Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis [weiterlesen ...]


Und täglich grüßt die Extrawurst »

17. Mai 2006 Champions League Finale zwischen Arsenal und Barcelona. In der 18. Minute foult Arsenals Torhüter Jens Lehmann den durchgebrochene Eto’o und sieht Rot. Arsenal verliert ein grandioses Endspiel mit 2-1. Knapp zwei Monate später WM-Endspiel in Berlin. Nach einem Kopfstoß gegen den Italiener Materazzi sieht Zinedine Zidane in der 110. Minute Rot. Frankreich verliert im Elfmeterschießen.

Auch wenn es die Vorstellungskraft der meisten Bundesliga-Schiedsrichter überschreitet: Es ist möglich und dem Spiel sogar förderlich, Regelverstöße von allen Spielern zu bestrafen, egal, ob sie in vermeintlich großen oder kleinen Mannschaften spielen. Die Welt geht nicht unter, wenn es Chancengleichheit gibt zwischen Favoriten und Außenseitern. Warum also ist es nicht möglich, Spiele des FC Bayern regelkonform zu leiten und stattdessen das Team aus München in penetranter Weise zu bevorzugen und die gegnerische Mannschaft zu benachteiligen? Und warum wird diese gängige Praxis von den meisten Sportjournalisten devot oder achselzuckend zur Kenntnis genommen?

Jeder im Stadion in Leverkusen hat gestern Abend gesehen, dass Thiago zwingend hätte Rot sehen müssen. Jeder im Stadion hat am vergangenen Samstag in Dortmund gesehen, dass Xabi Alsonso in der 88. Minute ein Foul an Aubameyang beging, indem er ihm auf den Fuß trat. Das hatte er im Spiel vorher schon dreimal gemacht, weil er läuferische Defizite hat. Jeder im Stadion formerly known as Volkspark hat am 4. Spieltag gesehen, dass Neuer einen Konterversuch in der Nachspielzeit per Handspiel an der Mittellinue unterband und Gelb anstatt Rot sah. Jeder im Berliner Olympiastadion hat am 17. Mai 2014 gesehen, dass Mats Hummels in der 65. Minute ein reguläres Tor für Dortmund im Pokalfinale gegen die Bayern erzielte.

Tom Bartels, der Erste Bayern-Schwadroneur der ARD*, wußte gestern zu vermelden, dass noch nie eine Mannschaft dreimal hintereinander Pokalsieger geworden ist. Es gibt auch keine andere Mannschaft, die in engen, in kritischen Spielen in nationalen Wettbewerben von den Schiedsrichtern so zuvorkommend bedient wird wie die Bayern. Das gleicht sich im Lauf der Saison nicht aus, das ist ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil, der die psychologische Ausgangssituation der Bayern gegenüber allen anderen Wettbewerbern drastisch verbessert, will sagen, den Wettbewerb systematisch verzerrt. Im Großen wie im Kleinen. Nehmen wir den 2. Spieltag der Saison 2010/11. Am ersten Spieltag verlieren die Bayern zuhause gegen Gladbach nach Fehler von Neuer. Der Torwart aus Schalke hat einen nennenswerten Teil der Fangemeinde gegen sich, nach seinem Patzer ist der Unmut größer geworden. Auch gegen Wolfsburg patzt er in der 39. Minute. Der reguläre Treffer von Helmes wird aber nicht anerkannt, warum, weiß keiner.  Bayern gewinnt durch ein Tor von Luiz Gustavo in der letzten Minute mit 1-0, und Neuer kriegt die Kurve. Es sind diese kleinen Extras, diese Mischung aus Nachsicht, Servilität und Regelblindheit, die am 27. Spieltag zehn Punkte Vorsprung bedeuten können, oder den erfolgreichen Einbau eines  Schlüsselspielers zu Beginn der Saison. Neuer hätte auch scheiten können, so wie Hildebrand in Valencia oder Özil bei Real Madrid. Das ist sein Berufsrisiko, das ein Schiedsrichter nicht zu mindern braucht. Genau wie es das Risiko der Vereinsführung ist, einen Transfer zu vergeigen.

Luiz Gustavo, der Siegtorschütze gegen Wolfsburg, ist ein schönes Beispiel dafür, wie gut es sich leben läßt im Bayern-Kokon. Der Brasilianer stieg 2008 mit Hoffenheim in die Bundesliga auf. In 82 Spielen für Hoffenheim sah er einmal Rot und viermal Gelb-Rot. Auch für einen defensiven Mittelfeldspieler eine äußerst rustikale Bilanz. Am 1. Januar 2011, in der Winterpause, wechselte Gustavo zu den Bayern. In den 67 Spielen dort sah er weder Rot noch Gelb-Rot. Zur Saison 2013/14 wechselte er nach Wolfsburg und sah in 29 Spielen dreimal Gelb-Rot. In den 26 Spielen der laufenden Saison ist er ohne Rot und Gelb-Rot ausgekommen. Ein Jahr lang hat Dieter Hecking gebraucht, um dem Ex-Bayern-Spieler beizubringen, dass für ihn jetzt Regeln gelten, um die er sich im roten Trikot nicht zu kümmern brauchte. Es ist nicht die superbe Technik, die man im Training an der Säbener Straße beigebracht bekommt, nicht das Bayern-Gen, die Bierruhe, das Mia san Mia, es ist die speziell für die Bayern geschaffene Komfortzone, die es für die anderen Vereine im Profifußball nicht gibt, die aus dem Risikofaktor Luiz Gustavo eine verläßliche Größe machte.

Wer sich sicher sein kann, dass er sich in Zweikämpfen die eine oder andere Grobheit mehr rausnehmen kann, wer weiß, dass für ihn spezielle Privilegien gelten, wer es gewohnt ist, dass ihm regelmäßig kleine Aufmerksamkeiten zuteil werden, der tritt auch entsprechend auf. Es gibt keinen anderen Verein, in dem ein Spieler, der wie Ribéry pünktlich wie ein Quartalssäufer zur Flasche zum Revanchefoul greifen würde, jedesmal ungeschoren davon käme. Der „emotionale Typ“, der wenigstens schon vier mal glatt Rot hätte sehen müssen, weiß, warum es bei den Bayern so schön ist. In keiner anderen großen europäischen Liga würde man ihm diese regelmäßigen Ausraster durchgehen lassen. Ich bin kein Fan von Cristiano Ronaldo, aber zum Fußballer Europas fehlt Ribéry tatsächlich das Format. Dass er ein guter Tempodribbler ist, steht außer Frage, aber wenn man Zidane vom Platz stellen kann, dann auch Ribéry. Und Thiago. Und Neuer. Ohne großes Tamtam einfach mal die Regeln anwenden.

Denn wenn es nach den Regeln geht, tun sich die Bayern schwerer, als es ihnen und ihren Claqueuren lieb sein kann, dann ist von der vermeintlichen Überlegenheit nichts zu sehen. Botaeng sieht Rot, Schalke punktet in München. Tobias Welz liefert keine überragende, aber fehlerfreie Leistung zu Beginn der Rückrunde ab, Bayern verliert 4-1 gegen Wolfsburg. Peter Gagelmann kriegt im kicker die Note 2, Dortmund vernascht Bayern im Pokalendspiel mit 5-2.  Auf internationalem Parkett das gleiche Bild. Der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca beim Finale dahoam war ordentlich, aber nicht überragend, ebenso wie Howard Webb beim 0-1 im Halbfinale gegen Real vor knapp einem Jahr. Man muss keine Sternstunde haben als Schiedsrichter, man muss nicht über sich hinaus wachsen, um ein Spiel der Bayern ohne krasse Fehlentscheidung zu ihren Gunsten zu leiten. Man braucht Courage und den Willen, genau hinzuschauen, mehr nicht. Dann ist man in der Lage, das Undenkbare zu tun, und die Bayern nach den gleichen Regeln zu behandeln, die für den Rest der Liga gelten.

Dass die Bayern verläßlich ihre Extrawurst serviert bekommen, liegt auch am Umgang vieler Journalisten mit dieser Vorzugsbehandlung. Außer Günter Netzer (bei Länderspielen) gibt es keinen relevanten Experten, der nicht ein ehemaliger Bayern-Spieler ist, so sehr ich Stefan Schnoor auch schätze. Kahn, Scholl, Hamann, Matthäus, Beckenbauer, Effenberg, Helmer – für ein Land, das so reich gesegnet ist mit redseligen Ex-Profis, eine erstaunlich einseitige Auswahl. Ich war hocherfreut, als Erik Meijer neulich bei Sky auftauchte. Vielleicht ist es diese geballte Bayern-Präsenz, die es für Tom Bartels (und andere) unmöglich macht, einen einfachen Sachverhalt korrekt wiederzugeben. Bei einem Kopfballduell schlug Dante gestern seinem Gegenspieler, ich glaube, es war Spahic, ins Gesicht. Ob es eine Tätlichkeit war oder eine Versehen, ist unklar, aber es war ein Schlag ins Gesicht. Bartels beschreibt die Szene so: „Da hat sich der Leverkusener im Zweikampf mit Dante weh getan.“ Weh getan? Warum so schüchtern? Ist es Majestätsbeleidigung, einen Schlag ins Gesicht als solchen zu bezeichnen? Spieler machen Fehler, pausenlos. Nicht nur das. Spieler – das ist nicht unwesentlich für die Idee der Chancengleichheit – werden von ihren Gegenspielern zu Fehlern gezwungen. Handlungsschnelligkeit, Ballsicherheit und Matchplan führen zu Abspielfehlern, Stellungsfehlern und Fouls. Und diese Fehler nutzt man aus. Weil man gewinnen will. Xabi Alonso kommt zu spät gegen Aubameyang, es gibt Elfmeter für Dortmund. Thiago fehlt in seinem zweiten Spiel nach einem Jahr Pause die Kondition, Bayern muss 40 Minuten in Unterzahl spielen. Diese Fehler sollte man als Kommentator einfach mal benennen und nicht wie Bartels in eine reflexhafte Rechtfertigungslitanei verfallen, wann immer ein Bayern-Spieler einen Fehler macht. Dann spricht sich das eventuell bis zu den Schiedsrichtern herum, und dann, vielleicht, wird das Premiumprodukt Bundesliga kein mehrstimmiges Bayernweihfestspiel mehr, sondern ein sportlicher Wettkampf mit offenem Ausgang.

*nicht des ZDF [korrigiert 2015-04-09, 12.14 Uhr]

Saisonvorschau: Schöner lauern – Leverkusen und Schalke »

Obwohl es in der letzten Saison nicht einmal für Vizekusen reichte, hat sich Leverkusen  heimlich still und leise zu einem bärenstarken Konkurrenten entwickelt. Ohne größeren Wackler spielte man sich in die direkte Teilnahme zur Champions League und brachte den Bayern die einzige Saisonniederlage bei. Son für Schürrle macht die Mannschaft noch konterstärker, Kießling ist in der Form seines Lebens. Nachdem bei Gomez der Bayern-Bonus weg ist, dürfte der Ex-Clubberer eine echte Chance bei Joachim Löw bekommen. Auch wenn hier ein Megasponsor den Rücken frei hält, ist Leverkusen mehr ein Freiburg de luxe – der Star ist die Mannschaft. Selbst Spitzenkönner wie Rolfes oder Leno ragen aus dem Team nicht heraus. Bei Bayer stimmt die Chemie. Und weil sie davon reichlich haben, sind spontane Mutationen auch keine Überraschung. Leverkusen scheint unter Hyppiä körpereigene Siegergene zu entwickeln. Könnte sein, dass es damit auch für ganz oben reicht.

Auch Schalke hat sich stabilisiert. Die Verpflichtung von Szalai kann ein ähnlicher Glücksgriff werden wie die von Mandzukic für die Bayern. Außerdem geht Königblau nach zwei Saisons mit permanentem Torwart-Drama mit einer klaren Nummer Eins in die Saison. Dass sie sich noch zieren, mit Hildebrand zu verlängern, weil sie zwei sehr gute Nachwuchskräfte in der Hinterhand haben, ist verständlich. Aber es ist richtig, den erfahrensten zur Nummer Eins zu machen. Hildebrand ist nicht nur international eine ganz andere Nummer, er kann auch eine Abwehr dirigieren. Der ungeliebte Jens Keller hat sich mittlerweile ein kleines Vertrauenspolster erarbeitet und erdet den Schalker Überschwang auf verschmitzte Weise. Wer auf Schalke Trainer ist, muss verstehen, dass diese Fans ihre Mannschaft mehr lieben als alle anderen in Deutschland ihren jeweiligen Verein. Dass 100000 zum Abschiedsspiel von Raul kommen, ist mit ruhrpöttischer Herzlichkeit nicht mehr zu erklären, das geht mehr in die Richtung Maradona und Neapel. Raul wurde ja nicht vorgestellt, sondern verabschiedet. Magath und Heynckes waren von dieser Zuneigung überfordert, Keller hat sie begriffen, ohne deswegen zum Populisten zu werden. Schalke als Meister, das ist noch peinlicher als Prognose als Leverkusen als Meister, aber die ersten vier können im nächsten Mai auch in umgekehrter Reihenfolge oben stehen. 25 Punkte sind Schnee von gestern.

Manuel Neuer, das Problem Nummer Eins »

Am Samstag gegen Nürnberg hat er mal wieder spielentscheidend gepatzt, Manuel Neuer, der vermeintlich beste Torwart seiner Generation. Klar, Feulners Schuß hatte Effet, aber das kommt gelegentlich vor, sogar bei Gegnern, bei denen die Bayern drei Punkte fest eingebucht haben. Der Katastrophenfehler, der Thomas Kraft im April 2011 im Spiel in Nürnberg unterlief, als er von Christian Eigler gleichfalls zum 1-1-Endstand übertölpelt wurde, kostete den jungen Torhüter den Stammplatz und seinen Trainer Louis van Gaal den Job. Neuer wird Feulners Flatterball nichts kosten, genauso wenig wie die beiden kapitalen Böcke gegen Gladbach in seiner Gurkensaison 2011/12. Wer 25 Millionen Euro gekostet hat und von Kim Il McRummenigge mit öffentlichen Liebesbekundungen bedacht wird, steht über aller Kritik. Außerdem wollte vor dem Juni 2012 niemand den wie selbstverständlich anvisierten EM-Titel gefährden, indem er die Nummer Eins der Nationalmannschaft in Frage stellte.

Neuer hat zweifellos überragende Fähigkeiten, bei den Bayern aber ruft er sie aber viel zu selten ab. Seine Leistungskurve geht nach unten, seit er von Schalke weg ist. Dort hatte er beim kicker als Saisonnoten 2,61 (2006/07), 3,10 (2007/08), 2,91 (2008/09), 2,90 (2009/10) und 2,79 (2010/11). In der ersten Saison bei Bayern landete Neuer mit 3,13 auf Platz 16 im Torhüter-Ranking, sogar die bei Bayern ausgebooteten Michael Rensing (Köln) und Kraft (Hertha) standen vor ihm.

In der laufenden Saison hat Neuer die Note 3,00. Vor ihm stehen unter anderem Oliver Baumann (Freiburg), Raphael Schäfer (Nürnberg), der beim DFB ohne Hausmacht agierende Roman Weidenfeller (Dortmund) – und René Adler vom HSV, mit 2,17 auf Platz 2 hinter dem Überflieger Kevin Trapp (Frankfurt). Adlers eindrucksvolles Comeback zeigt, was es bewirken kann, wenn ein Torhüter Leistungsträger ist. Der HSV mit seiner angezählten sportlichen Leitung Frank Arnesen/Thorsten Fink wurde vor Saisonbeginn als Abstiegskandidat Nummer Eins gehandelt. Falls es einen einzelnen Spieler gibt, dem der Liga-Dino sein Sechs-Punkte-Pölsterchen zum Relegationsplatz verdankt, dann ist das Adler. Seit er beim HSV ist, wird die Mannschaft schrittweise besser. Bei Neuer ist man seit seinem Premierenpatzer gegen Igor de Camargo froh, wenn er nicht negativ auffällt. Neuer ohne Chance, so der Minimalkonsens, wenn es mal klingelt.

Ein einziges Spiel hat er den Bayern gerettet, das war das zweite Halbfinale in der Champions League gegen Madrid. Es folgten Rummenigges Elogen. Daniel Klewer hat dem Club gleich zweimal ein Elfmeterschießen gewonnen, im Achtelfinale gegen Unterhaching und im  Viertelfinale gegen Hannover, auf dem Weg zum Pokalsieg 2007. Ist er deswegen eine Kultfigur beim Club? Selbstverständlich. Aber der letzte Weltklassetorwart in der Noris war Andy Köpke. Klewer hat seinen Job gemacht, genau wie die vielen Amateurtorhüter, die auch schon mal ein Elfmeterschießen entschieden haben, vielleicht sogar gegen einen großen Verein. Klewer hat am Ende einen Titel geholt, Neuer nicht.

Neuer hätte zum Beispiel den Kopfball von Didier Drogba halten können, der das 1-1 im Champions League Endspiel 2012 bedeutete. Eigentlich unhaltbar, gewiss. Aber 2006 in der Verlängerung des WM-Endspiels entschärfte Gigi Buffon ein ähnliches Kaliber von Meister Zidane persönlich, ehe dieser dann mit einem weiteren Kopfstoß den vielen Gründen für seine Unsterblichkeit einen neuen hinzufügte. Der kicker schreibt: „Sekunden darauf hatte Zidane nach Sagnols butterweicher Flanke die Riesenkopfball-Chance, doch Buffon ließ den französischen Torschrei mit einem Superreflex verstummen.“ Diese Parade, nicht das anschließende Elfmeterschießen stellte Buffons Extraklasse unter Beweis. Auch Neuer hätte einen unhaltbaren Kopfball halten können, hat er aber nicht. Dafür hat er sich im Pokalendspiel 2012 gegen Dortmund von Lewandowski tunneln und einige Wochen zuvor im entscheidenden Bundesligaspiel vom gleichen Spieler mit einem Hackentrick übertölpeln lassen.  Klar, die Feldspieler der Bayern standen in allen drei Situationen neben sich, aber das war beim HSV zwei Jahre lang nicht anders – bis Adler kam.

Rufen wir uns die Voraussetzungen für Neuers kometenhaften Aufsteig noch einmal ins Gedächtnis. Nach der WM 2006 war Jens Lehmann die alleinige Nummer Eins im Tor der DFB-Elf. Als legitimer Kronprinz galt Timo Hildebrand, der seine Ansprüche mit der Meisterschaft im Tor des VfB Stuttgart 2007 unterstrich und danach mit dem Abstecher nach Valencia seine Karriere erst einmal gegen den Baum fuhr. 2008 beendete Lehmann seine Karriere im DFB-Team, Robert Enke und René Adler kämpften fortan um Platz Eins. Im November 2009 nahm sich Enke das Leben. Ein halbes Jahr später erlitt Adler einen Rippenbruch. Mit der Erfahrung von drei Halbzeiten in der A-Mannschaft wurde Neuer Stammtorhüter für die WM 2010. Er erledigte diese Herausforderung einerseits mit Bravour, andererseits mit der Diskretion eines Novizen. Den Kopfball von Puyol im Halbfinale 2010 muss man auch nicht halten, darf man aber. So wie Iker Casillas das gegen Arjen Robben im Endspiel irgendwie hingezwirbelt hat.

Im Halbfinale gegen Italien 2012 wurde Neuer wie auch im Verein Opfer seiner Vorderleute, so zumindest die offizielle Version. Ich finde, wenigstens Balotellis Kopfball zum 1-0 hätte er wegfausten müssen, anstatt auf der Linie zu kleben. Muss er eben Badstuber umnieten. Oder Balotelli und Badstuber. Das 2-0 hätten zugegebenermaßen weder Buffon noch Adler noch Köpke noch Casillas gehalten.

Die Bundesliga bringt in jeder Saison mindestens einen überdurchschnittlichen jungen Torhüter hervor: Ron-Robert Zieler, Marc-André ter Stegen, Bernd Leno. Mittlerweile herrscht, anders als im Mai 2010 kein Mangel. All diese Torhüter zerreißen sich auf dem Platz für ihre Mannschaft, auch wenn sie in der nächsten Woche vielleicht ihren Vertrag brechen. Neuer wirkt immer so, als spielte er für sich allein. Ich bin sehr gespannt, was passiert, wenn er weiter patzt, Adler weiter punktet und der wieder genesene und bei Schalke gut gestartete Hildebrand die internationale Bühne nutzen kann. Das Leistungsprinzip sollte beim DFB nicht nur dann angerufen werden, wenn es darum geht, verdiente Spieler abzuschieben. Wie wäre es mit einem ergebnisoffenen Wettbewerb zwischen Torwart 1a und Torwart 1b? Das hat doch 2006 sehr gut funktioniert.

Vielleicht hat ja Matthias Sammer ein Einsehen mit Neuer und verkauft ihn und Mario Gomez gleich mit. Sammer hat die beiden 25-Millionen-Einkäufe, die ständig besser gemacht werden, als sie spielen, nicht zu verantworten. Neuer hhätte anderswo die Chance, ein ganz Großer zu werden. Oder einfach nur besser als in den letzten 17 Monaten.

Servus Bayern, lange nichts von euch gehört »

Am Samstag ging die mir selbst auferlegte Bayern-Pause zu Ende. Die kritische Leser_in möge prüfen, ob der Blog in dieser Zeit langweilig, nichtssagend oder thematisch verfehlt war. Ich denke, man braucht die Bayern nicht,  um interessant über die Bundesliga zu schreiben. All denjenigen, die den Verein gelegentlich pro toto für die Liga nehmen, stehen möglicherweise harte Zeiten ins Haus, wenn mit Augsburg, Fürth und Aue gleich drei Neulinge aufsteigen sollten. Wieder hundert neue Namen, die man sich merken muss anstatt immer nur die üblichen Verdächtigen aufzulisten, ohne etwas Neues zu berichten. Für die Überraschungssiege gegen die Bayern biete ich lizenzfrei hier schon mal drei Schlagzeilen an: Haue von Aue! Playmobilmännchen ziehen die Lederhosen aus! Kalle Wirsch entzaubert Kalle Unwirsch!

Wenn die Bayern binnen vier Tagen zwei Weg weisende Heimniederlagen einfahren, schreibt sich’s natürlich viel lieber. Und wer weiß, vielleicht haben sie jetzt ja einen Lauf und verlieren auch noch in Hannover und fliegen gegen Mailand raus. Trotzdem gibt es nicht nur schlechte Nachrichten für die Bayern-Fans: Peter Neuruer steht für das Amt des Trainers im Moment nicht zur Verfügung, er ist in einer Findungsphase.

Eine Findungsphase bräuchte auch die Mannschaft, weil ihr gegen wie stets engagiert-durchschnittliche Schalker nichts einfiel. Gomez hätte den Elfmeter kriegen können, da gebe ich van Gaal recht, aber auf so ein Humpelfoul kurz vor Schluß kann man sich nicht herausreden. Ich vermute mal, auch mit van Bommel hätten die mediokren Säbener gegen die fabelhaften Lüdenscheider nicht gewonnen, aber gestern hätte ein knorriger Ballverteiler, wütender Weitschütze, hemmungsloser Zweikämpfer den Unterschied machen können. Neben dem Verkauf von Lucio ist der Verkauf  von van Bommel das zweite große Welträtsel in der Ära van Gaal. Ist die Mannschaft in der Krise, jagt man den Käptn nicht vom Hof. Breno war für den Club der letzten Saison ein Quantensprung, bei den Bayern ist er ein weiterer Wackelkandidat in der Defensive. Luiz Gustavo spielt nicht schlecht, aber er kann als Neuling noch niemand in den Hintern treten, mitreißen, vorangehen.

Felix, der Fuchs, hat den Kopf aus der Schlinge gezogen. Er wird die Saison auf Schalke beenden und hat dann noch zwei Jahre für das große Ziel. Bei Schalke standen mit Neuer, Matip und Höwedes drei aus der eigenen Jugend auf dem Platz, später kam noch Draxler dazu. Ohne die gelb-schwarzen Überflieger in ihren Leistungen zu schmälern, wenn bei einem Verein ein Siebzehnjähriger in einem DFB-Pokalfinale eingewechselt wird, ist das kein Zeichen für schlechte Jugendarbeit. Und einige junge Asse hat der S04 noch im Ärmel.

Manuel Neuer übrigens würde den Fehler seines Lebens machen, wenn er zu den Bayern geht. Da kann Kahn noch so fleißig beschwichtigen und auf seine Anfänge verweisen. Karlsruhe war ein Provinzverein mit ein paar überdurchschnittlichen Spielern und Fan-Proteste erschöpften sich in „Trainer-raus“-Rufen. Schalke ist der personifizierte Gegenentwurf zum Festgeld-Fußball der Bayern, chaotische Finanzen  und religiöse Inbrunst inbegriffen. Huub Stevens hat das Ding in Berlin glatt vor den Baum gefahren, weil ihn die Fans nicht ausstehen konnten. Das war Jahre vor Twitter und Facebook und wenn der Schalker Jung auch nur einmal patzt und nicht ständig Kotau vor seinem neuen Arbeitgeber macht, ist er unten durch. Ich kann verstehen, dass Neuer sich weiter entwickeln will und es gibt einige interessante Vereine, die einen Weltklasse-Torwart brauchen können. Inter Mailand zum Beispiel an Stelle dieses Dussels Julio Cesar. Aber er sollte auch nicht unterschätzen, was es heißt, auf Dauer gegen einen Teil der eigenen Fans spielen zu müssen. Im Ausland kann er wie Hildebrand in die Mühlen der Vereinsintrigen geraten, bei Bayern wird er immer gegen unsichtbare Wände rennen. Und die Chancen, auf Schalke Titel zu gewinnen sind ja gar nicht so schlecht. Jetzt kommt erst mal Valencia und im Mai dann Mei-derich.

Pokalt erwischt »

Mainz mit seinen zahllosen Verletzten und Hannover mit seiner letalen Auswärtslethargie heißen die ersten beiden prominenten Opfer im DFB-Pokal. Bei dem arrivierten Pokalschreck Trier konnte man fast darauf wetten, dass es auch Lübeck gelingt, ist die größere Überraschung. Beinahe zum Opfer der eigenen Behäbigkeit wurden Fürth, 1860 München, Bochum und wieder einmal Hertha, gegen die Preußen Münster mutig aufspielte. Den höchsten Sieg feierte Bremen gegen Union, die ihr neues Schmuckkästchen erst einspielen müssen. Das Seuchenjahr von Werder mit dem DFB-Pokal als Trostpflaster ist damit wohl vorbei, der verlorene Sohn Borowski hat seine Münchner Eskapade beendet. Mit den Grünen ist zu rechnen. Ähnlich souverän gingen Wolfsburg und Schalke zu Werke.

Überrascht hat mich der Sieg der Lauterer in Braunschweig, gilt das Eintracht Stadion doch quasi als ein tiefer gelegter Betzenberg, niedersächsisch eben. Eine gute Maßnahme gegen das große Nervenflattern in der Pfalz, dieses verdient erkämpfte 1-0. Ebenso überrascht war ich vom klaren 3-0 der Frankfurter im Derby gegen Offenbach. Blogleser Nordkurve muss seine pessimistische Skibbe-Einschätzung zur Eintracht möglicherweise revidieren.

Allererste Sahne war natürlich das 3-0 der Clubberer in Dresden, wobei sowohl die Null als auch die drei (kein Stürmertor) nicht zu erwarten waren . Ich kann mich nicht erinnern, wann der Club zwei Auswärtspflichtspiele in Serie 3-0 gewonnen hat. Erst in Cottbus in der Relegation, jetzt kühl bis ins Mark, technisch und taktisch ausgereift bei Dynamo, die ihr neues Stadion auch noch einspielen müssen. Die erste Halbzeit sah ich auf Sky bei einer nahen Verwandten. In der Pause wurde die Übertragung abgestellt, „Ihre SIM-Karte ist nicht für dieses Angebot legitimiert“. Nach dem Umweg durch die sprachgesteuerte Hotline erklärte die freundliche Sky-Mitarbeiterin, Pokal gebe es nur im Sport-Paket, nicht im Bundesliga-Paket. Warum wir eine Halbzeit mit Kluges und Mintals ersten Saisontoren sehen konnten, wußte sie nicht, ich nehme das als gutes Omen für eine Saison, in der alles möglich ist.

Bei Bayern stabilisieren sich die Leistungsträger allmählich. Gomez hat offensichtlich einen Lauf, trifft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Neckarelz beinahe nach Belieben. Rensing greift schon wieder nach den Sternen und läßt sich weder durch Lapsus noch Läpschen beirren. Ich verstehe nicht, dass die Bayern ihre Abwehr so vernachlässigen. Lucios Weggang ist mit Sicherheit eine Schwächung, dazu muss man nicht Kaiser sein. Und international ist mit Butt/Rensing kein Blumentopf zu gewinnen. Hildebrand wäre frei gewesen im Winter, aber Hoffenheim war schneller. Ich vermute, die Bayern langen beim Torwart noch einmal hin, Ribery im Tausch für Casillas vielleicht oder Lell, Ottl, Breno, Demichelis, Sosa und Schweinsteiger für Enke.

Finale Grande »

Endlich mal wieder ein Meister, der den schönsten Fußball spielt. Vor drei Jahren jammerte Christoph Biermann auf Spiegel-Online über die allgemeine Begeisterung beim Wolfsburg-Bashing. Dann traf das Two-Hit-Wonder Makiadi im entscheidenden Abstiegskrimi einmal und legte einmal auf, dann kam Magath. Voilà und Gratulation. Das Interview auf dem Rathausbalkon in München war ein echtes Schmankerl. Ich fürchte, in Gelsenkirchen gibt es gar kein Rathaus geschweige denn einen Balkon.

Ansonsten lauter gute Ergebnisse, Bayern auf Platz zwei ist völlig in Ordnung. Jetzt darf van Gaal eine Taktik ausklügeln, bei der man in der KO-Runde weder auf AC Milan, Barca oder englische Mannschaften trifft. Hertha, als Vizemeister der Herzen nach Baden gefahren, kehrt aus dem Wildparkshredder zerzaust in die Heimat zurück. Aber CL wäre des Guten zu schnell gewesen. Erst mal Omonia Nikosia überstehen, bevor ManU kommt.

Ich weiß nicht, was mich mehr freut: dass es der HSV geschafft hat oder dass es Dortmund nicht geschaft hat. Ein gnädiges Ende nach alptraumhaften Wochen für Jol und seine wackere Truppe, nicht immer heißt der Gegner Bremen. Dortmund traute sich nicht, gegen gerettete Gladbacher voll auf Sieg zu spielen und wurde bestraft. Das 14. Unentschieden war eins zu viel für Europa. Trotzdem ist der BVB unter Klopp auf einem guten Weg. Bergdölmo ist nur noch ein böser Traum.

Hoffenheim landet vor Schalke, Bremen und Leverkusen. Hätte es die irrsinnige Hinrunde nicht gegeben, wäre allein schon das ein Grund, Kapriolen zu schlagen. Sollte Ibisevic wieder auf die Beine kommen und die gute Transferarbeit fortgesetzt werden, war das der Anfang einer wunderbaren Bundesligakarriere. Und Hildebrand kommt langsam in Form.

Im Keller krallt sich Cottbus den Relegationsplatz. Das freut mich erst einmal, noch mehr, wenn morgen der Club noch Zweiter wird. Jedenfalls geht es weder gegen Hans Meyer noch Fucking Bielefeld und Jörg „Untot“ Berger, die als 18. nach unten gehen. Der Feuerwehrmann kam diesmal zu spät. Vielleicht in Ostwestfalen einfach mal „Burning down the House“ von den Talking Heads auflegen und eine Runde chillen.

Der Rest war stille Begleitmusik, abgesehen von der Entlassung Funkels. Mehr als er kann man aus dieser Mannschaft mit dieser Verletzungsserie nicht herausholen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es so etwas schon einmal gegeben hat, auch die legendäre Vier-Kreuzbandrisse-Saison von Dortmund kommt da nicht ran. Und jetzt will man europäisch spielen und weiß nicht, mit wechem Trainer. Das klingt alles verflucht nach launischer Diva. Vielleicht darf Stepi noch einmal ran, oder das sympathische Jahrhunderttalent Jürgen K. Die Direktflugauswahl nach Kalifornien soll in FRA ja recht gut sein. Mir hat der Kommentar im kicker zu Klinsmann recht gut gefallen, der sich gar nicht darauf einläßt, Medienschelte zurückzuweisen, sondern dem Guru schlicht und sachlich einige seiner Fehler noch einmal aufzählt. Als verkanntes Trainergenie hatte der Jürgen tatsächlich Ähnlichkeit mit seinem ewig mißverstandene Kollegen, dem Lothar.

PS: Sage keiner, die Bremer hätten es heute versaut. Hätte Bayern in Wolfsburg einen Punkt geholt, wären sie heute mit diesem Punkt Vorsprung Meister geworden. Nicht nur der SVW ist bei den Wölfen in dieser Saison 1-5 untergegangen.

Ein Torwarteproblem »

Zu viele der Guten, und keiner dabei, der eindeutig Ansprüche erheben könnte. Seit 35 Jahren eine beinahe organische Erbfolge: Auf Maier folgte Schumacher, auf Schumacher folgte Illgner, auf Illgner kam Köpke, nach Köpke folgte  Kahn, nach Kahn gab es Lehmann. Klingt das irgendwie bekannt? Es gab kleinere Reibereien, Eike Immel und Uli Stein wurden ausgebootet, Köpke hätte rein nach Leistung schon 1992 die Nummer Eins werden müssen, Lehmann statt Kahn war eine (richtige) Entscheidung mit viel Zündstoff . Aber wenn es Streit gab, dann zwischen zwei Torhütern und nicht zwischen sechsen: Enke, Neuer, Wiese, Adler, Hildebrand und Rensing. Also wer ist vorne?

Hildebrand sicher nicht, ich sehe ihn im Moment nicht als Nationaltorhüter, nur weil er besser ist als Haas. Ich denke, es kann Hoffenheim ganz gut tun in der Rückrunde, nicht immer mindestens drei Tore schießen zu müssen, um sicher zu gewinnen. Und Hildebrand ist Meister geworden, das ist eine große psychologische Hilfe für die Neulinge, gerade zum Schluß hin.

International am erfahrensten ist merkwürdigerweise Dauer CL-Vorrundenteilnehmer Wiese, obwohl er so etwas jungenhaftes hat(te). Er ist besser geworden im Herauslaufen, auch im Umgehen kitzliger Fragen nach seinen Ansprüchen. Wenn Bremen es mal – wegen Wiese – bis in ein CL-Halbfinale schaffen würde, wäre er ganz vorne dran. So wird es schwierig.

Enke ist von seiner Persönlichkeit her derjenige, der eine Abwehr am besten dirigieren kann. Er ist in einer ähnlich undankbaren Situation wie Köpke bei Nürnberg. Weltklasseleistungen hinter einer desolaten Abwehr zählen merkwürdigerweise weniger als Topleistungen mit einer guten Viererkette. Hätte er sich nicht verletzt, wäre Enke jetzt der erste Anwärter auf die Nummer Eins. Ihn gegen Norwegen nach nur zwei Pflichtspielen Wettkampfpraxis nicht zu berufen, ist keine Grundsatzentscheidung. Enke bei Bremen wäre ein ganz heißer Kandidat für die Nummer eins bei Herrn Löw, aber die Fischköppe sind ja tatsächlich völlig vernarrt in Wiese.

Rensing hat den schlechtesten Notenschnitt aller Bundesligatorhüter in der Hinrunde, dafür mit Hoeneß, Beckenbauer, Kahn und Klinsmann gleich vier prominente Fürsprecher und die große Bühne Champions League. Würde mich interessieren, wen der eminent kluge Mehmet Scholl präferiert. Sicherlich nicht Rensing, oder? Dafür, dass er im Jahr eins nach Kahn spielt, schlägt Rensing sich beachtlich. Er hat allerdings nicht die Begabung von Neuer und Adler. Wie der große alte Mann der Torwarttrainerzunft Friedrich Rückert dereinst anmerkte: Was man nicht erfliegen kann, muss man sich erhinken. Soll heißen, wenn Rensing so schuftet wie Kahn, und wenn Wiese, Enke, Neuer und Adler patzen, kann er es schaffen. Ein Modell, das viele große Karrieren ermöglicht hat.

Adler ist auf der Linie der Beste, der Einzige, der an Kahn und Köpke rankommt bei den Reflexen. Aber er hat seine Chance nach Enkes Verletzung nicht wirklich genutzt – Rußland hui, England pfui – und ist im Moment immer für einen Klops gut. Außerdem hat er fast keine internationale Erfahrung mit dem Verein. Möglicherweise bliebe das mit Leverkusen auch so, wenn die ihre Rückrundenkrise so richtig ausleben. Dann wiederum wäre Adler ein Kandidat bei Bayern und dann…

Neuer hat seine Krise schon gehabt, und obwohl er mit Fährmann sehr starke Konkurrenz hatte und auf Schalke gerade alles im Dreieck flippt, ist er Notenzweiter hinter Eilhoff, der auch ein Kandidat für Bremen wäre. Neuer ist der Stärkste von allen in der Spieleröffnung, weshalb er sich auf Dauer auch durchsetzen wird, gelegentliche „Flutschfinger“ hin oder her. Er hat in der CL ein, zwei wirklich gute Spiele gemacht, Spiele gewonnen, wie man so sagt. Das gegen Porto bleibt im Gedächtnis. Das Spiel von hinten raus war 2006 das entscheidende sachliche Argument für Lehmann und gegen Kahn, abgesehen von persönlichen Animositäten aller Art. Neuer entwickelt diese Richtung weiter (ist ja auch Lehmann-Fan). Wenn Löw so spielen lassen will wie in der ersten Halbzeit gegen Rußland, ist ein Torwart, der 70-Meter Abschläge/würfe genau in die Gasse spielen kann, erste Wahl.

Das mit Pander hinten links war Galgenhumor, Lahm ist absolut konkurrenzlos. Bayern hin oder her, er ist ein toller Fußballer. Aber Höwedes innen halte ich für eine realistische Option bis 2010. Und ein gesunder Pander dann vielleicht links im offensiven Mittelfeld.

So sehn Sieger aus, shalalala… »

Stuttgart, Schalke, Wolfsburg, Cottbus, Bayern und der KSC haben alle Big Points gemacht an diesem Wochenende. Und alle treten auf der Stelle, was die selbst gesetzten Ziele angeht. Bayern ist jetzt wieder Hoffenheim-Jäger Nummer Eins. Rangnicks Team ließ sich auch durch den nicht gegebenen Elfmeter nicht beirren und holte einen späten Punkt bei den bitter enttäuschten Gladbachern. Mal sehen, ob Hildebrand im dritten Spiel neunzig Minuten auf dem Platz stehen wird. Mit ihm hätten sie wohl gewonnen, das Tor von Baumjohann klang im Radio sehr nach Torwartfehler. Schalke und Wolfsburg und vor allem Stuttgart schleichen sich an. Schalkes schmutziges kleines 1-0 gegen Bremen war noch nicht die Trendwende, aber es sind die engen Spiele mit dem Rücken zur Wand, die eine Saison entscheiden. Obwohl ich früher auf Ernst große Stücke hielt, finde ich seinen Weggang nicht verkehrt. Im defensiven Mittelfeld ist kein Mangel. Und Engelaar kommt noch. Ich habe am Wochenende „The Straight Story“ von David Lynch gesehen, Geschwindigkeit ist nicht alles. Engelaar ist halt mehr ein Rasenmäher und kein Aston Martin, aber zuverlässig. Den Umgang mit Lövenkrands und Streit allerdings habe ich von vorne bis hinten nicht verstanden. Gerade Streit bei den Standards hätte man gut brauchen können. Bordon gegen Höwedes zu tauschen im Winter beim Manger-Spiel war eine gute Entscheidung, aber der Handbruch ist natürlich bitter. Stuttgart kommt langsam ins Laufen, sie haben den psychologischen Vorteil, unlängst Meister geworden zu sein. Keiner hat sie auf der Rechnung. Und bis auf Veh und Meira ist die Mannschaft zusammen geblieben. Leverkusen merkt wieder einmal, dass Sympathiepunkte nicht für Platz fünf reichen. Eine solche Niederlage im ersten Spiel im Zwischenheimstadion ist naürlich Gift für die zarte Fußballerseele. Wolfsburg punktet zu Hause wie ein Uhrwerk, bei denen wirkt auswärts das 2:4 in München noch nach. Hat Hertha Punkte verschenkt in Bielefeld? Es gab Jahre, da haben sie sich dort schon dümmer angestellt. Und ohne Pantelic geht es eben nicht. Am Ende bleibt er doch noch. Nach sieben Heimsiegen in Folge kommen jetzt die Bayern. Die haben trotz Abseitstor und Chancenschlamperei verdient gegen den BVB gewonnen, der mit Leidenschaft, aber planlos dagegen hielt, und seine Konter nicht ausspielte. Phillip Prince Boa and the Tengclub ist ein Gewinn,  für den BVB und für die Bundesliga. War das jetzt die Wende im Meisterschaftsrennen? Es gab schon Jahre, da hatte Bayern nach einem solchen Spieltag zwei Punkte Vorsprung auf den Zweiten und nicht einen Punkt Rückstand auf den Ersten. Und schickte den BVB 4-0 nach Hause. Cottbus und der KSC landen wichtige Siege nach Bielefeld in Bremen vor einer Woche und alle unten rücken näher zusammen. Cottbus war spielerisch deutlich überlegen, es war kein Sieg mit Hängen und Würgen.  Die größte Überraschung waren die drei Stürmer-Tore beim KSC. Plötzlich steht da eine völlig andere Mannschaft auf dem Platz. Und die Badener wittern Morgenluft.

%d Bloggern gefällt das: