Das Gute an Deepwater Horizon »
Wenigstens ist es kein Atomkraftwerk.
Was uns zu der Frage führt, ob die USA bei dieser WM etwas zustande bringen werden, oder ob alles im Sande verläuft.
Die meisten Spieler sind mittlerweile in Europa tätig. (Legionärskrankheit: Marotte von Sportjournalisten, die im Ausland tätige Profis stets nur als Legionäre bezeichnen). Zu den Vereinen gehören Aarhus, Hannover 96 und Aris Thessaloniki, aber auch AC Mailand, FC Villareal, Glasgow Rangers und Fulham.
Es gibt natürlich leichtere Auftaktspiele als gegen England, einen der Topfavoriten. Aber mit Algerien und Slowenien in der Gruppe ist zumindest Platz Zwei nicht unrealistisch. Ich favorisiere aus Prinzip afrikanische Mannschaften, bis auf Ghana waren sie allerdings 2006 alle ziemlich fad. Nehmen wir mal an, die USA kämen mit England weiter, hätte dann Schland überhaupt eine Chance? Ohne Ballack? Die USA haben traditionell einen ausgeprägten Teamgeist, sind extrem lauf- und zweikampfstark. Sie haben keine Überflieger in ihren Reihen, mit Howard einen sehr guten Torwart und mit Bradley einen Trainer, der das Team in aller Ruhe vorbereiten konnte. 2006 scheiterten sie mit nur einem Punkt an Ghana, Tschechien und Italien, dieses Mal könnte es schon ein bißchen mehr sein.
Leider nicht mehr dabei ist Alexi Lalas (40), der 2006 bis 2008 Manager der Los Angeles Galaxy war. Seinen Bart, mit dem er mit Außerirdischen kommunizieren konnte, hat er abrasiert. Dafür macht er Musik. Deutlich besser als Gerd Müller, aber an Radenkovic kommt er nicht ran.
Hinter Mailand beginnt das Paradies »
Fast alle reden vom Defensivkünstler Mourinho, leise Zweifel sind angebracht. Nicht nur das Pokalfinale hat gezeigt, dass die Bayern im Moment nicht zu stoppen sind, wenn man sie spielen läßt. Florenz hat das beim Stand von 3-1 gelernt, Manchester United beim Stand von 3-0. Natürlich wird Inter es nicht mit rauschhaftem Offensivfußball wie Barcelona oder Powerpressing wie Manchester versuchen, sie werden sich aber bestimmt nicht neunzig Minuten einigeln. Die Taktik in Chelsea und Barcelona war der Auswärtstorregel in den Rückspielen geschuldet.
Diesmal gibt es kein Rückspiel, genau wie 2006 in Dortmund, als fast alle schon vor dem Halbfinale über die italienischen Defensivkünstler maulten. Italien beschäftigte die deutsche Defensive gerade so viel, dass nach vorne nicht viel ging, in der Verlängerung wechselte Lippi zwei Offensive (Iaquinta und del Piero für Camoranesi und Perrota) und letztlich den Sieg ein. Die Italiener spielen defensiv, weil sie es können, besser als alle anderen. Weil sie vom antiken Rom über Palladio, Verdi und Antonioni ein beinahe 3000 Jahre altes Formverständnis entwickelt haben und genau wissen, dass Form auch in der Kunst des Weglassens besteht. Im Weglassen zirzensischer Offensivkünste beispielsweise. Dass Mourinho Portugiese ist, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Italienisch kann man lernen.
Aufsteiger erobern die Herzen selten dadurch, dass sie die beste Abwehrreihe stellen. Auch die zurecht gelobten Mainzer waren in dieser Disziplin nur unter den besten zehn Vereinen. Geläufiger ist das Modell Hoffenheim, eine halbe oder ganze Saison hui, und danach braucht man eine ganze Weile, die Anordnung der Körper im Raum zu erlernen, Disziplin im Foucaultschen Sinne. Inters gelehrige Abwehrreihe spielt Viererkette rückwärts und im Schlaf, das Team kann aber jederzeit zwei Gänge höher schalten. In der Champions League erzielten sie 15 Tore, trafen in jedem Spiel außer in den beiden Spielen in Barcelona. Bayern traf 21 mal, davon vier mal gegen Maccabi Haifa und spielte gegen Florenz und Manchester viermal wie ein Aufsteiger mit dem hui des Tüchtigen.
Diesmal wäre ein 2-3 auswärts zu wenig.
Das linke Dings mit Frings »
Man kann über alles reden, auch über die Zukunft von Torsten Frings in der Nationalmannschaft. Abgesehen von Ballack (und Mertesacker und Klose?) hat niemand eine Stammplatzgarantie. Aber einen so erfahrenen Spieler zu demontieren und frühzeitig abzuservieren ist unverständlich und auch unfair.
Heute findet sich im kicker der Notendurchschnitt von Frings in den verschiedenen Wettbewerben der letzten Spielzeit: Nationalmannschaft 5,50, DFB-Pokal 2,63. Hat das eventuell mit der Wertschätzung des Trainers zu tun? Rolfes hatte in der gesamten Saison die besseren Werte, spielte im Verein aber nicht international, verlor das DFB-Pokalfinale gegen Bremen mit 1-0 und den persönlichen Vergleich mit Frings (Note 4 – Note 2,5).
Ich denke immer noch, mit Frings wäre das Halbfinale gegen Italien 2006 anders gelaufen. Ich sage nicht, Deutschland hätte gewonnen, aber Frings ist einer, den man für große Spiele braucht. Das vermurkste EM-Finale geht auch auf seine Kappe, aber das hat er ja offen zugegeben.
Khedira und Hitzlsperger müssen erst zeigen, dass sie ihre Form auch in der CL abliefern, sollten sie sich qualifizieren. Ballack ist verletzungsanfällig und auf Sicht kein Stammspieler bei Chelsea, Jones wurde von Löw schon erfolgreich wegegeekelt. Dass Ernst noch einmal eine Chance bekommt, glaubt keiner, ich auch nicht. Westermann wird wahrscheinlich in der Abwehr gebraucht. Das vermeintliche Überangebot an defensiven Mittelfeldspielern ist also gar keines.
Mir würde folgende Konstellation gefallen: Deutschland verliert in Moskau ohne Frings, dann beruft ihn Löw für die Relegation und Frings sagt nein. In der Defensive gut verschoben, aber trotzdem dumm gelaufen.
Ist Kuranyi selbst schuld? »
Im kicker schreibt Thiemo Müller heute, Kuranyi sei allein schuld an seiner Misere. Wenn Müller damit sagen will, selbst schuld, wer daran glaubt, beim DFB gehe es nur nach Leistung, hat er recht. Ansonsten war Kuranyis Abgang beim Spiel gegen Rußland eine sehr gesunde Reaktion auf das zynische Katz-und-Maus-Spiel, das die Trainer Klinsmann und Löw mit ihm betrieben haben. Es war mies, Kuranyi nicht zur WM 2006 mitzunehmen. Es war ein schlechter Witz, Gomez die EM 2008 als Einspielzeit zu gewähren, auch gestern blieb er wieder blaß. Möglicherweise ist er wie Kirsten einer, der mit der Nationalmannschaft nicht richtig warm wird. Ballack bricht heute, ebenfalls im kicker, eine Lanze für Kuranyi. Und jedes Tor des Schalkers wird die Diskussion intensivieren. Dass Podolski in der Nationalelf nichts verloren hat, ginge es nach Ballack, hat der Kapitän zwischen den Zeilen auch zu erkennen gegeben. Mal sehen, was passiert, wenn Helmes den Anschluß nicht findet, Gomez weiter mannschaftsdienlich und torlos spielt, Podolski in den Kölner Querelen hängenbleibt und Kießling wie bisher kein Knipser wird. Kommt dann Odonkor wieder? Kuranyi ist seit Jahren der stetigste Stürmer, obwohl er in Schalke die Fans von Anfang an gegen sich hat. Wenn das keine Charakterstärke ist, was ist es dann?
Was bisher geschah »
Deutschland ist Dritter geworden. Mainz schlägt Liverpool 5:0. Nürnberg schlägt Eindhoven 3:0. Tivoli und Stadion der Freundschaft werden die Gäste das Fürchten lehren. Die Sterne stehen günstig für Außenseiter, sogar Schalke will Meister werden, sogar in Lüdenscheid wird wieder Fußball gespielt. Vorhang auf zu einer unvergeßlichen Spielzeit. Was bisher geschah bei Volk ohne Raumdeckung finden Sie hier.
Für die einen ist Fußball das Geschäft ihres Lebens, für die anderen die schönste Nebensache der Welt. Läge ich wie einst Isaac Davis...
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