Rob AlefFür die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis... [weiterlesen]


Das Manager-Spiel in der Hinrunde »

Wie schon erwähnt, spiele ich in dieser Saison nur Bundesliga, und die Reduzierung aufs Wesentliche hat meinen Mannschaften gut getan. Auch die Entscheidung Classic und Interactive auf 15 Positionen identisch zu besetzen, also das Classic-Team als Grundlage für Interactive zu nehmen, hat sich ausgezahlt.

Bei der Classic-Variante konnte ich am 17. Spieltag mit Platz 613 das bisher beste Tagesergebnis erzielen und in der Gesamtwertung auf Platz 4800 (bei 120000 Teilnehmer/innen) nach oben klettern. Wesentlich dazu beigetragen hat Raul mit seinen drei Toren gegen die gerupften Bremer (oder sagt man bei Fischköpfen: geschuppt?), aber auch Wollscheid ist nach seinem kleinen Durchhänger wieder bei seiner Normalform angekommen. Abräumer Nummer Eins war Reus, der mit 112 mehr als die Hälfte meiner 221 Punkte eingespielt hat. Hoffnung macht, dass die Spieler, die schwächeln – als da wären – Rodnei mit -26, Johnson mit -4 und Feulner mit -2 – allmählich besser in Form kommen. Dass eine Mannschaft mit drei Nürnbergen und drei Schalkern so weit oben steht, ist in jedem Fall erste Sahne.

Bei den Interaktiven sieht es nicht ganz so gut aus. Mein bestes Ergebnis hatte ich am siebten Spieltag. Mit 60 Punkten als Tagesergebnis stand ich auf Platz 4100, um parallel zur Nürnberger Krise nahezu ungebremst und quälend langsam bis auf Platz 38000 abzurutschen. Das Finale der Hinrunde führte mich auf Platz 28000 (von 234000) zurück. Ergänzend zu den Classic-Spielern sind im Interactive-Kader noch Pander und Tiffert hervorzuheben, auch die beiden mit tendenziell leicht aufsteigender Formkurve.

Bleibt die Frage, ob ich neue Spieler holen soll. Manch einer hat sich zu weit aus dem Transferfenster gelehnt und ist dabei böse auf die Nase gefallen. Meine Spieler kommen aus Schalke, Hoffenheim, Kaiserslautern, Gladbach, Köln, Bremen, Hamburg und vom Club. Und bis auf die billigen Füllkäufe ohne Einsätze und Problembär Arnautovic sehe ich bei all diesen Vereinen noch Luft nach oben. Nun gut, Reus und Raul spielen schon am Limit. Aber wenn alle anderen noch ein bißchen besser werden, dann könnte es am Ende für die oberen Zehntausend reichen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012. Vielen Dank fürs Lesen, Diskutieren, Klugscheißern, Korrigieren und Widersprechen in den vergangenen zwölf Monaten.

Hannover macht Spass »

In dieser Woche jährt sich der Todestag von Robert Enke zum zweiten Mal. Man kann nur darüber spekulieren, ob es Ralf Rangnick (Burnout) und Christian Stoll (schwere Depression), dem Stadionsprecher von Werder Bremen und DFB leichter gefallen ist, ihre Situation öffentlich zu machen, weil Enkes Witwe Teresa und die Stiftung konsequent für mehr Akzeptanz von psychischen Erkrankungen arbeiten. Natürlich bekommt der Tod Enkes auch dadurch nachträglich keinen Sinn, vielmehr ist es wie meist erst die Katatrophe, die zum Umdenken zwingt.

Hannover 96 ist neben Gladbach und den unbedarft daherbolzenden Jüngern Pizarros die dritte positive Überraschung dieser Saison, wobei Gladbach eigentlich keine Überraschung ist. Während sich Freiburg, Mainz und Nürnberg nach Trainer- bzw. Spielerverlusten und massiven Verletzungsproblemen völlig neu sortieren müssen, sind die Roten noch stärker als in der letzten Saison. Und es sieht zwar noch nicht so gut aus wie Lüdenscheid in Galaform, aber mitreissend ist es fast immer. Ob das 2-1 gegen die Bayern, das 2-1 in Kopenhagen oder das 2-2 gegen Schalke. Immer steht eine Truppe wie Pech und Schwefel auf dem Platz. Immer kann die Mannschaft reagieren, Kampf und Herz, Taktik und Kopf ergänzen sich im Moment auf ansehnlichste Art und Weise. Das Schlüsselerlebnis war sicherlich die Qualifikation gegen Sevilla, eine kleine Meisterleistung.

Mit Pander haben sie den gefährlichsten Linksfuss der Liga, mit Schlaudraff den Mann mit dem raffiniertesten Außenrist seit Beckenbauer. Dazu Kämpfer wie Pinto und Cherundulo sowie Dauerläufer wie Schmiedebach und Stindl. Bis auf Zieler, Schlaudraff und Ya Konnan ist Hannover ein Team ohne Stars, das von Slomka optimal eingestellt ist. Sogar die schlechte Laune wegen Durststrecke von Torjäger Ya Konnan steckt man souverän weg, ist dadurch sogar noch schwerer auszurechnen. Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass solides Wirtschaften und kluge Transferpolitik jetzt auch mit langfristigem Erfolg belohnt werden.

Dass man im Pokal gescheitert ist, mag im Hinblick auf die europäische Qualifikation ärgerlich sein, allerdings reicht ja jetzt auch Platz vier zur CL-Quali. Und Hannover hat noch Luft nach oben. Nachdem Titel gewinnt, wer Spiele dreht, traue ich den 96ern den Weg ins Finale der Europa League durchaus. Wenn dort Schalke der Gegner wäre, wüßte ich gerade nicht, wem ich den Titel mehr gönnen würde.

Das Märchen von den Über-Bayern »

Zu den beliebten Phrasen zur Einschüchterung der Konkurrenz gehört der Satz: Die Bayern können sich nur selbst schlagen. So, als ob es egal sei, wer da sonst noch auf dem Platz steht. Wenn Gomez in Neapel einen Elfmeter nicht verwandelt, Tollpatsch Badstuber sich einen Ball selbst reinsemmelt oder zwei Spieler ausrasten, weil Pinto von Hannover 96 nach einem Foul auf der Höhe der Mittellinie behandelt wird, könnte man auch sagen: Die Mannschaft ist dem Druck nicht gewachsen.

Eigentlich hätten Boateng und Kroos beide vom Platz fliegen müssen, denn bereits der Schubser von Kroos gegen den 96er-Betreuer war eine rotwürdige Tätlichkeit. Beide Spieler haben an diesem Ort nicht das geringste verloren, sie hatten mit dem Zweikampf nichts zu tun, Pinto liegt draußen und verzögert das Spiel nicht, der Auftritt war völlig überflüssig und in keiner Weise professionell. Über eine rote Karte von Schulz kann man nachdenken, allerdings versucht der, seinen Betreuer zu schützen und Boateng schubst gegen Schulzens Hals und weitaus heftiger als dieser.

Bayern hat gegen die Mannschaften auf Platz 2 bis 9 in der Tabelle bisher fünf Spiele bestritten: gegen Gladbach und Hannover haben sie verloren, gegen Hoffenheim ging es 0-0 aus, gegen Leverkusen und Schalke haben sie gewonnen. Von ihren bisher 26 Toren haben sie sieben geben Freiburg (18.), fünf gegen den HSV (17.), drei gegen Kaiserslautern (14.) und vier gegen den Aufsteiger Hertha erzielt. Das ist keine Bilanz für die man sie pflichtschuldigst zur Übermannschaft ausrufen muss. Dortmund, Stuttgart und Bremen stehen aus der oberen Hälfte noch auf dem Programm.

Es gibt auch andere Mannschaften, die 5-0 gewinnen können. Die tapferen Lüdenscheider Duracell-Häschen zum Beispiel, die sich immer besser in die unheimliche erste Saison nach der Überflieger-Saison reinbeißen, auch wenn sie in der Champions League vermutlich weitherhin kein Land sehen werden. Die haben mit ihrem Verletzungspech und den Nackenschlägen auf europäischem Parkett schon eine Menge wegstecken müssen und sind trotzdem Zweiter. Oder Schalke. Die haben ihren Wunschtrainer durch Krankheit und ihren etatmäßige Torhüter durch Verletzung verloren und sind trotzdem Dritter. Oder Hannover. Die haben die Doppelbelastung der Europa League, weil sie zwei Schlüsselspiele gegen Sevilla mit Bravour absolviert haben, spielen faktisch ohne ihren wichtigsten Stürmer und sind trotzdem Vierter. Oder der HSV. Der ist der HSV und hat trotzdem einen Punkt gegen Wolfsburg geholt.

Apropos Nackenschläge: Für die Bayern gäbe es keinen besseren Moment, sich im Pokal zu blamieren, als gegen den frischgebackenen Tabellenletzten der Zweiten Liga, Ingolstadt. Und am Samstag kommt dann der Club nach München. Zeit für einen Underdogday Afternoon.

===

Und niemals vergessen:

Mein neuer Krimi Kleine Biester erscheint im November bei Rotbuch.
Kaufen und lesen: http://www.hammett-krimis.de/

Die Premierenlesung steigt am 11.11. um 20 Uhr in der Buchhandlung Otherland am Marheinekeplatz in Kreuzberg.
Kommen und zuhören: http://tinyurl.com/3tlkzjy

Bravouröse Borussen-Bubis brüskieren Bremen »

Wenn sich die Lüdenscheid in der Liga weiter so entwickelt, dann dürften sie am 19.11. in München fast wieder in Bestform sein. Sobald sie sich aus Europa verabschiedet haben, können sie sich auf die Titelverteidigung konzentrieren.

Und wenn Owomoyela so weiter spielt und Hinkel in Freiburg auch wieder auf der Bildfläche erscheint, werden die Personalentscheidung für Löw noch ein bißchen kniffliger.

Viertelbilanz, Teil 2 »

Und hier die weltweisen Anmerkungen zu den Mannschaften auf Platz 10 bis 18.

Hertha BSC: Dank des bodenständigen Babbel und des sympathischen Preetz präsentiert sich Hertha vollkommen flausenfrei und wird den Abstiegskampf weiträumig umfahren können. Der Warnschußarrest in Liga Zwei hat funktioniert. Größte Überraschung: Platz 10 nach acht Spieltagen. Wichtigste Frage: Geht Babbel zu den Bayern, wenn Heynckes dort gescheitert ist?

1. FC Nürnberg: Mit dem 3-3 gegen Mainz hat die Mannschaft bereits die zweite Bewährungsprobe nach dem 1-1 gegen Angstgegner Bremen bestanden und einen Rückstand nervenstark gedreht. Bader hat wieder fantastisch eingekauft. Klose Stammspieler, die neuen Pekhart und Feulner mit wichtigen Toren, jetzt kommt auch noch Mak. Angesichts der Theorie: “Wer Rückstände dreht, wird Meister” und der Ausgeglichenheit des Kaders – sogar Schäfer ist adäquat ersetzbar – wäre Nürnberg eigentlich Meisterschaftsfavorit Nummer Eins. Aber an Spieltag Acht gibt es noch keinen Grund, überzuschnappen. Größte Überraschung: Niemand vermißt Ekici und Gündogan. Wichtigste Frage: Halten die Fans dem psychischen Druck Stand, als Geheimfavorit in die letzten 26 Spieltage zu gehen?

1. FC Köln: Guru Solbakken hat dem Treibauf EffZee die Innere Mitte geschenkt. Auch Podolski meditiert brav über die Epistel: Der Laufweg ist das Ziel. Trotz der dauernden Leistungsschwankungen wird Köln eine erfreuliche Saison spielen und seine Fans auch zu Hause nur noch selten gegen sich aufbringen. Größte Überraschung: Novakovic und Podolski. Wichtigste Frage: Wie wird Solbakken eigentlich korrekt ausgesprochen? Sulbbäcken? Saalbuken? Skolbloggen?

VfL Wolfsburg: Als Untoter schleicht der Meister von 2009 durch die Niederungen der Liga. Für Erfolge zu wenig, für den Abstieg zu viel. Ein Mandzukic allein macht noch keinen Spitzenverein. Magath wird noch die ganze Hinrunde brauchen, um die bösen Geister zu verscheuchen. Benaglio hat er bereits wieder in die Spur gekriegt, Nervensäge Diego abserviert. In der Rückrunde wird es dann deutlich freundlicher aussehen. Größte Überraschung: Das 2-3 im Pokal gegen RB Leipzig, bei dem ich erfreulicherweise live dabei war. Wichtigste Frage: Kriegt Magath auch Helmes wieder hin?

1. FSV Mainz 05: Dafür, dass die drei wichtigsten Spieler weg sind, spielt Mainz eine überragende Saison. Sie sollen froh sein, dass sie die Europa League verpaßt haben, es wird auch so schon schwer genug. Tuchel erweist sich weiterhin als überragender Tüftler und Bastler. Größte Überraschung: Alle Experten, die Mainz eine weitere Spitzensaison prophezeit haben. Wichtigste Frage: Wann hat sich die Mannschaft im neuen Stadion eingewöhnt (vier Spiele, drei Heimniederlagen)?

SC Freiburg: Im Rahmen der Möglichkeiten bisher sehr solide Arbeit. Im Rahmen der Freiburger Selbstversorger-Fruchtfolge steht diesmal wieder eine durchwachsene Saison im Kalender. Marcus Sorg hat sich unspektakulär eingefügt, niemand verliert trotz des holprigen Starts die Nerven. Es könnte auf den Relegationsplatz hinauslaufen. Größte Überraschung: Die Abhängigkeit von Cissé ist kleiner geworden. Wichtigste Frage: Wann erreichen die Neuverpflichtungen Bundesliga-Niveau?

1. FC Kaiserslautern: Entschlossene Grimmigkeit herrscht am Betzenberg: Käptn Kuntz und Steuermann Kurz trotzen der schweren See mit stoischer Ruhe. In der Rückrunde werden die Neulinge endlich auch wirklich an Bord sein. Es würde mich sehr wundern, wenn Kuntz nicht wieder ein überragendes Näschen gehabt hätte. Augsburg und der HSV garantieren, dass Kaiserslautern mindestens auf dem Relegationsplatz verbleiben wird. Größte Überraschung: Die mehr als dürftige Abwehrleistung. Wichtigste Frage: Wer schießt die Tore?

FC Augsburg: Es wird ein toller, aber nur einjähriger Ausflug in die Bundesliga, aber dieser Kader ist nicht erstligatauglich. In Nürnberg hat Augsburg 90 Minuten lang Fußball verweigert. Wenn sich ein Torwart beim Abschlag Zeit läßt, ist das gelegentlich nervig. Wenn er das ab Spielsekunde dreißig tut wie Jentzsch gegen den Club, ist das ein Offenbarungseid. Größte Überraschung: Mit dem Kasperletheater um Thurk wechselt die Puppenkiste das Genre. Jos und Michael, nehmt euch ein Beispiel an Robin und Michael. Wichtigste Frage: Gelingt mit Luhukay der sofortige Wiederaufstieg?

HSV: Seit Dick Advocaat* in Gladbach verbrannte Erde hinterlassen hat, ist kein Verein mehr so derartig umgepflügt worden wie der HSV von Frank Arnesen. Und es sieht alles verdammt nach Hertha in der Saison 2009/10 aus. Wichtige Spieler weg, eine völlig verpeilte Transferpolitik einschließlich der Trainerfrage, niederschmetternde individuelle Fehler, zu hohe Ansprüche. Wenn es blöd läuft für die Hanseaten, spielt der HSV nächste Saison unten und St. Pauli oben. Lustig. Größte Überraschung: Hrubesch wurde immer noch nicht verpflichtet. Wichtigste Frage: Reicht die Zeit, wenn der HSV Beiersdorfer erst in der Winterpause zurückholt?

*und nicht wie fälschlich behauptet, Martin Jol, der ein Supertrainer war. (Danke, Johannes. Das kommt davon, wenn man nur einmal im Monat bloggt.)

Und nicht verpassen:

Rob Alefs neuer Kriminalroman “Kleine Biester” erscheint im November 2011.

Jetzt schon vorbestellen.

Habe nun acht… »

…Spieltage gesehen, und nach einem knappen Viertel der Saison ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Teil Zwei folgt dann am Donnerstag.

Bayern München: Die Mannschaft tut alles, um die Frage offen zu lassen, ob Manuel Neuer auch in München Spiele gewinnen kann. Die Viererkette ist besser als im Vorjahr. Hätte das zweite Gegentor nach dem zweiten Neuer-Patzer in Wolfsburg gegolten, hätte Manchester City seine beiden Elfmeter bekommen, wäre nicht alles Heynckes, Freude, Eierkuchen. Meister wird die Mannschaft, die Rückstände dreht. Die Bewährungsproben kommen noch. Größte Überraschung: Kokspetze Hoeneß entdeckt plötzlich, dass es einen Rechtsstaat gibt. Wichtigste Frage: Wird Robben, wenn er weiter mault, an van Gaal ausgeliehen?

Werder Bremen: Endlich wieder Werder-Fußball, wie wir ihn schätzen. Mertesackers Weggang wurde kompensiert, Arnautovic trotz Roter Karte resozialisiert, Defensive mit Offensive austariert. Ohne lästige Demütigungen in der Champions League hat Werder in der Bundesliga noch Luft nach oben. Größte Überraschung: Fritz ist ein guter Kapitän. Wichtigste Frage: Bleibt Pizarro gesund?

Borussia Mönchengladbach: Wie schon am Ende der Saison an dieser Stelle erwartet, spielen die Gladbacher nach der erfolgreichen Relegation eine sagenhafte Saison. Mit ter Stegen haben sie den besten Torwart der Liga (Bayern-Scouts aufgepaßt). Favre hat die schlummernden Potenziale geweckt. Eberl ist  über Nacht vom Krisenmax zum Visionär gereift. Größte Überraschung: Mike Hanke ist ein Leistungsträger, schießt keine Tore und hält trotzdem die Klappe. Wichtigste Frage: Reicht es für Platz vier?

Schalke 04: Huub, Huub hurra. Rangnick hat enormen Mut bewiesen, jetzt ist es für Schalke besser gekommen, als man hoffen durfte. Stevens redet kokett von Platz zwei, aber trotz aller Verehrung der alten Helden mal ehrlich: Der Sturm mit Huntelaar und Raul ist eigentlich sogar noch ein bißchen stärker als der mit Sand und Mpenza. Größte Überraschung: Jermaine Jones ist wieder mit dabei und hat eine Frisur gefunden, die zu seinen Tattoos paßt. Wichtigste Frage: Wie bringt Stevens Fährmann in die Spur?

Hannover 96: Der Slomka-Express rollt weiter. Weniger abhängig von Ya Konnan, mit dem Schnäppchen des Jahrzehnts Pander als brandgefährlichem Überraschungsgast auf links. Wer Bremen 3-1 besiegt und dafür vom kicker die Spielnote 1,5 erhält, darf sich auf eine weitere große Saison freuen. Größte Überraschung: Kein Einbruch wegen der Europa-League, schon die Spiele gegen Sevilla waren erste Sahne. Wichtigste Frage: Wann bringt Jörg Schmadtke die Kunst des Inneren Lächelns endlich als Yoga-DVD raus?

Borussia Dortmund: Trotz des Verlusts von Sahin und der Verletzung von Barrios wirkt der Kader wieder sehr kompakt. Kleine Abnutzungserscheinungen sind vertretbar. Mit Perisic wurde wieder sehr gut eingekauft. Die Lüdenscheider brauchen noch ein wenig Anlaufzeit, dann werden sie noch weiter nach vorne kommen. Größte Überraschung: Der Punkt gegen Arsenal. Wichtigste Frage: Ob sie wenigstens ein Spiel in der Champions League gewinnen werden?

VfB Stuttgart: Das sieht jedenfalls nicht nach Horror-Hinrunde aus. Heimlich, still und leise malochen sich die Schwaben nach vorne. Und der notorische Überflieger Labbadia beweist nach der guten Rückrunde erneut Steherqualitäten. Mit den wiedergenesenen Bremern und den Schalkern mit Stevens wird ein internationaler Platz trotzdem schwer. Größte Überraschung: Boulahrouz ist in der Form seines Lebens. Wichtigste Frage: Wird Cacau fit?

1899 Hoffenheim: Stanislawskis guter Einstand zeigt, dass Provinz und Kiez im Grunde wesensverwandt sind. Eine gewisse Heimeligkeit sind beiden nicht abzusprechen. Trotz des Punktgewinns gegen Bayern an diesem Wochenende ist Hoffenheim vier Plätze zurückgefallen. Es ist eng im oberen Drittel. Größte Überraschung: Andi Beck hat seinen Vertrag verlängert. Wichtigste Frage: Wen wird Dietmar Hopp in dieser Winterpause heimlich verkaufen?

Bayer Leverkusen: Anders als die Schönspieler von der Säbener Straße hat Leverkusen die ersten Rückschläge (Pokal, CL, Schönspieler von der Säbener Straße) bereits verdaut. Dutt erweist sich als ebenso lernwillig und teamfähig wie Ballack. Dass Rangnick in der Lage war, offen über seine Schwäche zu reden und das Handtuch vor dem totalen Zusammenbruch schmeißen, verdankt die Liga wie so vieles andere übrigens Ballack. Er hat es geschafft, ein Weltklassespieler zu sein, und dabei dem Scheitern nicht auszuweichen. Größte Überraschung: Die Entschlossenheit, sich nach oben durchzukämpfen. Wichtigste Frage: Ballack wird seine Kritiker eines Besseren belehren. Aber wie?

Im November 2011 erscheint “Kleine Biester”, der neue Kriminalroman von Rob Alef.

Gleich hier vorbestellen.

Le dernier Mimikry »

Von der Natur lernt der Mensch die perfekte Anpassung an seine Umwelt. Einen glanzvollen Moment geradezu pantheistischer Einswerdung erlebte der geneigte Zuschauer am gestrigen Tage, als der Linienrichter im Spiel Köln gegen Nürnberg sich im gelben Trikot vor der gelben  Werbebande der gelben Deutschen Postbank nahezu gänzlich unsichtbar machte. Zu sehen war nur noch ein schwebender Kopf, nicht nur die Werbebande war gelb. Auch sieben gelbe Karten gab es, von denen sich zwei zu einer gelb-roten gegen den Nürnberger Pekhart summierten. Schiedsrichter Weiner ließ sich nicht lumpen und legte noch eine rote für den Kölner Brecko drauf.

Nürnberg hätte eigentlich nach 60 Minuten 4-1 führen müssen. Danach gab es noch ein paar Mal reichlich Gewurtschtel im Nürnberger Strafraum. Ein Schiri mit Heimkomplex hätte da vielleicht auch Elfmeter für Köln gegeben. Weiner tat es nicht, pfiff stattdessen zwei berechtigte Elfmeter für Nürnberg in der ersten Halbzeit. Mit Nervenstärke, Laufbereitschaft, ihrer formidablen Innenverteidung und bereits dem dritten Torwart im fünften Saisonspiel brachte der Club den Sieg verdient nach Hause. Jetzt wartet mit den wiedererstarkten Bremern ein richtiger Brocken.

Neben dem kicker-Managerspiel bin ich diesmal auch beim Tippspiel von Radio Eins dabei. Dabei werden die Tipps gewichtet, das heißt, für den richtigen Außenseitertipp kann man bis zu dreißig Punkte bekommen, so wie ich für den 2-1 von Hertha in Dortmund. Richtige Tendenz, richtiger Torabstand, richtiges Ergebnis. Für das 2-1 von Nürnberg in Köln bekam ich nur 14 Punkte, was eine Menge über die Entwicklung in Nürnberg aussagt. Mit diesem Auwärtssieg hätte ich vor fünf Jahren die Bank von Radio Eins gesprengt. Der Zeremonienmeister für den Fußball heißt bei Radio Eins Andreas Ulrich. Er kündigte den fünften Spieltag damit an, dass sich alle auf Mario Götze freuen dürften, obwohl der juvenile Delinquent in Leverkusen gerade vom Platz geflogen war. Das las sich dann irgendwie schon wie eine schlechte Gebrauxchstextkonserve. Geradezu frevlerischer Götzedienst. Ulrich belegt im Ranking im Moment etwa Platz 5000. Wenn er in Zukunft immer weiß, wer spielberechtigt ist, wird er schon allein dadurch 1000 Plätze gut machen.

Götze wurde natürlich Opfer eines Justizirrtums, denn wie Wachhund Watzke wußte: Das hat der noch nie gemacht. Das ultimative Entlastungsargument bei jedem Strafprozeß. Das hat mein Mandant noch nie gemacht. Womit es keine Ersttäter mehr gibt, dafür jede Menge Serientäter. Schwarz-gelb vor Neid steht der Deutsche Meister nur auf Platz elf und wird sich nicht lange grämen dürfen, denn die Champions League wartet schon. Gut möglich, dass auch die Borussia wie früher Wolfsburg und Bremen in der CL so richtig durchgewalkt werden. You’re never walked alone.

Mittlerweile habe ich das Manuskript meines neuen Kriminalromans abgeschlossen. Kleine Biester erscheint im November 2011 bei Rotbuch, die Premierenlesung ist am 11.11. um 20 Uhr in der Buchhandlung Otherland in Berlin-Kreuzberg. Da Mainz gegen Stuttgart spielt, an diesem Abend schlicht konkurrenzlos. Die gute Nachricht lautet, dass ich jetzt wieder vermehrt bloggen werde, die schlechte, dass ich pausenlos auf dieses Buch hinweisen und auch vor Praktiken versteckter Werbe*kleinebiester*Botschaften nicht zurückschrecken werde.

Späte Gurkerltore, extrafein »

Dass Bayer Leverkusen ein ernsthafter Konkurrent um die vorderen Plätze sein wird, zeigte sich gestern in der 87. Minute im Spiel gegen Bremen. Erst köpfte Kadlec den eigenen Mann an, ein Querschläger kam zurück zu ihm, beim dritten Versuch ging der Ball vom Innenpfosten schließlich ins Tor. So hat Leverkusen früher seine Gegentore kassiert. Natürlich war das noch kein Überfußball wie letztes Jahr über weite Strecken, die Bremer standen hinten gut und Wiese war bester Mann auf dem Platz. Aber späte Tore, an die man immer glaubt, zeichnen Spitzenmannschaften ja bekanntermaßen aus. Und das Dauerthema Ballack wird bald keines mehr sein. Spätestens, wenn die CL-Saison beginnt, werden alle potenziellen Sechser zu ihrem Recht kommen, auch wenn der Skandalisierungsversuche kein Ende ist. Daniel Theweleit versteigt sich auf Spiegel Online sogar zu einem “Der undurchsichtige Herr Dutt”, weil Leverkusens Trainer am zweiten Spieltag noch nicht verbindlich zusichern konnte, ob er in Zukunft Ballack oder Rolfes oder Ballack und Rolfes bringen wird. Oder Bender noch mit einkombiniert. Nach dem ordentlichen Auftritt von Ballack nach fast einem Jahr Verletzungspause ist der durchsichtige Herr Theweleit offenbar bestrebt, neue Schwierigkeiten unter allen Umständen herauf zu beschwören. Aber Robin Dutt hat mit dem knappen, nicht unverdienten Heimsieg erst einmal einen akzeptablen Saisonstart hingelegt, ebenso wie Heynckes, Rangnick und Stanislawski.

Sag mir was Schmutziges, Liebling »

Einszunull.

Willkommen zur 49. Bundesligasaison. Es waren die beiden schmutzigen 1-0, die dem ersten Spieltag das Sahnehäubchen aufsetzten. Das 1-0 von Nürnberg erlebte ich im Olympiastadion. Es war das erste Saisonauftaktspiel, das ich live erleben konnte. Kann schon sein, dass der Sieg für den Club unverdient war, die Niederlage für Hertha jedenfalls war verdient. Wer bei seiner Rückkehr so wenig zustande bringt, der fängt sich dann halt eins ein kurz vor Schluß. Nürnberg präsentierte eine gelungene Mischung aus Borussia Dortmund (Technik) und Tai Chi (Geschwindigkeit). Und immer, wenn sie so schnell kombinierten wie in der letzten Saison, war Hertha überfordert. Das war im ganzen Spiel insgesamt 43 Sekunden lang der Fall. Eine Chance in der ersten, eine Chance in der zweiten Halbzeit und das 1-0.

Torschütze Pekhart ist ein interessanter Mann. Nicht ganz so groß wie Peter Crouch, aber stets in der Lage den tödlichen Pass zu spielen. Er fällt ein bißchen theatralisch, aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man bei einem 1,94-Mann spontan denkt: Hab dich nicht so. Bemerkenswert auch die Deckungsarbeit der Nürnberger, die alle defensiven Kopfballduelle gewannen. Schäfer hatte zwei Bälle zu halten. Der neue Mann Klose fügte sich gut ein. Feulner lancierte überraschenderweise nicht gleich wieder einen Hattrick wie gegen Bielefeld, dribbelte sich ein paar Mal fest, ansonsten aber weder Angst noch Bange ums Mittelfeld aufkommen ließ. Cohen zeigte mehr Kampfgeist als die gesamte Hertha. Hegeler gab 28 Sekunden nach seiner Einwechslung die Vorlage zum Siegtreffer,  Mendler spielte gut mit. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob hier wirklich Not gegen Elend am Start war, oder ob diese Club-Abwehr auch Mannschaften mit einer Offensive in Schach halten kann. Dass vier der sieben wichtigsten Spieler (Schieber, Wolf, Eciki, Gündogan) weg gegangen sind  – Schäfer, Pinola und Simons sind noch da – war dem Club nicht anzu merken. Und in der Hinterhand Mak, Herr Nilsson, Maroh, Frantz, Esswein und Bunjaku, ein sehr ausgeglichener Kader. Die Mannschaft hatte Ordnung und Spielanlage, in Zukunft alles dreimal so schnell, dann war das der Anfang einer wunderbaren Spielzeit.

Wir saßen in einem gemischten Block, sehr viele Clubfans im Stadion, sogar der Oberrang des Fanblocks war gut gefüllt. Neben uns ein Ostberliner, ins Stadion gekommen, um Hertha eine faire Chance zu geben. Er war restlos enttäuscht.  Die Herzen der Berliner zu gewinnen, wird weiter eine Herausforderung für den Aufsteiger. Sportlich muss dieses Spiel nicht viel heißen. Vielleicht tun sie sich auswärts anfangs sogar leichter. Unterschätzen sollten sie den im Umbau befindlichen HSV trotzdem nicht. Die haben von  Barcelüdenscheid zwar ihre Auftaktlektion bekommen, trotzdem sah das schon wieder sehr nach Mannschaft aus. Nach überforderter Mannschaft, aber immerhin.

Das zweite 1-0 des Spieltags trug sich in München zu. Die stets schonungslos analysierende Süddeutsche titelt: “Aufbruch in den Krisensommer”. Das steht zwar im Wirtschaftsteil, bezieht sich aber womöglich auch auf das FestgeldConto Bayern München, dessen Ratings am Sonntag Abend in den Keller rauschten.  Zuletzt konnte glaube ich Kaiserslautern das Auftaktspiel in München gewinnen, die wurden dann mit Rehhagel Meister. Der kicker schreibt ebenso schonungslos: “Nachdem zwei große Möglichkeiten nicht in die überfällige Führung des FCB mündeten, sorgte ein Missverständnis in der Bayern-Abwehr für die Entscheidung.” Ein Mißverständnis namens Neuer, was wirklich ein Jammer für den begabten und sympathischen Buerer Bua, aber nicht minder absehbar ist. Der Club verlor 2007/08 sein Auftaktspiel nach einem Patzer des neuen Keepers Blazek zu Hause gegen Schalke mit 0-2. Blazek blieb immer ein Fremdkörper und der Club stieg ab. So schlimm muss es für Bayern nicht kommen, es gibt ja Hertha und Köln, aber  jetzt geht es nach Wolfsburg. Die Wölfe von Dompteur Magath mit einem Bärenhunger auf Tore ausgestattet. Das könnte schwierig werden, auch wenn Grafite nicht mehr da ist.

Bremen spielt wieder Fußball, ist das nicht schön.

Männer ohne Nerven »

Früher, da ging es echt übel ab auf dem Reichsparteitagsgelände. Die Nazis waren an der Macht, und immerzu wurde die Volksgemeinschaft mit “Kraft durch Freude” zusammengelockt. Am Samstag war alles ganz anders. Da holten Cohen, Simons & Co. verdient einen Punkt gegen das Festgeld Conto Bayern München, und der sportliche Erfolg stand unter dem Motto “Freude durch Kraft”. Es waren nicht die zwei verlorenen Punkte, die das Fäßchen Hoeneß zum Überlaufen brachten, sondern die einsame Entscheidung, den soliden Butt durch den flatterhaften Kraft zu ersetzen. Wäre van Gaal zu diesem Zeitpunkt nicht in Katar gewesen, wer weiß, man hätte ihn wohl schon im Winter in die Wüste geschickt. Das sympathische Jahrhunderttalent Kraft hat das FCB schon wenigstens acht Punkte gekostet – drei die Hannover gemacht hat, drei die Bayern dort nicht gemacht hat, und zwei in Nürnberg – und das war’s dann auch schon mit dem Ärachen van Gaal. Jonkers und Gerland haben jetzt die schwierige Aufgabe, ihre Männer elegant auf Platz sechs durchzuschleusen, damit sie nicht in der verhaßten Europa League enden, in der ein CL-Sieger wie Porto groß aufspielt.

Soll man sich den Club in der Europa League wünschen? Ich weiß nicht so recht. Die Mannschaft wird wieder wesentliche Spieler verlieren, selbst bei einem Abstieg von Stuttgart gibt es lukrativere Adressen für Schieber. Gündogan und ich fürchte Wollscheid könnten auch verschwinden. Soll man wegen eines Auswärtssiegs bei BATE Borisov den Klassenerhalt aufs Spiel setzen? Wenn wir mal unterstellen, dass sie aus den letzten fünf Spielen noch sieben Punkte holen (darunter einen kleinen, aber gemeinen Punkt in Dortmund), dann hätten sie fünfzig am Ende. Der gemeine Clubfan wäre sicherlich nicht traurig, wenn die Mannschaft nächste Saison elfmal statt neunmal zu Hause gewinnt, und fünfmal statt dreimal auswärts. Oder wieder schon am 25. Spieltag den Klassenerhalt sicherstellt. Diesmal wurden bereits Schalke und Stuttgart bezwungen, Köln und St. Pauli begeisternd besiegt, van Gaal wurde mit einem typischen Eigler-Tor verabschiedet. Gegen Freiburg, Gladbach, Kaiserslautern muss man es zu Hause besser machen, gegen Dortmund und Bremen darf man. Also noch viel Luft nach oben im neuen Jahr und dann am besten gleich Platz vier in 2012 anpeilen und gegen Borisov die CL-Quali schaffen. Für ein Auswärtsspiel in Barcelona kann man 2013 wieder mit dem Relegationsplatz kokettieren.

Froh und dankbar muss man sein, dass der Club mit diesem nervenzerfetzenden Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat. Selbst Hoffenheim, die vor Wochen noch von Platz fünf sprachen, kann es noch erwischen. Es ist wie in einem Zombiefilm. Die Totgesagten wie Gladbach und Kaiserslautern kehren zurück, dem Schicksal scheinbar Entronnene wie Stuttgart und Bremen werden von den lebenden Leichen mit in den Abgrund gezogen.

Weit weg von jedem Abgrund ist das erfahrene Vizekusen, das sich auf Platz zwei behaglich eingerichtet hat und dem BVB beharrlich näher kommt. Fünf Punkte und fünf Spiele, könnte eng werden. Dieses Mal könnte Bayer sogar in München gewinnen, das FCB musste schon gegen Mainz und Dortmund Federn lassen. Der BVB hat einen Punkt in Hamburg gerettet, aber Bayer hat sein Spiel eben noch vollständig gedreht und zeigt eine erstaunliche Nervenstärke. Allen voran der immer besser werdende Kießling, der es schafft, Aggressivleader zu sein, ohne dauernd jemand seinen Ellenbogen ins Auge zu stemmen. Dortmund muss noch gegen zu allem entschlossene Bremer, brennende Gladbacher und leichtfüßige Nürnberger spielen. Mal sehen, ob den Duracell-Häschen auf den letzten Metern der Saft ausgeht. Leverkusen wirkt insgesamt reifer, obwohl keiner so ekstatisch jubelt wie die Dortmunder. Und Klopp ist in dieser Saison mehr gelaufen als das gesamte Mittelfeld von Wolfsburg.

« ältere Beiträge