Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Ohne Övrebö habt ihr keine Chance »

Der Club hatte eine und machte sie rein, fertig war ein Unentschieden für die engagierten und kompakten Defensivkünstler in rot-schwarz. Und dieser kostbare Punkt wird noch schöner, weil er glücklich war, weil man sich hinterher nicht anhören musste, gegen diese Bayern an diesem Tag wäre mehr drin gewesen. Eine Chancenauswertung von 100%, eine geschlossene Mannschaftsleistung mit einem unermüdlichen Pinola und einem eiskalten Breno, und ein Raphael Schäfer, der die eine, die tausendprozentige Gelegenheit von Mario Gomez perfekt entschärfte. Und kein Schiri, der einfach mal so ein Abseitstor durchgehen ließ, wie gegen Dortmund, wie gegen Florenz.

Ich weiss nicht, was mich bei der Champions League mehr wundert: Dass der Bruchpilot Övrebö tatsächlich noch einmal pfeifen durfte, oder dass die Bayern ernsthaft vom Titel reden. Sie stehen da, wo sie in den Jahren seit 2001 meistens standen, im Achtelfinale mit dem Auswärtsauftritt im Rückspiel. Und nach dieser einfallslosen Offensivleistung vom Mittwoch erscheint es unwahrscheinlicher denn je, dass sie diese Saison auch nur in die Nähe des Endspiels kommen.

Wenn man sich die angeblich so tolle Siegesserie einmal ansieht, stellt man schnell fest, dass die meisten Gegner entweder schwach oder mitten in einer Krise waren. Dass man gegen Haifa, Hannover, Gladbach, Hertha, Mainz und Fürth gewinnt, sollte eigentlich kein Anlass sein, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Hier stehen auch die drei Zu-Null-Spiele der Serie zu Buche. Die grossen Namen Juventus, Hoffenheim, Bremen und Wolfsburg standen zum Zeitpunkt der Begegnung gerade mehr oder weniger neben sich: Juve ist überaltert und der arme Buffon humpelte sichtlich durch seinen Strafraum, Hoffenheim hat zu viele Verletzte, Bremen den bekannt schlechten Start und Wolfsburgs Abwehr ist schlechter als die von Hertha. Drei eher durchschnittliche, gute eingestellte Mannschaften mit aufsteigender Tendenz reichten, um die Bayern ins Straucheln zu bringen: die laufstarken Dortmunder, die taktisch klugen Florentiner Hörnchen und die mutig verteidigenden Clubberer. Bis 10. April heissen die Gegner auswärts Florenz, Leverkusen, Frankfurt und zweimal Schalke, zuhause geht es gegen den Angstgegner HSV und die bestens aufgelegten Stuttgarter.

Der wie immer beflissene Marcel Reif beeilt sich heute im Tagesspiegel zu versichern, die Bayern können sich nur selbst um den Erfolg bringen, und das Spiel in Nürnberg sei der Beweis dafür gewesen. Ich habe das Gefühl, dass van Niestelrooy, Cacau, Gilardino, Köhler, Kuranyi, Kroos und die anderen den Bayern diese Aufgabe nicht konkurrenzlos überlassen werden.

Eine schwierige Saison für Raphael Schäfer »

Raphael Schäfer hat es nicht leicht in dieser Saison. Nach seinem Nachhakeln gegen Misimovic wurde er durch Fernsehbeweis gesperrt. Dass es nicht in Ordnung war, was er da gemacht hatte, ist klar. Ob es rot gewesen wäre, wenn es Schiedsrichter Schmidt gesehen hätte, ist eine andere Frage. Misimovic hat im gegnerischen Fünf-Meter-Raum ganz schön rumgepöbelt vorher. Und dass Torhüter ihr Revier schützen (dürfen), wird auch der Schiedsrichter gewusst haben, der es großzügig mochte, und bei klarer Sicht weder Wolf noch Josué vom Platz stellte. Warum er dann Schäfers Einsteigen aus drei Metern Entfernung angeblich nicht gesehen hat, weiss nur er, und warum es dann gleich vier Spiele Sperre sein mussten, nur der DFB. Unterm Strich standen dann für Nürnberg vier Spiele ohne Schäfer, ohne Tor, ohne Punkt.

Letzten Samstag machte der Club-Torwart dann den spielentscheidenen Fehler gegen Stuttgart, nachdem er vorher sein Team bis zur 86. Minute mit teilweise Weltklasseparaden im Spiel gehalten hatte. Er monierte zwar Abseits, aber er wusste, dass er sich von Hilbert hatte vernaschen lassen. Kurz danach schlitzte ihm ein Stuttgarter auf der Torlinie die Kniekehle auf, wofür es weder Gelb noch vier Spiele Sperre gab. Hauptsache, der Schiedsrichter hat diese Sehne richtig beurteilt.

Gestern Abend hatte Schäfer wieder einen unglücklichen Moment, beim 2-1 für Gladbach. Meiner Meinung nach war Matmour eine Idee früher in der Luft, er springt ziemlich senkrecht in die Höhe,will zum Ball, nicht in den Mann. Schäfer nimmt das Duell an, aber der Aufprall verhindert, dass er die Kontrolle über den Ball kriegt. Wenn er Matmour erfolgreich geblockt hätte, hätte es sicher keinen Elfmeter gegeben. Nützt aber nichts: Ball verloren – Spiel verloren.

Man hätte das auch abpfeifen können, aber eine eindeutige Fehlentscheidung war es nicht, genauso wie der Handelfmeter für die Bayern gegen Fürth am Mittwoch. Kann man geben, muss man nicht. Wenn man jetzt natürlich in jedes Trikot einen Chip einpflanzen würde, der die Aufprallgeschwindigkeit, den Ellebogenwinkel und die Bewegungsrichtung in Sekundenbruchteilen berechnet, gäbe es derartige Skandalentscheidungen nicht mehr. Bem vorwärts eingesprungenen Flugblocker von Fürstner gegen die Bayern müsste man allerdings schon die Hirnströme messen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Die Dioden könnte man in den von Petr Cech zu Weltruhm gebrachten Helm integrieren, ein echter High-Czech-Helm, der dann Pflicht für alle wäre. Will ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielen, bekommt der Schiedsrichter einen kleinen Ball auf seine Uhr gesendet. Will er nur das Gleichgewicht halten, funkt der Helm eine kleine zweifelsfreie Waage.

Nächsten Samstag kommen die von sich selbst restlos bedröhnten Bayern nach Nürnberg. Solange Hannover weiter so rumgurkt und Hoffenheim und Wolfsburg sich im dezenten Sinkflug befinden, besteht keine dringende Notwendigkeit, dieses Spiel zu gewinnen. Wir wollen sie noch einmal, die erfolgreiche Relegation. Am liebsten gegen Kaiserslautern. Aber vielleicht kann Schäfer wieder einmal eine perfekte Leistung zeigen, gut gehalten hat er ja bisher.

Der Humus der Hoffnung im Frühbeet des Abstiegskampfes »

Das Schöne an so einem 3-1 Sieg in Hannover ist seine lang anhaltende Wirkung. Die Konferenz in der Kneipe geht zu Ende, und du hast 3-1 gewonnen. Du siehst dir die Sportschau an, weil du ein zweite Meinung hören möchtest, siehe da, ein 3-1-Erfolg. Abends beim aktuellen Sportstudio schon wieder 3-1, und du weißt: Du hast einen Lauf. Aus-wärts-sieg heißt das Wort zum Sonntag. Am nächsten Morgen dann im Tagesspiegel und in der FAS und in der Welt überall das gleiche Bild, als hätten sie sich abgesprochen. Der Internationale Frühschoppen mit drei Alkoholikern aus vier Ländern weiß Bescheid: 3-1 für deinen Verein. Auch am Sonntag Abend, wenn du wie so oft in den letzten dreißig Jahren, die Spielergebnisse und die Tabelle im kicker einträgst, kann es keinen Zweifel geben: 3-1 lautet die richtige Antwort auf so viele bange Fragen. Wenn du am Montag erwachst und dich fragst, ob du vielleicht geträumt hast, ist es am Besten, gleich den kicker zu holen. Und siehe da, dein Instinkt hat dich nicht getrogen. Der Club hat gewonnen! 3-1 !! In Hannover!!! Wo wir von Idrissou einmal furchtbar vermöbelt worden sind. Und als Extrabonus ist Bunjaku Mann des Tages. Obwohl er keine langen Unterhosen trägt. Vor dem Schlafengehen kannst du noch einmal schnell im Internet nachschauen, besser nichts dem Zufall überlassen. Aber das 3-1 steht. Steht überall. Der Dienstag vergeht im Gefühl wohligen Nachschmeckens. Jetzt, da Diekmeier doch nicht zu Köstner muss, duftet der Sieg noch mehr wie ein Single Malt von den Islays und wärmt von innen und läßt Blütenträume von einer ausgeglichenen Heimbilanz reifen. Gegen die Bayern, Leverkusen und Dortmund eigentlich ein Selbstläufer. Am Mittwoch verblasst das Erfolgserlebnis dann allmählich, vergeht wie ein spektakulärer Sonnenuntergang am Gestade des Valznerweiher, um am Donnerstag endgültig Geschichte geworden zu sein, zerfallen zum Humus der Hoffnung im Frühbeet des Abstiegskampfes. Aber da Mintal endlich wieder wie Mintal spielt, geht auch gegen den VfB etwas. Ein 2-1 würde völlig reichen. Nur nicht überdüngen.

Der Mann von Real Unterhaching »

Ich sage ja nicht, dass Wolfsburg für all die gloriosen Namen verantwortlich ist, aber wenn im Vorfeld Huub Stevens, Marco van Basten und Bernd Schuster gehandelt werden, und dann ein Trainer kommt, der mit Hessen Kassel, dem KSC und dem 1. FC Köln Mittelmaß auf allermittlerstem Niveau zustande gebracht hat, dann ist das schon ein kaltes Erwachen. Außerdem kenne ich jetzt gerade keinen Spieler, der es von Wolfsburgs Amateuren in die erste Mannschaft geschafft hätte. Der Kader wurde zusammen gekauft, durchaus auch sinnvoll zusammen gestellt, aber ein Leistungsnachweis ist dieser Nachwuchsmangel nicht wirklich. Gut, werden manche sagen, aber ist der Nachwuchs- oder Assistenztrainer nicht eigentlich immer ein Glücksgriff – Schaaf in Bremen, Götz bei Hertha, Babbel in Stuttgart, Löw beim DFB, Engels in Köln, Heinemann bei Bochum, den sie beim VfL alle nur Altbundespräsident rufen? Ist nicht Zachhuber bei Rostock die Glücksgriffflatrate schlechthin -  einmal verpflichtet, viermal gerettet?

Nachdem Köstner im kicker dafür gelobt wird, bei Schalkes 4-Minuten-Meisterschaft 2001 dabei gewesen zu sein – der Mann steht für dramatischen Fußball, nur seine Teams leider nicht – lassen wir sein Wirken einfach mal auf uns zukommen. Wie man sich zum Klassenerhalt mauert, hat er in Haching gezeigt, und Wolfsburg will ja vor allem weniger Gegentore. Wenn es am 34. Spieltag in der Konferenz allerdings heißt: “In Wolfsburg ist Schluß und die Spieler von Trainer Köstner fallen sich um den Hals. Aber in Berlin wird noch gespielt und eben hat Schiedsrichter Babak Rafati indirekten Freistoß im Strafraum der Bayern gepfiffen und Pal Dardai legt sich den Ball zurecht, während Rensing sich gegen die tief stehende Sonne zu orientieren versucht….”, dann könnte es wieder dramtisch werden, und der Club als abgestiegener Meister in der Hall of Shame kriegt vielleicht Gesellschaft. Wenn dann St.Pauli in der Relegation gegen Hoffenheim aufsteigt, dann würden sogar Traditionalisten Leverkusen als Meister verkraften.

Im Transferwirbel »

Gerade noch mal gut gegangen. Der Rheuma-Kai bleibt dem Club erspart. Präsident Schäfer kann sich sogar noch an den letzten großen Winterfehleinkauf erinnern. Andere Entscheidungsträger kriegen gleich den Koller, wenn man sie daran erinnert, was sie vor zwei Jahren gemacht haben.

“Verantwortungsversessen”, das wäre doch mal eine schöne Kampfvokabel, um Banker, Regierungsmitglieder und Vereinsobere elegant von jeder Kritik zu befreien. Die bayerischen Steuerzahler sind verantwortungsversessen, weil sie wissen wollen, was der Herr Stoiber mit der HypoLB zu tun hatte. Die Deutschen sind verantwortungsversessen, weil sie nach acht Jahren keinen Krieg mehr in Afghanistan führen wollen. Nur die Hertha-Fans sind nicht verantwortungsversessen, winken ihren Präsidenten Gegenbauer auf der Hauptversammlung glatt durch und ihren Lieblingen noch einmal freundlich zu, bevor es in die Zweite Liga geht. Arne Friedrich gestern im kicker: “Gekas ist ein Killer vor dem Tor.” Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt das Phrasenschwein, aber der Realitätssinn, der nibbelt schon etwas früher ab.

Sehr gut gefällt mir die Rückkehr von Baumjohann zu (auf?) Schalke, ein interessanter Spieler, der die immer noch platten, aber wenigstens effizienten Offensivbemühungen entscheidend aufmöbeln könnte. Wobei es nicht verboten ist, mit Einfallslosigkeit Deutscher Meister zu werden, die Bayern wissen, wie es geht. Dass Kluge jetzt auch gleich dem Lockruf des Magath folgt, ist natürlich nicht so schön, allerdings hat er für seine Erfahrung auch zu wenig gemacht, um den Absturz zu verhindern. 1,5 Millionen sind trotzdem viel zu wenig. Ich fände ja Simak im Mittelfeld nicht schlecht, der könnte ein bißchen Kreativität reinbringen bei den rotschwarzen jungen, schrecklich Braven.

Bei den Bayern gehen die Abwanderungsbewegungen weiter, nur Rensing sucht noch eine neue Aufgabe. Vielleicht in Südamerika unter anderem Namen, einfach mal noch mal ganz von vorne anfangen als Surflehrer, oder als Chaperon, um südamerikanische Profis pünktlich zum Flughafen zu bringen. Oder doch zum VfB? Wenn Gross wirklich so ein Disziplinfanatiker ist, dann hat er Lehmanns Faxen bald dicke. Und Ulreich und Stolz sind für Barcelona dann doch ein wenig arg unerfahren.

Interessant sind auch die Mannschaften, die sich nicht verstärken, insbesondere Leverkusen, da kommen mit Helmes, Rolfes und Renato Augusto gleich drei überdurchschnittliche Spieler zurück, einfach so. Völlers Handschrift ist zu sehen. Er hat eines von zwei ganz interessanten Manager-Interviews im kicker gegeben, im anderen spricht Dieter Hoeneß. Nur Nerlinger bietet den üblichen Schwurbel, sagt erst kantig-klar: “Ich spreche nicht über Trends, sondern nur über Fakten”, wird dann aber bei der letzten Frage doch noch zum Propheten: “Dieser Tag, dass wir wieder Erster sind, ist nicht mehr fern.” Bei D. Hoeneß bin ich gespannt, was ihm gelingt, wenn er einmal richtig Geld in die Hand nehmen darf. 31,8% der befragten kicker-Fans glauben übrigens, dass Wolfsburg gegen Villareal ausscheidet, das ist der drittschlechteste Wert nach Stuttgart (85,9% gegen Barca) und Hertha (78,5% gegen Benfica). Bei Bayern glauben 89,2% an ein Weiterkommen gegen Florenz, aber Bremen hat die Nase vorn mit 95,6% gegen Twente. Und auch gegen Firenze ist es bloß ein Achtelfinale mit dem Heimspiel zuerst. Das hat selten geklappt, damals, als Bayern noch Seriengast in der CL war. Sollte der nostradamische Nerlinger sein Herz in beide Hände nehmen, Ribery verkaufen und Maicon mit diesem Geld verpflichten, dann könnte es diesmal sogar für das Viertelfinale reichen.

Horror, Furor, Error – Die Mumie kehrt zurück »

Herzlich willkommen im WM-Jahr 2010. Während die Welt dem Turnier in Südafrika entgegenzweifelt, bastelt man am Valznerweiher augenscheinlich an einem Remake des Klassikers “Fahrstuhl zum Schafott”.

Wer glaubt, der Autor dieser Zeilen wäre so wortkarg gewesen, weil ihm die Leistungen des 1. FC Nürnberg die Sprache verschlagen haben, täuscht sich. Die Gründe liegen außerhalb des fußballerischen Bereichs. Natürlich hätte ich gerne eine Siegesserie nach dem 3-2 in Wolfsburg gesehen, aber mit und ohne Oenning wird es eine ganz enge Kiste für den Club, das war nach diesem eigentlich verfrühten Aufstieg völlig klar.

Nachdem es der Trainer nicht geschafft hat, trotz guter Voraussetzungen die Mannschaft in den letzten vier Spielen zu wenigstens einem Sieg zu bringen, bin ich ausnahmesweise auch mit der Entlassung einverstanden. Eigentlich finde ich immer, Trainerwechsel in der Saison bringen nichts. Aber wer in der 12. Minute gegen Freiburg 0-1 in Rückstand gerät und danach in 348 Minuten nicht mal ein Tor zustande bringt, der braucht wohl tatsächlich neuen taktisch-motivatorischen Beistand. Nur an Raphael Schäfers Sperre kann es nicht gelegen haben.

Jetzt also Dieter Hecking, nicht gerade ein Trainer, der in Hannover die Stürmer aus dem Ärmel geschüttelt und die Viererkette neu erfunden hat. Und weil das mit Jan Koller – erfahren, gefühlte 200 Länderspiele, ein Ruf wie Donnerhall – beim letzten Abstieg so gut geklappt hat, darf jetzt der nächste Altstar die Nachwuchstalente in rot-schwarz mit seiner Routine führen. Rheuma-Kai ist mit seinem statischem Herumstehen und der geringen Laufbereitschaft die ideale Ergänzung zu Charisteas, der immerzu rennt und immerzu schreckliches Pech hat. Vor meinem geistigen Auge entstehen da Ballstaffetten, die an die Pantomimen am Ende von Antonionis “Blow-Up” denken lassen. Ein Angriffsspiel, so völlig ohne Ball, dass man nicht einmal das Plopp hören kann.

Für die Defensive kommt Breno, in dem Manager Bader wohl einen verkannten Abwehr-Kroos vermutet, außerdem vermutlich Ottl, der tatsächlich in den Wirren der Bayern-Transfer-Strategie verloren ging, und dort eine Chance verdient gehabt hätte anstelle des irrlichternden Demichelis.

Aber auch der achte Abstieg wird kein Selbstläufer. Wichtig ist es, auf Schalke, in Hannover und gegen Frankfurt gleich einmal für eine gewisse mentale Verunsicherung zu sorgen. Eine rote Karte für den sensiblen Breno, ein verschossener Elfmeter von Rheuma-Kai oder ein schwerer Abspielfehler Ottls, und die Mannschaft bekommt sogleich ein Gesicht. Ein langes Gesicht.

Eigentlich hätte zu dieser Kader-Auffrischung Matthäus viel besser als Trainer gepaßt. Wenn man schon Bayern-Mumien plündert, sollte man die Königspyramide nicht unverschont lassen. Vielleicht geht ja noch was mit Rensing.

Man trifft sich immer zweimal »

In der Saison und auch sonst im Leben. Hertha blieb 2004  nur oben, weil der unglückliche Francis Kioyo von 1860 München am vorletzten Spieltag einen Elfmeter gegen die Berliner verschoß. Diesmal war es der ehemalige Hertha-Torhüter Kiraly (von Falko Götz durch Fiedler ersetzt), der Hertha eine weitere bittere Erfahrung bescherte. 4-1 hieß es im Elfmeterschießen für die Löwen, als nächstes ist Hoffenheim dran, die Berliner zu rupfen. Rangnicks Team gewann gegen viel zu unentschlossene Nürnberger. Ich freue mich über jeden Club-Sieg, es wird im Verlauf der Saison aber kein Schaden sein, nur in der Liga zu spielen. Abstiegskonkurrent Köln erledigte verdient den Deutschen Meister Wolfsburg, Podolski wächst immer mehr in eine Zidane-Rolle hinein: Vorbereiter, Kämpfer, Stratege und dank seiner 60something Länderspiele mit einer bemerkenswerten Ausstrahlung. Unterklassige Vereine kegelten mit dem HSV, Freiburg, Leverkusen, Gladbach vier weitere Erstligisten raus. Die vier Sieger – Augsburg, Duisburg, Osnabrück und vor allem Kaiserslautern – sind alle für weitere Überraschungen gut. Nach den bisherigen Leistungen läuft alles auf ein Endspiel Bayern – Trier hinaus. Aber auch die Fürther sollte man nicht unterschätzen. Wer zweimal so kurz vor Schluß gewinnt, ist zu allem fähig.

Bad Boys Kiel – sie wollten nur Respekt »

Als Falco Götz als Hertha-Trainer immer mehr Probleme  mit seiner Mannschaft bekam, war die Ursache schnell gefunden. Den jungen Straßenkämpfernfußballern fehle der Respekt vor Trainer und Altvorderen. Simunic und Kovac, die Alten im Kader waren die Kronzeugen für dieses Gerücht, und manch einer im Blätterwald heulte mit den Leitwölfen. Diese fühlten sich von den Rotzlöffeln Kevin-Prince und Jerome, Ashkan, Chinedu, Malik, Sofian und wie sie alle hießen, nicht genug gewürdigt. Die Gegenstrategie war ebenso nachhaltig wie grotesk: Eine komplette, überdurchschnittlich begabte Nachwuchsmannschaft wurde in alle Himmelsrichtungen verscherbelt. Jerome hat sich beim HSV mittlerweile (trotz des Wachkomas in Wien) zum Europameister hochgepöbelt. Ashkan provozierte sich unter Felix Magath in Wolfsburg zur Meisterschaft. Malik ist bei Spartak Moskau dank seiner Disziplinlosigkeiten auf Champions League-Kurs. Keiner der dortigen Trainer hat sich jemals spezifisch negativ über die Disziplin der jungen Spieler geäußert.

Vergangene Woche kam Götz vom Regen in die Traufe. Gegen die beinharte Kieler Innenförde ist Berlin-Wedding wie Baden-Baden. Und es kam wie es kommen mußte. Aufgehetzt von den aus autoritätsfernen Schichten stammenden beiden Milchbubis Sven Boy (*1976) und Dimitrijus Guscinas (*1976) ließen sich die vielen Hitzköpfe im Team schnell anstecken und empfahlen/forderten/erwogen, den als beratungsresistent eingestuften Trainer Götz vor die Tür zu setzen. Was auch geschah. Und Kiel gewann. Zwar nur 1-0 und auch nur gegen Heidenheim, aber immerhin.

Nun könnte man einwenden, die stacheligen Berliner Pflanzen hätten einfach einmal umgetopft werden müssen, um ihre geistigen Wurzeln zu finden, rein dialektisch gesprochen natürlich.  Aber im Kader der Störche wimmelt es nicht gerade von Eigengewächsen aus Problemvierteln der Landeshauptstadt, die mit dem Mutterboden an den Töppen und dem Tribal auf dem Rücken gegen den Übungsleiter aufmucken. Mithin werde ich den Verdacht nicht los: Die Kieler Sprotte stank vom Kopf her, und anstatt die Früchte ihrer Weg weisenden Nachwuchsarbeit zu verkaufen, hätte Hertha (lies: Dieter Hoeneß) vielleicht besser den Trainer feuern sollen damals, und Karsten Heine zum Chef gemacht. Der wäre jetzt vielleicht auch Tabellenletzter, aber billiger und nicht so grauenhaft leblos.

Götzens Nachfolger hat im Verbund mit dem Manager-Azubi Preetz mittlerweile fleißig drittklassige Neuzugänge besorgt und wundert sich, dass man für Geld, das man nicht hat, keine besseren Spieler bekommt. In Hertha schlummert eine ausgeprägte, gefährliche Neigung zur Trainerhörigkeit. Auf Forderung des einen hin wurde der Nachwuchs verjagt, auf Drängen des anderen der Erfolgsmanager geschaßt, der Hertha neues Leben einhauchte. Nichts gegen Preetz, der ein echter Lichtblick bei diesem merkwürdigen Verein ist. Aber er kann sich die Krisenbewältigung genauso wenig aus den Fingern saugen wie Scholl bei den Bayern. Sympathie schießt auch keine Tore. Alles andere als eine fette Niederlage in Hoffenheim am kommenden Wochenende wäre eine große Überraschung. Sind also Favres Tage bei Hertha gezählt? Götz ist im Moment zu haben, und die Mannschaft ist überaltert. Das könnte passen. Bis Heine das nächste renitente Rasenrudel ausgebildet hat, dauert es noch ein bißchen. Die Hertha-Bubis stehen in der Regionalliga ganz brav auf Platz 12. Und dürfen sich nach unten orientieren, wenn der große Bruder am Ende die Biege macht.

Die Stunde der Außenseiter »

Irre ich mich, oder gibt diese Pokalrunde mehr Hoffnung denn seit langem, dass die Außenseiter mal wieder so richtig abräumen?

Gleich am Dienstag erwartet der Pokalschreck aller Schrecken, Trier, die aufstrebende Arminia aus Bielefeld, die sich nach dem Ausflug an die Mosel wohl auf den Aufstiegskampf wird konzentrieren dürfen. Die neu aufgestellten Karlsruher begrüßen die vor sich hin dümpelnden Dortmunder, die mit den Gedanken schon beim Derby gegen Schalke sind. Und sollte es der gerüchteweise existierenden Offensivabteilung des 1. FC Nürnberg gelingen, Tore durch Osmose herzustellen, dürfte auch Hoffenheim mit leeren Händen aus Franken zurück kehren.

Am Mittwoch trifft Hertha in seinem Lieblingswettbewerb auf den lettischen Vertreter Achtzehnhundertsechzeikis Münchenis. Und wieder droht ein blaues Wunder. Die zu Hause wackeligen Bremer empfangen St. Pauli, die endlich wieder einmal nicht das Spiel zu machen brauchen und auf pfeilschnelle Konter lauern könne. Osnabrück, das Pokalbermudadreieck des Nordens, setzt an, den HSV zu verschlingen, Kaiserslautern lauert auf Leverkusener Laxheiten, Köln macht sich berechtigte Hoffnungen auf einen Coup gegen Wolfsburg, und ganz zum Schluß gibt es da noch den Lübecker Zentralfriedhof mit einem schmucken neuen Stein, drauf geschrieben steht: Stuttgart. Denn der VfB ist dem VfB sein VfB.  Es ist angerichtet.

Lob des Butt »

Es ist schon bemerkenswert, wie der große Kühle aus dem Norden beim Ringelpietz mit Auswechseln stets die Nerven behält. Als Ersatz verpflichtet, ging er brav mit Käptn Klinsman auf Buddhafahrt, überstand das Katstrophendebüt in Barcelona, für das er nichts konnte, und war einer der Spieler, die im Schlußspurt noch den Platz in der Champions League sicherten. Nach Heynckes kam der dritte Trainer in zwölf Monaten, der erneut Rensing den Vorzug gab. Und jetzt debütierte die Nummer 2 am vergangenen Samstag im richtungsweisenden Spiel gegen den Meister als Nummer 1. Butt war in den entscheidenden Situationen hellwach, er hat den Bayern das Spiel nicht gewonnen, aber er war besser als nur fehlerfrei: ein ruhiger Rückhalt der nach wie vor bestenfalls durchschnittlichen Hintermannschaft. Butt hat als hervorragender Vertreter seines Fachs Respekt verdient, Bayern hin oder her. Wenn er jetzt noch anfängt, Elfmeter zu schießen, wäre er glatt ein Mann für Yogi Löw, dessen Leistungsprinzip immer mehr nach Erich Ribbeck aussieh. Vielleicht retten sich seine Jungs gegen Italien ja 2010 ins Elfmeterschießen, sofern sie gegen Finnland nicht verlieren. Dann kommt es zum Showdown Butt gegen Buffon.

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