Neu bei Twitter »
In den ersten Wochen der neuen Saison sind unter anderem neu bei Twitter dazu gestoßen: Eintracht Braunschweig-Fan Gerald Fricke unter dem Titel Ballkultur. In Braunschweig feiert man dieses Jahr ja ein welthistorisches Ereignis aus dem Jahr 1209. Ich weiß gerade nicht, ob es die Kaiserkrönung Otto IV. (Baric, Rehhagel…?) oder die letzte Deutsche Meisterschaft der Eintracht war.
Union Berlin-Fan Steffi ist fotogräfin, drucksachendekorateuse und natürlich eisern. Sie twittert unter rudelbildung. Der lesenwerte Blog, den sie zusammen mit ein paar Anderen betreibt, heißt Textilvergehen. Er trägt den Untertitel: Hauptsachen. Nebensachen. Anziehsachen. Schick.
St. Pauli- affin ist René Martens. Er zwitschert unter renemartens. Neben Fußball gibt es dort viele brauchbare Links zu Sport, Medien und Gesellschaft.
und niemals vergessen… »
…Eisern Union ist Tabellenführer der 2. Liga. Den 1-0-Sieg gegen fade Rostocker habe ich im in monatelanger Eigenarbeit - werde eins mit deinem Projekt – neuen Stadion an der Alten Försterei live gesehen. Umringt von Tausenden von sanges- und klatschfreudigen extremkurzhaarschnittigen Fans. Es gab ein reiches Arsenal völkischer Merchandisingprodukte zu bewundern am S-Bahnhof-Vorplatz, zum Beispiel mit runzlig-runigen Lettern bedruckte T-Shirts (Treue-Hemden), die martialische Parolen verkündeten. Ein junger Mann trug eine solches T-Hemd, auf dem Rücken waren zwei Pitbull-Köpfe zu sehen, zusammen mit dem Spruch: Nicht schuldig im Sinne der Anklage. Ob das eine Reverenz an den großen Pitbull-Freund Hjalmar Schacht sein soll, der ja bekanntlich auch auf nicht schuldig plädierte, blieb unbekannt.
Zugleich waren auch Hemden zu sehen, die die Fanfreundschaft zwischen St. Pauli und Union beschworen. Nicht nur deswegen war die Stimmung entspannt, freudig und derbe, wie es sich in einem Stadion mit 80 Prozent Stehplätzen gehört. Die Haupttribüne ist winzig. Dorthin verfrachtet der gemeine Unioner seine fußballbegeisterte Großmutter, um sie nach 90 Minuten vorschriftsmäßig wieder abzuholen, um mit ihr zu feiern. Bei einem Querschläger an der Außenlinie knallte der Ball erst unter das Dach der Haupttribüne und von dort mit Karacho in die versammelte Sitzriege. Einmal ging der Ball sogar übers Dach. Erst dachte ich, wer schießt, der holt, aber es gab noch einen zweiten Ball im Stadion.
Besonders angenehm war die Begrüßungsformel für die gegnerischen Spieler. An Stelle des nichtswürdigen “Arschloch” erscholl jedesmal ein gelassenes “Na und!”. Und an diesem Abend sicherlich zurecht. Rostock wirkte irgendwie sediert, Union hätte auch 4-1 gewinnen können, wobei eine weiße Weste nach drei Spielen ziemlich schick aussieht. Ob das noch lange so bleibt? Das Kopfballspiel der Hintermannschaft ist erratisch, insbesondere Bemben und Stuff hatten große Freude daran, sich den Ball wahllos auf den Kopf fallen zu lassen. Vielleicht würde ihnen ein Kurzhaarschnitt gut tun. Neuzugang Mosquera erlebte in der ersten Halbzeit eine klassische Stürmersaga. Er verlor jeden Zweikampf, rannte sich pausenlos fest, verpatzte den letzten Paß und erstocherte das 1-0 nach Getümmel im Rostocker Strafraum. Zweifellos eine Verstärkung, wenn er auch noch braucht, um die ruppige Gangart in der Zweiten Liga zu verdauen.
Verdauen müssen die Unioner im Moment die Tatsache, dass ihr Hauptsponsor Czilinsky ehemaliger Hauptmann des MfS ist. Andererseits: Zeugt es nicht von einem geradezu dialektischen Willen, es niemandem recht machen zu wollen, wenn man vor 1989 ohne MfS und nach 1989 mit MfS Fußball mit Hirn und Herz spielt. Das gallige Dorf in Köpenick wird sogar verkraften, dass Nina “die Hymne” Hagen sich taufen läßt. Das ewige Leben haben die Unioner sowieso. Es steht auf jedem zweiten Treuehemd.
Links- und rechtsrheinisch in Berlin »
Heute Abend habe ich eine Frau kennengelernt, die vor etwa zehn Jahren Cheerleader beim 1. FC Köln war. An Moses Sichone konnte sie sich noch erinnern, ansonsten interessierte sie sich nicht für Fußball, sondern nur fürs Tanzen und die Puschel, die erst rot-weiss, dann silbern waren. Die Rückkehr von Podolski ist ihr egal, kein Hype, keine Spende. Unterstützung mit und ohne Puschel kann der FC auch jetzt gebrauchen, wird er doch nach zwei Spieltagen als einzige Mannschaft sieglos sein. Gegen Wolfsburg hätte es fast zu einer Überraschung gereicht, aber Wolfsburg scheint gleich zu Beginn einen Lauf zu haben, da hilft dann auch mal ein Eigentor.
Am Nachmittag flanierten entspannte Fortuna-Fans an den Fußballkneipen vorbei, mit dem 0-1 gegen Union konnten sie gut leben, war es doch die erste echte Zweitliganiederlage nach vielen Jahren, für viele ein Traum. Union ist tatsächlich alleiniger Tabellenführer, dicht gefolgt von den Playmobilmännchen, die den FSV Frankfurt mit 4-0 aus dem Ronhof fegten. Sie sind klein, sie sind grün, aber man sollte sie auf keinen Fall unterschätzen.
Wir sind alle Manager (2) – Kuranyi räumt ab »
Der erste Spieltag war ganz ordentlich. In der Bundesliga Interactive ist leider der Ausfall von Träsch zu beklagen. Aber Kuranyi mit zwei richtig geilen Toren gegen den völlig falschen Verein, Reinartz und die anderen gelangten auf einen guten Platz um die 16000.
Bei der Bundesliga Classic habe ich mich wie auch sonst bei den Classic Teams für eine Sparvariante entschieden. Kein Spieler kostete mehr als 1 Million, mit dabei sind Banovic und Salz von Freiburg, Gündogan vom Club, der bucklige Neuville von Gladbach. Immerhin zwei Punkte, die meisten kommen nicht in die Wertung, weil sie nicht in der Anfangself stehen. Zumindest bei Kenia von Schalke könnte sich das bald ändern. Dem Magath seinen Moritz hatte ich aber auch nicht auf dem Zettel.
Die Zweite Liga Interactive ist ein Kompendium einiger Kultmannschaften, als da wären, die Roten Teufel, die Löwen, St. Pauli, die Fortuna, Energie, Eisern, die Hansa-Kogge sowie das Kleeblatt, naürlich aus Oberhausen. Mit 19 Punkten ist noch Luft nach oben, aber Rot-Weiss und Rostock haben ja auch beide auf die Mütze bekommen.
In der Zweiten Liga Classic ist kein Spieler teurer as 0,5 Mio. Mavric und Geißler von Koblenz erzielten jeweils -2 Punkte, Casper von Aachen immerhin plus 2. Uwe Rapolder ist übrigens ein richtig guter Trainer und für die nervige Website der TuS kann er auch nichts.
Dritte Liga Classic bilden die Krise-welche-Krise-All-Stars, von denen jeder hübsche 0,05 Mios gekostet hat. Vertreten sind Dresden, Burghausen, Jena (2x), Wuppertal, Sandhausen, Stuttgart, Offenbach (2x), Dortmund, Heidenheim, Erfurt, Kiel (2x) und Bremen. Es gab zehn Punkte und einen Platz im gesicherten Mittelfeld.
Dritte Liga Interactive versammelt alle Ostvereine Erfurt, Jena, Aue, Dresden sowie und wegen der Regel, nicht mehr als vier Spieler pro Verein, die Jägermeister des Zonenrandgebiets Eintracht Braunschweig und den Wuppertaler SV, denn Wuppertal liegt östlich des Ruhrgebiets. Außerdem wollte ich eine Stadt mit einer Schwebebahn dabei haben. 32 Punkte bedeuten ungefähr Platz 17000, die ersten beiden Spieltage habe ich verpaßt. Da geht noch was.
Aus Zeitgründen kann ich leider keiner Managerliga beitreten.
Der kleine Unterschied »
Den Unterschied, so TV-Experte Scholl, ein weiterer Arm der Fußball-Erklärer-Krake FC Bayern (Beckenbauer, Kahn, Effenberg, Hitzfeld, Helmer…), hätten die Individuen gemacht.
Beim verdienten 2-0 Wolfsburgs gegen Stuttgart am Freitag Abend machten Misimovic und Grafite den Unterschied. Und nicht nur Scholl wird sich gefragt haben, warum Zwetschge nicht im Bayern-Mittelfeld gelandet ist. “Grafite” wird übrigens nicht wie Fitsch, sondern wie Fiete, der Seemann gebrüllt, jedenfalls von seinen Fans.
Vielleicht ist das eines der Erfolgsgeheimnisse des Fußballs: dass in zwei taktischen Systemen, die sich nahezu neutralisieren, immer noch genug Platz ist für Geniestreiche wie Misimovics Schlenzer zum 1-0. In der Kneipe redet man ja doch nicht so sehr vom Verschieben und der Raute, sondern von den Toren und in diesem Fall von Lehmanns Paraden, bis zu 74. Minute jedenfalls.
Was Peter Unfried heute in der taz geschrieben hat, habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht auch weil er Freiburg mit Barca und Arsenal in einem Atemzug erwähnt. Wenn der Konterfussball der Ballzirkulation grundsätzlich ästhetisch unterlegen ist, warum hat dann jeder die Gladbacher geliebt in den Siebzigern? Wolfsburgs Stil erinnert doch sehr an Simonsen und Heynckes, die die gegnerischen Abwehrreihen einfach überrannten, vor allem zu Hause auf dem Bökelberg zauberhaften Konterfußball zelebrierten. Die Zirkulation (Arsenal, Freiburg, Holland 1974) zeichnet sich dadurch aus, dass sie allzu oft brotlos bleibt. Und die reine Ästhetik sei dann doch den Leverkusenern in der Hinrunde vorbehalten.
Katrin Weber-Klüver bemängelt an gleicher Stelle den Mangel an gewagten Thesen zum Saisonauftakt. Hier sind ein paar:
1.) Van Gaal erlebt das Ende der Saison nicht bei den Bayern.
2.) Michael Ballack fliegt aus der Nationalelf.
3.) Frankfurt spielt am Ende international.
4.) Dortmund wird der schärfste Konkurrent Wolfsburgs.
5.) Wolfsburg kommt ins Champions-League-Finale.
6.) Alle Aufsteiger halten die Klasse.
7.) Schalke landet vor dem HSV.
8.) Die drei Ostvereine Cottbus, Rostock und Union steigen auf.
9.) Dzeko spielt auch 2010/2011 bei Wolfsburg, denn
10.) Der AC Milan verschwindet im Nirgendwo der Serie A, und
11.) Die englischen Klubs haben auch kein Geld mehr.
In der taz meine gewagten Gegenthesen dazu.
(“These are my principles. If you don’t like them, I have others.” Groucho Marx)
Wir sind alle Manager (1) – Schnäppchenjäger sucht Punktesammler »
Durch die verschobenen Fristen hat das kicker-Managerspiel viel von seinem Reiz verloren. Einerseits will man natürlich einen guten Riecher beweisen und seine Teams vom ersten Spieltag an ins Rennen schicken, andererseits läuft die Transferfrist bis zum 31. August. Da sind dann schon vier Spieltage vorbei. Mangels Online-Verbindung musste ich diesmal an den ersten beiden Spieltagen der 3. Liga auch pausieren.
Die abgelaufene Saison war eher durchschnittlich. Am meisten enttäuscht hat meine B-Mannschaft. In der 3. Liga habe ich in der interaktiven Variante (Spielerwechsel in der ersten Elf sind von Spieltag zu Spieltag möglich) mangels besseres Wissen lauter Spieler genommen, die mit B anfangen. Und obwohl ich mit Bemben, Benyamina (beide Union), Bindnagel (Sandhausen) Bröker (Dresden) und Bambara (Regensburg) gleich fünf Spieler mit über 100 Punkten dabei hatte, erzielte ich meine schlechteste Saisonplatzierung am letzten Spieltag und landete auf Platz 21439 von 31178. Bei 20 Vereinen entsprechen 1559 Plätze im Interaktiv-Spiel einem realen Tabellenplatz, ich bin also auf einem schlechten 14. Platz gelandet.
Auch in der Classic-Variante (die erste Elf ist für die ganze Saison festgelegt) bedeutete Platz 17742 von 27781 gerade noch Platz 13 in einer 20er-Liga. Diesmal waren es Spieler mit R, wobei Rauw (Emden), der mit 147 Punkten eine sagenhaften Wert für die Classic-Variante erzielte, durch Leute wie Rapp (Stuttgarter Kickers) mit -30, Reinsch (Paderborn) und Torwart Reus (Aalen) mit jeweils Null Punkten auf dem Boden der Tatsachen gehalten wurde.
In der 2. Liga Classic erreichte das H-Team mit Hain, Hoogland und Hoilett, leider auch mit Hennings (- 40), Hickl und Heithölter Platz 20630 von 39512 umgerechnet Platz 10, stand also etwas schlechter da als St. Pauli, das Achter wurde und die meisten Spieler stellte. Selbst für eine Verlegenheitslösung waren diese Platzierungen eher mittelmäßig.
In der Classic-Variante Bundesliga wurde ich (wieder einmal) vom Verletzungspech verfolgt. Ibisevic, Hartmann (Hertha), Tasci und Kobiashvili waren alle längere Zeit nicht dabei, Risikospieler Simak lief neben der Spur, die KSC-Spieler Eichner und Aduobe waren auch keine gute Idee. Unterm Strich blieb dank Lehmann, Kuranyi und vor allem Misimovic Platz 66072 mit 55 Punkten. Bei 159771 Teilnehmern also ein tapferer achter Platz, genau so schlecht wie Schalke.
Die Bundesliga Interaktiv-Version bescherte Rang 38318 von 212690 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das bedeutete Platz 4, wobei man bei all der Rechnerei nicht verschweigen sollte, dass die Punktekurve sich stark verflacht und hinter den ersten 200 Tausende von Spielern mit der gleichen Punktzahl kommen. Mit Tremmel (ab Rückrunde Hildebrand), Valdez, Olic, Hajnal wieder Misimovic, Grafite, Gentner, Celozzi (diesmal war der KSC die richtige Wahl), Bordon (Rückrunde Höwedes) landete ich am ersten Spieltag auf Platz 108, der bisher besten Tagesplatzierung. Von da an ging’s bergab, bis ich am 23. Spieltag etwa bei Platz 100000 stand. In einem formidablen Schlussdrittel konnte ich dann noch einmal 60000 Plätze gut machen. Flops wie Schlaudraff, Ljuboja, der leider verletzte Chris und Alberman verhinderten eine bessere Platzierung. Auch ein mit Wolfsburger gespickter Kader schaffte es nicht bis ganz nach oben.
In der zweiten Liga Interaktiv gelang mit Platz 2606 von 48472 die beste Platzierung, ein sehr guter zweiter Platz. Hier waren Toprak, Amedick, Mintal und Terranova die Punktelieferanten. Der Schlußspurt des letzten Aufsteigers Nürnberg trug natürlich auch zum guten Ergebnis bei.
Fazit: Das mit den Buchstabensuppen lasse ich in Zukunft sein, auch Sternzeichen sind kein gutes Kriterium. In der neuen Saison wird alles anders, aber Kuranyi, Mintal und Terranova sind wieder dabei.
Pokalt erwischt »
Mainz mit seinen zahllosen Verletzten und Hannover mit seiner letalen Auswärtslethargie heißen die ersten beiden prominenten Opfer im DFB-Pokal. Bei dem arrivierten Pokalschreck Trier konnte man fast darauf wetten, dass es auch Lübeck gelingt, ist die größere Überraschung. Beinahe zum Opfer der eigenen Behäbigkeit wurden Fürth, 1860 München, Bochum und wieder einmal Hertha, gegen die Preußen Münster mutig aufspielte. Den höchsten Sieg feierte Bremen gegen Union, die ihr neues Schmuckkästchen erst einspielen müssen. Das Seuchenjahr von Werder mit dem DFB-Pokal als Trostpflaster ist damit wohl vorbei, der verlorene Sohn Borowski hat seine Münchner Eskapade beendet. Mit den Grünen ist zu rechnen. Ähnlich souverän gingen Wolfsburg und Schalke zu Werke.
Überrascht hat mich der Sieg der Lauterer in Braunschweig, gilt das Eintracht Stadion doch quasi als ein tiefer gelegter Betzenberg, niedersächsisch eben. Eine gute Maßnahme gegen das große Nervenflattern in der Pfalz, dieses verdient erkämpfte 1-0. Ebenso überrascht war ich vom klaren 3-0 der Frankfurter im Derby gegen Offenbach. Blogleser Nordkurve muss seine pessimistische Skibbe-Einschätzung zur Eintracht möglicherweise revidieren.
Allererste Sahne war natürlich das 3-0 der Clubberer in Dresden, wobei sowohl die Null als auch die drei (kein Stürmertor) nicht zu erwarten waren . Ich kann mich nicht erinnern, wann der Club zwei Auswärtspflichtspiele in Serie 3-0 gewonnen hat. Erst in Cottbus in der Relegation, jetzt kühl bis ins Mark, technisch und taktisch ausgereift bei Dynamo, die ihr neues Stadion auch noch einspielen müssen. Die erste Halbzeit sah ich auf Sky bei einer nahen Verwandten. In der Pause wurde die Übertragung abgestellt, “Ihre SIM-Karte ist nicht für dieses Angebot legitimiert”. Nach dem Umweg durch die sprachgesteuerte Hotline erklärte die freundliche Sky-Mitarbeiterin, Pokal gebe es nur im Sport-Paket, nicht im Bundesliga-Paket. Warum wir eine Halbzeit mit Kluges und Mintals ersten Saisontoren sehen konnten, wußte sie nicht, ich nehme das als gutes Omen für eine Saison, in der alles möglich ist.
Bei Bayern stabilisieren sich die Leistungsträger allmählich. Gomez hat offensichtlich einen Lauf, trifft gegen die Vereinigten Arabischen Emirate und Neckarelz beinahe nach Belieben. Rensing greift schon wieder nach den Sternen und läßt sich weder durch Lapsus noch Läpschen beirren. Ich verstehe nicht, dass die Bayern ihre Abwehr so vernachlässigen. Lucios Weggang ist mit Sicherheit eine Schwächung, dazu muss man nicht Kaiser sein. Und international ist mit Butt/Rensing kein Blumentopf zu gewinnen. Hildebrand wäre frei gewesen im Winter, aber Hoffenheim war schneller. Ich vermute, die Bayern langen beim Torwart noch einmal hin, Ribery im Tausch für Casillas vielleicht oder Lell, Ottl, Breno, Demichelis, Sosa und Schweinsteiger für Enke.
Mythos Heimvorteil »
Ist ja schon wieder ein paar Tage her in dieser ereignisreichen Woche, aber halten wir fest: In den europäischen Wettbewerben sind drei der vier Teams, die das Rückspiel zu Hause hatten, rausgeflogen. Am schlimmsten traf es den HSV, der 1-0 auswärts gewann und zu Hause 1-0 in Führung ging. Nach dem 0-2 in der Bundesliga am Sonntag wird der SV Werder die Hamburger noch im Schlaf verfolgen, als Nachtmahr in Grün. In der Abschlußtabelle wird der HSV in dieser Saison vor Bremen stehen, aber bis es zu einer neuen Hierarchie im Norden kommt, müssen die Hamburger noch ein ganzes Stück wachsen. Löws Bemerkung in der aktuellen FAZ am Sonntag, dass gute Trainingsarbeit nicht nur an Titeln gemessen wird, ist in diesem Zusammenhang wichtig. Selbst wenn zum Schluß die Europaliga auch noch auf der Strecke bleiben sollte, der HSV hat sich in dieser Saison immens verbessert. Er hat eine tragfähige Philosophie entwickelt. Bremen steht jetzt im Endspiel und hat eine reelle Chance auf den Titel, auch ohne Diego. Wohl dem, der in einer verkorksten Saison UEFA-Cup und DFB-Pokal gewinnen kann. Beide Pötte zusammen hieße dann vermutlich nicht DOUble sondern DEUbel.
Ebenfalls Alpträume bereitete der Schiedsrichter am Mittwoch dem FC Chelsea. Obwohl seine Leistung unglaublich schlecht war – man kann darüber streiten, ob er zwei oder drei Elfmeter für die Engländer hätte geben müssen, auch die Rote Karte für Abidal war zweifelhaft – haben es sich die Blues selbst zuzuschreiben. Ein Auswärts-0-0 im Hinspiel ist das undankbarste aller Ergebnisse. Man fühlt sich als moralischer Sieger und hat im Grunde nichts erreicht. Nach dem Ausgleich von Iniesta jubelten frankophone Afrikaner in einem Irish Pub fünfhundert Meter entfernt von der deutsch-schweizerischen Grenze. Das heißt heute Globalisierung und hieß früher Internationalismus, oder so ähnlich. Das Spiel hatte etwas von Leverkusen gegen Cottbus, nur teurer. In der 93. Minute glich das technisch edle, aber harmlose Leverkusen aus und ist jetzt Außenseiter gegen die Offensivmaschinerie des Titelverteidigers. ManU ließ Arsenal nicht den Hauch einer Chance. Immerhin ein Traumfinale, und nicht wieder rein englisch. Der neue CL-Modus gibt anderen Ländern als den großen vier eine bessere Chance, ihre Meister in die Gruppenrunde zu bringen.
In den Ligen geht es immer enger zu, nur Union und Freiburg durften am Sonntag schon feiern. Am Dienstag bzw. Mittwoch geht es weiter im großen Nervenspiel. Selbst Dortmund ist theoretisch noch dabei und siegt und siegt und siegt. Über das 1-1 im Frankenderby bin ich nicht unglücklich, offenbar hat man den Fürthern ein Tor geklaut, Der Fußballgott liebt eben Mannschaften wie den FC Barcelona und den 1. FC Nürnberg, wer wollte es ihm verdenken.
Die Criminale war eine schöne Erfahrung, die Glauser-Verleihung war ebenfalls eine sehr enge Angelegenheit. Gewonnen hat der Roman “Nacht ohne Schatten” von Gisa Klönne, ein Buch, das ich aus vollem Herzen als lesenswert empfehlen kann. Es ist traurig, packend und klug.
Zu viele Cumshots, zu wenig Panini-Alben »
Im kicker wirbt heute Wayne Rooney für Nikefootball. “ICH WERDE DAS TOR NICHT NUR TREFFEN. ICH WERDE ES ZERSTÖREN.” Die Kampagne läuft unter Joga Bonito, was soviel heißt wie “schönes Spiel” oder “schön gespielt”. Offenbar wurde Rooney hier gegen den Typ besetzt, sein Tritt ins Gemächt seines Teamkollegen Cristiano Ronaldo von Manchester United war der traurige Schlußpunkt im desolaten Auftritt des englischen Teams bei der WM. Zwei andere Jungscher (Torres? und ??) sind auch dabei in den drei (!) ganzseitigen Anzeigen, die am Schluß des Hefts zu finden sind und auf dem Kopf (!) stehen, so daß Rooney wie ein zweites Titelbild daherkommt. Wollte man den Fußball wieder vom Kopf auf die Füße stellen, darf man gerne auf diese hypermartialische Werbung für Sportgerät aller Art verzichten. Vor der WM gab es kleine Broschüren für Schuhe, die man sich individuell zusammenbauen konnte, und die Spieler (u.a. Kuranyi) sahen aus wie kleine Terminatoren oder auf Neusprech wie “Soldier as as a System”, Fußballspieler als eigenständige kleine Waffensysteme. Mit Joga Bonito hat das soviel zu tun wie Abu Ghoreib mit Demokratie.
Nicht minder nervig ist der Versuch, das Tor zu superlativieren. Verbal wird jeder halbwegs gerade Gewaltschuß mit “Weltklasse” geadelt, optisch sind es die Trailer sämtlicher Fußballsendungen, die in Superzeitlupe und digital überzeichnet Tore wahllos zusammenschneiden. Weil man mit Stellungsspiel keine Trailer drehen kann, wird vorsorglich der niedrige Torschnitt bei der WM bemängelt. 1974 gewann Jugoslawien gegen Zaire 9:0. Die WM-Finals 1994 und 2006 endeten torlos. Was sagt uns das über die Qualität der Spiele? Unter den Bedingungen der permanenten Visualisierung ist das Tor beim Fußball das, was der Cumshot (die Ejakulation) im Porno ist: ein äußerst knappes Gut, das permanent gezeigt werden muß. Schnell, langsam, von vorne, von hinten, im Reverse Angel usw. Die passende Werbung dazu läßt ihren Helden sagen: “ICH WERDE REKORDE BRECHEN UND NETZE ZERREIßEN.” Ein Schelm, wer hier an Defloration denkt.
Genug davon, die neuen Saisons in den verschiedenen Ligen werden ganz toll und spannend wie nie. Union Berlin und Dynamo Dresden haben ihre ersten Spiele bereits gewonnen, die Bundesliga summt vorfreudig und leicht nervös dem Freitag entgegen. Es wird viele Überraschungen geben. Unterstellen wir, dass mindestens zwei der drei Aufsteiger (Bochum und Cottbus) nicht absteigen, bleibt die bange Frage, wen es dann erwischt. Hertha, möchte man meinen. Rigider Sparkurs, Marcelinho weg und jede Menge junge Hupfer. Aber Hertha wird es schaffen und für seine Jugendarbeit belohnt werden. Außerdem haben sie mit Pantelic einen richtigen Knipser. Das weiß nur noch keiner. Stuttgart wäre mir wesentlich sympathischer als Absteiger, mit Dieter Hundt und 34 Unentschieden ein ganz heißer Kandidat. Dann ist da noch Gladbach. Ich war sehr ungehalten über die Entlassung von Horst Köppel, jetzt ist Don Jupp tatsächlich zurückgekehrt. Ob es hilft? Gladbach ist mentalmäßig so weit wie Hertha vor der großen Krise. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist stets genug Platz für eine völlig mißratene Saison und Platz 16. Auch Frankfurt ist mit in der Verlosung. Extremes Verletzungspech, das mit diesem Kader nicht kompensiert werden kann, Doppelbelastung durch den UEFA-Cup und ein mediales Umfeld, das noch launischer ist als die Mannschaft selbst. Aachen wird es leider erwischen, eine Mannschaft, die fast ausschließlich von ihrer Leidenschaft lebt und ohne ihre zwei leidenschaftlichsten Spieler Landgraf und Meijer das Abenteuer Bundesliga angeht, hat ganz schlechte Karten. Vorschlag: In der Winterpause werden beide reaktiviert.
Eigentlich ist es verwunderlich, dass Panini diese Marktlücke noch nicht entdeckt hat. Ich wünsche mir ein Sammelalbum für gedopte Spieler, sortiert nach dem Präparat. Floyd Landis tut es mit Testosteron, Jan Ullrich tut es mit Eigenurin…nö..blut, Mario Basler tut es mit Hefeweißbier. Würde man Doping freigeben, ergäben sich gerade für die chronisch unterfinanzierte Leichtathletik zahlreiche interessante Sponsoren. Darüber sollte man mal ergebnisoffen diskutieren.
Ein Kommentar zu “Zu viele Cumshots, zu wenig Panini-Alben” (1)
Ulrich Eumann
11.08.2006
Oh, oh, dieser Blog braucht anscheinend dringend einen Blogtor (oder Blektor?): einen Blog-Lektor.
“Joga Bonito” heißt “spiel(t) schön”. Rooney hat nicht das Gemächt (was ist ein Gemächst?) von Ronaldo getroffen, obwohl dies das Verhalten Ronaldos gut erklärt hätte (ich würde aber nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass Rooney das im Training bei ManU demnächst nicht ‘zufällig’ passiert), sondern das von Ricardo Carvalho vom Chelsea FC – auch da bestünden also diverse Rache-Optionen in den Liga- und diversen Pokalspielen.
Ulizinho,
http://www.worldleagues.blog.de
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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