Augsburg, Duisburg, Cottbus sind es auch noch die bereits im Pokal ausgeschiedenen Bochum, Düsseldorf und Hertha. Fürth und Aue, die im Moment oben noch dabei sind, fehlt die Erfahrung eines erfolgreichen Aufstiegs, aber auch sie sind noch mit in der Verlosung. Viele Vereine sind mittlerweile in der Lage, ihre Philosophie auch eine Klasse tiefer weiter zu entwickeln und zumindest ein Jahr in Liga Zwei personell und finanziell recht gut zu überbrücken. Totale Katastrophen wie der Abstieg Nürnbergs 1969 oder der Münchener Löwen 2004 gibt es nur dann, wenn man sich vollkommen überschätzt, siehe KSC, Bielefeld, Rostock. Die anderen nehmen das körperbetonte, giftige Spiel an und arbeiten zugleich an einer Gesamtstrategie, in die Nachwucharbeit, Management und Trainerstab von Anfang an eingebunden sind.
Bei dieser hohen Leistungsdichte – zwischen den immer stärker werdenden Bochumern auf Platz acht und den Augsburgern auf Platz eins liegen nur fünf Punkte – wird die Rückrunde ein Langzeitkrimi, bei dem am Ende die nervenstärksten Teams die Nase vorn haben werden. Wer das sein wird, ist nicht abzusehen. Hertha hat sich gegen Aue und Augsburg nach dem kleinen Durchhänger wieder sehr stark gezeigt, vom Gesamtkonzept ist Augsburg sicherlich die Nummer eins. Duisburg hat eine tolle Mischung aus Jung und Alt, Bochum den Aufsteigsroutinier Funkel auf der Bank. Düsseldorf hat den Verlust seiner wichtigsten Spieler mittlerweile verdaut, Fürth und Aue sind Außenseiter, aber beim Club unter Oenning dachten auch viele, die Mannschaft spiele über ihrem Limit und plötzlich waren sie doch auf einem Relegationsplatz und der damalige Erstligist Cottbus bekam die neue Stärke der Zweiten Liga zu spüren.
Fieberträume schwächelnder Mittelfeldmittelgewichte »
Ein gewisser Oskar Beck, als Sportjournalist vor allem mit dem VfB Stuttgart beschäftigt und in der Stuttgarter Zeitung präsent, behauptet in Die Welt vom 5.12.: Die Bayern beherrschen auch in der Krise die Liga. Inhalt des Artikels: Die Bayern sind so übermächtig, dass ihr Absacken wichtiger ist als Dortmunds und Mainzens Aufstieg. Das war schon immer so, das wird immer so bleiben. Beweis:
“Schon in den 70ern ließ Präsident Willi O. Hoffmann, besser bekannt als „Champagner-Willi“, anlässlich eines Kampfes von Muhammad Ali in seiner Villa einen Boxring aufbauen und stellte im Rahmen einer rauschenden Party vier Fernseher hinein.”
Fürwahr einer der definierenden Momente des deutschen Sports jener Dekade. Aber nichts im Vergleich zu Hoenbold dem Verwurster, der im Jahr 1312 sein Pemmikan an der Querlatte trocknete.
Meine Gegenthese zu diesem untauglichen Versuch einer Fiktion der Bundesliga als Bayernliga: Die Bayern beherrschen auch in der Krise die Journalisten, die sich ihnen unterwerfen. Denn wer über die Bayern schreibt, muss nicht unbedingt viel vom Fußball verstehen und findet doch immer sein Thema. Alles easy-peasy, bussi-stussi. Dass nach vierzig Jahren Dauerjodelbeschallung auf allen Kanälen Vereine wie Mainz, Freiburg, Union Berlin oder Dynamo Dresden überhaupt noch wahrgenommen werden, ist Beweis für die Eigenwilligkeit und Eigenständigkeit, Liebe und Bockigkeit der Fans.
Ich mache jetzt einen kleinen Selbstversuch. Ich tu jetzt einfach mal so, als seien die Bayern schon abgestiegen. Und obwohl Franz Beckenbauer, Stefan Effenberg, Mehmet Scholl und Oliver Kahn in pluralistischer Vielfalt die Meinungshoheit zusammen mit Marcel Reif, Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann unter sich aufteilen, schreibe ich bis zum 24. Spieltag, der scheibchenweise ungefähr am 26. Februar 2011 stattfindet, also bis zum Spiel des glamourös malochenden BVB in München, gar nichts mehr über den vom Absterben bedrohten Säbener Säbelzahnpapiertiger. Und dann werden wir in einem utopisch aufblitzenden Moment erahnen, wie schön das Fußball ist unser Leben sein kann.
Was für eine Kriminacht »
Zum Schluß dreimal Verlängerung und zweimal Elfmeterschießen, das war wirklich eine packende Pokalrunde. Dortmund scheiterte am stärksten drittklassigen Team, das noch übrig war. Offenbach ist am Bieberer Berg im KO-Spiel eine richtig harte Nuss. Und am Ende waren es die Nerven von Barrios. Ob es eine gute Idee war, Helmes im anderen Elfmeterschießen gleich noch einmal schießen zu lassen, möchte ich bezweifeln. Dann muss eben ein anderer Spieler ran, sind ja elf. Keine gute Woche für den Geheimfavoriten Leverkusen. Harnik garantierte Stuttgart das Weiterkommen, erfreulicherweise gehört der von Gross ignorierte Knipser zu meinem Interactive-Kader, vielleicht geht ja auch endlich in der Liga was bei ihm. Cottbus und Aachen kämpfen zwei Erstligisten nieder, auch das Spiel Eintracht – HSV war bemerkenswert. Der HSV immerzu hui und pfui, das reicht nicht für Titel. Frankfurt auf dem Weg ins Endspiel? Auch 2007 spielten sie gut, scheiterten dann im grandiosen Halbfinale von Nürnberg. Mittlerweile wirken sie gefestigter, die Rückkehr von Chris macht aus der launischen Diva eine ganz andere Mannschaft. Der Club konnte nach dem Auftakt gegen Pokalschreck Nummer Eins, Eintracht Trier, glanzlos und solide gewinnen. Mir wäre ein Achtelfinale in Cottbus am liebsten, dann könnte ich hinfahren und es würde bestimmt ein richtig schöner Fight werden.
Auch am Dienstag war es spannend. Die Bremer scheiterten trotz des nicht gegebenen Tors vor allem an ihrer Chancenauswertung, wobei Arnautovics Lattentreffer nicht besser oder schlechter geschossen war als Schweinsteigers 2-1. Der ehemalige Schweini ist der entscheidende Mann im Moment. Beim Auftaktsieg gegen Wolfsburg, im Pokal und in der Liga. Mal abwarten, ob dieser Sieg die Wende bringt. Freiburg verlor unglücklich und kann in München zumindest einen Punkt holen. Zwölf Punkte sind schon eine Menge Holz, und es sind nicht nur die Verletzten. Lahm, Badstuber, Olic sind alle nicht so gut wie in der Vorsaison. Butt tauchte vor Prödls Tor unter dem Ball durch. Schalke spielte aus voller Überzeugung dröge und fad und wurde damit seiner Favoritenrolle gerecht.
Dass Hertha wieder rausgeflogen ist, kann eigentlich nicht überraschen, das Tor von Koblenz zum 1-0 war trotzdem sehenswert. Wenn man die Ergebnisse der Zweitligisten betrachtet, dann wird es bis zum Winter dort sehr eng werden. Duisburg und Augsburg kommen langsam in Fahrt, Cottbus beißt sich rein, selbst die mies gestarteten Aachener könnten noch nach oben kommen. Jetzt wird sich zeigen, ob Hertha die Nerven behält. Und in Fürth weinten die Playmobil-Männchen, das kann sonst nur Baby Born.
Das Manager-Memo: Europa League und müdes Mittelfeld »
Auf das Wesentliche konzentriert bin ich in diese kicker-Manager-Saison gegangen. Für die Zweite und Dritte Liga blieb diesmal keine Zeit, diesmal gibt es nur die Bundesliga. In der Classic-Variante gehe ich mit folgender Aufstellung durch die Saison:
Starke – Pinola, Fritz, Amedick – Kagawa, Schwegler, Meier, Ballack, Köhler – Idrissou, Raul. Ersatz sind Knaller aus dem Hause Gerry Ehrmann, dessen Mannschaftskollege Abel, der im Moment verletzte Didavi und Sukuta-Pasu von St. Pauli, dessen tolles Spiel in Freiburg leider nicht in die Wertung kam.
Bisher läuft es mit Rang 26000 von 127000 ganz ordentlich, ein Platz im oberen Fünftel. Mein Königstransfer Ballack stand noch gar nicht richtig auf dem Platz, Raul irrt noch über die Schalker Baustelle. Der Abräumer war bisher Kagawa, danach kommen Starke mit 14 und Pinola mit 10 Punkten, der schon zwei Tore erzielt hat. Schwegler, Meier und Köhler könnten noch ein bißchen mehr zeigen.
In der Interactive-Variante läuft es noch nicht ganz so berauschend. Platz 140000 von 207000 bestätigt den leichten Aufwärtstrend seit Spieltag zwei, als ich 45000 Plätze weiter unten stand. Auch hier ist Kagawa der wichtigste Punktelieferant, gefolgt von Schäfer und Gekas, den ich in letzter Sekunde an Stelle von van Niestelrooy (wegen Veh) in den Kader nahm. Nachdem mit Didavi, Gentner, Harnik, Salger, Fritz und Hunt gleich sechs Spieler von Stuttgart, Bremen und Köln im Kader sind, wird es wohl erst einmal mittelprächtig weitergehen. Ich muss ja elf aufstellen.
Bunjaku und Son sind Langzeitverletzte, Son quasi mit Saisonbeginn, es bleiben im Sturm nur Gekas und Helmes. Maik Franz ist auch dabei, weil letzte Saison torgefährlicher Abwehrspieler, außerdem Edelreservist Banovic und der schon wieder sehr erfreuliche Jones, trotz des Einsteigens gegen Schäfer. Hain von St. Pauli ist Torwart Nummer Zwei, Rössl Nummer Drei, Reinartz und Bugera ergänzen die Abwehr, Gündogan und Cohen sind die jungen Wilden im Mittelfeld. Cohen hat mir gegen den HSV sehr gut gefallen. Kein Mainzer und kein Hannoveraner, die allesamt Schnäppchen gewesen wären, aber mal abwarten wie es nach der Länderspielpause weitergeht. Beim Club und bei Bremen zeigt die Leistungskurve ja ein wenig nach oben. Und Bremen findet eh erst in der Rückrunde statt.
Immer wieder Mittwoch »
Schade, dass es keine englischen Wochen in der Bundesliga mehr gibt, das waren immer kleine Sahnehäubchen nach eines harten Tages Nacht. Diesmal, wegen der WM, die bekanntlich nichts anderes war als eine groß angelegte Intrige von Sepp Blatter und dem KNVB, um den Bayern die ihnen zustehenden Titel zu stehlen und deren Fuhrpark zu demolieren, war es aufregend wie früher. Viele frühe Tore, vier Spiele wurden erst in der Schlußminute entschieden, ein paar rote Karten gab es auch. Flutlicht schafft den Rahmen für die besonderen Momente.
Bis auf die zu zaghaften Hoffenheimer gewannen immer die Richtigen. Grafite ist wieder da, weil McClaren sein System verändert hat, der Club wuppt seit dem 3-2 in Wolfsburg letztes Jahr wieder mal ein Punktspiel in der Nachspielzeit. Pino will es wissen in dieser Saison, schon den Elfer beim HSV hat er sicher verwandelt. Nie war er so wertvoll wie heute. Die Mannschaft sieht gut aus, steht gut, läuft viel, hat das Glück des Tüchtigen und wieder eine funktionierende Abwehr.
Für St. Pauli trifft Asamoah und dreht das Spiel. Gazprom schlägt die Breisgauer Sonnenkollektoren, schöner noch als das Tor von Huntelaar war die Vorarbeit von Matip. Mainz bleibt vorne dran, weil Tüftel-Tuchel wieder einmal die richtige Taktik hatte. Das ist nicht nur Laufstärke und Euphorie bei Mainz. Außer bei Mourinhos Siegesritt durch die Champions League habe ich selten ein Team erlebt, das taktisch so gut eingestellt ist und so variabel reagieren kann wie die Mainzer. Hannover spielt sich die Alptraum-Saison von der Seele und Dortmund spielt so gut, dass die Fans auf der Südtribüne grinsend den Kopf schütteln.
Bayern spielt jetzt nacheinander gegen die Teams auf Platz 1 und 2, danach kann man sehen, ob sich die Tabelle eingependelt hat, oder ob man schon auf Außenseiter wetten darf.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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