Fehlende Nachwuchsarbeit beim Club »
Während alles mit wachsender Vorfreude gen Südafrika blickt, vollzieht sich so ganz nebenbei, quasi “im Rücken der Akteure” (Marx) die Vorbereitung für die neue Saison. Der Club beginnt zum Beispiel am 3. Juli mit dem Training, an diesem Sonntag finden die letzten beiden Viertelfinalspiele statt.
Bernd Altmann aus Erlangen hat in einem Leserbrief an den kicker am 25. Mai die Leihspielerstrategie beim Club und die mangelnde Nachwuchsarbeit kritisiert. Am Donnerstag darauf gab es eine Übersicht zu den Transfers in der Dritten Liga, und gleich drei Spieler werden den Club verlassen: Trettenbach von den A-Junioren und Valentini aus der Zweiten gehen zu Aalen, Kulabas geht zu Heidenheim. Kulabas ist mit den Amateuren in der Regionalliga hinter Aufsteiger Saarbrücken Zweiter geworden und hat in 30 Spielen 15 Tore geschossen. Pagenburg, der nie eine echte Chance bekommen hat, soll bei Erfurt mittlerweile wieder abgegeben werden, Reinhardt, der eine wirklich gute Pokalsaison gespielt hat, wurde danach ausgebootet und mittlerweile nach Augsburg abgeschoben, Engelhardt vegetiert beim KSC vor sich hin.
Wenn Kießling zu Leverkusen geht, Cacau zu Stuttgart, Kluge zu Schalke, weil sie dort bessere Perspektiven haben oder mehr verdienen, kann der Club nichts machen. Schäfers Rückkehr ist insofern ein absoluter Glücksfall. Aber die selbst ausgebildeten Leute an unterklassige Vereine weiterzureichen ergibt keinen Sinn. Nachwuchsarbeit ist die einzige langfristige Perspektive, auch wenn Leute wie Schieber oder Okotie sicherlich interessant sind, und Bader mit Frantz, Gündogan und Diekmeier sein altes Händchen wieder gefunden hat.
Saisonrückblick: Die Nachlese zum Nachlesen »
Bayern ist ein verdienter und würdiger Meister. Van Gaal holte Rensing aus dem Tor und machte auch danach fast alles richtig. Nebenbei bemerkt eine ähnliche Situation wie bei Klewer und Blazek bei Nürnberg nach dem Pokalgewinn. Damals überging Meyer die heimliche Nummer Eins Klewer und die Mannschaft fand nicht zusammen. Rensing durfte spielen, er patzte, er wurde abgelöst, und Butt konnte ohne Dauerkritiker allmählich zu einem sicheren Rückhalt werden.
Schalke ist wieder da. Spielerisch kann man noch einiges verbessern, 53 Tore sind schon ziemlich mager, 3-3 gegen Hamburg, 3-1 gegen Gladbach, 3-0 gegen Bochum und 4-1 in Frankfurt, sonst nie mehr als zwei Tore, davon sechsmal ohne eigenes Tor. Aber sie haben die CL ohne Pander und Jones erreicht, und ohne ein einziges Mal darüber zu jammern. Aber in Bremen wurde Magath ja auch nicht gleich Meister.
Bremen zeigt dem HSV wie man kaufmännisches Geschick mit sportlichem Erfolg verbindet. Am meisten erstaunt hat mich am Ende der couragierte Fritz. Man konnte sehen, warum er einst Nationalspieler war. Und natürlich spielten sie phasenweise wieder am schönsten. Hoffen wir, dass Özil seine Sinnkrise endgültig abgeschlossen hat, im Pokal-Finale brilliert und bei der WM konstant spielt. Einen wie ihn könnten die Schalker übrigens gut brauchen, Magath hätte ihn wohl für unverkäuflich erklärt.
Bayer Leverkusen verabschiedet heute Abend den genialen Bernd Schneider. Er ist einer von hundert Gründen, warum das Gerede von der Retortenmannschaft endlich verschwunden ist. Wie bei Schalke wurde auch hier erfolgreich ein Stabilisierungsprozess eingeleitet. Ich sage jetzt nicht, dass Bayer demnächt Meister wird, aber diese Mannschaft hat noch gewaltig Luft nach oben – und einen Trainer, der zu ihr paßt.
Borussia Dortmund, auch die ein echter Aufsteiger. Klopps Vertrauen in die Jugend zahlt sich aus. Zorc hatte einen Lauf bei seinen Transfers, an erster Stelle Barrios. Wenn Kehl noch einmal ganz gesund wird, kann es auch für mehr reichen. Schade, dass der Defensivstratege nie mehr richtig wieder auf die Beine gekommen ist.
Der VfB Stuttgart im Jahr eins nach Gomez kann zufrieden sein. Sie hätten auch unter Gross nicht zwei solche Halbserien gespielt, niemand macht das, Leverkusen, die Ungeschlagenen lange Zeit, auch nicht. Aber auch hier frage ich mich, ob das schon das Ende der Fahnenstange ist. Der VfB produziert reihenweise Nachwuchstalente, Gross ist ein umsichtiger Mann und Heldt hat in seinen jungen Jahren schon viel erreicht als Manager. Neben Stuttgart sehe ich oben auch Schalke und Leverkusen als die Mannschaften, die ihr Potenzial optimal ausschöpften, Bremen blieb dahinter zurück, Bayern und Dortmund spielten über dem Limit.
Der HSV ist neben den Absteigern sicherlich der größte Verlierer der Saison. Im kicker habe ich im Abschiedstext zu Bernd Schneider gerade gelesen, dass Labbadia ihn letztes Jahr im Pokalfinale neunzig Minuten hat schmoren lassen. Das ist extrem instinktlos und ein weiteres Indiz dafür, dass dem großen Motivator Labbadia ein Sinn für Spielerseelen fehlt, den selbst Leute wie Weisweiler, Happel und Magath haben/hatten, die nicht unbedingt Kumpeltypen sind/waren. Die Meisterschaft war illusorisch, aber wie Europa League und Pokal abgeschenkt wurden, war schon extrem arm. Daran konnte auch Ausnahmespieler van Niestelrooy nichts ändern.
Wolfsburg hat die Meisterschaft erstaunlich gut verkraftet. Was auch an der mutigen Entscheidung lag, Köstner zum Chef zu machen. Es war kein Glanz auf dieser Saison, Dzeko war zu sehr Einzelkämpfer. Dadurch dass mit Leverkusen, Schalke und Dortmund gleich drei Hinterbänkler durchstarteten, war Europa zu weit weg.
Mainz hat eine überragende Saison gespielt. Van Gaal hin, Magath her, Thomas Tuchel ist Trainer der Jahres. Als Neuling mit einem Aufsteiger taktisch so ausgefuchst zu agieren, Favoriten zu Hause reihenweise aufs Kreuz zu legen und dann noch ahnsehnlichen Fußball mit Herz und Hirn zu spielen, ist sensationell. Eine echte Bereicherung, alles andere als ein niedlicher Exot, dieser Karnevalsverein.
Eintracht Frankfurt unter Skibbe hat sich ebenfalls erstaunlich entwickelt. Rein punktemäßig war es nicht viel besser als in den letzten Jahren, aber es sieht schon anders aus. Besonders gefallen hat mir Köhler, solche Haken hat in der Liga zuletzt Mehmet Scholl geschlagen. Ohne Verletztenseuche könnten es demnächst sogar 47 Punkte oder mehr werden.
Das zweite Jahr ist für einen Aufsteiger immer das Schwerste, so auch für Hoffenheim. Allerdings kämpfte die TSG von Anfang an gegen die irrsinnigen Erwartungen. Ibisevic erzielte nach seinem Kreuzbandriß 12 Tore und wird jetzt mehr oder weniger als Versager abgestempelt. In der Hinrunde war Hoffenheim Siebter. Ich hoffe, Rangnick kriegt die Kurve und kann in Ruhe weiterarbeiten.
Gladbach, noch ein Gewinner der Saison. Endlich ein Trainer, der paßt, endlich spielen sie ab und zu wenigstens schönen Fußball. Eine No-Name-Truppe hat einem großen Verein eine Menge Anerkennung zurück gebracht. Und Dante hat bei mir schon wegen seiner Frisur einen Stein im Brett. Schade, dass Neuville so wenig spielen konnte. Löw würde sagen: In unserem Frisurenprofil ergänzt er sich nicht optimal mit Dante.
Köln im ersten Jahr nach Daum und im ersten Jahr mit Podolski durchwachsen, also im Rahmen seiner Möglichkeiten. Auch hier eine Riesenkluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Köln ist immer noch eine potenzielle Fahrstuhlmannschaft, es wird noch ein Weilchen dauern, bis der ambitonierte Präsident Overath zufrieden ist. Dass Soldo ein Jahr Klüngel überstanden hat, ohne geistig Schaden zu nehmen, spricht für ihn.
Freiburg behält die Nerven, behält den Trainer und hält die Liga. Für keinen waren die Fußstapfen des Vorgängers so groß wie für Robin Dutt, er hat die Herausforderung bestanden. Dieses Freiburger Team ist noch keine Kultmannschaft wie das große Team mit Cardoso, Heinrich, Schmadtke, noch keine Breisgau-Brasilianer. Sie werden immer gegen den Abstieg spielen, und ab und zu einen Etablierten hinter sich lassen.
Hannover: Ende gut, aber nicht alles gut. Der Tod von Robert Enke bleibt die große Katatrophe dieser Spielzeit. Rechtzeitig kehrten Kampfgeist und Spielfreude zurück, es freut mich, dass 96 der Gang in die Zweite Liga erspart bleibt. Auch für Slomka, der auf Schalke unter Wert verabschiedet wurde. Wenn Hanke so weiter trifft, waren die letzten beiden Spiele der Auftakt zu einer wunderbaren neuen Saison.
Der Club macht es wieder einmal spannend. Sollte die Relegation erfolgreich sein, könnte man das sportliche Modell perfektionieren. 10 Leihspieler, 10 Juniorennationalspieler, Schäfer, Wolf, Pinola, fertig ist der Klassenerhalt. Bader hat gezockt und bis jetzt noch nicht verloren, aber nächstes Jahr bitteschön vielleicht noch ein paar mehr Spieler jenseits der 25 mit mehrjährigen Verträgen. Und eine faire Chance für Mintal.
Auf Wiedersehen, VfL Bochum. Selbst die vier Trainer, selbst das 1-0 in Nürnberg hat nicht gereicht. Wer im Endspiel zu Hause so auftritt, der muss sich mindestens ein Jahr lang im Stahlbad Zweite Liga regenerieren. Vielleicht hätte man Koller nicht feuern sollen, was hilft es dem gemeinen Fan, dass Wosz Kult ist und die letzten beiden Spiele so ausgehen.
Last and least – der Problembär aus Berlin. Nicht Hoeneß, sondern Gegenbauer ist der Verantwortliche für das Desaster. Und angesichts der Tatsache, dass es keinerlei Opposition gegen ihn gibt, ist auch in Liga Zwei wenig Gutes zu erwarten. Es war klar, dass nach der Überfliegersaison ein Krisenjahr kommt. Und anstatt den erfahrenen Krisenmanager Hoeneß in Würde zu verabschieden, legt man das Schicksal in die Hände eines Trainers, der das Team gerade mal zwei Jahre betreut hatte. Und der arme Preetz – sympathisch, unerfahren, überfordert – wußte nicht, wie ihm geschieht.
You’ll never blog alone »
Es war sehr angenehm, den Samstag in München mit den anderen Bloggern zusammen zu bringen. Für den Umtrunk danach mußte ich leider passen, da war ich schon wieder auf dem Weg zurück nach Berlin, es gab längst vereinbarte Sonntagsarbeit zu verrichten.
Blogger probek ist zwar Bayern-Fan, ich muss das jetzt so hart formulieren, er zeigte mir aber nicht nur den Paulaner und das Straßenschild vom Kurt-Landauer-Weg, sondern kennt sich auch mit Kino sehr gut aus. Kurt Landauer war bis 1933 Präsident des FC Bayern, als Jude im KZ Dachau inhaftier und war nach der Befreiung weitere vier Jahre Präsident. Probek, der Kaisergrantler, die eine Hälfte von soccr.de und das Fernglas FCB durften sich dann über eine Deutsche Meisterschaft und drei Müller-Tore freuen. Der frühere Müller, der Bomber der Nation war kurz vor Spielbeginn zu Besuch und ließ sich geduldig fotografieren. Wenn er tatsächlich alle achtzig Ehrenlogen besuchte, ist er vor diesem Spiel vermutlich mehr gelaufen als in den meisten Spielen seiner Karriere.
Die Clubberer, die andere Hälfte von soccr.de, die beiden Kollegen von Clubfans-united sowie agolnaihaua, was auf fränkisch so viel heißt wie “einen treffer erzielen”, versuchten angesichts von einem 0-3 in Hamburg nach nicht mal dreißig Minuten die Contenance zu wahren. Schlimmer als 1999 (Fjörtoft, Berger, Freiburg, Chronik einer angekündigten Abstiegsfeier) könne es nicht werden, da waren wir uns einig. Der Bochumer Kollege von 18:48 merkte äußerst listig an, dass das 3-1 von Fuchs in München ganz entscheidend werden könnte. Wohl wahr, der Club hat an einem Spieltag neun Tore gegenüber Hannover und 2 gegenüber Bochum verloren. Dem Gladbacher von Entscheidend is auf’mPlatz konnte man da auch keinen Vorwurf machen.
Obwohl meine Sympathie kein Geheimnis ist: Petric ist ein richtig geiler Spieler ist. Deshalb wird er von Hoffmanns Gardinenneu bestimmt Ende Juli auch wieder vertickt.
Währenddessen sahen die Herthaner von mauertaktik und Szenenapplaus auf einem der vierfach parallel bestückten Bildschirme das 1-1 von Kießling gegen den Hauptstadtverein, der damit endlich tschüssikowski sagen durfte. Die Durchhalteorgie der Berliner Medien war nicht auszuhalten. Seit Harald Juhnke ist ein Sterbenskranker nicht mehr so abgefeiert worden. Seit Weihnachten versprachen die Herthaner mehrmals täglich “jetzt noch einmal alles zu geben”, und nichts, NICHTS ist passiert. Selbst gegen den Club haben sie sich zu blöde angestellt. Vielleicht sehen wir uns bald in der Zweiten Liga wieder, dann muss “Heimsieg” an der Spree nicht mehr auf der Roten Liste ausgestorbener Wörter geführt werden. Es gibt ja den FSV Frankfurt, Osnabrück, Aachen.
Die beiden VfB-Fans von angedacht und Brustring erlebten einen Dämpfer ihrer in den letzten Wochen so großartig aufspielenden Schwabenpfeile. Wer nach so einer Hinrunde allerdings noch international spielt, dürfte nicht allzu geknickt sein.
Fein raus waren die Neutralen, die sich auf ihren Websites nicht sogleich als Fan eines bestimmten Vereins zu erkennen geben: Abenteuer Fußball war doppelt vertreten, mit Trainer Baade konnte ich ein paar freundliche Worte wechseln, von Stadion-Wurst hätte ich eigentlich eine Bewertung der leckeren Speisenfolge erwartet, ohne Wurst und außer Konkurrenz, genau so wie von den soccer-warriors, die ansonsten Fritten, Fußball und Bier bevorzugen. Meiner Aufmerksamkeit entging leider völlig der sportmedienblog, was auch daran liegt, dass die Autoren vor allem unter ihrem Blog, selten unter ihren Pseudonymen, so gut wie nie unter ihren echten Namen bekannt sind. Die korrekte erfolgte dann auch ähnlich wie bei Fahrenheit 451 von Truffaut: “Guten Tag, ich bin Stadionwurst. – Sehr erfreut, mein Name ist Mauertatktik”.
Auf der Tribüne twitterten und bloggten einige von uns um die Wette, hinten in der Lounge gab es das Spiel der Bayern noch einmal auf dem Bildschirm (tatsächlich 3-1), dazu Schalke – Bremen und auf besonderen Wunsch der mittelfränkischen Sado-Maso-Fraktion HSV-FCN. Und natürlich die Konferenz. Liga Total gibt einem die Möglichkeit, die Tabelle live einzublenden, außerdem gibt es einen Schnipsel-Ticker, das heißt, wenn man eigentlich gerade HSV-FCN schaut und dann im Ticker auf einen Eintrag anklickt, kriegt man gleich eine aktuelle Spielszene aus einem anderen Stadion zu sehen, das 4-0 von Hannover zum Beispiel. Nein, das Gerät ist nicht kaputt, es war tatsächlich Hanke. Außerdem kann man sich sein Spiel auf der Festplatte aufzeichnen, um seine Kinder später damit zu erschrecken, und noch am gleichen Tag auch die anderen Spiele in voller Länge sehen. Doppelflat für Surfen und Festnetz sind sind im Paket mit dabei, das mit Recorder bei etwa 50 Euro anfängt. Eigentlich gar nicht so kostenungünstig, allerdings gehe ich lieber in die Kneipe, sonst hinge ich nur vor der Glotze. Und 70 Fernsehsender brauche ich eigentlich auch nicht, 18 Vereine reichen völlig aus.
Insgesamt eine bunte Runde, nullkommanullgendergemainstreamt und sachkundig bis unters Blasen werfende Dach der Allianz Arena. Man sieht sich, man schreibt sich, man liest sich.
Herrn Jogis Gespür für Personalentscheidungen »
Wirklich elegant, wie der Bundestrainer die Causa Kuranyi erledigt hat. Dass Kuranyi mit Löws kombinantionsbetontem Spiel Schwierigkeiten hätte, mag sein. Dass es einer deutschen Mannschaft in einem Turnier nicht schaden kann, einen Stürmer zu habe, der die Bälle am eigenen Strafraum holt und nach Ecken Tore schießt, ist auch unstrittig, aber Herr Löw hat andere Pläne. Fragt sich nur, welche.
Wenn Gomez wirklich zur WM mitfährt, dann ist das Leistungsprinzip endgültig passé. Er war im Van Gaalschen System immer ein Fremdkörper und hat zwar einige Tore geschossen, eins mehr als Farfan in seinem ersten Jahr auf Schalke, als dieser dort noch als Fehleinkauf abgestempelt worden war, um genau zu sein, aber die Vereinigten Arabischen Emirate sind halt nun mal nicht dabei in Südafrika. Klose würde ich auch auf einer Trage im Ganzkörpergips mitnehmen, er ist ein besonderer Spieler und kann den Unterschied machen. Helmes fällt mit Sicherheit raus, er war auch ohne Verletzung nur Ergänzungsspieler. Kießling wird seine Chance bekommen, er hat in der obligatorischen Leverkusen-Krise Steherqualitäten bewiesen, außerdem ist er vielseitig, ein Ballschlepper und Vorlagengeber. Bleibt die Frage Cacau oder Podolski. Blogger probek hatte bereits in der Hinrunde erhebliche Einwände, als ich Podolski das Potenzial attestiert habe, ein zweiter Zidane zu werden. Und der Verlauf der Saison hat dem Kollegen aus München vollumfänglich recht gegeben. Allerdings war Podolski dann wenigstens besser als schlecht, wenn er nicht nur Stürmer spielte, sondern das ganze Spielfeld zu seinem Terrain machte, im Mittelfeld defensive Zweikämpfe gewann, von hinten anschob, also sich ganz wie ein drittklassiger Zidane benahm. Trotz der mißratenen Saison würde ich ihm wegen seiner Vielseitigkeit den Vorzug vor Cacau geben, außerdem hat er in der Nationalmannschaft eine ganz andere Vita als im Verein, quasi ein umgekehrter Ulf Kirsten.
Heute Live-Blog/Tweet aus der Allianz-Arena »
Es ist so weit. Heute Nachmittag werden zwanzig Blogger auf Einladung von T-Home in der Allianz-Arena technische Neuigkeiten präsentiert bekommen. Ich bin sehr gespannt. Es soll jetzt schon ein App fürs Zwiebeln schneiden geben. Einfach “Zwiebel schneiden” ins iPhone eingeben, der Rest geht von allein. Mein Gezwitscher ist unter robalef zu finden.
Nach dem Wort des Sponsors sehen wir uns das Spiel des FC Bayern gegen den VfL Bochum an. Sollte Bochum heute einen Punkt hören, werde ich mir freiwillig ein Lied von Herbert Grönemeyer in voller Länge auf YouTube anhören. Gewinnen müssen sie nicht unbedingt, schließlich stehen sie noch einen Platz hinter Nürnberg, die heute in Hamburg hoffentlich vom Fulham-Trauma profitieren können.
Schalke muss aufpassen, dass heute kein Unentschieden auf sie wartet. Frings ist in der Form seines Lebens und auch der Pizza-Mann liefert pünktlich. Hertha hat in Leverkusen alle Trümpfe in der Hand. Gegen seinen alten Verein wird Gekas nicht mehr wiederzuerkennen sein. “Seit wann hat Messi eine Glatze?”, werden sich die Fans in der BayArena fragen.
Stuttgart peilt heute den siebten Sieg in Serie an. Aber auch die Mainzer wollen noch einmal punkten, wissen sie doch, dass am letzten Spieltag nichts mehr geht. Köln sollte sein letztes Heimspiel gewinnen, die Fans hätten es verdient, und Soldo hätte mehr Punkte geholt als Daum. Freiburg könnte dank seines miesen Torverhältnisses noch einmal in die Bredouille kommen. Für Nürnberg wäre das nicht schlecht.
Hannover kämpft gegen Gladbach um die letzte Chance. Wenn sie nicht wieder drei Eigentore schießen, sollte ein Unentschieden drin sein. Gladbach kann befreit aufspielen genauso wie Frankfurt gegen Hoffenheim. Skibbe wären die 49 Punkte zu gönnen, für Hoffenheim beginnt bereits die Vorbereitung auf die nächste Saison.
Dortmund kämpft gegen Wolfsburg um Platz drei. Da Bremen auf Schalke spielt und Leverkusen eine harte Nuss zu knacken hat, haben sie gute Chancen. Heute ist der Tag der Malocher ausm Ruhrgebiet und von überall wech. Deshalb Glück Auf! und heraus aus dem Abstiegssumpf , Nürnberg, zum ersten Mai.
Schwabenpfeile reloaded »
Horst Heldt dürfte sehr bald ein begehrter Mann werden. Wer seinem Team acht Siege in Folge befiehlt und daraufhin sechs Siege in Folge erhält, muss eine besondere Gabe besitzen. Derartige schamanische Fähigkeiten kennt man hierzulande eigentlich nur von Beckenbauer. Und Bochum hat verloren, das passt sehr gut in die zerklüftete Abstiegslandschaft. Am Samstag ein klitzekleiner Sieg gegen Dortmund, und es sähe sehr gut aus für den Club. Aber der BVB ist die Mutter aller Angstgegner, das waren meist sehr unerfreuliche Spiele für die Clubberer.
Mr. Zweistellig grüßt von oben »
Wer hätte das gedacht? Schalke ist vorn und hat nach dem 2-1 gegen Dortmund die nächsten Big Points geholt. Und Kuranyi trifft wie ein Uhrwerk. Ob da noch Luft nach oben ist? Die Bayern sind zwar in der Champions League kühl bis ins Mark (van Bommel), gegen Köln und Nürnberg haben sie sich jedoch gleich zwei Nervenwackler geleistet. Dass der nächste zu Hause gegen Freiburg kommt, ist nicht zu erwarten, man kann die Punkte auch auswärts liegenlassen. Für Nürnberg wäre es kein Schaden, wenn Freiburg heute verlöre. Bei einem Sieg in Berlin – das Spiel sehen Hertha-Fans und Clubberer heute friedlich in der Bluesgarage in Schöneberg, der Autor ist anwesend – könnten sie sich ein wenig absetzen. Wobei Hannover jetzt die zweite Luft kriegen wird. Die haben mit HSV, Schalke, Bayern, Leverkusen nur ein besonders knüppelhartes Restprogramm.
Kevin Kuranyi zieht als Mr. Zweistellig weiterhin einsam seine Kreise, hat viermal mehr Tore geschossen als Podolski und Klose zusammen. Podolski, der nach seiner Ohrfeige für Ballack angeblich auf Bewährung spielt, hatte nach dem Länderspiel gegen Argentinien den nächsten kleinen Ausraster. Gegen Bayern hat Kuranyi im DFB-Pokal-Halbfinale die Möglichkeit, dass er es auch in k.o.-Spielen kann. Die Sturheit Löws in dieser Frage ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass der DFB völlig von der Rolle ist. Diese WM könnte tatsächlich zum Desaster werden. Starke Gruppengegner, schwache Stürmer und im Verband ist der Teufel los. Aber bitte, dann geht Kuranyi eben bestens ausgeruht in die neue CL-Saison. Das muss kein Schaden sein.
Ohne Övrebö habt ihr keine Chance »
Der Club hatte eine und machte sie rein, fertig war ein Unentschieden für die engagierten und kompakten Defensivkünstler in rot-schwarz. Und dieser kostbare Punkt wird noch schöner, weil er glücklich war, weil man sich hinterher nicht anhören musste, gegen diese Bayern an diesem Tag wäre mehr drin gewesen. Eine Chancenauswertung von 100%, eine geschlossene Mannschaftsleistung mit einem unermüdlichen Pinola und einem eiskalten Breno, und ein Raphael Schäfer, der die eine, die tausendprozentige Gelegenheit von Mario Gomez perfekt entschärfte. Und kein Schiri, der einfach mal so ein Abseitstor durchgehen ließ, wie gegen Dortmund, wie gegen Florenz.
Ich weiss nicht, was mich bei der Champions League mehr wundert: Dass der Bruchpilot Övrebö tatsächlich noch einmal pfeifen durfte, oder dass die Bayern ernsthaft vom Titel reden. Sie stehen da, wo sie in den Jahren seit 2001 meistens standen, im Achtelfinale mit dem Auswärtsauftritt im Rückspiel. Und nach dieser einfallslosen Offensivleistung vom Mittwoch erscheint es unwahrscheinlicher denn je, dass sie diese Saison auch nur in die Nähe des Endspiels kommen.
Wenn man sich die angeblich so tolle Siegesserie einmal ansieht, stellt man schnell fest, dass die meisten Gegner entweder schwach oder mitten in einer Krise waren. Dass man gegen Haifa, Hannover, Gladbach, Hertha, Mainz und Fürth gewinnt, sollte eigentlich kein Anlass sein, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Hier stehen auch die drei Zu-Null-Spiele der Serie zu Buche. Die grossen Namen Juventus, Hoffenheim, Bremen und Wolfsburg standen zum Zeitpunkt der Begegnung gerade mehr oder weniger neben sich: Juve ist überaltert und der arme Buffon humpelte sichtlich durch seinen Strafraum, Hoffenheim hat zu viele Verletzte, Bremen den bekannt schlechten Start und Wolfsburgs Abwehr ist schlechter als die von Hertha. Drei eher durchschnittliche, gute eingestellte Mannschaften mit aufsteigender Tendenz reichten, um die Bayern ins Straucheln zu bringen: die laufstarken Dortmunder, die taktisch klugen Florentiner Hörnchen und die mutig verteidigenden Clubberer. Bis 10. April heissen die Gegner auswärts Florenz, Leverkusen, Frankfurt und zweimal Schalke, zuhause geht es gegen den Angstgegner HSV und die bestens aufgelegten Stuttgarter.
Der wie immer beflissene Marcel Reif beeilt sich heute im Tagesspiegel zu versichern, die Bayern können sich nur selbst um den Erfolg bringen, und das Spiel in Nürnberg sei der Beweis dafür gewesen. Ich habe das Gefühl, dass van Niestelrooy, Cacau, Gilardino, Köhler, Kuranyi, Kroos und die anderen den Bayern diese Aufgabe nicht konkurrenzlos überlassen werden.
Eine schwierige Saison für Raphael Schäfer »
Raphael Schäfer hat es nicht leicht in dieser Saison. Nach seinem Nachhakeln gegen Misimovic wurde er durch Fernsehbeweis gesperrt. Dass es nicht in Ordnung war, was er da gemacht hatte, ist klar. Ob es rot gewesen wäre, wenn es Schiedsrichter Schmidt gesehen hätte, ist eine andere Frage. Misimovic hat im gegnerischen Fünf-Meter-Raum ganz schön rumgepöbelt vorher. Und dass Torhüter ihr Revier schützen (dürfen), wird auch der Schiedsrichter gewusst haben, der es großzügig mochte, und bei klarer Sicht weder Wolf noch Josué vom Platz stellte. Warum er dann Schäfers Einsteigen aus drei Metern Entfernung angeblich nicht gesehen hat, weiss nur er, und warum es dann gleich vier Spiele Sperre sein mussten, nur der DFB. Unterm Strich standen dann für Nürnberg vier Spiele ohne Schäfer, ohne Tor, ohne Punkt.
Letzten Samstag machte der Club-Torwart dann den spielentscheidenen Fehler gegen Stuttgart, nachdem er vorher sein Team bis zur 86. Minute mit teilweise Weltklasseparaden im Spiel gehalten hatte. Er monierte zwar Abseits, aber er wusste, dass er sich von Hilbert hatte vernaschen lassen. Kurz danach schlitzte ihm ein Stuttgarter auf der Torlinie die Kniekehle auf, wofür es weder Gelb noch vier Spiele Sperre gab. Hauptsache, der Schiedsrichter hat diese Sehne richtig beurteilt.
Gestern Abend hatte Schäfer wieder einen unglücklichen Moment, beim 2-1 für Gladbach. Meiner Meinung nach war Matmour eine Idee früher in der Luft, er springt ziemlich senkrecht in die Höhe,will zum Ball, nicht in den Mann. Schäfer nimmt das Duell an, aber der Aufprall verhindert, dass er die Kontrolle über den Ball kriegt. Wenn er Matmour erfolgreich geblockt hätte, hätte es sicher keinen Elfmeter gegeben. Nützt aber nichts: Ball verloren – Spiel verloren.
Man hätte das auch abpfeifen können, aber eine eindeutige Fehlentscheidung war es nicht, genauso wie der Handelfmeter für die Bayern gegen Fürth am Mittwoch. Kann man geben, muss man nicht. Wenn man jetzt natürlich in jedes Trikot einen Chip einpflanzen würde, der die Aufprallgeschwindigkeit, den Ellebogenwinkel und die Bewegungsrichtung in Sekundenbruchteilen berechnet, gäbe es derartige Skandalentscheidungen nicht mehr. Bem vorwärts eingesprungenen Flugblocker von Fürstner gegen die Bayern müsste man allerdings schon die Hirnströme messen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Die Dioden könnte man in den von Petr Cech zu Weltruhm gebrachten Helm integrieren, ein echter High-Czech-Helm, der dann Pflicht für alle wäre. Will ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielen, bekommt der Schiedsrichter einen kleinen Ball auf seine Uhr gesendet. Will er nur das Gleichgewicht halten, funkt der Helm eine kleine zweifelsfreie Waage.
Nächsten Samstag kommen die von sich selbst restlos bedröhnten Bayern nach Nürnberg. Solange Hannover weiter so rumgurkt und Hoffenheim und Wolfsburg sich im dezenten Sinkflug befinden, besteht keine dringende Notwendigkeit, dieses Spiel zu gewinnen. Wir wollen sie noch einmal, die erfolgreiche Relegation. Am liebsten gegen Kaiserslautern. Aber vielleicht kann Schäfer wieder einmal eine perfekte Leistung zeigen, gut gehalten hat er ja bisher.
Der Mann von Real Unterhaching »
Ich sage ja nicht, dass Wolfsburg für all die gloriosen Namen verantwortlich ist, aber wenn im Vorfeld Huub Stevens, Marco van Basten und Bernd Schuster gehandelt werden, und dann ein Trainer kommt, der mit Hessen Kassel, dem KSC und dem 1. FC Köln Mittelmaß auf allermittlerstem Niveau zustande gebracht hat, dann ist das schon ein kaltes Erwachen. Außerdem kenne ich jetzt gerade keinen Spieler, der es von Wolfsburgs Amateuren in die erste Mannschaft geschafft hätte. Der Kader wurde zusammen gekauft, durchaus auch sinnvoll zusammen gestellt, aber ein Leistungsnachweis ist dieser Nachwuchsmangel nicht wirklich. Gut, werden manche sagen, aber ist der Nachwuchs- oder Assistenztrainer nicht eigentlich immer ein Glücksgriff – Schaaf in Bremen, Götz bei Hertha, Babbel in Stuttgart, Löw beim DFB, Engels in Köln, Heinemann bei Bochum, den sie beim VfL alle nur Altbundespräsident rufen? Ist nicht Zachhuber bei Rostock die Glücksgriffflatrate schlechthin - einmal verpflichtet, viermal gerettet?
Nachdem Köstner im kicker dafür gelobt wird, bei Schalkes 4-Minuten-Meisterschaft 2001 dabei gewesen zu sein – der Mann steht für dramatischen Fußball, nur seine Teams leider nicht – lassen wir sein Wirken einfach mal auf uns zukommen. Wie man sich zum Klassenerhalt mauert, hat er in Haching gezeigt, und Wolfsburg will ja vor allem weniger Gegentore. Wenn es am 34. Spieltag in der Konferenz allerdings heißt: “In Wolfsburg ist Schluß und die Spieler von Trainer Köstner fallen sich um den Hals. Aber in Berlin wird noch gespielt und eben hat Schiedsrichter Babak Rafati indirekten Freistoß im Strafraum der Bayern gepfiffen und Pal Dardai legt sich den Ball zurecht, während Rensing sich gegen die tief stehende Sonne zu orientieren versucht….”, dann könnte es wieder dramtisch werden, und der Club als abgestiegener Meister in der Hall of Shame kriegt vielleicht Gesellschaft. Wenn dann St.Pauli in der Relegation gegen Hoffenheim aufsteigt, dann würden sogar Traditionalisten Leverkusen als Meister verkraften.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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